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Full text of "Deutschland; dargestellt auf Grund eigener Beobachtung, der Karten und der Literatur"

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Dr. Gustav Braun 

Deutschland 


1: Text band 





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Deutschland 



Dargestellt auf Grund eigener Beobachtung, 
der Karten und der Literatur 



von 



Dr. Gustav Braun 

ord. Professor der Geographie a. d. Universität Basel 



Zwei Teile: 

I: Textband. XI und 383 Seiten 
II: Tafelband mit 33 Tafeln, Eiiäuterung und Beilagen 



5G5333. 

Berlin 

Verlag von Gebrüder Borntraeger 

W 35 Schöneberger Ufer 12 a 

1916 



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Alle Rechte, 
insbesondere das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten 

Copyright, 1916, by Gebrüder Borntraeger in Berlin 



Druck von E. Buchbinder (H. Duske) in Neuruppin. 



Vorwort 

Das vorliegende Werk ist aus einer Reihe von Vorträgen über 
Mitteleuropa erwachsen, die ich im W.-S. 1910/11 in einem der 
Berliner Hochschulkurse hielt. Sie wurden zunächst zu einer 
vierstündigen Vorlesung ausgestaltet, die in Berlin und hier in 
Basel wiederholt den Beifall eines größeren Auditorium von Stu- 
dierenden fand. Den Stoff boten mir über etwa 14 Jahre aus- 
gedehnte Reisen durch weite Teile Mitteleuropas, deren Anschauung 
durch längere Aufenthalte an den Universitäten Königsberg, Göt- 
tingen, Greifswald, Gießen, Berlin und zuletzt Basel in erwünschter 
Weise vertieft ^Tirde; ferner die amtlichen Kartenwerke und die 
von der ..Zentralkommission für wissenschaftliche Landeskunde von 
Deutschland" herausgegebenen Handbücher und Forschungen. Zum 
Abschluß drängte die Übernahme neuer Verpflichtungen und vor 
allem der Gedanke, daß die Aufgabe einer Geographie Deutschlands 
heutzutage so ungeheuer groß ist, daß sie nur in einem raschen 
Anlauf bewältigt werden konnte, wobei der Blick starr auf das mir 
wesentlich Erscheinende gerichtet bleiben mußte — sonst war nicht 
durchzukommen. So ist dieses Buch kein systematisches, mehr eine 
Sammlung von Studien über einzelne Landschaften, ja mitunter nur 
über gewisse Seiten der Landschaft, verbunden durch Darlegungen 
an Hand der hervorragenden Topographischen Übersichtskarte des 
Deutschen Reiches 1 : 200000, deren Blätter dem Leser daher immer 
zur Hand sein sollten, weshalb sie auch jeweils am Rande genannt 
sind. Besonderes Gewicht wurde auf die bisher fast immer ver- 
nachlässigte Darstellung der Städte gelegt. 

Indem ich mich streng an die Ei'länternng der Karte anschließe 
und im Text nur das gebe, was mir zum vollen Verständnis des 



JV Vorwort 

Kartenbildes nötig erscheint, g-laube ich einerseits einen sicheren 
methodischen Wegweiser gefunden zu haben, der ein Abschweifen 
von der Beschreibung in die Landeskunde mit ihrer bunten 
Fülle verhindert, andererseits dauernd einen leisen Druck dahin 
auszuüben, daß der Benutzer des Buches nun mit der Karte 
in der Hand hinauswandere, beobachte und vergleiche, prüfe wie 
weit der Text ihm wirklich das Landschaftsbild erklärt. Dem 
gfeog'raphiseh g-eschulten Beobachter, vor allem dem Studierenden 
und dem Lehrer, soll das Literaturverzeichnis die Möglichkeit 
g-ebeu, sich tiefer in die ihm bekannte Landschaft seiner Umgebung, 
seiner Reisen zu versenken. Die zahlreichen Beilagen von Karten- 
netzen werden ihm die Beschaffung der dazu nötigen Kartenblätter 
verschiedener Maßstäbe erleichtern. Die Abbildungen schließlich 
sollen unmittelbar auch ohne den Text auf Exkursionen und Reisen 
mitgenommen werden und ohne viel Worte das Bild der betreffenden 
Landschaft, der betreffenden Stadt erläutern, wie sie selbst zum 
großen Teil auf Exkursionen entstanden sind. 

Von der Beigabe von Landschaftsbildern als Wiedergabe 
von Photographien mußte bei dieser ersten Ausgabe noch Ab- 
stand genommen werden, um das Werk nicht gar zu sehr zu ver- 
teuern. Auch ist die Schwierigkeit der Beschaffung guter, wirk- 
lich etwas zeigender Photographien groß, ja eine solche ist für 
\iele Teile Mitteleuropas überhaupt nicht möglich, zumal die An- 
wendung der besten Aufnahmen, nämlich der aus der Luft, gegen- 
wärtig nicht angängig ist. Der Text ist wegen des Mangels an 
Bildern gewiß an vielen Stellen sehr trocken geworden, um so mehr 
möge er den Benutzer anregen, ins Freie zu gehen und sich mit 
den Bildern zu erfüllen, die seine Umgebung bietet, die ihm, wenn 
er sie wirklich verstanden hat, auch die innere Veranschaulichung 
anderer Teile Deutschlands an Hand der Ivarte gestatten werden. 

Die Niederschrift und Tafelzeichnung wai-en Ostern 1914 so 
weit vollendet, daß ein erster Prospekt den Teilnehmern am 
19. deutschen Geographentag in Straßburg Pfingsten 1914 über- 
reicht werden konnte. Die ersten Kon-ekturen erhielt ich am Tage 
meinei- Einberufung in den Kriegsdienst — und dann konnte der 
Druck erst nach langen Monaten fortgesetzt und schließlich im 
Februar 1916 zu Ende gebracht werden. Die langen Pausen in 



Vorwort V 

der Drucklegung sind tlie Ursache mancher Ungleich mäßigkeiten 
in der Ausführung und dem Äußeren des Werkes. 

Die weitaus meisten Zeichnungen hat nach meinen Angaben und 
Skizzen Herr S. Baur, damals Assistent an dem Geographischen 
Institut der Universität Basel, ausgeführt. Bmi gebührt mein 
wärmster Dank für die Übernahme dieser sehr großen, mühevollen 
Arbeit. Herr P. Vo sseler steuerte eine Skizze der Vogesen nach 
seinen eigenen, durch den Krieg unterbrochenen Studien bei, Herr 
E. Voellmy fertigte die Karte vom Erzgebirge. Auch ihnen sei 
bestens gedankt. Nicht original sind nur Tafel VI, VII und VIII, 
für deren Überlassung ich den betreffenden Autoren und Verlegern 
zu Dank verpflichtet bin. 

Meiner lieben Frau danke ich für ihre Hilfe bei der mühe- 
vollen Anfertigung des Registers, der Universitätsbibliothek Basel 
und Herrn Kollegen C. Schmidt für die Liberalität, mit der mir 
von ihnen die Benutzung von Bibliothek und Kartensa mnilungen 
gestattet wurde. 

Zum Schluß drängt es mich, dem Inhaber des Verlages 
Gebrüder Borntraeger, Herrn Dr. R. Thost, meinen verbindlichsten 
Dank auszusprechen für die nimmer ermüdende Tätigkeit und das 
dauernde Wohlwollen, mit denen er die Herausgabe dieses Werkes 
von Anfang an gefördert hat. Daß es überhaupt in diesen schwie- 
rigen Zeiten, noch dazu mit mancherlei technischen Besonderheiten, 
die es aufweist, erscheinen konnte, ist nur seiner Opferfreudigkeit 
und seiner Tatkraft zu danken. Er erkannte auch in kritischer 
Zeit meine Gründe an, daß es gelte in dem vorliegenden Werk 
der deutschen studierenden Jugend und Lehrerschaft ein Hilfs- 
mittel in die Hand zu geben, das bestimmt sein soll, die eingehende 
Kenntnis unseres Vaterlandes zu fördern und eine lang(^ \'cr- 
säumuis der deutschen geographischen Wissenschaft gegenübci- aUen 
Gebildeten des deutschen Spracligcbietes gutzumachen. Möge dieser 
Idealismus durch den Erfolg des Werkes nicht enttäuscht werden! 

Basel, 22. März 1916 

Gustav Braun 



Inhaltsverzeichnis 

Seite 

Vorwort III 

Einleitung 1 

I. Das natürliche Landschaftsbiid 4 

1. Die Plastik des deutschen Bodens 4 

2. Geologische Geschichte 7 

3. Entwicklung der Oberflächenformen 16 

4. Die bodenplastischen Regionen 26 

5. Das Klima Deutschlands 26 

Norddeutschland 27 

Die mitteldeutsche Schwelle 30 

Südwestdeutschland 32 

Oberdeutschland 33 

6. Die Flüsse Deutschlands 35 

7. Die natürliche Pflanzendecke Deutschlands 40 

II. Die Umgestaltung des natürlichen Landschaftsbildes, der Besiedlungsgang 43 

IM. Das gegenwärtige Landschaftsbild Deutschlands 61 

1. Norddeutschland 61 

Überblick 61 

Die altpreußische Region 65 

Die pommersche Region 77 

Die schleswig-holsteinisch-mecklenburgische Region 84 

Nordwestdeutschland 90 

Die Lüneburger Heide und Umgebung 106 

Das märkische Zwischenstromland HO 

Das Wartheland 118 

2. Die mitteldeutsche Gebirgsschwelle 121 

Überblick !-• 

Das Rheinische Schiefergebirge l--* 

Das Saar-Nahe-Gebiet l^i"» 

Hunsrück-Taunus-Gau 127 

Eifel-Gau 1-^ 

Westerwald-Gau ^-^ 

Ardennen, Sauerland !-•* 

Besiedlungsgaug der linksrheinischen Rumpfplatte .... 131 



Yjjy Inhaltsverzeichnis 

Seite 

Besiedlungsgeschichte der rechtsrheinischen Rumpfplatte . . 134 

Die Industriezonen 137 

Das Rheintal 139 

Die niederrheinische Bucht 141 

Die westfälische Tieflandsbucht 144 

Das Weserbergland 146 

Das Leine-Bergland 149 

Der Harz 150 

Das nördliche Harzvorland 152 

Das östliche Harzvorland 157 

Das lippische Bergland 157 

Der SoUing 158 

Das Eichsfeld 160 

Thüringen 162 

Der Thüringer Wald 167 

Das Werra-Bergland 170 

Das Hessische Bei-gland 172 

Die hessische Senke 173 

Das Fulda-Bergland und die Rhön 174 

Der Vogelsberg 176 

Das oberelbische Hochland und seine Randgebiete 177 

Der Frankenwald 179 

Das Fichtelgebirge 181 

Das Becken von Eger 183 

Der Böhtuerwald 184 

Das Erzgebirge 186 

Das Vogtland 191 

Das erzgebirgische Becken 192 

Das Eibsandsteingebirge 193 

Das böhmische Mittelgebirge 195 

Die Oberlausitz 196 

Die sächsische Bucht 198 

Die nördliche Oberlausitz 201 

Die Sudeten 202 

Das Sudeten -Vorland 210 

3. Südwestdeutschland 215 

Überblick 215 

Die Pfalz 218 

Das lothringische Stufenland 219 

Die Pfalzburger Mulde 223 

Die Vogesen 224 

Der Scliwarzwald 227 

Der Kraichgau 232 

Der Odenwald 233 

Der Spessart 234 

Die mittelrheinische Senke 236 

Das rechtsrheinische Stufenland. Überblick 254 



Inhaltsverzeichnis IX 

Seite 

Das Stromberg-Plateau 256 

Die Zone der Gäu's 257 

Das obere Neckarbergland 259 

Mittelfranken 261 

4. Oberdeutschland 263 

Überblick 263 

Die Jura-Plateaus 264 

Der schwäbische Jura 264 

Die Ries-Senke 269 

Der Frankenjura 269 

Die Oberpfalz 271 

Das Niederbayrische Hügelland 272 

Die Alpen und ihr Vorland. Überblick 275 

Die Allgäuer Alpen 278 

Das Faltenland 280 

Das Land Berchtesgaden 284 

Das Alpenvorland. Überblick 286 

Die Zungenbecken 287 

Das Bodenseeland 288 

Das Kempten-Füssener Becken 293 

Das Ammer -Wurm Becken 295 

Das Rosenheimer Becken 297 

Das Salzburger Becken 298 

Das Terrassenland 299 

Überblick 299 

Oberschwaben 300 

Das Donautal zwischen Ulm und Regeusburg 303 

Die schiefe Ebene von München 304 

Die Alz-Ebene 306 

Zusammenfassung 307 

Anmerkungen und Literaturangaben 314 



Übersicht des Literaturverzeichnisses 

Vorbemerkungen ^^-^ 

Einleitung 31-* 

I. Das natürliche Landschaftsbild 315 

1. Bodenplastik •^'•"^ 

2. Geologische Geschichte •'^l-'' 

3. Formengeschichte ''^^^^ 

5. Klima '^'^ 

6. Die Flüsse '^^^ 

7. Die natürliche Pflanzendecke 3'JO 



X Inhaltsverzeichnis 

Seite 

II. Der Besiedlungsgang 320 

Allgemeines 320 

Vorrömische Besiedlung u. d. Landschaftsbild außerhalb der Grenzen 

römischen Einflusses 321 

Umbildung der Landschaft durch die Römer 321 

Landschaftsbild um 500 u. Chr 322 

Die Kolonisationsepoche 322 

Die historischen Siedlungsformen 322 

Die Umgestaltung der Küsten 324 

Die Wüstungen 324 

Die zweite Kulturperiode ' 324 

III. Das gegenwärtige Landschaftsbild 324 

Gesamtgebiet 324 

1. Nord deutsch land 325 

Urmaterial (n. Staaten geordnet) 325 

Bearbeitungen usw. innerh. politischer Grenzen 325 

Bearbeitungen in regionaler Ordnung 328 

Altpreußische Region 329 

Pommersche Region 330 

Schleswig-holsteinisch-mecklenburgische Region 332 

Nordwestdeutschland 333 

Die Lüneburger Heide und ihre Umgebung 335 

Das märkische Zwischenstromland 335 

Das Wartheland 336 

2. Mitteldeutschland 337 

Urmaterial (n. Staaten geordnet) 337 

Bearbeitungen usw. innerhalb politischer Grenzen 337 

Übersicht 338 

Das Rheinische Schiefergebirge 338 

Die Niederrheinische Bucht 341 

Die Westfälische Bucht 342 

Das Weserbergland und Lippische Bergland 342 

Das Leine-Bergland 342 

Der SoUing 342 

Der Harz 343 

Das nördliche Harzvorland 343 

Das östliche Harzvorland 344 

Das Eichsfeld 344 

Thüringen 344 

Thüringer Wald 345 

Werra-Bergland 345 

Hessisches Bergland 346 

Der bayerisch-böhmische Wald 346 

Fichtelgebirge 347 

Vogtland 347 

Erzgebirge 347 



Inhaltsverzeichnis XI 

Seite 

Erzgebirgisches Becken, Mittelgebirge 348 

Eibsandsteingebirge 348 

Böhmisches Mittelgebirge 348 

Elbtal 348 

Sächsische Bucht 348 

Oberlausitz 349 

Sudeten 349 

Sudeten -Vorland 350 

3. Südwestdeutschland 350 

Urmaterial (n. Staaten geordnet) 350 

Bearbeitungen innerhalb politischer Grenzen 351 

Gesamtgebiet 353 

Der Pfälzerwald 353 

Das lothringische Stufenland 353 

Die Vogesen 354 

Der Schwarzwald 354 

Der Kraichgau 355 

Der Odenwald 355 

Der Spessart 355 

Die mittelrheinische Senke 356 

Zone der Gäu's 358 

Oberes Neckarbergland 358 

Mittel-Franken 359 

4. Oberdeutschland 359 

Urmaterial (n. Staaten geordnet) 359 

Bearbeitungen usw. innerhalb politischer Grenzen 360 

Gesamtgebiet 360 

Regional geordnete Bearbeitungen 360 

Schwäbischer Jura 360 

Ries-Senke 361 

Fränkischer Jura 361 

Oberpfalz 362 

Niederbayrisches Hügelland 362 

Die Alpen: Übersicht 362 

Allgäu 362 

Faltenland 363 

Zungenbecken 364 

Terrassenland 36o 

Verzeichnis der Blätter der Topographischen Übersichtskarte des Deutschen 
Reiches 1 : 200000 mit Angabe der Textstellen, an denen das auf iiineu 

dargestellte Gebiet behandelt wird 3(>7 

Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 372 



Einleitung 



In der Beschreibimg- des Landes gipfelt die Aufgabe des 
Geographen. Dieser lauge verkannte Satz kommt heute wieder 
zu seinem Recht, wo, bedrängt von den sieh immer kräftiger ent- 
wickelnden Nachbarwissenschaften, deren Feld el)enfalls die Erd- 
oberfläche ist, der Geograph sich in die Richtung gebracht fühlt, 
die ihm eigentlich zukommt, die aber oft verlassen wurde. Da 
diese Entwicklung indes noch jung ist und noch keineswegs 
Klarheit über ihre Ziele herrscht, so hat jeder Verfasser einer 
Landesbeschreibung methodisch Neuland zu betreten, zumal jeder 
Erdraum seine besondere, nur ihm zukommende Darstellungsweise 
verlangt, die in seiner Individualität begründet liegt. Diese In- 
dividualität kann in sehr verschiedener Weise zum Ausdruck 
kommen, sie kann orographisch-bodenplastisch, klimatisch, hydro- 
graphisch, kurz — natürlich begründet sein oder aber kulturell. 
Letzteres ist der Fall bei dem Teüe von Europa, der hier der Be- 
handlung untersteht, Deutschland im Rahmen IMittcleuiopas. 

Ich halte es für aussichtslos, die Individualität Mitteleuropas 
irgend wie auf n;itürlichem Wege l)egründcMi zu wollen. Nach 
Osten und Westen hin zeigt sein Bodenbau, sein Klima, sein 
Pflanzenkleid so unendlich viel feine t^bergänge, dali jeder Versuch 
einer Abgrenzung, der über das Ausscheiden breiter (irenzzonen 
hinaus will, ein unnatürliches Bild gewährt. Trotzdem verbindet 
sich bei jedem geograpliisch denkenden Menschen mit dvm Begi-iff 
„Mitteleuropa" eine bestimmte in ihrem wahren Gehalt schwer zu 
definierende Vorstellung. Ich glaube sie auf die großen Gegen- 
sätze in der Kultmlandschaft zurückfühien zu sollen, dnvn wir 
uns bewußt werden, sobald wir von dem Gegenhild iiiitlelewro- 
päischer Kultur sprechen, im Westen dei- nuii;inisclien . im Osten 
der slavischen. Jede diesei' hcidcii Kassen liildrt den \on ihr 



2 Einleitung 

l)ewolniteii Bodeu anders mii als die geraiaiiisclie zwischen ihnen. 
Die Alten nnd Gewcäehse des Anbaues, die Bauweise der Häuser, 
Dörfer und Städte ist giundverschieden von deutscher Art, ob 
man nun eine französische Kulturlandschaft oder das Großherzogtum 
Warschau mit einer deutschen Landschaft vergleicht. Und hier 
sind die tUiergänge nicht allmählich, sondern der Wechsel voll- 
zieht sich oft auf einer Linie von Ortschaft zu Ortschaft. Ange- 
sichts dieser Tatsachen möchte ich, da im Norden das Meer, im 
Süden die Alpen die gute natürliche und kulturelle Scheide Mlden, 
Mitteleuropa als denjenigen Eaum in Europa definieren, der bei 
nach Osten und Westen hin gegebenen natürlichen Zusammenhängen 
durch die germanische Besiedlung zu einer eigenartigen Kultur- 
landschaft umgestaltet ist. Über diesen Raum greift das Deutsche 
Reich teils hinaus, teils füllt es ihn nicht ganz aus. Ersteres in 
seinen östlichen Teilen und in Lothringen z. B., letzteres in der 
deutschen Schweiz, den Niederlanden u. a. Die politischen Grenzen 
des Reiches sind ja das Produkt einer noch jungen historischen 
Entwicklung. Gleichwohl hat die in ihnen seit nunmehr über 
40 Jahren verkörperte Zone sich bereits landschaftlich ausgeprägt. 
Die politische Grenze umschließt einen Raum von 560000 qkm, 
auf dem 1871 41 Millionen Menschen wohnten, 1914 aber 
68 Millionen. Man ])raucht sich nur diese Ziffern zu vergegen- 
wärtigen, um das Problem der Geographie Deutschlands zu er- 
fassen: die Steigerung der Bewohnerzahl um 27 Millionen in 
45 Jahren ruft einerseits eine vorher selten in diesem Maß statt- 
gehabte Umbildung" des Landschaftsbildes hervor, andererseits bringt 
die Ernährung dieser Massen, welche die heimische Landwirtschaft 
nicht vollkommen zu sichern vermag-, eine Einfuhr von Nahrungs- 
mitteln hervor, die mit Geld oder Waren bezahlt werden müssen. Als 
Vermittler von Handel und Verkehr erscheinen uns die großen Hafen- 
städte unserer Küste und unsere Industrie mit ihrer Verwüstung 
des Landschaftsbildes ist das Mittel, diese Massen auf unserem 
Boden leben zu lassen. Die Grenze trennt im Osten sehr scharf 
den kulturell stark umgebildeten Inneuraum Deutschlands von der 
noch in natürlicherem Zustand befindlichen Landschaft Rußlands; 
im Westen ist der Unterschied an sich nicht so groß, w^ohl aber 
bewirken die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse inner-^ 
hall) und außerhalb die Niederlassung- der Industrie gerade an der 
Grenze, die besondere Ausgestaltung der Grenzbahnhöfe und die 
Anlage „strategischer" Bahnen, so daß auch hier genauere 



Einleitung 3 

Beobachtung- auf Karten die Grenze wohl an vielen Stelleu auf- 
zufinden vermöchte, auch wenn dieselbe nicht mit einer Signatur 
oder Fai'be eingetragen wäre. 

Aus der eben gegebenen Auffassung der geographischen In- 
dividualität des deutschen Landes innerhalb von Mitteleuropa er- 
geben sich die Grundsätze für seine Darstellung. Der Nachdruck 
ist auf die Herausbildung der Kulturlandschaft aus der Naturland- 
schaft zu legen, das heutige Landschaftsbild ist in seine liistorisch 
gewordenen Komponenten zu zerlegen, seien dieselben natürlicher 
oder kultureller Art. Die Grundlage der Darstellung bildet die 
fast vollendet vorliegende, einheitliche Topographische Übersichts- 
karte des Deutschen Reiches 1 : 200000, die vermöge ihrer Höhen- 
kurven wissenschaftlichen Ansprüchen in höherem Maße genügt 
als die sonst so vorzügliche Karte 1 : 100 000. Der um die Hälfte 
kleinere Maßstab gibt auch sogleich den erwünschten Abstand von 
unserem Gegenstand, wir erheben uns gleichsam ein wenig weiter 
vom Erdboden, den ^Yir überschauen wollen, hinweg, manche Einzel- 
heit fällt weg, die großen Züge treten klarer hervor. Für das 
volle Verständnis des Textes wird es notwendig sein, das be- 
treffende, jedesmal besonders bezeichnete Blatt vor Augen zu 
haben, zur Übersicht sind am besten geeignet Blatt 3H und 37 
des Andreeschen Handatlas, 



Das natürliche Laudschaftsbild 



I. Das natürliche Landschaftsbild 

I. Die Plastik des deutschen Bodens 

Bunt inid mauiiigfaltig- gestaltet ist (b^r deutsche Boden und 
kaum scheint es auch bei näherer Prüfung möglich, große boden- 
plastisch bedingte Landschaften ausscheiden zu können, deren 
Charakterisierung über die landläufige, aber falsche Bezeichnung 
Tiefland, Mittelgebirge und Hochgebirge hinausginge. Die 
Schwierigkeit, eine eingehendere Vorstellung von der vertikalen 
Gliederung des deutschen Bodens zu bekommen, ist aber wesentlich 
nur technischer Natur: wir vermögen geistig und räumlich von 
diesem Teil der Erde, dem von Jugend auf besonders eingehende 
Behandlung gewidmet wurde, nur schwer die nötige Distanz zu 
gewinnen. Durch sorgsame Beliefdarstellung oder eine Höhen- 
schichtenkarte mit sorglich ausgeklügelt(»r, treffender Farbenwahl 
ließe sich dieser Mangel wohl beheben. Hier aber, wo beide Hilfs- 
mittel versagen, muß ein drittes an ihre Stelle treten, das ist das 
Profil, der Schnitt, dem Geographen eine ebenso unentbehrliche 
Methode der Darstellung und Untersuchung wie dem Zoologen oder 
Anatomen; nur daß er nicht das Objekt seilest durch seine Schnitte 
zerlegen kann, sie vielmehr auf gute Karten basieren muß. 

Mustern wir nun solche Schnittserien (Taf. IX Abb. 1), so hebt 
sich aus allen denjenigen Profilen, die in nordsüdlicher Richtung 
verlaufen an Stelle der vielgestaltigen einzelnen Mittelgebirge, wie 
sie uns die Karte zeigt, eine breite Bodenauschwelhmg heraus, 
die im Innern wohl Senken aufweist, aber sich doch deutlich nach 
Norden und Süden absetzt. Es ist die vielfach nicht recht er- 
kannte, doch schon von A. Penck in ihrer großen Bedeutung ge- 
würdigte Mitteldeutsche Schwelle, die das Flachland im Norden 
von den Beckenlandschaften im Süden ti-ennt. Sie taucht im Westen 



Die Plastik 5 

aus den zonargeg-liederteu Laudschaften des Pariser Beckens auf, 
ist im Scliiefergebirge geschlossen, in Hessen zerstückelt und wird 
nach Osten hin immer breiter, um an Karpaten und Donau wieder 
zu enden. Nur wenige tiefe Pässe führen hindurch, während 
zahlreiche recht hohe Sättel große Verkehrshindernisse bis in die 
Gegenwart hinein und gerade erst recht für unseren Schnellver- 
kehr bilden. Das Flußsystem des Rheins durchbricht sie, die 
Flußsysteme von Weser, Saale und Elbe entwickeln sich in ihr, 
Maas und Oder umrahmen sie im Westen und Osten. 

Der große Bogen der Mitteldeutschen Schwelle schließt zwei 
Landschaften im Süden ab, die sich im großen und ganzen mit 
dem Flußgebiet des Rheins einerseits, der Donau andererseits 
decken. Das erstere gruppiert sich um die Rheinische Senke, die 
ungewöhnlich tief eingreift, das letztere um die Niederbayrische 
Senke, die von oberhalb Ingolstadt südlich an Passau vorbei in 
das Wiener Becken Mnausführt. Diese letztere erhält bei an sich 
sehr beschränktem Einzugsgebiet der Donau von Norden her ihren 
bestimmenden Charakter einmal durch ihre hohe Lage (Ingolstadt 
365 m, Hügelland 500 m), sodann durch die Einflüsse des nahen 
Hochgebirges, zu dem man in den Tälern und auf ihren Terrassen 
von der Donau aus kontinuierlich emporsteigt. Die Landschaft ist 
daher als Gebirgsvorland aufzufassen und mag als Oberdeiitsch- 
land mit dem deutschen Alpenanteil zusammen als eine besondere 
bodenplastische Abteilung bezeichnet werden, die vom Rheiudurch- 
bruch unterhalb des Bodensees bis zum Donaudurchbruch unter- 
halb Linz im Osten reicht und im Norden durch das Donautal 
eingefaßt wird. 

Weniger einheitlich ist die Bodenplastik in Siidwestdeutsch- 
laud, wo sich das Flußgebiet des Rheins entfaltet. Wohl durch- 
zieht die Rheinische Senke die ganze Landschaft und wohl herrscht 
rechts und links ein im großen und ganzen symmetrischer Bau 
des Bodens. Aber die heutige Rheinische Senke, welche der Rhein 
im Durchbruchstal durch das Schiefergebirge verläßt, und jene 
ältere, welche sich in der Wetterau nach Hessen hin fortsetzt, 
liegen schräge zueinander, wie auch andererseits rechts des Rheim^s 
die Ausbildung von hoch und tief eine mannigfaltigere ist. wie 
links davon. Diese Ungleichheiten und dir Hlirinisdie Senke seihst 
verdecken die an sich namentlich rechtsiheinisch ganz gut aus- 
geprägte beckenförmige Gestalt des Bodens, deren Siid- und Ost- 
rand schwäbischer und fränkischer .Iura bilden, während aus ihrem 



6 Das natürliclie Laudschaftsbild 

Inneren lange Landstnfen wie Frankenhöhe und Steiger -Wald oder 
kleine Massenerliebungen wie der Odenwald aufragen. 

Die nördlichste Zone, das Norddeutsche Flachland, erhielt 
deshalb diesen Namen statt des ebenfalls gel)räuchlichen „Tief- 
land", weil es wohl Tieflandstreifen in sich enthält, aber int ganzen 
doch recht hoch gelegene Landschaften umfaßt. Die absoluten 
Höhen erreichen gegen Osten hin 330 ni. Bis über 1000 m höher 
sind die Mittelgebirge, wie folgende Zahlen dartun: 

Rheinisches Schiefergebirge: Feldberg 880 m, 
Thüringer Wald: Inselsberg 916 m, 
Harz: Brocken 1140 m, 
Erzgel )irge: Keilberg 1244 m. 
Schwarzwald : Feldberg 1490 m, 
Riesengebirge: Schneekoppe 1600 m. 

Erheben wir uns von diesen Werten aus wiederum um rund 
1000 ni, so erreichen wir alpine Höhen, wie z. B.: 

Herzogstand 1730 m, 
Höfats im Algäu 2260 m, 
Zugspitze 2968 m. 

Von der absoluten Erhebung ül)er dem Meerespiegel hängt 
die Lage deutschen Bodens zu den Höhenzonen von Pflanzenwelt 
und Klima ab. Landschaftlich al)er noch bedeutungsvoller sind 
die relativen Höhen, das Relief. Eine Gesamtdarstellung der 
„ Relief energie'" des deutschen Bodens ist bisher noch nicht ver- 
sucht, wenn man auch schon verschiedene Methoden für einzelne 
Teile angewandt hat. So müssen auch hier ein paar Angaben ge- 
nügen, welche die Steigerung der Relief energie vom Flachland zum 
Hochgebirge zeigen sollen. 

Flachland: Stubbenkammer auf Rügen- 122 m, 

Meeresspiegel o m, 

122 m auf 0,2 km Horizontalabstand. 

Elbinger Höhe .... 20() m, 

. Frisches Haff m, 

200 m auf 4,5 km Horizoutalabstand. 

Mittelgebii-ge: Rammberg 635 m, 

Goslar 250 m, 

385 m auf 2 km Horizontalabstaud. 



Die Plastik 



/ 



Schueekoppe . . '. . . 1600 m, 

Krummliübel 550 m, 

1050 111 auf 5 km Horizontalabstand. 

Hochgebirg-e : Herzogstand 1730 m, 

Kochel 600 m, 

1130 in auf 3 km Horizoutalabstand. 

Zugspitze 2960 m, 

Eibsee 970 m. 

1990 m auf 3,5 km Horizontalabstand. 

Es kommt also liier zu Höhenunterschieden von 2000 m auf 
ganz geringen Horizontalabstand, womit typisch alpine Werte er- 
reicht werden. 

Innerhalb des gegebenen Rahmens relativer und absoluter 
Werte ist die Formenmannigfaltigkeit des deutschen Bodens 
eine erstaunlich große. Wenn man von größeren tätigen Vulkan- 
bergen absieht, gibt es kaum eine Erdoberflächenform, die nicht 
in unserem Bereich vertreten wäre. An Areal walten hügeliges 
Land und Hochflächen, die von tiefen Tälern durchfurcht sind, 
freilich durchaus vor, während ausgedehnte Ebenen selten sind. 
Es fehlt aber weder am echten Hochgebirge mit fjordähnlichen 
Alpenseen noch an den einförmigen Aufschüttungen gewaltiger 
Inlandeismassen noch Formen, die an Wüsten erinnern, von denen 
wir doch räumlich soweit entfernt sind. Die Ursache dessen ist 
die bewegte Bildungsgescliichte unseres Heimatbodens. 

2. Geologische Geschichte 

über die geographischen Zustände des deutschen Bodens in 
den ältesten uns bekannten Zeiten der Erdgeschichte wissen wir 
naturgemäß recht wenig Bescheid. Mehrfach erwies es sich, daß 
die Gesteine wie Gneise, Glimmerschiefer und andere, die mau für 
sehr alt angesehen hatte, tatsächlicli nur später umgebihlete Sedi- 
mente sind. Jedenfalls war im älteren Paläozoiciim dci- mittel- 
europäische Boden zum großen Teil Meeresboden, auf dem sich 
gröbere oder feinere Sedimente, unter denen tlie Graptolithen- 
schiefer des Silur in Thüringen und die (^uarzite des Kellerwaldes 
besonders bekannt sind, niederschlugen. Im hevon findiMi wii- im 
Nordwesten unseres (Jel)ietes eine Küste, denn es sind hier 
klastische Sedimente desselben bekannt: im iilirigcMi finden wir 



i^ Das natürliche Laudscliaftsbild 

.■)()()(» 111 iiiäclitigo marine Schiefer, Quarzite und namentlich Kalke in 
weiter Ausdehnung-, die eine Transgression des Meeres verraten. 
Von \ulkanisclien Erui)tionen dieser Zeit belichten uns die diesen 
Schichtsysteiiit'ii eing-elagerten Diabase. 

Sehr wechselnd nach Zeit und Ort ist die Ausbildun»- des 
Karbon. Ein großer Teil dieser Formation ist aber von sicheren 
I.an(ll)il(hiiigen zusammeno-esetzt: am Rande des durch sie erkenn- 
baren durch die mittelkarbonische Phase der Gebirgsl)ildung- ge- 
schaffenen Landes bilden sich in versclüedenen Becken große 
Sümi)fe und Moore, deren pflanzliches Material uns heute in Form 
der Steinkohlen erhalten ist. 

Unmittelbar schließt sich die zweite Phase der großen Ge- 
birgsbildung auf mitteleuropäischem Boden an. Vom französischen 
Zentralplateau ausstrahlend, zieht der als „varistisch" bekannte 
Arm der damaligen Alpen im Zuge der deutschen Mittelgebirge 
mit einem nach Süden geöffneten Boden nach Osten, wo er am 
südlichen Ende der Sudeten sich allmählich verliert. Mit den sehr 
starken Bewegungen der bisher gebildeten Gesteinsmassen ver- 
banden sich vulkanische Eruptionen, große Melaphyrlageu schal- 
teten sich den Schichten ein; andere plutonische Massen gelangten 
nicht an die Oberfläche, blieben als Lakkolithen in der Erdrinde 
stecken und bildctmi nur durch Hitze und Druck ihre unmittelbare 
Umgebung kontaktmetamorph um. Im Süden des Gebirges reichen 
die Faltungen im Oberkarbon bis in den Bereich der Alpen hinein; 
im Noi"dwest<'n lag, soweit wir wissen, ein Festland, gegen das 
hin die Schichten überschoben wurden. 

Die im Kohlenzeitalter entstandenen Gebirge unterlagen wie 
jedes I3ergiand während und nach ihrer Bildung der Abtragung. Die 
Produkte dersell)en, teils auf dem Lande, teils im Meere abgesetzt, 
liegen uns in den Schichten der Formationen des Mittelalters der 
Erde vor. Die Abtragung begann zur Zeit des Rotliegeudeu und 
die meist sehr grobe Beschaffenheit der Sedimente dieser Periode 
ist uns ein Anzeichen für die große Höhe der Gebirge, von deren 
Hängen kräftige Wassergüsse sie herabspülten. Sie sammeln sich 
in (einzelnen Mulden am Rande der damaligen Erhebungen, so südlich 
des Rheinischen Schiefergebirges im Saar-Nahegebiet, so südlich des 
Harzes, im Gebiet des Thüiinger Waldes, an den Rändern der 
damaligen Vogesen, des Schwarzwaldes und aiuh'iswo. Gleichzeitig 
lierrscht lebhafte vulkanische Tätigkeit, die uns in den Porphyren 
Spuren ihrer I^rodnkte hintei'bissen hat. 



Geologische Geschichte 9 

Ein wenig' später drang das Meer von Norden und Osten auf 
deutschen Boden vor; die Konglomerate der Zechsteinforination 
zeigen uns die Lage der Küste und erzälüen von der lebhaften 
Tätigkeit der Brandungswellen jener Zeit. Das Ufer lag damals 
in der niederrheinischen Bucht etwa bei Duisburg, beschrieb 
dann einen großen Bogen nach Norden hin um Münster und 
wandte sich über Brilon, Wiesbaden, Mannheim und Speyer nach 
Süden, von dort über Bamberg, Zwickau, Meißen nach Nordosten 
und schließlich über Görlitz wiederum nach Süden in den Bereich 
der Sudeten. 

Über die Konglomerate, welche das vordringende Meer schuf, 
legt sich in einzelnen Gegenden der nur etwa 1 m mächtige Kupfer- 
schiefer, der wohl als eine Faulschlammbildung anzusehen ist, wie 
ein schwarzes Tuch. Darüber aber folgen wieder Absätze reinen 
Meereswassers, 6 — 10 m mächtige Kalke, stellenweise wie bei 
Ellrich am Harz und bei Altensteig in Thüringen mit Riffen, die 
uns Untiefen jener Zeit anzeigen. 

Was der Zechsteinzeit aber ihre Bedeutung für die Gegen- 
wart verleiht, sind nicht diese Schichten, sondern die Salzbildungen 
des verdunstenden Meeres, an dessen Boden über 1000 m Koch- 
salz und Kalimutterlauge zum Absatz kamen, bedeckt und in sich 
gegliedert von dünnen Tonschichten. Man unterscheidet in ihrem 
Aufbau die ältere Salzfolge und an deren Oberfläche umgelagerte 
sogenannte „deszendente" Salzmassen, die einer Abtragung und 
erneuter Ablagerung unter der Herrschaft eines trockenen Klimas 
ihre Existenz verdanken. In diesem deszendenten Steinsalz sind 
das Hartsalz und die Hauptsalzkonglomerate die wichtigsten Kali- 
lieferanten der Gegenwart geworden. 

Eine Salztonschicht schließt die ältere Salzfolge und die ältere 
Deszendenz nach oben hin ab und es folgt die jüngere Salzfolge, 
die früher jedenfalls auch in ihren oberen Teilen Kalimutterlauge 
enthielt. Auch diese unterlag der Umbildung und ihre Ablagerung 
wird uns heute sichtbar in (h'U deszendenten Sylvinithigern in Nord- 
Hannover. 

Später wurden diese verschiedenen Salzscliichten gefaltet und 
durcli die äußeren Wasser umgebihh't, die am höchsten liegenden 
Teile in oCt loO und mehr Meter mächtigen Gips umgewandelt, 
unter dem ditiiii erst Kalisalze und Steinsalze folgen. Die rote 
Farbe dieser Sedimente, die Krlialtung der leiclitl(>slichen Salze 
beweist uns, mit anderen Anzeichen, daß das Klima der damaligen 



10 



Pas natürliche Lamlschaftsbild 



Zeit jedenfalls recht trocken gewesen ist. Der gleiche Charaktei- 
doi* Gesteinsbildung hen'scht im großen und ganzen auch während 
der Triaszeit. 

Die Schichtenfolge dieser Periode beginnt in ihrer mittel- 
deutschen Fazies mit einer oft mehrere 100 m mächtigen Serie von 
Konglomeraten und Sandsteinen, die ihrer meist roten Farbe wegen 
den Namen Buntsandstein erhalten haben, und an vielen Stellen 
die direkte Fortsetzung der ähnlich gearteten Sedimente des Rot- 
liegenden bilden. Sie enthalten Pflanzenreste, Tierfährten, Trockeu- 
risse, Abdrücke von Regentropfen und ähnliche Anzeichen davon, 
daß jede der Schichtflächen einmal eine Landoberfläche gebildet 
hat. Noch heute entstehen ja ähnlich gefärbte Ablagerungen 
gleichen Charakters unter unseren Augen in den Wüsten der Erde 
unter der kräftigen Einwirkung gelegentlich spülenden Wassei'S 
und des Windes: auch eintrocknende Seen sind uns hier eine ge- 
läufige Erscheinung. 

In Mitteldeutschland folgt der Buntsandsteinzeit die Ablagerung 
kalkiger Scliichten in einem nicht sehr tiefen Meer, das von Süden 
aus vordrang. Da diese Kalke oft ganz aus den Überresten der 
damahgen Tierwelt bestehen, werden sie in ihrer Gesamtheit als 
Muschelkalk bezeichnet. Ihrem Gesteinscharakter entsprechend 
sind diese Scliichten oft sehr hart, dabei aber doch im Wasser 
löslich und somit durchlässig und neigen zur Höhlenbildung. Ihre 
Mächtigkeit ist im allgemeinen nicht so groß wie die des Bunt- 
saudstein, schwankt sie doch in den einzelnen Teilen Deutschlands 
ziemlich stark (vgl. nachfolgende Tabelle). 



Bei Basel 



Schwaben und 
Franken 



Thüringen Bei Magdeburg 



Keuper . . . 
Musclidkalk . 
Buntsandstein 



80 m 

200 m 

50 ra 

A.Toblerl905 



300 m 

200 m 

;i()0— 400 m 

0. Fraas 1882 



450 m 

270 m 

600 m 
Joh. Walther, 
A. Tornquist 



280 m 

260 m 

650 m 

K. Keilhack 



Nach (l(!r Periode des Muschelkalkes zog sich das Meer im 
wesentlichen wi(Hl('r vom deutschen Boden zurück und die Schichten 
des Keuix'r- sind eine Landbildung von ähnlichem Charakter wie 
der Buntsandstein, nur meist viel feinerem Korn. Buntgefärbte 
Mergel, Tone und Lc^.tten setzen sie vorwiegend zusammen, doch 



Geolosrische Greschichte 



11 



schalten siph in Franken und Schwaben, wo diese Formation ihre 
größte Mächtigkeit und Ausbildung erreicht, auch recht wider- 
standsfähige Sandsteinschichten ein von rötlicher oder auch heller, 
weißer Farbe; Salz und Gips kommen hier wie auch gelegentlich 
im Buntsandstein und Muschelkalk noch zur Ablagerung. 

Die Folgezeit in der Erdgeschichte ist durch eine allgemeine 
Transgression gekennzeichnet; von Süden und von Norden hei- 
dringt das Meer auf deutschen Boden vor und zur Zeit des unteren 
Jura, im Lias verbinden sich seine Gewässer quer über Mittel- 
deutschland hin und breiten eine dünne Decke meist weicher Schichten 
über die älteren Ablagerungen aus. Bald aber zerreißt die Ver- 
bindung wieder und die mitteldeutsche Schwelle trennt ein nörd- 
liches von einem südlichen Meer ab, in denen die Schichten des 
Dogger und des Malm in getrennter Ausbildung zur Ablagerung 
kommen. In Schwaben entstehen zu dieser Zeit etwa 150 m mäch- 
tige Tone und Sandsteine, die man ihrer brauneu Farbe wegen 
auch als Braunen Jura bezeichnet. Darüber folgen etwa 300 m 
mächtig die hellen Kalke des Weißen Jura mit ihren Kiffbildungen. 
Im Norden weicht das Meer bis zu einer Grenze zurück, die man 
als den Niedersächsischen Uferrand kennen gelernt hat und die 
vom Flechtinger Höhenzug bei Magdelmrg nach Westen etwas 
südlich vom Nordrand der jetzigen Mttelgebirge entfernt verläuft. 
Diese Linie ist die südliche Grenze einer mächtigen Geos^^nklinale, 
in der bei Hannover seit dem Paleozoikum etwa 6 — 7000 m Sedi- 
ment zur Ablagerung gekommen sind. Hier ist der Jura als Oolith, 
Merg-el und wenig-er mächtige Kalke ausgel)ildet : 





Norddeutschland 


Schwaben 


Lothringen 


Malm . . . 


Mergel, Kalke, 


Kalk, Tone 


"Wie Schwaben 




Uolithe 400 m 


800—400 m 




Dogger . . 


Tone, Mergel, Sand- 


Tone, Sandsteine 


Kalke, Erze 20(1 ui 




steinbänke 150 m 


150 m 




Lias . . . 


Mergel, Tone, Kalke 


Mergel, Tone 


Wie Schwaben, Sand- 






70—100 m 


steine 




K. Lepsius 


Engel 


E. "W. Beuecke 



.Mit dem Ende der .lurazeit setzt in Mittel- und Norddeutsch- 
land eine erneute Faltungsphase ein. die man als saxonische Fal- 
tung l)ezfM('hnPt. Sie läßt das südliche^ Deutschland unberührt und 



12 



Das natürliche Landschaftsbild 



äußert sich vornehmlich im Nordwesten, wo ihre M^irkung heute 
in zahlreichen Überschiebungen und Auffaltungen sichtbar wird. 
Hier im Nordwesten schließen sich an den Jura unmittelbar 
die Schichten der unteren Kreide an, Landbildungen mit Kohlen, 
die man „Wealden" benennt. In der oberen Kreidezeit beginnt 
ein erneutes Vordringen der Meere; im Nordwesten wird der Nieder- 
sächsische Uferrand allerdings nicht weit überschritten, aber im 
(»stlichen Deutschland dringt das Meer von Osten her weit in das 
Innere Böhmens hin vor und lagert dort eine mächtige Folge von 
Sandsteinen ab, während gleichzeitig sich im nördlichen Deutsch- 
land im tieferen Wasser die Kreide bildet, wie sie uns von Rügen 
her bekannt ist: 



Alter 


Sachsen 


^3 "o 


Nordwestdeutschland 


Bei Regensburg 




Gestein 


Mächtigk. 


Gestein Mächtigk. 


Gestein Mächtigk. 


Senou 


Fehlt 


Kreide 
200 m ? 
Grün- 
sande 
100m 


Planer 


— 


Saudst. 1 
Mergel | 


25 m 


'Puron 


Üb. Quader 

Üb. Qu. 

Plan. Grüns. 

Mittl. Qu. 

Pläner 


100 m 
70 ni 

100 ui 
1.-. in 


Kalk- 
mergel 
100 lu 


Quader 
(z. T. fehlend) 

Pläuerk. SO— 100 m 


Sande 

Mergel 

Kalke 


30—40 m 


Ceno- 
man 


Unt. Quader 


50 m 


Mergel 
10 m 


Kalke 

Mergel 


50 m 
25—50 m 


Grün- 
sandstein 


15—20 m 


Untere 
Kreide 


Fei 

Jüh. W 
R. Le 


It 

alther, 
isius 


— 


Tone 1 
Sand st. 1 

K. U 


300 m 
psius 


Gürabf 


^1 1891 



Aus dem Mittelalter der Erdgeschichte sind wie erwähnt ge- 
birgsbildende Bewegungen im nordwestlichen Deutschland nach- 
gewiesen, deren Beginn in die obere Jurazeit gesetzt wird. Die 
Bewegungen dauern, durch längere Abtragungsphasen unterbrochen, 
bis in die jüngere Tertiärzeit an und schaffen, zumal vielfach die 
ungewöhnlich plastischen Salze des Untergrundes von der Faltung 
ergriffen werden, ein recht kompliziertes tektonisches Bild, in dem 



Geologische Geschichte 2^3 

jedoch im allg-eiii einen die nordwestliche Richtung- als leitend nnd 
vorherrschend erscheint. Der Bereich dieser Bewegungen erstreckt 
sich vom Wesergebirge bis nach Thüringen hinein und umfaßt 
nördlich den Harz. 

Zu Beginn der Tertiärzeit ist das Deutsche Reich im wesent- 
lichen ein Festland, das nur im Süden und Norden von Meeres- 
armen umgeben wird. Es scheint dieses Festland nicht gerade 
ein sehr starkes Relief gehabt zu haben, da hier und da in weiter 
Verbreitung, aber heute nur punktweise erhalten Süßwasserkalke 
und feine Tone mit Bohnerzen bekannt sind, wie sie unmöglich in 
einem Gebirgsland entstehen können. Die Abtragung hatte ja 
auch während des größten Teiles der Kreideperiode Zeit genug 
zur Wirksamkeit gehabt. 

In der Oligozänzeit ereignet sich die letzte große Trausgression 
des Meeres über Norddeutschland hin bis nach Sachsen und Schlesien 
hinein, deren marine Ablagerungen sich über und zwischen die ältere 
Braunkohlenformation lagern. Außerhalb dieses Meeres war das Relief 
des Landes so weit geschwunden, daß sich sehr häufig in der Nähe 
der Küste große Sümpfe und Moore bilden konnten, deren Pflanzen- 
wuchs uns heute in Form der Braunkohle entgegentritt. Land- 
bildungeu des Oligozän als Tone und Sande sind uns weiter aus 
großen Teilen von Böhmen bekannt und auch in dei- mittelrheiuischen 
Tiefebene ist die marine Bildung des Septarientones nur ein ge- 
ringes Glied in der mächtigen Schichtfolge, die in ihren unteren 
Teilen Steinsalz, Petroleum und Kalisalze enthält. Zur Zeit dieses 
Septarientones erreichte das Meer seine größte Ausdehnung und 
es verbanden sich der ncirdliche und südliche Teil dessell)en vor- 
übergehend durch die hessische Senke hindurch; in die mittel- 
rheinische Senke war das Meer von Westen her aus dem Pariser 
Becken gelangt, nachdem der Rheintalgraben beiderseitig an Flexuren 
gesenkt seine erste Ausbildung erhalten hatte. Al)er .lucli lii< r 
folgen über den Küstenkonglomeraten und dem Septarieiitnn des 
inneren Beckens sehr bald wieder bi'ackische und Landbilduugen 
des Oberoligozän und Miozän. \'oii sl.irkeii Bewegungi'ii im Kels- 
gerüst der Erde zu dieser Zeit berichten uns die damals lieginnendeii 
vulkanischen Eruptionen in Mitteldeutschland, welciie in der Folge 
die Eifel schufen, den Vogelsberg, die RhCui und die .mdern hes- 
sischen Vulkane, sowie die nordbölimischen Vulkane entstellen li.'lien. 

Der Miozänzeit gehöi'en noch in X()rdd(>iitsclilMii(l einige Meeres- 
bildungen bei Osnabrück und Liinebing .111. Im Üereicli i\rv mittel- 



14 üas natürliche Landschaftsbild 

deutschen Schwelle und im mittleren Norddeutschland bildet sich 
zu dieser Zeit die jüngere Braunkohle mit ihren Kiesen und Sauden, 
im Nordwesten sind neue gebirgsbildende Bewegungen zu verzeichnen. 
Ganz anders ist die Entwicklung im Süden. Aus dem Bereich der 
Alpen stößt das Meer nach Norden bis nach Böhmen hinein, bis 
auf den Schwäbischen Jura und bis in den Schweizer Jura so weit 
vor, daß seine Wasser nach der heutigen Bodenplastik unbedingt 
hätten nach Norden abfließen müssen. Damals jedoch flössen um- 
gekehrt zahlreiche Flüsse, dereu küstennahe Ablagerungen in Form 
dei' machtigen Juranagelfluh und von Sauden erhalten sind, nach 
Süden und verschütteten die wenig mächtigen Meeresabsätze, 
während gleichzeitig sich von den Alpen her Saudsteine und 
Konglomerate der alpinen Nagelfluh in dasselbe vorschütteö, so daß 
auch hier über der Süßwasserbildung der unteren Molasse und der 
Meeresbildung der mittleren Molasse schließlich wieder die Süß- 
wasser- und Landbildung der oberen Molasse folgt. 

Auch diese Schichten sind noch von dem von Süden her 
wirkenden Druck ergriffen, der den Grundbau der Alpen schuf, 
von dem als Faltenjura sich ein auch im Westen deutschen Boden 
erreichender Ast loslöste, der freilich nicht diese starken Decken- 
bewegungen ei'kennen läßt, wie sie die neuere Forschung auch in 
den nördlichen Alpen aufzeigte. Ihre Folge ist die vielfache Über- 
lagerung jüngerer durch ältere Schichten und eine genetisch un- 
gemein verwickelte Struktur, die freilich der Abtragung gegen iiber 
die einfachen Züge tafelförmiger Lagerung trägt. 

Der Pliozänzeit werden im Süden Schotterl|ildungen und andere 
Absätze, wie sie auf dem Lande entstehen, zugerechnet. Im öst- 
lichen Norddeutschland bildet sich zu dieser Zeit über Braunkohleu- 
sauden, den zusannnengeschweiumten Produkten säkularer Ver- 
witterung, der sogenannte „Posener Ton" in einer Mächtigkeit von 
60 — 80 ju, der zum Teil als ein Absatz großer Seen aufgefaßt wird. 
Die lebhaften tektonischen Bewegungen der Miozänzeit waren da- 
mals zur Ruhe gekommen und auch die vulkanischen Eruptionen 
hörten allmählich auf. Die Hochflächen der Mittelgebirgsschwelle 
und des südwestdeutschen Beckens wai-en bereits fertig ausgebildet, 
aber von den Flüssen noch nicht erheblich zerschnitten, wie die 
häufigen hoch gelegenen Schotterreste in der Umgebung der heutigen 
Flüsse verraten. 

Diese Zei-sclmeidung, die heute das Relief des mittleren Deutsch- 
land so stark beeinflußt, geschah vielmehr erst in der Diluvialzeit, 



Geologische Geschichte 25 

die als Ganzes klimatisch durch einen Aveiteren Teniperaturrück- 
gang gegenüber dem Tertiär gekennzeichnet ist und die man der 
damit verbundenen Erscheinungen wegen auch als Eiszeit bezeichnet. 
Auf deutschem Boden drang das Eis von zwei Seiten vor, einmal 
aus dem Norden von Skandinavien aus in Form eines Inlandeises 
und zu zweit von Süden her aus den Alpen in Form getrennter 
Gletscher, deren Zungen jedoch sich auf dem Alpenvorland in Form 
einer Vorlandvergletscherung vereinigten. In Vor- und Rückgang 
der Gletscher lassen sich in jedem der beiden durch eine eisfreie 
Zone getrennten Gebiete mehrere Stufen nachweisen und der 
Rhythmus der Bewegung ist ein so gleichförmiger, daß man wohl 
die einzelnen Abschnitte derselben miteinander vergleichen kann. 
Bei der größeren Klarheit aller Erscheinungen im Alpengebiet wird 
man gut tun. die dortigen Namen nach Norddeutschland zu über- 
tragen und nicht umgekehrt. 

Von der ältesten Eiszeit, der Günzeiszeit, ist nicht viel er- 
halten, mit Ausnahme des älteren Deckenschotters im Alpenvor- 
land, hoch liegender, stark zersetzter Schotterablagerungen. Ver- 
breiteter sind die entsprechenden Gebilde der zweiten Eiszeit, der 
Mindeleiszeit, die jüngeren Deckenschotter, die auf dem Alpenvor- 
land eine sehr große Rolle spielen. Recht deutlich zu erkennen 
sind die Spuren der dritten oder Rißeiszeit, die an Größe der 
Mindelvereisung nahezu gleich kam. Ganz innerhalb ihrer End- 
moränen verläuft der Endmoränengürtel der jüngsten oder Würm- 
eiszeit, deren Ablagerungen noch sehr frisch und unzerschnitten 
sind. Noch aber wich das Eis nicht: im Bühlstadium machen die 
Eismassen auf längere Zeit Halt und häufen große Moränen auf. 
die im Süden freilich schon im Bereich des Gebirges liegen, im 
Norden als ein gewaltiger Wall die südliche Ostsee umkränzen, 
dort als „baltischer" Halt bezeichnet. Auch weiterhin blieb das 
Maß des Rückganges verschieden, doch spielen sich diese letzten 
Phasen desselben nicht mehr auf deutschem Boden ab, den im 
Norden nur noch einige Schmelzwasserseen der Nacheiszeit, in der 
Yoldiaphase der Ostsee, erreichten. In dieser Zeit scheint Noid- 
deutschland gesunken zu sein, die Aljjen sich geholieu zu haben. 

Während die Eismassen so große Teih' des (leulscheii Hodens 
verhüllten, war der eisfreie, vegetationsarnie Streifen zwischen 
ihnen in hohem Maß der Tätigkeit des Windes ausgesetzt, (h-r (h'ii 
von den Gletscherschmelzfhichen abgelagerten Sand zu Dünen /ii- 
samineutrieb und aus dem Staul» die mächtigen Lößmassen ah- 



1 (^ Das uiitürliclie Landscliaftsbild 

setzte, die ganz Mitteldeutschlaiul mehr oder minder stark über- 
ziehen. Di('s(;r Mne g-elbbraiine kalkreiche Staub blieb an allen 
Hängen lieg"en, wo ihn der Wind hinl)lies und ihn Gras Vegetation 
festhielt. Er ist jetzt ein seiner Fruchtbarkeit wegen äußerst 
g-eschätzter Boden. 

Über tektonische Bewegungen zur Diluvialzeit ist noch nicht 
sehr viel bekannt, doch mehren sich die Anzeichen solcher. Der 
Kreidesockel von Kügen ist z. B. iu der llißwürmiuterglazialzeit 
zerbrochen und die niittelrheinische Senke scheint damals ihre letzte 
Einbruchs})hase mit recht starken Verl)iegungen geha])t zu hal)en, 
wie im Süden an schräg gestellten Rheinablagerungeu festgestellt ist. 



3. Entwicklung der Oberfiächenformen 

(Vgl. l^ifel \) 

Im Lauf der langen, soeben iu ihren Grundzügen verfolgten 
Geschichte des Bodens des Deutschen Reiches entstanden neben 
den Ablagerungen auch die Formen, die wir jetzt überschauen, 
wenn wir uns irgendwo hinaus in die Natur begeben. Jedem der 
soeben geschilderten Ablagerungskomplexe entspricht ein Formen- 
komplex: marine Ablagerungen setzen eine Küste voraus, von der 
ihr Material kommt, Flußabsätze Täler, in denen sich die Flüsse 
bewegten, Seeabsätze verraten uns ziemlich unmittelbar die frühere 
Landoberfläche, innerhall) deren sie, mögen sie jetzt auch Berge 
bilden, einen tiefsten Punkt bezeichnen. Die Fazies der Sedimente 
ist dem Kundigen ein untrüglicher Hinweis auf die geographischen 
Zustände der betreffenden Erdstelle zur Zeit ihrer Ablagerung, 
und wenn wir auch noch lange nicht jede Fazies deuten können, 
so ergeben doch Studien in dieser Richtung, die man deshalb auch 
treffend „paläogeographische" nennt, die wertvollsten Hinweise auf 
die Verteilung von Land und Meer und die Beschaffenheit des 
ersteren in früherer Zeit. 

Es ist diese geologische Methode der Untersuchung bis jetzt 
vorwiegend auf marine und küstennahe Sedimente angewandt 
worden, schon aus dem einen Grunde, daß die weit überwiegende 
Mehrzahl aller eui'oi)äischen Sedinu^nte am Meeresboden entstand 
und dann, weil unter den heutigen klimatischen Zuständen von 
Mitteleuro])a sich überhaupt nur sehr wenig Sedimente auf dem 
Land unter unseren Augen bilden. Da nun der größere Teil des 



Entwicklung der Oberflächenformeu X7 

deutschen Bodens seit dem Ende der Kreidezeit und ein noch grö- 
ßerer seit dem mittleren Oligozän trocken liegt und mit Ausnahme 
der vulkanischen und eiszeitlichen Phasen sich augenscheinlich 
immer in Zuständen befand, in denen sich nicht gerade viel 
Sediment auf dem Festland bildete, versagt die geologische 
Methode gerade für die Neuzeit, aus welcher allein Formen er- 
halten sein können, in sehr vielen Fällen. Sie muß daher hier mit 
einer anderen Arbeitsweise Hand in Hand gehen, der morpholo- 
gischen nämlich, die von den beobachteten Formen ausgeht und 
dieselben genetisch deutet. 

Die morphologische Beobachtung wird zunächst vier große 
Zonen in Mitteleuropa ausscheiden: die nördliche Zone glazialer 
Aufschüttung, die mittlere Zone lange dauernder normaler Ab- 
tragung, die südliche Zone glazialer Aufschüttung und die auf- 
gewölbte Zone der Alpen, an der das Deutsche Reich nur wenig 
Anteil mehr hat, mit durch glaziale Erosion erzeugtem Hoch- 
gebirgsaussehen. In den Aiifschüttuugsgebieteu herrscht die 
große Regellosigkeit, wie sie vor allem auf den preußischen Seen- 
platten sichtbar wird, ein rascher Wechsel von hoch und tief, 
häufiges Schwanken der Bodenzusamniensetzuug und ganz unent- 
wickelte Entwässerung mit zahlreichen Seen und Sümpfen. Das 
gleiche verworrene topographische Bild bietet die südliche Zone 
des Alpenvorlandes. Hier nach Norden hin, in Xorddeutschland 
nach Süden hin nehmen die Höhenunterschiede allmählich ab und 
die Landschaft wird ausgeglichener, wie sie uns etwa in der 
Provinz Sachsen und im nördlichen Schlesien entgegentritt. Man 
wird nicht fehlgehen, wenn mau darin Altersunterschiede erblickt: 
die ausgeglichenen Landschaften sind länger scliou von der Eis- 
decke befreit, sind länger schon dem Kinfluß spiUcnib'n Wassers 
ausgesetzt als die Landschaften mit wirrer Topographie. Das eine 
ist die Zone morphologisch -jugendlicher Aufscliüttmig, das amlrrf 
die Zone reif zerschnittener und gealterter Aufscliüttung und der 
gleiche Gegensatz zwischen Jung- und Altmoränengebicti-n kdnt 
im Alpenvorland wieder. 

Das Bild der mittleren Zone von Deutschland und zwar so- 
wohl der Mittclgcbirgsscliwcllc wie von Südwestdeutsclilnnd wird 
von ausgedehnten Hochflinlien lielierrsdit. Ans ilnien erst ragen 
als (Jipfel Berge uiul Herggruppen sehr verschiedener Art aul. 
während die heutigen Täler meist eng und schaif eingeschnilteii 
sind und nur dort größtMe Weitungen liegen, wo weiche Gesteine 

Braun. 



X8 Das natürliche Landschaftsbild 

in weiter Verbreitimg- von der Erdoberfläclie geschnitten nnd darum 
von den Flüssen ausg:eräumt wurden. 

Die morphologiselie Forschung ist in Deutschland noch so 
weit zurück, daß es noch nicht möglich ist, schon überall auf 
Grund eingehender Detailstudien die Verlireitung und gegenseitige 
Beziehung dieser Hochflächen darzustellen und die beiliegende 
kartographische Darstellung ist nur ein Entwurf, der sicherlich an 
vileen Stellen geologisch verschieden altrige Gebilde zusammenfaßt, 
und zwar nicht unr tertiäre, sondern auch die erste große Ab- 
tragungsfläche mit einbezieht, die wir in Deutschland haben und 
die jetzt wieder bloßgelegt wird, die permische. Spezialarbeiten, 
wie sie insonderheit aus dem rechtsrheinischen Gebirge vorliegen, 
wiesen am Rande der permischen und Buntsandsteindecke oft recht 
große, aufgedeckte Stücke dieser Rumpffläche nach. Auf weite 
Flächen lün und auf den Höhen der mitteldeutschen Schwelle ist 
sie indessen nirgends mehr erhalten. Hier herrscht eine andere 
Generation von Formen. 

Seit im Jahre 1910 E. Philippi von Thüringen ausgehend 
eine in Mitteldeutschland weit verbreitete morphologisch alte Laud- 
ol)erfläche verfolgte und ihr Alter — freilich nicht ganz sicher — 
zu präoligozän bestimmte, hat man sich vielfach nach seinem Vor- 
gang gewöhnt, von einer „präoligozänen Landoberfläche" zu 
sprechen und ihr andere Rumpfebenen anzupassen. Der Geograph 
wird gut tun eine andere Bezeichnung zu wählen, die weniger 
Gewicht auf das noch unsichere geologische Alter der betreffenden 
Rumpfebenen legt, dafür aber ihre Lage nnd den durchschnittlichen 
Charakter ihrer Formen melii' betont. „Germanische Riimpfebene" 
möge jene räumlich weite Fläche heißen, welche in der älteren 
Tertiärzeit sich von Süden nach Norden über das germanische 
Mitteleuropa spannte, in welche hinein heute das ganze Relief der 
mitteldeutschen Schwelle und des südwestdentschen Beckens ge- 
arbeitet ist, über die hinaus sich seither nur Gipfel vulkanischer 
Berge hoben. Lii Norden und im Süden liegt sie unter jungen, 
tertiären und diluvialen Aufschüttungen, im Süden ist sie durch 
jüngere Faltungen gänzlich zerstört. Nach Osten hin geht sie in 
die russischen, nach Westen in die französischen Rumpfebenen über. 

Die germanische Rumpfebene ist uns relativ sehr gut erhalten 
im Rheinischen Schiefergebirge. Sie liegt hier 600 m, in den 
Gipfeln 900 m etwa hoch, ist ihrer Beschaffenheit nach wellig mit 
unterdrückten Bergformen. Sie war im unteren Miozän sicherlich 



Entwicklung der Oberfläolienformen 19 

vorhaudeu, wie sorgfältig-e Untersuchimgeu von C. Mordziol und 
K. est reich lehrten. Im Bereich des morphologisch wenig- 
bekannten hessischen Berg:laudes ist die germanische Riimpfebene 
auf weite Flächen hin von jüngeren Ablagerungen verhüllt, z. T. 
durch Verwerfungen und Verbiegungen in tiefe Lage gekommen. 
So liegt sie im Untergrund des Yogelsberges 200 m hoch, um 
dann in der Rhön 750 m und mehr zu erreichen und nach Osten 
wieder auf 600 ni und mehr aljzusiuken (B. Dietrich). Weiter nörd- 
lich wird im Habichtswald die Höhe der germanischen Rumpfebeue 
in 400 m Höhe von Tertiär verhüllt. Auch liier liegt sie östlich 
wieder höher und schließt sich mit dem Zwischenglied des Kau- 
funger Waldes an die w^estthüringischeu Raudhöheu, den Hainich 
(475 m) usw., in deren Bereich bereits Philippi 1910 ihre Ver- 
breitung festgestellt hatte. Noch weiter nördlich gehören die 
weiten Buntsandsteinhochflächen zu beiden Seiten der Weser der 
germanischen Rumpfebene an. Dieselbe war hier, wie die Lage- 
rung der ünterkante des Tertiärs erkennen läßt, eine gealterte 
Schichtstufenlandschaft, in welcher die harten Glieder des ]\liis(liel- 
kalkes Stufen von 50 — 100 m Ausmaß bildeten. 

Die germanische Rumpf ebene überspannt, wie H. Gehne und 
W. B ehr mann 1912 nachwiesen, weiter östlich den Harz und sein 
Vorland im Norden und war liier immer bei rasch auf kleinem Raum 
wechselnder Gesteinsbeschaffenheit ziemlich uuebeu. Sie ersteckt sich 
nach Norden bis an den Flechtinger Höhenzug (Tli. Schmierer 1910), 
nach Süden über die Muschelkalkliochflächeu von Thüringen hin 
und geht dann in die sehr ebenen Hochflächen des Vogtlandes 
über, die in Fichtelgebirge und Erzgebirge wieder mehr Relief 
gewinnen. In Böhmen und seiner Umwalliiiig ist die germaiiisclie 
Rumpfebene in weiter Ausdehnnng erhalten; sie zieht einerseits 
über den Kaiser-Wakl, das Tepler Gel)irge nach Südosten bis 
Budweis und Wittingau (H. Haßmuß 1913: J. K. Hibsch 1913), 
überspannt andererseits die Kämme der Schiclitstnfenlaiulscliaften 
am inneren Rande der Sudeten vom Elbsandsteingeltirge über die 
Heuscheuer bis zur March, wo sie wieder anf paläozoische (xesteine 
im Gesenke in 600 m Höhe übergreift. Die gleiche Fläche ist im 
nördlichen Voiland der Sndeteii an rineiii Hnich al)g('siiiiken und 
mehr oder weniger stark v<'rschiittet nnd verhüllt. 

Im Südwesten Deutschlands lelilm noch iih'Ih- ;iIs ainh'iswo 
Untersuchungen über die Flächcngliederuiig und nnch nnsirheivr 
als bisher wird daher die Darstellung. I>if V(ii:ev;en. der Seliwar/,- 



2Q Das natürliche Landscliaftsbild 

wald, (b'T Scliwji bische uiul der Fränkische Jurn tragen dort weit 
aiisgeih'hnte, morphologisch alte Hochflächen. Ablagerungen auf 
den letzteren, Verwitterungslehme, Bohnerze und ähnliches weisen 
ihnen ein alttertiäres Alter zu. Die gernianisclie Rumpfebene mag 
hier etwa 1<»0U — 1500 m hoch liegen, sie seukt sich nach Norden 
in der Gegend der Haß- Berge bis auf etwa 500 m. Es ist wahr- 
scheinlich, daß auch die Hochflächen i'esp. Kämme von Schwarz- 
wald und Vogesen noch der germanischen Rumpfebene angehören. 
Ob sie sonst noch irgendwo im Südwesten erhalten ist, scheint 
sehr fraglich, wenn man die wenig widerstandsfähigen Schichten, 
die hier auftreten, einerseits, und die mächtigen Kongiomerat- 
lagen des mittleren Oligozän im Rheingraben uud wieder die des 
mittleren Miozän im Süden andererseits als Zeugen von Erosions- 
phasen beachtet. In ihrem ungefähren Niveau aber liegen w\ahr- 
scheinlich die höheren Teile der Frankenhöhe, des Steigerwaldes 
(E. See feldner 191-1). des Odenwaldes und Spessart sowie 
der Pfalz. 

Die germanische Rumpfebene ist die Uroberfläche für die 
heutigen sehr mannigfachen Flächen von Deutschlaud, sie muß 
daher eingehend untersucht werden, um den gegenwärtigen Zustand 
verstehen zu können. Dem stellt sich ihr recht hohes Alter hinder- 
lich in den Weg. Dasselbe ist augenscheinlich verschieden, sie 
enthält Flächenstücke aus der Kreidezeit und solche des älteren 
Tertiär bis einschli(^ßlieh Oligozän, die aber morphologisch gleich- 
artig, nämlich alt sind. Die I3i'aunk()hlen, die zahlreichen Reste 
säkularer Verwitterungsrinden verraten uns ebenso deutlich wie 
die stark unterjochten Berge und die weiten Täler damaliger 
Zeit, w^o sie noch erhalten, den gealterten Zustand ilirer Formen. 
Über das Gewässernetz, das diese Rumpfebene durchzog, wissen wir 
noch kaum etwas, weshalb uns auch die heutigen Täler noch so 
vielfach unverständlich Ideiben. Es scheint zeitweise unter der 
Herrschaft eines Trockenklimas (Salz- und Kalisalzbildungen im 
Elsaß) w'enig entwickelt gewesen zu sein und ist wohl erst später 
in der heutigen Weise zur Ausbildung gekommen. Die allgemeine 
Verteilung aber von hoch und tief war so, daß eine ostwestliche 
Schwelle Mitteldeutschland durchzog, von welcher die Flüsse nach 
Norden und SüdcMi zu getrennten Meeren und Ablagerungsgebieten 
abliefen: im einzelnen bildeten die harten Gesteine die Gipfel und 
wai'en die Landstufen bereits in schwachen Wellen angelegt, wie 
die fossil unter der teitiären und diluvialen Decke erhaltenen und 



Entwicklung der Oberflächenforiueu 2]^ 

uns durch Bohrungen erschlosseneu Teile der Rumpfehene zeigen 
(Ostpreußen). 

In der Olig'ozänzeit begannen die Umbildungen, die in weiten 
Teilen Deutschlands zur Herausbildung jüngerer weniger um- 
fangTeicher Rumpfebeneu oder „Landterrassen" führten, welche 
der Geograph nun zweckmäßig mit lokalen Benennungen kenn- 
zeichnen wird, zum Unterschied von der germanischen Fläche. 
Im Süden bog sich die mittelrheinische Tiefel)ene ein und in 
ihrer Verlängerung im Norden entstand die hessische Senke. 
Mächtige Landbilduugen füllten die Vertiefungen auf, in die vor- 
übergehend auch das Meer eintrat, worauf dann wieder die Flüsse 
Sande herbeischaffen und die Senken weiter aufhöhten. Darauf 
ergossen sich Lavamassen, vornehmlich im hessischen Bergland, 
im Schiefergebirge und in Böhmen, wo im Süden des Erzgebirges 
gleichfalls Verltiegungen und Einbrüche stattgefunden hatten. 
Diese Ergüsse schufen ein neues Relief, dem nun das Gewässer- 
netz sich anpassen mußte. Der großen Widerstandsfähigkeit der 
Laven wegen vollzog sich die Umbildung allenthalben so, daß die 
Lavamassen nunmehr zu Gipfeln wurden, die aus oft weit ge- 
dehnten Verebnungen aufragen, welche uns auf die Lage der 
Erosionsbasis damaliger Zeit Schlüsse zu ziehen gestatten. So 
die Werra-Verebnung am Meißner, 300 m hoch, so die Vereb- 
nungen im Erzgebirge um den Pöhlberg herum (650 m) und die 
Ebenheitsflächen im Eibsandsteingebirge, die sich ebenso an die 
Elbe knüpfen, wie im Westen die obere Region der Hochböden 
im Schiefergebii-ge an den Rhein. Weit verbreitete Braunkohlen- 
und andere Landbildungen des Miozän bezeugen, daß auch damals 
noch das Relief von ]\Iitteldeutschland im ganzen genommen nicht 
so stark war wie jetzt; doch beginnt nun lebhaftere Entwicklung. 
Im Süden brach im mittleren Miozän der Rheingraben ein und 
mächtige Schotter verraten eine kräftige Erosionsphase, die zum 
heutigen Bild hinführt, aber doch noch eine 500 m und höher liegeiule 
Auffüllung in der mittelrheinischen Tiefebene hinterließ. Vom 
südlichen Rande der Schwelle, aus der Gegend v..n Regensbiirg, 
aus Ostböhmen und aus Oberschlesieu ist starke Zerschiieidnng 
jener Zeit bekannt, der eine Meerestransgression ven S luid ei-iieute 
Verschüttung von N folgt (Juranagelfluh, Ostböhmen). 

Dieser Ablagerungskomplex mariner niul dariihei- sich er- 
streckender fluviatiler Bildungen liegt im siidwesllichen Deutsch- 
land (im Tafeljura und im Schwäbischen .Iura) iieute auf den Höhen 



22 r^as uatürliche Laudschaftsbild 

der Berg-laudschafteii, im Südosten dageg-en, in Ostböhmen z. B. 
tief nnteu in Tälern, von denen im Südwesten keine Spnr mehr 
erhalten ist. Aus der miozänen Landoberfläche sind daher im 
Westen alle heutigen Landformen von den Höhen der Berge bis 
zu den Tiefen der Täler herausgeschnitten, während im Osten noch 
die miozäne Oberfläche sichtbar aus den gleichzeitigen Fluß- 
ablagerungen herausragt, seither an vielen Stellen nur durch die 
Verwitterung angegriffen. Die Ursache der Erhaltung geologisch 
alter Formen in einer, die Entwicklung sehr viel jüngerer in einer 
anderen nicht weit entfernten Landschaft sehe ich in den tek- 
tonischen Ereignissen, welche Südwestdeutschland in der Dilvuial- 
zeit erneut betrafen und durch die Einsenkung der mittelrheinischen 
Tiefe auf so weiten Raum dem sie durchziehenden kräftigen Fluß- 
system eine sehr bedeutende Erosionsübermacht über die Donau 
und ihr System verliehen. 

Das vielleicht überraschende Ergebnis dieser Darlegungen ist 
die Erkenntnis des verhältnismäßig so hohen geologischen Alters 
der Oberflächenformen der mitteldeutschen Schwelle und eines 
Teiles von Südwestdeutschland, der Nachweis, daß sich oligozäne 
ja teilweise noch ältere Flächen seither nur durch die Angriffe 
der Verwitterung verändert bis in die Gegenwart erhalten haben. 

Wie weit pliozäne Geländeformen in Mitteldeutschland vor- 
handen sind, das ist eine noch vielfach strittige Frage angesichts 
der Spärlichkeit datierharer Ablagerungen dieser Periode. Im 
wesentlichen sind dieselben indes auch noch an die Hochfläche 
geknüpft, so am Eheinknie bei Bastd und im Eisgau, so im 
Rheinischen Schiefergebirge und EUisandsteingebii'ge. Im Weser- 
gebiet dagegen liegen sie z. T. auffallend tief, ohne daß ersichtlich 
wäre auf welche Ursachen das zurückgeht. Die Bildung der 
heutigen Thäler und Flußsysteme im Bereich der Schwelle ist 
daher im großen und ganzen in die Diluvialperiode zu verlegen. 
An Untersuchungen darüber fehlt es indessen noch fast ganz. Vom 
Rheinsystem wissen wir, daß es im wesentlichen aus zwei Teilen 
zusammengeschweißt ist. Der nördliche ist durch die Unter- 
suchungen Mordziols u. a. im Rheinischen Schiefergebirge fest- 
gelegt. Im unteren Miozän hei'rschen noch Verhältnisse vor, die 
von den heutigen ganz abweichen. Im ol)eren Miozän dagegen, 
zur Zeit der Kieseloolithschotter und Dinotheriensande sind ein 
Urrheiu, (b'i- aus dem Süden kam, und eine Urmosel kenntlich. 
Wir wissen ficilicb noch nicht, wo diese Flüsse entstanden, denn 



Entwicklung der Oberfiächenfornien 23 

im ganzen süddeutschen Rheing-ebiet ist damals noch die Ent- 
wässerung- nach Süden gerichtet. Erst im oberen Pliozän wird 
dort der Urrhein als subsequenter Fluß am Südfuß des Schwarz- 
waldes kenntlich, der zunächst zur Rhone fließt, dann im älteren 
Diluvium sich nach Norden wendet und nunmehr auch an seinen 
Schottern im Schiefergebirge als ein einheitliches aus den Alpen 
kommendes Sj^stem festgestellt ist. Es ist so kräftig, daß es allen 
tektonischen Bewegungen der Diluvialperiode zu widerstehen ver- 
mag — der Hebung des Schiefergebirges einerseits, dem Einbruch 
der mittelrheinischen Senke andererseits. 

Über das Wesergebiet gehen die Ansichten noch zu weit 
auseinander und fehlt es vor allen Dingen so sehr an geomorpho- 
logischen Untersuchungen, daß über seine Entwicklungen nichts 
Zusammenfassendes gesag-t werden kann. Das Elbesystem ist 
wie das des Rhein im älteren Quartär vom inneren Böhmen bis 
nach Sachsen hinaus verfolgt. Im Böhmisch-Mährischen Höhenzug 
hat sich hier ein Stück alter, tertiärer Wasserscheide erhalten, 
von der aus die Flüsse dem anders gearteten Donausystem zu- 
strömen. Während das Rheinsystem uns schon im Mocän kenntlich 
wird, flutet hier zur gleichen Zeit noch das Meer, das von Süden 
her bis zu einer Mitteldeutschen Schwelle reichte, die weiter im 
Süden ihren Scheitel hatte als die heutige. Dem weichenden Meer 
folgten die Gewässer und im Pliozän bereits finden wir einen zu- 
sammenhängenden Donaulauf vom Schwarzwald bis über Passau 
hinaus, einen scheinbar morphologisch alten Fluß, der iil)er weite 
Hochflächen mäanderte und aufschüttete, ebenso wie es der gleich- 
zeitige obere und untere Teil des Rheines jeder für sich taten. 

Weiter südlich, wo die germanische Rumpfebene nicht mehr 
erhalten ist, wird unsere Betrachtung schwieriger. 

Immerhin kennen wir in weitem Rahmen um die Alpen im 
Norden herum Oberflächenformen der jüngeren Tertiärzeit, an die 
wir anknüpfen können. Im Hausruck liegen dem Oliermiozän in 
600 m Höhe Schotter auf, die aus den Zentralalpen stammen: 
scheinbar ähnliche Schotter sind in Resten im Tegernseegebiet 
in 800 m Höhe gefunden. Im Jura bei Basel liegt die pliozäne 
Landoberfläche 500 m hoch. Wie steht es mit den Alpen? Wii- 
kennen die tiefsten Stellen der sog. „präglazialen" Fläche, dn- 
Auflagerungsfläche der ältesten (iiliiviaien Deckenschotter, die hmte 
Höhen bilden, im Albis westlich des Zinich-S<>es in s.'io bis '.mki m. 
am westlichen Bodensee ihrhel. Schinei- Urrgi etwa in 7(iii m 



24 üas uatürliclie Landscliat'tsbild 

Höhe, im Gebiet der Hier von 500 m bis 800 m ansteigend, im 
Inng-ebiet am Alpenrand 700 m hoch. Sie ist leicht als eine und 
zwar ziemlich ebene Rnmpffläche zu erkennen, die — wohl hier und 
da von jüngeren Schichtstörungen betroffen — doch auch heute 
noch einen allmählichen Anstieg gegen die Alpen hin zeigt, in 
deren Täler hinein sie sich verfolgen läßt. Schon auf diesem 
Betrachtungswege verlieren die nördlichen Alpen den oro- 
graphischen Charakter eines Hochgebirges, da die präglazialen 
Talböden im Vergleich zu den heutigen recht hoch liegen ; so finden 
wir bei Innsbruck die heutige Talsohle in 560 m, die präglaziale 
in rund lOoo m Höhe. 

Sodann aber ist der präglaziale Talboden nicht der pliozäne, 
der noch weit höher gelegen haben muß, denn der präglaziale liegt 
seinerseits zu tief, um zu den erhaltenen oder rekonstruierbaren 
rundlichen Vorbergformen der nördlichen Alpen in normaler Be- 
ziehung zu stehen. 

Wir kennen seit langem die morphologischen und geologischen 
Merkmale der oberen Gletschergrenze in einem vergletscherten 
Gebirge und können danach diejenigen Gebirgsteile bestimmen, die 
darüber aufragten. Diese tragen teils eigene Plateaugletscher, 
die sie zwai' im ganzen aber auch gleichmäßig erniedrigten, teils 
Lokalgletscher, die sie uui- an einzelnen Stellen veränderten, deren 
Einwirkung wir entfernen können. Stellen wir auf diese Weise die 
unzerfressene Form der Berge her, so läßt sich das so gewonnene 
Profil benachbarter Höhen nach Analogie von Mittelgebirgsformen 
in den Tälern verbinden. Das Ergebnis derartiger Studien ist das 
Folgende: Die pliozäuen Alpen und ihr Vorland waren ein flach- 
welliges Mittelgebirge des stark unterjochten Tj-jms mit einer 
Reliefenergie von rund 1000 m. Die „präglaziale" Fläche möchte 
ich folgendermaßen aus dieser entstanden auffassen: eine geringe 
Senkung der Erosionsbasis führt zur Neubelebung der Tiefenerosion. 
Diese steht sehr bald still und macht starker Seitenerosion Platz, 
die ihrerseits eine Gebirgsfußebene schafft, die sich in breiten Tal- 
böden ins Gebirge hinein fortsetzt. Über diesen liegen als Folge 
der Seitenerosion verhältnismäßig zu steile Hänge, über welchen 
die älteren rundlichen Hochflächen folgen. 

In den flachen vor der Sonne geschützten Nischen und Quell- 
mulden dieser rundlichen Berge der ]>räglazialen Voralpen sammelte 
sich Schnee, wurde zu Firn und Eis und fraß sich rücklings in 
den Berg hinein. Schmolz er nach langer Zeit dann ab, so blieb 



Entwicklung der Oberflächenformen 25 

eine halbkreisförmige, steilwandige, ebenbodige Vertiefung im Berg 
zurück, die wir als Kar liezeichnen. Ist die Nische größer und häuft 
sich in ihr mehr Eis an, so verläßt es sie als Gletscher, der dann 
von anderen Nischen Zuwachs erhält und als Eisstrom in das Tal 
hinauszieht, beladen mit dem losen Schutt der Berge und den 
Produkten seiner Erosionstätigkeit. Gleichzeitig durchströmten 
die großen Gletscher der Zentralalpen die Täler der Voralpen auf 
ihrem Weg nach dem Vorland. Wenn wie in den Eiszeiten 
Jahrhunderte und Jahrtausende lang aller Niederschlag des Gebiets 
in fester Form abströmt, so nutzt er sein Bett allmählich ab 
und zugleich wird eine große Menge fester Stoffe aus dem Ge- 
birge hinausgeschafft, welche dann die Schmelzwasser übernehmen 
und in Form flach geneigter Schotterebenen ablagern. Schmilzt 
das Eis ab, so bleiben im Gebirge zwei Formeugruppen er- 
halten: die wenig veränderte präglaziale oberhalb der Schnee- 
grenze z. Z. des Maximalstandes der Vereisung und die glazialer 
Umgestaltung unterhalb derselben. Oberhalb der Schneegrenze 
werden die Rundlinge zu Karlingen, Rücken zu Graten, der runde 
Buckel nähert sich der Pyramidenform, je stärker Kare ihn zer- 
fressen, in der Regel also je mehr wir ins Innere der Bergwelt 
kommen. Unterhalb wird das Tal zum Trog und jeweils das 
Haupttal gegenüber dem Nebental so übertieft, das die Wasser- 
läufe beider sich heute nur in einem Fall oder einer klammförmig 
eingetieften Laufstrecke vereinigen können. An Stellen starker 
Glazialerosion entstehen Seen oder schuttgefüllte Becken. Alles 
ist unausgeglichen und unfertig, ein Beweis der großen Jugend- 
lichkeit aller Formen. Und in der Tat: in der gleichen Zeit, 
während der in der mittehhMitschen Schwelle in irgciulwif harten 
Gesteinen nur schmale Täler sich nusl)ildeten, wurde hier fast die 
ganze Fläche eines Gebirges zum Hochgebirge umgestaltet und 
gleichzeitig das Vorland verschüttet. Die Analyse der alpinen 
Formen ist dieser energischen Umgestaltung wegen sehr schwierig 
und noch stark umstritten. Sicher indessen ist, daß auch liier 
geologisch und morphologisch alte Flächen neben den jiinucriii 
erhalten sind, sowie daß im allgemeinen der Westen jiingeiv Züge 
aufzuweisen hat als der Osten. 



2(5 Das natürliche Landschaftsbild 

4. Die bodenplastischen Regionen 

(vgl Tafel I) 

Diese Ül)ersicht über die Formen Mitteleuropas gewährt die 
Anhaltspunkte zu einer ersten Einteilung. Wenn wir in die Oli- 
g-ozänzeit zurückgehen, ja zeitweise noch im Miozcän, gewährt der 
deutsche Boden im großen das Bild einer Schwelle, die im Norden 
und Süden das Meer begrenzt. Danach brechen Teile derselben ein 
und es entstehen in ihr Lücken; es entwickeln sich Flüsse, die 
wie Rhein und Elbe im Inneren der Schwelle ausräumen, schließlich 
nach Norden hin durchbrechen: heute aber noch besteht die Schwelle 
trotz der Verbiegungen und Zerstörungen der germanischen Rumpf- 
ebene als oberste Tatsache der Bodenplastik Deutschlands und vom 
Verkehr schwer empfundenes Hindernis. An zwei Stellen zeigt sie 
im Inneren weitreichende Ausräumungen: einmal im ganzen Mittel- 
rheingebiet vom Jura ])is zum Schiefergebirge hin und dann wieder, 
weit kleiner, an der oberen Elbe. Dies letztere, das obere Elbe- 
Becken, ähnelt in seineu Ausmessungen indes doch nur der 
thüringischen Ausräumung, wird daher wie dieses besser als ein 
Glied der Schwelle selber betrachtet. Diese zieht nach meiner Auf- 
fassung also vom Schiefergebirge in großem Bogen bis an das 
Südende des Böhmer Waldes an der Donau und des Gesenkes an 
der Oder. Sie schließt in sich Südwestdeutschlaud und 01)erdeutsch- 
land. Der Zug der Alpen schneidet alle drei Regionen im Südeu 
ab. Der deutsche Boden gliedert sich also in 

1. das norddeutsche Tiefland, 

2. die mitteldeutsche Gebirgsschwelle, 

3. Süd Westdeutschland, 

4. Oberdeutschland und 

5. die Alpen. 

5. Das Klima Deutschlands 

(Vgl. Tafel II— lY) 

Das Klima einer Erdstelle ergibt sich aus ihrer Lage auf der 
Erdkugel und der Bodenplastik. Wir finden Deutschland auf dem 
Globus etwa zwischen dem 6. und 22. Grade der Länge und dem 
48. und .54. Grade der Breite, mit anderen Worten innerhalb der 
gemäßigten Zone im Osteu des nordatlantischen Ozeans. Danach 



Regionen. Klima 27 

wäre der Grundziig deutschen Klimas als gemäßigt warm zu be- 
zeichnen, wenn man eben berücksichtigt, daß der nordatlantische 
Ozean 'nicht nur innerhalb der West^^indzone der Erde liegt, 
sondern selbstständig ein Minimum ausbildet, dem die Luft von Süd- 
westen her zuströmt und das seinerseits Luft\\1rbel nach Osten 
hin aussendet. 

Der dadurch für Mitteleuropa gegebene ozeanische Einfluß 
kann sich dank der günstigen Verhältnisse der Plastik auch in 
recht erheblichem Maße bemerkbar machen. Die weite Öffnung 
des nördlichen Flachlandes nach Westen lün erlaubt im Verband 
mit der Ostsee ein weites Eindringen ozeanisch klimatischer 
Charaktere nach Osten. Im Süden wirkt die Landschwelle sperrend: 
sie isoliert in ihrem Bereich mehrere Becken recht vollkommen 
vom Meere und voneinander und verleiht dem ganzen Südwest- 
deutschland einen eigenen Klimacharakter. Allerdings ist diese 
Scheide nicht annähernd so stark wie der durch die Alpen ge- 
schaffene Abschluß gegen das mediterrane Klimagebiet im Süden. 

Es gliedert sich demnach Deutschland klimatisch etwa in 
folgende größere Abteilungen, die \deder den bodenplastischen 
Kategorien entsprechen: wir haben eine nördliche Zone marinen 
Klimas, eine mittlere Zone lokaler Beeinflussung mariner Grundzüge, 
eine südliche Zone gemäßigt kontinentalen Charakters und schließ- 
lich einen kleinen Anteil an der Zone des Gebirgsklima der Alpen. 

Betrachten wir nunmehr zahlenmäßig die wahren Werte von 
TemperaturV) und Niederschlagt). 

I. Norddeutschland 



Ort, Höhe in m 


Jahres- 
temperatur 


Januar 


Juli 


DifF. 


Niederschlag 

mm 


Emden 9 


8,8 


0,0 


16,9 


16,9 


726 


Münster i. W. 70 . . . 


S,4 





16.3 


16,3 


737 


Berlin (Stadt) 51 ... 


!),1 


-1,3 


18,6 


19,9 


581 


Posen 65 


8,3 


— 2,7 


18,7 


21,4 


492 


Königsberg (Preußen) (i . 


7,2 


-3,7 


18,0 


21,7 


<i40 



') Wirkliche, iiiclit auf den Meeresspiegel reduziert«' Tenipcraturuiittfl der 
Periode 1891 — 19(1(1 nach E. Sommer liKin in Forsrii. ■/.. <\. L. u. V«dUskunde. 
XVI. 2. 

-) Tunlichst nach G. Hellniann: Die Niederschläge in den norddeutschen 
Stromgebieten, 3 Bde., Berlin 1906. 



28 



Das natürliclie Landschaftsbild 



Diese Tabelle zeigt in ihrer ersten^ Spalte eine von Westen 
nach Osten hin sich ziemlich gleich bleibende mittlere Jahres- 
temperatnr. Sie ist im mittleren Norddentschland am höchsten, 
geringer in der Nähe des Meeres. Von derselben gänzlich nnbe- 
einflußt erweist sich die Januartemperatur, die regelmäßig von 
Westen nach Osten abnimmt und in Königsberg schon recht tief 
liegt. Die Sommertemperaturen sind dann wieder in dem ganzen 
Bereich nahezu gleich, nur im Westen durch das Meer gekühlt. 
Aus dem somit ziemlich einförmigen Bild heben sich immer- 
hin einzelne Landstriche heraus. So im Westen und an der Nord- 
seeküste die Landschaften mit sehr mildem Winter, wo Borkum 
ein Januarmittel von 0,7° hat, ein Februarmittel von 2,6°, während 
Aachen dann schon 3,1° erreicht. Das Gegenstück ist die Land- 
schaft der preußischen Seenplatten mit dem kalten Winter und 
Frühjahr wie es z. B. Klaußen zeigt. 



XI XII 



I 



II 



III IV 



Klaußen 140 m 
Breslau 145 m 



1.8 --1,9 —4,5 —4,5 —1,3 
2,0 —0,9 —1,5 —0,9 2,2 



5,5 11,5 

7,8 12,9 (zum Vergleich) 



Die Niederschläge sind im allgemeinen gering, sie betragen 
in weiten Teilen Norddeutschlands unter 600 mm, im Innern unter 
500 mm jährlich. Sie nehmen von Westen nach Osten hin ab, 
sind im oiuzelnen doch schon von der Lage der einzelnen Land- 
schaften zu den bodenplastischen Schwellen abhängig. Ihre Ver- 
teilung über das Jahr hin erläutert (in Prozenten des Jahres- 
niederschlages) folgende Tabelle: 





Winter 


Friililir 


s 


Summer 


Herbst 


Jaliressumme 
mm 


Bremen .... 
Berlin . ... 


21 
21 
17 


9 
1 

8 


20,3 
22 2 

18,0 




33,8 
34,2 
33.0 


24,0 
22,5 

3o,(; 




' 673 
581 


Königsbei 


■g ■ ■ ■ 


040 



wonach sich bereits nicht unerhebliche Unterschiede bemerkbar 
machen. Der trockene Winter und das trockene Frühjahr des 
deutschen Ostens, deren geringe Niederschlagssumme auf die Häufig- 
keit der trocknen Ostwinde zurückgeht, treten scharf hervor. Auf- 
fällig erscheint ferner die hohe Niederschlagsmenge des Sommers, 
während uns doch die Erfahrung lehrt, daß es im Herbst und 



Klima. Norddeutschland 29 

Winter viel mehr reg-net. Es spricht sich in den hohen Werten 
für den Sommer der Einfluß der rasch vorübergehenden aber in- 
tensiven Gewitterreg:en aus, denen nach neueren Untersuchung-en 
etwa die Hälfte des vom Mai bis September fallenden Nieder- 
schlages zuzurechnen ist, an der Küste etwas weniger. Nur in 
Schlesien haben wir auch nach Abzug der Gewitter ein sommer- 
liches Niederschlagsmaximum, entsprechend dem kontinentalen 
Charakter des Gebietes. 

Der Witterungsablauf in Norddeutschland zeichnet sich im 
allgemeinen durch eine großartige Einfachheit aus. Die allgemeine 
Luftdruckverteilung ist so, daß im Westen niedriger, im Osten 
höherer Druck zu finden ist. Bei ungestörter Wetterlage ent- 
wickelt sich eine östliche bis südöstliche Luftströmung, die fast 
immer trocken ist, im Winter Kälte, im Sommer große Hitze mit 
sich führt, woljei die dann unbehinderte Bestrahlung und Aus- 
strahlung die Extreme verstärken. Früher oder später löst sich 
von dem westlichen Tiefdruckgebiet ein Luftwirbel los, der über 
Norddeutschland oder nördlich daran vorbei seinen Weg nach 
Osten nimmt. Beim Herannahen eines solchen verstärken sich 
anfangs die östlichen Winde, dann drehen sie nach Süden und 
Südwesten, der Himmel bezieht sich gleichzeitig von dort her, 
erst mit weißen Federwolken, die sich allmälüich zu einem Schleier 
verdichten, dann folgen Regenwolken und es beginnen Nieder- 
schläge. Oft wächst der Wind zum Sturm an, er dreht in Stößen 
über West nach Nordwest, das Barometer beginnt zu steigen. 
Dann zerreißt die Wolkendecke; an die Stelle dauernder Regen- 
güsse treten unter oft sehr empfindlichem Temperaturfall Regen- 
oder im Herbst und Frühjahr Graupelschauer mit großer Intensität. 
Damit leitet sich der Übergang zu dauerndem Aufklaren, verbunden 
mit Abkühlung ein; sehr häufig aber dreht unter dem Einfluß 
eines neu herannahenden Minimums der Wind vorher „zurück" 
d. h. etwa aus Nordwest durch West nach Südwest und es wiedci-- 
holt sich der Ablauf der Vorgänge. 

Im Sommer sind Gewitter mit Ausuahnu' der Küstenstriche 
tiberall nicht gerade selten. Wärmegewitter ändern deu Witte- 
rungscharakter meist nicht, anders diejenigen Gewitter, die an d(M- 
Stirn eines Jjui'tdruckwirbels gelegentlich einherzieheii und mit- 
unter auch im Winter Ixd Schneefall zu Ix'obachten sind. Der 
Niederschlag fällt überall in Xorddeutscliland im Winter in fester 
Form und eine geschlossene Schneedecke überzieht im Osten oft 



30 



Das uatürliclie Landscliaftsbild 



nioiiatelaiig- den Erdboden, fällt doch der erste Schnee im Mittel 
in Königsberg am 29. Oktober, der letzte am 24. April! 

2. Die mitteldeutsche Schwelle 

Die Mannigfaltigkeit der lokalen klimatischen Bedingnngen 
steigert sich sehr mit dem Erreichen der Gebirgsschwelle. Die 
einzelnen, sehr vielfach plateauförmigen Mittelgel )irge tragen in 
ihrer Höhe oft ansgedehnte Landschaften, die nnter ganz anderen 
klimatischen Bedingnngen stehen, als die dazwischen liegenden 
Senken sie aufweisen. Es genügen daher in dem bergigen Lande 
nicht mehr (4nzelne Stationen zur Charakteristik weiter Rcäume, 
sondern jede Zahl gibt nur einen lokalen Zustand an. Ich ordne 
im folgenden die Stationen i)rofilartig an, um die Veränderung 
der einzelnen klimatischen Elemente mit dem Erreichen der Schwelle 
und bei dem Eindringen in dieselbe zu zeigen. 



Ort, Höhe in m 


Jahres- 
temperatur 


i 
Januar 


.Juli 


Diff. 


Niederschlag 
mm 


Aachen 177 . . . . 


9,6 


1,4 


17,7 


16,3 


883 


Schueifelforsthaus 657 


6,0 


— 2,5 


13,9 


( 16,4 


946 


Braunschweig 83 . . 


S,V, 


- 1,0 


17,4 


18,4 


617 


Wernigerode 246 . . 


8,2 


0,0 


17,4 


17,4 


720 


Brocken 1145 . . . 


2,6 


-4,3 


10,8 


15,1 


1313 


Klausthal 592 . . . 


5,7 


-3,2 


14,0 


17,2 


1300 


Göttingen 150 . . . 


8,6 


— 0,9 


17,2 


18,1 


569 


Kassel 200 .... 


8,3 


— 1,3 


16,9 


18,2 


645 


Erfurt 219 .... 


7.9 


— 2,0 


16,9 


18,9 


527 


Inselsberg 900 . . . 


4,1 


-4,9 1 


12,4 


^ 17,3 


1268 


Krummhübel 585 . . 


6,5 


-3,1 1 


15,3 


18,4 


1000^) 


Wang 873 .... 


4,4 


-4,8 


13,4 


18,2 


1395 


Schneekoppe KiOO . . 


— 0.3 


— 7,8 ' 


8,6 


16,4 


1350 


Glatz 285 


7,3 


-4,0 

1 


16,8 


20,8 


644 


Altenberg (Erzgeb.) 750 


5,5 


-4,1 


14,3 


18,3 


1120 



Von diesen Stationsgrupi)en liegt die westliche im Bereich 
atlantischen Klimas und selbst im Schueifelforsthaus sind die 



^) Unsicher. 



Klima. Mitteldeutschland 3X 

Temperaturen noch verhältnismäßig- mild. Diese Station, dann Klans- 
tlial, Krummhübel nud Alteul)erg- mögen das weit verbreitete 
Höhenklima der Schwelle charakterisieren mit seinen kalten nnd 
schneereichen Wintern. Nnr wenig verschieden sind die Zahlen des 
geschützt liegenden, aber doch 300 m höheren Inselsberges. Dagegen 
reichen Brocken und Schneekoppe schon in andere Schichten der 
Luft hinein; am Brocken ist der kühle Sommer auffällig, an der 
Schneekoppe die allgemeine starke Temperaturerniedrigung. Das 
Beispiel Glatz zeigt das ganz extreme Klima, wie die Kessellage es 
mit sich bringt. 

Die Niederschläge hängen in ihrer Menge ganz von der Lage 
der betreffenden Station zu den Regen bringenden Winden ab: 
an den dem Winde ausgesetzten Stellen mit Bodenanstieg sind sie 
namentlich im Westen sehr stark, im ..Regenschatten'' der Gebirge 
recht gering. Die Verteilung über das Jahr hin zeigt folgende 
Zusammenstellung (in Prozenten der Jahressumme): 



Winter Frühling Sommer Herhst 



Göttingen 150 
Erfurt 219 
Fulda 265 
Lahnhof 600 . 



21,1 I 20,8 ; 34,1 j 24,0 

15,6 ! 23,9 37,6 22,9 

18 16 42 24 

25 17 31 27 



wonach auch dieser klimatische Faktor große Verschiedenheiten 
aufweist. Der Sommer bringt allerdings überall das Maximum der 
Niederschläge, was der großen Häufigkeit der Gewitter an ein- 
zelnen Stellen (Fulda!) zuzuschreiben ist, von denen bis zu 75% 
der gefallenen Wassermasse stammen. An gescjiützten Stellen ist 
auch der Frühling regenarm, sonst mäßig feucht. Der Witterungs- 
verlauf wird, wenn auch abgeschwächt, immer noch entschieden 
von den vorbeiziehenden Minima beherrscht, was sich besonders 
im Winter fühlbar macht. Dann deckt monatelang eine hohe 
Schneedecke die Hochländer, die sich oft noch im März erneut 
und bei raschem Schmelzen ebenso leicht 11 och wassergefall r her- 
beiführt, wie es die schweren Sommerregeii veriiehiiilich im Osten 
der Schwelle tun. 



32 



Das natürliche Laudschat'tsbild 



3. Südwestdeutschland 

Im Südwesteii Deutschlands scheiden sich, wie ein Blick auf 
die Karte lehrt, zwei Gebiete nach ihren verschiedenen Tempera- 
turen: die warme mittelrheinische Senke und die kühleren Hoch- 
länder vornehmlich im Osten. Hier wieder, der Bodenplastik ent- 
sprechend, mehr Gleichförmigkeit auf größeren Räumen als inner- 
halb der Schwelle. 



Ort, Höhe in m 


Jahr 


Januar 


Juli 


Differenz 


Niederschlag 

mm 


Frankfurt a. M. 104 . 
Karlsriihe 125 . . . 
Basel 270 .... 


9,6 

10,0 

9,5 


— 0,2 

— 0,1 

— <-',7 


18,5 
19,1 
18,8 


18,7 
19,2 
19,5 


613 

708 
828 


Chäteau Salins 347 . 
Metz 180 


8,7 
9,5 


-1,0 
0,4 


17,3 
18,0 


18,3 
17,6 


674 


Buchen (Baden) 845 . 
Würzburg 180 . . . 
Nürnberg 315 . . . 
Amberg 520 . . . . 


9,0 
8,5 
7,3 


— 2,3. 
-1,0 
-1,8 

- 3,8 


16,8 
18,4 
18,3 
17,6 


19,1 
19,4 
20,1 
21,4 


700^) 

573 

623 



Von diesen Stationen zeigt die erste Reihe die von Norden 
bis Süden trotz der nicht unerheblichen Erhebung gleichen Tem- 
peraturverhältnisse der mittelrheinischen Senke mit ihren warmen 
Wintern und sehr heißen Sommern. Im Regenschatteu der Vogesen 
steigern sich diese Verhältnisse ins Extreme und recht erhebliche 
Sommerwärme kommt hinzu, wie die folgenden Zahlen dartun 
mögen: 

Colmar 190 m 10,4 + 0,2 19,7 19,5 506 

Noch wärmer sind die Winter in Metz, weil dort ein Faktor fort- 
fällt, der stark zur Abkühlung der Senke im Winter beiträgt: die 
durch Abfluß kalter Luft von den Randgebirgen bei Fehlen all- 
gemeiner Zirkulation der Atmosphäre herbeigeführte Bildung von 
„Kälteseen" mit Nebeldecke, die oft wochenlang Bestand haben 
und so konstante Temperaturen mit sich l)ringeu, wie sie in Nord- 
deutschland mit seinem ewigen Wechsel des Wetters unbekannt 
sind. Auch im Sommer zeichnet eine durchweg große Neigung zur 



^) Uusiciier. 



Klima. Süd Westdeutschland 33 

Beständigkeit die Witterimg- in der Senke aus: längere Perioden 
starker Erhitzung wechseln mit solchen dauernder Niederschläge, 
deren Anzeichen oft kaum merkbarer Wechsel im Barometerstande 
ist. Die Winde sind durchgängig schwach. 

Die große warme Senke beeinflußt naturgemäß auch die 
niederen Randgebiete, während die höheren Stufenländer doch 
schon ein erheblich rauheres Klima haben, wie die Zahlen für 
Buchen und Amberg dartun, und die Gripfel wieder in ganz andere 
Luftscliichten aufragen. 

Großer Belchen 1394 m 4.4 —4,5 11,0 15,5 

Sie genießen im Winter bei monatelanger geschlossener Schnee- 
decke die Vorteile der Temperaturumkehr, erfreuen sich dann über 
der Nebeldecke strahlendsten Sonnenscheins und einer unbegrenzten 
Fernsicht. 

Die Niederschläge wechseln in dem weiten Gebiet natürlich 
lokal sehr in der Stärke, die höheren Bergländer werden sehr 
reichlich, die Senken oft nicht ausgiebig genug bewässert. Schnee 
gehört in der Senke in nmnchen Wintern zur Seltenheit. Der 
Winter ist im allgemeinen in den tieferen Teilen niederschlags- 
arm, gegen das Frühjahr nimmt die Menge zu und erreicht im 
Sommer, wieder dank der Beteiligung der Gewitter, ihr Maximum, 
wie folo-ende Tabelle näher dartun mö^e: 





Winter 


Frühjahr 


Sommer 


Herbst 


Frankfurt a. M. . . . 

Basel 

Stuttgart 

Beleben 1400 . . . 


20.7 

12,8 
16,7 
23,2 


20,4 
21,4 
24,8 
23,3 


33,9 
37,0 
35,7 

21,8 


25,0 

28,8 
22,8 
21,7 



In den höheren Lagen (etwa von 1<»UU 111 al») verschwindet 
also das Sommermaximum und macht ziemlich gleichmäiMger Ver- 
teilung über das Jahr hin Plat/.. 

4. Oberdeutschland 

In (h'T weiten Ausdchuiiiig seiner FUichcn ähnelt ( Hiei-deiitsch- 
land dem Norden. Doch handelt es sich Wwv um ein Hochland 
in der Nähe eines hohen (iebirges, das zwei g.inz verschiedene 
Klimagebiete scheidet. So prägt (!S in vielen Fällen den Land- 
Braun. 3 



34 



Das uatürlielie Landscliaftsbild 



Schäften ;iii sciiiciii Fuß seiuen Charakter auf und macht sie da- 
durch auch Ivliiuatisch zu seinem Yorhmd. Hier gilt wied(n' jede 
»Station als bezeichnend für eine gTößere Fläche. 



Ort, Hölie in m 


Jahres- 
temperatur 


Januar 


Juli 


Differenz 


Niederschlag 
mm 


Villingen 715 . . . 


5,8 


— 4,2 


15,1 


lSt.3 




Isny 720 .... : 


7,4 


-2,8 


16,7 


19,5 


1393 


Friedriclishafen 408 . 


.8,6 


— 1,5 


18,1 


19,6 


999 


Ingolstadt 370 . . . 


8,1 


— 3,3 


19,2 


22,5 




Augsbnrg .500 . . . 


8,0 


— 2,3 


18,0 


20,8 


809 


Kempten 700 . . . 


6,6 


— 3,7 


16,4 


20,1 


1400 (?) 


Regensburg 360 


8,1 


-3,2 


18,3 


21,5 




München 530 . . . 


7,4 


— 3,0 


17,2 


20,2 




Rosenheim 450 . . . 


7,9 


— 3.2 


17,9 


21,1 




Wendelstein 1727 . . 


2,0 


— 5,7 


9,5 


15,2 




Passau 300 .... 


8,1 


-2,7 


18,1 


20,8 





Der bezeichnende Charakter von Oberdeutschland, soweit 
er uns in diesen Zahlen entgeoentritt, ist der außerordentlich 
kalte Winter, der nur in der Nähe des Bodeusees ein wenig* 
von seiner Schärfe einbüßt. Das Land ist eben dem Zufluß kalter 
Luft geöffnet und wenn auch kein derartiger Anstau derselben 
wie im Schweizer Mittelland mit seinen oft wochenlangen Nebeln 
im Seeugebiet stattfindet, so spielt doch auch hier die Kälteseen- 
bildung in großartigstein Maßstabe die entscheidende Rolle, wie 
aus den Zahlen für die Donausenke einerseits und denen für den 
Hohen Peißenberg anderseits hervorgeht, der trotz 1000 m Höhe 
im Januar nur den Mittelwert von — 2,7 aufzuweisen hat. Nach 
Osten und Westen hin fließt die kalte Luft ab und macht sich 
dank dei* breiten Bahn des Rheiutals im Winter noch in Basel 
fühlbar, von wo sie sich in die mittelrheinische Senke hineinschiebt. 
r)er Sommer ist auf der Hochebene überall recht warm, auffällig 
kühl in der Baar um Yillingen und Donaueschingen herum, noch 
kühler auf dem angrenzenden schwäbischen Jura. 

Mit der Annäherung an die Alpen steigern sich die Niedei- 
schläge, um in einer Höhenlage von etwas unter 1700 m ihr Maxi- 
mum zu erreichen, innerhalb derjenigen Zone, in der vorwiegend 



Klima. Oberdeutscliland 



35 



die Woikeubildimg stattfindet, wo also nichts durch Verdunstung- 
verloren geht. Winter und Frühling sind trocken, der Sommer 
wegen der zahlreichen Wärmegewitter, die namentlich im Bereich 
des Gebirges oft zu den Alltäglichkeiten gehören, am regenreichsten, 
^\de folgende Tabelle zeigt: 





Winter 


Frülijalu- 


Sommer 


Herbst 


Isnv 


17,3 
14,9 
17,4 


23,3 
23,6 
25,9 


35,7 
37,3 
33,0 


23 7 


Friedrichshafen . . . 
Genkingen (Alb) . . 


24,2 
23,7 



Die Bodenplastik und Lage der Alpentäler läßt iu ihnen Luft- 
strömungen entstehen, die auch in den höheren Mittelgebirgen 
nicht unbekannt, doch hier erst in dem Witternngsverlauf sich 
Beachtung verschaffen. Von der Temperaturumkehr, auf deren 
Vorhandensein die Existenzin ögiichkeit so manchen Winterkurorts 
beruht, wurde schon gesprochen. Sie macht sich im Sommer in 
Form der Berg- und Talwinde bemerkbar, die nachts talaus^\'ärts 
wehen, während am Tage bei schönem Wetter die Luft in den 
Tälern aufsteigt, was dann zur Wolkenbildung und dem Entstehen 
von Gewittern Veranlassung gibt. Kräftiger noch wirkt in den 
großen Tälern, wie Inntal und namentlich Unterrheintal der 
Föhn ein, ein warmer trockner Sturm, der vom Kamm der 
Alpen hinausweht, sobald ein im Nordwesten erscheinendes Mini- 
mum die Luft aus den Tälern heraussaugt, die dann von Süden 
her ersetzt wird. Er zeitigt prächtige Fernsichten, wird aber oft 
durch seine Stärke und Trockenheit gefährlich und hat fast immer 
Niederschläge im Gefolge, im Sommer die oft wochenlang dauern- 
den Landregen. 

Von den Gipfeln hat die Zugspitze mit ihren 2965 m schon 
ein ganz polares Klima, dessen Jahresmittel einige Grade unter 
Null liegt. 



6. Die Flüsse Deutschlands 

Eine vom ungeschulten Blick nicht ohne weiteres als solche er- 
kannte Erscheinungsform des Klimas einei- Erdstellc sind die Flüsse 
Ihr l*)estand als Adern rinnenden Wassers ist an die uns umgebende 
Kliniaart geknüpft, an das humide Klitna, dessen Definition eben 



36 



Dns natürliche Landschaftsbild 



darin besteht, dali in sciiuMii Bereicli die jährlich fallende Xieder- 
schlag'SinenjLiv so gvoiS ist, daß etwa voi'handene g'eschlossene Becken 
(Seen) zum t'berlließen kommen. Aber auch darüber hinaus zeigt 
sich der enge Zusammenhang zwischen Klima und Flüssen einmal 
in ihrer Wassermenge und dann in der Zeit und Dauer ihrer Eis- 
bedeckuHg. Genügende und vor allem auch gleichmäßige Wasser- 
menge sichert die Verkehrsbedeutung- der Flüsse für den Menschen, 
eine lauge Eisbedeckung hel)t diesen Vorteil wieder auf. Da nun 
überall im Deutschen Reich Winterfrost vorhanden ist, ist auch 
überall die Möglichkeit oder Oefahr des Zufrierens der Gewässer 
g-egeben. Hochwasser in dieser Zeit würde daher der Schiffl)ar- 
keit nichts nützen uiul so scheint es auf den ersten Blick für 
Deutschland sehr günstig, daß das Niederschlagsmaximum im Sommer, 
d. h, in die für den Schiffsverkehr am meisten geeignete Zeit fällt. 
Die tatsächlich bestehenden Beziehungen zwischen Niederschlag 
und Abfluß sind indessen doch nicht ganz so einfach. 

Cm zunächst einmal die Größeuordniing weniger Flüsse 
Deutschlands zu zeigen, möge eine Tabelle hier folgen: 





NNW) 

cbm/sec 1 1/iikm 


MW 

cbm/sec 1 


l/(lkm 


H H W^^ 

cbm/sec 1 1/qkm 


Rhein bei Basel .... 
„ an der holl. Grenze 


300 ■ 8,3 
784 4,4 


865 
2200 


23,9 
13,7 


4700 
9000 


133 
50 


Weser bei Baden . . . 


73 ; 1,9 


269 


7,1 


4170 


110 


Elbe bei Dresden . . . 
„ „ Geesthaclit . . 


55 1,04 
155 : 1,15 


270 j 
660 \ 


5,1 
4,9 


4600 
3600 


87 
27 


Oder bei Küstrin . . . 


125 1,17 


-190 ! 


4,5 


3200 


30 


Weichsel au der Strom- 
teilung 


271 1,4 


870 


4,5 


10 440 


54 


Memel an der Teilung 


166 1,8 


580 


6,4 


6320 


69 


Donau bei Obern zell . . 


— — 


1432 


18,6 


— 


— 



Bei allen diesen Hauptwasseradern ist reichliche Wasser- 
t'iihriiiig- selbst zur Zeit des Niederwassers festzustellen: imiiKM-hin 
sind die Unterschiede doch so bedeutend, daß wir uns nunmehr 



*) Niedrigstes Niederwasser ^ tiefster seit Beginn der Beobachtungen vor- 
gekommener Wasserstand. 

^) Mittelwasserstand — Mittel aller Jahreswasserstände. 

^) Höclistes Hochwasser = höchster bisher beobachteter Wasserstand. 



Flüsse 37 

nach dem zeitlichen Verhältnis der Wasserführung' zu fragen 
haben. Danach lassen sich leicht zwei große Gruppen innerhalb 
der deutschen Flüsse bilden: die eine umfaßt Weser, Elbe, Oder, 
Weichsel mit Hochwasser im März und Niederwasser im September; 
die zweite umfaßt Rhein und Donau mit Hochwasser im Juni — Juli 
und Niederwasser im Winter. Dies gegensätzliche Verhalten, 
welches die letztere G-ruppe als sehr geeignet zur Schiffahrt er- 
scheinen läßt, erklärt sich unschwer aus der geographischen Lage 
der Einzugsgebiete der Flüsse. Innerhalb der ersten Gruppe mit 
Einzugsgebiet in den Mittelgebirgen folgt das Hochwasser unmittel- 
bar der Schneeschmelze. Bei Rhein und Donau erfolgt um diese 
Zeit ebenfalls eine rasche Auffüllung, die aber den ganzen 
Sommer hindurch von die Schneeschmelze im Hochgebirge unter- 
halten wird. 

In diesen Fällen handelt es sich um das normale, mittlere 
Hochwasser. Ganz unregelmäßig treten daneben durch klimatische 
Ereignisse veranlaßt Hochwasser ein, die zu Überschwemmungs- 
katastrophen Anlaß geben, Ihre Vorbedingungen sind sehr ver- 
schiedener Art und erst neuerdings haben eingehende Studien der 
meteorologischen Anstalten und der Anstalt für Gewässerkunde 
mehr Licht über dieselben verbreitet. Es sind bestimmte gefähr- 
liche Wetterlagen, die jene Landregen erzeugen, aus welchen 
namenthch die Sommerhochwasser im oberen Odergebiet hervor- 
gehen, die so oft schon schweres Unheil angerichtet haben. Ge- 
fährlich ist auch imuier die Zeit der Schneeschmelze, namentlich 
wenn, wie so oft, erst Anfang März die größten Schneemassen des 
Winters fallen und sehr rasch wieder wegtauen, so lange der Boden 
noch gefroren, also wasserundurchlässig ist. 

Nach den Hochwassern richtet sich die Bettausgestaltung 
unserer Ströme in natürlichem Zustand und ihre Regulierung mit 
Hilfe von Kunst])auten. Kein Bach und kein Fluß in Deutschland 
hat mehr seinen ursprünglichen Habitus bewahrt: überall wiid für 
i-ascheste Abführung der Wassermengen gesorgt, die im rrzustaud 
Wochen- und monatelang das Cberschwemmungsgcbiet unpassierbar 
machten, oft dauernde Seen und Sümpfe bildend. Nirgends mehr 
erfolgen zur Hochwasserszeit Durchbrüche duicli die eingeschnürten 
Hälse von Mäanderbögen, wie sie insondciiicit in (k-r mittelrheini- 
schen Senke und im Nl('derrheing('l)ict noch als vordem nicht seltene 
P>eignisse kenntlich sind. Nirgends iin'hr (hui' ein l-"lnr» ver- 
wildernd seine Schottermenücn bdiclii«!- nuslireiten uiid in unzählige 



38 Das natürliche Landscliaftsbild 

Arme geteilt l>;il(l hier bald dort über sie hiuwegTausclieu , >vie 
es z. B. der l\heiii unterhalb Basel tat. Eine reiche Literatur 
liesehäftigt sich mit den Fragen der Rekonstruktion des ursprüng- 
lichen Bildes unserer Flüsse, die, sobald es sich um Einzelheiten 
liaiKJelt, gar nicht so leicht zu lösen sind. Im großen waren jeden- 
falls die Flüsse und ihre nähere Umgebung, die Talsohlen, im 
natürlichen Landscliaftsbild der Urzeit ganz anders zu bewerten, 
als wir das heute gewohnt sind, sie waren dem Menschen ganz 
unzugänglich. 

Die Maßnahmen des Menschen zum Schutz gegen Über- 
schwemmungen bestehen zunächst einmal im Bau von Dämmen 
oder Deichen, die wenigstens die menschlichen Wohnstätten vor 
dem Ülterflutetwerden schützen sollten, sonst aber dem Wasser 
ruhig seinen Willen ließen und ein oft sehr großes Überschwem- 
mungsgebiet der alljährlichen Yer\\üstung Preis gaben. Später 
kam das Streben hinzu, dem Wasser und den von ihm niitgeführteu 
Geschieben möglichst raschen Abzug zu schaffen: es wurde der 
natürlich gewundene Strom durch Durchstiche gestreckt, die Wasser- 
menge im Profil dnrcdi allerlei Bauten eingeengt und zu schnellerer 
Bewegung gezwungen. In der Gegenwart schließlich wendet man 
ein Mittel an, für das die Natur selbst das Vor})ild bietet: die 
Zurückhaltung ungewöhnlich großer Niederschlagsmengen in einem 
Stauweiher; man errichtete Talsperren, veränderte dadurch wohl 
das Landscliaftsbild stark und zerstörte ganze Ortschaften, gewann 
aber die Möglichkeit den Wasserhaushalt der Flüsse zu regulieren 
und große Anlagen zur Erzeugung elektrischer Kraft. So sind 
heute unsere Flüsse bis zum kleinsten der Bewässerung von 
Wiesen dienenden Bächlein hinab gebändigt und werden nur selten 
noch dem Menschen unangenehm. 

Die grolk Eibüberschwemmung vom Frühjahr 1909 zeigt 
einen Typus des Hochwassers, der durch den Läugsverlauf 
unserer Flüsse bedingt ist. Die Flüsse im Osten Deutschlands 
haben ihr Einzugsgebiet in weit südlicheren Breiten als die 
Mündung liegt. Häufig tritt dann im Süden eher das Frühjahr 
und die Schneeschmelze ein, ehe im Norden die den Fluß 
bindende Eisdecke verschwunden ist. Dann kommt es zu Eis- 
stauungen, olx'iiialb deren das Wasser steigt, bis es schließlich 
über die JJeiche hinwegfließt. Je nach der Stelle, an welcher das 
geschielit, sind die Folgen eines solchen Deichl)ruches mehr oder 
minder schweie. l^ei der Elbe ereignete sie sich 1909 in der 



Flüsse 39 

Geg'end der Havelaiündung, wo die Elbe und Havel zusammen einen 
großen flachen Scliuttkeg-el gebildet haben, die Wische, dessen 
Scheitel oberhalb Sandau liegt (Blatt 75), der sich dann nach See- 
hausen, Wittenberge hin erstreckt. Alte Stromrinnen, in denen 
jetzt Uchte, Biese, Aland fließen, lenkten das Wasser sogleich 
weit ab vom Strom auf einen neuen Weg und wenn es nicht mit 
Hilfe von Eisbrechern gelungen wäre, in wenigen Tagen die Eis- 
stauung zu beseitigen, so hätte fraglos die Elbe hier einen neuen 
Lauf eingeschlagen. Dem gleichen Typus gehören die Über- 
schwemmungen der Weichsel und Memel an, deren Gefahren man 
ebenfalls durch rechtzeitiges Aufbrechen der Eisdecke zu begegnen 
versucht. 

Wir stoßen liier auf einen sehr gefährlichen Einfluß der Eis- 
decke, die auch sonst eine erhebliche Störung der Schiffahrt be- 
deutet. Deutschland steht in der Mitte zwischen Frankreich mit 
seinen fast immer eisfreien Wasserstraßen und Rußland, wo die 
Schiffahrt monatelang geschlossen ist. Einer Zusammenstellung 
von Thielemann entnehme ich folgende Zahlen. Es hat der 

Rhein bei Cöln (1816/85) . . 21 Eistage, 

Ems 27 

Weser bei Nienburg (1885/95) 37 „ 

Elbe bei Magdeburg .... 47 „ dav. 17 Tage fest zu 

Oder bei Brieg 36 Tage fest zu 

Weichsel bei Thoru (1860/90) 93 Eistage 

Donau bei Regensburg ... 27 „ 

Der Pregel hat bei Königsberg 115 Tage mit Eis, die Memel 
bei Tilsit 102 Tage, die sich von Anfang Dezember bis Ende März 
verteilen. In der Donau zeigt sich auf der deutschen Laufbahn 
im Mittel das erste Eis Ende Dezember, das letzte Anfang 
Februar. 

Immerhin ist also die Schiffahrtsbehinderung durch das Eis 
recht bedeutend, namentlich wenn man bedenkt, daß die Schiffe 
schon beim Auftreten des ersten Treibeises den schützenden Winter- 
hafen aufsuchen müssen und daß die Eisbedeckung künstlicher 
Wasserstraßen infolge mangelnder Sti-funung weit länger währt 
als die der natürlichen Gewässer. Audi die deutschen Ostsee- 
häfen litten früher stark unter P]is, doch gelingt es jetzt, mit Hilfe 
von Eisbrechern iininei' die Fahrstraße offen /n halten. 



40 D'^s natürlifhe Laiidschaftshild 



7. Die natürliche Pflanzendeci<e Deutschlands 

Für die Betraclituiig- der Pflauzendecke Deutschlands in ihrer 
iiatürliclien Aus])iUluiig' ist die diluviale P^iszeit der gegebene Aus- 
gangspunkt, waren doeli damals im Norden und Süden große 
Räume ganz pflanzenleer und sind seither erst besiedelt worden. 
Diese Neubesiedeluug nahm ihren Ursprung natürlich in den vom 
Eis nicht l)edeckten Räumen Mittel- und Südwestdeutschlands, 
deren Zustand während der A'ereisung kennen zu lernen daher 
von Wichtigkeit ist. Man kann zu dieseui Zweck von verschiedenen 
t'berleguiigen ausgehen. A. Penck hat festgestellt, daß die Schnee- 
grenze in der Diluvialzeit im Westen Deutschlands etwa 800 m, 
im Osten 1200 m hoch lag, diejenige IJnie. oberhalb deren Schnee 
jahraus jahrein liegen bleibt, dessen Abfuhr nur in fester Form 
erfolgt. Schneegrenze und die verschiedenen Vegetationsgrenzen 
stehen nun in einem festen Verhältnis zueinander. Die Waldgrenze 
liegt beispielsweise in den Alpen jetzt etwa 75() m unter der 
Schneegrenze. Wenden wir die Ziffer auf Mitteleuropa zur Dilu- 
vialzeit an, so stehen also von vornherein nui- sehr geringe 
Räume für Waldvegetation zur Verfügung, wir werden uns 
also das eisfreie Gelnet auch als im wesentlichen baumlos zu 
denken haben. 

Nach dieser ersten Orientierung sehen wir uns nach tatsäch- 
lichen Funden und anderen Anzeichen um, an denen es nicht fehlt. 
So ist der Löß ein unzweifelhaftes Produkt der diluvialen Eiszeit, 
das uns auf ein leicht trocknes Klium verweist und an Steppen- 
])flanzen denken läßt. Daneben beweisen die Moorfunde, daß es 
auch an Wasser, wenigstens stellenweise, nicht gefehlt hat. Tier- 
i-este sind in großer Menge erhalten, und gestatten ebenfalls Rück- 
schlüsse auf die gleichzeitige Pflanzenwelt, von der auch hier und 
da gelegentliche Funde außerhalb der Moore direkt zeugen. Da- 
nach haben wir uns mit E. Krause die Vegetation während 
der Eiszeiten in Mitteldeutschland in Form der Tundra vorzu- 
stellen, wie sie in Nordskandinavien heute beobachtet werden kann. 
Ein niedriger Teppich mit Zwergsträuchern, Polar- uud Alpen- 
blumen überzog das Land, hier und da gediehen in Tümpeln und 
kleinen Seen auch anspruchsvollere Gewächse, mag auch Birken- 
wald an geschützten Stellen hochgekommen sein. Von den breiten 



Pflanzendecke ^\ 

Flußbetten her staubte es trotz geleg-entlicher Niederschläge stark 
und so nahm das Land streckenweise Steppencharakter an. 

In der letzten Zwischeneiszeit — und wohl auch schon in den 
früheren — kam es zur Waldbildung, doch war der Wald allem An- 
schein nach nicht sehr geschlossen, die Baumgrui)pen vielmehr 
parkartig über offenes Gelände verstreut. In dieser Form haben 
wir uns auch das erste Wiederauftreten von Wald nach dem letzten 
Halt und Vorstoß der Gletscher zur baltischen und Bühlzeit zu 
denken. Der offenen Tundra mit Kriechweide und Dryas folgt 
lichter Birkenwald und dann der geschlossene Kiefernwald in 
Xorddeutschland , im Süden Eiche, Linde, Ahorn, stellenweise 
Weißbaum und Fichte. Eiche und Fichte wandern mit Besserung 
des Klimas nach Norden und zuletzt kommt die Buche (vielleicht 
aus Böhmen), die jetzt fast ganz Norddeutschland erobert hat, 
während sie im Süden schon lange dichte unzugängliche Urwälder 
bildete. Zu Beginn der Alluvialzeit finden wir Deutschland mit 
Wald überzogen, einem menschenfeindlichen gemischten Urwald, 
in dem die Kultur der älteren Steinzeit sozusagen erstickt war 
und in den dann der neolithische Mensch von neuem erobernd 
eindrang. Die Lücken dieses Waldes waren aber immerhin ein 
Weg für ihn. So meidet dichter Baumwuchs die sturmumtobten 
Küsten der Nordsee und den Salzboden der Marschen, die von 
Eisgang bedrohten Überschwemmungsgebiete der Flüsse. Nur 
locker ist der Wald auf Lößgebieten und Kalkhochflächen mit 
dürftigem Humus. 

Heute sind von diesem Wald und den ihn begleitenden 
offenen Formationen nur spärliche Reste noch in Mitteleuropa er- 
halten. Der Baumbestand der Wälder ist überall völlig umge- 
wandelt und wesentlich einförmiger geworden, die Laubbäume zu- 
rückgedrängt. Die Wiese, die vielleicht überhaupt nur an sehr 
wenigen Stelleu (Überschwemmungsgebiete mit Eisgang) in Mittel- 
europa von Natur vorkommt, nimmt heute, aber in einer durchaus 
künstlichen Znsammensetzung, weiten Raum im Landschaftsbild ein. 
Wo auf gutem Hoden einst bunte Wälder sich dehnten, da breitet 
sich jetzt die Kultursteppe des mittleren Norddeutschland aus, in 
der nur um die Ortschaften hei'um noch Bäume zu finden sind. 
Einigermaßen natürlich sind nur noch etwa die l'flanzenformationen 
des Ufers und der Dünen, die Verlanderformationen an den Län- 
dern stehender Gewässer und die größeren Hochmoorfläciien. Da 
vor allem, wo wie an der flachen Nordseekiiste und etwa im Memel- 



42 Pflauzeudecke 

delta Moor- und Uferveg'etatiüii zusaiiimeiitreteu, da sind noch 
Naturbilder erhalten. Von den 25000 qkui Moor im Deutschen 
Reich ist aber auch schon der größere Teil infolge Entwässerung 
und LTrl)arnuichung nicht mehr völlig unberührt. 

rrspi'ünglichen Charakter tragen außerdem noch die großen 
nord westdeutschen Heiden, einst wohl auch Waldflächen, deren 
Baumbestand durch Boden Verschlechterung infolge der Ortstein- 
bildung zugrunde gegangen ist, so daß auch sie als frühe Lücken 
im Waldkleid Deutschlands anzusehen sind, die von Bedeutung bei 
der Besiedelung waren. 



Der Besiedlungsgang 43 



II. Die Umgestaltung des natürlichen Landschafts- 
bildes, der Besiedlungsgang 

Die Betrachtung* des Besiedliingsgang-es eines Landes von dem 
geog-raphisclien Gesichtspunkt der allmähhchen Uinbihhing der 
Landschaft zur heutigen Erscheinung muß von der Urzeitlaüdschaft 
zu Beginn der Besiedhing ausgehen, soweit dieselbe sich noch 
rekonstruieren läßt. Auf doppeltem Wege gelangt man zu einer 
Vorstellung über ihr Wesen: einmal durch Prüfung der natürlichen 
Gegebenheiten, der Bodenplastik und -Zusammensetzung, des Kh- 
nias und der Vegetation, zweitens durch ein Verfolgen der ge- 
schichtlichen und vorgescliichtlichen Ereignisse und t'berreste von 
der Gegenwart nach rückwärts. Diesen zweiten Weg geographisch- 
historischer Forschung zu verfolgen, nachdem der erste in den 
bisherigen Kapiteln kurz durchlaufen ist, kann hier nicht unsere 
Aufgabe sein, vielmehr müssen wir umgekehrt den Verlauf der 
Besiedlung zugrunde legen und darzustellen versuchen, wie die 
einzelnen historischen Vorgänge sich im Laiidschaftsbild ausprägen. 

Aus der Anah'se der natürlichen Zustände des Landgebietes 
des Deutschen Reiches gewannen wir die Vorstellung, daß hier 
ein im ganzen niedriges Land vorliegt, das dem Waldwuchs 
günstige Vorbedingungen bot, nachdem einmal die Gletscher der 
Eiszeit ge^\'ichen waren. Doch fanden die ersten Einwanderer, 
die Menschen der Eiszeit, die ja doch am Eisrande lebten, reich- 
lich waldarme und waldfreie Stellen, die sie mit Hilfe des Feuers 
auch zu behaui)ten vermochten, als die Vegetation erstarkte. Die 
im Kulturzustand der älteren Steinzeit angehörende Bevölkeiung 
lebte in Höhlen und unter Felswölbungen wie im Keßlerloch bei 
Thaingen oder in in den Löß gegrabenen Räumen wie in Muii- 
zingen bei Freiburir, in der Umgebung von Straßliui'g. Kobh'uz n. a. 



44 Der Besiedlungsgang 

Voll vonilit'rciii hcwohiit der ^Mciisdi die .Stellen am stärksten, die 
heute noch — mit Ausnahme etwa der Industriel)ezirke — zu den 
am dichtesten bevölkerten gehören und an denen jetzt große 8tädte 
liegen. In der Jüngeren Steinzeit entstehen zahlreiche Siedlungen, 
die in ihren Resten gelegentlich im jetzigen Landschaftsl)ild 
eine Rolle spielen, so die Pfahlbauten der Seen, und Grabhügel, 
die jedenfalls in der Nähe von Häu])tlingssitzen lagen wie das 
Fürstengrab bei A'illingen im Schwarzwald, ein solches bei Buch- 
heim am Kaiserstuhl, bei Kappel am Rhein, in Württemberg bei 
Ludwigsburg, in Hessen bei Armsheim usw. Sie häufen sich an 
den Küsten wie besonders auf Rügen, wo fast jeder Hügel ein 
lliesengrab ])irgt. 

In der Metallzeit werden dem forschenden J)lick auch die 
Völker kenntlich, die in Deutschland leben, große Bewegungen, 
Völkerwan(h'rungen lassen sieh spüren. In der Periode der Bronze- 
Z(4t (1700 — 1400 V. Chr.) finden wir von Norden her die Ger- 
mauen in Deutschland eindringend, die Kelten nach dem Südwesten 
weichend, während von Südosten her wenig später nichtgermanische, 
thrakische Stämme vorstoßen. Die langsamen alten Verschiebungen 
verraten sich noch in manchem Orts-, Fluß- oder Bergnamen; 
diese verstreuten Zeugnisse werden durch die Untersuchungen der 
Überreste^ der Menschen, wie sie vornehmlich in Gräbern erhalten 
sind, verbunden, bis (hinn in der klassischen Literatur die ersten 
literarischen Zeugnisse auftreten. Von etwa 500 v. Chr. an erkennen 
wir in der (legeiid der Oder die große Knlturgrenze zwischen Ost- 
germauen (Vandalen, Burgunden, Goten) und Westgermanen, von 
denen die Ingwäonen am Meer, die Istwäonen am Rhein unterhalb 
Mainz und bis zur Leine nach Osten hin und die Herminonen oder 
Sweben in Mitteldeutschland wohnen, während den Südw(\sten noch 
die Kelten «'rfüUeii. 

Mit dem Eindringen der Römer beginnt in diesem lange kelti- 
schen Gebiet eine starke Umgestaltung der Landschaft. Die Grenze 
der röuiisclien Kulturlandschaft nach Nordosten hin wird nach 
melirfachen Schwankungen der im ersten Jahrhundert n. Chr. 
durchgeführte Limes, der unterhalb Koblenz auf dem rechten 
Rheinufer beginnt, dem Kamm des Taunus folgt, in der Wetterau 
nach Norden vorstößt, dann nach dem Main zieht, ihm aufwärts 
bis Miltenberg folgt, über Walldürn nach Lorch an der Rems 
läuft, (h)rt scharf nach Osten umbiegt, Gunzenhansen an der Alt- 
mühl, dann Denkendorf berührt und oberhalb Regensl)urg die 



Römische Kulturlandschaft 45 

Donau erreicht, die weiterhin die Scheide bildet. Dadurch wurde 
Deutschland in zwei, allerdings sehr ungleich große Teile zerlegt, 
die sich .alsbald kulturell so scharf voneinander scheiden, daß noch 
heute in manchen Zügen ein Gegensatz zwischen ihnen besteht. 
Das von den Römern besetzte Gebiet besaß bis zum Limes 
hin bereits ein Straßennetz mit befestigten Stützpunkten, das der 
Eroberung gedient hatte. Noch an vielen Stellen ist Lage und 
Richtung dieser Straßen erhalten; sie gingen immer über die 
Höhen, auf Knüppeldämmen durch die Sümpfe. Der Limes war 
ursprünglich nichts weiter als ein Grenzweg, der hölzerne Wacht- 
türme miteinander verband. Die Truppen lagen dahinter in größeren 
Kastellen, wurden erst später an die mit Steintürmen, Wall und 
Graben verstärkte Grenzlinie selbst verlegt, wo dann steinerne 
Kastelle entstanden, deren bekanntestes jetzt die Saalburg ist. 
Nach 150 w^urde die Grenze noch einmal verschoben: lief sie vor- 
her von Wörth am Main durch den Odenwald, über Neckarl)urken 
an den Neckar bei Wimpfen, so erhielt sie nunmehr definitiv die 
oben gekennzeichnete Lage. Innerhalb dieses Gebietes gingen die 
Römer mit Rodungen vor, besiedelten den Nordrand des Scliiefer- 
gebirges, das Moselgebiet, das untere Saar- und Nahetal, die 
Wetterau und die Oberrheinische Tiefebene. Die Kultur von 
Obst und Wein brachten sie mit. Sie mieden die Waldgebirge, 
hatten aber im Osten wieder ein dicht besetztes Siedlungsgebiet 
in der Zone der Gäu's, auf den lößbedeckten Muschelkalkebeuen 
und kolonisierten auch im Alpenvorland. Aus den Lagern und 
den Ansiedlungen vor deren Toren entstanden die Städte des 
südwestlichen Deutschland, am frühesten die bedeutendste von 
ihnen, Trier, die im 4. Jahrhundert 285 ha Fläche bedeckte, um 
im Mittelalter auf die Hälfte zurückzugehen, dann Nym wegen, 
Neuß, Cöln, Bonn, Remagen, Andernach, Koblenz. Bopi)ard, Hingen, 
Worms, Speier, Straßburg, Angst bei Basel u. a. Andere Orte wie 
Wiesbaden, Nida, Baden-Baden entstanden auch auf dem rechten 
Rheinufer, sind jedoch meist Dörfer geblieben, wie wir uns auch 
die genannten Städte in ihren Anfängen als offene Orte vorstellen 
müssen, die erst ummauert wurden, als der Limes gefallen war 
und die Germanen über den Rhein vorstießen. Außerhalb der 
Städte und Legionslager wohnten die Besitzer größen'r Ländereien 
in oft prächtig geschmückten steineiiien Landhäusern (villaei anf 
großen Meierhöfen, die in ihren Formen dem Klima angepaßle l'in- 
bildun^en italischer Hauweise waren. Hie Kinucliorenen wohnten 



4(3 Der Besiedlungsgaug 

iu kleinen .Dörfern beisammen in Hütten aus Flechtwerk, Fachwerk 
und Holz von meist rundlichem Grundriß. 

Im gerinaiiiischen Gebiet sah es zu gleicher Zeit anders aus. 
Wii' können das damalige Landschaftsbild uns am leichtesten ver- 
ständlich machen, wenn wir uns die von seinen Bewohner erreichte 
Kullurhöhe vero-egenwärtigeu. Die Germanen betrieben zu jeuer Zeit 
neben der Viehzucht sicherlich wohl entwickelten Ackerbau, waren also 
seßhaft und eiiiielteu Lichtungen mit Feldfluren um ihre Siedlungen; 
diese bestanden aus locker gestellten Holz- und Flechtwerkhütten 
mit Lehmverkleiduug und suchten günstige Lage zum Wasser. 
Ein solches germanisches Dorf ist z. B. am Zollstockwäldcheu 3 km 
(istlich von Gießen bekannt, andere liegen auf Bergvorsprüngen 
von dort lahnabwärts. An der Nordseeküste lagen die Hütten auf 
Erdaufwürfen, um vor Überschwemmungen geschützt zu sein, auch 
wurden die Ufer der Seen noch sehr gesucht. Immer aber blieb 
die Besiedlung punktförmig, wenn auch an einzelnen Stellen dicht, 
wie vor allem die Friedhöfe verraten, und zwischen den lichten 
Plätzen lagen große unbewohnte bewaldete Gebiete, die Rodung 
hatte noch kaiim begonnen. 

Man nahm sich — von der großen damit verbundenen Mühe 
abgesehen — wohl auch kaum die Zeit dazu, denn noch waren 
die Verschiel)ungen der Völkermassen nicht zu Ende gekommen 
und neue Bewegungen erzwang der Nahrungsmangel für die all- 
mählich zunehmende Volkszahl und die Vernichtung nährenden 
Bodens durch die immer wiederholten Angriffe des Meeres gegen 
die deutschen Küsten, die einer Senkung unterlagen. Seit dem 
Beginn des 3. Jahrhunderts berennen die Germanen die römische 
Grenze, und es setzt jene große Bewegung ein, die als die Völker- 
wanderung in engerem Sinne historisch bekannt ist. 260 geht der 
Limes zum erstenmal verloren und damit fast alle geschlosseneu 
römischen Siedlungen auf dem rechten Rheinufer. Erst im 5. Jahr- 
hundert kommt die Bewegung langsam zur Ruhe. Damals sind 
die Kelten mit Ausnahme geringer Reste vom jetzigen Boden des 
Deutschen Reiches verdrängt. Franken und Alemannen sind über 
den Rhein nach Westen lün vorgedrungen und haben sich wie 
die Bayern südlich der Donau zu größeren Völkergruppen ver- 
festigt. In Ostdeutschland aber sitzen in Mecklenburg, an Elbe 
und Snnlc aufwärts und bis in die Nähe der Donau Slawen ver- 
schiedener Stämme, die den von den Germanen verlassenen Boden 
neu besiedelten. 



Völkerwanderung 47 

lu dieser Zeit, d. h. etwa 500 n. Chr., vollzieht sich mit der 
BegTündung des Frankenreiches und dem Eindringen des Christen- 
tums in Germanien ein Wechsel der politischen und wirtschaft- 
lichen; Zustände, der in seiner Folgewirkung- sich in dem Beginn 
der großen Bodetätigkeit äußert, welche im Westen früher, im 
Osten später aus der — mit Ausnahme der römischen linksrheini- 
schen Gebiete — noch w^enig veränderten Urzeitlandschaft die 
Grundlinien des heutigen Landschaftsbildes iu der Verteilung der 
Siedlungen, von Wald und Feld entstehen ließ. 0. Schlüter hat 
versucht, die damalige Besiedlungsfläche zu rekonstruieren (Taf. VI 
Abb. 1): in Oberdeutschland war die südliche Zone der Jungmoränen 
noch dicht bewaldet und kaum bewohnt. Dagegen schloß sich alte 
Siedlung an die Seen an, erreichte im Osten Salzburg. Im Westen 
waren das untere Hochrheintal, die Ufer des Bodensees und der 
Hegau bewohnt und gerodet; in der nördlichen Zone von Ober- 
deutscliland die Schotterflächen und ein Teil des Donautales, soweit 
nicht Sumpf vorhanden war. Die Mittelrheinische Tiefebene ist 
altes Siedlungsgel)iet, wenn auch in ihr große Waldungen vor- 
kommen, die meist noch heute bestehen; im Westen von ihr ist 
Lothringen teilweise besiedelt, im Osten die fruchtbare Zone der 
Gäu's, vom Klettgau im Süden an bis zum Grabfeldgau im Norden; 
die Hochflächen der Schwäbischen und der Fränkischen Alb waren 
ebenso waldlos wie die Biessenke mit den benachbarten Tälern. 
Im Eheinischen Schiefergebirge ziehen sich besiedelte Zonen am 
Bliein entlang mit Verbreiterung im Xeuwieder Becken und nach 
dem Maifeld hin, dann wieder in der Cölner Bucht. Östlich davon 
ist die Wetterau und das Lahntal bis Marburg, die Umgegend von 
Kassel und Marburg ebenso besiedelt wie das Leinetal und ein- 
zelne Stellen im Werratal. Die größte damals zusammenhängend 
besiedelte Fläche ist das nördliche Harzvorland bis Magdeburg 
und Hannover hin einerseits und mit der Goldenen Aue, der 
Thüringer, Leipziger und Dresdener Bucht anderseits. Die Ge- 
birge der mitteldeutschen Schwelle waren noch kaum betreten und 
das besiedelte innere und nördliche Böhmen (an der Elbe und 
unteren Eger) waren eljenso wie Schlesien durch endlose waldige 
Berg- und Hügelländer von der übrigen Welt abgeschieden, durch 
die nur schmale Pässe führten. 

Von diesen hier kurz gekennzeichneten Flächen aus beginnt 
etwa um 700 die große Bodetätigkeit und die Kolonisation in den 
slawischen Gebieten, die in Ton .l.ilnvn die deutsclie Landschaft 



43 Der Besiedluugsgaug 

in weseiitliclien Teilen zu dem uiutiestaltet, was sie heute ist. Im 
Südwesteu wirkten auf eine Erweiterung der Siedlnugsfläclie vor- 
nehm lieh das Christentum und die Bedürfnisse geordneter Ver- 
waltuno: hin, im Norden und Osten die im Dienst der Grenz- 
sichei'ung- (Sachsenkrieg-e) und der Kirche (Deutscher Orden) durch- 
geführte politische Eroberung, dei- alsbald der Volksüberschuß aus 
dem Westen folgte, teils als Kaufmann (Hansa), vorwiegend jedoch 
als Ackerbauer, dadurch erst die eroberten Räume sichernd. 

Geschichtlich-sprachliche Forschung hat ergeben, daß sich der 
Fortschritt der allmählicheu Besiedlung Deutschlands bis zu einem 
gewissen Grade von Sicherheit an den Ortsnamen erkennen läßt. 
Es geht das nicht so weit, wie es W. Arnold wollte, der 1875 
mit großer Begeisterung für die Sache die Lage der Ansiedlungen 
und die Richtungen der Wanderungen der einzelnen germanischen 
Stämme aus den Ortsnamen erschloß; dieselben enthalten aber 
doch, vorsichtig benützt, einen ziemlich genauen Hinweis auf 
das ungefähre Alter der betreffenden Siedlung, der noch sicherer 
wird, wenn es sich um ganze Gruppen solcher in bestimmten Ge- 
genden handelt. Folgende Perioden lassen sich ziemlich allgemein 
unterscheiden : 

1. Die Urzeit bis 300 n. Chr. 
Unzusammengesetzte Namen oder solche auf affa, aha, ara, 

ida, lar, a, stedt, loh, tar endigend. 

2. Die Zeit des Ausbaues .300 bis etwa T.iO n. Chr. 
Endungen auf ingen, ing, ungen, wangen, leben, heim. 

hausen, dorf, weiler, holen, au, l)ach, born, brunn. wertli, fürt, 
buhl, scheid. 

3. Die Rodungsperiode 750 bis 1400. 

Namen mit roden, schwenden, sengen, brennen, schlag, riet, 
kirche, kreuz, herrn, siel, dämm, koog oder anderen Endungen, 
die auf die Vorgänge der Besiedlung hinweisen. 

4. Slawische Zeit 500 bis 900 und spät<'r; die Namen 
endigen auf itz, ow u. a. 

Beachtet num außer den Namen noch die topographischen 
Umstände, die Lage der Orte zum Wald, im Tal, am Wasser usw. 
und zieht schließlich historische Quellen heran, so läßt sich die 
Besiedlungsgeschichte einer Landschaft, wie Untersuchungen von 
0. Schlüter und seinen Schülern gezeigt haben, ganz gut auf- 
hellen, wovon in der landschaftlichen Schilderung noch die Rede 



Historische Siedlungsformeu 49 

sein wird. Das allgemeine Ergebnis dieser Studien ist die Erkennt- 
nis der großen Erweiterung der besiedelten Fläche seit etwa 750 
bis 800, die seither ziemlich konstant geblieben ist. 

Aher nicht nur darin hat sich wenig seit dem frühen Mittel- 
alter verändert, noch stärker fast und bewußter empfinden wir in 
der Gegenwart den Wert und oft den Zwang, immer aber den 
Bestand der Formen, in denen sich die Besiedlung vollzog, seien 
es solche der Flureinteilung, der Grundrisse von Dorf und Stadt, 
oder solche der Häuser. 

Unter den historischen SiecUung'sformen möchte ich die der 
kirchlichen Niederlassungen an erster Stelle hervorheben, spielten 
früher doch die Klöster, heute noch die Kirchen eine der wich- 
tigsten Rollen im Landschafts- und Ortschaftsbild. In Material 
und Bauweise sind sie enge Anpassungen der jeweiligen Baustile 
an den Charakter der Landschaft, in der sie sich erheben. Im 
Ziegelrohbau auf einer Unterlage mächtiger Findlinge stehen im 
steinarmen Lande die Kirchen Norddeutschlands. Recht mannig- 
fache Ausgestaltung der oft kupferbeschlagenen, ungewöhnlich hohen 
Türme verrät dem Kundigen in der Nähe des Meeres, daß dieselben 
zugleich als Seezeichen dienten, eine Rolle, die auch jetzt noch 
nicht aufgehört hat. Im Südwesten leuchten die Kirchen im schön- 
sten roten Sandstein: ihre durchbrochenen Türme gemahnen daran, 
daß diese Bauweise in den Niederlanden aufblühte, wo der lockere 
Untergrund massive Türme nicht zu tragen vermochte und der 
Sturm vom Meere her sie umgeworfen haben würde. Fester als 
diese schönsten Triumphe der Baukunst widerstehen die romanischen 
Bauten den Beben, welche weite Teile Deutschlands immer ^vieder 
heimsuchten. So erheben sich in diesem Stil im Bodenseegebiet, 
das oft erschüttert wird, die kleinen Kirchen der Reichenau mit 
ihren uralten Wandmalereien. Der waldreiche Osten wieder ist das 
Gebiet der Holzkirchen, von denen sich einzelne bis auf unsere 
Tage erhalten halben (Oberschlesien). Zahlreiche andere Beziehungen 
sind noch nicht aufgedeckt und bieten dankbare Felder der Unter- 
suchung Einheimischer, kann man sich von außerhalb doch nur 
schwer über solche Detailfragen unterrichten. 

Etwas besser ist die Kunde einer anderen Gruppe historischer 
Siedlungsformen ausgebaut, der mittelalterlichen l>uig('n, die ans 
den Fliehburgen erwuchsen. Wie die Kii'chen. müssen sie sich in 
Art und Anlage dem j(!W(3iiigen Zweck iiiid der Laiulschaft an- 
passen. Stehen sie in Mittel- und Süddeiitschland auf isolierten 

Braun. 4 



50 Der Besiedlungsgang 

Berg:eii oder Felsgriippeii und sind daher räumlich meist sehr be- 
schränkt, so benutzen ihre Erbauer im Nordwesten das Wasser 
als Schutz. Wieder einen anderen Typus entwickelte der Deutsche 
Orden, dem als Baugrund räumlich meist große schützende 
Diluvialhöhen zur Verfügung standen, als Material Ziegel, dessen 
Burgen aber auch geistlichen und Verwaltungszwecken dienen 
mußten. So war die Kirche und ein geräumiger Hof unentbehr- 
liches Erfordernis und die Burg gewann manche Ähnlichkeit mit 
einem befestigten Kloster, der Wirtschaftshof wurde zur Vorburg; 
selten fehlte die Wassermühle. Zahlreiche Kriege, Feuer und im 
Südwesten die Erdbeben halten den grCtßten Teil dieser Bauten 
zerstört, die als Euinen aber noch äußerst wirkungsvoll sind und 
deren Beobachtung noch manchen Hinweis auf frühere Ansiedlungen 
und den Lauf der Verkehrswege eigibt. 

Sind diese Arten von Siedlungen in vielen Fällen verlassen, 
so ist das deutsche Dorf in seinen mannigfachen alten Formen 
ein auch heute noch sehr lebendiger Organismus. Die großen, 
jedem geschulten und aufmerksam beobachtenden Reisenden schon 
vom Fenster des Zuges aus auffallenden Unterschiede — ich nenne 
als Gegensätze nur die Einzelgehöftform Westfalens, die volkreichen 
Dörfer der Börde, die kleineu slawischen Fischerdörfer der Mark — 
haben sich als von der Stammesart und der Zeit der Erbauung 
abhängig erwiesen, weniger von den besonderen Verhältnissen der 
Umgebung 1)edingt. 

Im Deutschen Reich lassen sich zunächst zwei große Gebiete 
ausscheiden (Taf. VH), diejenigen im Westen, die als alte ger- 
manische Siedlungsgebiete bekannt sind, und die im Osten, welche 
längere oder kürzere Zeit von Slawen bewohnt wurden. Die Normal- 
form der ersteren Gebiete ist das Haufen- oder Gewanndorf, die 
der letzteren das Straßendorf. In der Grenzzone beider entwickelt 
sich der Rundling; die meisten übrigen noch weiter verbi-eiteten 
Formen sind Zeugen der fortschreitenden Kolonisation. 

Das Haufendorf hat seinen Namen von der unregelmäßigen 
Stellung der Häuser und Gehöfte innerhalb desselben; seine Feld- 
flur beträgt etwa 300 bis 600 ha, die in Hufen eingeteilt waren, 
neben denen noch die gemeinsam benutzte Allmende lag. Das 
Ackerland ist in Abschnitte (Gewanne) von in sich gleicher Boden- 
beschaffenheit geteilt, und in jedem dieser Gewanne kommt jedem 
Hüfner eine gleiche Fläche zu, die durch das Los verteilt wurde. 
Wege waren ursprünglich nicht ausgeschieden, was zum Flurzwang 



Historische Siedlungsformen 51 

führte, d. li. die Flur wurde in 2, 3 oder mehr gleich gToße 
Schläge geteilt, die gleichzeitig und mit gleicher Frucht bestellt, 
abgeerntet und dem Weidevieh geöffnet werden mußten. Dieses 
komplizierte Gebilde ist heute verschwunden; doch beherrscht das 
aus ihnen nach Anlage von Wegen und Erbteilung hervorgegangene 
sehr bunte Feldbild schmaler, wechselnd bestellter Streifen („Hand- 
tücher") noch das Aussehen weiter Flächen in Mittel- und Süd- 
westdeutschland und verschwindet erst in der Gegenwart zugunsten 
einer wirtschaftlich besseren Verteilung von Grund und Boden. 
Der Dorfgrundriß wird aber durch diese Verfahren nur selten be- 
rührt und so finden wir jetzt noch Haufendörfer auf allen guten 
Böden und ebenen Landesteilen von Schlesmg-Holstein im Norden 
bis zum Elsaß, Baden, Württemberg und Ba3'ern im Süden. 

Von der Slawengrenze an nach Osten waltet dagegen das 
Straßendorf vor, bei dem die Gehöfte in zwei eng gedrängten 
Reihen längs einer breiten Straße liegen, in deren Mitte meist 
noch die Kirche mit dem Kirchhof, der Dorfteich, mitunter auch 
Schule und Schmiede Platz haben. Hinter jedem Gehöft liegen die 
Gärten, deren Außenzäune oft auch wieder eine annähernd gerade 
Linie bilden. Die ursprüngliche slawische Flurverteihmg dieser 
Dörfer ist kaum noch irgendw^o erhalten. Zu dieser einfachen 
Form gesellt sich im Westen des ehemals slawischen Gebietes, in 
Mecklenburg, der Mark und Sachsen das Runddorf oder der Rund- 
ling, bei dem die Gehöfte im Kreise oder hufeisenförmig um einen 
Platz angeordnet sind , der ursprünglich nur einen Zugang 
hatte. Nach außen folgt in fächerförmiger Ordnung der Gras- 
garten und dann der Baumgarten, den eine rund geschlossene 
Hecke umgibt. 

Man hat diese Form füi- rein slawisch angesehen. Doch er- 
gaben neuere Forschungen, daß sie vielmehr dem Grenzgebiet 
eigentümlich ist und dort — vielleicht aus Verteidigungsrück- 
sichten — sowohl von Slawen als Germanen angewandt wui'de. 
Sie ist in der Kolonisationsepoche häufig durch ein Straßendorf 
erweitert oder ergänzt worden, womit dieses au(di schon eine der 
Formen wird, die beim Vorgang der Kolonisation angewandt wurden. 
Es tritt dann in Verbindung mit einer Einteilung der Flur in 
Gew^anne auf, die im Prinzip der des Haufendorfes ähnelt, -b' nach 
Bedarf werden große Schläge ausgeschieden, innerhalb ilcrcn jeder 
Besitzer einen Streifen bekommt, wobei die Streifen sich in ihrem 
Längsverlauf der Bodenplastik anschmiegen. 



52 Der Besiedlungsgang 

In den ursprünglich bewaldeten Mittelgebirgstälern entstand 
bei der Rodung das Waldhufendorf. Die Gehöfte reihen sich rechts 
und links der Straße unregelmäßig' aneinander: hinter jedem Haus 
und Gehöft liegt die zugehörige Flur in Form eines Streifens, der 
breiter oder schmäler sich je nach der Bodenbeschaffenheit weiter 
oder weniger weit am Hang emporzieht, gerade oder gewunden je 
nach der Plastik. Die einzelnen Streifen werden durch Wege 
voneinander getrennt und reichen noch heute meist 1)is an die 
Waldränder. Ähnlich, nur infolge des gleichmäßigen ebenen Bodens 
viel regelmäßiger, ist das Marschhufendorf, das auf flämische Ein- 
flüsse zurückgeht und auch im deutschen Osten l)ei der Kultivierung 
der Moore und Flußniederungen angewandt wurde. 

In dem bisher noch nicht erwähnten Teil deutschen Bodens 
fehlen Dörfer. An ihre Stelle tritt in den Gel)irgsländern von 
Südwestdeutschlaud der Weiler, im Nordwesten und stellenweise 
auch im Süden der Einzelhof. Der Weiler ist eine lockere Ansamm- 
lung mehrerer H()fe, die wohl aus einem Hof im Laufe der Zeit 
herauswuchsen, und scheint auf römische Kultureinflüsse zurück- 
zugehen; seine Feldeinteilung zeigt nichts von der eigentümlich 
geruianischen Hufenverfassung. Da die Weiler vielfach höher im 
Bergland liegen als die Haufendörfer, sind sie z. T. jedenfalls erst 
später gegründet und ein Anzeichen fortschreitender Bodung. 

Die Betrachtung des Einzelhofes im Nordwesten Deutschlands 
und seiner Vorkommnisse im Gebii'gsland des Südens führt uns an 
die Frage der Gestaltung der Häuser heran, die zwar im Grund- 
riß auf der Karte nur selten kenntlich, doch den landschaftlichen 
Eindruck des Dorfes in hohem Maße l)estimmt. Dorffoi-men- und 
Hausformengebiete (Taf. VIII) fallen nun keineswegs zusammen; 
dem aus dem Südwesten stauunenden Einwanderer, der im deutschen 
Osten angesiedelt wurde, wurde die Hof st eile zugeteilt, die ihm 
vertraute Hausform dagegen brachte ei" mit und durfte sie, soweit 
die Umstände das zuließen, auch in der neuen Heimat wieder an- 
wenden. Da aber dei' Bauplatz, das Baumaterial und das Klima 
im Osten so ganz anders sind als im Südwesten, auch fremde 
Vorbilder slawischer Art vielfach vor Augen standen, bildeten sich 
manche Miscliformen aus und im allgemeinen ist jedenfalls der 
J)()rl'grundriß beständiger als die Hausform. 

Im Einzelhofgebiet ist das niederdeutsche oder altsächsische 
Haus verbreitet, das die Kolonisten bis nach Mecklenburg, Schleswig- 
Holstein und Pommern hin anwandten. Es ist ein Einheitshaus, 



Historische Siedlungsformeu 53 

das Ställe, Wirtscliafts- und Wohnräiinie unter einem Dache ver- 
einigt. Zu beiden Seiten der geräumig-en Diele liegen die Ställe, 
in ihrem Hintergrund der Herd; dahinter erst, die ganze Breite 
des Hauses einnehmend, die Wohnräume des Bauern. In dem hohen 
Dach sind die Vorräte untergebracht; das Gesinde wohnt in der 
„Flett", dem Kaum zu beiden Seiten des Herdes. Eine Umbildung 
dieses niederdeutschen Typus ist das Friesenhaus, das die Wohn- 
räume noch schärfer von den Wirtschaftsräumen trennt, in dem 
die Flett, früher der Mittelpunkt des Hauses, nunmehr zum Flur 
wird, von dem aus sich erst die Eingänge in die Wohnräume 
öffnen. Noch stärker ist die Umbildung in dem sog. „Hauberg" 
der friesischen Marschen, z. B. in Eiderstedt, einer der räumlich 
größten Bauernhausformen, die geschaffen ist, die reiche Ernte jener 
gesegneten Striche aufzunehmen und unter ihrem gewaltigen, weit 
hinabreichenden Dach zu bergen. 

Weit größer ist das Verbreitungsgebiet des mitteldeutschen 
Gehöfts, das von den Rheinlanden und dem Elsaß im Westen, nach 
Osten bis Ostpreußen und in Schlesien zu finden ist. Die strenge 
Ordnung der Gebäude um einen Hof, der durch Mauer und Zaun 
da abgeschlossen ist, wo ihn nicht ein Gebäude begrenzt, ist für 
diese Form bezeichnend. Das Wohnhaus kehrt seinen Giebel der 
Straße zu; daneben ist der Eingang für Fußgänger und das Portal 
für Wagen, beide verschließbar und beide mit kleinem Dach über- 
deckt, wohl dem Eest eines besonderen Torhauses. Scheune und 
Ställe umgrenzen dann weiter den Hof. Die Bauweise ist meist 
Fachwerk, mit dem oft bunte Muster hergestellt Averden, im Osten 
und den Gebirgen des Südens auch Blockbau, der auch durch 
Lauben oder Bogen, die das Obergeschoß tragen, mannigfach ver- 
schönt wird. Der großen Einheitlichkeit dieses Typus auf weitem, 
geographisch so verschiedenem J\aum stehen nur wenige Abarten 
gegenüber — wie lockere Stellung der einzelnen Gebäude u. a. — 
die ersichtlicli auf slawische Einflüsse bei den einziehenden Kolo- 
nisten zurückgehen. Konstanter ist nur die altsächsisch- mittel- 
deutsche Mischform in Brandenburg und dem südlichen Pommern 
bis Westpreußen hin, in der nel)en einem Einheitshaus, das Wohn- 
räume und Ställe enthält, die ül)rigen Wirtschaftsräume wie die 
Scheunen in Gehöftform liegen. 

Mannigfacher ist die Miscliung der Hausformen im Denau- 
gebiet. Hiei' bildet sich der altgermanische llaufenhol' mit regel- 
loser Stellung der einzelnen Wirtschaftsgel)äude unter dem Zwang 



54 Dei" Besiedlungsgang 

eines in den höheren Lagen — die hier als Hochflächen ausgebildet 
zur Besiedlung sich eigneten — recht nassen und schneereichen 
Klimas und der Wirtschaftsart der Viehzucht in verschiedener Weise 
zum Einheitshaus um. Der unebene Boden, der meist zum Bau 
verwandt werden muß, wird in der Weise nutzbar gemacht, daß 
die direkte Einfahrt zur Tenne im ersten Stock des Hauses mög- 
lich wird, in dem auch die Wohnräume nach vorne liin, durch eine 
Treppe erreichbar, liegen. Dadurch werden zu ebener Erde liegende 
Nebenräume im Vorderteil des Hauses, das sich hinten an den 
Berg lehnt, gewonnen. Das ist das alemannische Einheitshaus in 
Vogesen, Schwarzwald und Oberschwaben, der Laugbau des baju- 
warischen Einheitshauses im östlichen Oberbayern, alle diese Formen 
bald aus Holz, bald aus Fach werk oder Stein erbaut. Stellenweise 
werden in den Alpen die Ställe ganz in das L'ntergeschoß der 
Häuser verwiesen, über dem sich dann die mit Lauben und Galerien 
umsäumten und miteinander verbundenen Wohn- und Vorratsräume 
erheben. In Niederbayern ist dann noch der Vierseithof entwickelt, 
der sich dadurch vom mitteldeutschen Gehöft unterscheidet, daß 
das Wohnhaus und die anderen Gebäude gewissermaßen außerhalb 
des Hofes stehen, ihn umrandend. 

In einigen der äußersten Ecken deutschen Landes treten 
fremde Formen auf; so im Nordosten das litauische Gehöft in 
Streulage mit dem mit Laube versehenen Haus, so das dänische 
Einheitshaus in Schleswig und das städtische Eiuheitshaus Loth- 
ringens, die Längsseite an der Straße. Sie haben die Kolonisations- 
epoche überdauert und sind, wenigstens die östlichen Formen, 
gegenwärtig im Schwinden begriffen. 

Dem Dorf trat im Laufe der Entwicklung die Stadt zur 
Seite, ja sie wurde eines der wertvollsten Mittel der Kolonisation 
im deutschen Osten. Demgemäß haben wir zunächst zwei Typen 
von Städten zu unterscheiden: die allmählich herangewachsene 
Stadt und die planmäßig gegründete. Ein Mittelding zwischen 
beiden bilden die Städte mit römischem Kern im linksrheinischen 
Deutschland. Diese drei Arten — ich will sie Haufenstadt, Ko- 
lonialstadt und Römerstadt nennen — unterscheiden sich für den 
Geographen vornehmlich nach der Art der Grundrißl)ildung. Die 
Haufenstadt zeigt ein unregelmäßiges, verworrenes Bild kleiner 
Gassen, einige radial geführte Hauptsti"aßen, umschlossen von 
einem Mauerring, außerhalb dessen sich häufig das gleiche wieder- 
holt, eventuell nochmals mit einer Mauer umgeben. Diesem T\q)us 



Historische Siedlungsformen 55 

gehören zahlreiche kleine und kleinste Städte im südwestlichen 
Deutschland au, von größeren z. B. Münster, Aachen, Halle, 
Nördlingeu, Bamberg-, Erfurt, Colmar, Mülhausen. Zeigt das Innere 
solcher Städte eine bemerkenswerte Regelmäßigkeit (Straßenkreuz), 
so geht das in der Regel auf römische EinfUisse zurück. Dahin 
gehören Orte wie Passau, Regensburg, Konstanz, Straßburg, 
Spej^er, Worms, Mainz, Koblenz, Trier, Cöln, Bonn, Xanten u. a. 
Die übrigen Städte Deutschlands sind künstliche Gründungen; 
im 12. und 13. Jahrhundert wurden von Fürsten und Landes- 
herren eine große Anzahl von Städten im westlichen Deutsch- . 
land gegründet. Orte, die meist Mittelstädte geblieben sind, wie 
Gotha, Cassel, Hann.-Münden, Weimar, Duderstadt, Heiligenstadt, 
Jena, Apolda, Langensalza, Göttingen, Hameln, Holzminden. 
Ihr Grundriß gleicht häufig dem von Freiburg i. B., dem sog. 
Rippeutjiius , wobei von einer breiten Hauptstraße rechtwinklig 
eine große Zahl schmaler Nebengassen abzweigen. 

Diesen Unterschied der Straßen kennt der normale Grundriß 
der ostdeutschen Kolonialstadt nicht mehr, die Hauptstraße ist meist 
nur wenig breiter als die Nebenstraßen und wo Platz für einen 
Markt, für öffentliche Gebäude nötig ist, wird er durch Freihalten 
eines Blockes von der Bebauung gewonnen. Ist bald nach der 
Begründung der Stadt eine Erweiterung infolge vermehrten Zu- 
zuges von Einwohnern nötig, so geschieht dieselbe in der Weise, 
daß neben die erste Anlage eine zweite der gleichen Art gesetzt 
wird, die dann lange als selbständige Stadt bestehen bleibt. In 
mehreren Fällen sind sogar drei solcher Gründungen nebeneinander 
zu unterscheiden, wie z. B. in Rostock. Zu den Kolonialstädten 
gehören alle Städte des deutschen Ostens, von größeren z. B. 
Berlin, Kiel, Lübeck, Wismar, Stralsund, Greifswald, Stettin, Posen, 
Breslau, Dresden. 

Im Inneren der ummauerten und dadurch auf einen bestimmten 
Raum eingeengten Stadt bildete sich das Dorfhaus zum Stadt- 
haus, wie es in vielen Städten noch heute den baulichen Charakter 
der Altstadt bestimmt. Alle Einhausformen eigneten sich ohne 
weitei'es dazu, in der Stadt mit ihrem engen Raum dazu verwandt 
zu wei'den, indem sie nebeneinander gestellt wurden. Die inneren 
Umbildungen vollzogen sich organisch mit dem allmählichen Wechsel 
der Beschäftigung der Bewohner, von Ackerbau und Viehzucht zu 
Handel und Gewerbe. Die Ställe verschwanden, die Diele wurde 
verkleinert, der Giebel zum Lagerraum und mit einer vorspringenden 



56 Der Besiedlungsgang 

Winde ausgestattet: das ist das norddeutsche Stadthaus, dessen 
prächtige Giebel wir in den Hansestädten noch so oft bewundern 
können. Aus dem Gehöft Mittekleutschlands wurden die größeren, 
auch noch mit einem Hof ausgestatteten (oft so benannten) Stadt- 
häuser im gleichen Gebiet, die z. B. in Münster, in Basel noch 
reichlich erhalten sind. Doch mußte die Weiträumigkeit dieser 
Form sich naturgemäß in den meisten Fällen doch starke Um- 
bildungen an die Maße städtischer Grundstücke gefallen lassen, 
wobei aber immer der (liebel vermieden wurde, das Dach auch bei 
großer Schmalheit des Hauses nach der Straße und nach liinteu 
abfiel, der First parallel der Straße verläuft. 

Das oberdeutsche Haus mit seinen Galerien gab — unter W^eg- 
fall der seitlichen Gänge — Anlaß zur Anlage der Laubengänge, 
indem die Galerien geschlossen und von unten her gestützt wurden. 
Die mannigfachen Vorzüge dieser Bauart ließen sie sich vom Süden 
Deutschlands aus weit verbreiten, so daß im deutschen Osten z. B. 
die Lauben von Marienburg bekannt sind. 

Zum Wohnhaus und zu den wirtschaftlichen Zwecken dienenden 
Gebäuden (Speicher u. a.) tritt mit der Begründung der Stadt noch 
ein Bau, der das Eigenregiment derselben vertritt, in dem sich die 
im Vergleich zum Dorf umfangreiche Verwaltung ausprägt. Das ist 
das Bathaus, ursprünglich nur ein Hallenl»au, der die Vereinigung 
der Bürger vor Wetterunlülden schützte. Zunächst durch Teilung 
und dann durch Anbauten entstehen gleichsam aus dieser Zelle 
die verwickelten Komplexe mittelalterlicher (Lübeck) und die mäch- 
tigen Bauten der modernen Rathäuser (Berlin, Dresden), die so 
wesentlich zur Charakteristik des Stadtbildes beitragen. 

Aus der Raumbeschränkung der Städte erwuchs auch der 
Zwang, in die Höhe zu Ijauen, der sicherlich nicht ohne Einfluß 
auf die Formen des Stadthauses gewesen ist. Es fehlt aber, wie 
in allen diesen Fragen, an Untersuchungen mit geograi)liischer 
Fragestellung, so daß auf diese Dinge hier nicht näher eingegangen 
werden kann. 

Betrachtet man die räuniliche Verteilung der Namen und dieser 
historischen Siediuugsformen unter Berücksichtigung ihrer Ent- 
stehungszeit, so ergil)t sich, daß bereits etwa Ende des 14. Jahr- 
hunderts die großen Züge im Landschaftsbild, soweit sie 
auf der Verteilung der Orte, auf der von Feld und Wald l)eruhen, 
feststehen. Größere Rodungen wurden seitdem nur noch im Osten 
und in den höheren Teilen der Mitteleebirffe ausgeführt. Ganz 



Abschluß der Besiedlung 57 

gemieden waren damals noch die Moore, und an den Küsten stand 
der Mensch in zähem Kampf mit dem Meer, der an vielen Stellen 
noch keineswegs erfolgreich war. Entstand doch erst damals 
nach der g-roßen Flut von 1377 der Dollart, durch die Flut vom 
17. November 1218 der Jadebuseu, der später namentlich durch 
die Antoniflut vom 17. Januar 1511 und andere erweitert wurde. 
An der schleswigschen Küste war besonders die Marcellusflut vom 
16. Januar 1362 verheerend, in späterer Zeit die vom 11. und 12. Ok- 
tober 1634, welche die Halligen auflöste und den Inseln im wesent- 
lichen die heutige Gestalt gab. Auch die Ostseeküste l)lieb nicht 
verschont und wiederholt änderten Sturmfluten in historischen Zeiten 
die Umrisse der Insel Rügen in wesentlichen Teilen. 

Während im deutschen Osten die Rodungen noch bis ins 
15. Jahrhundert hinein weitergehen, macht sich im Westen eine 
rückläufige Bewegung bemerkbar. Sie ist uns heute in ihren 
Ursachen noch nicht ganz klar kenntlich, neben geographischen 
mögen es wirtschaftliche gewesen sein, erzeugte aber jedenfalls 
einen Rückgang der Besiedlung des Landes und demgegenüber ein 
Anwachsen der Volkszahl der Städte. Diese schließen in den meisten 
Fällen ihre räumliche Entwicklung im 13. oder spätestens im 
14. Jahrhundert ab und bleiben dann bis ins 19. Jahrhundert 
hinein auf ihre Fläche beschränkt. Nur wenige, wie die Residenz- 
uud Hafenstädte, erfuhren dazwischen noch eine nennenswerte 
Vergrößerung. Dörfer und Weiler dagegen wurden verlassen und 
blieben wüst liegen, ihre Fluren verstrauchten wieder; Epidemien, 
der Bauernkrieg und der dreißigjährige Krieg beschleunigten das 
Entstehen von Wüstungen. Das herrenlose Land wurde meist von 
den Gutsherren mit Beschlag belegt und nach 1650 allmählich 
wieder, wenn auch in anderer Form als vorher, der Bebauung 
zugeführt. 

Im 18. Jahrhundert setzt eine zweite Kulturperiode ein, 
deren Wirkung vornehmlich Preußen noch erheblich umgestaltet hat. 
Nur einiges kann hier erwähnt werden, 1718 — 22 wurden das 
Rhinluch und das Havelländische Luch im Umfang von 1200 qkm 
kultiviert. 1721 — 27 und wieder 1732 — 36 wurden Tausende von 
Ansiedlern nach Ostpreußen gezogen, über 300 Dörfer (b)rt neu 
gegründet und den Städten Industrie und neues Leben zugeführt. 
Friedrich der Große nahm nach dem siebenjährigen Krieg das Werk 
wieder auf und zog etwa 300000 Kolonisten nach Preußen, die 



58 



Der Besiedlungsgang 



Tabelle der Bodeubenutzung-, Areale und Bevölke- 



Staaten 



Im Jahre 1900 nahmen ein 



Acker- 
land, 

Garten- 
land 



Wein- 
berge 



Wiesen, 

Weiden, 

Hutungen 



Forsten Haus- und 
_ Hoiraumt;, 
und iÖd- und Un- 
TT 1 I land, Wege, 

Holzungen Gewässer 



1000 ha 



Preußen 

Bayern 

Sachsen 

Württemberg .... 

Baden 

Hessen 

Mecklenburg-Schwerin . 
Mecklenburg-Strelitz 
Grroßherzogtum Sachsen 

Oldenburg 

Braunschweig .... 
Sachsen-Meiningen . . 

„ Altenburg . . 

„ Koburg-Gotha. 

Anhalt 

Schwarzb.-Soudershausen 
„ Rudolstadt . 

Waldeck 

Reuß ä. L 

Reuß j. L 

Schaumburg-Lippe . . 

Lippe 

Elsaß-Lothringen . . 

Lübeck 

Bremen 

Hamburg 

Deutsches Reich . . . 



17 661,5 

3 047,2 

843,8 

875,6 

568,6 

376,3 

755,9 

139,0 

202,7 

192,1 

188,2 

101,0 

76,9 

104,5 

138,3 

49,0 

39,2 

47,5 

12,9 

32,3 

16,4 

64,5 

679,8 

17,3 

6,8 

20,0 



21,2 

24,9 
0,5 
21,6 
20,0 
13,7 



0,3 



33,0 



5 338,3 

1 557,4 

183,9 

347,6 

264,3 

101,5 

179,4 

29,3 

37,1 

167,9 

43,7 

31,3 

12,5 

23,4 

19,5 

4,4 

8,4 

16,4 

5,8 

16,1 

6,0 

18,9 

220,7 

3,5 

14,3 

10,3 



8 270,1 

2 466,6 

384,5 

600,4 

567,8 

240,0 

236,7 

62,2 

93,1 

68,3 

109,5 

103,9 

35,9 

59,6 

57,8 

26,7 

41,3 

42,8 

11,3 

31,2 

6,9 

33,5 

439,8 

4,1 

0,1 

1,8 



26 257,3 135, 



8 662,9 I 13 995,9 



3573,8 

490,9 

77,1 

105,3 

87,4 

38,4 

144,2 

62,4 

27,5 

214,4 

22,8 

10,7 

7,0 

10,2 

14,3 

6,1 

5,1 

5,4 

1,7 

3,0 
■1,7 
4,6 
78,0 
4,9 
4,2 
9,4 



5 013,5 



Tabelle der Nationalitäten im Deutschen Reich 1905 





Zahl , 7o 




Zahl 


/o 


Deutsche .... 
Slaven .... 
Litauer .... 
Dänen 


56 000 000 1 92 
3 795 000 6,3 
115 000 0,19 
150 000 0,25 


Holländer .... 

Franzosen, Wallonen 
Italiener .... 
Sonstige 


85 000 

240 000 

70 000 

85 000 


0,14 
0,4 
0,12 
0,14 



Gegenwart 



59 



Yiing der Staaten des Deutschen Reiches') 



Von 'je 


LOO ha der 


Gesamtfl 


äche kommen auf 




Ein- 












Acker, 
Garten 


Wein- 
berge 


Wiesen, 
Weiden 

usw. 


Forsten 
usw. 


Haus- 
und 
Hofraum 

usw. 


Areal 
1000 qkm 


wohner 

Millionen 

1910 


50,7 


0,1 


15,3 


23,7 


10,2 


348,8 


40,2 


40,2 


0,3 


20,5 


32,5 


6,5 


75,8 


6,8 


56,6 


— 


12,4 


25,8 


5,2 


14,9 


4,8 


44,9 


1,1 


17,8 


30,8 


5,4 


19,5 


2,4 


37,7 


1,3 


17,5 


37,7 


5,8 


15,1 


2,1 


48,9 


1,8 


13,1 


31,2 5,0 


"i' 


1,-^ 


57,4 


— 


13,6 


18,0 ' 11.0 


13,1 


0,64 


47,5 


— 


10,0 


21.2 


21,3 


2,9 


0,11 


56,1 


0,1 


10,5 


25,7 


7,6 


3,6 


0,42 


29,9 


— 


26,2 


10,6 


33,3 


6,4 


0,48 


51,7 


— - 


12,0 


30,1 


6,2 


3,7 


0,49 


40,9 




12,7 


42,1 


4,3 


2,5 


0,28 


58,2 


— 


9,4 


27,1 


5,3 


1,3 


0,21 


52,9 


— 


11,8 


30,1 


5,2 


2,0 


0,26 


60,2 


— 


8,5 


25,1 


6,2 


2,3 


0,33 


56,8 




5,2 


31.0 


7.0 


0,86 


0,09 


41,7 


— 


8,9 


43,9 5,5 


0,94 


0,1 


42,4 


— 


14,6 


38,2 


4,8 


1,1 


0,06 


40,9 


— 


18,2 


35,6 


5,3 


0,31 


0,07 


39,1 


— 


19,5 


37,8 


3,6 


0.82 


0,15 


48,3 


— 


17,7 


20,3 


13,7 


0,34 


0,05 


53,1 


— 


15,5 


27,6 


3,8 


1,2 


0,15 


46,8 


2,3 


15,2 


30,3 


5,4 


14,5 


1,9 


58,0 


- 


11,8 


13,7 


16,5 


0,29 


0,12 


26,7 


— 


56,5 


0,2 


16,6 


0,26 


0.30 


48,1 


— 


25.0 


4,-^5 


22,(1 


0,41 


1,0 


48,0 


0,2 


1<J,U 


25,9 


9,3 


.">41 


65 



dem Land und den Städten zugute kamen. 174H — Ö3 wurde der Oder- 
hruch kultiviert und 1766 begannen die Arbeiten im Warthebruch. 
Aber auch das westliche Deutschhind stand nicht zurück. 
1718 — 63 wurde das Teufelsnuxn" und seine rnigobung besiedelt. 
1788 be<j:ann man auf dem Bourtanger und Arenbergfr Moor an 



') Nach Statistisches .Jahrb. f. d. Deutsche Reich. 35. 1914. Berlin. 
Areale und Einwohnerzahlen abgerundet. 



60 Der Besiedlungsgang 

der Ems zu kolonisieren, neue Teile des Papenburger Moores in 
Ang-riff zu nehmen. Größere Gelegenheit zur Kultivierung- fand 
sich schließlieh noch in Süddeutschland auf der ol)erdeutschen 
Hochebene, wo man Ende des 18. Jahrhunderts auch mit den Ar- 
beiten an dem 82 qkm g-roßen Donanmoor begann, nachdem im 
kleinen schon viel gerodet und entwässert worden war. Seit dem 
Ende des 17. Jahrhunderts, dann wieder seit 1770 begann im 
Allgäu jene Aufteilung der Fluren, die man als Vereinödung be- 
zeichnet, in deren Gefolge auch die Dörfer selbst aufgelöst wurden. 
Ähnliche Bestrebungen — doch unter AYahrung der Eigenart der 
geschlossenen Dörfer — Ovaren seit dem 18. Jahrhundert in Preußen 
im Gange und gestalteten auch dort das Flurbild langsam um. 

Wir stehen damit an der Schwelle der Gegenwart. Das 
19. Jahrhundert bringt dem Reichsgebiet vornehmlich seit der 
Mitte der achtziger Jahre eine gleichmäßig rasch steigende Be- 
völkerungszunahme. Auf dem gleichen Raum, auf dem 1816 
rund 25000000 Menschen lebten, leben jetzt 65 000000. Die 
natürliche Folge ist eine starke innere Umbildung der Landschaft, 
aus der nahezu alle natürlichen Züge mit Ausnahme der reinen 
Oberflächenformen vei'schwunden sind. Wald und Wiesen sind wie 
die Felder in ihren Pflanzenbeständen vom Menschen abhängig; 
die Gewässer sind geregelt, die Tierwelt ist verdrängt; eine Fülle 
von Wohnräumen mußte zur Aufnahme der Menschenmassen ge- 
schaffen werden. Die zweite Folge ist der Drang nach außen, 
der Zwang von außen her Nahrung zu schaffen und den Bevölke- 
rungsüberschuß dorthin abzugeben. Eine Wirkung dieses Zwanges 
sind Handel und Verkehr mit ihren riesenhafteu Anlagen. Das 
Landschaftsbild des heutigen Deutschland mit seiner Fülle von 
Siedlungen ist eben so wie seine politische Stellung und Entwick- 
lung aus seiner Raumnot verständlich. Diese jüngste rmbildung 
im einzelnen zu zeigen, ist Aufgabe der nachfolgenden Beschreibung. 
Eine Tabelle (Seite 58 und 59) möge vorher in ein paar Zahlen 
das Ergebnis der Besiedlungsvorgänge vergegenwärtigen. 



Das gegenwärtige Landschaftsbild Deutschlands 61 



III. Das gegenwärtige Landschaftsbild Deutschlands 

I. Norddeutschland 

Überblick 

In Norddeutschlaud ist der ältere Bau des deiitsclien Bodens, 
wie er in der mitteldeutschen Schwelle weiter südlich zutage tritt, 
von einer wechselnd niächtig'en Decke jüngerer Ablagerungen ver- 
hüllt. Wie durch zahlreiche Bohrungen festgestellt, ist die Fläche, 
welche die prätertiären Ablagerungen überzieht, eine Eumpffläche, 
die indessen außer ihrer Yerschüttung in Tertiär- und Diluvialzeit 
tektonische Störungen erlitten hat, die wohl nicht ohne Einfluß 
auf die heutige Verteilung von hoch und tief in den großen Zügen 
sind, über deren wirkliche Bedeutung aber die Erörterungen noch 
keineswegs abgeschlossen sind. Diese Rumpffläche, von der ein- 
zelne Gipfel durch die Schuttdecke aufragen, wie die Kalkberge 
von Rüdersdorf, der Segeberg in Holstein, Helgoland u. a., reicht so 
weit unter den Meeresspiegel hinab, daß die Küste unserer Meere 
an der mitteldeutschen Schwelle entlang verlaufen würde, wenn di(^ 
jüngeren Aufschüttungen nicht wären. Von diesen ist die tertiäre 
Decke im Westen am mächtigsten, wo sie bis auf etwa 800 m 
anschwillt, die diluviale im Osten, so daß die ältere Rumpf Cläclu» 
also ganz schräg steht. 

Bei einem Überl)lick über die Formen fallen große Gegensätze 
im Norden und Süden auf: je mehr man sicli der Ostsee nähert, 
desto frischer werden die Formen, je weiter nach Süden, desto 
größere Einförmigkeit tritt auf und diese veranlaßt den vielfach so 
ungünstigen Ruf, in dem die norddeutsche Landschaft steht. Der 
Geograph erblickt in den so langweiligen Knrmen von Sachsen, 
Niederschlesien u. a. ein Zeichen höheren morphologischen Alters, 
das durch den geologisch -agronomischen Befund stärkerer Zer- 



62 Pi's gegenwärtige Laudschaftsbild Deutschlands 

setzimg: und Verwitterung der Ablagerungen bestätigt wird, wäh- 
rend den jugendlichen Formen der Seenplatten mit ihrer ganz 
unentwickelten Hydrographie auch große Frische der Ablagerungen 
entspricht. 

So stellt sich uns das morphologische Bild Norddeutschlands 
in den großen Zügen folgendermaßen dar (s. Taf. V und Taf. IX, 
Abb. 2) : über dem Grundbau und dem lückenhaft erhaltenen 
Tertiär liegen Ablagerungen älterer Eiszeiten, die nach Süden bis 
an und in die mitteldeutsche Schwelle reichen; über diesen mit 
ihren gealterten Formen folgen die Absätze der Würmeiszeit mit 
einer inneren Zone ganz frischer Formen in den Seenplatten, die 
als „baltischer Halt" dem ..Bühlstadium" der alpinen Vereisung im 
allgemeinen parallelisiert wird und uns die Zone eines längeren 
Stillstandes des Eisrandes mit mehrfachen Schwankungen hin und 
her anzeigt. 

In diesem weiten Rahmen kehrt eine gewisse Gruppe von 
Formen immer wieder, die eben mit dem Wesen glazialer Auf- 
schüttung in Verbindung stehen und sich deshall) hier einleitend 
schon behandeln lassen. Im Süden, wo die Decke langsam ver- 
schwindet, liegt die Zone epigenetischer Talbildung, innerhalb deren 
die Flüsse, den Gefällsverhältnissen einer zum großen Teil ver- 
schwundenen Oberfläche folgend, Itald hier bald da Buckel des 
älteren Untergrundes anschneiden. Weiter im Norden, im Bereich 
der Landrücken, beherrscht ein Formenkomplex die Oberfläche, den 
A. Penck als die ..glaziale Serie" bezeichnet (Taf. XI, Abb. 4): 
wo wir den einstigen Eiskörper liegend uns zu denken haben, liegt 
heute das weite, seen- und sumpferfüllte Zungenbecken mit leicht 
centripetaler Formengebung und Entwässerung. Nach außen hin 
folgen wallförmig und meist im Bogen augeordnet die Endmoränen 
mit verwickeltem inneren Bau. An sie schKeßt sich nach außen 
hin der Sander an, in Form anfangs steilerer, dann flacher Schutt- 
kegel aus grobem, nach außen hin feinem Material, in denen ver- 
waschene, der Abtragung erlegene Geschiebemergelplatten um- 
schüttet sind. Wo die topographischen Verhältnisse dies zuließen, 
entstanden — bei nach Norden gerichteter Entwässerung — am 
Bande des Eises Stauseen von oft sehr erheblicher Größe, die 
ihrerseits Terrassen und Deltabildungen erzeugten und die in w^eiter 
Ausdehnung bekannt sind. Au sie schließen sich dann meist die 
nach Westen hinausführenden Entwässerungsbahnen an, die sog. 
Urstromtäler, Tal- und Beckenzüge, in denen wechselnd geringe 



Norddeutschland ß3 

Erosion und Auffüllung stattfand, jetzt am weiten Boden vielfach 
vermoort. Aus ihnen wenden sich die heutigen Flüsse in scharfer 
Wendung nach Norden hin ab, in Laufstrecken, die wohl durch 
rückwärtige Anzapfung entstanden sind, der dann jedesmal im 
Haupttal eine Erosionsphase folgte. 

Die zwischen den Talzügen liegenden Landrücken laufen wie 
diese im großen und ganzen konzentrisch um das südliche Ostsee- 
becken herum, streichen aber gegen die Nordsee hin aus. Dadurch 
erklärt sich einmal der große Unterschied zwischen Ostsee- und 
Nordseeküste, der weiter durch die sehr verschieden starke Ein- 
wirkung des Meeres verschärft wird: dieselbe ist in der Ostsee, 
einem gezeitenlosen Meer, viel geringer als an der Nordsee mit 
den hohen Gezeiten in der deutschen Bucht. 

Wenn wir gleichwohl auch an der Ostsee sehr verschiedene 
Küstentypen entwickelt finden (Föhrden-, Bodden-, Ausgleichs- und 
Haffküste), so liegt das an Unterschieden in der Landgestalt, daran, 
daß eben das Ufer doch nicht ganz genau parallel zu den Zonen 
der glazialen Aufschüttungslandschaft verläuft. So dringt das Meer 
im Westen in die zentralen Teile des Landrückens ein und ver- 
wandelt deren oft gewundene Täler in Buchten mit sehr geringer 
mariner Umbildung, Föhrden genannt. Bleibt das Meer weiter ab 
und tritt nur in die Zungenl »ecken und ähnliche flache Senken der 
Glaziallandschaft, so entsteht die Boddenküste Vorpommerns, deren 
Landkerne schon recht stark von der hier infolge der größeren 
Wasserfläche stärkeren Brandung umgestaltet sind, die gleichzeitig 
durch Aufschüttungen den äußeren Umriß glättete und vereinfachte. 
Rügen ist für diese Form ein prächtiges Beispiel (vgl. Taf. XII, 
Abb. 1), Wird die Brandungstätigkeit noch wirkungsvoller, wie 
in dem den Westwinden so stark ausgesetzten Hinterpommeru, so 
tritt völliger Ausgleich ein, nur schwach biegen sich die Landkerue 
vor, schwach biegen sich zwischen ihnen die Nehrungen ein. 

Das ändert sich im Osten, wo größere Landblöcke weit ins 
Meer vorspringen, Samland sich wie ein ungefüger Keil vorschiebt. 
In weite Niederungen schütten Weichsel und Memel ihre Schutt- 
fächer und Deltas vor, die Haffe mehr und mehr beengend, während 
sich von Festlandsockel zu Festlandsockel hinübei-, bis lOü km Länge 
erreichend, die Nehrungen schwingen. 

Der ganze Habitus der Küste ist also der einer ausgesprochenen 
Senkungsküste, welcher Vorgang noch nicht sehr weit zurückliegen 
kann. Dieser morphologische Befund wird duK li den geologischen 



g4 Norddeutschlaiid 

bestätiget, der aus überall Torfe z. T. in recht großen Tiefen unter 
dem Meeresspiegel und im Inneren der vorgelagerten Bänke er- 
kennen ließ, wie -sie sich nur über dem Wasserspiegel bilden 
können. Die Senkung scheint im Westen stärker gewesen zu sein 
als im Osten, denn denken wir uns Hinterpommern bis zum Land- 
rücken eingetaucht, wäre auch dort der Führdentypus der Küste 
anzutreffen. 

Die deutsche Nordseeküste läuft uur an der jütischen Halb- 
insel dem Landrücken parallel und schneidet die dort besonders 
gut ausgebildete Sanderzone ab. Weiter westlich treten zwischen 
Elbe und Weser und westlich der Weser die Landrücken an das 
Meer heran und zwischen ihnen die großen Talzüge, die von vorne- 
herein die Stellen zweier großer Buchten festlegten, da wir es auch 
hier mit einer Senkungsküste zu tun hal)en. Aber diese Senkung be- 
traf ein unendlich viel flacheres Land, als es die Ostseeküste ist. 
So warf das Meer seine Strandwälle weit draußen auf, es bildeten 
sich Lagunen und Lidi; später durchbrach das Meer seine 
Schöpfungen, die Reste der Lidi sind die deutschen Nordseeinseln, 
die der zum großen Teil aufgefüllten Lagunen die Watten und ' 
Marschen hinter ihnen. Während aber die ostfriesischen Inseln 
mit Dünen besetzte, wandernde Sandhaufen sind, zeigen die nord- 
friesischeu, me Sylt und Amrum, einen festen Kern, der ihnen 
größere Beständigkeit verleiht. Hier erreicht zugleich die Düneu- 
ausbildung ihr Maximum und hier gelang es, die Anfänge jener 
Eutwicklungsreihe dieser an Sand, Wind nnd Pflanzenwuchs ge- 
l)undenen Hügel aufzudecken, die ihr Ende in den berüchtigten 
Wanderdünen der Kurischen Nehrung findet. An Landkeru und 
Dünen schloß der Mensch sein System des Küstenschutzes an und 
heute ist die Nordseeküste in weit höherem Grade als die der Ostsee 
ein Kunstprodukt bis weit in die von den Gezeiten ausgeweiteten 
Trichtermündungen der Flüsse hinein. 

Diese Küstenstriche gehören zum alten germanischen Siedlungs- 
gebiet, während sonst fast ganz Norddeuschland Kolonisations- 
laud ist, in dem noch heute weite Striche menschenarm sind, in 
denen die Dichteziffern unter .50 bleiben. Stärker bevölkert sind 
die Flußpforten, welche durch die Landrücken führen, und wieder 
der Rand der Mittelgebirge. Doch hängt diese letztere, sehr große 
Volksmenge in ihrer Existenz ganz von dem Vorhandensein der 
mitteldeutschen Schwelle ab, wird daher erst dort zu behandeln 
sein. Die Mittelpunkte menschlicher Betätigung und Siedlung an 



Ostpreußen ß5 

den Flußpf orten sind zugleich die Schwerpunkte je einer besonderen 
Region, die wirtschaftlich und politisch nach ihnen hin gravitiert. 
Zum Zweck landeskundlicher Betrachtung wird mau daher zweck- 
mäßig diese Stellen in den Mittelpunkt rücken und die Grenzen 
der einzelnen Regionen des nördlichen Halbkreises norddeutscher 
Landschaften auf die menschenarmen Landrücken verlegen. So 
gliedert sich das deutsche Baltikum in die altpreußische Region, 
die pommersche und die schleswig-holsteinische Region. Weiter 
wird der klimatisch und nach seiner Bodenbedeckung so eigenartige 
Nordwesten auszuscheiden sein und an letzter Stelle das Gebiet 
der Flußverflechtungen mit einzelnen Aufragungen und gealterten 
Landrücken, das hier „märkisch-posensches Z\dschenland" ge- 
nannt sei. 

Die altpreußische Region 

Die altpreußische Region erhält ihre Eigenart dadurch, daß 
sich vor den nach Osten hin sich mehr und mehr vom Meere ent- 
fernenden Landrücken einzelne Erhebungen vorlegen, die eine 
starke Gliederung in das nördüche Vorland des Landrückens hinein- 
bringen, die schon äußerlich in der Anlagerung großer Deltas und 
der Haffe sichtbar wird. 

Von dieser Vorzone ist die Elbinger Höhe mit 198 m am 

kleinsten, aber gleichwohl, da unmittelbar dem Haff entrageud. land- 
schaftlich sehr \drkuugsvoll, zumal dort, wo sie wie auf »latt 
der Haff Seite von jugendlichen Tälern scharf zerschnitten ^* 
wird. Die günstige Wasserstraße, welche Nogat und das Haff boten, 
ließ am Rande der Höhe Elbing aufblühen, das sich freilich später 
nicht gegen Danzigs Rivalität zu behaupten vermochte und heute 
trotz bedeutender Eisenindustrie und Schiffbau an die zweite Stelle 
getreten ist (s. S. 77). 

Zwischen Elbinger Höhe und dem Landrücken zieht sich die 
Ostbahn in weitem, nach Norden offenem Bogen hin(hiich. um das 
Tal der Passarge zu erreichen, die kurz vor Braunsberg über- 
schritten wird, dem Vorort des dank seiner früheren V(M-bindung 
mit Polen noch jetzt katholischen Ermlandes. Der StaMaek (2L5 m) 
wird im Norden umgangen, schließt er sich doch auch im Süden 
eng an den Landrücken an, von dem ihn nur äuÜei'lich das tief 
eingeschnittene Tal (b'r Alle trennt. Aucli hier ist infolge der 
Nähe der Erosionslt.isis die Taibihhmg noch reclit kriil'tig und d.-is 

Braun. i' 



()6 Norddeutschland 

jugendliche Walschtal bei Melilsack ist weithin als landschaftlicher 
Glanzpunkt bekannt. Den preußischen Bewohnern des Landes 
dienten die tiefen Talrinnen bereits als willkommener Schutz ihrer 
einfachen Befestigungen, und mehrfach finden sich Wallburgen auf 
von den Flüssen umflossenen Spornen des Plateaus, wie diejenigen, 
aus denen später Wormditt und Heilsberg wurden. 

Im 13. Jahrhundert begann die Kolonisation durch den Orden, 
der an der Passarge Braunsberg, an der Alle Heilsberg zu Stütz- 
punkten ausbaute; Anfang des 14. Jahrhunderts zogen dann die 
Bischöfe des Ermlandes zahlreiche deutsche Siedler ins Land und 
es entstanden nach Braunsberg und Frauenburg auch die anderen 
Städte, später Dörfer und Gutshöfe. Die polnische Zeit zwischen 
1410 und 1772 konnte der Ackerbaukolonie nichts anhaben und 
hat außer in Xamen und der Konfession kaum Spuren zurück- 
gelassen. 

Von den Städten des Ermlandes war einst Braunsberg be- 
deutend, da die Passarge der älteren Segelschiffahrt genügte und 
die Stadt der Hansa angehörte; sie erhielt damals ihren baulichen 
r'harakter. Die Erbauung der Eisenbahnen l)rachte ihr keinen 
Vorteil, sie ist jetzt ganz stille Provinzialstadt, deren Grundriß 
noch ihre doppelte Anlage erkennen läßt. 

Damit sind wir in das Pregelgebiet eingetreten und die dritte 
der Vorhöhen , das Samland, ist so in das Land dei- Niederungen 
Blatt iiud Haffe gebettet, daß sich seine Betrachtung zweck- 
49. 66. G«! niäßig- erst dort anschließt. Wir kehren nach Süden 
zurück und folgen dem Urstromtal der Weichsel von ihrem Delta- 
land aufwärts. Alsbald wird seine Ausbildung nach Form und Be- 
siedlung eine recht gleichartige auf lange Strecken hin (Taf. XI, 
Abb. 5). Das Tal, in der Gegend von Culm auf etwa 17 m ein- 
geschnitten, trennt 80 m hoch gelegene Plateaus voneinander, die 
fruchtbaren Boden bietend, dicht besiedelt sind. Von beiden Seiten 
wird der Schutz des hohen Ufers von zahlreichen kleinen Städtchen 
benutzt, die in ihrer Anlage auf den deutschen Orden zurückgehen. 
Nur das alte Schweiz lag im Tal selbst, wohl um den Übergang 
unmittelbar zu schützen: die Überschwemmungen derW^eichsel aber 
erwiesen sich für die Entwicklung der Stadt als so schädigend, 
daß sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch auf die Höhe 
verlegt werden mußte und nunmehr nur noch Beste der 
Ordensburg und die katholische Kirche die frühere Stätte kenn- 
zeichnen. 



Weichseltal. Ostpreußen g7 

Nur wenige Meter über dem Fluß ziehen sieh weithin im 
Tal entlang trockene, sandige Terrassen, aus einer Zeit stammend, 
als der Wasserstand noch ein höherer war als in der Gegenwart. 
Am Fuß des Hochlandes folgt ihnen eine Reihe älterer Kolonial- 
dörfer, lang hin gestreckt, von denen ans die in Felder umgewandelte 
Terrassenfläche bebaut wird. Weiter innen nach dem Fluß zu folgen 
tiefliegende nasse Wiesen, erst kürzlich durch den Deich dem Über- 
schwemmungsgebiet des Stromes entzogen und noch immer von 
Unglücksfällen bedroht. Dem Deich selbst folgt eine zweite Gruppe 
jüngerer Kolonistenniederlassung in langen Reihen. Innerhalb der 
Deiche schließlich liegt das jetzige Überschwemmungsgebiet des 
Flusses, das zu Zeiten niedrigen Wasserstandes als Weide noch 
genutzt werden kann. Der Strom selbst ist einsam, Personen- 
verkehr fehlt ganz und auch sonst leidet die Brauchbarkeit der 
Wasserstraße unter der Vernachlässigung der russischen Stroni- 
strecke, deren Zustand alle Bemühungen preußischerseits vereitelt. 

Als Typus für die Oberflächenformen und die Besiedlungs- 
verhältnisse des preußischen Landrückens möge uns die Um- 
gebung der Kernsdorfer Höhe dienen. Hier ist das Biatt 
Relief ähnlich unregelmäßig wie in dem höheren Teile ^^' ^' 
von Westpreußen. Die Dorfformen sind vornehmlich Kolonialdörfer 
mit reichlichen Abbauten in den höheren Teilen des Landes, während 
die tieferen mit Straßendörfern l)esetzt werden. Der Hauptort dieser 
Landschaft, das Städtchen Osterode, hat sich da entwickelt, 
wo die große der Grenze parallele Eisenbahn von Memel, Inster- 
burg und Alienstein den Durchgang nach Westen zwischen der 
Seenreihe des oberländischen Kanales und der Kernsdorfer Höhe 
gewinnt. Der oberländische Kanal selbst ist eine zwar wenig 
leistungsfähige, aber für den Lokalverkehr mit Holz und Schwer- 
gütern doch nicht unwichtige Wasserstraße, die immerhin für 
Osterode einen gewissen Umschlagsverkehr mit sich bringt. 

Im landschaftlichen Charakter ähnlich ist das westliche Ma- 
suren mit dem Vorort Alienstein. Der Reichtum an Seen, ihre 
Verteilung sowie die der Bodenarten bestimmen hier Biatt 
wesentlich die Lage der Siedlungen, unter denen sich "^ 
Allenstein, im Anschluß an eine Burg des deutschen Ordens 
entstanden, die auf hohem Ufer geschützt durch die Alle sich 
erhebt, in der Neuzeit als große Ganiisoiistadt und Sitz vieler 
Verwaltungsbehörden weitaus am stärksten cntwickcll hat und 



gg Norddeutschland 

eiue Volksverniehriuig von über 20 "/o im Jahrfünft erreichte. Die 
Dörfer gehören auch hier wesentlich der Form der Straßendörfer 
zu, die Häuser in ihnen sind vielfach zu kleinen Höfen geordnet, 
nur wenige kleine Leute bewohnen einfache Häuser, die zugleich 
Stiill und Scheune umfassen. Stärkere Besiedlung führt zu liaufen- 
ähnlichen Formen: junge Kolonisation brachte Marschendörfer zur 
Urbarmachung der Sümpfe („Holländerei" bei Willenberg). Im 
Süden drücken die Reste der einstigen Grenzurwälder die Volks- 
dichte sehr herab. 

Die Senke der großen Masurischeu Seen weiter im Osten 

bildet mit ungefähr 117 m Spiegelhöhe einen immerhin Ijemerkens- 

Biatt werten Einschnitt quer durch den Landrücken hindurch. 

•^- Wenn auch kein größerer Yei'kehr ihn benutzt, so hat 
die Wasserstraße, welche diese verschiedenen Seen verbindet, für 
den Transport von Holz doch Bedeutung, die sich noch steigern 
würde, wenn die in den Seen vorhandene Wasserkraft für weitere 
Zwecke nutzbar gemacht werden könnte. Jenseits des masurischen 
Tales hebt sich der Boden wieder bis über zu 300 ni Höhe. Auch 
hier sind es Endmoränenknoten, die diese bedeutende Anschwellung 
der Landschaft Ostmasuren, deren Gipfel auch rein äußerlich als 
Berge hervortreten, erzeugen. 

Da die Grenze gegen Rußland an dieser Stelle ungefähr nord- 
südlich verläuft, parallel dem großen masurischeu Tal, umfaßt Ost- 
Biatt masuren alle drei Zonen der Höhenrückenlandschaft. 
35. 36. 52. Yom Guml)inner Kirchturm aus sieht man zunächst die 

^ weiten E])enen des südlichen Litauen, den Tummelplatz 

der edlen Rosse, und in Trakehnen Sitz der staatlichen Pferdezucht. 
Darüber begrenzen dunkle Berge den Horizont. Steht man im 
Westen, so sieht man von den Bergen flach nach Süden fallende 
Flächen, in welche in gleicher Richtung ziehende Täler scharf und 
deutlich eingeschnitten sind. Siedlungskarten lassen diese drei Teile 
nicht mit gleicher Schärfe hervortreten: der Boden des ])ergigen 
Teiles ist nicht gerade schlecht, erzeugt da, wo das Land zu hoch 
liegt, um noch mit Aussicht auf Ertrag Feldbau zu erlauben, 
immerhin noch gut benutzbare Weiden, und ist daher nicht auf- 
fallend dünn besiedelt. Wohl aber sind das die großen Waldungen, 
die 25 '^U der Fläche des Kreises Goldap einnehmen und von denen 
der Nadelwaldbestand der Rominter Heide allein 200 qkm umfaßt, 
die tatsächlich unbewohnt sind. Weit gleichmäßiger ist die Be- 
siedlung auf dem Südhang der Bergzone in den Kreisen Oletzko 



Ostpreußen gg 

imd Lyek, wo der ausg-leichenden Kolonisierimg-stätigkeit des Ordens 
imd der Herzög'e (1400 bis 1600) nochmals um 1700 durch die 
HohenzQllern phinmäßige Anlag-e von Siedlungen folgte (Chatoull- 
Dörfer). Aus dieser Zeit stammen auch die wenigen deutschen 
Ortsnamen, obwohl damals auch viele Polen augesiedelt wurden. 
Von den kleinen Städten der Landschaft geht L y c k auf eine 
Ordensansiedlung im 15. Jahrhundert zurück und ist dank seiner 
günstigen Verkehrslage seit Eröffnung der Eisenbahnen, d. h. seit 
1868, bedeutend aufgeblüht, wobei sich an die älteren Stadtteüe, 
die am See entlang zu finden sind, eine neue Bahnhofstadt anlegte. 
Marggrabowa blieb seit der Mitte des 19. Jahrhunderts völlig 
zurück und seine Bewohner leben auch jetzt noch zum Teil vom 
Ackerbau; der 7 ha große Marktplatz ist ein äußeres Zeichen des 
lebhaften Vieh- und Pferdehandels mit dem benachbarten Polen. 
In Cxoldap bewirkte außer der günstigen Verkehrslage zu reicher 
Umgebung vornehmlich die Einwanderung von Salzburgern im 
18. Jahrhundert ein Aufblühen der Textilindustrie, daß der Ort 
sich noch jetzt unter den größeren sehen lassen kann. 

Der übrige Teil Ostpreußens, das Pregel- und Memellaiid, 

ist wesentlich niedriger, auch im allgemeinen einförmiger gebaut. 
Am oberen Pregel dehnt sich eine Grundmoränenebene J^^^^^ 
in etW'a 60 — 70 m Höhe aus, der einzelne Endmoränen- 17-20. 5-7. 
bögen bis zu 100 und 120 m ansteigend aufgesetzt ** ^ 

sind. Die Grundmoränenebene wird durch Flüsse ziemlich scharf 
zerschnitten, die Täler derselben mäandern außerordentlich stark 
und enthalten zahlreiche Terrassen. Das Land dient vorwiegend 
dem Ackerbau, es ist mit überaus zahlreichen Einzelsiedlungen 
bedeckt, worin sich bereits der litauische Charakter der Bewohner 
äußert. Die Verkehrslinien gehen ohne besondere Rücksicht auf 
die Bodenplastik hindurch. Die Hauptlinie zieht von Königsberg 
in fast gerader Richtung nach Osten nach der Grenze, und an 
ihr haben sich die kleinen Städtchen dieser Landschaft da ent- 
wickelt, wo Verkehi'swege nach Norden oder Süden hin abzweigen. 
Von ihnen allen ist nur Insterburg zu größerer Bedeutung gelangt, 
an der Stelle gelegen, wo schon von alters her ein Verkehrsweg 
anf das Pregeltal stieß, der dem Urstromtal der Inster von Norden 
her folgte. An ihm aufwärts gehend, erreichen wir die weiten 
Niederungen der Memel oberhalb ihres Duichhruchcs hei Kagnit, 
die von großen Wäldern und Sümpfen eingenoiiiiiicn werden, darin 



70 Norddeutschland 

schon ganz dem Charakter der benachbarten russischen Gebiete 
gleichend. Die Besiedhing in diesem sogenannten Jurabecken ist 
außerordentüch dünn und an die Stromufer geknüpft, sowohl der 
Memel selbst wie der Scheschuppe, südlich deren die großen 
Torfmoore Königshuld und die Große Plinis wieder menschenleere 
Einöden bilden. 

Ganz anderen Charakter trägt das untere Memelgebiet, das 
Memeldelta oder die Niederung. Schon bei Tilsit, das noch 
etwa 20 m über dem Fluß liegt, ist die Niederung mehrere Kilo- 
meter breit, und von da an erweitert sie sich fächerförmig bis 
an das Kurische Haff hin. Das Delta, in seinem Oberteil noch 
ganz gut kultiviert, trägt einen Charakter, der etwa an hollän- 
dische Niederungen gemalmt, wozu die zahlreichen Entwässerungs- 
kanäle einerseits, die Deiche und Windmühlen andererseits stark 
beitragen. Die Gehöfte sind auch hier sehr verstreut, größere 
Orte selten. Diese letzteren heben sich auch gleich durch ihre 
deutschen Namen, wie Heinrichswalde, Neukirch, Großfriedrichs- 
dorf usw., unter den litauischen als spätere Aulagen einer zweck- 
bewußten Kolonisation hervor. Die Volksdichte wird al)er immer 
geringer, je mehr man an das Ufer des Kurischen Haffes kommt, 
und an die Stelle zerstreuter Besiedlung tritt Zusammenschluß der 
Bewohner in Dörfern, die sich an die schiffbaren Wasserstraßen 
anschließen und ihnen auf viele Kilometer Längserstreckung hin 
folgen, sind doch die Wasserstraßen bis vor kurzer Zeit die ein- 
zigen Verkehrswege gewesen, die es gab, freilich auch sie in den 
Übergangsjahreszeiten oft nicht passierbar. Die Bevölkerung drängt 
sich dann schließlich in einigen Fischerdörfern am Kurischen Haff 
entlang zusammen, so daß die Volksdichte hier in der Gegend von 
Nemonien wieder ein Maximum erreicht. Außerhall) der kulti- 
vierten Strecken liegen weite Moore und nasse Wälder, des Hevier 
der Elche. 

Der Charakter des Landes bleibt ähnlich bis über das Mingetal 
nach Norden hinaus, erst dort treten dann wieder Züge festeren 
Landes hervor, an deren Rand die nördlichste Stadt des Deutschen 
Reiches, Memel, erbaut ist, ursprünglich zum Schutz und als 
Stütze des Weges, der bis ins 19. Jahrhundert hinein von Königs- 
berg über die Kurische Nehrung in gerader Richtung nach Rußland 
hineinführte. Später wurde Memel Stapelplatz für das von Ruß- 
land kommende Holz und war zum Beginn des 19. Jahrhunderts 
Sitz einer lebhaften Segelschiffreederei, die dann bald mit dem 



Ostpreußen 7 1 

Aufkommen der Dampfschiffahrt, wie in allen anderen Ostseehäfen 
auch hier, zugrunde ging, womit Meniel seine Bedeutung fast ganz 
verlor, zumal die Hafenverhältnisse nicht gerade günstige sind. 

Bas Kurische Haff, durch die Kurische Nehrung vom offenen 
Meere abgeschieden, ist ein seichtes Gewässer, dessen Befahrung 
angesichts seiner immerhin großen Wasserfläche doch so schwierig 
ist, daß fast in seiner ganzen Ausdehnung im Osten Umgehungs- 
kanäle angelegt werden mußten. Sein Fischreichtum zog aber 
andererseits schon lange die Besiedlung an und von ihm leben 
jetzt fast ausschließlich die Dörfer auf der Kurischeu Nehrung. 
Dieser Landstrich bietet in der Gegenwart ein Bild dar, das erst 
vor wenigen Jahrhunderten in seiner Eigenart erstand. Heute 
erstrecken sich, wenn wir von den Anpflanzungen absehen, fast 
über die ganzen 90 km Länge der Nehrung weiße, vegetations- 
lose Sanddünen, die 70 und 80 m Höhe erreichen und bei ihrem 
Fortschreiten nach Osten hin mit ihrem Fuß alles verschütten, 
was sich östlich von ihnen befindet. Diese Wanderdünen hat aber 
erst der Mensch entfesselt, indem er den Wald, der eine ältere 
Dünengeneration vorher überzogen hatte, zerstörte und dadurch 
dem Wind freien Zutritt zu den aufgestapelten Sandmassen ge- 
währte. Seit der Entfesselung der Dünen sind bereits eine ganze 
Reihe von Ortschaften durch dieselben zerstört worden, deren Reste 
jetzt auf ihrer Westseite wieder zum Vorschein kommen, nachdem 
sich die ganze Sandmasse über sie hinweggewälzt hat. Um das 
gleiche Schicksal von den bisher verschonten Orten abzuwenden, 
die nur zum Teil durch alte Waldbestände geschützt waren und 
von denen einzelne auch schon hatten verlegt werden müssen, hat 
mau zu kostspieligen Anpflanzungen seine Zuflucht nehmen müssen. 
Dieselben haben in den letzten Jahren, seitdem erst einmal ihre 
Technik erprobt war, so gute Fortschritte gemacht, daß jetzt be- 
reits alle gefährdeten Ortschaften gedeckt sind und darüber hinaus 
noch viele Kilometer Wanderdünen gebändigt werden konnten. Da 
zugleich die Fischerorte sich zu Badeorten umbildeten, geht der 
Landstrich jetzt einem neuen Aufschwung und einer neuen Blüte- 
zeit entgegen. 

Wir erreichen auf diese Weise von Norden herkommend das 
Sainland, ein mannigfach gestaltetes Plateau mit li;{ m Maximal- 
höhe, die in einem aufgesetzten Endmoränenznge erreicht wei'dcn. 
Die Küste entspricht dem riateaucharakter, es ist an beiden Außen- 
seiten ein steiles Ufer vorhanden, dessen Kliffe die Oberfläche 



72 Norddeutsohland 

scharf abschneiden und so bei den etwa 80 l)is 50 m Höhe, um 
die es sich handelt, landschaftlich sehr reizvolle Bilder ergeben. 
Besonders die Nordküste unterliegt starken Ang-riffen, und nur mit 
großer Mühe ist es möglich gewesen, bei Neukuhren einen Not- 
hafen für Fischer zu bauen, der auf der ganzen langen Strecke 
zwischen Pillau und Memel vollständig fehlte. Berühmter noch 
als die Nordküste ist die Westküste des Landes durch ihren Reich- 
tum an Bernstein, der in der tertiären blauen Erde steckt und 
teils durch das Meer ausgewaschen und ans Land gesi)ült, teils 
und jetzt in vorwiegeuder Menge bergmännisch bei Palmnicken 
gewonnen wird. Größere Orte haben sich im Samlande nicht zu 
entwickeln vermocht, kleine Dörfer und große Güter bedecken viel- 
mehr in großer Zahl die Oberfläche, die nur zum geringen Teile 
noch von Wald eingenommen wird : an den Ecken halben sich einige 
Städtchen erhalten. Von ihnen ist Fischhausen heute ein stilles, 
bedeutungsloses Laudstädtchen, zur Ordenszeit aber Sitz des 
Bischofs. Labiau und Tapiau wurden als Grenzburgen im 
13. Jahrhundert vom Orden begründet und haben jetzt noch dank 
der schiffbaren Verbindung vom Pregel durch die Deime nach dem 
Haff einigen Verkehr. Die beiden anderen Städte im Süden des 
Samlandes, Königsberg und Pillau, stehen in einer engen Beziehung 
zueinander, ist doch Pillau die Vorfestung und der Vorhafen von 
Königsberg und in seiner Entwicklung ganz von dem Gedeihen der 
Hauptstadt abhängig. Da nun gerade in den letzten Jahren (1901) 
die Verbindung zwischen beiden Orten durch das Haff hindurch 
sehr verl)essert worden ist, womit der früher notwendige Aufenthalt 
der Schiffe zum Leichtern in Pillau wegfiel, geht der Ort gegen- 
wärtig zurück und verliert an Einwohnerzahl. 

Königsberg (Taf. XXIV, Abb. 1) hat sich an der Stelle ent- 
wickelt, wo mit Hilfe einer früheren Insel zum letztenmal vor Er- 
reichen des Haffes der Übergang über das Pregeltal möglich war. 

Der Hauptt^'il der Stadt liegt am Nordrande des 3,5 km breiten 
Tales in ungefähr 20 Meter Höbe um ein Tälchen herum, das von Nor- 
den her aus dem Samland kommend scbarf eingeschnitten zum Pregel 
hinunterführt, dessen Bach seit der Gründung der Stadt zu zwei 
Teichen aufgestaut ist, dem Oberteich am Nordrande der Stadt und 
dem Schloßteich innerhalb der Stadt. Die älteste Anlage derselben 
schließt sich an das Schloß au, das an dem steil abfallenden Plateau- 
rande gegen das Pregeltal und nach ( )sten hin gedeckt durch das eben 
erwähnte Tälchen angelegt wurde. Von da aus zieht sich die Alt- 



Ostpreußen 7 3 

Stadt bis au den Preg-el hinunter, der Ejieiphof mit dem Dom liegt 
auf einer Insel zwischen den Pre^elarnien und der Löbenieht sehließt 
sich im Osten an die Altstadt an. Diese drei Teile bildeten bis 
etwa zum Jahre 1600 gesonderte Städte, die auch gegeneinander 
mit Mauern umgel)en waren. Eine bedeutende Erweiterung erfuhr 
das Stadtareal in den Jahren 1626 bis 1634, als infolge der Lan- 
dung der Schweden bei Pillau eine neue Wallanlage errichtet 
wurde, die beträchtlich weiter hinausgeschoben etwa das Areal der 
heutigen alten Stadt umfaßt: sie umschloß dann auch die aus dem 
Pregeltal aufragende Diluvialiusel, den Haberberg-, die ^\ie erwähnt 
seit langen Zeiten schon als Stützpunkt für den Übergang gedient 
hatte. In dem weiten Areal dieser neuen Mauer entwickelte die 
Stadt sich nun in der Weise, daß nach und nach die aus den di-ei 
alten Städten liinausführenden Vorstadtstraßen mit Häusern besetzt 
wurden, wodurch das Straßennetz zwischen dem alten Kern und der 
Mauer aus dem 17. Jahrhundert etwas radial -strahlig ausgebildet 
wurde, welchen Charakter es noch heute trägt. Jedenfalls erfolgte die 
Besiedelung des Stadtareales so langsam, daß, als man im 19, Jahr- 
hundert an eine Erneuerung der Mauern ging, diese in den Jahren 
1843 bis 1859 etwa an der Stelle des Mauerringes aus dem 17. Jahr- 
hundert angelegt werden konnten. Über diese Mauern hinaus gi-eift 
dann gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Entwicklung vornehm- 
lich nach Norden hinüber, wo auf dem Boden des Samlandes all- 
mählich immer größer werdende Vororte erwuchsen, während gleich- 
zeitig sich die Hafenanlagen pregelabwärts entwickelten. Die 
Handelsbedeutung der Stadt beruht auf den Verbindungen und 
Beziehungen zum russischen Hinterland, die im 19. Jahrhundert 
nach mehrfachen Schwankungen zu einem Gleichgewicht gekommen 
waren, das für Königsbei-g als nicht gerade günstig galt. So 
stagniert der Seeverkehr ein wenig und es fehlt den Kohlen, 
Eisen, Petroleum und Nahrungsmittel einbringeudou Fahrzeugen 
selu' an Bückf rächt. 

Das Frische Haff ist der l^est eines weit größeren Eisstau- 
sees, dessen Spiegel erheblich über dem jetzigen Wasserspiegel stand. 
Bei seiner über 8(t0 qkm großen Fläche ist seine Tiefe sehr gering 
und erreicht nur zwischen Balga und Pillau gerade noch 5 ni. Die 
Bcfahrung ist daher nur kleinen Fahrzeugen inöglicli und auch 
diese geraten im westlichen Teil oft auf (iruiul. zumal der Wellen- 
S^ns bei der Flachlifit und gidlini Fläche recht uiiangciichm ist. 



74 Norddeutschlaud 

Im Winter deckt etwa 100 Tag'e laug eine g-eschlossene Eisdecke 
das Haff, dann sind Verkehr und Fischerei erleichtert. 

Die Frische Nehrung ähuelt in ihrem Charakter und Auf- 
l)au etwa der Kurischeu, nur daß die Dünenbilduugen liier viel 
weniger gToßartig' und die Waldbestände reicher sind. Die Be- 
siedlung' aber wird erst geg"en das Ende der Nehrung" hin in der 
Weichselniederung stärker. 

Die Weichselniederiiug ist eine höchst eigenartige Land- 
schaft, wie man sie in den östlichen Teilen Preußens sonst nicht 
Blatt antrifft. Sie ist entstanden aus Aufschüttungen der 
17. 32 Weichsel auf dem Boden des eben erwähnten Stausees. 
Sie besteht demzufolge fast in ihrer ganzen Ausdehnung aus Fluß- 
absätzen, denen nur randlich Küstenbildungen in Form einer Dünen- 
kette aufgelagert sind, welche die Niederung vor den Angriffen des 
Meeres schützt. Der an sich somit sehr gute Boden bot aber in- 
folge der häufigen Überschwemmung durch die Mündungsarme der 
Weichsel keinen guten Siedhmgsgrund: so erklärt es sich, daß wir 
die älteren Niederlassungen vornehmlich auf Düuenstreifen finden, 
die gelegentlich in der Niederung entwickelt sind. Aus diesem 
Grunde ist die Besiedlung hier auch im allgemeinen viel jünger 
als die der benachl)arten diluvialen Höhen, wo wir schon aus der 
Steinzeit eine Menge Funde haben, während im Bereich des Deltas 
erst Funde der Eisenzeit in größerer Zahl anzutreffen sind. 

Das Weichseldelta beginnt an der Montaner Spitze, wo sich 
nach Osten hin die Nogat, die bei Marienburg und Elbing vorbei 
das Frische Haff gewinnt, abzweigt, während die Weichsel ziemlich 
geradlinig den Rand der Pommerschen Platte nach Norden hin ver- 
folgt, den sie bei Dii-schau verläßt, um dann, von Deichen einge- 
faßt, geraden Wegs dui-cli die Niederung zu strömen. Die durch 
die Stromarme umgrenzten einzelnen Teile der Niederung führen 
den Namen Werder und haben die ansehnliche Größe von oft 
mehrei'en hundert (ikm. Sie sind durch die Anlage von Deichen 
bewohnbar geworden, mit der man in systematischer Weise zur 
Zeit des deutschen Ritterordens begann. In der Mitte des 16. Jahr- 
hunderts brachten Mennoniten aus den Niederlanden ilire dortige 
Kulturweise mit und machten den Rest des Deltas von Tiegenhofeu 
aus zu Kulturland. Immerhin haben die Deichbauten Durch- 
brüche noch nicht völlig unmöglich gemacht und l)is in die Mitte 
des 19. .Tahrhunderts hinein sind die Niederune-en immer wieder von 



Westpreußen 7 5 

verheerenden Hochwassern heimgesucht worden. Eine Besserung- 
erfolgte erst, als der Strom sich am 9. Februar 1840 eine neue 
Mündung suchte, indem er oberhalb einer Eissperre den Dünen- 
gürtel bei Neufähr durchbrach, wodurch ein schnellerer Abzug des 
Wassers bewirkt wurde. Diesen von der Natur gegebenen Wink 
machte sich der Mensch zu nutze und legte in den Jahren 1890/95 
bei Schiewenhorst eine neue Mündung an, die auf geradem Wege 
das Weichselwasser in die Danziger Bucht hineinführte. Seit der 
Urbarmachung durch den Orden ist das Delta dicht besiedelt und 
kultiviert, ist wegen seiner Fruchtbarkeit weithin bekannt, ein 
Sitz der Yiehzucht und des Obstbaues, insonderheit des Anbaues 
von Kirschen. 

Der Mündungsort der Weichsel ist Dan zig (Taf. XXIY, Abb. 4), 
das am Bande der Ponimerschen Höhenzüge gelegen eine außer- 
ordentlich günstige Position inne hat, die nur durch die politische 
Entwicklung und die das Hinterland absperrende russische Grenze 
stark beeinträchtigt wurde. In dem Stromgeflecht zwischen Mott- 
lau und Weichsel wird schon um 1000 eine, slawische Siedlung er- 
wähnt, deren Burg später die Residenz der Herzöge von Pomme- 
rellen. wurde (in der Gegend der Burgstraße gelegen). In zweierlei 
Form förderten sie das Eindringen der Deutschen: sie gründeten 
Klöster (Oliva 1180) und verliehen den Kaufleuten derartige Privi- 
legien, daß allmählich neben der slawischen eine zunächst kleine 
deutsche Siedlung entstand, die um 1200 in der Gegend der jetzigen 
Katharinenkirche, die „Altetadt" benannt, vermutet wird, während 
das „Hakelwerk" im Norden von polnischen Fischern bewohnt 
wurde. 

Mit dem Ende des Herzogsgeschlechts drang zu Beginn des 
14. Jahrhundorts der Deutsche Orden ein, und unter seiner 
Regierung entwickelte sich im Süden dos „Altstädtischen Grabens" 
bis zum „Vorstädtischen (ii-al)en'' eine neue Kaufmanns- und Hand- 
werkerstadt mit rechtwinklig sich kreuzenden Straßen, deren 
Speicheranlagen alsbald auf die zwischen den Mottlauarmen ge- 
legene „Speicherinsel" übergriffen. Im Norden entstand als Kon- 
kurrenzunternehmen des Ordens gegen die j^rivib^gierte Rechtstadt 
1380 die Juiigstadt an der Stelle der heutigen Kaiserlichen Werft, 
die später wieder abgebrochen Avurde: im Süden schloß sich als- 
bald die „Vorstadt" an. Seit der Mitte des lö. -lalirhunderts 
wurden die verschiedenen Städte durch einheitliche, mehrfach ver- 
stärkte und erweiterte Umwallungen umschlossen. Das alliii;ihli<'h 



76 Norddeutschland 

von 36 auf 126 ha angewacliseue Stadtareal erhielt Anfang des 
17. Jahrhunderts jene einheitliche Befestigung, deren Grundriß 
noch im jetzigen Stadtplan so sehr deutlich hervortritt, wodurch 
die Fläche auf 590 ha anwuchs; die ..Niederstadt" wurde der Be- 
hauung erschlossen und erhielt ihren Charakter durch die zahl- 
reichen Kanäle in der Mitte ihrer Straßen. 

Die neue Entwicklung setzte mit der Angiiederung Danzigs 
an den preußischen Staat 1793 ein, die der Stadt wieder ihr natür- 
liches Hinterland verlieh. Kaum aber hatte dei' Handel sich etwas 
erholt, als die Franzosenzeit hereinbrach, in der Danzig furchtbar 
unter den Belagerungen zu leiden hatte. Die I^evölkerung ging 
1814 auf 16000 zurück, die Vororte, die damals niedergelegt 
wurden, sind seitdem z. T. noch nicht wieder erstanden. 1895 
Avurdeu dann die Wälle der Westfront, welche die Entwicklung' 
der Stadt aufs stärkste hemmten, niedergelegt. Auf dem dadurch 
gewonnenen Gelände entstand u. a. der prächtige Hauptbahnhof, 
Als Hafen Danzigs dienen im Inneren der Stadt die von alten 
Bollwerken und Speichern eingefaßte alte und neue Mottlau, über 
die eine Reihe beweglicher Brücken führen: für größere Fahrzeuge 
der neue Kaiserhafen und die Weichsel selbst, neben einem Frei- 
hafenbecken in Xeufahrwasser, Der Handel Danzigs, dem diese 
Anlagen zur Verfügung stehen, hat im 19. Jahrhundert seinen 
Charakter sehr geändert: beruhte Danzigs Bedeutung ursprüng- 
lich ganz auf der Ausfuhr der Rohprodukte des weiten Hinter- 
landes, so lange dieses ihm offen stand, so ist es jetzt Einfuhr- 
hafen für die Mengen an Nahrung und Rohstoffen, welche die 
steigende Volksmenge und die hierher gezogene Industrie ver- 
brauchen, von der hier nur die Kaiserliche Werft und die Hoch- 
ofenanlage auf dem Holm genannt seien, mit lel)hafter Spedition. 
Diese neuere Entwicklung vollzieht sich stromabwärts zwischen 
Danzig und seinem Vorhafen. Dadurch konnte die innere Stadt 
ihren altertümlichen Charakter bewahren, der gerade den mit 
Toren noch gegen die Mottlau hin abgeschlossenen Gassen am 
Wasser trotz des in ihnen lebhaft pulsierenden Verkehrs am 
meisten eignet, aus denen sich wie ein felsiges Gebirge die Marien- 
kirche erhebt. 

Während nach Osten hin die Wiesen der Niederung bis an 
die Bastionen der Stadt reichen, schließt sich im Nordwesten am 
Rande dei- Hochfläche eine Reihe blühender Vororte an, wie Lang- 
fuhr und Oliva, tue bei Zoppot in die Reihe der Seebäder übergeht, 



Westpreußen. Pommern ■ 77 

die stark besucht weithin den Strand der freundlichen Bucht säu- 
men, die HeLa gegen das offene Meer schützt. 

Dfer Gegenpol Danzigs auf der anderen Seite der Weichsel- 
niederung in ähnlicher Lage, Elbing, ist dem gegenüber vom 
Meer weit getrennt, ganz zurückgeblieben. Auch hier Biatt 
stecken im Umkreis der starken, von Gustav Adolf aus ^^ 
dem Jahre 1626 und folgenden herrührenden Befestigung ein Schloß, 
zwei Stadtgründungen und die Speicher^iertel, Holzhöfe am Wasser. 
Heute hält Metallindustrie die Stadt in einer gewissen Höhe und 
Hoffnungen auf weitere Blüte knüpfen sich an einen Durchstich 
der Frischen Nehrung und Ausbau eines Kanales von dort zum 
Elbingfluß. 

Die pommersche Region 

Der innerste Teil der pommerschen Region ist soweit gegen 
die Ostsee vorgeschoben, daß seine Erhebungen in die Ostsee ein- 
tauchen, und als Inseln und Inselgruppen erscheinen, gj^^^ 
während sie in Preußen, wie wir sahen, durch die großen 12. is. 26-2s. 
Stromniederungen von Weichsel, Pregel und Memel mit- **' *" 
einander verbunden, Teile des Festlandes bilden. Zu dieser Insel- 
zone gehören der Darß, Rügen, Usedom, Wolliu, und es würden 
sicherlich auch Teile von Hinterpommern dazu zu rechnen sein, 
wenn nicht dort Anschwemmungen der Flüsse und sehr lebhaft 
eingi^eifende Meerestätigkeit eine Ausgleichsküste geschaffen hal)en 
würden. 

Als Typus des Aufbaues möge uns die Insel Bügen dienen 
(Taf. Xn, Abb. 1). Sie besteht aus einer Reihe von Inselkernen, 
Aufragungen des Untergrundes, die zum Teil außer den diluvialen 
auch Kreideschichten über den Meeresspiegel bringen. Sie gleichen 
oberflächlich durchaus dem Aussehen anderer Grundmoränenland- 
schaften, sind teils vollständig (^ben. wie im südwestlichen Teil der 
Insel, teils sind sie von Kndmovänenstückon überlagert wie bei 
Bergen, oder es ist der Untergiuud zu Ruiulhöckerformen abge- 
schliffen wie im Inneren der Halbinsel Jasmund. Diese verschie- 
denen Inselkerne tauchten in das Meer, das sie alsbald lebhaft 
angriff und so einerseits die mächtigen Kliffe schuf, welche die 
Küste zwischen Saßnitz und Stubbenkammer laudschaftlich so 
reizvoll gestalten, andererseits aber den dadurch erzeugten Schutt 
an der Küste entlang verschob, wodurch die verschiedenen Insel- 



78 Norddeutschland 

kerne iiiiteinander verwuclisen und niedrige dünenbesetzte Neh- 
rnngen zwischen das hohe Land sich leo;ten, wie die Schaabe, die 
Schmale Heide und viele andere ihresgieichen. 

In g-anz ähnlicher Weise bestehen Usedom und Wollin aus 
g-etrennten Inselkernen, zwischen denen ursprünglich Wasser 
flutete, wie viele jetzt verlassene Kliffe und andere Sparen von 
Wassertätigkeit beweisen. Mit das großartigste Beispiel der Ver- 
wachsung bildet die Swinepforte zwischen Usedom und Wollin. 
Hier haben sich zuerst an die Inselkerne von Ahlbeck einerseits 
und Misdro}^ andererseits zwei Haken angehängt, die schließlich 
mehr und mehr von beiden Seiten her zusammenwuchsen, nur 
einen gewundenen Flußlauf, el)en die Swiue, zwischen sich frei- 
lassend, deren AUuviouen — bei rückwärtslaufendem Strom er- 
zeugt — weiteres zur Verwachsung l)eitrugen. 

Südlich von der Inselzone im Zentrum der Provinz Pommern 
liegt das Zungenbecken des Odergietschers der letzten Phase der 

Blatt Eiszeit, dessen innerer Teil von dem Haffstausee- 
u. 45. 61. lantl eingenommen wird. Dieses tiefgelegene Gebiet 
wurde, als der Eisrand etwa bei Usedom und Wollin 
lag, wenigstens vorübergehend von einem Schmelzwassersee ein- 
genommen, dessen Uferspuren in der Gegend von Pasewalk nach 
Osten und Nordwesten hin, sowie nördlich von Stettin bei Pölitz 
noch recht deutlich wahrzunehmen sind. Der See floß aber jeden- 
falls bald nach Westen hin ab und wurde von Süden her durch 
flache Schuttkegel der Flüsse mit Sand verschüttet, so daß aus- 
gedehnte, nach dem Haff hin ganz schwach geneigte Sandflächen 
entstanden sind, in die sich S});iter die Flüsse wieder breite 
Betten einschnitten, die in der Gegenwart gänzlich vermoorten. 
Aus dieser Entstehungsgeschichte erklärt sich das heutige Bild des 
Haffstauseelandes. Die Tone des alten Seebeckens und einige 
Tone der tertiären Unterlage werden zur Ziegelfabrikation be- 
nutzt; die Sande und Moorflächen enthielten ziemlich bedeutende 
Lager von Baseneisenstein, welche eine blühende Eisenindustrie 
hervorriefen, zumal das erforderliche Brennmaterial, Holz, in 
reiclister Menge vorhanden war. Diese Eisenindustrie besteht bei 
Torgelow noch heute, ist jetzt allerdings ganz auf die Zufuhr 
sowohl von Alteisen wie der Kohlen angewiesen, die aber auf dem 
Wasserwege leicht und billig erfolgen kann. In der übrigen Heide 
wird fast nuT- der Wald benutzt, Ackerbau ist auf einige wenige 
Dihivialiuseln beschränkt. 



Pommern yg 

Das westlich des Haffstaiiseelandes g-eleg-eue Yorpoinmerii 
besteht aus niedrigen Grundmoränenplatten und ist von breiten 
vermoorten Tälern zerschnitten, die vom Haffstausee- 

, ' Blatt 

land beginnend nach Nordwesten bis in die Ostsee se. 27. 48. 
hinausführen und infolge ihrer Vermoorung und dadurch ^* 
bedingten schweren Überschreitbarkeit immer recht scharfe Schei- 
den zwischen den einzelnen Landschaften gewesen sind. Einzelnen 
dieser Platten sind noch wieder Endmoränenbogeu von etwas größerer 
Höhe (bis zu 125 m) aufgesetzt, so z. B. die stark wallartig er- 
scheinende Moräne südlich der Galenbecker Niederung, die sich 
nach Westen hin über Demniin hinaus ziemlich weit verfolgen 
läßt. Die Diluvialplatten dienen dem Anbau, während die Täler 
im allgemeinen nur der Viehzucht nutzbar gemacht werden können. 
Die Besiedlung ist ziemlich dicht. Die Dichteziffern steigen in der 
Umgebung der Städte und in den bessern Ackerbaudistrikten auf 
etwa 100 pro qkm, um dann freilich wieder auf sandigen Strichen 
bis auf etwa 10 — 20 pro qkm und noch weniger zu sinken. Die 
kleinen Städtchen, die in großer Zahl über das Land verstreut sind, 
haben meist eine ausgeprägte Schutzlage, indem sie mit Vorliebe 
kleine diluviale Kücken aufsuchen, die aus den vermoorten Tälern, 
wenn auch nur um wenige Meter, aufragen. Daneben sind Salz- 
stellen, wie sie sich häufig noch jetzt an der Vegetation leicht er- 
kennbar zeigen, mit Vorliebe zur Anlage gTößerer Städte aufgesucht 
worden und die Salinen, die den begehrten Handelsartikel lieferten, 
waren zum Teil bis ins 19. Jahrhundert im Gange. Der Typus 
des Grundrisses der Städte ist bei allen gleich, es sind alles künst- 
liche Gründungen vom Grundriß der ostdeutschen Kolonialstadt und 
die meisten nicht recht entwicklungsfällig. Stärker aufgeblüht ist 
nur Stralsund, ein einst besuchter Hafen, jetzt aber als solcher 
fast gänzlich bedeutungslos und nur als Übergangsstelle nach Rügen 
von einiger Wichtigkeit. Um so bessei- freilich hat sich sein mittel- 
alterlicher Charakter erhalten und seine Anlage auf einem rings 
noch heute von Wasser umgebenen Holm, der ursprünglich zwei 
Städten Raum bot. ist noch jetzt eines der hübschesten Beispiele 
dieser Art. 

In ihren Siedlungs- und Wirtschaftsverhältnissen gleichen 
die Inseln der Inselzone ganz den benachbarten Teilen von Vor- 
pominei-n, nur daß in der Neuzeit die sich entwickelnden Badeorte 
die Volksdichte gerade der sonst unbewohnten alluvialen Nehrungen 
wenigstens periodisch stark steigern. Die ursprüngliche Bevölkerung 



gQ Norddeutschland 

lebte, wo der Ackerbau nicht möglich war, von der Fischerei, 
die in den Biniieuo'ewässei'ü und auf dem Meere betriebeu wurde, 
soweit niclit die Jung-en Leute von der damals lebhaft blühenden 
Segelschiffahrt der kleinen Küstenstädte in Anspruch genommen 
wui'deu. Das ei'klärt die Möglichkeit der verhältnismäßig starken 
Verdichtung der Bevölkerung auf dem nahezu unproduktiven Darß 
und Zingst, wie wir sie in den großen volkreichen Dörfern dort 
beobachten können, die erst vor wenigen Jahren durch eine Eisen- 
bahn dem Verkehr erschlossen wurden. Das gleiche gilt für Rügen, 
Usedom und Wollin, deren Badeorte jetzt zum Teil auch im Win- 
ter noch bewohnt und benutzt sind. Die Dorf form in diesem ganzen 
Gebiet ist vorwiegend die des Straßendorfes, seltener die des Haufen- 
dorfes, während slawische Siedluugsformen nicht mehr recht erkenn- 
bar sind. Sehr häufig sind Höfe, die im allgemeinen rechteckigen 
Grundriß haben. Bezüglich der Hausformen befinden wir uns hier 
an der Grenze des Sachsenhauses gegen Nordosten, indem es in 
einei' ganzen Reilie von Orten noch typisch ausgelnldet vorkommt, 
in andern erst seit kurzer Zeit verschwunden ist. 

Die Haujitstadt der Provinz Pommern, Stettin (Taf. XXV), 
hat sich ähnlich wie Königsberg da entwickelt, wo der Übergang 
Blatt über den Strom noch möglich war, bevor derselbe sich 
♦»2 iu die Niederungen, Seen und Sümpfe verlor, die seine 
Mündung ins Haff umgeben. Der Plateaurand, auf dem die Stadt 
liegt, ist ungefähr 40 Meter hoch, und die älteste Ansiedlung in 
Gestalt eines Burgwalles ist auf seiner Höhe, die eines wendischen 
Fischerdorfes an seinem Fuiie etwa in der Gegend des heutigcMi 
Neuen Marktes und des Schlosses zu suchen. Um dieses Zentrum 
herum wurde dann die spätere Stadt angelegt, deren Mauern im 
Süden der heutigen Straße Grüne Schanze, im Westen dem heutigen 
l?a,r"adeplatz und im Norden dem Königsplatz und Klosterhof folg- 
ten. Das Straßennetz innerhalb dieses Ringes ist uni-egelmäßiger 
als sonst in Kolonialstädten, weil der steile, von Tälern durch- 
schnittene riatf^aurand nicht die übliche Regelmärngkeit zuließ. 
Auf der aiidei'n Seite der Oder wurde alsbald die dem Handel 
dienende Lastadie gebaut. Diesen Umfang bewahrte die Stadt 
etwa bis 1.S40, woiauf sich dann namentlich nach Süden hin zum 
Bahnhof eine Erweiterung vollzog. Die spätere Bel)auung seit 
1N7.") knüpft an die Mittelpunkte mehrerer Fortanlagen an, 
welche zum urspi-üiiglichen Befestigungsringe der Stadt gehörten: 



Pommern 81 

daher das eigentümliche radiale Netz der Straßen besonders im 
Nordwesten. 

Als Hafen g-enügte die Oder nicht mehr so sehr lauge und es 
mußte alsbald die Xeuanlage in der Oderniederung- geschaffen werden, 
die man jetzt als Freihafen kennt; zwei große, mit allen modernen 
Einrichtungen ausgestattete Hafenbecken, die durch einen direkten 
Durchstich von der Oder her zugängig gemacht wurden. Die in- 
dustrielle Entwicklung der Stadt vollzieht sich in der Gegenwart 
oderabwärts, wo sehr bedeutende Schiffsbau- und andere Anlagen 
zu finden sind, deren Bedarf den Schiffsverkehr im Hafen, ganz 
abgesehen von allem übrigen, immer auf einer bedeutenden Höhe 
halten wird. Die weitere Entwicklung hängt von dem Ausbau 
des G-roßschiffahrtsweges nach Berlin ab, der bestimmt ist, den 
Elbehäfen einen Teil ihres Verkehrs nach der Reichshauptstadt zu 
nehmen. Derselbe ermöglicht es Fahrzeugen von 600 Tonnen 
Tragfähigkeit bis Berlin zu kommen. Er zweigt bei Hoheusaathen 
von der jetzigen Oder ab, ersteigt bei Liepe in fünf Schleusen von 
ie 215 m Länge eine Höhe von 33 m über der alten Oder und führt 
geradlinig nach Westen zur Havel hinüber, ihr dann nach Süden 
folgend, wo im Tegeler See das Hafengebiet von Groß-Berlin er- 
reicht wird. 

Die Stettin am nächsten gelegeneu Teile des Hinterpommer- 
schen Landrückens gehören noch dem Zungenbecken des Oder- 
gletschers au und ihre Gewässer konvergieren daher etwa nach 
der Gegend von Stettin hin. Die Oberflächeuformen sind stark 
bewegt, namentlich in der Umgebung von Stettin selber, wo die 
Erosion zu dem tief gelegenen Odertal hinunter in der Buchheide 
ein typisch jung zerschnittenes Gebiet geschaffen hat. Auf der 
Hochfläche selbst, die etwa .50 bis 60 Meter hoch liegt, erheben 
sich um Stargard herum und nach Osten hin über ßuhuow liinaus 
zahlreiche Drumlins, die ein stark bewegtes Oberflächenbild schaffen, 
nach Süden hin wird dieser Lands(*iiaftstyi)ns der Moränenlandschaft 
mit aufgesetzten Unregelmäßigkeiten und zahlreichen Seeu von der 
Endmoräne begrenzt, die etwa in der Linie Oderberg, Mohrin, Sol- 
din, Berlinchen verläuft, uni dann über Beetz nach Norden hin 
umzubiegen. 

In dem eigentlichen Hinterpommern vcrläull die ^^ i."""»-:«!. 
Hauptmoränenzone mit llrilicii von über 200 Meter in -t«-*«. eu-eö 
einem Abstände von etwa (iO bis 70 km von der Küste, wo- 
durch für die Nordal)dachung des Landrückens ein vergleichsweise 

Braun. 6 



82 Norddeutschland 

starkes Relief bediugt wird. J)ie Entwicklung- dieses ganzen 
Gebietes war so, daß dci' Kisrand sich schrittweise nach Norden 
hin zurückzog, auf jeder Etappe etwa nordwestlich verlaufend. 
Vor dem Eisraude bildeten sich dann Talzüge aus, welche die 
Schmelzwasser aufzunehmen hatten, sie nach Westen hinausführten 
und ihrerseits allmählich von Sandmasseu aufgefüllt wurden, als 
mit dem Schwinden des Eises die Transportkraft der Schmelz- 
wasser aufhörte. So entstanden die sanderfüllten Landschaften 
um Beigard herum und oberhalb Schlawe im Wippertal. Der Ent- 
wicklung entsprechend zerfällt der einzelne Fluß des Hinterpommer- 
schen Entwässerung'snetzes in ungleichartige Laufstrecken, indem 
er einmal ein ehemaliges Urstromtal benutzend ohne rechtes Ge- 
fäll gemächlich dahinströmt, während er andererseits wieder, der 
Basis dieser Urstromtäler von den benachbarten Hohen her mit 
starkem Gefäll zueilend, sich ein junges Tal tief eingeschnitten 
hat. Wie tote Talzüge anzeigen, deren Iterühmtester das von 
Laueuburg über Neustadt nach Westpreußen ziehende, weite Tal 
ist (Taf. XIII), haben jedenfalls auch mehrfache Verlegungen der 
Gewässer stattgefunden. Die geschlossene Grundmoränenlandschaft 
der inneren Teile des Landrückens löst sich nach der Küste zu 
mehr und mehr in einzelne Platten auf, die seit der Litorinazeit, 
der jüngsten Entwicklungsphase der Ostsee, mit dem Meere in Be- 
rührung treten. Es erscheint sicher, daß wenigstens im östlichen 
Hinterpommern das Meer einmal ziemlich weit auf das heutige 
Festland übergegriffen hat, denn die großen Seen wie Lebasee 
und Zarnowitzersee liegen mit ihrem Boden zum Teil um den 
Betrag von mehreren Metern unter dem Meeresspiegel; sie sind 
also wohl eine Zeitlang Meei'esbuchten, etwa vom Typus der Bod- 
den und Föhrdeu der westlichen Ostseeküste gewesen. Die weitereu 
Vorgänge waren dann ähnliche, wie wir sie in Bügen bereits kennen 
gelernt haben. Infolge der Angriffe des Meeres wurden reichliche 
Schuttmengen an der Küste erzeugt und dieselben dann unter dem 
Einfluß der vorherrschenden Winde nach Osten am Ufer entlang 
verschoben. Während durch diese Vorgänge einerseits die Vor- 
sprünge des nisprüuglichen Ufers abgeschliffen wurden, so daß sie 
jetzt mii- noch geringe Hervorragungen im glatten Verlauf bilden, 
wie z. B. Jershöft, wurden gleichzeitig die Mündungen der Meeres- 
buchten durch Ilaken und Nehrungen überbaut und allmählich ge- 
schlossen, so daß ihre Wasserfläche zu Haffen wurde. Heute 
stehen die meisten derselben nur noch durch ein meist stark ver- 



Hinterpomiriern 83 

sandetes Tief mit dem offenen Meere in Verbindung nnd sind für 
jede größere Sciiif fahrt wohl dauernd versperrt. Die Hinter- 
pommersche Küste bietet uns somit das Beispiel einer streng* 
geschlossenen Ausgleichsküste dar, nächst verwandt der Westküste 
von Jütland, nördlich des Inselringes. Die kleinen Hafenplätze, 
die hier noch vorhanden sind, haben fast gar keine Bedeutung 
mehr und dienen im günstigsten Falle einer geringen Küsten- 
schiffahrt; auch die Fischerei wird mit größerem Erfolge in den 
abgeschnürten Haffen als auf dem offenen Meere betrieben. 

Das innere Hinterpommern ist eine abwechslungsreiche diluviale 
Aufschüttungslandschaft mit wechselndem Relief, der ein eigentliches 
Zentrum vollständig fehlt. Erst die Entwicklung der Bahn von 
Stettin über Stargard nach Danzig hat den von ihr berührten Orten 
den Rang von Sammelpunkten, wenigstens des lokalen Verkehrs, 
verliehen. Die Höhen der kuppigen Grundmoränenlandschaft und 
der Endmoräuenstaffeln im Inneren sind in den höheren Teilen 
häufig mit Wald bedeckt und nur teilweise dem Feldbau erschlossen. 
Der steinige Boden gewährt hier bei der erschwerten Anbau- 
möglichkeit durch das im einzelnen stark kuppige Gelände keine 
reichen Erträge mehr, so daß auch die Besiedlungsziffer bis auf 
sehr geringe Zahlen zurückgeht und wir in großen Teilen der 
Seenplatte nur eine durchschnittliche Dichte von etwa 50 Ein- 
wohnern auf den qkm beobachten können, wozu allerdings die 
Verteilung des Besitzes erheblich mit beiträgt (Dichte der Land- 
gemeinden 70, der Gutsbezirke 23 in der kuppigeu Grundmoränen- 
zoue!). An Siedlungsformen ist der Gutshof von streng geschlossener 
rechteckiger Gestalt sehr häufig, die Dörfer sind meist Straßendörfer 
mit zahlreichen Ausbauten im kuppigen Gebiet, die Städte gehören 
dem Typus der deutschen Kolonialstadt mit jnancherlei Abweichungen 
an. Alle diese Verhältnisse sind bis jetzt noch sehr wenig erforscht. 

Ganz anders geartet ist der nach Süden gewandte Abhang 
des Landrückens. Hierhin haben die dem Eisrande entströmenden 
Schmelzwasser die Sandmassen ausgebreitet, die sie aus dem 
Gletscher und seinen Endmoränen ausgewaschen haben, und so 
finden wir hier zwischen dem Zuge der Endmoränen und dem 
Warthe-Netzetal ganz allgemein von Sandflächen rings umschüttete 
und verschüttete Moränenlandschaften, die ihrerseits einer Zeit 
ihre Entstehung verdanken, als der Eisrand bedeutend südlicher 
lag. So gehcirt der südliche Ablinng des Landrückens zu 
den einförmigsten Landstrichen Xorddeutschlands im Osten der 



84 Xorddeutscliland 

p]lbe, sind doch diese Saudfläclieu kaum zu etwas anderem als 
zur P'orstkultur «zceigiiet und infolge der sorgfältigeu Auswahl 
der Foistverwaltung unter den nutzbaren Bäumen fast ganz mit 
ein und demselben Bestände, nämlich von Kiefern, überzogen 
(Tucheier Heide 1920 qkm). Die Yolksdichte sinkt auf 32 Be- 
wohner auf den qkm. Die kleinen Städtchen sind, sofern sie nicht 
in den nicht verschütteten Teilen von Moränenlandschaften liegen 
und dadurch Mittelpunkte für ein Ackerbaugebiet wurden, meist 
von noch gei'ingerer Bedeutung als ihre Schwestern auf dem Nord- 
abhang, und erst die Entwicklung der Verkehrswege hat einigen 
derselben, wie Schneidemühl und Konitz, einen A^irrang vor den 
anderen verliehen. Im Osten sammelt Dirschau die ganzen Ver- 
kehrswege eines Halbkreises, um sie über die Weichsel hinüberzu- 
füliren. 1850 bis 1857 wurde die erste über 800 m lange Eisen- 
balmbrücke erbnut. damals als ein Wunderwerk der Technik an- 
gesehen, heute nur noch dem Fahrverkehr dienend, während die 
Züge auf einer neuen Brücke etwas w^eiter nördlicli fahren. Der 
Brückenbau hat das Aufblühen der Stadt, die früher bei Eis- 
gang die Beisenden oft wochenlang beherltergen mußte, beschleu- 
nigt: sie leltt von dem «Toßen Bahnhof und ein wenig- Industrie. 



Die Schleswig -holsteinisch -mecklenburgische Region 

Wir wenden uns nunmehr der Betrachtung der dritten der 
norddeutschen Begionen zu, die aus Vorpommern über Mecklen- 
burg' bis an die dänische Grenze etwa hinüberstreicht und dadurch 
vor den andern ausgezeichnet ist, daß nicht nur eine oder zwei 
Lücken durch den Landrücken hindurch nach Süden einen be- 
quemen Verkehr ermög"licheu, sondern daß es dem Menschen ge- 
lungen ist, hier mehrere, allerdings künstliche Verkehrswege her- 
zustellen, die das Aufblühen einer ganzen Reihe von Orten au 
der Ostseeküste liedingt haben, deren Zahl es nicht zur Ausbil- 
dung eines so beheri'schenden Vororts kommen ließ, wie es Stettin 
z. B. für die Pommersche Region ist. 

Das allgemeine Bild der Landrücken und ihres nördlichen Vor- 
landes erhält liier seine besondere Ausgestaltung durch das tiefe 
Blatt J^ji ligreifen des Meeres in die zentralen Teile des 
10.23 Landrückens selbst hinein, die jedenfalls eine Folge 
einer hier im Westen gegenüber dem Osten stärkeren Senkung 
des Landes ist, sind doch die ganzen Höhen hier zum Teil um 



Schleswig -Holstein 85 

200 Meter g-eringer als sie es im östlichen Norddentschlaud sind, 
ohne daß sich Verhältnisse erkennen ließen, die eine Ursache für 
diese Abweichung geben könnten. Die Folge dieser Verschiebung 
der Höhenlage des Landes gegenüber dem Meere ist die Ausbil- 
dung der zahlreichen Meeresbuchten, die wir als Föhrden be- 
zeichnen. Die Föhrden sind ertrunkene Täler der inneren Teile 
eines Landrückens und je nach der Gestaltung dieser Täler ist 
ihr Aussehen so verschieden, wie es uns die Schlei und die 
Eckernföhrde zeigen. Es läßt sich direkt nachweisen, daß ein 
stärkeres Eintauchen des Hinterpommerschen Landrückens eben- 
falls zur Bildung von Föhrden Veranlassung gegeben haben würde; 
mit Hilfe der Karte 1 : 200000 läßt sich dieses Experiment jeder- 
zeit vollführen und man erhält dabei den Föhrden durchaus ähn- 
liche Formen, so daß ich nicht anstehe, das Odertal unterhalb 
Stettin bis zu seiner Mündung ins Haff als eine Föhrde, die letzte 
nach Osten hin, aufzufassen. 

Die Einwirkung des Meeres auf den durch diese Senkung ge- 
schaffenen Küstent3T)us ist sehr gering. Die Ursache dafür ist 
darin zu suchen, daß die Küsten der westlichen Ostsee sehr ge- 
schützt liegen; Westwinde kommen gar nicht zum Eingriff und 
gegen Ostwinde schützt fast überall die Nähe von Oegenküsten, 
in diesem Fall der dänischen Inseln. Die Folge des tiefen Ein- 
dringens des Meeres in den Höhenrücken ist es. daß die End- 
moränen hier gleich hinter der Küste in der Nähe der Föhrden 
liegen. Es handelt sich hier nicht um einen einheitlichen Wall, 
sondern um eine Menge kleiner Staffeln, die zum Teil allerdings 
als prächtige Höhenzüge mit linearer oder bogenförmiger Er- 
streckung erscheinen, me die Hüttener Berge und die Endmoränen 
von Duvenstedt nördlich von Rendsburg. Ln ganzen ist die Un- 
regelmäßigkeit in der Zone zwischen Endmoränen und Küste sehr 
groß und das Land wird äußerst unübersichtlich dadurch, daß die 
Felder hier mit den sog. Knicks umgeben werden, d. h. mit Erd- 
wällen, auf denen eine lebende Hecke meist stachelbewehrter Ge- 
wächse gedeiht, in der Neuzeit häufig im Tunern noch einen 
Drahtzaun bergend. Damit wird die Koiiimunikation zwischen den 
einzelnen Feldstücken nahezu unmöglich. Die Besiedlung ist eine 
zerstreute, das Hofsj'stem stark ausgel)ildet. 

Die kleinen Städte finden sich alle im Hintergrund der in das 
Land einschneidenden Meeresbuchten als natürliche Vermittler des 
Verkehrs mit den Ackerbauprodukten ihres Hinterlandes: von ihnen 



H() Nordileutsclilaiid 

allen ist nur Kiel stäi'ker aufg'ciblüht. weil im Kidertal hier eine 
der natürlichen Lücken vorhanden ist, die sclion in älterer Zeit 
den Verkehr nach dei' Nordsee hinüber ermöglicht hat. Bereits 
1777 bis 1784 wur(U> der erste Kanal auf dieser Strecke angelegt 
und zwar als sog. ..Eiderkanal" auf der Strecke Töuning — Rends- 
Iturg — Holtenau. Er vermochte wegen der Ungeeig'netheit der 
Eider und der mangelnden Entwicklungsfähigkeit von Tönning als 
Hafenplatz bald nicht mehr zu genügen und büßte allmählich seinen 
Verkehr völlig ein. Als dann später nach Errichtung- des Deut- 
scheu Reiches marinepolitische Gesichtspunkte mit in Frage 
kamen, wurde ein neuer Kanal gebaut, der ebenfalls von Holtenau 
ausgehend zuerst dem Zuge des alten Eiderkanales folgte, ihn 
dann aber dort verläßt, wo die Eider nach Norden abl)iegt, und 
selbst nach Südwesten hin gerichtet bei Brunsbüttel die Elbe er- 
reicht. Dieser neue Nordseekanal wurde 1887 bis 1895 erbaut 
und erhielt bei nahezu 100 km Länge eine Tiefe von etwa 9 Meter. 
Wegen des Unterschiedes in den Wasserständen zwischen der 
Nordsee und der Ostsee mußten im Zuge des Kanals zwei Schleusen 
angebracht werden,' von denen die eine bei Holtenau, die andere 
bei Brunsbüttel gelegen ist. Der Verkehr auf dem Kanal betrug 
im Jahre 1910 43 300 Schiffe mit 7230000 Register-Tons. Es 
stellte sich auch hier heraus, daß der Kanal in seinen Abmessungen 
nicht mehr genügt und so ward in der Gegenwart eine bedeutende 
Erweiterung und Vertiefung durchgeführt. 

Die zweite natürliche Lücke durch den Landrücken im innersten 
Winkel der Ostsee bietet sich bei Lübeck. Sie wurde, schon lange 

Blatt be\'or der Eiderkanal angelegt war, für den Wasserver- 
*' kehr nutz))ar gemacht, indem bereits in den Jahren 1391 
l)is 1398 von Lübeck aus der „Stecknitzkanal" erbaut wurde, der 
bestimmt w'ar, einen Teil des Elbeverkehrs nach der Ostsee hin 
abzulenken. Seine Erbauung wurde von größtem Einfluß auf die 
Entwicklung der Stadt Lübeck (Taf. XXVI, Abb. 1), die 1143 an 
ihrer jetzigen Stelle gegründet worden w^ar. Lübeck gehört wieder 
dem Typus der deutschen Städte an, wie wir sie so häufig bereits in 
Vorpommern landen: die Stadt erhebt sich auf einem in nordsüd- 
licher Richtung lang gestreckten, 15 m hohen, rings von moorigen 
Senken umgeb(;nen Hügel, der feisten Baugrund, Wasser und Schutz 
vor Überfällen bot. Auf dem Stadthügel von Lübeck, den im Westen 
die Trave, im Osten die Wakenitz umflossen, der noch heute un- 
v(!rändert erkennliai' ist, liegt die älteste Stadtanlage ganz im 



Lübeck 87 

Südeu, die Burgaulage der Laudesherren ganz im Norden, wo sie 
den Zugang von dem hier sich weiter erstreckenden Hügel sperrt. 
Alhnählich wuchsen dann durch Ansiedlung von Kaufleuten und 
Handwerkern diese verschiedenen Teile zusammen und gleichzeitig 
wurde der Stadthügel durch Aufschüttungen nach den Seiten hin 
erweitert. Die Stadt erlebte ihre Blütezeit, von der die Fülle 
herrlicher Bauten in ihrem Inneren noch heute sichtbar zeugt, 
schon in der Mitte des 14. Jahrhunderts, als sie über die ganze 
Ostsee hin gebietend dastand. Mit dem Aufblühen der nordischen 
Königreiche und Städte, mit dem Abschwenken des Weltverkehrs 
von den Binnenmeeren erlosch ihre Bedeutung und im neuen deut- 
schen Reiche war sie nur ein Ostseehafen unter anderen, bis sie 
sich Ende des 19. Jahrhunderts entschloß, die Verbindung zur 
Elbe zu verbessern und damit der Elbe und ihrem reichen Hinter- 
land gleichsam eine Mündung in die Ostsee zu geben. Der 67 km 
lange Elbe — Trave-Kanal, der in 12 m Höhe die Wasserscheide mit 
Hilfe von 7 Schleusen überwindet, wurde 1900 eröffnet. Der Ver- 
kehr stieg von 1901 mit 253000 Tonnen Ladung auf 6.50000 Tonnen 
1910. Ungefähr gleichzeitig wurde die Industrie herbeigezogen und 
unterhalb der Stadt am linken Traveufer bedeutende Landflächen 
für sie bereit gestellt, auf denen sich jetzt bereits ein Hochofen- 
werk, eine Ölmühle und viele andere Fabriken erheben. Das 
schlechte Fahrwasser der unteren Trave konnte so weit verbessert 
werden, daß jetzt Schiffe von 8 m Tiefgang bis zur Stadt kommen 
können. Unmittelbar im Westen der Stadt, in der Trave selbst, 
liegen die Anlegeplätze der Seedarapfer, die Personenverkehr und 
Stückgutverkehr in regelmäßigen Fahrten vermitteln. Unterhalb 
folgen die Holzlager, an der Wakenitz im Osten der Stadt der 
Kanalhafen; noch weiter unterhalb sind zwei Freihafenbecken pro- 
jektiert. Der Verkehr nach Norden und Osten verleiht dem 
lübeckischen Handel seine besondere Note, Einfuhr von Holz und 
Erzen von dort, Ausfuhr von Düngemitteln, Kolonialwaren und 
Industrieprodukten dorthin bilden seine Stützen. 

Ganz anders gestaltet als die Innenseite des Landrückens ist 
das äußere Vorland desselben z\\ischen den Endmoränen und der 
Marschenzone, mit welcher die Küste beginnt. Es han- Biatt 
delt sich hier um ähnliche Erscheinungen, wie wir sie '• ^- -- 
bereits auf der Südseite des pommerschen Landrückens kennen ge- 
lernt haben, nämlich ausgedehnte Sandflächen, die von den Schmelz- 
wassern der Flüsse abgelagert sind, welche dem Eisraud entströmten. 



88 Norddeutscliland 

Es schalten sich hier aber zwischen diese Sandflächen g-roße 
Moorniedernngen ein, die eine Folge des weit fenchteren Klimas 
bei unentwickelter Entwässerung' sind und die das erste Anzeichen 
bedeuten, daß wir uns nunmehr Westdeutschland nähern, wo diese 
Oberflächenformen eine so sehr bedeutende Rolle spielen. Die 
Besiedlung ist sehr dünn und große Teile der Sandflächen liegen 
als öde Heiden da, die höchstens der Viehzucht nutzbar gemacht 
werden können. 

Der östlich der Elbe-Trave-Senke gelegene Teil der Lübischen 
Region, den wir als Mecklenburg- bezeichnen, entsi)richt im großen 
Blatt ganzen in seinem Aufl)au den weiter östlich gelegenen 
25. 4i>. 43. Teilen des Landrückens. Im Innern sind vier End- 
moränenzüge entwickelt, von denen der südliche Haupt- 
zug am Südende des Planer und Schweriner Sees vorbeizieht, der 
nördliche etwa bei Wismar anfängt, bei (Güstrow vorüber nach 
Waren und Feldberg nach Pommern hineinzieht. Außer diesen 
beiden Zügen bilden die Ruhnerberge mit 1 78 Metern jedenfalls 
noch den Rest eines dritten Zuges. Orograi)hisch treten diese 
Moränenzüge zum Teil gut und stark hervor und bedingen die 
durchschnittlich noch ziemlich beträchtliche Höhenlage der Seen- 
platte, die im übrigen in ihrem landschaftlichen Aussehen durch- 
aus dem Charakter der andern Teile des Landrückens in Nord- 
deutschland gleicht. Ähnliches gilt von der inneren Zone zwischen 
Landrücken und Küste, wo wir wieder niedrige Platten aus dilu- 
vialem Material aufgebaut finden, zwischen denen breite Täler, die 
heute nur von kleinen Flüssen benutzt werden, zum Meere hinunter- 
ziehen. Die Küste selbst ist in ihren den Westwinden ausgesetz- 
ten Teilen, etwa von Heiligendamm nach Osten hin, bereits recht 
gut ausgeglichen, gegen die Lübecker Bucht hin aber noch durch 
vorgelagerte Inseln gegliedert. Im Unterlauf der Warnow mischen 
sich östliche und westliche Küstenformen, indem der Unterlauf von 
Rostock bis zum Breitling als eine Föhrde, der Breitling selber 
als ein Bodden aufzufassen ist, den eine Nehrung mit dem Tief 
bei Warnemünde vom Meere trennt. 

Die erste Besiedlung Mecklenburgs, die ihre Spuren im heu- 
tigen Landschaftsbild hinterlassen hat, ist die wendische, die vor- 
wiegend die Strecken leichteren Sandbodens einnahm. Ihr folgte 
im frühen Mittelalter die deutsche Kolonisation. Die Dorfformen 
sind infolgedessen gemischt, neben den slavischen Dörfern kommen 
deutsche Straßendörfer vor und der Grenzzone entsprechend sind 



Mecklenburg 89 

auch Rimdlinge entwickelt. Ihr Haus brachten die Deutschen mit, 
das Sachsenhaus herrscht durchaus vor und auf seinem Grunde 
hat sich auch das Stadthaus in Niederdeutschland entwickelt, das 
in seinen ursprüngiichen Formen eine ganz ähnliche Raumeinteilung- 
bietet. Im Gegensatz zu andern Landesteilen aber ist es auffällig, 
wie arm Mecklenburg an eigentlichen Dörfern ist. An der Küste 
sind einige Fischerdörfer vorhanden, aber die Bauerndörfer im 
Innern sind fast ganz von den Gütern aufgesogen worden. So 
ist der Gutshof von meist rechteckigem Grundriß mit einem an- 
schließenden kleinen Gutsdorf die vorwiegende Besiedlungsform. 
Entsprechend dem Vorwalten des Großgrundbesitzes ist auch die 
Volksdichte sehr gering, sie sinkt auf dem Laudrücken in der Gegend 
des Müritz- und Flauer Sees unter 25, steigt aber auf dem ganzen 
übrigen Lande selten über 50 Einwohner auf den qkm. 

An die Stelle der Dörfer treten gewissermaßen die vielen 
kleinen Städte, die das innere Mecklenburg gerade wie das Innere 
von Vorpommern enthält und deren übergroße Zahl sich nur aus 
der historischen Entwicklung verstehen läßt, indem sie anfangs 
wertvolle und notwendige Stützen des vordriugeudeu Deutschtums 
gewesen waren. Heutzutage haben die meisten dieser kleinen Land- 
städte ihre frühere Bedeutung ganz verloren, ihre Entwicklung 
steht nicht nur still, sondern ein großer Teil von ihnen geht an 
Einwohnerzahl sogar zurück. Sie leben von dem Kleinhandel mit 
den umliegenden landwirtschaftlichen Bezirken, deren Bedürfnis 
aber eben infolge des Vorwalten des Großgrundbesitzes und der 
dadurch bedingten geringen Volksdichte nur sehr klein ist. Einige 
Entwicklung zeigen nur die Hafenplätze und unter ihnen auch fast 
nur Rostock. Wismar, das an sich sehr günstig liegt und Inder 
Richtung des Schweriner Sees eine nur 37 Meter hochgelegene 
Verbindung über den Landrücken hinweg ins Elbegebiet hat, ist 
gleichwohl ganz zurückgeblieben, was sich mit aus den politischen 
Verhältnissen erklärt, da Wismar lange Zeit hindurch in schwedi- 
schen Händen war und somit von seinem natürlic-hen Hinterland 
mehr oder weniger abgeschlossen blieb. Rostock seinerseits hat 
sich an der Warnow wiederum da entwickelt, wo ein hohes Ufer 
Schutz und eine Ansatzstelle für den Übergang über das sehr 
breite Tal bot, der weiter unterhalb nicht mehr möglich war. Der 
Stadtplan von Rostock zeigt noch heute sehr deutlich die inter- 
essante Tatsache, daß die Stadt aus drei verschiedenen Städten 
zusammengewachsen ist, die sich nebeneinander, jede nach dem 



90 Norddeutschland 

typischen Scliciiia der osUleutsehoii Kolonialstadt, entwickelt hahen 
und spät(u- in eiuein Jienieiiisamen Mauerrino-, der heute noch zum 
tiToßen Teil erhalten ist, miteinander verbunden wurden. Die 
h(Miti<>e Entwicklunii' der Stadt bildet nach Norden und Westen 
liin eine Reihe von Vorstädten, wfihrend die Industrie sich am 
Uler der Warnow abwärts hin ansiedelt. Es ist da vornehmlich 
die sehr bedeutende Schiffbauindusti-ie zu (^-wähnen, die sich hier, 
wohl gestützt auf •»■üustige Arbeiterverhältnisse, überraschend g-ut 
entwickelt hat und mit ihren Bedürfnissen natürlich auch den 
Hafenverkehr stark belebt. Der Vorhafen von llostock, Warne- 
münde, hat außer als Seebadeort in der Neuzeit große Bedeutung- 
dadurch erlangt, daß er Ausgangspunkt für den Fährverkehr von 
Deutschland nach Dänemark hinüber wurde, der eine Ijedeutende 
l'mgestaltung der Hafenaulageu und des Fahrwassers mit sich 
brachte und so das Landschaftsbild des alten Warnemünde, wic^ 
es sich am ..Strom'- noch erhalten hat. ganz bedeutend veränderte. 

Nordwestdeutschland 

Fanden wir bisher wesentlich die Verteilung von hoch und 
tief als grundlegend für die Gestaltung des Landschaftsbildes, so 
wird das in Nordwestdeutschland, das wir nunmehr betreten, ganz 
anders. Nicht mehr die Gegensätze in der l^odenplastik, sondern 
vielmehr die in dem Zustand des Bodens hinsichtlich seiner Trocken- 
heit und Feuchtigkeit werden wichtig. 

Der allgemeine Aufbau des Nordwestens von Deutschland ist, 
wie schon erwähnt wurde, der, daß die großen Zonen, die ^^^r 
weiter östlich im Inneren des Landes finden und die an der Ost- 
see dem Meer parallel streichen, sich hier in einem Bogen der 
Küste zuwenden, und so dem Meere den Eintritt in ihre niedrigeren 
Teile gestatten. lu Schleswig-Holstein bildet der Baltische Land- 
i-ücken die Scheide zwischen Ostsee und Nordsee: südlich von ihm 
dringt im Elbetal das Meer mit seinen Gezeiten weit ins Land 
ein. Bis Kuxhaven reicht der Landrücken, der aus dem Posener 
Lande durch die Mark hindurch als Fläming und weiter als Lüue- 
burger Heide sich verfolgen läßt; wiederum öffnet sich südlich von 
ihm eine breite Niederung, in welche das Meer in der Wesermün- 
dung und im Jadebusen hineingreift. Der letzte der Landrücken 
auf deutschem Gebiete schließlich ist die Geest von Ostfriesland, 
die freilich in ihrem Aufbau nicht mehr so geschlossen ist, wie 



Der Xoi'd Westen 91 

die östlicheren Landrücken. Einzelne Ausläufer derselben bilden 
schließlich die Kerne der vorgelagerten Inseln im nördlichen Fries- 
land. während die ostfriesischen Inseln rein Ktorale Gebilde sind, 
aus dea^ allmählichen Entwicklung der Küste hervorgegangen. 
Diese Entwicklung haben wir uns vielleicht folgendermaßen zu 
denken. 

Der Boden der Nordsee war wohl noch in postglazialer Zeit 
zu einem großen Teile Festland und war dies jedenfalls im Be- 
reich der deutschen Küste, wie die zahlreichen Funde ^j^^^^ 
von Baum Überresten und anderen Landprodukten am 3. s. 9. 22. 
Boden des heutigen Meeres beweisen. Das Meer kam ^'~'^^' ^*-*»'' 
in die Gegend der heutigen Ufer durch eine Landseukuug und 
griff dabei an manchen Stellen, vielleicht überall, weiter ins 
Land hinein als es das heute tut; sind doch z. B. am inneren 
Rande von Dithmarschen unzweifelhafte Spuren eines früheren 
Ufers nachgewiesen worden. Das eintauchende Land war aber 
so flach, daß sich die Hauptmeerestätigkeit auf einer Zone etwas 
vor der heutigen Küste vollzog, wo das Meer eine Reihe von 
Strand wällen auf warf, aus denen sich langgestreckte Lidi ent- 
wickelten, die liinter sich schmale Lagunen absperrten. Wo Insel- 
kerne vorhanden waren, wie auf Fauö, Rom, S\\i und Amrum, da 
wurden diese natürlich zum Ansatzpunkt der Anschwemmungen, 
die sich zunächst in Hakengestalt beiderseitig an sie anlehnten. 
In den Lagunen hinter diesem Anschwemmungssaum kam es zur 
Bildung von Marschen, d. h. einem Verlandungsvorgang, der durch 
Pflanzen und absterbende Tiere stark gefördert wird, wovon näher 
noch später zu reden sein wird. Im Laufe der allmählichen Ent- 
wicklung durchbrach jedenfalls das Meer die früher gebildeten An- 
schwemmungen an vielen Stellen und vernichtete das Marschen- 
land, das sich niedrig und ungeschützt an der Stelle der Lagunen 
ausbreitete. Die stehenbleibenden Stücke der Lidi und Nehrungen 
wurden zu Inseln, den heutigen nord- und ostfriesischen Inseln, 
während dahinter sieh ein flaches Meer ausbreitet, dessen Wasser- 
niassen von Ebbe und Flut heftig hin- und hergezerrt werden und 
das an den Resten der Marschländer nagt, soweit dieselben nicht 
jetzt künstlich geschützt werden. Auf diese Weise entstehen also 
drei Klassen von Inseln, die wir alle an der deutschen Nordsee- 
küste vertreten finden. Elrstlich einmal diejenigen, die aus Resten 
der zerstörten Lidi hervorgegangen sind, dazu gehören die ganzen 
ostfriesischen Inseln, zweitens diejenigen, die noch Inselkerne 



92 Norddeutschland 

enthalten, dnliin g'eliören von deutschen Inseln Rüni, Sylt, Aiurum 
und Führ; die letzte Klasse schließlich, die nur aus Resten des 
untergeg-angenen Marschenlandes besteht, bilden die Halligen. 

Das Aussehen der Glieder dieser verschiedenen Klassen ist 
nun ein recht verschiedenes: die ostfriesischen Inseln sind niedrig- 
mit großen Dünenbildungen und nehmen in ihrem Grundriß unter 
dem Einfluß der kräftig* einwirkenden Gezeiten und der Brandung 
allmählich eine stark gekrümmte Form an, deren äußere Wölbung 
dem Meere zugekehrt ist. Der Typus dieser Formen ist Borkum. 
Für die Inseln, die einen Landkern haben, möge uns Sylt als 
Beispiel dienen: sein Mittelteil liegt bis gegen 30 m hoch, ist mit 
Heide bedeckt oder dient stellenweise dem Ackerbau, auch sind 
die meisten Dörfer auf diesem hohen Lande zu finden (Keitum, 
Morsum u. a.). Randlich endet der Kern gegen das Meer hin in 
einer steilen Wand, einem Kliff. Die beiden sich im Norden und 
Süden anhängenden Haken aber tragen ihrerseits ganz den Cha- 
rakter der ostfriesischen Inseln, es sind niedrige Landstriche, die 
aber mit hohen Dünen besetzt sind, von großer Einförmigkeit und 
Ode, und nur ein einziges kleines Fischerdorf ist im Norden der 
Insel auf diesen Hakenbilduugen zu finden. Ähnlich wie Sylt 
sind auch die andern nordfriesischen Inseln gestaltet, immer ist 
der Gegensatz zwischen dem heidebedeckten, dem Ackerbau dienen- 
den und bewohnten Laudkern und den Düuengebieten der jüngeren 
Anschwemmung ein sehr scharfer. 

Die dritte Klasse schließlich, die Halligen, sind z. T. wie Hooge 
(Taf. XXI, Abi). 2), Gröde, Nordstrandischmoor winzige Inselchen aus 
fettem Marschboden bestehend, die sich nur wenig über das Niveau 
des Meeres bei Hochwasser erheben. Sie dienen ausschließlich der 
Viehzucht, die durch den Wassermangel aber auch erschwert ward, 
da die Zisternen, in denen das Regenwasser sich sammeln soll, 
gelegentlich vom Meer überflutet werden und ihr Wasse.r dadurch 
ungenießbar wird; erst Brunnenbohrungen in der Neuzeit haben 
da bessere Verhältnisse schaffen können. Der geringen Höhenlage 
der Oberfläche der Inseln wegen müssen die Bewohner ihre Häuser 
auf künstlichen Erhöhungen anlegen, solange kein Deich die Inseln 
umzieht. Diese „Würfen" nehmen dann bei Sturmflut und Hoch- 
wasser die ganze Bevölkerung der Insel auf und ragen allein aus 
den tosenden Meeresfluten empor, einem Schiff vergleichbar, und 
nicht ehei- ist die Gefangenschaft der Bewohner beendet, als bis 
das Meer zurücktritt, wenn nicht schon vorher der augeschüttete 



Die Nordseeküste' 93 

Hügel seinen AngTiffen erlegen ist und damit das Scliicksal der 
Bewohner besiegelt. Die größeren, wie Pelhvorm und Nordstrand, 
sind jetzt eingedeicht. 

Hinter und zwischen den Inseln liegt das unruhige flache 
Wattenmeer, das mit der Ebbe fast in seiner ganzen Ausdehnung 
trocken läuft. Das Ausströmen des Wassers vollzieht sich in den 
schmalen Kanälen zwischen den Inseln mit großer Heftigkeit, und 
durch den Ebbestrom werden an diesen Stellen oft sehr tiefe Kinnen 
ausgefurcht, so z. B. nördlich von S3'lt eine Rinne von über 20 Meter 
Tiefe, eine Tiefe, wie sie in der Nordsee erst 40 km weiter west- 
lich wieder erreicht wird. Diese tiefen Rinnen bieten — abge- 
sehen von den Flußmündungen — die einzigen Zufahrtswege für 
die Schiffahrt hinter die schützenden Inseln, sind aber auch nicht 
ohne Gefahr passierbar, weil der auslaufende Strom das aus dem 
Innern des Wattenmeeres mitgeführte Material an Sinkstoffen 
faUen läßt, sobald er das freie Meer außerhalb der Inseln erreicht. 
So finden sich denn deltaförmig angeordnete sehr gefährliche Sand- 
bänke vor der Mündung der einzelnen Einlaufe. 

Die erste Zone, die wir an der Küste hinter dem Wattenmeer 
erreichen, ist die Marschenzone. Die Marschen bestehen aus 
Schlick (kulturell „Klei" genannt), den Resten abgestorbener Orga- 
nismen, welche durch das Zusammentreten von Süß- und Salzwasser 
an der Mündung der Flüsse abgetötet werden, wozu dann noch 
meist sehr feines anorganisches Material kommt. Die Ablagerung- 
aller dieser feinkörnigen Baubestandteile des fetten Bodens der 
Marschen geschieht wesentlich mit Hilfe gewisser salzliebender 
Pflanzen, die sich auf dem noch vom Meer tiberspülten Boden an- 
siedeln und deren Stengel die lockeren Stoffe festhalten, wenn sie 
der Ebbestrom wieder ins Meer hinaus zu entführen droht. So 
wächst ganz allmählich der Boden in die Höhe, bis er nur noch 
bei hohem und höchstem Hochwasserstand überflutet wird. Damit 
ist natürlich seine Bildung abgeschlossen, soweit sich nicht Moor- 
pflanzen auf ihm ansiedeln. In der Gegenwart und schon lange im 
Mittelalter greift der Mensch nun in diese natürlichen Verlandungs- 
prozesse ein, indem er die Tätigkeit der Pflanzen durch Anlagen 
künstlicher Hindernisse, Fangdämme, Pfahlreihen und ähnliches 
unterstützt, später den über das Meer auftauchenden Boden als- 
bald zuerst mit einem leichten, einem sog. Sommerdeich, umzieht, 
der die Nutzung wenigstens als Weide im Sommer gestattet, und 
später einen Winteixleich herumlegt, der nun das Land gegen alle 



94 * Norddeutschland 

Angriffe des Meeres zu schützen bestinuiit ist. Auf diese Weise 
sind die Marschen entstanden, die mit verschiedenen Namen g:e- 
nannt fast die ganze deutsche Nordseeküste umsäumen, an der 
nur an einer einzigen Stelle (bei Kuxhaven) das hohe Land, die 
(Jeest, unmittelbar ans Meer herangeht. 

Unter Geest versteht man in den Küstengebieten der Nord- 
see das hohe trockene Land, das in der Eegel aus diluvialen 
Sandmassen aufgebaut ist, deren Oberfläche durch Wind Wirkung 
mit Dünen besetzt ist. Infolge der Durchlässigkeit des Sandes 
versinkt in der Geest alles Wasser rasch, die Oberfläche ist 
trocken und es können sich nun diesem Zustand angepaßte Vege- 
tationsformationen auf ihr entwickeln, vornehmlich Heide, gelegent- 
lich auch dürftige Wälder, die sich aber durch die Verfestigung 
des Sandes in tieferen Schichten durch Hunuissäuren (Ortstein- 
bildung) bald selbst zugrunde richten. Die Siedlungen meiden im 
allgemeinen die unfruchtbare Heide, suchen aber häufig randlich 
angelegt den Schutz des trockenen Bodens auf. 

Die großen in die Nordsee einmündenden Flußtäler von 
Elbe und Weser zeigen ziemlieh den gleichen Bau, indem die 
Blatt Geesthöhen auf beiden Seiten trichterförmig nach der 
40. 5G. 67 gg^ j^jjj auseinandertreten, wodurch die Marsch weit ins 
Innere des Ijandes eingreifen kann. So liegt an der äußeren Elbe 
rechts Dithmarschen, dann die Wilster Marsch, links das Land 
Hadeln, dann Kehdingen mit dem großen der Marsch aufliegenden 
Moor, das Alte Land und schließlich oberhalb Hamburgs u. a. 
zwischen den Eibarmen die b(dcannten Vierlande. An der Weser 
finden wir entsprechend außen Wursten südlich Osterstade, auf 
dem linken Ufer Butjadingen und das Stedinger Land. 

Alle diese Lande sind anthropogen und bieten dasselbe ein- 
förmig grüne Bild dar, in welchem die Deiche und die linear an- 
geordneten Siedlungen die größten Erhebungen sind. Der Deich, 
außen flach, nach innen steiler abfallend und sorgfältig mit ge- 
pflegtem Rasen überzogen, umschließt lückenlos das ganze Land. 
Seine Höhe lichtet sich nach der größten beobachteten Fluthöhe, 
an der deutschen Küste der vom 4. — 5. Februar 1825, und be- 
trägt 3 — 7 m über dem Gelände, auf dem er steht. An sehr aus- 
gesetzten Stellen tritt an die Stelle des Rasens zur Befestigung 
der Außenseite Flechtwerk von Stroh oder Weiden oder schließ- 
lich Pflastenum- mit Steinen. Den besten Schutz des Deiches aber 



Die Marschen 95 

bietet das infolge der regelmäßigen Überschwemmungen immer 
höher wachsende Vorland. 

Die einzigen Lücken im Deich dienen der Entwässerung- der 
Marschen: es sind die sog. Siele, Kanäle, welche unter dem 
Deich hindurchführen, die durch selbstschließende Tore gegen den 
Eintritt der Flut geschützt sind. In ihnen sammelt sich das ganze 
Gräbennetz der Marschen mit Abfluß nach dem Meer zur Ebbe- 
zeit, damit auch der auf den Gräben sich vielfach bewegende 
Verkehr, so daß oft Siedlungen an solchen Sielen entstehen 
(KaroKnensiel u. a.). Liegt aber die Marsch tiefer als Mittel- 
wasser, so muß künstliche Entwässerung mit Hilfe von AVindmühlen 
oder Dampfkraft eingreifen. 

Die ältesten Siedlungen des Marsclilandes ziehen sich an 
der Geest hin, mit Vorliebe alte Strandwälle und Dünen der frühe- 
ren Binnenküste benutzend, wie z. B, V^^arfer Donn, St. Michaelis- 
donn und die 11 km lange Siedlungsreihe zwischen Bargen und 
Lehe nördlich Heide in Dithmarschen. In den Marschen selbst 
liegen die älteren Dörfer auf Wurteu, wie Wesselburen, Süder 
V^^öhrden, Marne ebenfalls in Dithmarschen. Die jüngeren Orte 
schließen sich an die Deiche an und begleiten sie auf lange 
Strecken. Erst in den jüngsten Koogen befinden sich auch Einzel- 
siedlungen auf nicht erhöhtem Boden. 

Erst nach Durchschreiten der Marsch erreicht man sowohl im 
Ems- wie im W^eser- und Elbtal den Fluß, der seine charakte- 
ristische trichterförmige Gestaltung durch das Eindringen des 
Hochwassers bis weit über Emden, Hamburg und über Bremen 
hinaus und das regelmäßige Wiederabströmen desselben erhält. 
Oberhalb der Gezeiteuzone mäandern die Flüsse, was am stärksten 
an der Ems oberhalb Leer hervortritt. Das Fahrwasser, das sie 
bieten, ist infolge der starken Strömung und der von ihr hervor- 
gerufenen Sandtransporte im natürlichen Zustand ungewöhnlich 
schlecht, und es hat erst eines starken Eingreifens des Menschen 
bedurft, um wenigstens die Elbe zu einer Fahrstraße des Welt- 
verkehrs auszugestalten, die es bei Hochwasser auch den größten 
Fahizeugen gestattet, ))is in den Hafen von Haiiil)urg selbst hinauf- 
zukommen, wovon nur einige Passagierdampfer (h'r schnelleren und 
regelmäßigeren Abfertigung wegen keinen Gebrauch machen, die 
von Kuxhaven abfahren. 

Hier an der Elbe hat sich an einer Stelle, wo ein kleines von 
Nordosten kommendes Tal, das der Alster, die diluviale 20 — 40 m 



96 Norddeutschlaud 

hoch t>'eleg-ene Landiläche ein wenig zerschnitt, die Stadt Ham- 
burg- (Taf. XXVII) entwickelt, ursprünglich als ein Stützpunkt 
für den Übergang über die Elbe, der hier mit Hilfe einiger Inseln 
noch gerade möglich war, während unterhalb der Strom zu ge- 
waltig wird. 

Die Stadt gewann Schutz im Xordwesteu und die zum Betriebe 
von Mühlen immer erforderliche Wasserkraft durch Anstau der Alster 
vermittels eines Dammes im Zuge der heutigen Straßen Große 
Johannisstraße und Großer Burstah. Die älteste Stadt lag auf 
dem Geestausläufer um die Petrikirche herum und den Dom, der 
sich südlich von dieser in der C4egeiul des Fischmarktes erhob. 
Um 1150 herum war dieser Teil, der im Süden bis an den noch 
heute sichtbaren Kanal reicht, den die Brandstwiete kreuzt, be- 
baut. 1187 gründete Adolf der Dritte eine neue Stadt, die sich 
aber auf dem rechten Alsterufer erhob, das jetzige Nikolaikirch- 
sj)iel, eine Stadt, die eine eigene Mauer, einen Markt, Ilathaus usw. 
hatte, und die um 1200 etwa vollständig bebaut wird. 

Die weitere Entwicklung in den folgenden -Jahren vollzog sich 
einerseits nach der Elbe hin, wo das Katharinenkirchspiel gegründet 
wurde, und andererseits nach der Gegend des jetzigen Hauptbahn- 
hofs hin in der üichtung der Steinstraße, an der sich alsbald cUe 
Jakobikirche erhob. Dieser Abschnitt der Entwicklung kam in 
einem neuen Mauerring etwa um 1250 zum Abschluß, der nun die 
beiden alten Städte und die neu herangewachsenen Kirchspiele 
umschloß, im Süden etwa in der Gegend des Zollkanals verlief, 
im Westen im Zuge der Admiralitätsstraße und der Straße Neuer 
Wall, im Nordosten über Klostertor und Steintor, die Alster etwa 
in der Gegend der heutigen Lombardsbrücke erreichte: damals 
wurde auch ein zweiter Damm durch die Alster geschüttet, der 
jetzige Jungfernstieg. Den damals gewonnenen Umfang behielt 
die Stadt auf mehrere Jahrhunderte bei, erst nach 1530 wurde 
eine neue starke Umwallung angelegt, die aber nicht wesentlich 
über den Umfang der älteren hinausging, im Süden nur etwas 
vorgeschoben wurde bis in die. Gegend des jetzigen Sandtor- und 
Broktorhafens. Auch Mairde das noch nicht befestigte Stück 
zwis(;hen dem oberen Ende des Rödingsmarktes und dem Jungfern- 
stieg mit in die {Befestigung eingezogen: das alte Becken der kleinen 
Alster z. T. verschüttet. 

So stark diese TTmwallung auch wai-, so vermochte sie doch 
niciit lange zu genügen, zumal die IBevölkerungszahl gerade in 



Hamburg 9 7 

dieser Periode stark stieg'. Man mußte sich im Anfang des 17. Jahr- 
hunderts entscliließeu, einen neuen Mauerring anzulegen, der unter 
holländischer Leitung in den Jahren 1620 — 1626 vollendet wurde: 
er wurde weit hinausgeschoben, vornehmlich nach Westen hin, wo 
er auf tue Geest des rechten Alsterufers hinaufreichte, so daß sich 
das Stadtareal nahezu verdoppelte. Die starke, kräftig'e Umwallung-, 
die Hamburg erfolgreich vor den Wirren des 30jährigen Krieges 
schützte, folgte im Süden und Osten dem schon beschriebeneu Zuge 
der älteren Mauer, wurde daun aber über die jetzige Lombards- 
brücke hinweg verlängert und führte über das Dammtor, Holsten- 
tor zur Elbe hinunter am heutigen Bismarckdenkmal und der See- 
warte vorbei. Der Zug dieses Walles, der sehr stark angelegt 
wurde, ist noch heute deutlich im Stadtbild zu erkennen, er um- 
schließt die Altstadt, im wesentlichen auf dem linken Ufer der 
Alster, 'und die Neustadt auf ihrem rechten. Im Jahre 1820 wurde 
die Befestigung Hamburgs aufgegeben und der Zug des Walles 
teils zu Promenadenanlagen verwandt, teils für die Eisenbahn be- 
nutzt. Im Innern der Stadt hat der verheerende Brand von 1842, 
der das Xikolaikirchspiel und das Petrikirchspiel vollständig in Asche 
legte, viel zerstört. 

Die neuere Entwicklung der Stadt Hamburg vollzieht sich auf- 
wärts an der Alster und nach Nordosten, wo sich große Wohn- 
vorstädte gebildet haben. Auf benachbartem preußischem Gebiet 
entwickelten sich in unmittelbarem Anschluß an die Straßen und 
Häuser von Hamburg einerseits Wandsbek, andererseits Altena, 
letzteres durch seine Lage teilhabend am Strom und vornehmlich 
als Fischereihafen wichtig. 

Die Hafen anlagen von Hamburg haben sich aus ganz geringen 
Anfängen an der Alstermündung allmählich so entwickelt, daß 1258 
die Bille herangezogen wurde und man im 16. Jahrhundert in der 
Gegend des heutigen Oberhafens an die Elbe herankam, dem sich 
im 17. Jahrhundert der Niederhafeu und damit die Nutzung des 
freien StroiiKiS selbst anschloß. Mit den dadurch geschaffenen Liege- 
plätzen im Strom kam man bis ins 19. .lahrhundert aus. .letzt er- 
kannte man aber den großen Nutzen fester Anlegestellen für die 
Schiffe, die den direkten Verkehr vom Schiff zum Land erlauben. 
Nach diesem Gesichtspunkte wurde 1866 in der Gegend des 
früheren Sandtores der Sandtorhafen angelegt, dem 1877 der 
weiter nach außen gelegene Grasbrookhafen angeschlossen wurde. 
Jetzt ging es rascher: 1881 folgt schon der ^iagdeburger Hafen 

IJraun. 7 



98 Norddeutsehland 

und 1887 der Baakenhafen, womit diese älteste Hafengruijpe auf 
dem Nordufer der Elbe in ihren wesentlichen Teilen ausgebaut war. 

Die weitere Entwicklung steht unter dem Zeichen des Zoll- 
anschlusses von Hamburg und der Eröffnung des Freihafens. Die 
• Hansastädte erhoben für die in ihrem Gebiet eingeführten und aus- 
geführten Waren bis dahin keinen Zoll im Gegensatz zu Preußen, 
ihrem Nachbarstaat. Obwohl dieser Zustand wesentlich zu ihrem 
Aufblühen mit beigetragen hatte, wurden nach der Reichsgründung 
die mit ihm verbundenen Unzuträglichkeiten so groß, daß er be- 
seitigt werden mußte. Das Gebiet von Hamburg und Bremen 
wurde 1888 Zollinlaud, dafür aber im Hafen ein Gebiet geschaffen, 
das als Zollausland gilt, der sog. „Freihafen". Dieser Bezirk wurde 
mechanisch durch Umzäunung und Balkensperren im Wasser vom 
Zollinland abgeschieden und blieb zu Wasser und zu Land nur 
durch überwachte Tore zugäugig. Er umfaßt bei 10 qkm Größe 
außer den eigentlichen Hafenanlagen große Flächen, die für 
industrielle Anlagen bestimmt sind, deren Material und Produkte 
also ebenfalls so lange zollfrei bleiben, bis sie die Grenze zum In- 
land passieren. 1883 l)egann die Umgestaltung des Hafens nach 
diesen Gesichtspunkten. Durch Ausbau eines Fleets zum „Zoll- 
kanal" wurde unmittelbar an der Stadt die Umgehung des Frei- 
hafenbezirkes für aus dem Inland kommende und dahin bestimmte 
Fahrzeuge ermöglicht. Sodann wurden neue Hafengruppen auf dem 
linken Ufer der Norder-Elbe begonnen. 

Dank dem geringen Unterschiede zwischen Hoch- und Nieder- 
wasser im Hamburger Hafen, nur etwa 1,50 m, konnte man auch 
hier bei dem bisher bewährten System der offenen Hafenbecken 
bleiben, die sich fächerförmig gegen den Strom hin öffnen. So 
entstand 1888 der Segelschiffhafen, der übrigens keinesw^egs nur 
Segelschiffen dient, und 1893 Hansahafen und Indiahafen, womit 
auch diese Gruppe ausgebaut war. Unterhalb derselben entwickelte 
sich auf dem kleinen Grasbrook und auf Steinwärder, also inner- 
halb des Freihafengebiets ein von zahlreichen Kanälen durchki-euztes 
Industrieviertel, dem wieder w^eiter unterhalb die seit 1897 ausge- 
bauten Häfen des Kuhwärder folgen, der Kuhwärderhafen und der 
Kaiser Wilh'dmshafen (10 m Tiefe unter mittlerem Hocliwasser) 
nebst einer lieihe anderer Becken, die zum Teil dem Flußschiff- 
verkehr dienen. Hamburg verfügt damit gegenwärtig über Häfen 
von über 5 qkm Wasserfläche und 35 km Kaistrecken für die See- 
scliiffjilirt. Aber auch das ffenüR-t nicht mehr und es wird gegen- 



Hamburg 99 

wältig wieder weiter unterhalb, jenseits des Köhlbrand eine neue 
Grupjje von 4 großen Hafenbecken angelegt, die dann für einige 
Zeitlang dem Raummangel wohl abhelfen wird. 

Der Verkehr im Hamburger Hafen erhält sein Bezeichnendes durch 
die große Universalität nach Herkunft und Bestimmung der Waren und 
Fahrzeuge. Hamburg ist ebenso sehr Ostsee- und Xordseehafen als 
überseeischer Hafen und treibt Warenverkehr wie Personenschiff- 
fahrt. Im Warenverkehr überwiegt die Einfuhr die Ausfuhr' um 
das Doppelte. Englische Kohlen. Getreide, Holz, Kolonialwaren, 
vor allem Kaffee, spielen da die Hauptrolle; in der Ausfuhr ist 
Hambm^g der bedeutendste Platz für den Bübenzucker des Elbe- 
und Odergebietes. Immer mehr blüht auch die Eeederei auf und 
im Stadtbild spielen neben den stattlichen Kontoren der Handel- 
treibenden die Paläste der großen Schiffahrtsgesellschaften, wie der 
der Hamburg- Ameiika-Linie am Alsterbassin. das Afrika -Haus der 
Firma Woermann u. a. eine immer stärker hei'vortretende EoUe, 
Der Schiffljau wieder hebt die Industrie, die jetzt so groß geworden 
ist und so viel Arbeiter beschäftigt, daß eines der schwersten Pro- 
bleme des räumlich beschränkten Stadtstaates die Ansiedlung dieser 
Arbeitermassen auf eigenem Gebiet bleibt, ohne daß dieselben täg- 
lich zweimal einen stundenlangen Weg zu und von der Arbeits- 
stätte zurückzulegen hätten. Der Eibtunnel, die Hochbahn, der 
Fährverkehr im Hafen sind Hilfsmittel, die aber doch noch nicht 
vollen Erfolg verheißen. 

Der zweite große Hafenplatz der deutschen Xordseeküste, 
Bremen iTaf. XXYHI und Taf. XIT, Abb. 1), hat sich im 
Niederungsgebiet der Weser, der Hamme und der Wümme an einer 
Stelle entwickelt, wo ein langgestreckter dichtbesiedelter Dünenzug 
die Geestinseln von Vegesack im Norden und Achim im Süden mit- 
einander verbindet. Der älteste Stadtteil, die ursprüngliche Bischofs- 
stadt, Hegt am rechten Ufer der Weser im Südosten der heutigen 
Stadt exzentrisch innerhalb der Altstadt. Er schließt an den Dom 
an und seine Umwallung reichte aus der Gegend des heutigen Marktes 
im Nordosten etwa im Zuge der Sandstraße und in deren Verlängerung 
bis an die heutigen Wallreste heran, im Südwesten bis an die Weser. 
Diesen Kern finden wir etwa im Jahre 1000 gut bebaut. Schon 
200 Jahre später hatten sich die Vorstädte soweit entwickelt, daß 
sie mit einem neuen Wall umzogen werden mußten, der nach Nord- 
westen weit über das Gebiet des alten Kernes hinausgiiff. Er 
folgte im Nordwesten etwa aus der Gegend des jetzigen Korn- 



100 Norddeutschlaud 

liaiises der Hankenstraße, der Jakobistrasse und schließlich der 
Wallstraße, um sich am Ostertor an den ältesten Wall anzu- 
schließen. Die Seite nach der Weser hin war natürlicli ebenfalls 
befestigt. 100 .fahre später schloß sich die weiter abwärts ent- 
standene Stephanstadt an und damit war der heutige Kern der 
Altstadt am rechten Weserufer vollständig- entwickelt. Aju Anfang 
des 17. Jahrhunderts griff dann die Stadt auch auf das linke 
Weserufer über und 1625 wurden Alt- und Neustadt von einem 
einheitlichen Wall umschlossen, dessen späterer starker Ausbau noch 
jetzt im Stadtbilde deutlich hervortritt. Die neuere Entwicklung 
vollzieht sich nach Nordwesten und Südosten hin, im Streichen 
des Dünenzuges, wol)ei die Stadt infolge des hier herrschenden 
Systems der Einfamilienhäuser eine sehr große räumliche Aus- 
dehnung gewonnen hat. 

Die exzentrische Entwicklung von dem ältesten Teil strom- 
abwärts, die Verlegung der Wohnviertel vor die Wälle in neuerer 
Zeit brachten es mit sich, daß viel mehr als in Hamburg das Innere 
der Stadt seinen eigentümlichen alten Charakter bewahren konnte 
und daß liier reizvolle Stadtbilder des Mittelalters auf uns ge- 
kommen sind, denen sich die neuere Architektur zweckmäßig an- 
zupassen bemüht ist. 

Die Ausgestaltung der Hafenanlagen von Bremen hatte mit 
den großen Schwierigkeiten zu kämpfen, die das schlechte Fahr- 
wasser der Weser verursachte. Im 17. Jahrhundert wurde mit 
der Zunahme der Schiffsgröße Bremen sel])st so schwer erreichbar, 
daß in Vegesack, etwa 17 km unterhalb Bremen am Geestrande 
gelegen, ein Hafen neu gebaut werden mußte. Als auch dieser 
schon nach 50 Jahren nicht mehr regelmäßig erreichbar war und 
weiter unterhalb auf fremdem Gebiet gelegene Hafeuplätze der 
bremisclien Schiffahrt dienen mußten, schritt die Stadt 1827 zum 
Ankauf eines Stück Landes an der Geestemüudung, dem jetzigen 
I'remerhaven, wo 1830 die ersten Bremer Hafenbecken ei'öffnet 
wurden. Wenig später aber entschloß man sich außerdem auch 
noch zu einem entscheidenden Eingriff in die Gestaltung des Fahr- 
wassers der Weser selbst. 1883 begannen die ersten Arbeiten, 
1887 das große Unternehmen, das man unter dem Namen der 
Unterweser-Korrektion zusammenfaßt. Sie wurden so gefördert, 
daß 1894 das vorläufig erstrebte Ziel, eine durchgängige Vertiefung 
des Fahrwass(3rs auf 5 m nutzbarer Tiefe, erreicht war. Wenig 
später b(>gann man auch mit einer Korrektur der Außenweser 



Bremen 101 

unterhalb Bremerhaven, wo sich erhebliche Barren angesammelt 
hatten. Auch diese Arbeiten hatten das günstige Resultat, daß 
Bremerhaven nach wie vor auch für die größten Dampfer zu- 
gängig ist. 

Infolge der geschilderten Verhältnisse zerfallen die Hafenan- 
lagen, die dem bremischen Handel dienen, in zwei Gruppen: dem 
kleineren Verkehr dienen die Hafenbecken in Bremen selbst, 
während der Überseeverkehr seinen Sitz in Bremerhaven hat. 
Ursprünglich legten die Schiffe in der Stadt Bremen selbst an 
und wie in Hamburg verbindet sich die Herstellung besonderer 
großer Hafenbecken auch hier mit der Abgrenzung eines Frei- 
hafenbezirkes. Der gegebene Platz dafür war das rechte Weser- 
ufer unterhalb der Stadt. Hier wurde 1888 der 2 km lange und 
120 m breite Hafen I mit einer Wassertiefe von 5,5 m bei Niedrig- 
wasser eröffnet. Ende 1906 ^\^irde das weiter abwärts gelegene 
Becken II mit ähnlichen Abmessungen in Benutzung genommen, 
nachdem bereits der Holz- und Fabrikhafen außerhalb des Frei- 
hafenbezirkes eröffnet worden war. 

Einen ganz anderen Typus verkörpern die Anlagen von 
Bremerhaven. Hier ist der Gezeitenunterschied bereits so groß 
(über 3 m), daß es nicht mehr möglich ist, die Becken sich frei 
gegen den Strom hin öffnen zu lassen. Es muß vielmehr eine 
Schleuse eingeschaltet werden, die es gestattet, den Wasserstand 
im Hafen immer annähernd gleich hoch zu halten. Das bringt 
den Übelstand mit sich, daß das Einlaufen in den Hafen immer 
nur zu gewissen Stunden möglich ist, was vornehmlich den Passagier- 
verkehr erschwert. Die Stadt, mit Geestemünde im Süden und 
Lehe im Nordosten nahezu zusammengewachsen, steht hinter 
Deichen tief gelegen wie nur irgend ein Seebad unter dem un- 
mittelbaren kräftigen Einfluß des Meeres und ihre Häfen, jetzt 
über 5 qkm Fläche umfassend, bieten gegenüber den geschützten 
Flußhäfen der großen Städte selbst manches reizvoll Maritime be- 
sonders in stürmischen Zeiten. In den Hafenbecken verkehren 
fast nur große Überseedampfer, vor allem die des Norddeutschen 
Lloyd; die kleinen Fischdampfer laufen dagegen in großer Zahl 
Geestemünde an, neben Altona den bedeutendsten Fischereihafen 
der deutschen Küste. 

Die Betrachtung des Fahrwassers oberhalb mul unterhalb der 
Stadt Bremen zeigte bereits, wie außerordentlich uugiinstig dieselbe 
gegenüber Hamburg da steht. Wenn es ihr tiotzdeiii gelungen 



102 Norddeutsclilaud 

ist, ilii-eii Platz neben der Elbestadt zu behaupten, so erklärt sich 
das einerseits daraus, daß hier eines der größten Schiffahrtsuuter- 
nehinen der Welt seinen Sitz hat und daß zweitens der Handel 
der Stadt sich weise zu spezialisieren gewußt hat. Auch hier 
überwiegt die Einfuhr und zwar steht Baumwolle an erster Stelle; 
weiter folgen Tabak, Eeis und Nutzhölzei'. Gehandelt wird von 
Bremen aus außerdem noch mit amerikanischem Petroleum, dessen 
Einfuhr indessen in größeren Mengen über Hamburg und Rotter- 
dam als gerade über Bremerhaven erfolgt. 

Jn ähnlicher Spitze wie nach Knxhaven hin erstreckt sich 
die Geest auch zwischen Weser und Ems sich zuspitzend nach 
Blatt Nordnordwesten, auf beiden Seiten von Marschen ge- 
37-:{9. 54-66, säuuit. Docli ändert sich hier auf große Flächen ihr 
'*'■"*' Charakter: nicht überall mehr tritt trockener sandiger 
Boden in ihr zutage und bietet, wenn auch nicht fruchtbar, so 
doch dem Weg und der Siedlung sicheren Grund; vielmehr über- 
zieht sich die Geest mit Mooren, die sie noch um vieles kultur- 
feindlicher werden lassen als sie es gegenüber der Marsch schon 
ohnehin ist. Sie verhüllen auch den Bau des Bodens, so daß erst 
die eingehenden Studien der letzten Jahre zu einigermaßen rich- 
tigen Vorstellungen über das nordwestliche Deutschland geführt 
haben. Danach liegt eine gefaltete, dann ein wenig abgetragene 
Tertiärlandschaft vor, die durch das Eis der Diluvialzeit weiter 
gestaucht und umgebildet wurde. Eine dünne, durch Abtragung 
seither noch weiter verminderte Decke von Moränenschutt ver- 
hüllt diese Erhebungen wie den Hümmling, Forst Bersenbrück, 
die Dammer Berge. Zwischen diesell)en hinein schieben sich von 
Süden her die ungeheuren Talsandschuttkegel und Talsandflächen 
der Flüsse wie der Ems und der Hase. ])er Schuttkegel der 
letzteren, das wasserreiche „Artland", von dem aus sie sich bei 
Quakenbrück nach Westen wendet, ist besonders gut ausgeprägt. 
Auf diesen Talsandflächen erwachsen die Moore, die dann auch 
auf das Höhendiluvium übergreifen, das immerhin stellenweise wie 
im Hümmling noch stark herausragt. Es ist hier trocken, daher 
' sind dort die Siedlungen zu finden, die vermoorten Senken meidend. 
Anders weiter unterhalb, wo die Flüsse in die Talsandflächen ein- 
schneiden, dadurch ihre Umgebung entwässern und so zu beiden 
Seiten von einem trockenen Streifen durch die größten Moore hin- 
durch begleitet werden, wie z. B. die Ems. Dieses oft nicht ge- 
nügeiul scharf erkannte topographische Verhalten von Mooi- und Tal 



Geest zwischen Weser und Ems 103 

erklärt es, daß die g-roßen nordwestdeutschen Moore z. T. so leicht 
kultivierbar sind: es läßt sich eben ein Gefäll für das ihnen zu 
entziehende Wasser schaffen (Taf. XI, Abb. 3). 

Pas Moor ist in den letzten Jahren als eine eigentümliche 
Lebensg:emeinschaft erkannt worden, deren Formen unter den 
klimatischen Verhältnissen Mitteleuropas allmählich in die des 
Hochmoores, aufgebaut wesentlich aus Sphagnumtorf, übergehen, 
die sich ganz flach uhrglasförmig ül)er ilire Umgebung aufwölben. 
Zu Kulturzwecken muß dem Moor zunächst das AVasser entzogen 
werden. Früher beschränkte man sich dann darauf, das ein wenig 
getrocknete Moor im Frühjahr abzubrennen und dann mit Buch- 
weizen, selten Hafer, zu bepflanzen. Da sich dieses Verfahren 
aber nur etwa sechsmal wiederholen läßt, sein Ertrag aber auch 
in dieser Zeit unsicher bleibt und der Acker danach 20 bis 25 Jahre 
ruhen muß, ist diese Moorbrandkultur verwerflich und alle auf sie 
hin im 18. Jahrhundert begründeten Kolonien sind in trostlose 
Zustände geraten. 

Wesentlich günstiger ist die gleichfalls aus Holland einge- 
führte Fehnkultur, die, bevor die betreffende Moorfläche der land- 
wärts chaftlichen Kultur zugeführt wird, den Brenntorf absticht 
und nutzt. In den nordwestdeutschen Hochmooren liefert eine 
etwas tiefer gelegene Sphagnumtorfschicht das beste Brennmaterial; 
das Moor mrd also entwässert bis man an dieselbe heran kann, 
dann die oberen Schichten abgeräumt und der Torf gewonnen. 
Nach dem Abbau desselben wird der Abraum auf die ausgegrabene 
Fläche geschüttet und mit aus dem Untergrund des Moores ge- 
wonnenem Sand in dünner Schicht vermischt, gedüngt und be- 
pflanzt, wobei sich hohe Fruchtbarkeit erzielen läßt. Nach diesem 
System wurden bereits im 17. Jahrhundert Papenburg, Hhauder- 
fehn, Großenfehn und andere Kolonien begründet. Wo der dabei 
in so großen Mengen erzeugte Brennstoff nicht absatzfähig war, 
wandte man seit dem 18. Jahrhundert die deutsche Hochmoorkultur 
an, welche das Moor direkt in Angriff nimmt und auf dem Gebrauch 
von künstlichen Düngemitteln beruht. Das Moor wurde durch 
Kanäle und Straßen gegliedert und in kleine bäuerliche Stellen 
von 10 bis 15 ha Größe aufgeteilt, die mit der Schmalseite von 
100 bis 125 m Länge an den Kanal und die Straße anstoßen, 
durch Gräben an den Längsseiten entwässert werden. Das Ver- 
fahren ist in di'v Gegenwart wes(;ntlich verl)ess('rt und es läßt sicli 
jetzt aus dem Hochmoor ein Boden herstellen, der in nichts dem 



104 



Nortldeutschland 



besten Marschenbnden uachgibt, ans welchem Grnnd anch seit dem 
Ende des 19. Jahrhunderts die Moorkiiltur rasche Fortschritte g'e- 
maclit hat. Dazu kommt in k'tzter Zeit die industrielle Verwertung" 
des Brennstoffes zur Gewinnung- elektrischer Kraft; nach dem Ab- 
bau des Torfes werden auch diese Flächen der landwirtschaftlichen 
Kultur zugeführt. Das alles 1)ewirkt es, daß jetzt vielfach die 
Volksdichte der Moore die der Marschen übersteigt, wie folg-ende 
Tabelle (nach Thiele) zeigen möge; es finden sich Bewohner auf 
1 qkm 





Geest 


Moor 


Marsch 


Kreis Norden 

Kreis Aurich 

Kreis Leer 


1 75,5 

81,5 

2(i2,2 


36,9 

8,3 

46,3 


35,8 

9,4 

30,4 



An größeren Siedlungen ist der Nordwesten arm. Olden- 
burg ist Paßstadt und liegt au der oberen Grenze der Schiffbar- 
keit der Hunte, wo es gerade noch von den Gezeiten erreicht 
wird. Der alte Stadtkern, an dessen südöstlicher Ecke das Schloß 
liegt, ist an Wallstraßcn und Gräben noch gut kenntlich, von ihm 
aus dehnen sich Vorstädte nach Norden auf die Geest und nach 
Südosten in das Moor aus. Emden gewinnt in der Neuzeit wieder 
seine entschwundene, einst erhebliche Bedeutung zurück. Durch 
einen Seekanal, der als Hafen ausgestaltet ist, in den auch der 
von Dortmund kommende Kanal mündet, ist es mit der Ems ver- 
bunden, die nach der Bildung des Dollart sich von der Stadt ab- 
wandte. Die Stadt ist von Befestigungen umgeben und bewahrt 
im Inneren ihren holläudischeu Charakter in Kanalnetz und Bau- 
weise der Häuser mit großer Treue. Der Verkehr ist bis Jetzt 
noch nicht gerade groß — 1911 liefen 2400 Schiffe seewärts ein 
und aus — , erfreut sich aber lebhafter Förderung. Im Inneren 
wirkt erst wieder die Gebirgsnähe belebend, avo wir in Rheine 
lebhafte Baumwollenindustrie finden. 

Im Wesergebiet treten zu den geschilderten Charakteren der 
nordwestdeutschen Landschaft einige neu hinzu. Aus dem Unter- 
grund ragen ältere härtere Gesteinsmassen auf oder derselbe kommt 
weithin der Oberfläche so nahe, daß es leicht ist, gegebenfalls von 
diesen Vorkommnissen Nutzen zu ziehen. Da wir uns ferner wieder 



Wesergebiet 105 

dem Zeutrum der Vereisung- näliern, werden auch die glazialen 
Formen wieder deutlicher. So haben wir Endmoränen in den 
Heister-Bergen 89 m und um Schneeren nördlich des Steinhuder 
Meeres, ferner um Hannover herum. Andererseits bestehen die 
Stemmer Berge 200 m, die Rehburg-er Berge 160 m südlich des 
Steinhuder Meeres und die zahlreichen Eiuzelerhebungen südlich 
Hannover aus dem C4estein der benachbarten Bergländer. Zwischen 
den trocknen und von den Siedlungen gesuchten Erhebungen breiten 
sich, wohl auf Talsandflächen, die großen Moore aus, in deren Mitte 
Steinhuder Meer und Dümmer liegen. Die Erosionsbasis der ganzen 
Landschaft ist die Weser, die nur wenig eingeschnitten dahinfließt 
und nicht weit unterhalb Nienburg von Deichen begleitet wird. 
Die Moore liegen daher hier kaum höher als die sie durchziehenden 
Flüsse, sind daher viel schwerer zu entwässern und der Kultur 
zu erschließen als weiter im Nordwesten. 

An der Grenze zwischen den letzten Ausläufern des Bergiandes 
und dem Tiefland hat sich Hannover entwickelt, das erst im 
19. Jahrhundert die Gunst seiner günstigen geograplii- Biatt 
sehen Position zur Geltung zu bringen vermochte. Im '^^ 
Lindener Berg mit 87 m Höhe treten Kreidegesteine an das Leinetal 
(50 m) heran, welche die Ihme und die Leine epigenetisch durch- 
brechen, den ül)er 60 m hohen „Berg" abtrennend, auf dem jetzt 
der Waterloo-Platz liegt. Diese gesicherte Insel zwischen den 
sumpfigen Flußniederungen oberhalb und unterhalb nahm die den 
Übergang schützende Burg, das noch immer hohe rechte Ufer die 
älteste Ansiedlung auf, der die Burgstraße, Leinstraße, Köbelinger- 
straße, Marktstraße und Osterstraße augehören, die alle der Leine 
parallel verlaufen und nur durch kurze Quergassen miteinander 
verbunden sind. Auf der Insel erwuchs die hier am unregelmäßigen 
Straßennetz kenntliche Neustadt im Schutz zunächst der Burg 
Lauenrode, die indes 1371 schon zerstört wurde. Alt- und Neu- 
stadt wurden im 17. Jahrhundert mit gemeinsamen z. T. im Zug 
der Straßen (Georgstr., Friedrichstr., Wallstr. usw.) noch wohl 
kenntlichen Befestigungen umgeben, blieben aber rechtlich bis ins 
19. Jahrhundert liinein getrennt. Nach 1747 entstand im Südosten 
die Ägidien-Neustadt, 1840 die Ernst-August-Stadt und 1843 die 
Geoi'gs-Stadt. 1636 war Hannover Residenz geworden, womit 
seine weitere Entwicklung gegenüber den rivalisierenden Städten 
im Süden gesicliei't war. AT>er erst seit 1837, der Errichtung des 
Königtums Hannover, begann die moderne Umbildung der Stadt, 



106 Norddeutschland 

die die Gunst ihrer Lage voll ausnutzen konnte, als sie 186G au 
Preußen kam. Die Bevölkerung, die sich am Anfange des 
Jahrhunderts nur um 2'^/3'Vo jährlich vermehrt hatte, wuchs 
nach 1842 um 4°/o, nach 1867 um 5'^/o jcährlich, so daß die Stadt, 
die am Anfang des 19. Jahrhunderts kaum 20000 Einwohner zählte, 
jetzt deren üher 300000 aufzuweisen hat. Das bedingte bei dem 
auch hier wie in Bremen beliebten System der Einfamilienhäuser 
eine große räumliche Ausbreitung der Stadt, die gleichwohl infolge 
des sie umgebenden Moorlandes und der Flußniederung ähnlich 
wie Leipzig den großen Vorzug hat, daß sich Grünflächen und 
Parks wie der von Herrenhausen und die Eilenriede bis nahe an 
ihr Zentrum erstrecken und die mit aus diesem Grunde ihren vor- 
nehmen, heiteren Charakter als frühere Residenz sich bewahren 
konnte, obwohl sie jetzt industriell von Bedeutung und ein Knoten- 
punkt des Nordsüd- und Ostwestverkehrs ist, trotzdem die han- 
noversche Eisenbahnpolitik seinerzeit die eigentlichen Schnitt- und 
Sammelpunkte nach Wunstorf im Westen und Lehrte im Osten 
verlegte, wodurch namentlich diese letztere Strecke zu einer der 
befahrensten in Norddeutschland wird. 

Überall schon in der Umgebung von Hanuov^er werden die 
Schätze des vordiluvialen Untergrundes ausgebeutet; so im Süden 
die Kalke, welche eine blühende Zementindustrie hervorgerufen 
haben, im Norden Tone der Kreideformation, auf denen die Ziegelei- 
industrie von Berenbostel, Meilendorf, Langenhagen usw. beruht. 
Wir weisen daher die nähere Schilderung des eigentlich subherzy- 
nischen Landes einem späteren Abschnitt zu, wo wir von dem 
Gebirge ausgehen, und wenden uns nunmehr nach Norden und 
Osten. 



Die Lüneburger Heide und Umgebung 

Zwischen dem Durchbruchtal der Elbe unterhalb Magdeburg 
und der Dr()mling-Aller- Weser-Senke im Süden, dem Eibtal unter- 
halb Havelberg im Norden zieht sich ein ungefähr rechteckig um- 
rissener Landrücken hin, der in den südlichen und mittleren Teilen 
100 bis 150 m Höhe erreicht, dann aber bis zu 20 — 30 m südlich 
von Kuxhaven absinkt und so am Meere endet. Dieses so um- 
grenzte Gebiet trägt in seinem südöstlichen Teil den Namen Alt- 
mark, im mittleren den der Lüneburger Heide, dem nordöstlichen 



Lüneburger Heide 107 

Abschnitt fehlt ein solcher, „uordhaunöversches Moorland" ist vor- 
geschlagen und mag auch hier angewandt sein. 

Die Elemente der ganzen Landschaft werden am besten verständ- 
Hch in' ihrer Mitte (Taf. XXI, Abb. 3). Vom Kalkberg bei Lüneburg 
aus schaut man im Vorderarund in das Ilmenautal hinein, 

^ ' Blatt 

das sich nach Bardowiek hinauszieht und dort in die 0;. .5s. 73. 
Terrassen und Moorflächen des Elbetales übergeht. Die '* 
Ilmenau, bei Lüneburg noch 10 m hoch fließend, zerschneidet eine 
etwa 60 m hoch liegende Hochfläche, die aus Sauden und einer 
Grundmoränendecke bestehend, bis an die Elbeniederung reicht, wo 
sie mehr oder weniger scharf abbricht. Einzelne aufgesetzte Höhen 
wie der Timelo-Berg im Südosten von Lüneburg erreichen gegen 
80 m Höhe und werden als Endmoränen gedeutet. Viel Wald und 
Heide ist auch hier schon vorhanden, aber noch überwiegt der 
Feldbau. Wieder mit steilem Rand von 50, 60 m Höhe erheben 
sich über dieser Vorheide die ausgedehnten Plateaus der Süsing- 
Hochfläche, die langsam nach Süden sich von 100 m auf 60 m 
senkend, bis zum Allertal reichen, wo meder ein Steilrand sie ab- 
schneidet. Über die einförmigen Hochflächen (Forst Munster, 
Forst Lüneburg, Truppenübungsplatz Munster) ragen einzelne gut 
umgrenzte Berge und Berggruppen noch um 50 l)is 70 m höher 
auf wie der Falkenberg in der Südheide, der Wilseder Berg u. a. 
Diese Höhen erreichen bei Harburg und unterhalb Spitzacker das 
Eibufer. Sie werden als Aufragungen eines Höhenrückens auf- 
gefaßt, der älter ist als die jüngste Vereisung, deren Bildungen 
ihn umschütten und deren Eis sein Relief verringerte. Die Seen 
dieses interglazialen Höhenrückens hätten sich als Kieselgur- und 
Kalklager erhalten. 

Die Hochflächen der hohen Heide und ihre Gipfel werden 
jugendlich von Tälern zerschnitten, die zur Elbe und zur Aller 
hinabführen — die ihre Anlage z. T. zu einer Zeit fanden, als 
vom letzten Eisvorstoß eine tote Eismasse auf den Höhen liegen 
gebheben war — und sind stellenweise schon in ein Hügelland auf- 
gelöst, liegen doch die Talböden in manchen Teilen um 100 m tiefer 
als die Höhen, z. B, das Auetal am Ahrberg. Au die Mündungen 
der Täler schli<'ßen sich große Schuttkegel an, wie im Süden der 
der Böhme bei Walsrode. 

Die Heide endet im Westen mit einem wenig ausgesprochenen 
Rand, der von Norden über Neuenldrchen, Schnewerdingen nach 
Tohstedt zieht. Hier greift das Wesergebiet mit nur 30 bis 40 m 



10g Norddeiitschland 

hoch liegenden Mooren weit nach Norden nnd die Entwässernng- 
nimmt den stark unentwickelten Charakter des äußersten Nord- 
westens an. Vom Eibrand zunächst abgesehen, später auch dort, 
taucht fester Boden nur mehr in einzelnen Kuppen und Buckeln 
auf, an welche sich ausschließlich die ältere Besiedlung des Landes 
knüpft. Die Lage zu günstigen Übergängen ül)er die Moore, die 
auch meist ])efestigt wurden, spricht sich jetzt noch in vielen 
Namen aus, z. B. Rotenburg, Lauenbrück, Burgsittensen. 

Noch stärker als die Geestinseln in Nordliannover hat die 
hohe Heide seit alter Zeit die Besiedlung angezogen. Die Fülle 
prähistorischer Denkmale weist darauf, daß ihre waldarmen Striche 
schon zu einer Zeit dicht besiedelt waren, als Wald und Sumpf 
noch die Täler unzugängig machten. In den Endungen -ingen, 
-husen, -lo (loh) und -bostel erkennen wir spätere Siedlungen der 
langobardischeu, an den Namen auf -dorge, -büttel, -hörst solche 
der sächsischen Zeit. Bostel entstand aus Burstalle = Bauern- 
stall und weist auf die Viehzucht der germanischen Stämme hin. 
Im vierten Jahrhundert n. Chr. ziehen hier die Langol:)arden ab 
nnd die Sachsen weichen den Slawen nach Westen aus; doch hat 
sich von diesem fremden Stamm, der um 800 schon wieder ver- 
drängt war, im Bereich der Heide kaum etwas erhalten. Karl der 
Große gründete Grenzburgen (Lüneburg), Klöster (Walsrode) und 
die Bischof sstn dt Verden. Am Nordrand der Heide blühte Bardo- 
wiek als Hafen- und Handelsplatz auf, bis es durch Heinrich den 
Löwen zerstört wurde. 

Als rein landwirtschaftliches Gelüet ohne Großgrundbesitz, das 
z. T. nur zur Viehzucht zu brauchen ist, stagnierte die Heide 
lange und überzog sich mit einer Menge kleiner Siedlungen in 
meist unregelmäßiger Haufenform. Im 19. Jahrhundert änderte 
sich das Bild: der Staat begann große Heideflächen aufzuforsten; 
der Ackerbaubetrieb wurde verbessert und konnte Land, das bis- 
her öde lag, in Angriff nehmen; Straßen und Eisenbahnen ge- 
statteten die Ausbeutung von Kieselgurlagern mit Gewann und 
schließlich lei'ute man auch die Moore zu kolonisieren. So blühte 
die Heide sehr auf, die Zahl der Siedlungen, ihre Größe und 
Volksdichte nahmen stark zu, während der eigentümliche Charakter 
der Heide mehr und mehr schwindet. Städte finden sich nur am 
Rand der Heide, im Norden Lüneburg, das an die Stelle von 
Bardowiek getreten ist und in seinen unregelmäßigen Straßen sein 
langsames organisches Wachstum zeigt, Harburg, das Wirtschaft- 



Altmark 109 

lieh zur Hambiirg'er Gruppe gehört und im Süden Celle, die 
planmäßig- angelegte Residenzstadt. Das kleine Ü 1 z e n im 
Ilmenautal ist ebenfalls künstliche Gründung. 

Die im Südosten an die Lüneburger Heide sich anschließende 
Altmark liegt im ganzen, namentlich in ihren mittleren Teilen, 
ein wenig niedriger als die hohe Heide und ist daher Biatt 
dort von Süden wie von Norden her stark übermoort. '^' '^ 
Erst gegen die Elbe hin heben sich wieder ausgedehnte Flächen 
über 100 m, wie der Forst Klötze und die nördlichen Teile der 
Letzlinger Heide (Forst Burgstall u. a.). Diesen Hochflächen, die 
z. T. noch ganz unzerschnitten sind, entragen Hügelgruppen, wie 
die Heil-Berge 160 m, Zackel-Berg 139 m nördlich Neuhaldens- 
leben n. a.. die gewöhnlich als Endmoränen gedeutet werden, doch 
immerhin recht gealterte Formen aufweisen, die sie den Durch- 
ragungen der hohen Heide ähnlich werden lassen. Um Stendal 
und Salzwedel herum liegen, nachdem man von oben her kommend 
einen steilen wenn auch nur streifenweise entwickelten Steilrand 
passiert hat, große Flächen zmschen 40 und 60 m, die man mit 
der Vorheide vergleichen könnte. Zwischen Seehausen und Oster- 
burg ist ein steiler 50 m hoher Rand gegen das Elbtal lün ent- 
mckelt, me er dann erst wieder an der heutigen Elbe unterhalb 
Tangermünde wiederkehrt. 

Im Gegensatz zur Lüneburger Heide ist die Altmark insofern 
bereits östlicheren Teilen von Norddeutschland ähnlich, als sie 
eine ganze Reihe planmäßig gegründeter Städte enthält, die neben 
einer landesherrlichen Burg angelegt wurden. Die Grundrißbilduug 
ist der frühen Zeit der Anlage (meist Anfang des 13. Jahrh.) zu- 
folge noch nicht so schematisiert, vn.e es weiter im Osten der Fall 
ist. Bis in die Gegenwart hinein sind es meist stille Ackerbürger- 
städtchen gewesen. Erst der neuzeitliche Verkehr hat Stendal als 
Knotenpunkt und Tangermünde als wichtigen Umschlagplatz, vor- 
nehmlich für Kohlen, zwischen Flußsclüf fahrt und Eisenbahn wieder 
aufblühen lassen. 



110 Norddeutschland 



Das märkische Zwischenstromland 

Zwischen Elbe und Oder liegen drei wohl entwickelte Zonen 
der norddeutschen Landschaft, wie sie in dieser Zusammenstellung 
Blatt sonst nicht vorhanden sind. Im Norden zunächst die 
7(!. 77. 89. 90. Jugendliche Landschaft der mecklenburgischen Seen- 
platte mit Höhen von au 200 m mit auf dem Südhaug 
normaler, d. h. nach Süden gerichteter Entwässerung. Im Süden 
liegt der Fläming mit gleichen Höhen aber durchaus altem 
Charakter, wodurch er an die Seite der Lüneburger Heide und 
Altmark tritt. Dazwischen liegen eine große Zahl von aus dilu- 
vialem Material aufgebauten Platten, deren Oberfläche sich auf 
etwa 60 m hält, wie die Zauche, Land Glien bei Veiten, Forst 
Rüthnik nördlich Oranienburg u. a. Diesen sehr gleichartigen 
Plateaus entragen meist reihenförmig angeordnete Erhebungen, 
wie die Berge südlich Lehnin (86 m), die Fercher Berge (126 m) 
u. a. Sie werden meist als Endmoränen oder Aufpressungen durch 
das Eis gedeutet. 

Die Oberfläche sehr vieler dieser Platten ist mit Dünen be- 
deckt, welche kräftige Winde aus dem lockeren Sandmaterial ihres 
Bodens aufgehäuft haben. Die relative Höhe derselben erreicht 
bis 30 m, sie sind im Grundriß meist bogenförmig so gekrümmt, 
daß ihre Arme sich nach Westen hin öffnen. 

Die ganzen Platten mit ihren verschiedenartigen Erhebungen 
und ihrem im einzelneu stark wechselnden Aufljau werden heute 
von meist steilen Rändern begrenzt, die deutlich Erosionsräuder 
sind. Sie müssen also durch Wassertätigkeit aus einer einheit- 
lichen Landschaft herausgeschnitten sein, wenn es auch bis jetzt 
so recht noch nicht gelingt, sich die geographischen Zustände 
dieser Erosionszeit vorzustellen. Auf die Erosion folgte teilweise 
geringe Verschüttung der geschaffenen Rinnen durch Sande und 
Ausfüllung der tieferen Stellen durch Moore, hier vielfach „Luch" 
genannt. Es sind z. T. echte Hochmoore, die bei dem ihnen inne 
wohnenden Höhen- und Seitenwachstum niedrigere Stellen der 
älteren höheren Landfläche und oft die steilen Erosionsränder 
überwältigt haben und jetzt verdecken. 

Ganz besondere Schwierigkeiten für die Erklärung bieten nun 
aber noch derartige Fluß- und Seensysteme, die wie das der Havel 
aus diluvialen Platten kommend breite vermoorte Talzüg-e durch- 



Die Mark Hl 

schneiden, um wieder in solche Platten, deren Oberfläche 10 bis 
20 ni höher liegt als das Moor, einzutreten, wobei in den be- 
gleitenden Seen mitunter Stellen anzutreffen sind, die unter dem 
Meeresspiegel liegen. Es handelt sich in solchen Fällen vielleicht 
um „tote" Eismassen, d. h. Teile des Inlandeises, welche infolge 
einer Umhüllung mit Schutt längere Zeit vor dem Abschmelzen 
geschützt waren und erst allmählich vergehend und einstürzend 
jene tiefen Hohlräume hinterließen, die sich mit Wasser füllten, 
da das Eis, dessen Schmelzwässer sie wieder hätten verschütten 
können, bereits nach Norden zurückgewichen war. 

In der östlichen Mark schließen sich die Platten wdeder mehr 
aneinander. Bei Lübben ist der Übergang zur Nieder-Lausitz 
nicht schwer (in Höhen von 60,65 m; Spreewald 50 m) ; Butt 
bei Müllrose im Osten nähern sich die Platten auf 4 km ^"*- 1®* 
mit 60 resp, 80 m Höhe und von dort nach Norden hin entwickeln 
sich bedeutende Landhöhen (Semmel-Berg 158 m), die diesem nord- 
östlichen Plateau der Mark einen ^delen jugendlicheren Charakter 
verleihen, als ihn die übrigen Teile aufweisen. Hier ist das Ge- 
biet der Spree, die von Süden her bei Kottbus in die Mark ein- 
tretend dort einen großen Schuttkegel in eine jedenfalls vorhandene 
Hohlform schüttete, von dem aus sie sich auf wechselnden Bahnen 
nach Westen in den Spreewald gewandt hat, w^ohin sie jetzt dank 
Eindeichung dauernd gebannt fließen muß. Auch unterhalb Lübben 
noch kaum gesammelt, durchfließt sie ähnlich der Havel diluviale 
Platten und Seen, zu reichlichen Mäandern durch deren Spiegel- 
höhe gezwungen. Unterhalb Beeskow gewinnt sie endlich durch 
Schuttkegel der Ölse und vor allem der Schlaube nach Westen 
abgedrängt das von der Oder herkommende Urstromtal, in welchem 
sie bis zur Mündung in die Havel verbleibt. 

Für die Besiedlung des Landes ist ebenso wie für die Ver- 
teilung der Vegetation der eben besprochene Gegensatz zwischen 
trocknen, hohen Platten und feuchten Niederungen maßgebend. 
Von Anfang an waren die Grenzen beider Gebiete besonders ge- 
sucht und diejenigen Stellen zu w^eiterem Aufblühen am meisten 
begünstigt, welche zwischen mehreren dieser Platten vermittelten. 
Daß nach unseren Begriffen manche Orte zu sehr auf feuchtem 
Boden erwuchsen, daran trägt die slawische Eigenart Schuld, 
welche vornehmlich den Schutz des Wassers liebte. Wir sind hier 
schon im rein slawischen Siedlungsgebiet, von älteren Orten hat 
sich nichts erhalten. Die germanische Eroberung, die 900 etwa 



112 ' Norddeutschland 

beo'aim, schuf zunächst nur — oft im Anschluß an die shiwischen — 
eine Reihe befestigter Stützpunkte (-bürg) und erst um 1140 be- 
gann die wirliliche Besiedlung des Landes mit Kolonisten, die 
Klostergründung' und der Ausbau der Städte. Neben die slawischen 
Straßendörfer traten neue deutsche, so daß diese Form, oft mit den 
alten slawischen Namen, heute durchaus überwiegt. Von den alten 
Städten der Mark spiegeln sich in Brandenburgs Lage und 
Schicksalen die für den Besiedlungsgang wichtigen Züge wieder. 
Die Stelle der Stadt vermittelt von Westen her einen guten Zu- 
gang zu den mittleren Teilen des Landes. Sie liegt mit der Alt- 
stadt auf trocknen Talsandflächen am Fuß einer Platte und be- 
deckt mit Dominsel und Neustadt diejenigen Terrassenreste, welche 
den Übergang nach Osten und Südosten hin vermitteln. Die Stadt, 
und zwar die Dominsel, war eine Hauptfeste der Slawen, wurde 
927 von König Heinrich I. erstürmt, geriet dann nochmals in die 
Hände der Wenden, wurde erst 1150 endgültig deutsch und 
blieb lange Bischofssitz und Vorort der märkischen Städte. Den 
Charakter der Wasserfestung hat Küstrin im Osten bis heute be- 
wahrt, während Frankfurt a. 0. genau da entstanden ist, wo 
sich die Diluvialplatten rechts und links der Oder am meisten 
nähern und eine Terrassenfläche der noch heute im Stadtbild wohl 
kenntlichen Altstadt Baugrund bot. 

Die meisten Dörfer der Platten und die Städte gehen also auf 
die erste Kolonisationsepoche der hundert Jahre 1150 bis 1250 zu- 
rück. In die ungeheuren Sumpfflächen der Täler wagte man sich 
erst später und lüs jetzt noch so zurückhaltend, daß sich ein Rest 
slawischen Volkstums im Spreewalde bis heute erhalten konnte. 
Erst im 18. Jahrhundert begann unter Friedrich Wilhelm L und 
Friedrich dem Großen erneut die innere Kolonisation, die Urbar- 
machung und Entwässerung der Moore, so des Rhinluches, das 
1718 — 1725 der Besiedlung erschlossen wurde, des Oderbruches, 
in dem 43 neue Dörfer angelegt werden konnten u. v. a. m. 

Aus einem wendischen Fischerdorf der ersten Siedlungsphase 
erwuchs auch diejenige Stadt, welche später Preußens und dann 
des Reiches Hauptstadt werden sollte, Berlin (Taf. XXIV, Abb. 3). 
Sie wurde wie viele andere in Norddeutschland aus dem Fischer- 
dorf zur Stadt, als ihre günstige Lage für den Übergang über das 
Spreetal erkannt und durch den Bau einer Brücke, des jetzigen 
Mühlendammes. l)efestigt wurde, wobei man zugleich durch Auf- 
stau des Gewässers die unentbehrliche Wasserkraft o-ewann. Um 



Berlin 113 

diesen Übergang herum entstanden zwei Städte, Colin auf einer 
Spreeinsel, Berlin auf dem rechten Spreeufer noch ganz in der 
Niederung gelegen. Beide Städte legten sich alsbald die wich- 
tigsten Stadtorgane an, Colin als Markt den jetzigen Köllnischen 
Fischmarkt mit dem Rathaus, das sich zwischen Scharren- und 
Gertraudenstraße erhob, dahinter die Petrikirche, Berlin den 
Molkönmarkt, dahinter die Nikolaikirche und das Bathaus (viel- 
leicht erst später dort!) an der westlichen Ecke des jetzigen Ge- 
bäudes zwischen Spandauer- und Königstraße. Auf eine baldige 
Erweiterung von Berlin nach Nordwesten deutet der Neue Markt 
mit der Marienkirche, der Hohe Steinweg bildete wohl die erste 
Verbindung zu dieser dritten Stadt, die aber jedenfalls sehr bald 
mit Berlin verwuchs, denn der erste, im Zuge der Straßen noch 
heute wohl erkennbare Mauerring aus dem Anfange des 14, Jahr- 
hunderts umschloß bereits beide Orte parallel der heutigen Neuen 
Friedrich-Straße. Auf der cöllnischen Seite folgte er dem "Wasser 
und schloß in der Gegend des heutigen Schlosses die Insel nach 
Norden hin ab, wo damals noch unbewohntes Sumpfland lag. 

Memhardts Plan von 1650 zeigt dann die nächsten Er- 
weiterungen. Sie vollzogen sich naturgemäß einmal nach Süd- 
westen in der Richtung einer der wichtigsten Landstraßen, wo 
wir vor dem Gertrauden-Tor und der gleichnamigen Brücke die 
gleichnamige Kirche und ein Spital (daher jetzt Spittelmarkt) 
finden. Sodann aber hatten die Landesherren 1443 begonnen, auf 
dem nördüchen Ende der cöllnischen Spreeinsel zunächst eine Burg 
zu erbauen, an die sich auf dem jetzigen Schloß-Platz der alte 
Dom und bald auch ausgedehnte Gartenanlagen, Lusthäuser u. a, 
anschlössen. Außerhalb der Mauern wurde durch Anlage der 
Straße Unter den Linden 1647 die im Grundriß schachbrettartig 
gestaltete Dorotheenstadt begründet. Gegen Ende des 17, Jahr- 
hunderts schuf dann der Große Kurfürst diejenige Umwallung, 
welche im Zuge der Straßen und Plätze noch jetzt deutlich er- 
kennbar vermöge ihrer Breite scharf Altstadt und die Vorstädte 
trennt. Auf der Ostseite bleibt die Mauer noch längs der Neuen 
Friedrichstraße stehen, der Graben aber wird bis zur Alexander- 
straße hinausgeschoben, der Alexanderplatz entsteht als Brücken- 
kopf für die Königs-Brücke über ihn. Im Norden führt die Span- 
dauer Brücke hinaus (jetzt „An der Spandauer Brücke"). Die 
Nordspitze der Spreeinsel (jetzt Museumsinsel) trägt eine starke 
Bastion, Im Südwesten griff nun die neue Mauer wesentlich über 

Braun. 8 



114 Xorddeutschland 

die alte cöllnische heraus und umschloß den neu entstehenden 
Stadtteil Friedrichs -Werder. Der Wall ging am Opernhaus durch, 
längs der Ober -Wallstraße — der Hausvoigtei-Platz war eine Bastion 
— dann längs der Nieder-Wallstraße zur Bastion des Spittelmarktes, 
schließlich längs der Wallstraße zum jetzigen Märkischen Museum 
(Bastion), wo der Oberbaum die Spree abschloß. 

Jenseits dieser sehr starken Befestigung erwuchsen schon 
im 17. Jahrhundert außer der Dorotheenstadt weitere Vor- 
städte: die Leipziger im Südwesten, die Köpenicker, die Stralauer 
spreeaufwärts, die Georgen -Vorstadt nach Nordosten, die Span- 
dauer nach Norden. Sie wurden nur noch einmal von einer 
schwachen Mauer eingefaßt, die mehr Zoll- als Verteidigungs- 
zwecken dienen sollte. Friedrich Wilhelm I. legte im Anfang des 
18. Jahrhunderts die alten Wälle zum Teil nieder und zog den 
neuen Bing, dessen Verlauf an Straßen- und Platznamen, z. T. 
auch noch Baulichkeiten leicht kenntlich ist. Nördlich des 
Brandenburger Tores setzte er an der Spree an, ging dann 
über das Potsdamer Tor zum Halleschen Tor im Süden, weiter 
längs der Gitschiner Straße zum Kottbuser Tor, längs der 
Kalischer Straße zum Schlesischen Tor und Oberbaum. Auf der 
anderen Spreeseite ging die Mauer vom Stralauer Tor längs der 
Memeler Straße zum Frankfurter Tor, längs der Friedenstraße 
zum Landsberger und Bernau er (jetzt Königs-) Tor, über Prenz- 
lauer, Schönhauser, Rosenthaler, Hamburger, Oranienburger Tor, 
schließlich durch die Hannoversche Straße mit dem Neuen Tor und 
Alexanderufer zur Spree zurück. Der Raum der Stadt wuchs da- 
durch auf 1300 Hektar, die erst im 19. Jahrhundert völlig bebaut 
wurden, stellenweise ganz regelmäßig, wie in der Friedrichstadt, 
stellenweise im engen Anschluß an die alten Vorstadtstraßeu und 
Landstraßen, wie im Norden mit seinem radialen Netz. 

1868 verschwand dieser Zollgürtel, nachdem inzwischen die 
Bedeutung und Stellung der von ihm umschlossenen Stadt ent- 
scheidend gewechselt hatte. Ursprünglich ein Handelsplatz, war 
sie seit ihrer Erhebung zur Residenz eine Garnison- und Beamten- 
stadt geworden, wenn auch unter Friedrich dem Großen fremde 
Einwanderer manche Industrie mitbrachten. Die günstige Verkehrs- 
lage Berhns, die das spätere Aufblühen von Handel und Industrie 
mit bedingt, konnte erst ausgenutzt werden, als die preußische 
Monarchie sich mehr und mehr zusammenschloß und sich seit 1866 
symmetrisch um dies Zentrum entwickelte. Es entstand seit den 



Berlin 115 

40 er Jahren das vorbildlich radiale Bahnnetz Norddeutschlands, 
dessen Bahnhöfe bis an die alte Umwalhmg: in die Stadt eindringen, 
später zum Teil in dem Ostwestglied der Stadtbahn direkt miteinander 
verbunden werden. Obwohl das Stadtgebiet von Berlin bis 1881 auf 
6310 Hektar wuchs, genügte infolge des überaus starken Zuzuges zur 
nunmehrigen Keichshauptstadt von außen her dieser Raum um so 
weniger, als im Inneren umfangreiche öffentliche Gebäude, große 
Geschäftshäuser, teilweise auch Fabriken entstanden, die den 
Wohnraum immer mehr beschränkten. So drängte die Bevölkerung 
nach außen, und in den achtziger Jahren begann die riesenhafte 
Entwicklung der Vororte, die aus den einstigen Dörfern Groß- 
städte entstehen ließ, die räumlich mit der Mutterstadt mehr und 
mehr zusammenwachsend Groß-Berlin mit seinen 3000000 Ein- 
wohnern entstehen ließen. Die Wohnviertel entwickelten sich da- 
bei nach Südwesten hin, die Industrie sucht die Gewässer, im 
Nordwesten den Tegeler See, im Osten vornehmlich die Spree, 
während das Innere mehr und mehr zur nachts und an Feiertagen 
fast unbewohnten City wird, in deren Aussehen einerseits die öffent- 
lichen Gebäude, andererseits die Waren- und Geschäftshäuser vom 
Stile der Wertheimschen Bauten und der Deutschen Bank aUes 
Übrige verdrängen. 

Man sieht es bei kürzerem Aufenthalt im geistigen Zentrum 
Berlins, wie es zwischen Selüoß und Wilhelmstraße sich ausdehnt, 
dem Leben dort nicht an, daß das riesenhafte Gemeinwesen in 
vielen wirtschaftlichen Beziehungen vor allen anderen deutschen 
Städten steht. Ein Blick auf die Wasserstraßen und ein Studium 
der großen Hafenanlagen zeigt aber bald die Bedeutung Berlins 
schon im Schiffahrtsverkehr. Wer das Weichbild auf einer 
Karte überschaut, erkennt an der Vielfältigkeit der Wasserwege, 
wie die Stadt an dem Problem arbeitet, das ihr ihre Lage zwischen 
Elbe und Oder aufgibt: Vereinigung des Verkehrs beider Flüsse 
zur Speisung der Großberliner Bedürfnisse und Durchleitung des 
Verkehrs vornehmlich in der Diagonale Oberschlesien — Hamburg. 
Ins Herz der Stadt führt die Spree, die bis 1894 zum Großschiff- 
fahrtsweg ausgebaut wurde. Der Entlastung "wieder des Stadt- 
inneren dienen der Landwehrkanal von 1845 — 50 (nur ganz un- 
genügend) und der Teltow-Kanal weiter im Süden. Sind so ge- 
nügend Wege da für die 75000 Schiffe, die Berlin jährlich 
passieren, so fehlt es doch an Hafenraum und Lösch- und Lade- 
anlagen. Trotzdem entfallen über 50 ^/o der Einfuhr des Berliner 

8* 



11 G Norddeutsclilaud 

Wirtschaf tsg'ebietes auf den Wasserverkehr, von der Ausfuhr nur 
etwa 20°/o und mit einem Gesamtverkehr von 10 Mill. Tonnen (1912) 
wird die oesamte Mannheim — Ludwigshafen — llheinauer Hafen- 
gruppe noch ül)ertroffen. 

Im Süden der Mark bilden Fläming und Nieder-Lausitz einen 
langgestreckten Höhenzug, der gegenüber der Lüneburger Heide 
dadurch seine Besonderheiten erhält, daß die glaziale Decke sehr 
dünn ist, so daß an vielen Stellen unter ihr Tertiär herauskommt, 
das stellenweise durch Eisdruck besondere Oberflächenformen erhielt, 
vor allem al)er durch seine Braunkohlenführung dem Menschen 
wichtig W'Urde. 

Die Hochfläche des Fläming liegt 150 bis 200 m hoch und 
enthält wie die anderen Glieder der Landrücken in sich sehr ver- 
Biatt schiedene Bauteile, wie Endmoräne, Sande, ältere Fluß- 
&8. 89. ablagerungen der Elbe, die nach Norden hin noch weiter 
~ ' auf einzelne Platten hinübergreifen, Erscheinungen und 
Absätze, die sie ebenfalls als eine morphologisch gealterte Land- 
fläche charakterisieren, die später randlich aus ihrem Verband 
herausgeschnitten wurde und nun isoliert eine Zertahmg nach den 
sie umgebenden Urstromtälern erleidet, die sich älteren Böschungs- 
verhältnissen konsequent anpaßt, noch nirgends aber recht weit 
gediehen ist. 

Im Osten der Nieder-Lausitz fällt die alte Landoberfläche 
gleichmäßig vom Gebirge weg und wird in dieser Richtung 
Blatt konsequent von Spree, Neiße und Bober zerschnitten. 
104. 105. Vom Gebirge in normaler Ausbildung herkommend, 
passieren alle drei Flüsse südlich von Sprottau, 
Muskau, Spremberg, Senftenberg eine Zone, in w^elcher jeden- 
falls infolge Auftretens undurchlässiger Schichten unter durch- 
lässigen sehr viel Wasser dem Boden entquillt, was ausgedehnte 
Teichwirtschaft hervorgerufen hat. Danach zerschneiden sie weite 
Sandebenen mit viel Dünen (Muskauer Forst) und Grundmoränen- 
platten, die Neiße auch das glaziale Faltungsgebiet von Muskau. 
Im Norden schüttet, wie von der Spree schon erwähnt, auch die 
Neiße einen Schuttkegel in eine augenscheinlich vorhandene Senke, 
der oberhalb Forst bei Zelz wurzelt und Rinnen zeigt, die nach 
Westen zur Spree hinunterführen. 

Mit Ausnahme der glazialen Faltungsgebiete, von denen das 
bei Muskau das schönst entwickelte ist, zeigt also die Oberflächen- 



Fläming. Nieder-Lausitz wj 

form des FlämiDg nur noch im Osten einige Besonderheiten, die 
auf seine Lage nicht fern vom Fuß der schlesischen Gebirge 
zurückzuführen sind. Die gleiche Ursache bedingt das Herauf- 
kommen tertiärer, braunkohlenführender Ablagerungen bis in die 
Nähe der Oberfläche, welche in der Neuzeit nutzbar gemacht 
werden konnten und die Besiedlung des sonst dünn bewohnten 
Landrückens wesentlich verstärkten. Seine Kolonisation war von 
Südwesten her erfolgt; Leitzkau wurde als Kloster im Anfang des 
12. Jahrhunderts von Magdeburg aus gegründet, gegen Ende des 
Jahrhunderts ließen sich in Zinna die Cistercienser nieder. Neben 
vielen Siedlungen mit slavischeu Namen bezeugen andere mit deut- 
schen den Fortgang planmäßiger Kolonisation, die erst zum Stocken 
kam, als der Fläming Grenzgebiet wurde, worauf allmählich eine 
große Zahl von Siedlungen einging. Städte entwickelten sich nur 
am Rand der Hochfläche, vornehmlich an günstigen Übergangs- 
plätzen über die umgebenden Senken. Als solche dienten im 
Norden die Schuttkegel der Flüsse, so bei Brück (Bahnlinie Berlin — 
Kassel) der der Plane, bei Kottbus der der Spree, während Witten- 
berg im Süden den Eibübergang vermittelt. Luckenwalde dagegen 
ist erst nach Verpflanzung der Tuchindustrie durch Preußens 
Könige am Anfang des 18. Jahrhunderts aufgeblüht und hat das 
ältere Jüterbog ganz überholt. 

Im nördlichen Teil der Nieder-Lausitz treten Neiße und Bober 
in den Bereich jugendlicher glazialer Formen ein. Sie durchqueren 
die Neiße bei Guben, der Bober nördlich Naumburg ein Jungend- 
moränengebiet mit z. T. recht lebhaften Oberflächenformen (z. B. 
Carolather Forst) und Höhen von etwa 125 m. Dazwischen liegen 
ausgedehnte waldtragende Sandflächen, teils als Sander zu deuten, 
die sich an die Endmoränen nach außen hin anschließen, teils wie 
die am Bober als Schuttkegel, den er von weit oberhalb Sagan in 
gleichmäßigem Gefäll durch die älteren Landrücken rechts und links 
hindurch geschüttet hat. Von dem Kegel aus wandte er sich durch 
die Pässe des Pfullendorfer Lug und bei Gassen und Sommerfeld 
nach Westen, so lange im Norden das Eis oder seine Wasser ihm 
entgegenstanden. 



118 Norddeutscliland 



Das Wariheland 

Diese jugeiidliclieii Bildungen leiten uns hinülier in das Warthe- 
land jenseits der Oder, wo sie ihre unmittell)are Fortsetzung finden. 

BiHtt Der Endmoränenzug- setzt östlich C-rrünberg über di(; 
105-107 Oder, zieht nördlich Fraustadt, nördlich Lissa vorbei 
und läßt sich über J)olzig nach der russischen Grenze hin ver- 
folgen. Seine Höhen liegen zwischen 120 und 150 ni; überall 
scheidet er ein unregelmäßig gestaltetes, mit Seen durchsetztes Ge- 
biet im Norden, von einförmigen Geschiebemergel-Hochflächen im 
Süden, welche im Norden durch kaum tiefer liegende Sandflächen, 
im Süden durch alte, jetzt vermoorte Abflußrinnen (z. B. bei Gostyn) 
voneinander getrennt sind. Weiter im Norden läßt sich ein ähu- 

Biatt lieber Endmoräneuzug von Frankfurt a. 0. über Schwie- 
80. 81. bus nördlich Posen voi'bei nach Gnesen und Tremessen 

~' verfolgen, der ähnliche Höhen erreicht und das zwischen- 
liegende Land um 40 bis 50 m überragt. Als letztes Glied schließ- 
lich gehört das Zwischenstromland zwischen Warthe und Netze 
Blatt hierher, das düneuüberdeckt als eine Terrasse aufzu- 
78-80. 93 fassen ist, die von beiden Flüssen aufgeschüttet, jetzt 
von beiden randlich durchschnitten und vom umgebenden Land a1)- 
getrennt ist. 

Die Warthe erreicht die Mitte des nach ihr genannten Lan- 
des im Durchbruch von Moschin südlich Posen, dem sie in mäander- 
reichem Lauf zustrebt. Unterhalb Posen schneidet sie alsbald ihr 
Bett in gestrecktem Lauf ein, um erst unterhalb Wronke wieder 
aufzuschütten. Die ihr zahlreich von beiden Seiten zuströmenden 
Nebenflüsse hat sie auf dieser Laufstrecke durch ihre Aufschüt- 
tungen zu Seen aufgestaut, die bis unterhalb I3irnbaum ein sehr 
eigentümliches Kartenbild erzeugen. 

Das waldüberzogene Dünengelände nördlich der Warthe ist 
ein Rest der großen Grenzwälder, welche Polen früher nach 
Norden, Westen und Süden hin umgaben und ist noch heute fast 
unbewohnt. Andere Teile dieser Wälder überziehen das Land 
Stei'uberg und den Kreis Bomst. Nur nach Süden, nach Schlesien 
hin, sind sie stärker gelichtet. 

Bei einer Betrachtung der Siedlungen des Warthelandes ist 
vornehmlich die übergroße Zahl kleiner und kleinster Städte auf- 
fällis:. Sie stammen zum Teil aus der älteren Periode deutscher 



Wartheland 119 

Einwanderung im 13. und 14. Jahrhundert, die nur wenig Dörfer 
(Waldhufenkolonien der Gegend von Lissa und Fraustadt) schuf, 
teils sind später in großer Zahl polnische Siedlungen mit Stadt- 
rechten ausgestattet worden, so daß gegen die Mitte des 16. Jahr- 
hunderts im ganzen 130 Städte vorhanden waren, von denen nur 
wenige meder verschwanden. Anfang des 17. Jahrhunderts folgt 
eine zweite Periode deutscher bäurischer Einwanderung, die sich 
in ähnlichen Formen wie die erste vollzog, nur rechtlich anders, 
so daß man von „Schulzendörfern" spricht. 

Anderwärts wanderten damals zahlreiche Holländer ein, mit 
deren Hilfe erst die größten Sumpf strecken im Norden des Landes 
bezwungen wurden (Holländereien in Form von Marschhufen- 
dörfern). Auch zur Waldrodung wurden sie herangezogen, es 
entstanden die „Hauländereien" mit Streulage der Gehöfte. 

Wiederum führte dieser neue Zuzug zur Gründung von 
Kolonialstädten wie Lissa. Die ganze Gruppe dieser unter- 
scheidet sich von den polnischen Städten durch ihren Grundriß, 
der mehr oder weniger scharf das bekannte Kolonialschema er- 
kennen läßt, wäkrend die polnischen Orte meist nur erweiterte 
Straßendörfer sind. Gegen die Neuzeit hin machte sich die zu 
dichte Lage der Städte mehr und mehr im Sinne einer natürlichen 
Auswahl geltend, die einige verschwinden, andere zu Dörfern herab- 
sinken ließ. In dem rein ackerbautreibenden Land kann ja eine 
Stadt, um gedeilieu zu können, nur als Verkehrsmittelpunkt und 
Markt etwas bedeuten und muß ein ziemlich großes Einzugsgebiet 
haben. Nur wenige erfreuten sich des Zuzuges von Industrien, 
die wiederum deutsche Zuwanderer im 17. Jahrhundert ein- 
führten. 

Diese Schicksale der Provinzialstädte spiegeln sich in dem Bilde 
ihrer Hauptstadt getreulich wieder. Bei Posen (Taf. XXIV, Abb. 2) 
fließt die Warthe 50 m über dem Meere in einem etwa 1 km 
breiten Tal, das mit scharfen Rändern in die 80 m hohe Hoch- 
fläche eingeschnitten ist. Sie durchzieht den versumpften Talboden 
in mehreren Armen und Windungen und nimmt von Osten die Cybina 
auf. Auf einer hochwasserfreien Insel zwischen beiden Flüssen, 
der heutigen Dom-Insel, entstand die erste slawische Siedlung, eine 
Burg mit einigen Hütten, die restlos wieder verschwunden ist. 
Als der J^ischofssitz mit der Kathedralkirche hierher kam, genügte 
der Raum auf der Insel bald nicht mehr und es erwuchs nach 
Osten hin gegen den Rand des Hochlandes in der Mitte des 



120 Norddeutschland 

13. Jalirhimderts eine deutsche Kolonialstadt, das heutige Schrodka. 
Wenig' später aber (1253) wurde am westlichen Wartheufer eine 
norniale deutsche Kolonialstadt gegründet, der jetzige innerste 
Kern der Altstadt, leicht an seinen sich rechtwinklig kreuzen- 
den Straßeii kenntlich. In dieser Ausdehnung wurde die Stadt 
zum Sammelpunkt des ganzen von Westen kommenden Verkehrs, 
den sie nach dem Osten hin weiterleitete. Sie blühte rasch auf 
und neue Stadtteile im Süden („Fischerei'') und Westen („Große 
Gerberstraße"), die „Wallischei" auf einer Wartheinsel ließen sie 
mit dem alten Kern der Dominsel sich vereinigen. Am Ende des 
16. Jahrhunderts aber ging es bergab und erst die preußische 
Herrschaft brachte den Ort wieder zur Blüte. Posen wurd'e Grenz- 
festung und seit 1828 ein starker Wall um Nord-, West- und Süd- 
seite der Stadt gelegt, der auch schon auf das Hochland hinauf- 
griff. Auf der Ostseite entstanden Forts. In der Neuzeit hat 
Posen als feste Stellung für das kämpfende Deutschtum der Pro- 
vinz ganz besondere Förderung erfahren. 1902 wurde die Um- 
wallung aufgegeben und seitdem wächst die Stadt nicht nur immer 
stärker über den im Südwesten gelegenen Bahnhof hinaus und dort 
mit den Wohnvorstädten zusammen, sondern gestaltet sich auch 
innerlich um dui'ch die Fülle öffentlicher Gebäude, voran des 
Kaiserpalastes. 

Im Inneren erhält die Stadt ihren Charakter durch den sicht- 
l)aren Kampf beider Nationen, der seit dem Anfang des 20. Jahr- 
hunderts mit besonderer Schärfe wieder eingesetzt hat. Auch die 
Landschaft der Provinz erfährt dadurch in vielen Teilen eine Um- 
gestaltung. Unter preußischer Verwaltung ist 1850 bis 1860 der 
Obrabruch entwässert und nutzbar gemacht worden. Durch die 
Ansiedlungskommission sind etwa 3500 iikm Landes aufgekauft und 
zum großen Teil der Kleinsiedlung erschlossen worden. Ü])er 20000 
deutsche Siedler konnten so in den letzten Jahren seit 1886 ins 
Land gezogen werden, deren Dörfer und Höfe schmucken Aus- 
sehens das Landschaftsbild oft schon stark beleben. 

SüdlicJi der großen Bartsch-Senke, die nach Westen in das 
Odertal übergeht, und dann auch südlich von dieser liegen einige 
Blatt langgestreckte Höhenzüge, das Katzengebirge von Glo- 
106-106-119 g..^^ ^^j^(| ^]j^g Katzengel)irge von Treljuitz, die 230 und 
255 m Höhe erreichen, zu denen als drittes noch die Grünberger 
Hügel mit 221 m Höhe kommen. Diese Züge überragen damit 
ilire Umgebung um Je etwa 1(»0 m, zu der hin sie unregelmäßig 



Mitteldeutsche Gebirgssch welle 121 

reich zerschnitten sind. Sie bestehen wesentlich ans tertiären 
Tonen, denen nur eine dünne Decke von Gescliiebemergel und 
eine Lößdecke in Fetzen noch erhalten aufgelagert sind. Nörd- 
lich liegen die großen Sandheiden des erwähnten Endmoränen- 
zuges, südlich ausgeglichene gealterte Grundnioränenlandschaft 
mit sehr geringem Relief, aus der immer wieder das Tertiär in 
flachen, nordwestlich streichenden Sätteln hervorsieht, ohne doch 
wie die erwähnte Höhe zu erreichen. Da Braunkohlen fast fehlen, 
so ist diese ganze Zone ackerbautreibend, des guten Bodens wegen 
dicht besiedelt. 

Hier scheiden wir von Norddeutschland. Das übrige Schlesien 
links der Oder ist leichter zu verstehen, wenn wir es wie Sachsen 
als Gebirgsvorland auffassen. Und Oberschlesien schließlich ist 
ein Teil für sich, der ebenfalls nur durch die Einwirkung seines 
Gebirgsuntergrundes zu dem geworden ist, was wir jetzt unter 
diesem Namen verstehen. 



2. Die mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

Die mitteldeutsche Schwelle besteht aus einer Aneinander- 
reihung alter Gesteinsmassen, die zuerst im jüngeren Paläozoikum 
energisch gefaltet, seither von wenigen Ausnahmen abgesehen — 
die auch heute noch Lücken darstellen — eine namentlich wieder 
im Tertiär bemerkenswerte Neigung zum Aufsteigen zeigen, wo- 
mit andererseits Einbrüche und ein Pressen zwischen ihnen ge- 
legener Gesteinszonen verbunden waren. In ihrer heutigen Lage 
wird uns die Schwelle im jüngeren Tertiär sichtbar, als die Aus- 
bildung der heutigen Oberfläche aus der germanischen Rumpfebene 
heraus begann. Seither haben Aufwölbungen, Bruchbildung und 
vulkanische Vorgänge sich der Flußtätigkeit in den Weg gelegt, 
die jedoch alle diese Störungen überwand, so daß wir heute nor- 
mal von Flüssen zerschnittene Landschaften in verschiedenen 
Stadien ihrer Entwicklung in der Schwelle vor uns haben. 

Der der mitteldeutschen Gebirgsschwelle eigentümliche Stil 
der Oberflächenforinen tritt nur auf Spezialkarten ausreichend 
hervor, Übersichtskarten zeigen da ein Bergland, wo tatsächlich 
die fast ebene Hochfläche herrscht. Das mehr oder wenig ebene 
Hochland ist die Oberflächenform des Schiefergebirges, wie des 



122 Mitteldeutsche Getirgssch welle 

Harzes, der Rhön, des südlielieu Thüring-er Waldes, des Erz- 
«•ebirges und inneren Böhmen. Tief eing-esclinittene jug-endliche 
Täler vom Typus des Rheintales und El])tales im Elbsandstein- 
g-ebirg-e ziehen oft gewunden hindurch. Zwischen den genannten 
und anderen kleineren, sie verbindenden Hochlandsteilen aber liegt 
etwas anderes: weit öffnet sich von Süden her die Wetterau: um 
Kirchhain, au der Schwalm, um Kassel liegen große flachformige 
Weitungen; breit und flach erstreckt viele Kilometer lang das 
Leinetal: kein Tal, sondern eine Senke. Eine Senke ist das 
Ganze, aber nicht so ebeuf lächig wie die mittelrheinische Senke, 
sondern nun wieder erfüllt von einem ]3ergland zahlloser Vulkan- 
kuppen, die von da aus auch auf die Hochlande, vornehmlich im 
Westen, hinaufreichen und zu Gipfeln derselben werden, obgleich 
ihrem innerlichen Wesen so ganz fremd. 

Randlich taucht die Schwelle unter jüngeren Ablagerungen 
unter. Westlich und nördlich des Harzes laufen fingerförmig und 
streifenweise Gesteinsri]»pen noch weit ins flache Land hinaus. 
Ihre Lagerung zeigt, daß hier junge Faltungen, die im Hochland 
längst erloschen waren, eine Rolle gespielt haben und wirksam 
den Gang der Abtragung bestimmten. Es sind dem mitteleuropäi- 
schen Boden sonst fremde Gebirgsglieder. 

Wurde die mitteldeutsche Gebirgsschwelle auch nicht mehr 
vom nordischen Eis überzogen und war sie auch selbst zu niedrig, 
um der Entwicklung irgendwie erheblicher Eismassen Raum 
zu gewähren, so war sie doch ein ödes und pflanzeuarmes, 
menschenleeres Gebiet, als die Eismasseu wichen und bald der 
Mensch nachrückte. Ihm waren damals die Hochlande gerade 
willkommen, der sumpfige Boden der Täler und Senken mußte 
gemieden werden und konnte erst sehr allmählich der Besiedlung 
dienen. Dann aber saßen die Germanen gerade hier fest und 
mochten von Westen die Römer, von Osten die Slawen drängen, 
die Schwelle, reich an natürlichen Hindernissen, blieb in ihrem 
westlichen Teil das Kern gebiet germanischer Siedlung. Un- 
merklich wandelte sich im Lauf der Geschichte der relative Wert 
von Hochland und Tal, Kuppenbergland und Senke für den Men- 
schen. In die Täler zog der Verkehr, in die Senken die Siedlung 
und die Industrie, die Hochlande aber blieben, soweit der Boden 
nicht Erze führt, mehr und mehr als rein landwirtschaftliche Be- 
zirke an Volkszahl und Bedeutung zurück. Und im Kuppenland 
rauschte gar rasch die Zeit vorbei, da jeder Berg seine Burg trug 



Übersicht 123 

und so zur Siedlung Boden ausgenutzt wurde, den heute meist 
meder Wald deckt. 

In der Gegenwart wird die Schwelle vom Verkehr als ein 
arges Hindernis empfunden. Hier durch das enge Rheintal, dort 
durch die hessische Senke und weiter den Elbecanon muß er sich 
hindurchpressen und hindurchwinden, im Thüringer Wald sogar 
nicht 'Unerhebliche Pässe überschreiten oder durchtunneln. Noch 
schlimmer steht es in ostwestlicher Richtung. In weitem Bogen 
biegen die Linien zum Teil nach Norden aus (Basel — Berlin ein- 
zelne Wagen über Magdeburg), zum Teil führen sie wie die so- 
genannte „Kanonenbahu'' (Berlin — Metz) durch einsame Gegenden 
mit starken Steigungen und können nur von Personenzügen be- 
fahren werden. Noch stärker als im Tiefland rufen die natur- 
gegebenen Sammelbecken des Verkehrs hier nach Vermittlern: so 
entstehen im Norden Cöln, Hannover, Magdeburg, Halle, Breslau, 
im Süden Mainz und Frankfurt als solche Brennpunkte, während 
im Inneren allein die Stellen, an denen die Ostwestlinien mit den 
nordsüdlichen kreuzen, aufblühen: Coblenz, Gießen und Kassel. 

Die Einteilung des großen Gebietes wird in erster Linie die 
schon allgemein mit besonderen Namen belegten, wirtschaftlich in 
sich recht einheitlichen Teile alter Gesteine herausheben, die durch 
ihren Reichtum an Erzen, randlich auch Kohlen, für den Menschen 
wichtiger sind, als es ihrer geringen Bedeutung für den Ackerbau 
nach scheinen könnte. Zwischen ihnen liegen jene erwähnten 
Streifen und Becken jüngerer Gesteine, die erst eigentlich die 
Gliederung hervorbringen und neben landwirtschaftlicher Pro- 
duktion vorwiegend den größeren Verkehr in sich aufnehmen, der 
größere Orte in ihnen entwickelt. Die unter solchen Gesichts- 
punkten sich ergebende natürliche Einteilung wird hier stärker 
der Größe nach in sich verschiedene Einheiten aufdecken als es 
in Norddeutschland der Fall ist. 



Das Rheinische Schiefergebirge 

Wer einen wahren Begriff von der Gestaltung des Rheinischen 
Schiefergebirges erhalten will, darf sich nicht damit begnügen, es 
im Rheintal zu durchqueren, sondern er muß auf die Höhen hinauf, 
die scheinbar so schroff über dem Tal stehen. An den Wänden 
des Tales sieht man nur den inneren Bau, steil stehende, gefaltete 
und gefältelte devonische Schiefer und Grauwacken, aus denen sich 



] 24 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

weißliche (^uarzite um Bingen herum scharf herausheben. Wie 
steil aber auch die Schichten stehen, vergebens sucht man ihre 
Fortsetzung nach oben und der geschulte Blick erkennt schon vom 
Rheindampfer aus an der fast überall ganz ebenen Himmelslinie, 
daß oberhalb des Tales keine Berge mehr liegen, sondern ebene 
Flächen. 

Jeder Überblick von oben, ganz gleich von wo, bestätigt diesen 
Schluß: man sieht eine wellige Hochfläche, welche die Struktur 
glatt abschneidet. Aus ihr erhel)en sich im Nordwesten das Hohe 
Venu bis zu 700 m, im Süden der Soon-Wald, Idar-Wald u. a. zu 
816 m und der Taunuskamm zu 880 m. Alle diese (und andere) 
Bergzüge lassen sich leicht durch das Vorhandensein der sehr 
widerstandsfähigen Quarzite erklären, welche durch langdauernde 
Abtragung aus den weicheren Schichten herausgeschält wurden. 

Daneben gibt es aber noch andere Erhebungen. Durch ihre 
Form leicht als Vulkane und Vulkanruinen kenntlich sind die Berge 
der Eifel, des Siebengebirges und des Westerwaldes. Hinter diesem 
aber ragt ein neuer über 800 m hoher Zug auf: das Bothhaar- 
gebirge der Karten. Hier trifft keine der eben gegebenen Er- 
klärungen für die Gipfel des Schiefergebirges zu: weder liegen 
Vulkane vor, noch härtere Gesteine, und so blei1)t nur die Annahme 
ül)rig, daß es sich hier um ein besonders stark aufgewölbtes Stück 
der Oberfläche handelt. 

Zwischen den Erhebungen liegt in 300 — 450 m Höhe die an 
Fläche weit vorwiegende Begion der Hochböden. In flachen Wellen 
mit 50 — 100 m Eelief zwischen den weitgespannten Höhen und den 
breiten vermoorten Tälern geht der Boden auf und ab, dicker Ver- 
witterungsschutt überdeckt alles, dazu verarmte Schotter, je näher 
man an die Täler herankommt, welche in diese Fläche so scharf 
eingeschnitten sind, daß sie sich oft dem Überblick entziehen. 
Die Verfolgung dieser Schottermassen lehrte dann das große geo- 
graphische Problem lösen, das darin besteht, daß drei große Flüsse 
aus dem niederen Lande ringsum in das höhere Bergland eintreten 
und dassell)e durchfließen. Man erkannte die Hauptphasen der 
jüngsten Geschichte dieses großen Gebietes, das in die jüngere 
Tertiärzeit als ein flachwelliger Bumpf eintrat, der über die devoni- 
schen Schichten und den in der Eifel teils aufgelagerten, teils ein- 
gesunkenen Buntsandstein hinübergriff und der sich gar nicht 
merkbar über seine Umgebung erhob. Als flache Berge ragten die 
härteren Gesteinsgruppen heraus, zwischen ihnen entstanden in 



Rheinisches Schiefergehirge 125 

flachen Senken Braunkohlen und schütteten die Flüsse Schotter und 
Quarzsande auf. Gegen Ende der Miozänzeit beginnen lebhafte Um- 
bildungen: es entstehen die Vulkane, im Norden bricht die Kölner 
Bucht ein und zieht als nunmehr tiefste Stelle der Region die 
Flüsse an sich, die bald zum erstenmal erkennbar als Urrhein, 
Lahn und Mosel auftreten. Die Einebnung und Aufschüttung geht 
fort, 'bis im Oberpliozän die langsame Aufwölbung des Ganzen ein- 
setzt, welche die Flüsse zum Einschneiden zwingt und die Region 
zum „Gebirge" werden läßt. Noch einmal erfolgt im älteren Di- 
luvium ein längerer Halt, während dessen die Flüsse die Haupt- 
terrasse aufschütten und der Rhein einen mächtigen Schuttkegel 
in die Kölner Bucht vorschiebt. Eine neue starke Hebung und 
Wölbung leitet zur Gegenwart hinüber, in der die Flüsse in 
jugendlichen Tälern ihre Eintiefungsarbeit fortsetzen, nur an 
wenigen Stellen noch Mttelterrasse und Niederterrasse zur Aus- 
bildung kamen. 

Versucht man zum Zweck der Einzelbetrachtung das Gebiet 
in Gruppen zu zerlegen, so wird man gut tun, die Scheidung durch 
die Täler nicht zu stark zu betonen; sie sind dem Menschen jetzt 
wichtig, aber gegenüber dem Ganzen des Gaues nur kleine Ritzen. 
Immerhin helfen sie zur Orientierung bei der zonareu GKederung. 
Die südlichste Zone ist nur linksrheinisch entwickelt, rechtsrheinisch 
abgesunken: das Saar-Nahe- Gebiet. Nördlich schließt sich die rein 
Ackerbau und Forstwirtschaft treibende Zone von Hunsrück und 
Taunus an. Im nächsten Streifen haben wii' linksrheinisch die Eifel, 
dann das Neuwieder Becken am Rhein, weiterhin den Westerwald 
und die Lahnsenken. Den Ardennen Knks entspricht weiter nörd- 
lich rechts das Sauerland, worauf die sehr gleichartige Industrie- 
zone folgt. Das Rheintal selbst scheidet erst unterhalb des Neu- 
wieder Beckens stärker und führt schließlich ins Vorland hinaus, 
ihm bis nach Holland seineu Charakter aufprägend. 

Das Saar-Nahe-Gebiet 

Bei und nach der Gebirgsbildung der paläozoischen Zeit, welche 
den inneren Bau des Schiefergebirges schuf, entstand im Süden 
desselben eine Senke, in welcher sich die Zerstörungs- uiatt 
Produkte desselben in Form von Sandsteinen und Kon- *•''*• **^-*- ^^" 
glomeraten sammelten. In großen Mooren gedieh eine üppige 
Vegetation, welche die in ihrer Gesamtheit heute über 100 m 



126 Mitteldeutsche Gebirgssch welle 

mäclitig-eii Kohleschichten erzeugt hat. In mehrere tausend Meter 
betragender Mächtigkeit legen sich weitere Trümmerinassen dar- 
über, die Ottweiler Schichten des Karbon und das ganze Rot- 
liegende. Dazu lieferte sehr lebhafte vulkanische Tätigkeit mächtige 
Lagen von Eruptivgesteinen, von denen Melaphyre und Porphyrite 
oberhall) Birkenfeld eine Fläche von 500 qkm bedecken. Das ganze 
Schichtensystem liegt heute im großen und ganzen muldenförmig 
mit nordöstlich streichender Achse, in sich mehrfach verworfen. 
Die härteren Gliedei", vornehmlich die Eruptivgesteine, sind durch 
die Abtragung herausgearbeitet und bilden die 600 m Höhen er- 
reichenden Erhebungen, die teils Plateaus, teils Schichtstufen, teils 
auch kegel- und kuppeiförmige Berge (Donners-Berg 685 m) sind, 
je nach der Art und Weise, in welcher die harten Gesteine ge- 
lagert sind. Im Süden legt sich meist mit einer Stufe der Bunt- 
sandstein auf. 

Wirtschaftlich zerfällt das Gebiet jetzt in zwei Teile: die 
landwirtschaftliche Zone des Nordens mit lokaler Steiuindustrie 
und die Steinkohlenzone im Südwesten. Die ganze Landschaft mit 
recht unregelmäßigem starken Eelief ist erst spät und dünn l)e- 
siedelt worden und hebt sich darin scharf ab von dem benachbarten 
Moseltal und Bheiuhessen. Namen auf -weiler und -bach wiegen 
vor. Die Grundrißform ist in den meisten Fällen das Haufendorf. 
Im nördlichen Teil des Gebietes haben das Vorkommen von Achat- 
mandeln in den Melaphyren und das Vorhandensein von Wasser- 
kraft lokal die Schleifindustrie entstehen lassen, die jetzt allerdings 
nur noch überseeisches Rohmaterial und Dampfkraft verwendet, 
aber doch im Fürstentum Birkenfeld allein über 1000 Personen 
beschäftigt und volkreiche Orte, wie Idar und 01)erstein, hervor- 
gerufen hat. Die Steinkohlen- und Erzgewinnung fand schon im 
L5. und 16, Jahrhundert bei Sulzbach und anderen Orten statt. 
Absatz nach Zweibrücken und überhaupt in die Pfalz läßt sich 
nachweisen. Etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts begann 
man die Kohle zum Hausbrand zu verwenden, die Gruben wurden 
verstaatlicht uiul ein starker Aufschwung setzte ein, der einen 
Export zu Wasser bis nach Frankfurt a. M. zuließ. Der Beginn 
der preußischen Herrschaft 1815 leitet die gegenwärtige Entwick- 
lung ein: 1850 waren auf den königlichen Gruben bereits 4600 Ar- 
beiter beschäftigt, heute sind es über 50 00() und die Förderung 
beträöft über 10 Millionen Tonnen. 



Rheinisches Schiefergebirge 127 



Hunsrück-Taiinus-Gaii 

Steil erheben sich die Quarzitzüge von Hochwald, Idarwald, 
Soonwald usw. über dem sanfter geformten, niedrigeren Nahebecken. 
Sie sind kulissenförmig gegeneinander versetzt, so daß 5,^^^ 
mehrere Durchgänge von Süden nach Norden bestehen, iss. 139. 149. 
die für die Besiedlungsgeschichte wichtig wurden, jetzt 
aber ohne jede Bedeutung sind. Geschlossener Wald überzieht die 
Höhen, und auch die Hunsrückplatte ist noch reich an Wäldern, 
in denen die Dörfer — meist kleine Straßendörfer — in isolierten 
Lichtungen liegen. Handlich setzt zum Rhein und zur Mosel hin 
jugendliche, scharfe Zerschneidung ein, an deren steilen Hängen 
dann der Weinbau sich in die Höhe zieht. 

Noch weit schärfer als der Hunsrück im Süden abgesetzt ist, 
ist es der Taunus mit Höhen von 800 m über dem nur 100 m hoch 
gelegenen Land an seinem Fuß. Auch hier ist der Kamm durch- 
brochen und eine Hauptbahn benutzt die tiefste dieser Senken, sehr 
alter, jetzt leerer Täler, die Idsteiner und verbindet Limburg mit 
Wiesbaden und Frankfurt. Das siedlungsgeographische Bild der 
nördlichen Hochfläche ist das gleiche wie im Westen des Rheins: 
eine dünn bevölkerte, waldreiche Landschaft mit großen, menschen- 
leeren Einöden am Wippertal, zwischen Lahn und Rhein und am 
Kamm im Süden selbst. Von allen Orten in und um diesen Gau 
ist allein Wiesbaden als Badeort zuerst und jetzt als wichtiger 
Verkehrsmittelpunkt dem linksrheinischen Mainz entsprechend 
aufgeblüht. 

Die Scheidung des Hunsrück von dem Plateau der Eifel durch 
die Mosel ist nur dort eine schärfere, wo wie unterhalb Trier 
außer dem schmalen, gewundenen Tal im Längsverlauf desselben 
eine tektonische Senke auftritt, die Wittlicher Senke, in der sich 
wenig widerstandsfähige Schichten des Rotliegenden erhalten 
konnten, welche bei der Aufwölbung des ganzen Landes dann 
ausgeräumt wurden. Zwischen der Senke und dem gewundenen 
Moseltal blieben die Mosel-Berge stehen, ein Hochlandstück, das 
jetzt erosiv in ein Bergland aufgelöst wird. 



128 Mitteldeutsche Gebirgsscli welle 

Der Eifel-Gau 

In der Eifel treten zu den uns bekannten Landschaftselementen 
des Schiefe riiebirges zwei neue auf: die jungen Vulkane und im 
Blatt äußersten Westen die Scliichtstufen der Ausläufer des 
136. 187. US. Pariser Beckens. Nördlich Trier liegt das Muldentiefste 
dieser Randlandschaft, wo Iveuper flache Wellen bildet, 
die steil und hoch von jurassischen Tafelbergen überragt werden. 
Nach außen folgen kahle Muschelkalkplatteu und schließlich die 
ausgedehnten Wälder der einförmigen Buntsandsteinhochflächeu, 
ehe mau in meist unmerklichem Übergang auf die devonischen 
ärmeren Gesteine kommt. 

Der Vulkanismus der Eifel ist geologisch genommen außer- 
ordentlich jung: die Lavaströme seiner Krater sind in die bereits 
ausgetieften heutigen Täler hineingeflossen und haben ihre Aus- 
bildung teilweis gehemmt (bei Gerolstein, bei Manderscheid u. a.). 
Er ist so jung, daß die aufgeschütteten Vulkankegel noch vollständig 
erhalten dastehen und kaum durch Abtragung verändert sind, wie der 
Mosen-Berg bei Manderscheid, die Kunks-Köpfe am Laacher See. Er 
erhält seine Besonderheit gegenüber anderen Vulkangebieten in der 
Aussprengung rundlicher Löcher im Erdboden, welche sich später 
mit Wasser füllten und jetzt Maare genannt werden. An zwei 
Stellen scharen die Vulkane sich dichter: um Gerolstein und in 
der Vorder-Eifel , wo der Laacher See ein größerer Explosions- 
trichter zwischen älteren Kratern ist und weithin Tuffmassen das 
ganze Land bedecken, im Brohltal als „Traß" Gegenstand starker 
Ausbeute. Für den Menschen sind die Erzeugnisse des Vulkanis- 
mus jetzt vornehmlich als Steinlieferanten wichtig, auch l)ieten die 
letzten Zeugen seiner Tätigkeit, die Quellen, manches geschätzte 
Trink- und Heihvasser (Gerolstein, Apollinaris u. a.). 

Der Westerwald-Gau 

Handelt es sich in der Eifel im wesentlichen um junge Vul- 
kane mit großem Formenwechsel, so ist das im Westerwald ganz 
Blatt anders: der Hohe Westerwald ist eine überaus ein- 
124. 13S förmige Hochfläche, deren Gipfel 600 m etwa erreichen, 
deren weite vermoorte Täler 100, selten 150 m tiefer liegen. 
Handlich setzen die Basalttafeln meist mit steilem Rande gegen 
die sie umgebenden Teile der Rumpffläche des Schiefergebirges ab. 



Westerwald. Sauerland 129 

die wie im Westen bei Altenkirclien etwa nur 350 — 400 m hoch 
liegen. Unterhalb Westerburg kann man es vortrefflich beobachten, 
wie die Täler durch die Basaltdecken hindurch in deren Unterlage 
einschnitten und diese nun zu steilrandigen Tafelbergen wurden. 
Hier hat vielleicht schon randliche Verjüngung eingesetzt, aber 
auch die weiten Täler im Inneren des Hohen TVesterwaldes sind 
jünger ^Is die Eruptionen. Oben gealtert, werden sie im Osten 
bei etwa 450 ni scharf verjüngt und gehen so zur Dill hinunter — 
ein Zeichen, daß der Hohe Westerwald als G-anzes eine geologisch 
alte Oberflächeuform ist, die, von allen Seiten angeschnitten, der 
Abtragung und Auflösung entgegen geht. Infolge der großen Aus- 
dehnung der Lavadecken sind unter ihnen auch in großer Aus- 
dehnung die tertiären Schichten erhalten, über welche hin sich die 
Lava ergoß. Der Inhalt an Braunkohlen macht diese Vorkomm- 
nisse für den Menschen sehr wichtig. 

In den umgebenden, meist infolge ihrer randlichen Lage stärker 
als der Hohe Westerwald zerschnittenen Hochflächen ragen neben 
vereinzelten Vulkanen noch Quarzitrücken stärker auf, so im Westen 
die Montabaurer Höhe 546 m und im Osten der weithin sichtbare 
Düns-Berg bei Gießen, der mit 500 m Höhe seine Umgebung um 
mehr als 150 m überragt. 

SüdHch des Westerwaldes liegt an der Lahn das seltsame 
hydrographische Zentrum des Limburger Beckens, dessen Boden — 
von den schon wieder eingeschnittenen Flüssen abgesehen — 
175 — 200 m hoch ist. Es wird südlich von Diez von einem sehr 
ausgesprochenen Höhenzug begrenzt, ähnlich oberhalb Vülniar, und 
ist wohl eine auf das Auftreten weicher — vielleicht eingebroche- 
ner — Gesteine zurückzuführende Ausräumung. Oberhalb und unter- 
halb des Beckens bildet die Lahn je ein Durchbruchstal, das in 
allem dem Charakter des Moseltales gleicht. 

Ardennen, Sauerland 

Die folgende Zone, welche ich linksrheinisch mit Ardennen, 
rechtsrheinisch mit Sauerland bezeichnet habe, umfaßt wesentlich 
weitere Räume als die südlichen Zonen und ist außer- nutt iio. 
ordenthch einförmig. Nach beiden Seiten ragt sie über ^"- i-^-^--' 
den Bereich des Schiefergebirges hinaus, einerseits in das südliche 
Belgien hinein, andererseits nach Waldeck, ohne daß ihr Charakter 
sich ändert. 

Braun. 9 



130 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

In der Bodenplastik sind gleichwohl zwischen den rechts- und 
linksrheinischen Landschaften Unterschiede vorhanden, die oben 
schon Ixn-ührt wui'den: Schneifei und Hohes Venn sind Härtliuge 
und also an das Streichen der Gesteine geknüpft, das Rothaar- 
Gebirge ist eine Aufwölbung. Da die harten Scliichten des Hohen 
Venn eine recht große Ausdehnung besitzen, so herrschen dort 
sehr alte Formen vor mit so gering entwickelter Entwässerung, 
daß ein großer Teil der flachen Wölbung mit Torfmooren über- 
zogen ist. Das Rothaar-Gebirge ist die eigentliche Gipfelfläche 
des Ganzen und daher stark zerschnitten, nur in einzelnen Teilen 
(Ederkopf-Pl.nttform, Winterberg-Plattform) sind noch die greisen- 
haften Fonuen des Rumpfes erhalten, al)er unregelmäßig wellig, 
nicht so großzügig wie am Venu. So haben wir hier die am 
schwersten zugängigen und einsamsten Teile des ganzen Schiefer- 
gebirges, überdeckt mit unendlichen. Wäldern. Erst 200 m tiefer 
öffnen sich wieder die Täler, und hier hegt ein tieferer, wenig 
zerschnittener Teil der Rumpffläche, den die Flüsse auch ihrer- 
seits wieder in engen Tälern verlassen, um schließlich die Eder 
(260 m bei Frankenberg) zu erreichen. 

Weiter westlich im Sieger Land und nördlich im Sauerland 
werden die Bodenformen viel mannigfaltiger, was auf größere 
Unterschiede in der Art und Widerstandsfähigkeit der auftretenden 
Gesteine und eine ungewöhnlich dichte Zertalung infolge reich- 
licher Niederschläge zurückzuführen ist. Das Ebbe -Gebirge ist 
ein größerer Zug harter Gesteine, bei Grevenbrück tritt die 
erste Mulde karbonischer (testeine auf. Wieder einförmiger 
ist der Nordosten, wo bei Brilon sich dank der Durch- 
lässigkeit der dort anstehenden Kalke in 450 m Höhe eine 
Rumpf ebene erhalten hat, die vielleicht sehr hohen geologischen 
Alters ist. ^ 

Nach Norden hin schließt sich an das Hohe Venn einerseits, 
das Sauerland andererseits eine Zone an, in der die Rumpf ebene 
die Schichten der i)roduktiven Steinkohlenformation an- und ab- 
schneidet. Damit endigt das Schiefergebirge in dieser Richtung; 
zugleich ist dort die Eigenart der Landschaft so stark von den 
Kohlen- und Erzvorkommnissen ])estimmt, daß wir sie gesondert 
betrachten wollen. Die Darstellung des Besiedlungsganges freilich 
wii'd uns schon manchen Einblick in die dortigen Verhältnisse 
geben. Für ihre Zwecke ist die ganze linksrheinische Runipfplatte, 
als römischer Herrschaft zum Teil läncrere Zeit unterstehend, eine 



Besiedlung der linksrheinischen Rumpfplatte 131 

Einheit, der gegenüber die rechtsrheinischen Landschaften, die nicht 
diesen Einflüssen unterlagen, etwas anders dastehen, 

Besiedlungsgang der linksrheinischen Rumpfplatte 
und des Moseltales 

Die älteste Siedlungsschicht, die uns heute noch in einer 
ganzen Reilie von Namen (z. T. allerdings in römischer Verstümme- 
lung) erhalten ist, ist die keltische. Wir erkennen sie an Namen 
auf -nich oder -nig, dann an manchen einsilbigen Worten wie 
Dann, Prüm. Trägt man ihre Verteilung auf eine Karte ein, so 
ergibt sich, daß die Besiedlung vorwiegend den Rändern der höheren 
Teile der Hochlande folgt. Sie ist dicht auf dem Maifeld wie über- 
haupt längs der Mosel, meidet aber das Tal selbst; sie ist dann 
wieder besonders dicht am Nordabfall des Buntsandsteingebietes 
um Zülpich herum, meidet aber auch das Venu nicht ganz. Die 
Römer haben dies Bild in seinen Grundzügen wenig geändert. Sie 
schufen aber gewisse Puukte, wie Trier, Cöln, Andernach, Coblenz 
zu Städten um und überzogen das Land mit einer Reihe fester 
Straßen, die dem weiteren Besiedlungsgang und dem Verkehr zum 
Teil bis in die Gegenwart die Richtung vorschrieben. Trier war 
der Knotenpunkt, von dem aus eine Straße durch die Wittlicher 
Senke nach Andernach, eine zweite über Bitburg — Oos — Jünkerath — 
Marmagen nach Cöln führt; diese kreuzte in Zülpich mit einer 
anderen, die in südwestlicher Richtung Reims zustrebte. 

Die gennanische Besiedlung durch die Franken während der 
Völkerwanderung folgt den vorgezeichneten Bahnen. Die Namen auf 
-heim und -ingen, sowie -lar und -mar gehören dieser Epoche an, die 
etwa 800 n. Chr. endet. Wir finden eine starke Verdichtung der 
Bevölkerung auf dem Maifeld, am Nordrand um Zülpich und Eus- 
kirchen und einen Streifen neuer Siedlung längs der Römerstraße 
Trier — Cöln. Besonders stark aber ist die Neubesiedlung zwischen 
Our und Sauer im heutigen Luxemburg. Im Ahrgebiet deuten 
Gruppen von Ortsnamen, die auf -dorf enden, an, in welcher Form 
die Besiedlung erfolgt ist. 

Bereits im 9. Jahrhundert beginnt mit der Gründung von 
Klöstern die planmäßige Rodung und Besiedlung des Landes. Die 
Ortsnamen auf -rath, -rode und -scheid zeigen uns den Fortgang 
des Eindringens in den Wald. Ganz neu besiedelt wird ein breiter 
Streifen aus der Trierer Gegend nach dem oberen Ahrtal und Bonn 
hin, fernei' das Gebiet der Prüm, die Hochflächen zwischen Schnee- 

9* 



132 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

Eifel uud dem Venn, sowie auch der Nordrand des Venu, der bis- 
her auffallend leer war. Namen auf -bach uud -weiler, die eben- 
falls dieser Periode angehören, deuten auf gern gewählte Ortslage 
und die Beschaffenheit der Siedlung. Ortsnamen auf -hausen, aus 
dem 13. Jahrhundert stammend, sind im Huusrück häufig; sie be- 
zeichnen den Abschluß der Periode etwa um 1250. 

Die Formen, in denen sich die Besiedlung vollzogen hatte, 
sind recht mannigfaltige, wenn auch das geschlossene Dorf ent- 
schieden vorwiegt. Straßendörfer, Platz- und Haufendörfer sind 
am häufigsten zu beobachten, Lage und Platz erzwangen mancherlei 
Umbildungen. So im Hohen Venn, wo die Häuser und Gehöfte 
weiter auseinander stehen als sonst, um den Hecken und Bäumen 
Platz zur Entwicklung zu lassen, mit denen sie sich auf der 
Wetterseite umgeben. So besonders stark in den Tälern, wo die 
Siedlung sich strecken und winden muß, häufig T- förmig wird, 
wenn sie vom Schuttkegel ins Tal sich hinaufzieht (Trarl)ach an 
der Mosel). 

Diente damals das Gebiet noch einheitlich der Landwirtschaft, 
so begann später die zur Gegenwart hin immer stärker fort- 
schreitende Differenzierung, die einzelne Ortschaften austilgte, im 
wesentlichen aber die schon bei der Gliederung der Landschaft 
gewürdigten Unterschiede schuf. 

Mit einer breiten, fast unljewohnten Waldzoue tritt der Huus- 
rück zwischen Mosel- und Kheintal, ganz abgeschnitten von Coblenz, 
der Hauptstadt des Schiefergebirges. Rasch ändern sich Landschaft 
und Volksdichte, sobald wir in das Moseltal hinabsteigen. Alle 
irgend günstigen, d. h. der Sonne zugekehrten Abhänge nimmt der 
Wein ein; wo die Wendung des Hanges so wird, daß ihn nicht 
mehr genügend Wärme erreicht, da tritt Buschwald an die Stelle 
der Weinberge. Ln ebenen Talboden liegen nur Felder, die Sied- 
lungen zwischen Strom und Hang eingeklemmt, oft durch den 
Fluß von ihren Weinbergen getrennt. Trotz wachsenden Wohl- 
standes und starker Volksvermehrung haben alle die kleinen Orte 
mit den weltbekannten Namen ihren stillen, altertümlichen Cha- 
rakter bewahrt, da der große Verkehr sie meidet und noch keine 
Industrie Einzug gehalten hat. Zu Trier und Coblenz bestehen 
Handelsbeziehungen, die Schiffahrt ist durch den geringen Wasser- 
stand der Mosel erschwert. 

Trier ist als bedeutendste römische Siedlung nordwärts der 
Alpen emporgekommen und weist noch imposante Beste der 



Besiedlung der liaksrheinischen Rumpf platte 133 

einstigen Bedeutung- auf. Die Stadt vermittelt jetzt den Verkehr 
der südlichen Industriehezirke nach Norden und ist durch wichtige, 
auch von Schnellzügen befahrene Strecken mit Brüssel und Cöln 
verbunden. Die heutige Siedlung füllt den Baum der römischen 
noch nicht ganz aus. Das Straßennetz im Inneren ist unregel- 
mäßiger, als man erwarten sollte, was wohl mit der Zerstörung der 
Stadt durch die Hunnen zusammenliängt. 

Sind Hunsrück und Moseltal in ihrem ^virtschaftlichen Gesamt- 
charakter gegen frühere Zeiten nicht wesentlich verändert, so hat 
sich im Bereich der E i f e 1 eine erhebliche Verschiedenheit der ein- 
zelnen Landesteile herausbilden können. Die südliche Zone, Vor- 
eifel und Maifeld, sind ebene Ackerbaudistrikte, die namentlich im 
Maifeld sehr reiche Ernten liefern. Die Orte zeigen rein landwirt- 
schaftlichen Typus mit fränkischen Gehöftformen, die wenigen 
kleinen Städtchen stehen seit 50 Jahren in der Volkszahl still. Die 
nördlich anschließende Zone, die man „Pellenzsenke" zu nennen 
vorgeschlagen hat, ist im Gegensatz dazu in neuerer Zeit ganz 
industriell geworden. Um Kaisersesch wird in immer zunehmender 
Menge Schiefer gebrochen, um Mayen und Nieder-Mendig die Lava 
alter Lavaströme, weiter unterhalb werden Tuffmassen ausgebeutet. 
Das dunkle, städtisch geformte Lavahaus bestimmt Charakter und 
Aussehen der Dörfer. Als Vorort ist das kleine Städtchen Mayen 
aufgeblüht, das sich an eine Burg des Erzstiftes Trier anschloß, 
aus dem die Landwirtschaft fast völlig verschwunden ist. 

Der Charakter der nördlichen Teile der Eifel und der deut- 
schen Ardennen hat im Laufe der Zeit mehrfach gewechselt. Ur- 
sprünglich war das Land rein landwirtschaftlich, soweit es Boden 
und Klima erlaubten, sonst waldbedeckt. Dann kam eine industrielle 
Periode, in der um Schieiden, dann auch im Ahrgebiet Eisen- und 
Bleierze gewonnen und verhüttet wurden. Eine Menge Hochöfen 
entstanden, in denen mit den Erzen in Form von Holzkohlen die 
Wälder verschwanden. 1821 wurden im Kreise Gemünd noch 
350 000 Zentner Eisenstein gewonneu, einige tnnsend Arbeiter 
waren beschäftigt. In der Mitte aber des 19. Jalirhuiiderts war 
die Zeit dieser Industrie vorbei, die Lager verarnitcii und die Zu- 
fnhr der Kohlen wurde zu kostspielig. Jetzt werden in dem ganzen 
Gebiet hier und da Steine gebrochen und nach dem Flachland aus- 
geführt, im übrigen leben die Bewohner von Ackerbau und Vieh- 
zucht. Der Ackerbau bewegt sich noch ganz im System der 
Dreifelderwirtschaft und für große Fläche steht das „Schiff ein" 



134 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

noch in Gebrauch. Es handelt sich um Ländereien, die der ganzen 
Gemeinde g-emeinsam gehören. Von ihnen wird jährlicli ein Teil 
zur Benutzung unter die Glieder der GJemeinde verteilt und „ge- 
schiffelt'", d. h. der Easen usw. wird abgehauen, getrocknet und 
mit Holz verbrannt. Die Asche wird über das Feld verstreut, 
di(>ses dann im ersten Jahre mit Koggensaat bestellt; im zweiten 
Jahre werden Kartoffeln gepflanzt, im dritten Hafer. Hierauf bleibt 
es brach liegen, 10 oder mehr Jahre, jenachdem wieviel Land der 
Gemeinde zur Verfügung steht, und überzieht sich wieder mit Heide- 
kraut und Buschwerk. Diese „Hauberge", wie anderswo gesagt 
wird, bestimmen sehr stark das öde landschaftliche Bild vieler 
höheien Teile des Schiefergebirges. Auch an Wald fehlt es nicht, 
sein Areal steigt stellenweise bis zu 80*^/0 der Fläche. 

Besiedlungsgeschichte der rechtsrheinischen 
Rumpf platte 

Die rechtsrheinische Rumpfplatte ist mit Ausnahme ihres Süd- 
randes kaum von den Römern beeinflußt worden. So treten wir 
hier in altgermauisches Siedlungsgel)iet ein, wie die Namonsformen 
auf -affa, -aha usw. verraten, das zum Teil, wie in Lahnsenke und 
Dilltal, schon prähistorische dichte Besiedlung hatte. Die Besied- 
lung dringt von allen Seiten in den Rumpf ein, [)esonders stark 
im Osten vom Lahntal aus. Im Süden werden Teile des Wester- 
waldes früh besiedelt, während das Dillgebiet außerhalb des Tales 
und das Rothaar-Gebirge noch ganz menschenleer bleiben. 

Die Kolonisationsepoche, welche, abschließend mit dem Jahre 
1300, die Gruiullage des heutigen Bildes wenigstens in den rein 
landwirtschaftlichen Gegenden legt, fällt hier schon in die Zeit der 
Karolinger und geht ruhiger als sonst wohl vor sich, so daß Namen 
auf -])ach, -hausen usw. gegenüber den -rode vorherrschen. Das 
Christentum kam so spät, daß die planmäßige Kolonisation der 
Klöster nicht mehr viel ändern konnte. Hier und da trat Über- 
siedlung ein und im östlichen Teil des Gebietes ist die Zahl der 
Wüstungen nicht gering. Uubesiedelt l)leibt noch das Rothaar- 
Gebirge. 

Auch hier setzt in der Neuzeit wirtschaftliche und damit land- 
scliaftliche Differenzierung ein: die Taunushochfläche bleil)t ein 
Ackerbaubezirk, der l)ei im ganzen tieferer Lage freilich viel gün- 
stiger ist, als der Hunsrück. Das Lahntal zerfällt in sehr ver- 
schiedene Strecken. Weithin ist es enges, gewundenes Wald- und 



Besiedlung der rechtsrheinischen Rumpf platte 135 

Wiesental, in dem Ems als Badeort sich lebhafter entwickelte, 
begünstigt noch durch Eisenerzvorkommen unterhalb. Um Limburg 
herum und unterhalb Gießen ist mancherlei Industrie in ihm hei- 
misch, Eisenwerke bei Wetzlar, Hochöfen bei Burgsolms usw., 
während Fachingen durch seinen Brunnen ])erühmt ist. Der 
Westerwald wieder ist vorwiegend landwirtschaftlich, und der zer- 
setzte Basaltboden erlaubt bis in größere Höhen gute Nutzung, 
zuletzt als Weide. Der Hohe Westerwald, auffallend dicht bevöl- 
kert, ist allmählich so waldarm geworden, daß man künstliche 
Baumpfhmzungen zum Schutz gegen die Stürme anlegen mußte. 
Stellenweise werden Braunkohlen gewonnen und im Westen, um 
das Dörfchen Hölir der Ton des Bodens ausgebeutet, auf dem die 
Industrie dieses sog. Kannenbäckerländchens beruht, deren Pro- 
dukte als Mineralwasserkrüge in alle Welt kommen. Montabaur 
hat sich hier als größter Ort des ganzen Westerwaldes und Handels- 
mittelpunkt entwickelt. 

Ganz anders verlief die Entwicklung zum heutigen Zustand 
im Sieger Land, da dessen Boden in vielen Gängen auftretend 
Spat-, Bot- und Brauneisensteine sovde Bleiglanz, Zinkblende und 
andere Erze enthält. Außerhalb der Erzgegend ist das landschaft- 
liche Bild das gleiche wie in anderen hoch gelegenen Teilen des 
Schiefergebirges: viel Wald, viel berieselte Wiese und ausgedehnte 
Haubergwirtschaft. Die Anlage und Verteilung der älteren Sied- 
lungen läßt sich denn auch ganz aus dieser Wirtschaftsweise ver- 
stehen. Im 14. Jahrhundert aber schon beginnt der Bergbau, 1417 
sind im Kreis Siegen bereits 25 Hütten bekannt. Das Erz Liefert 
der Boden, das Holz die Hauberge, die Bäche die erforderliche 
Wasserkraft. Da alles dies an vielen Stellen in gleicher Beschaffen- 
heit vorhanden ist, so entwickelten sich naturgemäß an mehreren 
Plätzen bergbauliche Siedlungen, die oft an der Namensendung -hütten 
auf der Karte kenntlich sind. Die inneren Verhältnisse der Industrie 
brachten es mit sich, daß bis in die sechziger Jahre des 19. Jahr- 
hunderts ihr älterer Charakter der Zersplitterung bewahrt blieb 
und die Erträge sehr zurückgingen. Erst mit Erbauung der Eisen- 
bahnen wurde das anders: einerseits brauchte nicht mehr das 
erzeugte Eisen im Lande selbst verarbeitet wei'den, andererseits 
ließen sich Kohlen in beliebiger Menge heranschaffen und man 
brauchte nicht mehr auf die in ihrem Ertrag naturgemäß begrenzte 
Holzmenge der Hauberge zurückgreifen. Als 1861 die ersten 
Bahnen eröffnet wurden, stieg die Produktion sofort von etwa 



136 Mitteldeutsclie Gebirgsschwelle 

100 000 Tonnen auf 385 000 Tonnen in 5 Jahren und blieb dann 
bei dieser Aufwärtsbewegnng-. Die Bevölkerung vermehrte sich 
und die vorhandenen Siedlungen, vornehmlich soweit sie an der 
Bahn lagen, wuchsen stark an Volkszahl. Heute erzeugt das 
Sieger Land über 2 000 000 Tonnen Erze, von denen nur etwa 
45"/() im Rohzustand ausgeführt werden, der Rest im Laude ver- 
arbeitet. Der Hauptort Siegen, günstig in der Mitte des Landes 
g-elt'geii, dehnte sich weit über seinen alten Umfang auf einem 
Landsporn zwischen Sieg und Weisbach aus und wurde zu einer 
lebhaften Stadt. 

Im Westen begrenzen zwei anders geartete Landschaften das 
Sieger Land gegen den Rhein: das Girebiet der Wied uud das 
Siebengebirge. Ersteres ist vorwiegend landwirtschaftlich und zeigt 
Avie andere Teile des Schiefergebirges den Abschluß der Besiedlung 
etwa um 1.300, und seitdem einen geringen Rückgang in der Zahl 
der Orte. Das Siebengebirge ist rein vulkanisch und baut sich 
über einem rund 200 m hohen Sockel der Rumpffläche über 150 m 
mächtigen Tuffschichten mit einzelnen Kuppen über 400 m hoch 
auf. Die Lagerung der Basalte uud die Form der Berge beweisen, 
daß das ganze Gebirge ein Erosionsrest ist, ausgearbeitet aus 
einer durchgängig höher gelegeneu vulkanischen Landschaft. Die 
Eruptionen sind hier viel älter als in dem gegenüber gelegenen 
Rodder-Berg, der sich erst bildete, als das Rheintal fast bis auf 
seine heutige Tiefe erodiert war. 

Die Besiedlung mied das waldbedeckte Bergland bis etwa zum 
Jahre 900. Damals entstanden Klöster uud Burgen (zuerst der 
Drachenfels) , die sich in das Waldland hin vorschoben , sowie im 
Anschluß an diese zahlreiche Orte, vornehmlich auf dem flachen 
Bergrücken des rechtsrheinischen Vorgebii-ges. Im 13. Jahrhundert 
war auch diese Phase beendet, die immerhin noch ein Drittel des 
Bodens mit Wald 1)edeckt zurückließ. Im übrigen Ge])iet blühte 
der Ackerbau, früher auch der Weinbau. Sehr früh begann der 
Steinbruchbetrieb, der jetzt im eigentlichen Siebengebirge ganz 
ruht, da er dessen Schönheiten vollständig zu zerstören drohte. 
Die Tone verhalfen vornehmlich der Stadt Siegburg zur ersten 
Blüte, später kamen Tuch- und Lederindustrie, sowie Weinhaudel 
dazu. Ende des 17. Jahrhuuderts war durch die Kriegswirren die 
Blüte der Stadt vernichtet, die erst im Zeitalter der Bahnen 
wiederkehrte, wobei aber dann der altertümliche Charakter der 
ummau(!rten Stadt verloren ging. 



Rheinische Industriezonen 137 



Die Industriezoneu 

Nach Norden hin taucht der Rumpf des Schiefergebirges unter 
jüngere AbLageruugen unter, innerlich stark durch Verwerfungen 
zerrissen, äußerlich eine wenig bewegte Fläche, deren gleichmäßige 
Böschung nur die scharf eingeschnittenen Täler unterbrechen. Bei 
Aachen überlagert in 280 m Höhe senone Kreide in Form von 
weichen Sandsteinen den Rumpf. Wenig weiter nördlich rufen aus 
Kalken bestehende Schichten Tafelberge von 325 m Höhe hervor 
(Aachener Stadtforst u. a.). Im Osten finden \^ir bei Essen, Dort- 
mund und im Haarstrang in tieferer Lage ebenfalls die flach auf- 
lagernde Kreide den Rumpf überdeckend. Derselbe besteht aber 
hier wie dort nicht mehr aus devonischen Schichten, sondern aus 
produktivem Karbon. Die Kohlenflöze desselben sind so eingefaltet, 
daß sie in mehreren, dem Gebirgsrand parallel streichenden Mulden 
liegen, die im Norden immer tiefer unter der an Mächtigkeit zu- 
nehmenden Kreidedecke verschwinden. 

Im Westen ziehen sich die Bodenschätze längs des Gebirges 
bis Belgien und Frankreich hin, überall Industrieentwicklung 
hervorrufend. Auf deutschem Gebiet hat sich Aachen Biatt 
(Taf. XIX, Abb. 1) zum Mittelpunkt aufgeschwungen, ^-- 
ursprüngiich zur xiusnutzung der Thermalquellen gegründet, die 
auf Spalten aus oberdevonischem Kalk entspringen. Die Stadt 
zeigt wenig Re^te ihrer alten Bedeutung. Im Stadtplan ist der 
das karolingische Aachen umgebende ältere Kern (umringt von 
Straßen mit Nameneudung -graben) noch ebenso gut zu erkennen, 
wie die jüngere, nun auch schon geschwundene Umwallung vom 
Anfang des 14. Jahrhunderts, auf deren Areal zum Teil die Bahn- 
höfe liegen. Volkreiche Vorstädte dehnen sich nach Westen und 
Süden hin aus, wo die Kreidetafeln des Aachener Waldes den 
durch Verwerfungen angelegten Kessel der Stadt ebenso ein- 
schließen, wie im Nordosten die Kreideplatte des Lous-Berges. Die 
wirtschaftliche Bedeutung der Stadt beruht auf der Tuch- und 
Nadeliiidustrie, die der Umgebung auf dem \'orkommen von Blei-, 
Zink-. Silber- und anderen Erzen auf den Verwerfungen des alten 
Gebirges neben den zur Verhüttung notwendigen Kohlen, die seit 
dem 14. und 15. Jahrhunderts abgebaut werden. So erzeugt der 
Aachener Industriebezirk zwar nur 3 Millionen Tonnen Kohle, aber 
40 ^'o dci- l'leierzeugung Deutschlands. 



X38 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

Im Osten, im Ruhrkohleiigebiet, sind außer der Eiseuzone, 
die nocli im Schiefergebirg-e liegt, nördlich die kohlenführeuden : 
Blatt Witteuer Mulde, die Bochumer Mulde, die Horst-Reck- 
io!t. 110 linghausener Mulde von Süden nach Norden hin zu 
unterscheiden. Die älteste Industrie ist die Kleineisenindustrie, 
wie wii' sie schon im Sieger Land kennen gelernt haben. Da aber 
hier die Kohle im lluhrtal vielfach direkt ansteht, griff man bald 
zu diesem wertvollen Brennmaterial und es entsteht seit 1300 
etwa eine erste, älteste Ileihe von Gruben und Kohlenorten, wie 
Schwerte, Witten, Steele, Mülheim. Etwa um 1800 begann der 
Tiefbau, der vom Gebirge al)zurücken vermochte und den Kohlen 
weiter nördlich nachging. Mülheim entwickelt sich stärker, Essen, 
Bochum, Doi'tmund, Borljeck, Horde wachsen stark; der steigende 
Export begünstigt zugleich die Ruhrhäfen. Von 1860 an etwa 
vollzieht sich eine weitere A^erschiel)nng nach Norden; die Eisen- 
industrie zieht ein und da sie ihre Erze zum großen Teil auf dem 
Wasserwege erhält, macht sich noch ein stärkerer Zug nach Westen 
hin bemerkbar. Oberhausen, Gelsenkirchen, Altenessen, Wanne, 
Herne zeigen in dieser Zeit den stärksten Zuwachs. 

Der Prozeß ist aber damit noch keineswegs zu Ende. Die 
verbesserte Technik erlaubt es, den Kohlen ])is in immer "größere 
Tiefen nachzugehen, andererseits zwingt die zunehmende Verarmung 
der südlichen Vorkommen dazu, neue Lagei' zu erschließen. So 
entwickeln sich seit 1890 am lebhaftesten Ruhrort mit seinen großen 
Hafenanlagen, dann Hamborn, Mors und Recklinghausen. Die 
Umformung des natürlichen Landschaf tsl)ildes geht dabei natürlich 
sehr energisch vor sich (Taf. XV). Wald und Felder verschwinden. 
Gewaltige Halden und Schlackenberge häufen sich auf. Der Förder- 
turni mit seinen schwirrenden Rädern wird zum ragenden Zeichen 
der Grubenorte, der Hochofen mit seinem feurigen Qualm zeigt 
die Eis(inindustrie au. In Essen dehnt sich unweit des alten 
Stadtkernes, ihn au Areal weit ül)ertreffend, die Krup])sche Guß- 
stahlfabrik aus. Immer neue Hafenbecken entstehen in dem moori- 
gen Boden der Ruhrmündung. ZMdschen den einzelnen Stadtkernen 
bilden sich um neu erschlossene Gruben neue Kerne von Arbeiter- 
wohnungen, die bald seitlich längs der Straßen mit langen Häuser- 
zeilen verwachsen, mehr und mehr ein ungeheures, städtisch 
bebautes Gebiet bildend. Auch im Inneren des Gebirges wachsen 
Elberfcld und Barmen zusammen, durch ihre Textilindustrie empor- 
gekommen. 



Ruhrkohlengebiet. Rheintal 139 



Das Rhein tal 

Alle diese verscliiedenen Landschaften durchzieht, sie mit den 
wichtigsten Yerkehrsstraßen verbindend, das Eheintal. Es ist 
im Schiefergebirge sehr ungleich entwickelt. Eng und ^^^^^ 
schluchtartig ist es im Süden scharf um 250 m ein- i-'3. m. 137. 
geschnitten, nur eine größere Windung bei Boppard *'^^ 
zeigend. Hier haben beidseitig nur gerade eben die Straßen und 
die Bahnen Platz. Die Siedlungen entwickeln sich auf dem 
Schwemmland der Nebentäler und nehmen rein T- förmigen Grund- 
riß an; lange Strecken sind um Aßmannshausen, wo der Fluß die 
Quarzite durchbricht, ganz unbesiedelt. So weit es ihm möglich, 
dringt der Weinbau in das Tal ein, vornehmlich den rechtsseitigen 
Hang, aber auch die nach Süden gekehrten Hänge der Nebentäler 
benutzend. Mancherlei Besonderheiten unterscheiden die Winzer- 
orte von den Bauerndörfern der Höhen; sie kommen vornehmlich 
im Charakter der Häuser zum Ausdruck. Braucht der Bauer große 
Wirtschaftsräumlichkeiten, so ist dem Winzer der große Keller 
wichtig. Die Häuser werden unter Fortfall des Hofes, der Wagen- 
schuppen usw. stadtähnlich aneinander gebaut und beherbergen 
eine große Anzahl Menschen. In den kleinen Städtchen mit ihren 
Fachwerkbauten ist der Zusammenschluß noch enger, oft unter 
dem Zwang des Mauerringes, der hier wie bei Oberwesel zur lang- 
gestreckten Ellipse wird. 

Sehr rasch ändert sich bei C ob lenz (Taf. XXI, Abb. 1) die 
Art des Flusses und seiner Ufer. Schon oberhalb bei Lahnstein 
bietet der große Schuttkegel der Lahn größerer Siedelung Baum, 
die stark industriell geworden ist. Hier schneiden sich in selbst 
reicher Umgebung die Nordsüd- und Ostwestwege durch das Ge- 
birge, kein Wunder, daß hier eine Ortschaftsgruppe entstand, deren 
Vorort das am besten gelegene Coblenz wurde. Politische Momente 
kamen dazu, daß der Ort sich bald über das früher mit ihm kon- 
kurrierende Andernach erhol). Im Stadtplan tritt die älteste römische 
Stadtanlage, in deren nordwestliche Ecke bei der Burg die Mosel- 
brückc einmüudet, noch sehr gut heraus, jetzt ein stilles Viertel mit 
alten Häusern. Konzentrisch um sie herum legt sich die Altstadt, 
Ende des 13. Jahrhunderts erst von einer neuen Mauer umschlossen, 
die im Westen der Fischelstraße folgte und schließlich nach mehreren 
Ecken am Clemeusplatz den Rhein gewann. Im Süden des Walles 



5^40 Mitteldeutsche Gebirgsscliwelle 

entstand und bevölkerte sich im 19. Jahrhundert die Neustadt, die 
durch das Residenzschloß und seine Anlagen vom Rhein abge- 
schlossen blieb, wodurch für immer die Hafenentwicklung- von 
Coblenz unterbunden wurde. 1816 wurde ein neuer Wall errichtet, 
der im Zug'c der jetzigen „Ring"- Straßen oberhalb der Brücke an 
der Mosel ansetzt und oberhalb des Schlosses den Rhein erreicht. 
Kr ist seit 1890 ebenfalls geschleift und zu Prunkstraßen um- 
gestaltet, außerhalb dereu seitdem die Süd-Vorstadt mit schönen 
Villen am Rhein entlang entstanden ist, ein sichtbarer Ausdruck 
des heutigen Stadtcharakters, in dem das militärische und Beamten- 
element vorwiegt. Der Touristenverkehr betritt und verläßt die 
Stadt vorwiegend zu Wasser, wo am Deutschen Eck das Kaiser 
Wilhelm-Denkmal sich erhebt und jetzt die größten Hotels ent- 
standen sind. 

Noch zwei Städte außer Coblenz und viele volkreiche Dörfer 
ernährt das Neuwieder Becken, eine vermutlich tektonische 
Senke, die von Westen her mit vulkanischen Al)lagerungen, vom 
Fluß selbst mit Lehm und Schottern aufgefüllt wurde. Die Land- 
schaft im Inneren, vom Fluß aus gesehen, ist ganz niederdeutsch, 
flach, grün und baumreich, reichen Obstsegen bringend. Bei Vallen- 
dar begegnen wir den Produkten des Kannenbäckerlandes wieder, 
die hier auf den Wasserweg gebracht werden. Stark eisenindustriell 
ist die Siedlungsgruppe Bendorf — Engers — Sayn, die um ein Berg- 
werk erwachsen, seit dem Ende des 18. Jahrhunderts Bedeutung 
gewann. Wenig unterhalb liegt die lebhafte industrielle Stadt 
Neuwied, eine planmäßige Gründung aus der Mitte des 17. Jahr- 
hunderts, mit nüchtern rechtwinkligem Stadt gTundriß. Im 18. Jahr- 
hundert führten weitschauende Regenten hier die Eisenindustrie 
ein, die, beruhend auf den Bodenschätzen des Sauerlandes, bei 
leichter Kohlenzufuhr auch jetzt noch die größte Bedeutung hat. 

Der historische Gegenpunkt von Coblenz aber ist auf der 
anderen Seite Andernach, das sich seinen mittelalterlichen Cha- 
rakter bewahrt hat und darum auch vom Fremdenstrom viel be- 
sucht wird. Es ist Ausfuhrhafen der Steinbrüche der Vordereifel 
und Zentrum einer landwirtschaftlich reichen Umgebung. Der 
Rhein tritt hier in ein wieder verengtes Tal ein, in dem aber 
doch der Talboden viel mehr Raum bietet als oberhalb Coblenz. 
Neben dem Weinbau ist Feldbau wichtig, dann die Ausfuhr der 
zahllosen Steinl)rüche in den Basaltkuppen rechts und links des 
P'lusses. So liegt auf der „Goldenen Meile", dem Ahrschuttkegel, 



Rheintal. Niederrheinische Bucht 141 

das fast rein landwirtschaftliche Städtchen Sinzig neben den Alt- 
bürgerorten und Hafeuplätzen Linz und Reuiagen, dem obersten 
Hafen am Rhein, den kleine Seeschiffe erreichen, um den Apolli- 
narisbrunnen auszuführen, Weinbau und Steinindustrie erhalten 
auch die Bevölkerung- der Orte am Fuße des Siebengebirges. 
Hier und linksrheinisch läßt neuerdings auch der Fremdenverkehr 
mehr und mehr Villen und Hotels entstehen. Den Übergang in 
die E-bene vermittelt Bonn, als Residenzstadt emporgekommen 
und jetzt Sitz einer großen Universität und zahlreicher wohl- 
habender Bürger. 

Die niederrheinische Bucht 

Trichterförmig treten unterhalb Bonn die Berge auseinander 
und eine weite Niederung öffnet sich, in die nur ein Ausläufer des 
Gebirges hineinragt: die Ville oder das Vorgebirge, der ß,^j^ 
Schuttkegel des Rheines zur Hauptterrassenzeit , der 95. 96. los. 

109 l^S 

südlich von Cöln immer noch 150 m Höhe erreicht. Er 
besteht im Kern aus untermiocänen Tonen und Sauden, denen 
eine bis 100 m mächtige Braunkohlenschicht aufliegt, die ihrerseits 
von pliocänen und diluvialen Schottern verschüttet ist. Der scharfe 
Westrand der Ville ist durch eine Verwerfung erzeugt worden, 
der Ostrand ist erosiv, vielleicht aber nur Umgestaltung einer 
Verwerfungsstufe . 

Infolge ihrer Brauukohlenführung ist die Ville heute Sitz einer 
blühenden Braunkohlengewinnung, die über 6 Millionen Tonnen 
jährlich erzeugt, nachdem seit dem großen Bergarbeiterstreik von 
1889 im Ruhrkohlengebiet die Braunkohle und das aus ihr erzeugte 
Brikett an vielen Orten konkurrenzfähig geworden sind, wo sie es 
früher nicht waren. Die Gruben werden im Tagebau betrieben 
und die mächtigen braunschwarzen Trichter, aus denen die Kohle 
emporsteigt, oben scharf abgeschnitten von dem hellen Abraum, 
bieten ein sehr eigentümliches landschaftliches Bild. 

Hinter der Ville und weiter unterhall) bis nach Holland hinein 
ist die Fläche der Hauptterrasse meist sandig, sehr trocken und 
mit großen Waldungen bedeckt, nur randlich liegen größere Orte. 
Die in mehreren Stufen entwickelten Mittelterrassen dagegen dienen 
vorwiegend dem Ackerbau. Auf ilir liegen auch die großen Orte 
des niederrheinischen Textilindustriegebietes, Rhej'dt, München- 
Gladbach und Krefeld, erstere beiden lockere Orte mit lang sich 



142 Mitteldeutsche Grebirgsschwelle 

ausspinnenden Straßenzeilen, Krefeld dagegen eine planmäßige 
Gründung. Ein Netz von Einzelsiedlungen überzieht zwischen den 
Sttädten das ziemlich waldarme Land. 

Die sich nur wenige Meter über den Rhein erhebende Nieder- 
terrasse aber ist das eigentliche Siedlungsgebiet, die Städteterrasse, 
des Niederrheines. Ganz besonders sind diejenigen Stellen, wo 
aus ihr sich Reste der höheren Terrassen und von Endmoränen 
erheben, zur Anlage von Siedlungen gesucht. Die Endmoränen 
l)etreten bei Nimwegeu und Cleve das deutsche Gebiet, wo sie im 
Clever Berg 106 m Höhe erreichen. Sie ziehen von dort nach 
Calcar, werden im Üdemer Feld mit 57 m wieder sichtbar, ])ilden 
den Hochwald und die Hees bei Xanten und enden schließlich 
südlich Mors im Egels-Berg und Hülser Berg (65 m). Außer den 
eben erwähnten Orten liegen noch am Rand der Niederterrasse 
gegen den alluvialen Talboden die Grenzstadt Emmerich, die alte 
Festung Wesel, weiter oberhalb Ruhrort, Duisliurg, Düsseldorf und 
Cöln. Zwischen der Niederterrasse zieht in weiten Windungen der 
Strom hin, einst noch stärker geschwungen, eine Fülle von Alt- 
wassern im Lauf der Entwicklung bildend, zwischen denen sich ab- 
geschnürte Sporne erheben, die schon auf deutschem Gebiet rings 
durch Deiche umschlossen werden. Die zerstreute Siedlungsform 
waltet vor. 

Von den Städten ist die Gruppe Duisburg- Ruhrort der Aus- 
fuhrhafen für den Industriebezirk und hat einen jährKchen Verkehr 
von 25 000 000 Tonnen, wovon rund 1000 000 direkter Seeverkehr 
sind. Dieser ist noch stärker in Düsseldorf, das, selbst industrie- 
reich, ein weites Hinterland mit Lebensmitteln und Rohstoffen 
versorgt. 

Als Mittelpunkt mehrerer Industriebezirke hat aber Cöln schon 
im Mittelalter alle anderen Orte der rheinischen Tieflandbucht weit 
überholt (Tai. XXIX, Abb. 3). 

Der Stadtplan zeigt eine seltene Einheitlichkeit und Geschlossen- 
heit, die nur durch die unsymmetrische Einführung der Bahn in 
den Hauptbahnhof gestört wird. Von der dadurch hervorgebrachten 
L^mgestaltung abgesehen ist das römische Cöln und sind die wich- 
tigeren Stadterweiterungen ohne weiteres klar erkennbar. Nähere 
Untersuchung hat aber wichtige Einzelheiten aufgedeckt. So wurde 
die reimische Stadt von 1 qkm Flächenraum schon sehr früh (im 
10. Jahrhundert) nach dem Rhein hin auf zum Teil aufgeschüttetem 
Boden erweitert, wobei die Reihe der Märkte entstand, deren Namen 



Niederrheinisclie Bucht 143 

noch jetzt auf dem Stadtplan stehen. Aus dem Militärlager wurde 
damit seit etwa 1000 die Handelsstadt, der Umschlagplatz vom 
Seeschiff zum Flußschiff — eine Entwicklung, die in der Neuzeit 
erneute Bedeutung gewonnen hat. 

Um 1100 mußte die Stadt erweitert und die Vorstädte auf 
allen Seiten einbezogen werden. Das genügte so wenig, daß man 
1180 schon wieder weiter hinausgreifen mußte. Der Zug der neuen 
Mauer, die 1200 bis 1260 ausgebaut wurde, schloß die großen 
geistlichen Stifter St. Severin, St. Pantaleon, St. Mauritius und 
St. Gereon in das Stadtgebiet ein, das sich auf 4 qkm vergrößerte ; 
an den Ring-Straßen ist er im Stadtplan wohl kenntlich. 

So hat Cöln schon außerordentlich früh einen sehr großen 
Umfang erreicht und bliel) lange eine der größten deutschen Städte. 
Der Glanz seiner Entwicklung aber überdauerte die Hansazeit nicht 
mehr sehr lange. Die Handelsverhältnisse in Mitteleuropa ver- 
schoben sich, die Niederlande kamen empor und der 30jährige 
Krieg verheerte Deutschland. Als eine verarmte Stadt fiel Cöln 
1794 in französische Hände und kam ebenso (mit 50 000 Ein- 
wohnern) 1815 an Preußen: immer noch reichte der 600 Jahre 
zurückliegende Mauerbau aus, in sich die stagnierende Bevölkerung 
zu bergen. Dann aber setzt neuer Aufschwung ein, der 1881 auch 
sichtbaren Ausdruck in einer Stadterweiterung fand, infolge deren 
die nunmehr 700 Jahre alte Umwallung fiel und durch einen neuen, 
500 — 600 m weiter außen gelegenen Ring ersetzt wurde. Auf dem 
Zmschengelände entstand eine prächtige Neustadt und die großen 
Güterbahnliöfe. Das Rheinufer wurde mit Hafenanlagen und Spei- 
chern versehen, und wiederum ist Cöln jetzt wie im Mttelalter 
Endpunkt der Seeschiffahrt, und direkte Frachtdampferlinien ver- 
binden den Rheinhafen mit den ^^ichtigeren Seehandelsplätzen 
Nordeuropas. Volkreiche Vorstädte dehnen sich außerhalb der Um- 
wallung weithin aus. Das Stadtbild aber beherrscht der Gegen- 
satz zmschen dem schönen Wahrzeichen mittelalterlicher Baukunst, 
das freilich erst die Neuzeit vollendete, dem doppeltürmigen Dom 
und dem Hauptbahnliof mit der Rheinbrücke, wo der neuzeitliche 
Verkehr in voller Stärke vorbeirauscht, zu Glanz und Blüte der 
Stadt beitragend. 



144 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 



Die Westfälische Tleflandsbucht 

Die Münstersclie oder Westfälische Tieflaiidsbucht ist eine zum 
Teil von quartären Ablagerungen verhüllte Kreidetafel, die im Süden 
Blatt tlem Rumpf des Schiefergehirges flach aufruht, im Norden 
S4. s5. <j(!. ".»; tiiirch die saxonische Faltung steil aufgebogen ist. Vom 
Kuhi'tal, das noch bis zu 140 m in paläozoische Schichten ein- 
geschnitten ist, steigt man hinauf zum Haarstrang, einer echten 
Schichtstufe mit 300 jn Maximalhöhe. Von einer ersten Abdachung, 
die von der turonen auf die senone Kreide übergreift, sammelt die 
Lippe die Zuflüsse auf ihrer linken Seite, um sie nach Westen 
hinauszuführen. Darauf folgt ein erneuter Anstieg auf Höhen von 
über 150 m l)ei Beckum, an die 100 m weiter westlich, bis man 
das nach Norden sich senkende Gebiet der Werse erreicht, welche 
an Münster vorbei der Ems die Richtung gibt. Als flache Hügel 
bis zu 70 m überragen in nach Nordosten offenem Bogen zwischen 
Münster und Sendeuhorst Endmoränen die sonst nur dünn ver- 
hüllte Kreideplatte, die weiter nach Norden hin nun ganz bis zum 
Euß des Gebirges unter Mooren und Sanden verschwindet. Im 
westlichen Teil des Beckens ragt die Kreide in einzelnen Tafel- 
bergen bis 160, in den Baum-Bergen bei Consfeld über 180 m auf, 
um rund 100 m ihre Umgebung überragend. 

Auch im östlichen Teil des Beckens bleiben die Oberflächen- 
formen den geschilderten ähnlich: im Süden die ausgedehnte Kreide- 
tafel mit schwachem Einfallen der Schichten; dann wird es nörd- 
lich Paderborn immer steiler nach Westen, zuletzt Süden hin 
und die Oberfläche wird von quartären Ablagerungen gebildet. 
Die Kreidetafel wird von stark gewundenen Tälern canonartig 
zerschnitten. Das Gestein ist durchlässig und die ganze Gegend 
sehr wasserarm (Ort: Dörenhagen), da im Sommer auch die tief 
eingeschnittenen Bäche versiegen. Da, wo die Plänerschichten 
von den Enischer Mergeln und dem Diluvium überdeckt werden, 
tritt das in den höheren Teilen abfließende Wasser heraus und 
bildet starke Quellen, deren bekannteste die Paderquellen sind, 
welche zur Entstehung der Stadt Paderborn Anlaß gegeben haben. 
Über 130 einzelne Quellen Liefern der Stadt nahezu 9 cbm Wasser 
in der Sekunde. 

Nach der Bodenzusammensetzung ist auch die Bodennutzung 
verschieden. Soweit die Verwitterungsprodukte der Kreidegesteine 



Westfälische Tieflandsbucht 145 

mit dünner Decke den Boden bilden, dient das Land dem Ackerbau 
und ist waldarm wie südlich der Lippe. Nördlich etwa bis zur 
Ems treten schon große Weideflächen auf, und am nördlichen 
Randg-ebirg-e entlang auf rein quartärem Boden zieht sich eine 
Zone von Wäldern und sandigem Ödland, die in ihrer Einförmig- 
keit in scharfem Gegensatz zum Süden der Provinz steht. 

Das von Germanen besiedelte Gebiet wurde häufig von den 
Römern betreten, lag doch an der- Lippe bei Haltern die Festung 
Aliso, ihr Hauptstützpunkt im Nordwesten Deutschlands. Dorsten, 
an der einzigen Lippebrücke zwischen Wesel und Haltern, und 
Recklinghausen, in günstiger Verkehrs- und Schutzlage, gehen auf 
römische Befestigungen zurück. Die erste Besiedlung, soweit sie 
uns erkenntlich, folgt dem Kamm des Reckliughäuser Rücken von 
Bottrop im Westen bis Datteln und Waltrop im Osten, während 
das Emschertal und die Landschaften nördlich teils ganz unbewohnt 
waren, teils nur Oasen trugen. 

Nach 400 begann im Süden unter dem Einfluß der Franken 
die Rodetätigkeit, die bis zum Eindringen der Sachsen um 700 
die Siedhmgsfläche vor allem nach Norden hin erheblich erweiterte. 
Die zahlreichen -hausen verraten die sächsischen Siedlungen, die 
sich wie ein äußerer Gürtel um das Siedlungsgebiet der älteren 
Jahrhunderte legen. Um 850 ist die Besiedlung des Landes nahezu 
beendet; die Einführung des Christentums brachte damals einen 
grundlegenden Wechsel in der Art der Ansiedlung zustande. Die 
Geistlichkeit strebte zur Stärkung ihres Einflusses danach, in der 
Umgebung der Kirchen möglichst viele Kleinbauern und Pächter 
anzusiedeln. Die alten Bauernschaften, die eine Ivirche erhielten, 
verwandelten sich dadurch in Dörfer. Wirklich neue Siedlungen 
entstanden nach 900 fast nur im Anschluß an die Wasserburgen 
des Uradels in den bisher unbewohnten Greazlandschaften. 

Die Städte der Tieflandsbucht sind echte germanische Haufen- 
städte mit höchst unregelmäßigem Grundriß, wie Soest (Taf. XXIX, 
Abb. 2), Paderborn u. a. Sie sind fast alle klein geblieben mit Aus- 
nahme von Dortmund am südlichen Rande, Münster in der Mitte 
und den Orten am nördlichen Gebirgsrande, Dortmund ist als 
östlicher Ausfuhrhafen für den Industriebezirk emporgekommen. 
Die Stadt zeigt noch deutlich den alten Kern, umgeben von den 
„Wall "-Straßen mit ziemlich regelmäßigem Grundriß und großem 
Marktplatz. Nach den Seiten hin wächst sie lebhaft mit weit aus- 
greifenden Vorstädten. Im Nordwesten beginnt der Dortnuind-Ems- 

Braun. ' J <J 



146 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

Kanal, der 1886 — 98 erbaut es Schiffen mit bis üf)er 2 m Tiefgang 
erlaubt, nach Dortmund zu kommen. Der Verkehr ist auf über 
2 000000 Tonnen gestiegen. 

Münster (Taf. XXVI, Abb. 2) ist bischöfliche Residenz und 
der kirchliche Gebäudekomplex bildet noch heute das Zentrum der 
Stadt, bereits um 800 rings um den Domplatz durch eine Mauer 
geschützt, an die jetzt noch der Straßenname Spiegelturm erinnert. 
300 Jahre später wurde die Burgmauer ein wenig nach Süden hin 
vorgeschoben, 1150 aber bereits die Stadt in Ausdehnung der 
heutigen Altstadt ummauert. Das Straßennetz im Inneren ist un- 
regelmäßig, ein Markt fehlt bezeichnenderweise, den Namen 
„-markt" nahmen einige konzentrische Straßen außerhalb der 
jüngeren Burgmauer an. Im 17. Jahrhundert erhielt die Stadt 
nach Westen hin eine starke Festung mit sternförmigem Grundriß 
angegliedert, das jetzige Schloß mit dem Schloßgarten. Nach 
Schleifung der Wälle im 18. Jahrhundert entwickelten sich, vor- 
nehmlich nach Süden und Osten zum Bahnhof und Kanal hin, aus- 
gedehnte Vorstädte, so daß der altertümliche Charakter des Stadt- 
inneren gut bewahrt bleiJien konnte. 

Das Weserbergland 

Nördlich des Beckens von Münster begegnen wir den äußersten 
Ausläufern einer eigenartigen Zone der mitteldeutschen Schwelle, 
Blatt die den Charakter ihrer Oberflächenformen der besonderen, 
84. s5. 98 (inrch jüngere Faltung bedingten Verteilung von harten 
und weichen Schichten verdankt. Die vorhandenen Ablagerungen 
umfassen als Hauptstock die gesamten Bildungen des Mesozoikums. 
Dieselben lagern einer Unterlage auf, die in der karbonen Faltungs- 
phase mit nordwestlichem Streichen gefaltet war, und wurden 
ihrerseits in der saxouischen Faltungsphase in Falten senkrecht 
dazu gelegt, wol)ei infolge des Richtungswechsels ein sehr erheb- 
liches Zerbrechen und Splittern der Schollen eintrat. Die Faltung 
vollzog sich längs mehrerer Achsen, deren Verlauf heute durch 
kleine Gebirge mit besonderem Namen sichtbar gemacht wird. 

Im äußersten Westen hat sich bei Ibl)eubüren ein Teil des 
Grundgebirges erhalten, ein durch Verwerfungen zerstückeltes und 
umgrenztes Plateau karl)onischer Schichten, an die sich randlich 
noch Zechstein anlegt, dessen Eisensteine e])enfalls nutzbar sind. 
Das kleine Plateau, im Mittel 125 m hoch, bricht im Süden steil 



Weserbergland 147 

ab, taucht nach Norden allmälilich unter und ist Sitz recht alten 
Bergbaues auf Kohlen, dessen Produkte (rund 250 000 t) zum Ge- 
deihen der benachbarten Stadt Osnabrück viel beitrugen. 

Von liier streichen zwei schmale Gebirgsbäuder nach Osten, 
allmählich weiteren Abstand voneinander gewinnend: der Osning 
im Süden, das Wiehengebirge im Norden. Südlich Detmold schließt 
sich an die Osningachse die Kreideschichtstufe des Eggegebirges 
an, seine Hebungsachsen streichen aber in südöstlicher Richtung 
fort. Das Wiehengebirge wird in der Porta Westfalica von der 
Weser durchbrochen, setzt sich im Wesergebirge fort. 

Im Verlauf der Osningachse sind die Schichten schw^ach auf- 
gerichtet, die Kreide der westfälischen Mulde überkippt. Die 
schmalen Kämme des Gebirges sind Schichtkämme widerständiger 
Kreidesandsteine, an die nach Norden hin die Schichtstufe des 
Muschelkalkes sich anlegt. Darauf folgt zwischen Osning- und 
Wiehengebirge die weich geformte Keuperlandschaft und Liasmulde 
von Herford und danach die Schichtstufe von oberem Jura — das 
Wiehengebirge selbst, gekrönt von hellen Malmkalken. 

Dieses einfache Bild gestaltet sich nach Westen und Osten 
hin komplizierter. Im Westen treten um Osnabrück herum zwei 
neue Achsen mit entsprechenden Erhebungen auf: die Piesberg- 
Achse (Piesberg u. a. Erhebungen 176 m) und die Holter Achse 
(Holter Berg 200 m). In der ersteren tritt produktives Karbon 
auf, der Bergbau ist aber erloschen, an seine Stelle ist lebhafter 
Steinbruchbetrieb getreten. Im Nordwesten schneidet bei Neuen- 
kirchen eine Verwerfung das Bergland ab, die Tiefebene beginnt. 

Im Osten tritt in ähnlicher Weise wie hier in der Mitte 
zwischen Osning und Wesergebirge eine Aufwölbung auf: der Pyr- 
monter Sattel, an dem der Buntsandstein durch den Keuper hin- 
durch die Oberfläche erreicht und seinerseits eng von der Schicht- 
stufe des Muschelkalks umgürtet wird (Erhebungen bis an 450 m). 
An Spalten dringen die Quellen dieses Bades empor, an Aus- 
läufern derselben die von Bad Oeynhausen. Weiter südlich ist 
der Quellsprung von Salzuflen ein paralleles Gebilde. Im Norden 
des Wesergebirges tritt in den Bückebergen eine neue, zunächst 
parallel verlaufende Schichtstufe auf, die mit 270 m Hohe durch 
die harten Wealdensandsteine über Wealdeuschiefern hervor- 
gerufen wird. 

In dem sonst sehr gleichmäßigen Verlauf der Kämme des 
Osning sowohl wie des Wichen -Weser -Gebirges bemerkt man auf- 

10=^ 



2^48 Mitteldeutsclie Gebirgsschwelle 

fällige Lücken, durch deren wichtigste die Weser im Norden das 
lippesche Keuperland verläßt. Da durch mehrere dieser Lücken, 
insonderheit die der Weser selbst, das nordische Eis in das 
Zwischenland eingetreten ist, steht fest, daß dieselben älter als 
diluvial sein müssen. Sie rühren wahrscheinlich ans einer Zeit 
her, als nach Abschluß der Faltungen, aber voi- Herauspräparierung 
des heutigen Bildes Flüsse auf einer Fastebene vom Schiefer- 
gebirge her das tertiäre Meer im Norden suchten. Ein Einsinken 
der Münsterschen Bucht zerriß vielleicht diese Verbindungen. Zu 
der Zeit, als das Eis die Pässe nach Norden hin besetzt hielt, 
wandte sich die Weser bei Ylotho nach Westen und strömte im 
Tal der Else und Hase zum Tiefland hinaus. Erst als das Eis 
wich, das inzwischen die Porta jedenfalls noch vertieft hatte, 
wandte sie sich nach Norden, im Westen die weite Niederung 
liegen lassend, die dann vermoorte. 

Diese Tallücken wurden für die Besiedlung ganz besonders 
wichtig. Hier öffneten sich die Zugänge zu dem allein bewohn- 
baren Gebiet zwischen den Waldgebirgen, die schon in sächsischer, 
dann in fränkischer Zeit durch Wallburgen geschützt wurden. 
Hier entstanden unter der fränkischen Herrschaft die kirchlichen 
und städtischen Zentren, von denen die Besiedlung und Kultivierung 
des Landes ausging, die wesentlich in Form von Einzelhöfen ge- 
schah. Um 800 etwa war die Gründung der jetzigen Dörfer, der 
Bauernschaften und größeren Gehöfte abgeschlossen, wenige nur 
sind später eingegangen. 

Von den Städten blühte im Westen Osnabrück auf, das 
einen guten Übergang über die Hase bietet und hier am Ende 
des Gebirgslandes schon mehrere Straßen beherrscht, dazu bei 
Ibbenbüren und am Hüggel über Kohlen und Eisenerze verfügt. 
In Alt- und Neustadt getrennt, die später gemeinsam ummauert 
waren, zieht die Stadt sich am linken Haseufer hin, und die in 
ihrem Bahnhof sich mit Überführung rechtwinklig schneidenden 
Strecken kennzeichnen noch die Richtung der alten Heer- und 
Handelsstraßen. Ganz industriell ist Bielefeld, mit schönem, 
ovalem Altstadtkern, dessen Umgebung den Flachsbau gestattete. 
Die großen Fal)rikgebäude der Leinenindustrie und die der jüngeren 
Metallindustrie mit ihren Arbeiterwohnhäusern bestimmen den 
Charakter der vornehmlich nach Norden hin sich entwickelnden 
Vorstädte. Hinter diesen l)eiden Orten ist Minden weit zurück- 
geblieben, durch seine Befestigungen auf allen Seiten eingeengt. 



Leine -Bergland 149 



Das Leine-Bergland 

Im Leine -Bergland, wie man die kleinen Gebirge zwischen 
der Weser im Westen, dem Solling (ohne diesen) im Süden und im 
Osten dem Nettetal zusammenfassend nennen könnte, herrscht ein 
anderer Grundtvpus der Oberflächenformen, hervorgegangen aus 
der Einwirkung der Erosion auf geschlossene elliptische Antiklinalen 
und Synklinalen harter und w^eicher Schichten, von denen Teile 
durch Wegbrechen, wie am Osterwald, oder durch Erosion, wie am 
Hils und Ith, entfernt sind. Im Nordwesten gehören Bückeberge 
und Deister einer Wölbung mit nordsüdlich streichender Achse an, 
welche die Wealdenschichten sich normal auf den Malm auflegen 
Läßt. Die Schichtstufe des Malm ist der Süntel, die des Wealden 
sind Bückeberge und Deister. Wenig w^eiter nach Osten wölben 
sich mit dem Zentrum um Springe und nun ostwestlich streichender 
Achse die Juraschichten stärker empor, Lias und Dogger bilden 
den Talkessel von Springe, im Norden bleibt die Schichtstufe des 
Deister, im Süden bilden zunächst Kalke des Ivimmeridge die 
Schichtstufe des Saupark, dann Serpulit und Wealden den dem 
Deister baulich entsprechenden Nesselberg. 

Weiter südwestlich sind Ith und Hils eine geologische Mulde 
mit steil aufwärts gekehrten Rändern, jenseits des Leinetales ent- 
sprechend die Sieben Berge von Alfeld. Südlich Hildesheim ist im 
Escher-Berg und Tosmer-Berg der Buntsandstein hoch aufgewölbt, 
auf Iteiden Seiten von nur stückweise ausgeprägten Schichtstufen 
des Muschelkalkes umgürtet, denen nach außen wieder die Serie 
Jura-Kreide folgt mit dem Schichtkamm des Knebel-Berges u. a. 
Über die Entwicklung der Oberflächenformen dieser ganzen Land- 
schaft wissen wir noch so gut wie garnichts. 

Zwischen all die kleinen abgeschlossenen Waldgebirge aber 
legen sich weite, leicht zugängige Senken, w^elche das ganze Leine- 
Bergland aufschließen und den Zutritt in die inneren Teile der 
Schwelle gestatten. 

Verkehrswege und Siedlungen sind dort daher schon früh 
nachweisbar. Im 9. und 10. Jahrhundert werden bereits zahlreiche 
Orte genannt, die sich häufig an Klöster, häufig auch an Bitter- 
sitze anschließen. Noch heute sind die Trümmer der Burgen 
geradezu ein Kennzeichen dieser Landschaften. Die spätere Ent- 
wicklung differenzierte bald die einzelnen Siedlungen. Im Leinetal 



150 Mitteldeutsche Gebirgsscliwelle 

imd den gTößoreu Senken blieben sie beim Ackerbau und nur der 
Verkehr förderte g-ünstig gelegene, wie Elze, den Endpunkt der 
Leinescliilfalirt. In den kleinen Gebirgen dagegen wandte sich 
die Bevölkerung der industriellen Verwertung der Bodenschätze 
zu, der Steinindustrie, Salzgewinn, Asphaltindustrie, im Deister 
auch dem ivolileubergbau. Trotzdem aber ist die Volksdichte der 
offeneren Stellen immer noch größer als in den ]^)ergzügen. 

Der Harz 

Mit einer echten Bruchstufe setzt der Harz (Taf. XVII) 
gegenülier seinem nördlichen Vorland ab. Von hier erscheint er 
Blatt 'ils Gebirge, ein Eindruck, der sich rasch berichtigt, 
86. s7. iiit. 100 sobald mau irgendwo die Höhe erreicht und einen Aus- 
blick über größere Teile gewinnt. Sofort kehrt dann in der Er- 
innerung das Bild wieder, das die Kumpf fläche des Schief ergebirges 
bot. Doch eignen dem Harz besondere Züge, die das äußere Bild, 
wenn man von Teilen des Oberharzes absieht, doch recht anders 
gestalten. Die Gesteinsmannigfaltigkeit des Harzes auf kleinem 
Raum ist eben unvergleichlich viel größer als die des Schiefer- 
gebirges. Was dort der junge Vulkanismus schuf, nämlich Gipfel, 
die an die härtesten herausgearljeiteteu Gesteinsglieder des Rumpfes 
heranreichen, haben hier verwandte Vorgänge, nur iu weit älterer 
Zeit, bewirkt. Die Gipfel im Norden des Harzes sind neben den 
Quarziten (z. B. des Acker -Bruchberges) die ursprünglich lakko- 
lithischen Granitmassen des Brockens und des Rammberges weiter 
östlich, im Süden die PorphjTmasseu des Auerberges bei Stolberg. 
In langer Abtragungszeit sind sie herausgearbeitet worden und 
überragten schon die tertiäre Ilumpff lache mit Höhen von 100 m 
und mehr, so daß die Harzhochfläche nieuuüs recht eben ge- 
wesen ist. 

Bei der Kleinheit des Gebirges hat dann auch die seiuer 
Heraushebung folgende Zerschneidung schon recht stark wirken 
können. Neben dem kräftig und tief zerschnittenen Nordrand 
(Bodetal!), dessen Zone aber nur schmal ist, steht das bis nahe in 
die ]\Iitte des Gebirges hin reif zerschnittene Andreasberger Geliiet, 
dem die Umgebungen von Ilfeld und Stolberg nicht viel nachgeben. 
Im Osten dagegen geht die Hochfläche des Harzes in langsamer 
S(!nkung ohne erkennbare Grenze in die thüringischen Land- 
schaften über. 



Harz 151 

Es ist leicht yerständlich, daß für die ältere Besiedln ug- nur 
von hier her der Eingang in das waldige, finstere Bergland mit 
den gToßen Mooren im westlichen Teil möglich war. Bis um 800 
etwa mied die Besiedlung das Waldland völlig, griff nur um seinen 
Fuß herum. Dann begannen die Klostergründungeu am Bande 
und die von ihnen ausgehende Bodetätigkeit (-rode!) energisch im 
Osten einzusetzen — und zwar entstanden weit mehr Orte, als wir 
jetzt noch kenneu, da die Zahl der Wüstungen sehr groß ist (über 
50°/o) — , der ganze Uuterharz ^drd bis zu einer Linie, die etwa 
von dem Bodeaustritt bis nach Bfeld reicht, auf der auch der 
Laubwald vom Nadelwald verdrängt wird, besiedelt, auch sonst 
die Bänder des Waldlandes gelichtet. Um 1200 stockt dieses Vor- 
dringen; die Bergbauversuche, die vom Eammelsberg bei Goslar 
und Goslarer Klöstern ausgehend bei Zellerfeld stattfanden, schei- 
terten und im 14. und 15. Jahrhundert war der Harzwald allenfalls 
Sitz von Bäuberbanden, sonst tunlichst gemieden. 

Dann aljer führte der Erzreichtum zu einem raschen Fortgang 
der Besiedlung im Oberharz. Eisenerze finden sich bei Elbinge- 
rode, Hüttenrode, im Unterharz bei Harzgerode und Benneckenstein; 
weiter bei Grund im Iberg, bei St. Andreasberg und im Lerbacher 
Eisensteinzug zwischen Osterode und Lauterberg. Bleierze kommen 
um Claustal vor, Silbererze im Bammelsberg und bei St. Andreas- 
berg. Im 16. Jahrhundert entstehen die Bergstädte: Grund, Wilde- 
mann, Lautenthal, Zellerfeld und Klausthal, St. Andreasberg und 
Altenau im Oberharz, im Unterharz Zorge, Benneckenstein, Trese- 
burg und viele andere, bei denen der Bergbau längst zum Erliegen 
gekommen ist. Seine erste Blüte vernichtete bereits der 30jährige 
Krieg und die ihm folgende Pest. Erst im 18. Jahrhundert ent- 
mckelte er sich wieder, um nach einem Höhepunkt zu Beginn des 
19. allmählich bis zur Gegenwart dauernd zurückzugehen. Heute muß 
man in Klausthal schon bis 900 m Tiefe gehen, 26 km lange unter- 
irdische Entwässerungen, bis über 60 km lange Zufuhrgräben für 
Wasser, die in die Oberharzer Teiche münden, mußten angelegt 
werden, um überhaupt die Arbeit fortführen zu können. Im Andreas- 
berger Bereich trat die Blüte früher, 1700—1730 etwa ein, seit- 
dem schleppt sich der Bergbau hin und die Silberhütte verarbeitet 
meist fremdes Rohmaterial. 

Bergbau und Hütten brauchten Holz, und starke Verwüstung 
der Bestände schuf die waldlosen Hochflächen des Oberharzes, die 
aber dank der randlichen Zerschneidung, deren steile Hänge nur 



152 Mitteldeutsche Gebirgsscliwelle 

Walduiitzuiig gestatteu, immer uocli Inseln in einem Waldmeer sind. 
Es scheidet sich dalier noch heute der Harz in den Oberharz, eine 
Waldlandschaft mit ausgedehnten Hochmooren, die bis auf die durch 
den Bergbau (und Fremdenverkehr) hervorgerufenen Siedlungen 
unbewolmt ist, und den Unterharz, wo auf der Verwitterungs- 
decke des Rumpfes nach Osten hin immer ergiebigerer Ackerbau 
getrieben wird. 

Gröfkre Orte konnten sich nur am Rande entwickeln. So 
(Joslar im Nordwesten als Stätte der Kaiserpfalz und Sitz des 
sehr lohuend(>n Bergbaues am Rammel8l»erg. Im 15. Jahrhundert 
umschloß sich die Stadt in Ausdehnung der heutigen Altstadt mit 
einer sehr starken Umwallung, von der Teile noch jetzt stehen. 
Im 16. Jahrhundert war aber ihre Blüte vorbei und verheerende 
Feuersbrtinste legten wiederholt große Stadtteile in Asche. Heute 
ist Goslar Bahnkiioten und Fremdenstadt von hohem Reiz, Wer- 
nigerode hat sich unabhängig von der Burg im Tal entwickelt, wde 
sein Grundriß beweist, während das benachbarte Blankenburg eine 
typische Burgsiedlung ist. Beide Orte, die quer über den Harz 
weg Bahnverbindung haben, durchströmt lebhafter Fremdenverkehr, 
Badestadt ist Harzburg, das bei 5000 Einwohnern 20000 Badegäste 
und 25 000 Durchreisende im Jahre beherbergt und demgemäß vor- 
wiegend aus Villen und Hotels besteht. 



Das nördliche Harzvorland 

Wir finden im Norden des Harzes die gleiche Fastebene 
wieder, die seine Höhen abschneidet. Dieselbe überzieht hier ein 
Blatt g'dnz anders gebautes Gebiet und ist seither durch das 
86. s7. SS. Flußnetz jugendlich zerschnitten worden; sie ist von 
einer nach Norden hin an Mächtigkeit zunehmenden 
Decke glazialer Ablagerungen verhüllt. So erklären sich die großen 
Formunterschiede, welche das Vorland vom Harz sich so stark ab- 
heben lassen. 

Durch eine Überschiel)ung des Harzes nach Norden hin ist 
das System weicher und harter Schichten, das sein Vorland auf- 
baut, in Falten geworfen worden, deren Schenkel um so steiler 
gestellt sind, je mehr wir uns dem Ilarzrand nähern. An die 
Schichtkammzone unmittelbar am Harz, deren Charakter noch da- 
durch verstärkt wird, daß an dem Harzrand parallelen Spalten 



Nördliches Harzvorland 153 

quarzitische Verhärtungen der an sich lockeren senonen Sandsteine 
auftreten, die dann als „Gegensteine", „Teufelsmauer" usw. heraus- 
treten, schließt sich die Scliichtrippenlandschaft der Umgehung von 
Quedlinburg, wo weiche Lias- und Keuperschichten die nach Wester- 
hausen führende Senke bilden, während harte Sandsteine nach 
Norden fallend den Kamm des Hamwartenberges, jüngere den von 
Petersbergen und Lehofsberg, dann, nach Süden fallend, den Heid- 
berg bilden. Um Wegeleben folgt wieder die breite Keupersenke und 
schließlich die nur noch sehr flache Aufwölbung des Muschelkalkes 
mit dem Gipfel der Domburg, 240 m. 

x411e diese verschieden widerstandsfähigen und verschieden 
gelagerten Schichten durchziehen die größeren, vom Harz her- 
kommenden Flüsse, zum großen Teil unbeeinflußt, in etwa 15 bis 
20 m eingesenkten, meist breiten Talböden, zwischen denen noch 
breite, ganz vermoorte Senken liegen, wie das Große Bruch im 
Westen von Oschersleben, die kein zusammenhängender Flußlauf 
durchzieht. Diese ganz ungeregelten Abflußverhältnisse verraten mit 
ihrer Unfertigkeit den Einfluß der noch nicht weit zurückliegenden 
Vereisung, erreichte das nordische Eis doch den Harzrand und trat 
im Osten auf denselben hinauf. 

Weiter nördlich beteihgeu sich mehr die älteren Schichten am 
Aufbau des Vorlandes, dessen Relief um Helmstedt herum wieder 
zunimmt. In der Richtung nach Nordosten hin handelt es sich 
um flache Aufwölbungen der Schichten, die zum großen Teil in 
präoligozäner Zeit entstanden, da sie von der mit Tertiär bedeckten 
Oberfläche gekappt werden. Wir treffen also hier wieder auf die 
große germanische Rumpffläche unmittelbar vor der Zone, wo sie 
nach Norden hin verschwindet. Zur Eozänzeit war liier Festland, 
von dem rote Tone und die Braunkohlen der Helmstädt-Oschers- 
lebener Mulde zeugen, die von marinem Unteroligozän überlagert 
werden. Auch dieses wieder ist gestört und vollends kompliziert 
wird die Tektonik, sobald wir uns aus dem vom Flechtinger Höhen- 
zug und dem Harz gebildeten tektonischen Rahmen nach Westen 
hinaus begeben. Längs der Oker laufen die kleinen, waldbedeckten 
Gebirgsrücken nicht mehr nordwestlich, sondern fast rein nördlich, 
ein klein wenig nach Osten abgelenkt. Der Geologe belehrt uns, 
daß hier die rheinische Richtung im Gebirgsbau die Oberhand über 
die herzynische gewonnen hat, und lehrt uns den Zusammenhang 
kennen, der zwischen dem Dorm und dem Rioheberg, der Asse und 
dem Oesel usw. besteht. 



254 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

Nach Nordwesten hin wiederholt sicli im Flechtinger Höhen- 
zug gewisseriuaßen das Bild des Harzes, Avenn man sieh ihm in 
der Gegend von Ilfeld von Süden nähert. Unter dem Buntsandsteiu 
kojiimt in schmalem Bande Zechstein heraus, dann llotliegendes 
mit gewaltigen Porphyr -Ergüssen und schließlich Culm, dessen 
Oberfläche gegen Hundishurg hin sehr langsam untertaucht. Hier 
und da verstreute Tertiärreste zeigen, daß auch dieser Teil der 
großen Fastehene vom Meer bedeckt wurde. 

Weiter östlich schließt sich nun das klassische Salzgebiet des 
nördlichen Harzvorlandes an, die Gegend um Staßfurt, Leopolds- 
hall usw. Der Untergrund des oberflächlich fast ebenen Landes ist 
in äußerlich nicht kenntliche, herzynisch streichende flache Falten 
gelegt. Die Salzlager erreichen dadurch teils die Nähe der Oberfläche, 
teils liegen sie in großen Tiefen (z. B. bei Königsaue liegt das Kali- 
lager 750 m tief, bei Kochstedt im Muldentiefsten über lOOi) m). 
Die Salzfolge ist bei Staßfurt über 900 m mächtig, wovon der 
Hauptteil auf das ältere Steinsalz kommt, über dem dann, durch 
den Salzton nach oben wasserdicht al)geschlossen, das Kalilager 
folgt, dem der Abbau nachgeht. 1852 wurde bei Staßfurt das 
Kalilager bei Gelegenheit eines Schachtbaues zur (Tcwinnung von 
Steinsalz erschlossen und seit 1862 begaun der regelmäßige Abl)au. 
Seither entstanden in den benachbarten Provinzen und Staaten etwa 
75 neue Kalibergwerke mit den zugehörigen Anlagen, W'Odurch das 
landschaftliche Bild und das Wirtschaftsleben der Landschaften rings 
um den Harz erheblich umgestaltet wurde. 

Das ganze Gebiet, in sich so mannigfach gestaltet, hebt sich 
dadurch von dem norddeutschen Tiefland al), dem nmu es nach 
seiner Bodenplastik und seinen geringen Höhen an sich wohl zu- 
rechnen könnte, daß das heutige Wirtschaftsleben seiner Bewohner 
zum großen Teil auf den Schätzen beruht, die ihm der überall nahe 
und leicht erreichbare Untergrund bietet. In der Besiedlungs- 
geschichte kommt das natürlich erst spät zum Ausdruck; für 
dieselbe ist vielmehr der Umstand von Anfang an wichtig, daß die 
südliche Zone des subherzynen Landes der großen norddeutschen 
Lößzoue angehört und somit wohl immer schon waldarm war, und 
wie z. B. in der Börde auch jetzt zu den baumärmsteu Strichen des 
Reiches gehört („Kultursteppe"). So liegen hier vornehmlich die 
zahlreichen Orte mit der Namensendung -stedt, die alle der Urzeit 
der Besiedlung angehören, dann die -ingeu, -leben, -heim und 
-doif, die alle entstanden sind, bevor die systematische Rodetätig- 



Nördliches Harzvorland 155 

keit eiüsetzte, Ihre Form ist die der Haufendörfer, von denen die 
Meßtiscliblätter dieser Gegenden schöne Typen zeigen. Sie mischen 
sich nach Nordosten hin mit Rundlingen, Zeugen slavischen Vor- 
dringens, das auch an den Namen (-itz) verfolgbar bis etwa zu 
einer Linie reichte, die von Seehausen nach Groß-Oschersleben, 
Halberstadt und Blankenburg zieht. 

Nach 800 zogen das Christentum und die fränkische Herrschaft 
in den Landen ein, die beide Stützpunkte brauchten. Zu den Dör- 
fern gesellten sich als neue Siedlungsformen die Klöster und die 
Burgen, die ihrerseits dann wieder Ansatzpunkte für Dörfer und 
Städte wurden. Die Namensendung -rode bezeugt den letzten 
großen Fortschritt der Besiedlung, der Wald wurde in die Grenzen 
zurückgedrängt, die er noch heute inne hat, im wesentlichen die 
Höhen im Norden. Im 12. und 13. Jahrhundert begann sich nun 
die Gunst der Lage in dem Entstehen größerer Siedlungen, dem 
Aufblühen der Städte bemerkbar zu machen, was das Eingehen 
zahlreicher ländlicher Orte zur Folge hatte. So erwuchs im Westen 
an der Grenze mehrerer natürlicher Landschaften die Bischofs- 
stadt Hildesheim in salzreicher Umgebung an dem Schnittpunkt 
nordsüdlicher und ostwestlicher Wege. Auf einem Ausläufer des 
Galgenberges liegt die alte Domstadt etwa 10 m über dem Fluß; 
an sie schließt sich nach Norden hin die Altstadt, nach Osten hin 
die Neustadt mit regelmäßigen Straßen an, so daß innerhalb des 
späteren einheitlichen Mauerringes von 1500, in den jetzt große 
Breschen geschlagen sind, nicht weniger als drei gesonderte Märkte 
bestehen. Heute außerhalb der großen Verkehrslinien gelegen, hat 
die Stadt sich ihren altertümlichen Charakter trefflich zu erhalten 
vermocht, und ihre Bauten sind Kleinodien deutscher Kunst. 

Das Gleiche gilt für Braun schweig, obwohl es in der 
Neuzeit zu weit größerer Blüte gelangt ist. Die Stadt liegt auf 
mehreren Werdern im Ockertal, die den Übergang erleichterten, 
da, wo die Schiffbarkeit des Flusses im ^Mittelalter aufhörte, und 
wurde von Heinrich dem Löwen als Einheit aus mehreren An- 
siedlungen (Altstadt, Neustadt, Hagen usw.) zusammengefaßt, die 
im Anschluß an die Burg Dankwarderode entstanden. Der un- 
regelmäßig gestaltete alte Kern im Rahmen der später sehr stark 
ausgebauten. Jetzt in Anlagen verwandelten Umwallung ist auf 
allen Karten kenntlich: in der Niederung der Ocker konnte die 
Bahn bis dicht an ihn heran gefühi-t werden, doch sind die Ver- 
bindungen nicht «erade sehr üünstiae. Als Residenz ist aber der 



156 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

Stadt (loch eine gewisse Entwickluug l)esclnedeii gewesen, zumal 
auch Industrie nicht fehlt. 

Ähnlich künstlerisch wie historisch altberühmte Orte sind 
Halberstadt und Quedlinlnirg näher am Harz, beide, wie so manche 
kleinei'e Stadt in dieser Gegend, wohl erhaltene Typen der Haufen- 
städte, heute ein wenig dem Verkehr entrückt. Ringsumher aber 
blühte das Land neu auf, als man die reichen Schätze des Unter- 
grundes erschloß, das Kali und die Braunkohle, und das kam 
wieder den Städten zugute. Den Hauptgewinn freilich hatte von 
allem derjenige Ort, der die günstigste Verkehrslage von allen 
aufzuweisen hat: Magdeburg. 

Etwa 100 m hoch tritt im Osten das nördliche Harzvorland 

an die Elbe heran. Man könnte zweifelhaft sein, ob das rein 

landwirtschaftliche Gebiet der sogenannten Börde nicht 

Blatt SS ^ 

besser dem norddeutschen Tiefland zuzurechnen sei, als 
dem Gebirgsvorland; doch spielt im Wirtschaftsleben der Gehalt 
des Untergrundes an Bodenschätzen auch hier noch eine so be- 
deutende Bolle, daß man die vSiedlungen und insonderheit die Ent- 
wicklung der größten Stadt hier, Magdeljurgs, nur dann verstehen 
kann, wenn man von dem Gebirge ausgeht. 

Magdeburg liegt auf der hier etwa 60 m hohen Terrasse des 
Elbetales (Elbe 45 m), zu welcher sich weiter westlich das Harz- 
vorland mit 40 l)is 50 m hohem, erosiv zerfranstem Bande al)senkt. 
Die noch leidlich kenntliche Altstadt, im Norden etwa durch die 
Königstraße, im Westen durch die Kaiserstraße und im Süden 
durch die Oranienstraße begrenzt, schließt in sich einen ältesten 
Kern um Bathaus, Alten Markt und Johanniskirche und die erste 
Stadterweiterung im 11. Jahrhundert ein, die im Norden nur etwa 
bis zur Gegend der Petrikirche und des Städtischen Kranken- 
hauses, im Osten noch nicht zur Elbe hinunter reichte. Die neuere 
Entwicklung der alten Grenzfeste gegen die Slaven vollzieht sich 
vornehmlich in den Vorstädten, der regeliiu'ißig gebauten Neustadt 
im Norden, Sudenburg im Südwesten uud Buckau im Süden, Sitz 
bedeutender Eisenwerke, denen die Bohstoffe auf dem Strom zu- 
geführt werden. Zucker — erzeugt aus den Gewächsen der un- 
eudlichen Bübenfelder der Börde — und die Kalisalze von Staßfurt 
sind wichtige Ausfuhrprodukte , die Industrie und Handel der 
Stadt beleben. 



Östliclies Harzvorland 157 



Das östliche Harzvoriand 



Nach Osten liiu taucht der Harz allmählich unter und geht 
ohne Grenze in sein Vorland über, in dem wesentlich tafelförmige 
Lagerung herrscht mit allmählichem Eintauchen gegen Biatt 
Nordosten. Die Saale mit ihren Zuflüssen zerschneidet ^^^- ^^ 
das im Süden etwa 200, im Norden 100 m hoch liegende Gebiet 
um etwa 50 m ziemlich scharf und zerlegt es dadurch in eine 
Keihe von Tafeln mit steilen Rändern. Die mit Löß und dünner 
diluvialer Decke überzogenen Tafeln und die Talränder sind dicht 
besiedelt, auf weite Strecken hin waldlos. Zu den bereits bekannten 
Bodenschätzen au Kali und Braunkohlen gesellt sich hier, einst 
von sehr großer Bedeutung, der Kupferschiefer der Zechsteiuzeit, 
eine sehr geringwertige, aber sehr gleichmäßige Lagerstätte von 
Kupfererzen, auf deren Vorkommen die Industrie der Mansfeld- 
Eislebener Gegend beruht. 

Die zahlreichen Städte des östlichen Harzvorlandes verdanken 
ihre Entstehung dem Verlauf der Slavengrenze in diesem Gebiet. 
Fast alle entstanden zunächst als Burg zur Befestigung der Grenze, 
der sich später ein Marktflecken anschloß, der in vielen Fällen 
ummauert wurde. Die fortschreitende Kolonisation führte schließ- 
lich oft zur Gründung einer Neustadt mit regelmäßigem Grundriß, 
womit dann der Ort sozusagen fertig war. So lassen sich bei 
Bernburg, Dessau, Cöthen u. a. trotz ihrer geringen Größe doch 
im Plan sehr verschiedenartige Bestandteile nachweisen. 



Das lippische Bergland 

Vom lippischen Keuperland aus V)is nach Thüringen hinein 
finden wir eine einheitlich gebaute Landschaft, in welcher im 
wesentlichen großräumige Aufwölbungen der triadischen Gesteine 
die Oberflächenformen bestimmen. Ln Süden wird diese Zone vom 
Thüringer Wald und dem paläozoischen Werragebirge zwischen 
V^^itzenhausen und Eschwege begrenzt, in der Mitte vom Leinetal- 
graben scharf und fremdartig durchsetzt, dem andere Störungen 
au verschiedenen Stelleu entsprechen, an denen im Westen und 
Südwesten zum erstenmal, wenn man von Norden kommt, in 
größerer Zahl Vulkane aufsitzen, damit den Übergang zur hessischen 
Senke einleitend. 



158 Mitteldeutsche Gebirgssduvelle 

Im Westen haben wir die Ansläufer des lippischen Kenper- 
landes mit dem Falkenhag'ener Liasgraben, der bei Polle die Weser 
Blatt erreicht. Die Formen sind in dem Ackerbanland um 
sö. 9s Xieheim, Steinheim herum sehr mild. Die Ränder der 
Mulde liegen hoch und gehen in Muschelkalkplateans von 350 m 
Höhe über, die scharf zur Weser hinunter (bei Höxter 85 m) zer- 
schnitten werden. Im Aa-Nethe-Tal, dem eine sehr wichtig-e ost- 
westliche Verkehrslinie folgt, die bei Altenbeken das Eggegebirge 
untertunnelt, wird zwischen Brakel und Driburg eine Buntsandstein- 
aufwölbung angeschnitten, welche Talweitnngen (bei Herste z. B.) 
hervorruft, über welchen der Kalk in steilen Hängen aufragt. 
Südlich dieses Tales liegt wieder eine flache Muschelkalkmulde 
mit Kenper im Inneren, wiederum randlich Plateaus und um Borgen- 
treich in nur 175 — 200 m Höhe waldlose, fruchtbare Ackerbau- 
landschaften, überragt von den Warburger Vulkaukegeln. Im 
obersten Nethegebiet liegen westlich Grabeubrüche, denen die Bahn 
von Warburg nach Altenbeken folgt, überragt vom Schichtkamm 
der Eg'ge. 



■•tsis'- 



Der Solling 

Die Diemel unterhalb Treudelburg und dann die Weser von 

Karlshafen bis über Holzmiuden hinaus begleiten den Ostraud der 

Muschelkalklandschaft und sind ihrer Anlage nach wohl 

Blatt 9!) .. ° 

als Schichtflüsse aufzufassen. Ostlich liegt die große 
Buntsandsteinaufwölbung mit nordsüdlicher Achse, die im Norden 
Solling, im Süden Reinhardswald und Bramwald heißt, und auf 
allen Seiten von Schichtstufen des Muschelkalkes unter sehr 
wechselnden Namen umgeben wird. Die Höhen des Buutsand- 
steins übersteigen im Norden 50(» m, im Süden reichen nur noch 
die Basaltkuppeu so hoch hinauf. Im Süden der Kuppel des 
Solling, in welcher nordöstlich verlaufende gerade Spaltentäler 
auffallen, sammelt das zum Teil tertiärerfüllte Becken von Uslar 
die Gewässer, die sodann nach Westen zur Weser hindurchbrechen. 
Diese selbst folgt von Münden an der Sattellinie der Bunt- 
sandsteinaufwölbung in jungem, terrassenlosem, gestrecktem Tal 
bis Bodenfelde, wo sie in einigen mächtigen, zum Teil schon ab- 
geschnürten Schlingen ihr weiteres Laufstüek als Schichtfluß er- 
reicht. Sie ist südlich Bodenfelde wohl als autezedent und zum 
Teil epigeuetisch aufzufassen. 



Lippisches Bergland. SoUing 159 

Während das SoUingrelief von überaus einförmigen Sandstein- 
tafeln nnd -Klötzen beherrscht wird, weist der Eeinhardswald 
bereits an die Verhältnisse der hessischen Senke erinnernde tertiär- 
ausgekleidete Mulden innerhalb der Hochfläche auf, so die Gotts- 
bürener mit über 200 m Höhe, und andere weiter südlich, während 
im Mühlenberg- bei Veckerhagen das Miozän über 400 m Höhe 
erreicht (vgl. Taf. XH, Abb. 2). 

Decken den Buntsandstein meist ausgedehnte Waldungen, 
zwischen denen einsam die Weser ihres Weges zieht, so sind die 
Scliichtstufen im Osten vorwiegend kahl, dem Gestein entsprechend. 
Sie setzen am Burgberg nördlich Holzminden an, ziehen über die 
Amtsberge an Dassel vorbei. Dann biklet die Ahlsburg eine ge- 
sonderte Buntsandsteinaufragung im Streichen des nördlich an- 
schließenden Leine -Bergiandes. In der Weeper ist die Kalkstufe 
wieder sehr deutlich, über Hardegsen, Adelebsen setzt sie nach 
Süden und erreicht nördlich Hedemünden mit steilen Wänden das 
Werratal. 

Jenseits des Leinetales tritt der Muschelkalk wieder auf und 
bildet in fast gleicher Höhe (350 — 400 m), wie hier die Schicht- 
stufen liegen, die Plateaus des Göttinger Waldes und andere nörd- 
lich davon, die sich mit 100 m hohen Wänden über das Eichsfeld 
im Osten erheben. Dazwischen aber liegt das bei Göttingen auf 
150 m eingebrochene, mit einem Gewirr jüngerer mesozoischer 
Schichten erfüllte Leinetal, ül)er dessen Inneren sich besonders auf 
der östlichen Seite der Muschelkalk mit einer echten Bruchstufe 
erhebt, ein Beweis für das jugendliche Alter des Einbruches, dem 
jüngeres Tertiär fast völlig fehlt. 

Die Besiedlung in dem ganzen Gebiet verteilt sich so, daß 
Weser- und Leinetal ziemüeh dicht bewohnt sind, dagegen die 
Buntsandsteiugebiete von unbewohnten Wäldern überdeckt werden. 
Manche Namen auf -hir oder verwandte Endungen (üslar, Geismar, 
Fredelsloh) w<"isen auf sehr alte Besiedlung der flacheren, wohl 
auch waldarmen Striche hin. Später ist die Endung -hausen und 
-sen sehr häufig, -rode dagegen selten, die Besetzung des Landes 
bis zu annähernd dem heutigen Ausmaß scheint also recht früh 
vor sich gegangen zu sein. Das Haufendorf, wie Geismar bei 
Göttingen , herrsclit durchaus vor, im Wesertal entsprechend um- 
gebildet. Größere Orte haben sich nur an den sehr wichtigen 
Verkehrswegen zu entwickeln vermocht, die hier durchlaufen. Der 
Nordsüdweg Frankfurt — Bebra— Hamburg schneidet in Eichenberg, 



IQQ Mitteldeutsche Gebirgssch welle 

in Northeim und in Kreienseu wichtige Ostwestliuien, von denen 
der westliche Ast sich bei Höxter und Holzniinden im Wesertal 
wieder verzweigt. Hameln konnte ein die Weser quereudes 
Felsriff zur Anlage von Mühlen benutzen und l)lühte als Umschlag- 
platz an diesem wichtigen Verkehrshindernis auf. Auf ersterem 
Gewei'be und der Ausnutzung der Weser als Schiffahrtstraße be- 
ruht auch die gegenwärtige Blüte der Stadt. 

Das Eichsfeld 

Im Osten des Göttinger Waldes taucht wiederum der Bunt- 
sandstein auf weite Flächen unter dem Muschelkalk heraus, ohne 
Blatt doch 300 m Höhe wesentlich zu überschreiten. Im 0hm- 
99. 100 Gebirge mit 525 m und den Bleicheröder Bergen mit 
465 m sind ihm Tafelberge von Muschelkalk — in sich zum Teil 
kompliziert gebaut — aufgesetzt, die als Auslieger der hier im 
Süden auftauchenden Muschelkalkschichtstufe zu deuten sind, des 
Dim, der nach Osten iu die Haiuleite übergeht. Diese Schichtstufen 
Itilden den Rand des Thüringer Hochlandes: was nordöstlich von 
ihnen liegt, breit im Westen, schmal im Osten, ist das Eichsfeld. 
Das Relief ist im allgemeinen gering; die Wasserscheide zwischen 
West und Ost bilden Muschelkalkrücken, die in der Linie 
Leinefelde — Weißenborn eingebrochen und dann als widerstands- 
fähig wieder herausgearbeitet worden sind. 

Mannigfaltiger ist der Nordrand am Harze entlang gestaltet. 
Im großen uiul ganzen handelt es sich ja auch hier um Schicht- 
stufen, die ihre steile Stirn dem im Süden viel flacher als im Norden 
eintauchenden Harz zuwenden und die aus einer Fastebene heraus- 
modelliert sind, über welche der Harz hin zeitweilig nach Süden 
entwässerte wie die Verbreitung herzyner Gerolle auf den Höhen 
der Schichtstufeu beweist. Ihre Besonderheit erluilt diese Schicht- 
stufenlandschaft aber dadurch, daß einmal an ihrem Bau auf sehr 
weite Strecken liin lösliche Gesteine teilnehmen, daß ferner im 
Westen im Becken von Pöhlde, im Osten an der Goldenen Aue 
Grabeubrüche eine wichtige Rolle spielen. Die löslichen Gesteine 
sind die Gipse des Zechsteins, der von Osterode an als schmales 
Band den ganzen Südrand säumt. Der Gips ruft die bizarren 
Felsformen hervor, wie sie hier überall von der Bahn aus zu beob- 
achten sind; durch seine Auslaugung entstanden die zahlreichen 
Seen und Einsturztrichter, die das Land durchsetzen. Er leitet 



Eichsfeld 161 

die Zirkulation des Wassers in die Tiefe, von wo es in starken 
Quellen, wie z. B. der von Khumspring-e (4 cbm/sec.) wieder die 
Oberfläche gewinnt. 

Im Osten ist die Goldene Aue ein eingesunkenes und später 
nocli ausgeräumtes Stück der Harzrumpffläche, die uns dann 
wieder in der Hochfläche des Kyffhäuser, nur nach Süden hin 
schräg gestellt, erhalten ist, so daß dieser sagenumwobene Berg 
nach Zusammensetzung und Aussehen mit der Bruchstufe im Norden 
und der flachen Abdachung im Süden ganz ein Abbild des Harzes 
im kleinen ist. Im Norden rinnen die Gewässer rasch die Stufe 
hinab und schütten große Schuttkegel in die Goldene Aue vor. 
Im Süden greift der Zechstein mit seinen Gipsen auf die Hoch- 
fläche, bildet eine Stufe und zwingt die Entwässerung, zum Teil 
unterirdisch (Barbarossa-Höhle), seinem Streichen zu folgen. 

Das Eichsfeld ist von jeher bis in die Gegenwart ein rein 
landwirtschaftliches Gebiet, in dem bei nicht sehr erheljlichen 
Höhenunterschieden und gleichmäßigem Boden die A^erteüung der 
Siedlungen von dem Vorhandensein von Wasser und ihr Aufblühen 
von ihrer Verkehrslage abhängt. Beide Momente summieren sich 
in günstigem Sinne im Süden und Norden des Landes, wo einer- 
seits den Harz eine ausgezeichnete subsequente Senke begleitet, 
in welche von dem niederschlagsreichen Gebirge her reichlich Wasser 
kommt, andererseits die Porta Eichsfeldica südlich Bleicherode in 
nur 2.50 m Höhe den Eintritt in das innere Eichsfeld gestattet und 
an der Basis des durchlässigen Muschelkalkes zahlreiche Quellen 
entspringen. 

Die ältesten Orte, die wir der Periode bis zum 4. Jahrhundert 
zuweisen müssen, finden sich nur an den eben gekennzeichneten, 
günstigen Stellen, wie Berka im Odertal, Sachsa am Siidharz, 
-lohra mit verschiedenen Vorsilben am Eichsfelder Tor u. a. Die 
häufige Endung -stedt (-Stadt) gehört der zweiten Periode vom 4. 
bis 8. Jahrhundert au, im übrigen die bekannten Namensendungen, 
die uns an alle günstigen Stellen auch im Inneren des Eichsfeldes 
führen. In der Rodezeit fand die letzte erhebliche Vermehrung der 
Siedlungen statt, von denen allerdings sehr viele wieder eingingen, 
weil sie in Gegenden vorgeschoben wurden, deren JAcker])au nicht 
mehr ertragreich genug ist. In der Form der Siedlungen wiegt 
naturgemäß das Haufendorf durchaus vor, das sich auch an den 
meisten Stellen ])equem ausbreiten konnte. Die Städte — Duder- 
stadt als Zentrum , Heiligenstadt an einem alten Verkehrskreuz 

Braun. 11 



162 Mitteldeutsche Grebirgsschwelle 

geleg'en, an dessen Stelle jetzt Leinefelde (345 m) getreten ist — 
haben sich aus Dörfern entwickelt, sind aber ganz bedeutungslos. 

Thüringen 

Ein hoher Muschelkalkabfall umgürtet Thüringen fast von 
allen Seiten. Sanft steigt man von ihm nach innen hinab und 
erreicht weichgeformte Landschaften an der mittleren Unstrut, 
aus der aber bald wieder Plateaus von 400 m Höhe aufragen, 
die, von tief eingeschnittenen Tcälern durchfurcht, doch einheitlich 
zur steilen nach Süden gekehrten Stirn des Muschelkalkes hin- 
über leiten. 

Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper sind es wieder, die 
das Land zwischen Harz und Thüringer Wald aufbauen. Lagern 
sie im Solling aufgewölbt, so liegen sie hier flach eiugemuldet; 
wie aber dort Hochflächen über die verschiedenaltrigen Schichten 
hinweggehen, so greifen solche auch hier vom Vogtland und Harz 
aus liinüber über ganz Thüringen in annähernd gleicher Höhen- 
lage, nicht nach dem Zentrum des Landes, sondern nach Nord- 
osten hin geneigt. Die heutige Oberfläche ist aus dieser alten 
herausgeschnitten, dort am tiefsten, wo die wenigst widerstands- 
fähigen Gesteine lagen, d. h. im Keuperland und in den Bunt- 
sandsteinzonen. 

Im Norden zeigen Hainleite und Dün nicht etwa nur eine 

gleichmäßige Böschung vom Kamm der Stirn nach dem Inneren, 

Blatt sondern vielmehr weite wellige Hochflächen mit flachen 

112. 113 Buckeln, die über 450 m Höhe erreichen, von denen aus 

es dann erst in gleichmäßigem Abstieg in das Becken geht. Im 

Westen bildet der Haiuich mit ähnlichen Höhen den Rand, der 

bei Treff urt bis an das auf 170 m eingeschnittene Werratal mit 

ausgedehnten Hochflächen herantritt. Weiter südlich folgen 

Störungen; im Petersberg bei Eisenach und in den 

Blatt 1-27 ^ ' *^ 

noch gestörten Hörseibergen wird der Anschluß an den 
Thüringer Wald erreicht. Als schmaler Schichtkamm ist der Kalk- 
zug wieder bei Waltershausen (410 m) erkennbar; weiter südlich 
l)ildet Muschelkalk, an 500 m heranreichend, die kahlen Hochflächen 
bei Liebenstein. Jenseits des Tales der Wilden Gera kehrt er 
wieder seine Stirn dem Gebirge zu, schwenkt aber dann, in den 
Plateauflächen der lleusberge 600 m erreichend, wieder ab und 
zieht, von dei* Saale erst umrahmt, dann oberhalb Jena durch- 



Thüringen 163 

broeheii, in Form weiter Hochflächen mit etwa 400 m Höhenlage 
nach Nordosten. 

In dieser Gegend gewinnt nach Süden nnd Osten hin bis znr 
Elster das Buntsandsteinland an Ausdehnung, und sein südlicher 
Rand wird der Rand von Thüringen, Im Kulm bei 

Blatt 128 

Saalfeld ist noch eine eingesunkene Muschelkalkscholle 
herauspräpariert, dann folgen einförmige Buntsandsteinhochflächen 
von 850 — 400 m Meereshöhe, die zur subsequenten Senke des Orla- 
gaues mit nur etwa 250 m Höhe hin steil abfallen. Die Elster 
schneidet um Gera herum eine Aufwölbung des Zechsteins an, 
die weiter nach Osten liin ebenso me der ihr wieder auflagernde 
Sandstein unter tertiären und diluvialen Ablagerungen verschwindet. 
Hier, östlich von Gera, fehlt dann jede Grenze zwischen Thüringen 
und dem Erzgebirge und die Hochflächen von Ronneburg gehen in 
300 — 350 m Höhe ohne Bruch in dieses über. 

Die Grenze Thüringens möge von hier aus bis zum Saale- 
durchbruch bei Kosen gezogen werden. Wenig nördlich treten 
wieder die Hochflächen der alten Landoberfläche in Biatt 
dem Buntsandsteingebiet der Finne und Schrecke, über- "^' ^i* 
ragt von dem Muschelkalkzug der Schmücke, gegenüber dem Vor- 
land stark heraus und erreichen mit der Windleite südlich vom 
Kyffhäuser den Anschluß an die Hainleite. 

In diesem weiten Kranz von Hochländern sind nur wenige 
Erhebungen zu finden, die sich aus dem ausgeräumten Inneren des 
Beckens erheben. Die Fahner Höhe gehört mit 400 m einer sekun- 
dären, nordwestlich streichenden Aufwölbung des Muschelkalks an, 
welche bei Erfurt von der Gera durchbrochen wird. Bei Gotha 
streicht in gleicher Richtung eine Störungslinie durch, an welcher 
Muschelkalk einsank, der jetzt herausgearbeitet den Zug Krohn- 
berg — Seeberg mit ebenfalls 400 m Höhe bildet. 

Die Höhenlage der Hochflächen nimmt nach Nordosten hin 
allmählich ab und dorthin vollzieht sich auch die Entwässerung des 
Landes. Wir haben heute ein mehrfach verändertes Bild vor uns, 
das die ursprüngliche parallele Entwässerung nach Nordosten nicht 
mehr klar erkennen läßt. Als sichtbarste Spuren älterer Täler, 
die zugleich für die Besiedlung des Landes sehr wichtig wurden, 
blieben in den das innere Becken umsäumenden Hochländern Tal- 
lücken zurück, die heute oft ein nur kleiner Bach passiert, dessen 
Wassermenge zu der Weite derselben in keinem Verhältnis steht. 
Eine solche Lücke benutzt die Eisenbahn, um von Sondershausen 

11* 



Ig4 Mitteldeutsche Gebirgssch welle 

das Innere des Beckens zu gewinnen; eine zweite ist der Schneid- 
graben weiter östlich. Durch eine dritte Lücke tritt die bis daliin 
subsequente Wipper g-ewisserniaßen rückwärts fließend in das 
Becken ein, um es allerdings mit der Unstrut zusammen gleich 
wieder in dem wichtigen Paß von Sachsenburg zu verlassen. Die 
nächste liedeutendere Öffnung ist die von Rastenberg, in der ein 
früherer Umlauf vorliegt. 

Diese Ausgestaltung des thüi'ingischen Gewässernetzes zu er- 
klären l)ietet al)er keine Schwierigkeit, wenn man berücksichtigt, 
daß die nach Nordosten hinaus fließenden konsequenten Flüsse bei 
ihrem Einschneiden in die dorthin sich senkende Rumpfebene sehr 
verschieden widerstandsfähige Gesteine aufdeckten, ür- Saale, 
Gera — Unstrut und der Sondershäuser Fluß waren die hauptsäch- 
lichsten konsequenten Glieder. Als subsequent legten sich an: die 
Wipper, die Halbe, welche den Sondershäuser Fluß und den Schueid- 
grabeu-Fluß anzapfte, und in gleicher Richtung, aber wohl einer 
tektonischen Linie (Einwolbung) folgend, die Unstrut zwischen 
Arteru und Naumburg. Auch iiu Süden der Unstrut griffen ihre 
Nebenflüsse ein und schnitten einige Bäche, die ursprünglich nach 
Nordosten flössen, ab. Die Saale aber war ihrerseits kräftiger als 
die Unstrut und so wurde durch einen ihrer Nebenl)äche im Streichen 
weicher Keuperschichten die Um ihrem Gebiet direkt angeschlossen. 
Im Westen brach die Hörsei von der Werra aus in Thüringen ein 
und schuf die wichtige Pforte von Eisenach. 

Während die Naturverhältnisse Thüringens in seinem ganzen 
Bereich überall annähernd das gleiche Bild bieten, geht eine der 
wichtigsten Grenzen für die Besiedlung mitten durch das Land: 
die Westgrenze slawischen Vordringens. Östlich der Saale, die wir 
im allgemeinen als Grenze ansetzen können, hat sich nichts von 
älterer germanischer Siedlung erhalten, im Westen ])ezeugen die 
vielen Ortsnameuendungen auf -a uud -stedt, daß schon vor 300 
n.Chr. das offene Land, wie z. B. die Goldene Aue, Teile des Keuper- 
landes und andere Stellen besiedelt waren. Wenig älter sind die 
Namen auf -ingen, -ungen, während uns die auf -leben, die sonst 
erst wieder in Jütland auftreten, von der Einwanderung nördlicher 
Stämme berichten. Sie schließen sich in ihrer Verteilung wie die 
älteren Orte an das beste offene Land an, das augenscheinlich 
noch in Mengen zur freien Verfügung stand. Nach der Eroberung 
des Landes durch Sachsen und Franken entstand zwischen 500 
und 800 eine sehr große Anzahl von Orten luit den Namensendungen 



Besiedlung von Thüringen 165 

-hausen (die wichtige Verkehrspiinkte bezeichnen), -tlorf usw., die 
aber nun schon auf schlechteres Land vorgesclioben werden mußten 
und von denen deshalb nicht weniger als 46°/o im nordöstlichen 
Thüringen wieder eingingen. 

Um 800 etwa beginnt im deutschen Gebiet mit der Einführung 
des Christentums die Redezeit, in welcher energisch dem Wald zu 
Leibe gegangen wurde und die Zahl der Ortschaften sehr rasch 
stieg*, die heutige Zahl nicht nur erreichend sondern überschrei- 
tend, da seither von diesen Orten etwa 50 *^/o wieder zugrunde 
gegangen sind. Der Weinbau hält seinen Einzug und gestaltet 
das Landschaftsbild weiter um. Der Form nach überwiegt im 
germanischen Gebiet das rundliche Haufendorf in verschiedenen 
Abarten, während sich in die Wälder langgestreckte Dörfer 
hineinziehen. Die Grenze an der Saale wurde durch Burganlagen 
geschützt, Saalfeld, Rndolstadt, Orlamünde, Dornburg, Groß- 
jena u. a. werden genannt, bald auch rechtssaalische Befestigungen, 
die Leuchtenburg, Lobedaburg, die Hausbergburgen bei Jena, 
Kamburg, Rudelsburg und Saaleck, dann Altenburg u. a. 
tauchen auf. 

Hinter großen Wäldern saßen jenseits der Saalelinie die Sorben. 
Zahllose slawische Namen der Siedlungen verraten uns noch jetzt 
die Stellen, die sie eingenommen hatten. Die Gegend von Saalfeld 
und der Orlagau sind dicht bewohnt, um Gera liegt ein zweiter 
Knoten. Die noch heute erst wenig gelichteten Wälder der „Heide" 
südlich der Saale deckten sie nach Norden hin. Im Nordosten 
griffen die slawdschen Siedlungen über die Saale liinweg ins üu- 
struttal hinüber. 

Im IL Jahrhundert schritt die deutsche Kolonisation gegen 
diese Gebiete vor; sie ging von den Burgen und Klöstern aus und 
bildete neue Orte teils neben den slawischen (Groß- und Klein-; 
Deutsch- und Wendisch-), teils wurden solche in den Wald hinein 
vorgeschoben. An die Seite der Rundlinge und Straßendörfer 
traten Haufen- und Waldhufendörfer, das Bild der Grundrisse 
mannigfach gestaltend. Stadt- und neue Burggründungen helfen 
den Besitz sichern. 

Bei der Besiedlung Thüringens spielt also seine Grenzlage 
zum damaligen Deutscheu Reiche eine wichtige Rolle. Als das 
wegfiel, vollzog sich der innere Ausbau und die Entwicklung der 
Orte vorwiegend auf Grund der Gunst oder Ungunst ilires Bodens. 
Später traten politische Entwicklungsmomente und der ^^erkehr 



166 Mitteldeutsche CTcbirgssch welle 

hinzu mid scliufeu eine Auslese von Orten zu heute einigermaßen 
bedeutenden Städten um. 

Im Norden ist die fruchtbare Goklene Aue l)esonders dicht 
besiedelt und in Nordhausen sammelt sich der Verkehr des 
Eichsfeldes, des Harzes und des nördlichen Thüringen. Die Stadt 
ist weit über ihren alten Kern, der noch sehr gut, zum Teil mit 
Umwallung, erhalten ist, nach allen Seiten hinausgewachsen und 
lebhafte Industrie unterstützt die Gunst der Verkehrslage. Ver- 
schiedene Städte sind dann an den Lücken der Schichtstufen- 
umwalluug aufgeblüht, so Dingelstedt, Sondershausen (auch als 
Residenz), Frankeuhausen, Rastenberg, Saalfeld: auch für Eisenach 
kommt dieser Gesichtspunkt in Frage. 

Eine Reihe bedeutender Städte erwuchs sodann in der Mitte 
des Beckens an der Hauptvei-kehrslinie zwischen Berlin und 
Frankfurt: Apolda, Weiinar (zugleich Residenz), Erfurt, Gotha 
an der Stelle des Durchganges durch den Zug der See-Berge. Von 
diesen wurde Erfurt in landschaftlich sehr günstiger, quellen- 
reicher Umgebung an einem gefällreichen Fluß gelegen, im 13. Jahr- 
hundert die größte Siedlung, als es seine Verkehrslage im Herzen 
der damaligen Handelsgebiete ausnutzen konnte. Dazu kam es dann 
erst wieder im 19. Jahrhundert zur Zeit der Eisenbahnen: in den 
70er Jahren sprengte die wachsende Stadt den Gürtel der ihr zu 
eng werdenden Befestigungen (-ring- Straßen innere ältere Um- 
wallung, Gera-Kanal die jüngste bezeichnend) und wuchs weithin 
im Tal der Gera aufwärts und abwärts. 

Ol)erhalb Kosen zweigt die Südwestlinie Berlin — München von 
der erwähnten al) und wieder reihen sich an ihr etwas größere 
Orte, die zusammen mit den Burgen der alten Grenzlinie diese 
Strecke zur reizvollsten machen, die es in Thüringen gibt; hier 
folgen Jena, Kahla, Orlamü^de und Rudolstadt (Residenz) aufein- 
ander, alle ihrer Entstehung gemäß linksufrig gelegen. In Saalfeld 
kreuzen sich viele Wege; hier setzt auch die städtereiche Süd- 
grenze Thüringens ein, die tief gelegene Orlasenke, die an tUe 
Elster hinüberführt und gegenüber der dünn besiedelten „Heide" 
im Norden als sehr günstig erscheint, zumal die Gewinnung von 
Bodenschätzen zur Güte des Bodens hinzukommt. Pößueck ist 
Mittelpunkt derselben. 

Von Osten schließlich führt von Gera noch eine Linie nach 
Thüringen hinein, so daß dieser Ort, sonst mehr im Nordsüdzug 
gelegen, auch auf das Innere des Landes anziehend einwirkt. Die 



Thüringer Wald 167 

Stadt verdankt ihre Entwickluug-, die sie andere älmlicli gelegene 
Orte überholen ließ, der Gunst ihrer Fürsten, die sie nicht nur 
als Residenz Wcählten, sondern auch Industrie (Weberei, Tuch- 
macherei) hierher zogen. 

Der Thüringer Wald 

Bei Sangerhausen, Naumburg, Zeitz beginnt die Halle — Leipziger 
Tieflandsbucht mit einer von Thüringen grundverschiedenen wirt- 
schaftlichen Ausstattung und ursprünglich rein slawischer Besied- 
lung. Ähnlich scharf ist Thüringens Grenze im Süden gegen das 
hoch industrielle Vogtland und die einsamen Hochflächen des 
Frankenwaldes. Wohl aber übt der Thüringer Wald einen sehr 
weitgehenden Einfluß auf das Becken aus, schon dadurch, daß 
seine Pässe die Richtung der größeren Verkehrswege in ihm auf 
weite Entfernung hin bestimmen. 

An den meisten Stellen seines nordwestlichen Randes scheidet 
ihn ein scharfer Absatz von seinem Vorland. So befindet man sich 
oberhalb Liebenstein auf weiten Hochflächen in 490 m Biatt 
Höhe, auf denen auch noch das Dorf Frankenhain liegt. ^^^- i*^- ^^'- 
Unmittelbar dahinter aber steigt ein steiler, 200 m hoher Hang an, 
nach dessen Erklimmen man viele Kilometer weit in Höhen von 
etwa 700 m wandern kann, bis man nur ganz sanft ansteigend 
Oberhof, 800 m hoch gelegen, erreicht. Diese hoch gelegenen 
Riedel sind im Thüringer Walde allerdings weit schmaler als 
ähnliche Flächenstücke im Harz und Schiefergebirge. Die Eben- 
heit ihrer Oberfläche indessen beweist im Zusammenhang mit den 
scharf einsetzenden, sie nach unten hin begrenzenden Hängen doch 
mit Sicherheit, daß sie aus einer einheitlichen, weithin reichenden, 
flachwelligen Fläche herausgeschnitten sind, die je weiter nach 
Nordwesten je weniger deutlich erhalten ist. Dieselbe dürfte mit 
der in Thüringen festgestellten und bis dicht an den Wald heran- 
reichenden Rumpffläche gleichzusetzen sein. Gegenüber dieser 
erfolgte eine relative Hebung, welche die Bruchstufen schuf, mit 
welchen jetzt der Wald gegenüber seinem nordwestlichen Vorland 
absetzt. Diese Heraushebung bewirkte die starke jugendliche Zer- 
schneidung, welche das jetzige reizvolle Bild eines echten Gebirges 
mit großen, rasch wechselnden Höhenunterscliieden schuf. 

Die Gesteine des Thüringer Waldes gehören vorwiegend der 
Formation des Rotliegenden an, es sind Sandsteine und Konglomerate, 



168 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

die einst ein älteres Gebirge verschütteten, das jetzt an einzelnen 
Stellen wieder auftaucht. Die härtesten Glieder in dem Rotliegfeud- 
System sind die Porphj'rmassen der Vulkane damaliger Zeit, denen 
fast alle Gipfel des Gebirges ihre Erhaltung vor der Abtragung 
verdanken, so der Inselsberg mit 916 m im nördlichen Teil, so 
das Plateau der Beerberge 982 m weiter südlich. Wo größere 
Komplexe weniger widerständiger Gesteine auftreten, fanden Aus- 
räumungen statt, wie in dem Granitgebiet ol)erhalb Suhl, das nur 
550 bis 600 m hoch liegt, nach außen hin scharf abgeschlossen 
durch die Konglomerate und Porphyre, welche über 700 m an- 
steigend den Bismarckturm bei Suhl tragen, und in dem Rotliegend- 
gebiet von Tanibacli auf der Nordseite. 

Bei der allgemeinen jugendlichen Zerschneidung, bei der einige 
Täler, so das bekannte Annatal bei Eisenach, Klammformen an- 
nahmen, führten die Härteunterschiede der Gesteine am Band des 
Gebirges zu besonderen Anordnungen von Tief und Hoch. Der 
Muschelkalkstufe ist als des Bandes von Thüringen schon gedacht 
w^orden. Außerhalb derselben treten noch einmal härtere Gesteine 
im Buntsandstein auf, weichere im Zechstein, in diesem dann 
wieder dolomitisierte Bryozoenriffe als sehr widerstandsfähig. Zech- 
stein bildet im Nordwesten die subsequente Senke, die über See- 
bach, Schwarzhausen, Tabarz, Eriedrichroda bis Georgenthal sich 
verfolgen läßt, im Norden überragt und gegen rauhe Winde ge- 
schützt durch dunkel bewaldete Buntsandsteinberge (Finstere Tanne 
520 m), in der sich so viele blühende Kurorte entwickelten. 

Anders geformt ist der Südrand des Thüringer Waldes. Um 
Meiuingen herum enden die Schichtstufen des nördlichen Flügels 
von Süd Westdeutschland. Bei Coburg liegen die äußersten 
jurassischen Schichten, südlich Meiningen der Band des Keuper. 
Der unter ihm hervortauchende Muschelkalk löst sich in Platten 
und Einzelbcrge auf und wird von Störungen durchsetzt, an denen 
in der Marisfelder Mulde östlich Meiningen noch einmal Keuper 
auftritt. Die Mulde ruht mit steilem, über 550 m Höhe erreichendem 
Muschelkalkrand, der bogenförmig besonders im Norden gut heraus- 
tritt, einer reif zerschnittenen Buntsandsteinlandschaft auf, die im 
Osten mit Höhen von 500 l)is 575 m bis an den Wald heranreicht. 
Im Süden von Suhl führt eine plumpe Aufwölbung zu Höhen von 
über 650 m, ijn Norden schalten sich bei Schmalkalden an der 
])asis weiche Schichten ein, die waldlose subsequente Senken 
hervorrufen. 



Thüringer Wald 169 

Dieses ganze süchvestliche Vorland wird vom Großen Dolmar 
mit 739 m Höhe wesentlich überragt. In ihm liegt eine Basalt- 
masse einer Grundlage auf, die, verschiedene mesozoische Schichten 
in sich begreifend, einer präbasaltischen Rumpffläche angehört, deren 
Höhenlage etwa 625 m beträgt. Sie überzog jedenfalls das ganze 
südwestliche Vorland des Waldes, da die von diesem herkommenden 
Flüsse ohne jede Rücksicht auf die Gesteinsbeschaffenheit in ge- 
rader' Richtung der Werra zueilen, die rückwärts erodierend einen 
nach dem anderen sich tributär machte, zuletzt der Itz ihr Quell- 
gebiet raubend. 

Nach diesem Überblick erscheint also der Thüringer Wald für 
die Besiedlung als außerordentlich ungünstig seiner starken Zer- 
schneidung wegen. Wenn er trotzdem jetzt stärker besiedelt ist 
als andere Mittelgebirge, ja als seine Umgebung, so hat das be- 
sondere Ursachen, die teils in seinem Aufbau, teils in seiner geo- 
graphischen Lage begründet sind. 

Im Aufbau kommt der Erzreichtuni in Frage, der vornehmlich 
an den Zechstein geknüpft ist, aber auch im Inneren des Gebirges 
nicht fehlt. Er rief eine dichte Besiedlung hervor, die sich dann, 
als der Bergbau zum Teil wegen des Mangels an Brennmaterial 
zum Erliegen kam, der Hausindustrie zuwandte und somit an dem 
einmal eingenommenen Ort bleiben konnte. 

Der Verkehr andererseits begünstigte nun wieder von diesen 
Orten bestimmte Zentren, die als günstig gelegen immer wieder 
aufgesucht wurden und alsbald andere Siedlungen überholten. So 
erblühte unter dem Schutz der Wartburg im Nordwesten Eisen ach, 
wo die mittelthüringische Ostwestlinie durchkommt und eine wich- 
tige Linie nach Süden leicht das Gebirge überwindet. Die Stadt 
hat längst den sie beengenden Mauergürtel gesprengt und wächst 
sowohl im Hörseltal wie im Süden mit Villeuvorstädten in die be- 
nachbarten Berge hinein, die dort die Wartburg, hier das Burschen- 
schaftsdenkmal und jenseits der Hörsei auf dem Warteberg der 
Bismarckturm krönen. Nach Südwesten hin begleiten die Zechstein- 
senke große Badeorte wie Tabarz und Friedrichroda. Eine zweite 
Hauptbahn quert im Brandleitetunnel, im Geratal von Norden an- 
steigend, den Hauptkamm. Das tief eingeschnittene Tal nimmt 
schon in einiger Kiitfernung vom Gebirge andere Verkehrswege 
als den durchlaufenden auf, und dort ist Arnstadt aufgeblüht. Im 
Süden schneidet diese Bahn in Zella und Suhl ein hoch in- 
dustrielles Gebiet mit volkreirluMi Haufensiedlungen, um sich dann 



170 Mitteldeutsche Gebirgssch welle 

bei IMeiniugen (Ritschenliausen) mit anderen wichtigen Linien zu 
vereinigen. A])seits vom großen Verkehr der Gegenwart hat sich 
doch Schmallvaldcn als Stadt bis in die Gegenwart in leidlicliem 
Gedeilien erhalten durch Eisensteinbergbau und Verarbeitung des 
Erzes mit Holzkohlen. Die doppelte Ringmauer, das Grewirr enger 
Straßen und alte Bauten ha])en dem Ort viel von seinem mittel- 
alterlichen Charakter bewahrt. Als Bahnknoten ist er jetzt zu einem 
wichtigen Zentrum im südwestlichen Vorland geworden. 

Das Werra- Bergland 

Im Norden des Thüringer Waldes gewinnt auf der Westseite 
der Zechstein mit dem Kupferschiefer an der Basis weite Aus- 
dehnung und zahlreich sind um Epichnellen die Spuren alten Berg- 
baues. Weiter außen folgt im Streichen des Waldes die Marksuhler 
Senke, heute bis zu 270 m mit Schottern erfüllt, früher einmal in 
weit höherem Maße. Die Suhl leitet nach Norden hinaus in die 
Gerstunger Weitung, welche die Werra in großen Windungen mit 
mannigfachen Altwassern durchschleicht: der vermoorte Talboden 
liegt jetzt 210 m hoch, Schotterauffüllung ging früher bis 310 m 
etwa hinauf, d. h. vrir haben hier eine ganz enorme Verschüttung 
in älterer dihivialer Zeit anzunehmen, die fast die ganze Weitung 
auffüllte und in die Nachbartäler übergriff. So haben wir heute 
hier Waldlosigkeit und w^eit verbreiteten fruchtbaren Boden. Im 
Untergrund ist in etwa 400 m Tiefe Kali gefunden worden und 
ward südlich Berka ausgebeutet. 

Weiter nach Nordwesten hin liegt zwischen Thüringer Wald 
und Kaufunger Wald eine eigenartige Grenzzone zwischen Thüringen 
Blatt im Nordosten und dem hessischen Bergland im Süd- 
11-2. 126. 12; Westen. Mehrfach treten paläozoische Schichten, in- 
sonderheit Zechstein, an die ( )l)erfläche und verleihen ihr die be- 
sonderen Züge dieses Gesteins. Der "untere Buntsandstein bildet 
meist weich geformte niedere Landschaften, über denen der mittlere 
Buntsandstein in mächtigen Waldhängeu aufragt (Kaufunger Wald : 
Schlierbachs-Wald südlich Eschwege). Mit steilwandigen, schroffen 
Tafelbergen tritt von Osten der Muschelkalk dazu, in der Goburg, 
Heldrastein u. a. 500 m Höhe überschreitend. Durch die Muschel- 
kalkplateaus des Ringgaues hindurch greift von Eisenach herüber- 
streichend ein Grabenl)ruch, in dem jurassische Schichten und 
Keuper ein mildes Relief bedingen. Im Norden schließlich domi- 



Werra- Berglau d 171 

liiert der Meißner als Rest eines großen Lavastromes und zeigt 
im Verein mit der Großalmeroder Tertiärmulde schon ganz hessische 
Züge. Die Werra l)ildet in dieser Zone ihr großes Knie, mit dem 
sie die nordwestliche Richtung gewinnt. Sie folgt aber dabei 
nicht einer Yerwerfungszone, quert dieselben vielmehr und bildet 
im Muschelkalk ein canonartiges, nel gewundenes Erosionstal aus. 
Der Fluß hat sich augenscheinlich auf einer Rumpffläche ent- 
wickelt, welche über die verschieden weichen und harten Gesteine 
hinübergriff, die dann erst beim Einschneiden ihren Charakter zur 
Geltung brachten. Diese hoch liegende mit einzelnen Thüringer 
Waldschottern bestreute Fläche dürfte wohl mit den Hochflächen 
in Thüringen (TIainich) gleichzustellen sein. Der mittlere Bunt- 
sandstein reicht gerade noch in ihr Niveau hinein, ist seither an 
den meisten Stellen um rund 100 m erniedrigt. Die alte Rumpf- 
fläche erlitt in der Folgezeit in sich Yerbiegungen, kam in der 
Meißner -Gegend höher, bei Groß-Almerode beispielsweise tiefer 
zu hegen und wurde mehr oder weniger von Tertiär bedeckt. 
Über dieses Tertiär ergossen sich die Basalte, die tiefsten Stelleu 
ausfüllend, der Meißner in einer höheren Zone, der Hirschberg in 
tieferer. Erneut setzt dann die Abtragung ein und schuf im Be- 
reich weicherer Gesteine, des Zechsteins und unteren Buntsandsteins 
wellige Becken in 250 bis 300 m Höhe, denen zerschnittene Hänge 
der härteren Gesteine zuführen und die sich bald hier bald da 
längs der Werra zwischen die alten Hochflächen (rund 500 m) und 
die Talsohlen (rund 150 m) einschieben. 

Eine Reüie wichtiger Verkehrslinien kreuzt oder berührt dieses 
Übergangsgebiet und hat einigen Orten desselben Bedeutung ver- 
schafft. Die „Kanonenbahn" zieht von Dingelstädt über Eschwege 
nach Waldkappel hindurch. Wichtiger ist die im Süden vorbei 
führende Ostwestlinie zwischen Eisenach und Bebra und die Nord- 
südlinie Hamburg — Göttingen — Bebra — Frankfurt, die das Werra- 
tal benutzt. Neuerdings erschließt eine Nebenbahn auch vollständig 
das Talstück zwischen Eschwege und Eiseuach, eine landschaftlich 
sehr reizvolle Strecke. 

Das Werra-Bergland ist an den Flüssen und offeneren Stelleu 
seit langem gut besiedelt und verhältnismäßig viele Orte gehören 
der ersten und zweiten Periode Arnolds an. Der endgültige Aus- 
bau erfolgte zum Teil unter kirchlichem Einfluß (Klostergründungen 
im 8. Jahrhundert) und war etwa im 12. Jahrhundert beendet. 
Seither wurde noch die Stadt Lichtenau 1280 auf weiter Hoch- 



1^2 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

fläche westlich des Meißner gegründet. Das Wirtschaftslelieu be- 
ruhte von jeher auf den Erzeugnissen der Landwirtschaft und dem 
darauf gegründeten Leiuenge werbe. Bergbau auf Kupferschiefer 
wurde im Richelsdorfer Gebirge lebhaft betrieben, i^eide Erwerbs- 
quellen versagten im 19. Jahrhundert, und so nahm die Bevölkerung 
der Kreise Melsungen, Roten])urg und Witzenhausen von 1852 bis 
1900 je um einige Tausend Menschen ab, Eschwege nur langsam 
zu. Lebhaftere Entwicklung zeigt die Stadt Eschwege, auf einer 
Buntsandsteinhöhe da gelegen, wo die Werra eine Insel bildet und 
so der Übergang leicht ist. Ebenso blüht Groß-Almerode auf, dank 
seiner weltberühmten Industrie feuerfester Steine und des Braun- 
kohlenl)ergbaues am Hirschberg, 

Das Hessische Bergland 

Im Norden und im Osten trafen wir auf tektonische Elemente, 
welche, den angrenzenden Landschaften fehlend, dem hessischen 
Bergland seinen Charakter verleihen. Das ist einmal die Über- 
lagerung an sich schon hoch liegender Rumpfflächen triadischer 
Schichten durch Basalte, zweitens die teils lang hinstreichenden, 
teils kleinereu mcridional verlaufenden Einwölbungen und Auf- 
wölbungen der Rumi)fflächen und die mächtige Tertiäraufschüttung 
in den ersteren, durchsetzt von zahllosen, mehr oder weniger heraus- 
gearbeiteten Vulkanen. Nach der Verteilung dieser Erscheinungen 
zerfällt das hessische Bergland in drei Gebiete: die hessische Senke, 
die triadischen Hochflächen mit aufgesetzten Basalten (Fulda-Berg- 
land) und den Vogelsberg, in dem Basalte alles verhüllen. 

Die wirtschaftliche Ausgestaltung des hessischen Berglandes 
ist mannigfaltiger als die anderer Teile Mitteldeutschlands. Zur 
landwirtschaftlichen Nutzbarkeit treten mineralische Schätze am 
Ostrand des Schiefergebirges und an sehr verschiedenen Stellen 
verteilte reiche Braunkohlenlager. 

Für den Gang der Besiedlung spielte die Durchgängigkeit des 
Gebietes eine große Rolle. Lange schon waren die tieferen offenen 
Landesteile bewohnt, als die Höhen noch der Wald deckte. Erst 
mit der Einführung des Christentums ging man energisch gegen 
ihn vor. Die Siedlungen mit den Namensendungen -rode, -kappel, 
-kirchen entstehen, gehen aber in außerordentlich großer Zahl 
wieder ein ; die Meßtischblätter älterer Ausgabe und andere ältere 
Karten enthalten oft die Namen solcher Wüstungen. Im oberen 



Hessisches Bergland 173 

Lalmg-ebiet sind nicht weniger als 57 "/o der Orte wieder ein- 
g-eg-augeu. Ihre Bevölkerung zog in die Städte, gab aber dabei 
den Ackerbau nicht auf, so daß bis heute viele der kleinen hessischen 
Städtchen in ihrem wirtschaftlichen Charakter Dörfern gleichen. 

Die hessische Senke 

Die hessische Senke beginnt gleich nördlich von Cassel und 
löst sich nach Süden hin in eine Reihe von Becken auf, welche 
von den Lavamassen des Vogelsberges im Süden ab- Biatt 
geschlossen weden. Dadurch wird sie von dem ver- ^^^' ^^-- ^-^ 
wandten Gebilde der Wetterau geschieden. Sie ist eine Einbiegung 
der germanischen Rumpffläche in präoligozäner Zeit, wurde dann 
von vorwiegend kontinental entstandenen Ablagerungen der Tertiär- 
zeit aufgefüllt uud schließlich, nachdem in miozäner Zeit die großen 
Vulkane tätig gewesen waren, von den Flüssen ausgeräumt uud 
dadurch zu dem heutigen Becken umgestaltet. Die Entwick- 
lung ist ganz die gleiche wie in der mittelrheinischen Senke nur 
daß hier die zweite tektonische Phase zu mächtigen vulkanischen 
Eruptionen, dort zu erneuten Einbrüchen führte. Wie die neuen 
geologischen Spezialkarten der Casseler Gegend erweisen, war die 
Rumpffläche hier keineswegs ganz eben, vielmehr deutlich mit 
Schichtstufen versehen (vgl. Taf. XII, Abb. 2), wodurch auch die 
später ausbrechenden Vulkane von vornherein sehr verschiedene 
Höhenlagen hatten, da das Tertiär keineswegs alle Unterschiede 
ausglich. Die Basalte erwiesen sich in der Ausräumungsphase als 
die widerstandsfähigsten Gesteine und sind in der ganzen Land- 
schaft jetzt die Gipfel, um so höher, je höher ihre Basis lag. 

So überragen sie in der Umgebung von Cassel kegelförmig 
als herausgeschälte Stiele die mild geformte Senke, die an ihrem 
Fuß sich ausbreitet, und bilden andererseits die weit weniger 
herausgearbeiteten runden Buckel des Habichtswaldes, hier bis 
nahe an 600, dort oft nur 300 m hoch, und verleihen in beiden 
Formen dem Becken hohe landschaftliche Reize (Taf. XI, Abb. 6). 

Die Besiedlung in den offenen Teilen der hessischen Senke 
ist sehr alt, denn Namen der ersten Periode auf -lar usw. sind 
hier verhältnismäßig häufig, solche der Rodezeit fehlen, die Be- 
siedlung war damals schon abgeschlossen, der Wald ist zum großen 
Teil völlig verschwunden. Heute besteht nur noch ein Teil der 
Orte, die einstmals die Senke einnahmen, ist doch der Prozentsatz 



174 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

der Wüstiing-en im Amönebiirger Becken und Unig-ebung- z. B. an 
die 60°/o! Es hat im Laufe der Zeit eine erhebliche Konzentration 
nach den größeren und g-ünstiger gelegenen Plätzen hin statt- 
gefunden, wodurch die kleinen hessischen Städte erwuchsen. 

Das über 1000 Jahre alte Cassel ist Brückenort an der 
Fulda. Der Altstadt auf dem höheren linken Fuldaufer mit 
elliptischem Grundriß liegt die Unter -Neustadt auf dem rechten 
niedrigen Gestade gegenül)er. Seinen Charakter indessen erhält 
der Stadtplan erst durch die regelmäßige Anlage der „Freiheit" 
von 1328 und der Ober -Neustadt mit ihrem ganz schematischen 
Straßennetz, die 1688 durch Emigranten angelegt wurde. Auf 
der Flußaue der Fulda ziehen sich grüne Anlagen weit in die 
Stadt von oberhalb hinein. 

Die neuere Entwicklung weist nach Westen. Dort ragt am 
Rande des Habichtswaldes die mächtige Figur des Herkules weit- 
hin sichtbar auf, als Krönung der Anlagen von Wilhelmshöhe, 
die den starken Höhenunterschied zwischen der Senke und dem 
Plateau zur Entfaltung landschaftlicher Schönheit ausnutzen. Dort- 
hin wächst Cassel jetzt hinaus, während die Industrie den An- 
schluß au die l»is hierhin schiffbare Fulda zu gewinnen sucht. 
Der Eisenbahnverkehr indes führt meist rasch an Cassel vorbei, 
die Hauptlinie ist Hamburg resp. Berlin — Frankfurt, doch laufen 
heutzutage keineswegs die besten Verbindungen durch die hessische 
Senke. 

Das Fulda-Bergland und die Rhön 

Südöstlich der hessischen Senke bildet der Buntsandstein 
wieder ausgedehnte Hochflächen. In der Lagerung macht sich bis 
in die Gegend von Hersfeld hin ein gewissermaßen 



11-'. 125. u'6. fränkischer Einfluß geltend in Form einer nordwestlich 



Blatt 
125. 

streichenden Einmuldung, in deren Inneren Muschelkalk 
und Keuper erhalten sind. Das Ganze überspannt eine Rumpf- 
fläche, deren tertiäre Decke an zahlreichen Stellen unter den 
schützenden Lavadecken erhalten ist. Wie die außerordentlich 
große Höhenlage dieser tertiären Ablagerungen unterhalb der Rhön- 
decken zeigt (750 bis 800 m), besteht hier eine mächtige Aufwölbuug 
der Rumpffläche, ein Gegenstück zu der Einwölbung weiter west- 
lich. Es fragt sich, ob dieselbe nach der Eruption der Basaltdecken 
oder vorher erfolgte. Ich möchte mich, trotzdem es zunächst so 
scheint, als hätten dann die Lavamassen gerade von der Rhön 



Fulda -Bergland uud Rhön 175 

hinab fließen müssen, doch für eine vorbasaltische Aufwölbnng 
aussprechen, da u. a. postbasaltische Dislokationen bisher nur in 
geringem Ausmaß (100 m) nachgewiesen sind. Es handelte sich 
dabei nur eben nicht um eine flache Wölbung, sondern um meh- 
rere, welche flache elliptische Wannen schuf, iu welche hinein 
sich die flüssige Lava ergoß. 

Bei der den vulkanischen Ergüssen folgenden Abtragung konnte 
infolge der großen Höhenlage des Gebietes sehr Bedeutendes in 
kurzer Zeit geleistet werden. Es hat eine vollständige Umkehrung 
des Reliefs stattgefunden, soweit das Land hoch lag; nur nach der 
hessischen Senke hin, in der Gegend südlich Neustadt und Ziegen- 
hain sind Stellen zu finden, wo die Ränder der Becken die iu 
ihnen lagernden Basaltmassen überhöhen — gewissermaßen Ur- 
stadien einer Ehön. Je nach dem Charakter des vulkanischen Er- 
gusses sind die Bergformen verschieden; die Kuppe überwiegt 
wohl, bis sich in der Rhön die Lavatafelberge zu dem großen 
Plateau der Hohen Rhön zusammenschließen. 

Die Zerlegung der vulkanischen Decken ist immer an die 
Täler geknüpft. Außerhalb derselben hat die Verwitterung das 
Land flächenhaft erniedrigt, aber im großen und ganzen nicht viel 
abgelöst, am wenigsten an denjenigen Stelleu, an denen Muschel- 
kalk erhalten ist. An solchen Stellen besteht dann der Abfall der 
Rhön fast allein aus der Muschelkalkstufe (Schwabenhimmel nach 
Osten; Simmeisberg nach Westen), d. h. aus einer Form, die zum 
guten Teil schon auf der präbasaltischen Oberfläche vorhanden war. 
Es müssen daher wohl auch in dem übrigen Fulda-Bergland die 
höheren Berge und größeren unzerschnittenen Platten in das Niveau 
der germanischen Rumpffläche gestellt werden, natürlich alles um 
einen gewissen Betrag heute niedriger gelegen und da ganz aus- 
geräumt, wo weiche Schichten anstehen. Die Flüsse sind durch- 
weg tief eingeschnitten und mäandern am Boden gestreckter, ver- 
sumpfter Talungen ; ihre Entwicklungsgeschichte ist noch ganz 
unklar. 

Das Fulda-Bergland ist ein Waldland und der Besiedlung 
nicht übermäßig günstig, die nur in den Tälern auf hohes Alter 
zurücksieht. Da die Vorbedingungen für Industrie fehlen, der 
]5raunkohlenabbau sich nirgends auf die Dauer als ertragreich er- 
wies, sind nur einige Badeorte, wie Kissingen im Süden, Bad Salz- 
schlirf u. a. emi)orgekommen und diejenigen Städte im Fuldatal, 
die eine leidlich günstige Verkehrslage besaßen, wie HersCeld, 



J76 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

Hüni'eld und Fulda, wozu als wichtiger Balmknoten uocli weiter 
abwärts Bebra kommt. Die stärker vulkanischen Gebiete, wie das 
Knüllg'ebirg'e und die Rhön, werden von den Bahnen umgangen, 
in letztere führen nur Stichbahnen hinein, zwischen deren End- 
punkten immer noch sehr hohe Pässe liegen. 

Der Vogelsberg 

Den südlichen Teil der hessischen Senke und den ni'irdlicheu 
Teil der Wetterau verschütten die gewaltigen Lavamassen des 
Hiaft Vogelsberges, die etwa 2500 qkm bedecken. Über dem 
12Ö. i-.'(;. i:{i). flachen, kaum mit 2 ° ansteigenden Schild, der den Haupt- 
"" teil des Berges ausmacht, erhebt sich im östlichen Teil 
etwa von 600 m ab buckeiförmig der Oberwald, der die wenig 
auffälligen höchsten Erhebungen trägt, die an 800 m heranreichen. 

Der Vogelsberg lagert dem verbogenen gei-manischen Rumpf auf, 
verhüllt denselben aber stellenweise nur unvollkommen, da- mehr- 
fach im Inneren Teile der Grundlage nachgewiesen sind; so bei 
Bermuthshein in 460 m Höhe Buutsandsteiu und Muschelkalk. Das 
Alter der Eruptionen ist als miozän bestimmt worden. Schon 
vorher hatte die mitteloligozäne Meeresverbindung zwischen Norden 
und Süden durch die hessische Senke hindurch nicht mehr be- 
standen. Aus den oben geschilderten topographischen Verhältnissen 
und dem inneren Aufbau des Berges scheint hervorzugehen, daß 
in seinem Aufbau zwei Phasen zu unterscheiden sind, eine ältere 
mit großen Deckenergüssen, welche die Basis schuf, und die 
jüngere Bildung eines Aschenkegels oder einer Reihe solcher an 
der Stelle des heutigen Oberwaldes. Doch fehlen darüber noch 
genauere Untersuchungen. Jedenfalls ist die Abtragung der zen- 
tralen Teile nicht ganz unerheblich, und raudlich sind bereits, 
namentlich im Süden, eine ganze Reihe von Tafel- und Kegelbergen 
abgetrennt und herausgeschält. 

Hier am Raiule setzte naturgemäß die Besiedlung des Vogels- 
berges ein. Sie war dort gleich anfangs, d. h. in den ersten Jahr- 
hunderten n. Chr., soweit sich erkennen läßt, nicht gering. Das 
Amöneburger Becken mit der Hauptsiedlung auf einem heraus- 
gearbeiteten Basaltklotz ist sicher gut bewohnt gewesen, dann das 
Jossa- und Fuldagebiet im Osten und auch schon Teile des öst- 
lichen Plateaus, die besonders häufig durchzogen wurden. Immer- 
hin aber waren damals die Wälder noch kaum in Angriff genommen 



Vogelsberg 177 

und die Orte lagen iu abgeschiedeneu Lichtungen. Das ändert 
sich in der Zeit zwischen 400 bis 800, in welcher Periode etwa 
die Hälfte aller Yogelsbergsiedlungen entsteht, die sich ziemlich 
gleichmäßig in den Tälern verteilen, aUerdings um Amöueburg und 
Fulda herum besonders dicht erwachsen. '■ 

Bei der hohen Lage des Gebietes und seinem dem Wald- 
wuchs günstigen Boden ist es begreiflich, daß hier der Rodezeit 
(etwa 'von 800 bis 1300) noch sehr viel zu tun übrig blieb, daß 
hier bis an den Oberwald heran noch Siedlungen gegründet wurden, 
als die hessische Senke schon längst waldarm und dicht bewohnt, 
ja überbevölkert war. Die Entstehung von noch über 100 Orten 
ist in diese Zeit anzusetzen, womit das Bild der Besiedlung ab- 
geschlossen ist. 

Die Vorbedingungen für die weitere Entwicklung der Orte des 
Vogelsberges sind nun sehr verschiedene. Der Basalt bildet nur 
wo ihn Löß überzieht einen dem Ackerbau wirklich günstigen 
Boden, oft ist er steinig und staubig, so daß leicht Windverwehung 
eintritt, wenn nicht Wald angepflanzt wird. Dadurch und durch 
das rauhe Klima sind der Ausdehnung des Ackerbaues enge Grenzen 
gesetzt und in dem ganz unbeW'Ohnten Oberwald nur Weide und 
Waldnutzung möglich. An zahlreichen Stellen tritt dann in der 
Neuzeit etwas Industrie hinzu, sei es die Gewinnung der Basalte 
selbst zu Schottersteinen, der Brauneisenerze meist in Tagebauen 
bei Mürke, Ilsdorf und an vielen anderen Orten, der noch wich- 
tigeren Manganerze der Lindener Mark bei Gießen, oder der 
Braunkohlen. 

Die Hauptverkehrszentren für den Odenwald sind einerseits 
Gießen, ein Eisenbahnknoten erster Ordnung, und das weniger 
wichtige Fulda im Osten, welche beiden Orte eine Bahn über 
Alsfeld direkt miteinander verbindet. Gießen gedeiht durch seine 
Universität, etwas Industrie und als Mittelpunkt des Bahnnetzes. 
Weite freundliche Vorstädte säumen namentlich nach Osten hin 
die enge winklige Altstadt. 

Das oberelbische Hochland und seine Randgebiete 

Südlich vom Thüringer Wald l)eginnt jene Verbreiterung der 
Gebirgssch welle, welche den nordöstlichen und südwestlichen Ab- 
schluß, die Sudeten und den Böhmerwald (vgl. Harz und Thüringer 
Wald) so weit auseinander treten läßt, daß dazwischen nicht nur 

Braun. 12 



X78 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

ein kleines Flußsysteiu wie das der Saale, sondern das stattliche 
System der Elbe sich entwickeln kann. Dadurch, daß in diesem 
ganzen Bereich sich ähnliche, stellenweise von Brüchen begleitete 
Ein- und Aufwölltungen älterer Flächen vollzogen haben, erhielt 
Böhmen ausgeprägte Ränder, die uns immer verleiten, wie von 
einem Thüringer so von einem böhmischen Becken zu sprechen. 
Diese Vorstellung ist wie dort so hier nur sehr bedingt richtig. 
Denken wir uns, um sie zu verbessern, einmal die stärker ge- 
wölbten Ränder des Südwestens, Nordwestens und Nordostens fort, 
so bleiben zwei Naturgebiete übrig: das Kreidetafelland des (eigent- 
lichen) Elbegebietes und das paläozoische Gebirgsland des Moldau- 
gebietes. Letzteres ist vom Kaiserwald im Norden, über den 
Brdywald in der Mitte, bis zu den Mährischen Höhen im Süden 
durchaus ein Abbild der Hochflächen des Schiefergebirges mit ent- 
sprechenden Höhen und gleich tief eingeschnittenen Tälern. 
Größere, tiefer gelegene Flächen finden sich nur im Bereich der 
mit tertiären Schichten ausgefüllten Becken im Süden. Dem jungen 
Vulkanismus des Schiefergebirges entspricht das gleiche im Norden 
im Egergebiet. 

Im Elbegebiet liegt das Land wohl im allgemeinen tiefer: 
ein Becken liegt aber auch hier nicht vor, da eine ältere Land- 
oberfläche, die ihrerseits im Norden von zahlreichen Basaltkegelu 
überragt wird, gegenv/ärtig der Zerschneidung durch die Flüsse 
unterliegt. Im Formenschatz und Aufbau finden wir Gegenstücke 
zum Hessenlande; nur fehlen Verwerfungen, und das Gestein ist 
im allgemeinen weniger widerständig, wodurch ein etwas anderes 
Landschaftsbild entsteht. 

Über solchem Inneren wölben sich die Randzouen auf. Am 
unmerklichsten ist der Übergang im Südwesten zum Böhmer Walde 
hin. Im Norden betonen streckenweise Brüche den südlichen Rand 
der großen Gewölbespannung des Erzgebirges sehr stark. Im Elb- 
sandsteingebirge gehen aber die Hochflächen des inneren Böhmen 
wieder ohne Absatz nach Norden hindurch. Sehr verschieden ge- 
artet im Längsverlauf ist der Zug der Sudeten, wie schon die 
vielen Einzelgebirgsnamen erkennen lassen. Hier hat die Kreide 
noch an jüngeren Schichtenstörungen teilgenommen, so daß sich 
manche Vergleiche mit dem nördlichen Harzvorland aufdrängen. 

Besiedlung und Verkehr haben sich die Hochlandnatur des 
Inneren und die deshalb meist bequemen Übergänge von den äußeren 
zu den inneren Hochflächen seit alters her nutzbar gemacht. Den 



Obereibisches Hochland 179 

leichtesten Eintritt in das Gebiet fanden die Slawen von Südosten 
her. Als Grenze ihrer Ausbreitung wirkten die Berg-zonen ringsum — 
freilich nicht ihrer Erhebung wegen, sondern wegen ihres Wald- 
kleides. Dem gingen erst die Deutschen ernsthaft zu Leibe und 
drangen nun von allen Seiten kolonisierend vor, überschritten die 
Bergzonen und verdrängten die Slawen aus den tief gelegenen, 
fruchtbaren Landschaften des Egergebietes und (weniger vollständig) 
des Elbegebietes. Das Moldaugebiet, und damit die inneren Hoch- 
länder, blieben — von einigen Liseln und dem Westrand abgesehen - — 
vorAviegend slawisch. 

]\Iit dem Vordringen der Deutschen durch die Kandgebirge 
wurden deren Durchgänge Adchtig. Sie bieten, wenn man von 
einigen Stellen am Südhang des Erzgebirges absieht, nirgends be- 
deutende Schwierigkeiten, und wenn die zahlreichen Bahnen, die 
nach Böhmen jetzt hineinführen, zum Teil recht große Höhen er- 
reichen, so liegt das nur daran, daß ihre ganze Umgebung hoch 
liegt, und ist ohne Einfluß auf die Schwierigkeit des Bahnbaues. 
Dieselben sind in den engen, gewundenen Tälern des Inneren 
viel größer. 

Die Einteilung des Landes geschieht, wie oben angedeutet, 
am besten nach den Flußlandschaften. Das Moldauland ist dem- 
nach also die morphologisch alte Rumpffläche des ganzen Süd- 
westens von Böhmen mit den randlichen Aufwölbungen des Böhmer 
Waldes. Im Norden schließt sich die Egersenke mit ihren vul- 
kanischen Aufragungen an. Das Elbeland ist die Sandsteintafel 
mit ihren vulkanischen Durchbrüchen, die im sogenannten Mittel- 
gebirge erheblichen Umfang annehmen. Frankenwald und Fichtel- 
gebirge leiten zum Erzgebirge hinüber, dem östlich das Eibsandstein- 
gebirge sich anlegt. Im Lausitzer Bergland setzt der lange Zug der 
Sudeten ein, dem sich die schlesische Bucht eben so vorlegt wie 
dem Erzgebirge im Norden die sächsische. 

Der Frankenwald 

Der Thüringer Wald endet nach meiner Auffassung im Süden 
da, wo im Schwarzagebiet die Gesteine des Eotliegenden mit 
ihren Eruptivgebilden aufhören und paläozoische Schiefer an ihre 
Stelle treten. Damit ist nicht nur eine Verbreiterung des Gebirges, 
sondern auch ein erheblicher Wechsel in den Oberflächenformeu 
verbunden, der zum Teil damit zusammen hängt. Das breite, aus 

12* 



130 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

gleichmäßig widerstäudigen Gesteinen aufgebaute Hochland wird 
lauge nicht so rasch zerschnitten als die schmale Zunge des Thüringer 
Hiatt Waldes, und so ist die einförmige wellige Hochebene, 
"- jugendlich zerschnitten von gewundenen Tälern, das 
landschaftliche Kennzeichen dieses „thüringischen Schiefergebirges" 
oder Frankenwaldes. Stärker zerschnitten ist der Südhang, wo 
das Hochland mit einer Bruchstufe gegen Senken absetzt, die nur 
300 ni hoch liegen; stärker l)ewegt das Relief der Hochlande da, 
wo die Gesteinsbeschaffenheit im kleinen rasch wechselt, wie im 
Münchberger Gneisland mit seinen gealterten, vermoorten Tälern. 
Das heutige landschaftliche Bild des thüringischen Schiefer- 
gebirges ist nach der Ausstattung des Bodens mit mineralischen 
Schätzen verschieden. Wo diesell)en fehlen oder nur in geringer 
Menge vorhanden sind, da ist die ursprüngliche Waldbedeckung 
in hohem Maße erhalten geblieben und die Besiedlung sehr dünn. 
Die Ortschaftsgründung ist im wesentlichen um 1300 abgeschlossen; 
was noch später entsteht, ist meist auf Ausnutzung der Boden- 
schätze zurückzuführen und meist leicht am Namen kenntlich, wie 
Oberhammer, Obstfelderschmiede an der Schwarza u. a. Die Form 
der Siedlungen führt von den sehr alten Haufendörfern des Vor- 
landes über die Vv^aldhufen- und Straßendörfer der engen Täler 
wieder zu Haufendörfern in Nestlage auf den Hochflächen. Nur in 
ersteren kann die Bevölkerung noch heute von Ackerbau allein leben; 
auf dem Walde lohnt derselbe nicht mehr genügend und Haupt- 
frucht wird die Kartoffel an Stelle des Getreides. Vom 14. Jahr- 
hundert an hatte der Bergbau die Menschen zum Teil zur Ansiedlung 
in dieser Höhe veranlaßt. Da es sich um viele kleine Vorkomm- 
nisse handelt, entstand eine Kleinmetallindustrie, ähuHch wie im 
Sieger Land, die zur Verhüttung die Holzkohle ])enutzte. Kupfer, 
Silber und Eisen wurden bei Blankenburg, Schwarzburg, Bohlen, 
Königssee u.a. gewonnen; die vorhandenen Mengen aber sind zum 
Teil zu gering, Steinkohlen ließen sich nicht heranschaffen und so 
kam meist schon im 18., endgültig in der Mitte des 19. Jahrhun- 
derts der Bergbau und mit ihm die Hüttenwerke ganz zum Er- 
liegen und Stillstand, ebenso die Goldwäscherei an der Schwarza. 
Aus Böhmen her wurde zu Anfang des 17. Jahrhunderts die Glas- 
industrie eingeführt, die sich ebenfalls auf das Holz der Wälder 
als Brennmaterial stützt. An ihre Seite, zum Teil an ihre Stelle 
trat in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Porzellanindustrie, deren 
Rohmaterial im Sandberg bei Scheibe gefunden wurde. Ein anderer 



Frankenwald 181 

Teil der Bewohner der hoch gelegenen Dörfer verdient seinen 
Unterhalt durch Holzindustrie, sei es die Gewinnung der Hölzer 
im Walde, oder sei es die Herstellung von allerlei hölzernen Gegen- 
ständen, vornehmlich Spielzeug. 

An größeren Ortschaften ist das thüringische Schiefergebirge 
sehr arm. An seinem Nordrand sammelt Saalfeld wichtige Ver- 
kehrswege des Saaletales und der Zechsteinsenken am Rande des 
Gehirg'fes und Thüringens. Die Siedlung ist alt und hat in der 
Geschichte der Kolonisation gegen die Slawen eine bedeutende Rolle 
gespielt. Später lebte sie vom Bergbau der Umgebung und ist 
jetzt nicht nur Verkehrsknoten, sondern auch stark industriell. Die 
Bahn — ein wichtiges Glied der Strecke von Berlin nach München — 
dringt im Saaletal ins Gebirge ein, passiert typisches Schieferland 
mit großen Schieferbrüchen und nur schiefergedeckten Orten und 
erreicht hinter Probstzella mit 600 m den höchsten Punkt, um dann 
rasch dem Südrande zu zu fallen. Ein Parallelweg derselben Strecke 
führt uns von Plauen in großem Umweg ansteigend in das obere 
Gebiet der Saale, bei Hof 485 m, und weiter in das Herz des 
Fichtelgebirges hinein. 

Das Fichtelgebirge 

Schon die Münchberger Gneisinsel mit ihren buckeligen Formen 
gehört nicht melir eigentlich zum thüringischen Schiefergebirge, 
doch gehen die Oberflächen so vollständig ineinander Biatt 
über, daß eine Trennung nicht angängig ist. Mit dem ^*-- ^^* 
Fichtelgebirge aber treten Züge auf, die, anderen Teilen der 
Schwelle fremd, auf nahe Verwandtschaft mit dem Böhmer Wald 
und Erzgebirge hinweisen. Die großen Granitlakkolithen des 
jüngeren Paläozoikums haben hier die von ihnen durchbrochenen 
Schiefer aufgewölbt und zum Teil umgestaltet, wesentlich gehärtet, 
wie sie auch selbst sehr widerstandsfähige Gesteinskörper schufen. 
Die Abtragung hat sie herauspräpariert und jetzt bilden sie rundlich- 
plumpe Bergüiassen, die ihre Umgebung um 300 m und mehr über- 
ragen. Freilich nicht überall, denn auch in diesen Massen treten 
Härteunterschiede auf und es machen sich ältere Einebnungen be- 
merkbar. So tritt die innere Granitmasse zwischen Weißenstadt 
im Westen und über Voitersreuth hinaus im Osten topographisch 
nur in unruhigen Kleinformen hervor, liegt sonst wie ihre Um- 
gebung 600 bis 700 m hoch, im Osten überragt von den Basalt- 
durchbrüchen, Steinberg, Plattenberg u. a. Da diese Laven sich 



182 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

nicht weithin über die alte Oberfläche ausbreiten, ist diese jünger 
als die Basaltergüsse. Sie ist in Leisten und Absätzen auch am 
Fuß der hohen Granitberge, in 700 m Höhe und etwas höher, wohl 
kenntlich, so überall am Osthang der Kette vom Rudolfstein bis 
zui' Platte, bei Bischofsgrün auch am Westhang. Bei Marktredwitz 
liegen wieder ausgedehnte jungvulkanische Massen, im Steinberg 
705 m Höhe erreichend. Die Entwässerung der größeren Granit- 
stöcke geht im wesentlichen radial vor sich, das eingeebnete Gebiet 
wird von der Eger und ihren Zuflüssen um etwa 100 m zerschnitten, 
der Außenrand nach Südwesten hin vom Main und seinen Zuflüssen 
sehr scharf bis auf 350 m hinunter. Die Verwitterung und das 
bei großer Niederschlagssumme reichlich spülende Wasser haben 
den anstehenden Granit fast überall in äußerst unwegsame Block- 
meere verwandelt, die noch heute nur pfadloser Wald überzieht. 
Alle höheren Siedlungen des Gebirges gehen dem inzwischen 
freilich längst geschwundenen Erzreichtum nach, und im 14. Jahr- 
hundert war der Wald stärker zurückgedrängt als jetzt, und in den 
Tälern starkes Leben. Das alles ging unter den Hussiteneinfällen 
und in den Glaubenskriegen zugrunde und jetzt bedeckt der Wald 
ungefähr die Hälfte des Bodens, in den höchsten Teilen 300 ([km 
geschlossenen Bestandes bildend, fast alles Nadelwald. In den 
Wald hinein schieben sich am höchsten hinaufgehend Einzelhöfe 
und dorfartige Gruppen von solchen, wie rfal)en, 700 m hoch am 
Steiuwald, Fleckl, 720 m hoch, südlich des Ochsenkopfs u. a. 
Weiter unten in den Tälern folgen regelrechte Waldhufendörfer 
(vielfach -reuth) und da, wo in größerem Umfang der Ackerbau 
lohnt, Gewanndörfer mit oft sehr zersplitterter Flur. An die sla- 
wische Siedlungsi)hase erinnern mancherlei Namen und eine eigen- 
artige, radial-strahlige Flureinteilnng. 

Die Bevölkerung ist heute, von den Waldgebieten abgesehen, 
noch verhältnismäßig dicht (über 100 auf den ((km), weil es ge- 
lang, nach Erliegen des Bergbaues mancherlei andere Industrie ein- 
zuführen. Am besten von diesen entwickelte sich die Verarbeitung 
der aus dem Granit hervorgehenden Kaolinerden zu Porzellan, die 
einige Tausend Arl)eiter in Selb, Arzberg, Marktredwitz u. a. be- 
schäftigt. Anderswo wurden gerade die unverwitterten Gesteine 
nutzbar gemacht, seien es Granite, seien es Kalke, wie bei 
Wunsiedel. 

Das gesonderte Auftreten der einzelnen Granitstöcke gestattet 
dem Verkehl', ohne "i'ößere Schwierigkeiten von den umlieg'enden 



Fichtelgebirge 183 

Hochflächen in die innere Verebnung des Gebirges zu kommen und 
dieses somit zu überschreiten. So führt von Norden nach Süden 
die Hauptlinie zwischen Leipzig und München quer hindurch, etwas 
über 600 m Höhe erreichend. In Marktredwitz (5-iO m) teilt sie 
sich in einen Zweig nach Nürnberg, einen nach Regensburg, wozu 
noch eine Linie nach Eger hinzukommt, so daß man hier in ge- 
wisser Weise wirklich an der „Drehscheibe Europas" steht, wie 
die Anwohner sagen. 

Das Becken von Eger 

An das Fichtelgebirge schließen sich nach Osten hin niedrigere 
Rumpfflächen an, welche über die Schiefer hinweggreifen und erst 
dann wieder bis an 1000 m ansteigen, sobald der Eiben- Biatt 
stocker Granit mit seinem gehärteten Kontakthof erreicht ^*-- ^^^' ^^* 
ist. Dessen Oberfläche senkt sich ihrerseits nach Süden bis etwa 
700 m, um dann von einer oft scharfen Hangreihe begrenzt zu 
werden, an deren Fuß die Oberfläche nur noch 500 m hoch liegt. 
Jenseits erhebt sich wieder mit scharfem 100 m hohen Rand der 
ebenfalls mit Granitintrusiouen erfüllte und eingeebnete Kaiserwald, 
den auch nach Westen hin eine Bruchstufe begrenzt, jenseits deren 
wieder eine tiefer gelegene Rumpfebene folgt, auf der man langsam 
ansteigend zur Wasserscheide des Oberpfälzer Waldes gelangt. 

Diese verschieden hohen Rumpfflächen umgrenzen ein Becken, 
das von Eger, zu dem sie sich teils allmählich wie von Westen 
und Südwesten, teils schroff wie im Kaiserwald einbiegen. Das 
Becken wäre nach Osten hin offen, wenn sich nicht dort im 
Duppauer Gebirge ein mächtiger Vulkanstock vorgelegt hätte, den 
die Eger in engem gewundenen Tal durchbricht. Alttertiäre Ab- 
lagerungen auf den umgebenden Rumpfebenen und im Innern des 
Beckens rund 300 m tiefer verraten, daß seiner Entwicklung zur 
heutigen Gestalt eine erste Phase vorausging, in der sich dieser 
Teil des damals einheitlichen Rumpfes ein wenig einbog, wodurch 
es zur Aufschüttung in ihm kam. Sandsteine bildeten sich, auch 
Braunkohlen gingen aus den Sümpfen damaliger Zeit hervor, das 
Relief kann also nicht beträchtlich gewesen sein. Die ruhige Ent- 
wicklung wurde durch Einl)rüche mit ostnordöstlichem Streichen 
gestört, die im Vereine mit Einwölbungen ein tiefer gelegenes 
— eben das jetzige Egerer Becken — schufen, in dem sich nun 
miozäne Sandsteine, Braunkohlen und Schiefertone bildeten, die 



184 Mitteldeutsche Gebirgsscliwelle 

ungefähr noch 500 ni Höhe erreichen. Auf ihrer Oherfläche ent- 
wickelte sich die Eg-er mit ihren Zuflüssen und diese schnitten all- 
mählich ihre Betten epigenetisch in Schiefer und Granite wahllos da 
ein, wo Aufragungen derselben von Tertiär yerhüllt gewesen waren, 
wie unterhall) Königsberg, dann wieder bei Elbogen und Karlsbad. 
Hier sind jetzt die Täler eng, in den tertiären Ablagerungen weit 
und flach. 

Die Bedeutung des Egerer Beckens — Aon dem das Falken- 
auer nur ein äußerlich abgetrennter Teil ist — beruht in dieser 
seiner Geschichte. Einmal öffnen die Einl>iegungen und Einbrüche 
der umgebenden hohen Kumpfflächen hier bequeme Durch- und 
Übergänge. Dann enthalten die tertiären Ablagerungen reichlich 
Braunkohlen und die verwitterten Granite Kaolin; schließlich treten 
an den Einbrüchen heiße Quellen auf, welche w^eltberühmte Kur- 
orte entstehen ließen. 

Das offene Gebiet von Eger wurde zunächst als Ackerbau- 
gebiet im 10. Jahrhundert von deutschen Siedlern besetzt. 

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand zur Siche- 
rung des Gebietes die Burg, an welche sich später die Stadt Eger 
anschloß, die alsbald auch ein Sitz kirchlicher Betätigung und Stätte 
zahlreicher Klöster wurde. Heute ist es eine stille Landstadt mit 
vielen Resten seiner bedeutenden Geschichte. 

In dem Charakter der benachbarten Bädei' spiegelt sich die 
geographische Eigenart des Landes wieder. Die Bedeutung von 
Franzensbad beruht auf dem Vorkommen des an Eisenverbin- 
dungen reichen Moores in der flachen Beckenmitte mit schwacher 
Entwässerung, die von Karlsbad auf den Thermen, die auf einer 
Spalte am Beckeniand aufquellen. Ihre Absätze haben das enge 
Tal überwölbt und so den Raum für die Entwicklung der eleganten 
Stadt mit ihren Anlagen vergrößert. 

Der Böhmerwald 

Der südlich an das Fichtelgebirge anstoßende Oberpfälzer 
Wald hebt sich nur wenig über die im Osten angrenzende inner- 
Hiatt böhmische Rumpfläche hinaus. Gneismassen bilden den 
164. 15.5 Boden, nach innen in die Schieferzone übergehend, nach 
außen vielfach von Rotliegendem und den Schichten der Trias 
überlagert. Die meist etwa 850 m hohen Gipfel sind entweder 
Basaltdun librüclie oder herauspräparierte härtere Gesteinskomplexe 



Becken von Eger. Böhmerwald 185 

z. T. wohl auch nur durch ihre Lage in der Nähe der Wasser- 
scheide, einer flachen Aufwölbung, bisher von der Abtragung ver- 
schont geblieben. Die Täler, die konsequent zu solcher Aufwöl- 
bung nach Osten und Westen hinausführen, sind in ihren oberen 
Teilen meist weit, flach und vermoort; im Schiefergebiet und den 
südlichen Abhängen des Tepler Hochlandes sind die Gewässer, 
jedenfalls durch tektonische Bewegungen, verjüngt und fließen in 
engen« gewundenen Tälern mit eingesenkten Mäandern auf Pilsen zu. 

An der Senke von Cham nimmt der Böhmer wald seinen be- 
sonderen Charakter an. An seinem Aufbau beteiligen sich wieder 
Granite in größerem Umfang : aber anders wie im Fichtel- Biatt 
gebirge tragen sie nicht mehr die Gipfel, diese liegen ^^*- ^^^ 
vielmehr in sehr verschiedenen Gesteinen, die gegenüber ihrer Um- 
gebung kaum Abweichungen zeigen, die geeignet wären, ihre Er- 
haltung zu erklären. In der Tat handelt es sich hier um Schollen 
verschiedenen Ausmaßes und nordwestlicher Längserstreckung, in 
welche die alte innerböhmische Rumpfläche in tertiärer Zeit (Ober- 
miozän) zerlegt wurde. Zu den Schollen treten in gleicher Rich- 
tung streichende Einwölbungen wie die Senke von Roding, in der 
noch heute Kreidesclüchten weit in das Gebirge — es in Bayrischen 
und Böhmer Wald trennend — liineingreifen, oder die Tertiärbecken 
von Budweis und Wittingau, in denen über 100 m Tone und zu 
Oberst grober Schutt liegen. Die heutige Oberfläche des Böhmer- 
waldes ist aus der Abtragung der ursprünglichen Keilschollen hervor- 
gegangen mit starker Zurundung infolge der Gesteinseigenschaften 
und des im ersten Cyklus erreichten Alters. Nur stellenweise fand 
eine Zuschärf ung durch Kare einer jüngst verflossenen Eiszeit statt. 
Die Flüsse des Böhmerwaldes fließen noch heute zum großen Teil 
konsequent zu den Wölbungen und den stehen gebliebenen Schollen; 
stellenweise haben Anzapfungen stattgefunden. Das ganze Fluß- 
netz ist von unten her neu belebt. 

Mit seinem dichten Waldkleid ist der Böhmerwald von jeher 
siedln ngs feindlich gewesen und erst spät gerodet worden. Aus 
keltischer Zeit hat sich der Namen des Ortes „Cham" erhalten, 
in dessen Nähe dann auch die markomannisch-bajuvarische Be- 
siedlung des 6. Jahrhunderts ansetzte, deren Ausbreitung uns die 
-ing-Namen erkennen lassen. Von Norden her — also nicht über 
das unwegsame Gebirge hinweg — drangen vorübergehend Slawen 
ein und gründeten eine Reihe geschlossener Orte, die wir aber 
auch noch in den tieferen, offeneren Teilen des ..Waldes" finden. 



l^{\ Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

Erst im 9. .lalirlmiKlert beginnt unter Karls des (iroßen Reg-ierimg- 
energische Kodetätigkeit von Seiten der Kl()ster, die gegen den 
Wald vorgeschoben wurden. Die Namen der Siedlungen enden 
auf -Zell uud -kirchen, auf -dorf, -ach, -felden und ähnliche Silben. 
Die Namen auf -reutli usw. gehören erst der zweiten Rodungsphase 
im 1 2. Jahrhundert au, die sich unter Leitung der Fürsten vollzog 
und mit der um 1400 etwa die Besiedlung des Waldes bis zum 
heutigen Zustand abgeschlossen war. Sie war in den Rodungsphasen 
in Dorfform erfolgt, vorher in Form von Einzelhöfen, die in der 
Gegenwart allerdings meist zu Hausgruppen, ja kleinen Dörfern 
herangewachsen sind. 

Der Böhmerwald ist noch jetzt überwiegend ein Gebiet der 
Land- und Forstwirtschaft, abgelegen uud selten besucht. Hier 
und da eine Glashütte, sonst ])ringen nur die wenigen Verkehrswege 
einzelne Orte wie Cham und Fürth zu regerem Leben. 

Das Erzgebirge 

Das Erzgebirge (Taf. XVIII) besteht seinem inneren Bau nach 
aus zwei Teilen. Im Westen bleibt die Struktur und Gesteius- 
Biatt beschaffenheit die gleiche wie sonst rings um das Egerer 
ii>i). 130. Becken: in ein Schiefersystem sind grauitische Lakkolith- 
massen eingedrungen, die dasselbe auf 1000, 2000 m 
veränderten und härteten. Im östlichen Teil aber, jenseits einer 
Linie, die von den höchsten Erhebungen nach Zwickau hin verläuft, 
wird das Schiefer- und Phvllitbaud nach Nordosten hin ziehend immer 
schmaler und große Gneismassen setzen den Köri)er des Gebirges 
zusammen, die aus wiederholten Intrusionen magmatischer Körper 
hervorgegangen sind, wobei metamorphosierende Vorgänge die ganzen 
um-, auf- und zwischenliegenden Gesteine in so hohem Maße be- 
trafen, daß es erst in den letzten Jahren möglich geworden ist, 
diese Gueismassen als das zu deuten was sie sind, Kuppeln ver- 
schieden alter Lakkolithen mit ihren Kontakthöfeu. Sehr vereinzelt 
sind Reste des Daches erhalten, das sowohl die granitischen wie 
die Gneiskup])eln einst trugen, die Abtragung hat einen tiefen 
Schnitt durch diese verschiedenen Gebilde gelegt und heute liegt 
im l^]rzgebirge eine der Eiurumpfung folgende gewaltige flache Auf- 
wölbung vor, deren Südflügel zum großen Teil eingebrochen ist. 
Die sehr vollkommene Einebnung hat die Gesteinsunterschiede 
herausgearlieitet. Hier sind nicht wie zum Teil im Fichtelgebirge 



Erzgebirge 187 

die Granite am widerstandsfähigsten, sondern ihre Kontakthöfe. 
Die — tektonisch gesprochen — Kuppeln der Granitstöcke sind 
heute — morphologisch g-esprochen — ausgeräumte Senken, wie 
man sehr schön an der von Kirchberg' südlich Zwickau sehen kann. 
Das Innere, in dem sich ein ganzes Bachsystem entwickelt, das 
nur au einer Stelle den Rand durchbricht, liegt nur 400 liis 550 m, 
der Rand mit steilem Abfall nach innen 600 bis 660 m hoch. Die 
Gipfel des Gebirges, die weder von Norden noch von Süden sich 
anders denn als schwache Buckel bemerkbar machen, liegen in den 
Kontaktzonen der Gneise. Eine andere Gruppe von Gipfeln, die viel 
auffälliger sind, verdanken Lavaströmen ihre Erhaltung, die sich in 
tertiärer Zeit über eine sehr gealterte mit Schutt bedeckte Ober- 
fläche ergossen und später nach der Art des Meißner heraus- 
präpariert wurden. Hierhin gehören die sehr auffälligen Berg- 
gestalten des Pöhlberges (839 m) bei Anuaberg, des Scheiben- 
berges (807 m) bei dem gleichnamigen Ort und eine ganze Reihe 
anderer. 

Im allgemeinen sind die Gesteine des östlichen Teiles des 
Erzgebirges sehr gleichförmig, so daß auch die Hochfläche ein sehr 
einförmiges Gepräge erhält. Nur an wenigen Stellen wie bei Olbern- 
hau sind weichere Schichten (Rotliegendes) eingesunken und w^erden 
jetzt beckenförmig ausgeräumt. Die Gewässer fließen konsequent 
nach Norden hinab und sind bis kurz vor ihre Talanfäuge verjüngt. 

Die verschiedenen Strukturen des Erzgebirges schneidet der 
Südhang zum Teil scharf ab. Er ist wenig einheitlich gestaltet. 
Im Westen handelt es sich um Eiuwölbungen zum Egerer Becken 
hin, welche nur stellenweise und dann erst von etwa 600 m Höhe 
ab durch Bruchstufen abgeschnitten werdeu. Im östlichen Teil 
dagegen, nordw^estlich von Brüx und Dux, sind 500 m uud mehr 
hohe Bruchstufen vorhanden, welche direkt am Kamm ansetzen. 
Sehr allgemein schieben sich jedoch drittens Zwischenstufen zwischen 
einen ersten steilen Hang und einen zweiten ein. Es lassen sich 
solche Platten in etwas über 600 m Höhe nördlich des Egerdurch- 
bruches — also schon im Falkenauer Becken — beobachten (bei 
Gesmesgrün), dann weiter östlich bei Endersgrüu 616 m, am aus- 
gedehntesten nördlich Klösterle um Tomitschan, bei Platz, Platten, 
Göttersdorf, oberhalb Oberloutensdorf (550 bis 600 m), ncu'dlich 
Teplitz mehrfach iu gleicher Höhe. Dieses Niveau ist nicht an 
bestimmte Gesteine gebunden, wird nach oben hin gewöhnlich von 
reifen Formen, nach unten hin von jungen Bruchstufen begrenzt, 



IQQ Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

welche die Täler als enge Schluchten durchziehen. Noch weit 
größer ist seine Verbreitung nach Westen hin, wohin es sich über 
Pfaffeng-rün — Ullersgrün nach Heinrichsgrün verfolg-en läßt; es 
nimmt dort nahezu 10 km Breite ein und entspricht an Höhe ziem- 
lich genau dem g-egenüberliegenden Kaiserwald. Es setzt sich 
schließlich in der Oberfläche der Schiefer bis über den Kamm und 
in die niederen Teile des Fichtelgebirges fort. 

Es scheint demnach im Erzgebirge eine erste Auftreibung der 
noch heute höchsten Teile aus einer sehr weit gedehnten Rumpf- 
fläche vorzuliegen, die wir heute in seiner Umgebung ül)erall bei 
rund 6(»0 m antreffen. Später brach der Südrand ein und zwar 
so, daß die Verwerfungen stellenweise die 600 m-Stufe völlig mit 
betrafen, also direkt in den Kamm der Aufwr)lbung eingriffen, 
anderwärts sie in mehr oder weniger breiten Platten stehen ließen. 
Auf diese zum Teil stehen gebliebenen Platten legen sich die Laven 
des Duppauer Gebirges, unter denen älteres Tertiär erhalten ist. 
Von Süden aus setzte die Erosion ein und griff seither überall durch 
die Platten hindurch in die ältere Aufwölbung hinein, besonders stark 
natürlich im Osten, wo das Vorland so sehr tief versenkt worden 
war. Hier kamen über dem Tertiär große Schottermassen in Form 
flacher Schuttkegel zur Aljlagerung, die jetzt, samt ihrer Unterlage 
zerschnitten, mit ihr bei Komotau langgestreckte Rücken von 100 m 
relativer Höhe bilden. 

Für die Besiedlung des Gebirges ist es von günstigen Einfluß 
gewesen, daß dieselbe von Norden her erfolgte, wo der Anstieg so 
leicht war. Später überwand der Trieb nach edlen Erzen alle 
klimatischen Schwierigkeiten der breiten Schwelle und führte Sied- 
ler in Massen hinauf. Damals wurde das Gebirge in dicht besiedelte 
und fast unbewohnte Streifen gegliedert, die sich nach dem Vor- 
kommen der Erze verteilen. Als solche kommen in Frage die 
Zinuerzlagerstätten in der Umgebung der Granitstöcke, deren Erze 
in Schotter gerieten und dorther aus den sogenannten Seifen zuerst 
gewonnen wurden. Sie finden sich vom Rande des Eibenstock- 
Neudecker Granitsteines, dann vor allem bei Altenburg und Zinn- 
wald im östlichen Teile des Berglandes. Eine zweite Gruppe von 
Erzgängen, die mit Silber-, Kobalt-, Nickel- und anderen Erzen 
ausgefüllt sind, gehört dem Freiberger Gneisgebiet an, von wo 
sie weit nach Böhmen hinüberstreichen. 

Es trifft also im großen und ganzen für die Erze des Erz- 
gebirges das gleiche zu wie für die anderen Teile der mittel- 



Erzgebirge 189 

deutschen Schwelle: es handelt sich um zahlreiche, sehr wechselnd 
ergiebige, meist bald erschöpfte Fundstellen, für deren Ausbeutung 
es zudem au Kohlen in der Nähe fehlt. So treffen wir in der 
Besiedlungsgeschichte auf uns schon bekannte Züge. Der slawischen 
Zeit, in der nicht mehr als höchstens einige Wege für den Salz- 
verkehr durch das Waldgel)irge hin bekannt waren, folgt etwa von 
1200 an das Eindringen der Kolonisten in die Wälder. Laug ge- 
streckte Waldhufendörfer entstehen und zu beiden Seiten der Flur 
wird die Waldgrenze so weit zurückgeschoben, wie sie in den 
allermeisten Fällen heute noch steht. Sehr früh schon werden die 
Bodenschätze bemerkt und ausgebeutet, und neben die Ackerbau- 
kolonie tritt die Bergbausiedlung, in vielen Fällen mit regelmäßig 
gestaltetem Grundriß und städtischem Charakter. So entstanden 
in der ersten Besiedlungsperiode Freiberg, Ehrenfriedersdorf, auf 
böhmischer Seite u. a. Graupen und Schönfeld. Nachdem die land- 
wirtschaftliche Kolonisation in laugsamem Fortgang im 14. Jahr- 
hundert die Höhe erreicht hatte, folgte gegen Ende des 15. Jahr- 
hunderts ein neuer Vorstoß, der an die Entdeckung der Zinngänge 
bei Altenberg, der Silberlager bei Schneeberg und Annaberg an- 
schloß. Von 1510 bis 1540 entstanden die Bergbaustädte Kupfer- 
berg, Sonnenberg, Sebastiansberg, Unter- und Oberwiesenthal, 
Joacliimsthal, Katharinenberg, Gottesgab, Platten, Niklasberg und 
viele andere kleinere. Von Norden und von Süden (-grün) kam der 
Strom der Siedler, und besonders auf l)öhmischer Seite stieg die 
Volksdichte sehr hoch, so sehr, daß, trotzdem zur Zeit der Gegen- 
reformation Tausende das Land verlassen mußten, dieser Teil noch 
jetzt sehr stark bewohnt ist. Diese Auswanderer gründeteu noch 
eine ganze Beihe neuer Orte in der Mitte des 17. Jahrhunderts, 
wie Johanngeorgenstadt, Hammerunterwiesenthal u. a. m. An die 
Bergbaustädte schloß sich eine große Reihe von Siedlungen, in 
welchen die Erze aufbereitet wurden. Hierzu brauchte man Wasser- 
kraft und Holz; beides findet sich in den sonst am wenigsten 
lockenden Gebieten, dem Inneren der Granitstöcke und den erz- 
armen Gneisen, in deren Tälern zahlreiche Eiuzelsiedluugen ent- 
standen, die freilich oft bald wieder eingingen. 

Nach dem 30jährigen Kriege aber ließeu die Erträge des 
Bergbaues nach. Dieser selbst hatte viel verwüstet, dann begann 
Holzmangel und vor allem die Entwicklung überseeischer reicherer 
Lagerstätten. Die überaus zahlreiche Bevölkerung wandte sich 
verschiedenen Industrien zu: man warf sich auf die Ausbeutung 



X90 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

seltener Erze iiiul die F;trltindiistrie. Andere Produkte des Landes 
gestatteten die Kntwicklnng von Holz-, Papier- und Glaswaren- 
industric, und von außen her kam schließlich die Textilindustrie, 
(ileichzeitig' stieg' der Ackerbau, voruehnilich Anbau der Kartoffel, 
nocli liöher hinauf, was Entwässerung und die Anwendung besserer 
landwirtscliaflliclier Methoden auch lohnend machten. 80 vermochten 
sich die meisten Orte zu behaupten, einzelne, wie namentlich Wei- 
pert als Hauptort der böhmischen Posamenten fabrikation, blühten 
stark auf. Von zahlreichen Bahnen wird das Gel)irge gekreuzt, 
und w(Min auch nur die Strecke von Eger nach Plauen größeren 
durchgehenden Verkehr über seine Höhen hinüber führt, so dringt 
doch neben den Industriestoffen der Fremdenverkehr immer mehr 
geiade in die Gegenden vor, die, wie große Teile des Südhanges, 
bisher nur der Walduutzung dienten. 

Für die jetzige industrielle Entwicklung, wenigstens des 
flacheren westlichen Teiles des böhmischen Hanges, war es von 
Bedeutung, daß au seinem Fuß überaus reiche Braunkohlenlager 
vorhanden sind. Der Vorkommnisse im Egerer-Falkenauer Becken 
ist schon gedacht; weit reicher ist das Teplitzer Becken, das vor- 
wiegend mit miozänen Ablagerungen gefüllt ist. Über oft harten 
quarzitischen Sandsteinen und Tonen mit Blattabdrücken liegt das 
durchgängig 8 l)is 12, gelegentlich bis über .30 m mächtige Braun- 
kohlenflöz, dem man in Tagbauen uud Gruben nachgeht. Das 
ganze Gebiet ist durch deutsche Siedler erschlossen worden und 
auch jetzt auf dem Lande und einzelnen Städtchen ganz deutsch, 
wie auch die Haus- und Dorfformen erkennen lassen. Die Industrie, 
die erst nach Erl)auung der ersten Eisenbahnen in den 70er Jahren 
des 19. Jahrhunderts sich zu entwickeln vermochte, zieht freilich 
aucli tschechische x\rbeiter in Menge an. Sie hat das Landschafts- 
bild stark umgestaltet und die Abbaumethode der wenig tief lie- 
genden Flöze bringt es mit sich, daß immer wieder ein Teil ein- 
bricht und in den Pingen und ilirer Umgebung große unbenutzbare 
Flächen entstehen, in denen sich Begenwasser häufig zu Teichen 
sammelt. Die Bedeutung der zahlreichen Thermen (Teplitz u. a.) 
für die Entwicklung der Orte zu Bädern ist jetzt ganz zurück- 

Im Norden schließt sich ein Streifen Landes an die Wöll.)ung 
d<;s Erzgebirges an, das von mannigfacher Struktur durch die tief 
und eiiü- eiuii'eschnitteneii Täler den Charakter eines Plateaulandes 



Erzgebirge 191 

erhält. Das „Vogtlaud" im Westen ist eine einförmig-e, arme 
Hochfläche paläozoischer Schiefer, jetzt, in gänzlicher Wandlnng 
der wiitschaftlicheu Verhältnisse, Sitz der Textilindustrie. Weiter 
nach Osten hin folgen Ablagerungen der Kohlenzeit, mit Steinkohlen- 
lagern überdeckt, von mehreren hundert Metern von Rotliegendem. 
Das ist das „Erzgebirgische Becken", das bei Zwickau beginnend 
über .Chemnitz hinaus bis Fraukenberg nach Osten reicht. Nörd- 
lich schließlich liegt ein Baustück, das durchaus zur Zone des 
westlichen Erzgebirges gehört, aber nicht an dessen jugendlicher 
Aufwölbung teilgenommen hat: das sächsische Granulit- oder Mittel- 
gebirge, ein mächtiger elliptischer Granitstock mit Kontakthof. 

Das Vogtland 

Wenn das Vogtland soeben als eine einförmige, arme Hoch- 
fläche geschildert wurde, die über paläozoische Schiefer hinweg- 
zieht, so trifft diese Beschreibung heute noch gut auf Biatt 
den Süden des Gebietes zu, wo dasselbe als flache 12s. i-'»- 1*2 
Schwelle — oft schlecht als „Elstergebirge" bezeichnet — den Über- 
gang nach dem Egerer Becken vermittelt. In einigen Windungen 
zieht sich die Bahn von Eger aus hinauf, überschreitet in frischen, 
reich bewässerten Bergwäldern die Höhe und senkt sich ins Elster- 
tal hinab. Eundbuckelige Diabase und riffartig heraustretende 
Quarzite bilden die Gipfel des Landes, in dem das Lauterbach- 
Bergener Granitgebiet an der Trieb als deutliche Einsenkung auf- 
fällt. Die Täler sind tief und scharf eingerissen, soweit sie in 
harten Gesteinen verlaufen, wie das Elstertal unterhalb Plauen, 
das von der Hauptbahn auf weiter Brücke überraschend für den 
Beobachter nach der Fahrt auf der weiten Hochfläche überschritten 
wird. Auch hier sind also, in völliger L^mkehr normaler Entwick- 
lung, die Talaufänge alt, der Mittellauf verjüngt, ein Verhalten, 
das wohl nur unter der Annahme weitgespannter Bewegungen zu 
verstehen ist. 

Waren die Täler somit in ihren tiefer gelegenen Teilen durch 
ihre Form, in den höheren durch die starke Bewaldung auf nassem 
Boden siedlungsfeindlich, so bot dafür die Hochfläche um so mehr 
Raum. Dementsprechend finden wir sie im Nordosten übersät mit 
kleinen slawischen Siedlungen (-itz), während in die Waldungen 
und Täler des Südens erst die Besiedlung der Deutschen vordrang, 
verfolgbar an den Waldhufendörfern mit entsprechenden Namens- 



122 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

endungeu. Die alte Straße Hof- — Plauen — Zwickau tritt im Be- 
siedluugsgaug- nur wenig- hervor, erst in der Weiterentwicklung- 
der Ortschaften spielt sie ihre Rolle. So ist Plauen ja schon 
früh ein Verkehrs- und Verwaltung-smittelpuukt gewesen, wurde 
aber zur bedeutenden Stadt erst durch die Einführung' der Tuch- 
niacherei im 14:. und der Baumwollenwirkerei im 16. Jahrhundert, 
der sich später andere Zweige der Textilindusti-ie anschlössen. 
Damit wuchs sie an der Stelle des Übergangs über die Elster, die 
sie anfänglich schützte, weit hinauf auf die benachbarten Hänge 
und füllt jetzt den ganzen weiten Kessel aus, den man vom hoch 
gelegenen Bahnhof aus trefflich überschaut. Die feinere Industrie, 
die jetzt gepflegt wird (Weißwaren, Spitzen, Gardinen), läßt dem 
Stadtbilde trotz aller Schornsteine doch seine Reize. 

Noch stärker ist die Umbildung bei Reichenbach und seiner 
Umgebung. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts als kirch- 
licher Yoroit gegründet, förderten alsbald Bergwerksanlagen das 
Gedeihen der Siedlung. Die Einführung der Textilindustrie aber 
wurde auch hier erst entscheidend, wobei für Reichenbach noch 
die günstige Lage zu dem Zwickauer Steinkohlengebiet als fördernd 
in Betracht kam. Aus dem Ivirchlein und seinen landwirtschaft- 
lichen Gemeinden wurde in der Gegenwart ein dicht bevölkertes, 
einheitliches Industrie- und Wirtschaftsgebiet, überragt von un- 
endlich vielen rauchenden Schloten. 

Das erzgebirgische Becken 

Im erzgebirgischen Becken und im Granulitplateau bringt nur 
das Rotliegende mit seinen Porphyrergüssen am Xordraude des 
Blatt letzteren lebhaftere Oberflächenformen hervor, teils als 
1-* Schichtstufe wie bei Lichtenstein -Callnberg, teils durch 
Felsbildungeu an den jung eingeschnittenen Tälern. Diese Täler 
sind hier fast ausnahmslos auf lange Strecken hin von Siedlungen 
erfüllt (Mülsen, unterhalb Zwickau, 14 km lang). Es sind die 
Waldhufendörfer der deutschen Kolonisation, die hier in einem 
Land mit sehr günstigen Ackerbau! ledingungen sehr dicht anein- 
ander liegen. Ihnen stehen einige wenige Städtegründungen zur 
iSeite, die sich oft an ältere Dörfer anschließen, wie Burgstädt, 
Hohenstein- Ernstthal, Lichtenstein -Callnl)erg u. a. Ihr Grundriß 
weist oft deutlich auf diese Entstehung hin. Daneben stehen in 
den größereu Tälern diejenigen Orte, welche sich aus ursprünglich 



Erzgebirgisches Becken 193 

slawischen Siedlungen, dank ihrer Stadtwerdung- und später der 
Bodenschätze, zu großen Städten entwickelt haben, wie Zwickau, 
wo die Kohlenschächte von Süden her fast in die Stadt hinein- 
reichen, und Chemnitz mit seinem um 1200 ausgebauten, wohl er- 
haltenen inneren Kern innerhalb der Theaterstraße, Poststraße usw. 
Dagegen ist Lugau rein als Kohlengewinnungsort verkehrsungttustig 
gelegen, nur als Streusiedlung gewachsen. 

Wir befinden uns hier in den dichtest bewohnten Gegenden 
der Erde. Die an sich schon dichte Ackerbaubevölkerung ist durch 
die Industrie (Eisen- und Textilindustrie neben Kohlengewinnung) 
so verdichtet worden, daß im Amtsgerichtsbezirk Chemnitz über 
1200 Menschen, in dem vorwiegend ländlichen Bezirk Hohenstein 
immer noch über 700 Menschen auf dem qkm wohnen. Trotz 
dieser Anhäufung sind noch viele größere Wälder vorhanden und 
die Plateauf lachen zwischen den Tälern überhaupt ganz unbewohnt. 
Dafür steht in den Tälern Haus au Haus, so daß in dem schon 
erwähnten Mülsengruud auf 1 km Tallänge über 1000 Menschen 
wohnen. - Die landschaftliche Umgestaltung der Gegend ist im 
ganzen dieser Verteilung wegen nicht so stark als im nieder- 
rheinischen Industriebezirk, dem die Hausindustrie fehlt. 

Das Eibsandsteingebirge 

Im Osten legen sich an die Gneise des Erzgebirges im so- 
genannten Eibtalgebirge verschiedene Schichten des Altertums 
der Erde mit Granitdurchbrüchen, über sie hinweg transgredierte 
das Kreidezeit meer und lagerte seine Scliichten auf die Rumpf fläche 
ab. Diese sind von derselben seither zu einem Teil wieder fort- 
geführt worden, wie einerseits die Erosionsreste, andererseits die 
steilen Wände beweisen, mit denen sich das Elbsandsteiugebirge vom 
Erzgebirge abhebt. So liegen bei Dippoldisvvalde und im Willisch 
isolierte Tafelberge vor, die bis zu 478 m Höhe erreichen und bis 
60r) m gar steigt die Schichtstufe der Tissaer Wände im Süden auf. 

Das Innere des Eibsandsteingebirges (Taf. XXII, Abb. 1) zeigt 
ausgedehnte gealterte Ebenen, dei-en höhere Teile — vom hohen 
Schneeberg mit 721 m beträchtlich ül)erragt — sich luatt 
weiter unterhalb in den Gipfelplatten der sogenannten ^'^*^ 
„Steine" fortsetzen (Großer Zschirnstein 561 m, Pfaffenstein 428 m, 
Königstein 360 in, Lilienstein 416 m u. v. a.) um jenseits der 
Elbe in den Gipfelflächen der Partschenhörner 457 m usw. wieder 

Braun. 13 



] 94 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

große Ausdehiiuug: zu g-ewiunen, dort von dem basaltischen (xroßen 
Wintei'berg' mit 542 m ein wenig überragt. Unterhalb der steilen 
Wände der Steine liegen, 150 m tiefer als die Gipfel, sich nach 
Norden hin senkend die „Ebenlieiten" des Gebirges, einförmige 
Plateaus, in die randlich ein wenig schotterbestreute ältere Tal- 
böden der Elbe eingeschnitten sind, die sich ihrem Habitus nach 
mit der Hauptterrasse des Rheines im Schiefergebirge vergleichen 
lassen. In diese ist die Elbe sehr scharf im Norden um 100, im 
Süden — wo sie das Grundgebirge erreicht — um über 200 m 
eingeschnitten. Zu diesem Eibniveau hin sind dann auch sämtliche 
Täler (b-s Gebirges verjüngt, wobei infolge der Gesteinsl)eschaffen- 
heit sich die tiefen „Gründe" mit ihren senkrechten Wänden vom 
Klammtypus gebildet haben, wie sie in der Edmunds-Klamm und 
dem Biela-Grund mit seinem kesseiförmigen Ende bei Eiland be- 
sonders schön entwickelt sind. 

Das Gebirge ist heute noch zum großen Teil mit Wald bedeckt 
und nur auf den tieferen Ebenheiten findet spärlicher Feldbau 
statt. Wegen seiner eigenartigen Bodengestaltung und der durch 
den Boden begünstigten dicken Walddecke wurde es in älterer 
Zeit und bis in die Gegenwart hinein vornehmlich von solchen 
Siedlern besetzt, die Schutz brauchten. So war schon in prä- 
historischen Zeiten der Pfaffenstein eine Fliehburg, später genügten 
eine Zeitlang die Ebenheiten mit ihren steilen Wänden, dann griff 
man wieder auf die an sich ja festungsartigen Steine zurück und 
besetzte sie mit Burgen und Festungen, während die Gründe 
mit ihrer dichten Vegetation Versteck von allerlei Gesindel 
wurden. Die germanische Kolonisation im 12. und 13. Jahrhundert 
wandelte die Ebenheiten in Felder um und legte die Siedlungen 
in die flachen Talanfänge, auf denselben in gedrängten, jetzt 
oft verdoppelten Zeilen. Auf slawische Anlage gehen die Sied- 
lungen im Eibtal selbst zurück (Postelwitz u. a.), sie nehmen 
wieder T- förmigen Grundriß an, wenn sie nicht überhaupt nur 
im Nebental liegen. 

Den Verkehr durch das Gebirge beherrschen noch heute zwei 
deutsche Kolonialstädte: Pirna im Norden und Tetschen im Süden, 
dem jetzt Bodenbach mit seinen großen Bahnhofsanlagen stark 
Konkurrenz macht. Das Elbtal selbst ist namentlich in seinem 
ol)eren Teil sehr einsam und fast nur der Steinbruchsbetrieb, der 
schon im 17. -lahrhundert begann, bringt auf der rechten Talseite 
stärkeres Leben. Daneben zieht die landschaftliche Besonderheit 



Eibsandsteingebirge. Böhmisches Mittelgebirge 195 

vieler Stellen einen starken Touristen- nncl Sommerfrischlerstrom 
an, für den Schandau mit seiner Umgebung eine gToße Rolle spielt. 

Das böhmische Mittelgebirge 

Ringsum grenzen andersgeartete Landschaften das Eibsand- 
steingebirge ab. Im Süden werden östlich der Elbe die vulkanischen 
Durchbrüche immer häufiger, und im böhmischen Mittel- Biatt 
gebirge wird der noch von Tertiär überdeckte Kreide- ^^^- ^-^^ 
Sockel von vulkanischen Massen fast völlig verhüllt. Er liegt im 
Süden bei Leitmeritz etwa 300 m hoch und eben so hoch hinauf, 
d. h. 160 — 170 m über den Fluß reichen Schotterablagerungen der 
Elbe, die den erwähnten Schottern auf dem innersten Teil der 
Ebenheiten zu vergleichen sind, wie dieselben altquartären Alters. 
Aber auch, wenn man die seither erfolgte jugendliche Zerschnei- 
dung bis auf etwa 120 m über dem Meere außer acht läßt, ist das 
Relief im Mittelgebirge recht stark, ragt doch der Donnersberg bis 
über 800 m auf. Die vulkanischen Magmen verschiedener Zu- 
sammensetzung haben teils Decken geliefert, wie namentlich im 
östlichen Teil des Mittelgebirges, teils bildeten sie Vulkanberge, 
teils blieben sie im Inneren des Kreidesockels stecken, wie der 
Hegeberg bei Eulau, vielleicht auch der Donnersberg u. a., wölbten 
ihn empor und wurden erst später von der Abtragung heraus- 
gearbeitet, deren Einwirkung überhaupt den Charakter der heutigen 
Oberfläche völlig bestimmt. Die Vulkane sind verschwunden und nur 
die lavaerfüllten Schlote ragen kegelförmig als Pfropfenberge in die 
Höhe, Lavagänge als Mauern, die Lavadecken haben steile Ränder 
erhalten und bilden Plateaus, die im Norden unmittelbar in die 
Hochflächen des Eibsandsteingebirges übergehen, nur rein äußer- 
lich durch das tiefe Erosionstal des Pölzen geschieden. Auf der 
anderen Eibseite räumten der Eulauer Bach und einige Zuflüsse 
versenkte , weiche Kreideablagerungen aus und schufen größere 
besiedelte Weitungen. Im Nordosten ist denn auch über das Tal 
hinweg deutsche Siedlung in die Hochflächen des Mittelgebirges 
vorgedrungen, das sonst Sitz rein tschechischer Bevölkerung ist, 
wie sich in Namen und Siedlungsformen verrät. 

Hier im Osten löst sich das jMittelgebirge in eine Reihe einzelner 
Kuppen auf, zwischen denen die hohen Sandsteinplateaus von Westen 
her hindurchstreichen, die dann gegen Böhmen hin sich bald in steilen 
Hängen von 400 m auf 300 m herabsenken. Die Sandsteine, denen 

13* 



196 Mitteldeutsche Gebirgsscliwelle 

die besoudt'rcii Können der „Sächsischeu Schweiz" zu danken sind, 
werden von dem weicheren Planer abg'elüst und ragen nur noch 
in einzelnen F^rhehuugen, wie das Kunimerg-ebirge bei Böhniisch- 
Leii)a, aus der waldbedeckten, stellenw^eis sumpfig-en und mit 
Teichen verseheneu Ebene auf, ihrerseits wieder von Basalten 
durchbrochen, die noch au die 500 m Höhe erreichen. Hier ist 
deutsches Kolouisatiousland und in langen Zeilen erfüllen die Wald- 
hufendörfer die Talgrüude. 

Die Oberlausitz 

Nach Norden hin ist der Band der Kreideplatte tiberall auf- 
gebogen, ja weithin der Granit der Lausitzer Platte auf die Kreide 
Blatt hinüber geschoben. Diese Lagerungsverhältnisse macheu 
116. 117. sich liier al)er nur in den Kleinformen bemerkbar. 
Äußerlich gehen die 400—500 m hohen Kreideplateaus 
in Hochflächen des Granites über, wobei sich nur die Talform 
und die Anbauverhältnisse ändern. Auch hier bilden die Basalte 
(Plissenberg 591 m) die rundbuckeligen Gipfel. 

Die südliche Oberlausitz ist ein aus Granit bestehendes Hügel- 
land. Der Granit ist Rest eines großen Lakkolithen, der im 
Norden unter kontaktmetamorph veränderten paläozoischen Sedi- 
menten untertaucht, auch noch einzelne Reste von ihnen auf seinem 
Rücken trägt, im Süden von der schon erwähnten Überscliiebung 
begrenzt wird und im Zittauer Becken eine Einwölbuug zeigt, wo- 
durch die Grenzen des Gebietes festgelegt sind, das nach Westen 
hin bis nach Dresden reicht. Im südlichen Teil bildet der Granit 
Hochflächen, die einer älteren Einebnung angehören, im Norden 
sind, zum Teil durch Erosion des diluvialen Eises, die im Kleinen 
rasch wechselnden Härteunterschiede des Gesteines herausgearbeitet 
und ein kuppiges Relief geschaffen, in dem lange Granitrücken, 
wie der Czorneboh, 561 m, noch über die basaltischen Gipfel — 
Löbauer Berg, 447 m — aufragen. Unter tertiären und diluvialen 
Aufschüttungen verschwindet im Oberlausitzer Tiefland schließlich 
das Anstehende mit seiner kuppigen Oberfäche. 

Im Westen reicht das mit Sand bedeckte, Nadelwald tragende 
und nicht gerade fruchtbare Granitplateau mit seinen Waldhufen- 
dörfern bis voi- die Tore von Dresden, wo es sich in mäßigen 
Hängen von etwa 200 — 240 m zu w^enig über 100 m hinabsenkt, zu 
dem Kessel von Dresden, der in ovaler Gestalt, bei Ph-na etwa 



Oberlaasitz 197 

beginnend, bis Meißen reicht nnd eine klimatisch begünstigte Oase 
dichtester Besiedlung darstellt. Hier gewinnen die weichen Pläner- 
sclüchten der oberen Kreide weite Ausdehnung; im Südwesten 
in normaler Auflagerung, im Nordosten an der uns schon bekannten 
Verwerfung gegen den Granit abgesunken, sind sie von der Elbe 
ausgeräumt worden. Der Fluß fließt bei Dresden in weitem 
Alluvialland , schneidet dann oberhalb Meißen epigenetisch im 
Spaar-'Gebirge einen Teil des aus Syenit bestehenden Plateaus ab, 
um dann unterhalb Meißen in engem Tal die Dresdener Weitung 
zu verlassen. 

Hier ist altes slawisches Siedlungsgebiet, im Talboden selbst 
und auf den südlichen Anhöhen, wo Löß leichten Ackerbau er- 
laubte. Zahlreiche kleine Dörfer sind Kennzeichen dieser Siedlungs- 
periode, der die Gründung der deutschen Städte, Meißen im Norden, 
Dresden in der Mitte und Pirna im Süden, ein Ende bereitete. 
Der mit der Albrechtsburg auf einer losgelösten Platte hoch über 
der Elbe gelegene Teil von Meißen verrät noch den Charakter 
seiner Anlage als einer Grenzfestung, neben der sich im Tal die 
Marktsiedlung getrennt entwickelte. Jetzt hat sich der Grt weit 
ins Tal hinaufgezogen und ist mit dem dicht bewohnten Vorort 
Colin auf dem anderen Ufer auch politisch verbunden. Mancherlei 
Industrie, deren vornehmste die auf das Vorkommen von aus zer- 
setztem Phouolith hervorgegangenem Kaolin begründete Porzellan- 
herstellung ist, gibt der jetzigen Stadt ihren wirtschaftlichen 
Charakter, 

Dresden (Taf. XXXI, Abb. 2), das neben dürftigen slawischen 
Siedlungen am linken Eibufer in ungünstiger Ortslage auf feuchtem, 
niedrigem Boden erstand, hatte von vornherein vor allem die Auf- 
gabe, den Verkehr über den Strom hin zu leiten und zu sichern. 
So lag die Burg an der Elbe und so w^urde die ovale, älteste 
Stadt innerhalb der Ummauerung vom Anfang des 13. Jahrhunderts 
dicht im Anschluß an die jetzige Augustusbrücke angelegt. Sie 
hat regelmäßig rechtwinklige Straßen, ein Block ist für den Alt- 
markt ausgespart; im Osten reicht sie bis an die Weiße Gasse, 
Kleine Kirchgasse und den Neumarkt. 300 Jahre später wurde 
au(;h dieser mit seiner Umgebung in die Umwallung eingezogen, 
die — nun wesentlich stärker und breiter — uns heute durch den 
Zug der -ring-Straßen bezeichnet wird und an der Königin Carola- 
Brücke oberhalb die Elbe erreicht. Das gewaltige neue Kathaus 
bezeichnet eine der Ecken des alten Stadtkernes, dessen Raum bis 



J98 Mitteldeutsche Gebirgsscliwelle 

1811 ausreic-htc, zu welcher Zeit man die Maiieni uiederzulegen 
beg-aim. Von den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts au wuchs 
die Stadt rasch und weithin breiten sich rechts und links der Elbe 
die industriereichen Vororte aus, denen sich auf den Höhen die 
Wohnsiedlungen der wohlhal)enderen Beviilkerung" in weitem Kranze 
anschmiegen. Dank der Kohlenschätze des siuUich benaclil)arten 
(Gebietes d(^r Weißeritz, des Plauenschen Grundes, konnte hier auch 
i-eiclie Industrie erblühen, die mit ihren Niederlassungen den ganzen 
Talkessel von Pirna l)is Meißen erfüllt, soweit nicht, wie oberhalb 
Dresden bei Loschwitz, die Höhen dicht heran treten und die natür- 
liche Landschaft ihren idj^llischen Charakter bewahrte, den der 
Anbau südlicher Kulturgewächse wie des Weines noch stärker be- 
tont. Da Dresden al»er Residenz war, ist es bis in die Gegenwart 
g(n-ade im Rahmen der alten Stadt sowohl mit prächtigen Bauten, 
als auch ausgedehnten Parkanlagen versehen geblieben, deren Ver- 
einigung mit Industrie und Handel das ungewöhnlich reizvolle 
Städteltild von Ell)florenz geschaffen hat. 

Die sächsische Bucht 

Unterhalb Meißen durchbricht die Elbe in engem, tiefem Tal 
die Ausläufer der Lausitzer Grauitplatte. Dieselbe setzt sich nach 
Hiatt Westen hin mit gleichen Oberflächenformeu — ein buck- 
lu^iic ijo-^^s Hochland von 250 bis 300 m Höhe, von der Mulde 
in engem, gewundenem Tal um 70 m zerschnitten — aber wech- 
selnder Zusammensetzung bis in die Gegend von (Grimma fort. 
Dieses Ül)ergangsgebiet zwischen der Mittelgel)irgsschwelle und dem 
Tiefland besteht hier aus Porphyr, dessen Farbe und Verwittte- 
rungsart den Talrändern ihren Charakter gibt. Darüber liegen in 
nach Nordwesten zunehmender Menge braunkohlenführendes Tertiär 
und diluviale Schichten, die schließlich in der Umgebung von Leipzig 
allein die Oberfläche l)ilden. 

Die Hochlandspitze von Grimma, in der die Platte älteren 
Gesteines in 230 m Höhe endet, scheidet die westlich gelegene 
Leipziger Tieflandbucht von dem östlich gelegenen Elbetrichter, 
der aus der Gegend von Riesa an sich nach Norden öffnet. Hier 
bei Grimma sind auch schon deutlich die Zonen der Leipziger 
P)ucht zu erkennen, die sich in fast gleicher Ausl)ilduug konzen- 
trisch um Leipzig herum anordnen: die tlbergangszone hügelig- 
wellig-eii Landes, in dem ül)erall noch die Flüsse in anstehendes 



Dresden. Sächsische Bucht 199 

Gestein einschneiden und die Wirtscliaft der Bewohner neben dem 
Feldbau vornehmlich von den Schätzen der Bodendecke, den Braun- 
kohlen abhängt, wo man in allen Städten dank ihrer Ortslage noch 
die Nähe des Berglandes fühlt, und die zentrale Ebene diluvialer 
Schichten, wo der Feldbau vorherrscht, weite sumpfige Talauen 
die Flüsse begleiten und man in Leipzig sich eben so weit ab vom 
Bergland wähnt wie in Berlin. 

Den Grenzsauni beider Landschaften bezeichnet eine Reihe 
von Städten. Halle im Nordwesten und Grimma im Südosten von 
Leipzig entsprechen einander; Merseburg, Weißenfels, Zeitz, Meusel- 
witz, Altenburg, Borna und Lausigk schließen die beiden Orte an- 
einander an. Von ihnen ist Halle dem östlichen Glied weit 
vorangekommen. Die älteste Anlage geht auf die Soolquellen zu- 
rück und ist in der Saaleniederung zu suchen, heute im Stadtplan 
kaum noch kenuthch. Der Promenadengürtel, der im Norden an 
die Moritzburg ansetzt, umschließt neben dieser Anlage auch noch 
die deutsche Kolouialstadt und andere Teile, woher sich das sehr 
unregelmäßige Straßennetz im Inneren des Ortes erklärt. Nach 
Norden und Süden hin dehnen sich weit die Vororte, die im Westen 
durch die Flußaue, im Osten durch die Bahnanlagen stark in der 
Entwicklung gehemmt sind. 

Merseburg liegt als Stadtbild sehr reizvoll auf schmalem 
Hochlaudstreifen zwischen dem Tal der Saale und der Geisel, 
auf dem im Schutz des Schlosses ein rundlicher Kern mit dem 
Markt leicht kenntlich ist, dem sich im Norden der Stadtteil Alten- 
burg anschließt, der jedenfalls als eine Nebengründuug aufzufassen 
sein wird. Dieselben Charaktere — Schutzlage, Verkehrslage und 
deutsche Stadtgründuug neben einer Befestigung und älteren sla- 
wischen Orten — kehren in allen den genannten Städten rings um 
Leipzig wieder und nur Grimma finden wir ganz im Talgrund au- 
gelegt, entsprechend seiner Hauptaufgabe, den Flußübergaug über 
die schwierig zu passierende Mulde zu sichern. Wirtschaftlich 
spielt heute neben dem Verkehr in den meisten dieser Städte die 
Braunkohle und darauf gegründete Industrie die Haui)trolle. 

I )ie nicht städtischen Siedlungen der Ubergangszone sind auf- 
fällig an die Täler und Tälchen geknüpft, in denen sich ein kleiner 
Oi-t nach dem anderen aneinander reiht, während die Hochebenen, 
z. ]l. westlich von Merseburg, auf viele Quadratkilometer hin gänz- 
lich unbewohnt sind. Das ändert sich erst in der zentralen Ebene, 
wo zwar auch die Talränder ganz besonders dicht besiedelt sind 



200 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

(Elstertal uutcrluilb Zeitz!), aber auch sonst das Netz der Güter 
und Dörfer recht dicht ist. Wälder finden sich außer in den Fluß- 
auen nur im östlichen Teil der Tieflandshucht. 

In der Mitte derselben erwuchs die Stadt, nach der sie viel- 
fach benannt wird, Leipzig-, als echte Flachlandsstadt, deren 
Ei'bauer kleine Höhenunterschiede trefflich auszunutzen wußten. 
Die Altstadt, vom Promenadenring' umschlossen und mit ganz 
regelmäßigem Straßennetz, liegt auf einer Zunge höherer, diluvialer 
Ablagerungen, die sich von Südosten her zwischen Partheniederung 
im Norden und Pleißeniederuug im Westen einschiebt, die sich in 
der Gegend des jetzigen Fleischerplatzes vereinigen. Von diesen 
Niederungen konnte der westlichen durch Aufschüttungen viel Platz 
abgewonnen werden, aber noch immer zieht sie sich als ein breites 
grünes Band quer durch die Stadt, den östlichen und westlichen 
Teil scharf voneinander scheidend. Die trennende Einwirkung der 
Partheniederung wird durch die Gleisaulagen, die zum Haupt- 
bahnhof, der noch in ihrem Bereich liegt, führen, noch verschärft, 
so daß Leipzig nach außen hin ungewöhnlich zerlappt erscheint, 
zumal noch kleinere Talauen weitere Scheidungen verursachen. Der 
gleiche Umstand aber, der das Eindringen unbewohnbarer Grün- 
flächen bis ganz nahe au die Altstadt erzwingt und damit den 
Verkehr erschwert, verleiht Leipzig als Wohnplatz hohe Reize und 
Vorzüge, da oft nur ein geringer Weg vom gesunden Wohnviertel 
zur Stätte der Arbeit in der immer mehr sich entvölkernden Alt- 
stadt zurückzulegen ist. 

Als Industrieplatz weit berühmt, spielt Leipzig im Verkehr 
nicht ganz die Rolle, die ihm seine unvergleichlich günstige Lage 
zuweist. Die Ursache ist seine Lage zu den politischen Grenzen, 
die Preußen sich zunutze machte, um in Halle einen Bahnknoten 
ersten Ranges anzulegen, der einen großen Teil des Verkehres an 
sich zieht, der von Natur über Leipzig gehen müßte. Mißliche 
Bahnhofs Verhältnisse trugen weiter dazu bei, daß der Ort von 
manchem Reisenden gemieden wurde. Gerade darin aber scheint 
sich jetzt nach Vollendung des Hauptbahnhofes ein für Leipzig 
erfreulicher Wandel zu vollziehen. 

Trotz" allem! [aber ^hat sich in den Leipziger Messen eine 
Handelsforn]^ P)is^ in die Gegenwart erhalten, die uns die Bedeu- 
tung von Stapelrecht und ähnlichen mittelalterlichen Einrichtungen 
für das Gedeihen einer Siedlung verständlich werden läßt. Erhalten 
doch manche Straßen ihren Charakter durch die Anlage der für die 



Leipzig. Nördliche Oberlausitz 201 

Messe bestimmten Häuser und findet doch alljährlich zur Messe- 
zeit eine ungewöhnliche Stauung von Handeltreibenden statt, die 
ihrerseits wieder nicht ohne Kückwirkung auf die Zahl und Lage 
der Gaststätten bleibt. 

So reich die Leipziger Bucht und ihre Umgebung an Städten 
ist, so wenige konnten sich in der Elbebucht entwickeln, wo der 
so nahe Talkessel von Dresden weit günstigere Bedingungen bot. 
Die alte Festung Torgau und der neue Fabrik- und Umschlagi)latz 
Riesa, unmittelbar am Rande des Gebirges, sind die Vororte dieses 
waldreichen, dünn besiedelten Tieflandg-ebietes. 



Die nördliche Oberlausitz 

In ähnlicher Weise wie die gesclülderte Übergangszone südlich 
von Leipzig vermittelt die nördliche Oberlausitz zwischen Gebirgs- 
schwelle und Ebene. Heute politisch zwischen Sachsen Biatt 
und Schlesien geteilt, bewahrt sie unter der Führung ^^' 
von Bautzen und Görlitz ein eigenes Sonderdasein, im Süden ein 
Hügelland, im Norden reines Flachland, dem überaus zahlreiche 
flache Seen und Teiche einen besonderen Charakter verleihen. Ton 
Bodenschätzen ist auch hier wieder die Braunkohle im Norden von 
großer Bedeutung, sonst überwiegt, soweit Löß vorkommt, der 
Ackerbau, auf Sandflächen der Wald — kurz, es ist ganz das Bild, 
wie wir es von den südlichen Teilen der Mark her schon kennen, 
nur daß immer wieder Aufragungen aus anstehendem Gestein die 
lockere Decke durchbrechen und als Berge weithin die Ebene be- 
herrschen, zugleich mit ihrem Körper erwünschtes Steinmaterial 
bietend. 

Die Besiedlung durch deutsche Ritter erfolgte um 900 und 
führte zur Anlage von Burgwarden und Herrensitzen. Die eigent- 
liche deutsche Kolonisation ging indessen erst im 13. Jahrhundert 
vor sich. Damals brachten die Flamen in die Städte des flacheren 
nördlichen Teiles die Tuchiudustrie, während im Süden noch der 
Wald gerodet wurde und sich Waldhufendörfer in die Täler vor- 
schoben. So ist also der Nordwesten ein slawisches Siedlungsgebiet 
mit einzelnen deutschen Herrensitzen, Rittergütern geblieben, wäh- 
rend der Südosten eine rein deutsche Kulturlandschaft ist. Später 
kamen noch böhmische Auswanderer hinzu, die zahlreiche Dörfer 
um Zittau e-ründeten. 



202 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 



Die Sudeten 

An der Neißebucht zwischen Görlitz und Zittau beg-innen die 
Sudeten, wie man den Komplex von Gebirg-en bezeiclinet, welche 
durch späte Hebung:en so zu lieg-en kamen, daß von ihnen die 
Decke der Kreideschichten fast völlig- abgetragen ist. Südlich 
von Görlitz, zwischen Ostritz und Hirschi'elde, durchbricht die 
Neiße in epigenetischem Tal einen über 350 m hohen Granit- 
buckel, oberhalb dessen das mit Braunkohlen und Basalten erfüllte 
Zittauer Becken lieg:t. Seine steile Süduinwallung- bildet der über 
600 m hohe Schichtkamm der Kreideschichten im Streichen der 
großen Lausitzer Verwerfung-, dem vulkanische Härtlinge aufsitzen, 
die. wie die Lausche, nahe an <S00 m heranreichen. 

Zu den Sudeten gehört bereits die (ineis- und Schiefermasse, 
welche den Granitlakkolithen des Iser- und Riesengebirges von 
Blatt Zittau im Westen bis Schätzbar im (;)steu konzentrisch 
131. 132 umrahmt. In diesem so umgrenzten Komplex, dem sich 
nach außen Schichten des Karbon und des Rothegenden anlehnen, 
bestimmt in erster Linie nicht die Gesteinshärte, sondern jugend- 
liche W()ll)ung und Einbrüche das Relief und die Gliederung in 
„Gebirge", besser Landl)lö('ke. Überall trifft man in den Höhen 
auf Reste einer morphologisch alten Oberfläche, welche über Granite 
und ihre Hüllgesteine hinübergreift, nur jetzt — abgesehen von der 
Zerstückelung durch die Erosion — in sehr verschiedenen Meeres- 
höhen liegt. Bis etwas über 10(»0 m reichen die gealterten Ober- 
flächen im Isergebirge empor, über die im Norden die gehärtete 
Kontaktzone des älteren (Lausitzer) Granites im Flinsberger Kamm 
noch 100 m höher ansteigt. Ein gesonderter Block ist der ähnlich 
hohe Kemnitz-Kamm im Norden. 

Aus der Eläche des Isergebirges wölbt sich dann das Riesen- 
gebirge selbst empor und rasch gewinnt sein gleichwohl rundlich 
breiter Kamm 1400 — 1500 m Höhe. In gleicher Höhe wellig aus- 
gestaltet dehnt er sich vom Koppenplau aus 7 km weit nach Süden, 
schneidet dabei die südliche Kontaktzone, wo L555 m erreicht 
werden. Ihr gehört auch die Schneekoppe, noch 50 m höher, an. 
1 )ann hört die Aufwölbung auf, und Landshuter Kamm, sowie auf 
böhmischer Seite hin die Ausläufer zum Aupatal und die Vorstufen 
weiter westlicb uehören dem Iserkammniveau ebenso an, wie die 



Sudeten. Riesengebirge 203 

nördliche Vorzone des Riesengebirges mit der bekannten Ruine 
Kynast. 

Infolge ihrer großen Höhe sind der Kamm des Riesengebirges 
und einige seiner Täler glazial umgestaltet. Messerscharf schneiden 
die Kare der Schneegruben, des Großen und Kleinen Teiches von 
Norden her in den welligen Verlauf des gealterten Bergrückens 
ein und trogförmig ist das nach Süden gerichtete Aupatal von 
einem Gletscher ausgestaltet worden. So weit der Granit reicht, 
sind Blockmeere entwickelt, deren festeste Glieder in Form der 
sogenannten „Steine" oder mit Eigennamen anderer Alt versehen 
bekannte Zierden des einförmigen Kammes sind. 

Vom Riesengebirge her dacht sich eine gealterte Landoberfläche, 
die von Queiß, Bober und Katzbach konsequent durchflössen vnrd, 
nach Nordosten als Gebirgsvorland ab, Sie schneidet Gneise, alte 
Schiefer, Rotliegendes und die Schichten des Mittelalters der Erde, 
die im ganzen muldenförmig lagern, glatt ab und ist stellenweise 
von Tei'tiär bedeckt. Sie ist im Süden durch den Einbruch des 
Hirschberger Kessels zerstört, und es entragen ihr als Gipfel des 
sog. Bober-Katzbach-Berglandes Härtlinge silurischer Gesteine und 
weiter außen jungvulkanische Durchbrüche, von denen der Probst - 
hainer Spitzberg mit 500 m Höhe eine der schönsten Berggestalten 
Schlesiens ist." 

Jüngere, wiederbelebte Erosion hat die Fastebene zerschnitten 
und die Gesteine nach ihren besonderen Eigenschaften heraus- 
gearbeitet. Sie wurde dadurch kräftig unterstützt, daß im Hirsch- 
berger Kessel sich eine Einsenkung vollzog, die über Warmbrunn 
hinaus und bis Schmiedeberg an den Fuß des Gebirges griff. Die 
Stonsdorfer Berge in der Mitte sind eine stehen gebliebene oder 
jedenfalls weniger tief versenkte Scholle. Die Senkung ging so 
langsam vor sich, daß der Bober seine Lage l)ehaupten konnte 
und sich antezedent in den Rand des nunmehrigen Kessels, dessen 
Boden er gleichzeitig auffüllte, einschnitt. Sein Tal wurde dabei 
so eng, daß noch jetzt der Verkehr es meiden muß. Im Bober- 
gebiet geht die Rumpffläche mit ihren unregelmiißigen Erhebungen 
allmählich in die großen Schuttfächer über, welche Queiß und Bober 
aufgeschüttet haben, die jetzt von ihnen zerschnitten werden. Im 
Katzbachgebiet ist das Relief stärker — so bildet der Buntsand- 
stein südöstlich Goldberg eine über 400 m hohe Stufe — und 
der äußere üaiid l)ei Jauer wohl infolge eines Bruches stark 
ausgepi-ägt. 



2Q4 Mitteldeutsclie Gelnrgsschwelle 

Südlich vom Riesen- und Isergebirge liegt eine ähnliche 
Ixuiiipfebene, welche von der Kanmitz, der oberen Iser und der Ell)e 
Blatt mit ihren Zuflüssen konsequent zur Abdachung durch- 
1** flössen wird. Sie greift ebenfalls über sehr mannigfache 

Gesteine bis zum Rotliegenden liinweg und geht in die inner- 
böhmischen Kreideflächen über. Sie ist im Gebiet der Schiefer und 
Gneise plateauartig, dort bis 800 m hoch, im Bereich des Rotliegen- 
den mit weichen Formen l»is zu 300 m hinab zerschnitten und wird 
dort von herauspräparierten vulkanischen Massen überragt. Die 
Iser ist jetzt oberhalb Starkenbach von ihrem von Südwesten kom- 
menden Hauptstamm ebenso angezapft, wie weiter westlich vorher 
die Kamnitz diesem System, dessen Erosionsbasis ja näher liegt, 
als das der Elbe, angeschlossen wurde. 

In der Gegend von Gablonz und Reichenberg weiter westlich 
ist infolge kräftiger Erosion der Neiße, begünstigt scheinbar durch 
relativ geringe Widerstandsfähigkeit des Granites, das ältere Fliiß- 
netz in der Weise gestört, daß dieselbe Bäche, die zum Oberlauf 
der Kamnitz gehören, an sich zog. Dadurch wurde gleichzeitig 
die fast überall der Grenze des Granites gegen die gehärtete 
Kontaktzone folgende subsequente Senke so stark betont, daß hier 
die gehärtete Zone als ein besonderer Bergzug erscheint und dem- 
gemäß auch bezeichnet wird: das Jescliken- Gebirge. In der 
gleichen Zone sammeln vor Durchbreclien des Kontaktes Elbe, Iser 
und Kamnitz ihre Quellbäche. An der Kamnitzlücke bei Tannwald 
trennt die Kontaktzone sich, 200 m relativ hoch, vom Gebirge ab 
und zieht im Bogen, über 1100 m Höhe erreichend, so weit herum, 
bis die im Osten steil gestellte Kreide l)ei Pankratz sellier den 
Kamm erreicht und unter ihr die alten Gesteine verschwinden. 
Die Lausitzer Verwerfung schneidet das Gebirge im Süden ab, wo 
aber noch die abgesunkenen, jetzt 400 m hohen Kreidesandstein- 
tafeln Reste der älteren Oberfläche tragen, aus welcher seinerzeit 
die Erosion die Kämme als langgestreckte Härtlinge herausgeschält 
hat. In den häufigen Tallücken, durch welche Eisenbahnen und 
Straßen nach Böhmen eindringen, verrät sich auch hier das ältere, 
konsequent vom Granitlakkolithen fortführende Gewässernetz. 
Blatt Während südlich vom Riesengebirge Rotliegendes 

i:{:{. 11.5 direkt über älteren Schichten diskordant lagert, schaltet 
sich im Landeshuter und Waldenburger Gebiet, d. h. im Südosten, 
ein Streifen karboner Gesteine, der auch Steinkohlen führt, ein. 
Da es sich meist um wenig widerstandsfähige Gesteine handelt, ist 



Sudeten 205 

hier durch Ausräumung- ein breites Durchgang'sg-ebiet nach Böhmen 
hinein entstanden, dem einzelne härtere Cuhnzüge — so westlich 
Liebau — und das dem Rotliegendeu eingelagerte und mitgefaltete 
Liebauer Porphyrgebirge mit 835 m entragen, deren Höhen uns 
einen Anhalt für die Lage der älteren Landoberfläche in diesem 
Gebiet abgeben. Das Waldenburger Bergland (Taf. XI, Abb. 2) 
ist durch die Fülle verschiedenartigst geformter, herausgearbeiteter 
Porphyr- und Melaphyr-Berge und -Bücken innerhalb der schlesi- 
scheu Gebirge charakterisiert, die im Görbersdorfer Gebiet über 
900 m Höhe erreichen. 

Im Inneren der großen Rotliegendmiilde liegen Schichten der 
Kreideformation in einer Fazies, die der des Eibsandsteingebirges 
ähnelt. Auch sie sind flach eingewölbt, tragen aber auf ihren 
Kämmen und Hochflächen Beste der alten Laudoberfläche, aus der 
sie durch jüngere Erosion herausgeschält sind, vergleichbar den 
subhercynischen Landschaften. Das ist das Heuschenergebirge, 
das verschiedene Unterabteilungen in sich schließt, die durch 
Störungen in der muldenförmigen Lagerung der Kreideschichten 
bedingt werden. Seine bizarren Felsformen verleihen ihm weithin 
bekannte landschaftliche Beize. 

Bings um diese Schichtstufenlandschaft und die Ausräumung des 
Braunauer Landes liegen wieder hohe Bücken alter kristalliner 
Gesteine, die aus dem weicheren Material ihrer Umgebung heraus- 
gearbeitet sind. Gegen das schlesische Vorland schließt das 1000 m 
überschreitende Eulengebirge das Braunauer Land ab. Im Süden 
sind das Adlergebirge oder Böhmischer Kamm und das Habel- 
schwerdter Gebirge ähnlich hohe einförmige Bücken, von denen 
das erstere mit wieder üljer 1000 m Höhe ein Gipfelzug der alten 
Landoberfläche ist. 

In dieselbe sind die Becken von Kudowa, Beinerz und Glatz 
in ähnlicher Weise eingesenkt, wie der Hirschl)erger Kessel weiter 
nördlich. Jedenfalls hat spätere Ausräumung hier die Gestalt der 
Senken erheblich beeinflußt, während die Flüsse hier wie dort sich 
als antezedent behaupteten und jetzt in engen Tälern (Paß von 
Wartha und Nachod) das Vorland gewinnen. 

Die Schichtstufe der turonen Kreide begrenzt schwach aus- 
gebildet den Glatzer Kessel im Süden. Am Weistritz-Durchbruch 
trennt sie sich in Fortsetzung des Heuscheuergebirges ab, zieht 
rasch an Höhe verlierend als Steinberge zu Tal, taucht jenseits 
Grafenort in enger Anschmiegung an das ältere Gestein wieder 



2Q6 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

auf und wcudtit sich dann als s(;hinale Vorzoue des (xlatzer Sclmee- 
^ebirges nach Süden. Älmlicli ist die Ausbildung- auf der Seite 
des Habolsf'hwerdter Gebirges. In der Mulde liegende Tafelberge 
senoner Schichten erreichen noch 560 ni l)ei Habelschwerdt und 
öSO ui bei Mittelwalde. Östlich dieser Mulde aber beginnt ein 
neues Bergbmd kristalliner Felsarten und CTlinimerschiefer mit 
Granitdurclibrüchen: das sind die Sudeten im engeren Sinne 
des Begriffes. 

Es handelt sich in ihrem Aufbau um nordöstlich streichende 
Gneismassen, zwischen denen Zonen metamorpher Gesteine, Glimmer- 
Biatt schiefer u. ä. eingeklemmt sind. Das morphologische Bild 
146. 156 |g^ klar; die mannigfach gesondert benannten höchsten 
Erhel)uugen fallen nicht mit einer bestimmten Gesteinsart zusammen: 
andererseits sind überall in Höhen von (rund) über 10(M» m aus- 
gedehnte Plateaus vorhanden, aus denen tlie Gipfel als flache 
Buckel aufragen von der Art des Großen Schneeberges, 1422 m, 
und des Altvater, 1490 m. In die Hänge des Plateaus sind die 
Täler scharf und jugendlich eingeschnitten, öffnen sich aber dann 
in Hochflächen von 600 — 700 m Höhe, die sich im Gesenke über 
die paläozoischen Schichten fortsetzen. In diese sind die Flüsse 
meist jung und scharf um 1.5<.) m eingesenkt. Ob es sich bei den 
Erhebungen im ganzen um Härtlinge, oder um Aufwölbungen, oder 
schließlich um Schollen in Art desjenigen des Böhmer Waldes han- 
des handelt, ist indessen noch nicht untersucht. 

Mit dem Granitgebiet von Friedeberg südlich Neiße ändert der 
nordöstliche Rand des Gebirges seinen Charakter. Im Südosten des 
Granites taucht der Rumpf des Gesenkes allmählich untei- jungen 
Ablagerungen unter, im Nordwesten davon stellt ein scharfer Rand- 
brucli sich ein, der vornehmlich dem Llande des Eulengebirges den 
geradlinigen scharfen Charakter verleiht, der auf jeder Karte her- 
vortritt. Im Untergrund der Ebene, über welche sich vom Bruch- 
rand her Schuttkegel breiten, liegen augenscheinlich dieselben 
Gesteine in gleicher Architektur wie in den Sudeten selbst, nur 
sind sie um etwa 400 m versenkt. Einzelne kleine Basaltkuppen 
verleihen diesem flachwelligen, an vielen Stellen aus den jüngeren 
Aufschüttungen der Ebene aufragenden Buckeln etwas mehr Relief. 
Weitaus überragt sie alle der Zobten mit 718 m (über 500 m rela- 
tiver Höhe), ein mächtiger Härtling aus Granit und Gabbro, durch 
das nordische Eis zugerundet. 



Sudeten 207 

Den Aufscliüttimgeu desselben verdankt die Ebene ihren 
OliaraMer. Das Eis liat überall den Fuß der Clebirge erreicht und 
ist in Lücken desselben, so in den Paß von Wartha, eingedrungen, 
die Gewässer zu Seen aufstauend, wie demjenigen von Camenz, 
der bis Wartha und nördlich nahezu bis Frankenstein reichte. Die 
vielfach bis in den Untergrund eingeschnittenen Täler und die 
reiche Nutzung der Schätze desselben durch die Bewohner stem- 
peln 'aber auch dieses Gebiet bis nahe an die Oder heran zum 
echten Gebirgsvorland. 

Sind somit die Sudeten schon durch ihre ungewöhnlich reiche 
Gliederung von den anderen deutschen Mittelgebirgen verscliieden, 
so macht sich in ihrem Habitus auch die östliche Lage bemerkbar. 
Das Klima ist kontinental, oft ist es bei Ostwinden lange trocken, 
dann wieder treten bei bestimmter Wetterlage Landregen auf, die 
in den engen Tälern Überschwemmungen und Hochwasser ver- 
ursachen: der Winter ist kalt, der Sommer heiß. Alles das drückt 
die Baumgrenze l)is auf etwa 1200 m herab, d. h. es entsteht eine 
doch recht ausgedehnte waldlose Zone, in der Weidewirtschaft 
von alpiner Art betrieben wird, wodurch auch die Kammhöhen 
belebt und von Einzelsiedlungen, den „Bauden '% besetzt er- 
scheinen. 

Für die heutigen Siedlungs- und wirtschaftlichen Zu- 
stände bilden die geschilderten Gebirge mit ihrem Vorland dadurch 
eine Einheit, daß sie völlig deutsches Kolonisationsland sind und 
deutsche Ortsformen vorwalten. Dagegen scheidet sich das tschechi- 
sche Gebiet des Gesenkes im Süden ab, wo slawische, aus dem Inneren 
Böhmens kommende Siedlung bis auf jetzt reichsdeutsches Gebiet 
vorstößt. Von Natur war das sudetische Bergland ein Waldland, 
dessen Lichtung bis weit in historische Zeiten beim Mangel leicht 
nutzbarer Erze deshalb nicht in Angriff genommen wurde, weil 
dieser waldige Grenzsaum eine wohltätig empfundene Scheide 
zwischen den beiden slawischen Reichen im Nordosten und Süd- 
westen war. Nur einzelne Wege durch ihn sind bekannt, deren 
Spuren wir an den auch jetzt durchgängigsten Stellen finden, wo 
hier und da, wie um die Befestigung Glatz, auch slawische Sied- 
lunge indrang, was bis heute in der Ortsform zum Ausdruck kommt. 

Im 13. Jahrhundert fand die systematische Ackerbaukolonisation 
durch von überall bei- herbeigezogene deutsche Siedler statt und 
es entstanden die uns aus Sachsen bereits bekannten, mehrere 
Kilometer langen Siedlungen, die Haus au Haus die Tälei' erfüllen, 



208 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

und (lie Städte mit ihrem regelmäßigen Grundriß. Aber nur die 
Vorländer und niederen Teile des Berglandes konnten dem Ackerbau 
nutzbar und damit rascherer Rodung und Besiedlung erschlossen 
werden. In das Innere des höheren Gebirges zog den Siedler erst 
später die Sucht nach den hier so spärlichen Erzen und die In- 
dustrie in Form der Herstellung von Glas. 

Nur wenige Namen berichten hier von bergbaulicher Tätig- 
keit, wie Silberberg im Euleugebirge, Keichensteiu südlich von 
Wartha, Kupferberg und Schmiedeberg im Riesengebirge, Golden- 
stau im Altvatergebiet. Verl)reiteter war die Benutzung der Quarze 
und Quarzsande des Gebirges als Rohmaterial der Glasbereitung, 
der ebenfalls die unerschöpflichen Wälder den nötigen Brennstoff 
boten; indem sie diesem nachrückten, entstand mancher lang- 
gestreckte Ort, wie Schreiberhau, in seinen verschiedenen Teilen. 

Wie im Erzgebirge, trat auch hier nach Erschöpfung der Erz- 
lager und mit Regelung der Waldzerstörung sowie in allen den 
Kolonien, in denen auf die Dauer der Ackerbau nicht hinreichte, 
die Bewohner zu ernähren, die Hausindustrie helfend ein, und 
zwar in Form der Weberei, die noch jetzt neben der Fremden- 
industrie von größter wirtschaftlicher Bedeutung ist. Diese letztere 
vornehmlich treibt die Siedlungen bis auf die höchsten Höhen des 
Gebirges hinauf und viele schöne Stelleu in den Tälern, wo heil- 
kräftige Quellen sprudeln, sind zu weit bekannten Badeorten und 
Erholungsplätzen geworden, die nicht nur im Sommer, sondern 
auch im Winter aufgesucht werden. Noch immer aber decken 
endlose Wälder alle größeren Gebirgsstöcke bis zur Waldgrenze 
hinauf. 

Zwischen den Gebirgsstöcken aber drang der Verkehi- ein und 
die von der Natur gegebenen Pforten durchziehen jetzt Bahnen 
und Straßen, die manchem Ort zu stärkei-er Entwicklung verhalfen. 
Ein Gebiet aber wandelte gänzlich seinen Charakter, das ist das 
Waldenburger Revier, in dem die Steinkohle die wirtschaftlichen 
Zustände bestimmt. 

Im Norden beherrscht Görlitz die Wege ins Gebirge und 
nach Böhmen hinein, am hohen Ufer der Neiße als deutsche Stadt 
neben einem älteren wendischen Dorf begründet. Der noch wohl 
erkennl»are Stadtkern schließt eine älteste Anlage (vor 1250) mit 
dem Untermarkt und der Peterskirche ein, die sich noch im Zug 
der Straßen und ihren Namen (Nicolaigraben) verrät. Der \^'eit 
im Süden angelegte Bahnhof lenkte die Entwicklunu' der Stadt in 



Sudeten 209 

der Neuzeit dortliin, wo jetzt neue, schöne Stadtviertel und An- 
lagen sich ausbreiten, welche neben der Gunst der Lage Görlitz 
seinen Ruf als Pensionsstadt verschafft haben, in der aber das alte 
Gewerbe der Tuchmacherei nicht ausgestorben ist. 

Der Weg nach Böhmen teilt sich in der alten Kolonialstadt 
Zittau, die auch Vorort eines Braunkohle abbauenden, dicht be- 
siedelten Gebietes geworden ist. Die Weberei hat hier einerseits 
in Warnsdorf und Rumburg, andererseits in Reichenberg und 
Gablonz eine sehr starke Volksverdichtung hervorgerufen, für deren 
Aufnahme die Täler nicht ausreichten, so daß sie sich in dem 
ganzen Becken ausbreiten mußte. Der großen Terrainschwierig- 
keiten wegen hat keine der zahlreichen Bahnen, die hier im Rand- 
gebiete die Sudeten durchdringen, größeren durchgehenden Verkehr 
an sich zu ziehen vermocht. 

Am Nordrande des Riesengebirges, in günstiger Lage in dem 
nach ihm benannten Kessel entstand Hirschberg, als Sitz und Aus- 
gangspunkt der Kolonisationsbewegungen in den umliegenden Berg- 
landen. Unter kleinen Verhcältnissen gegründet — Stadtdurchmesser 
350 m — vermochte es sich doch in allen Wirreu zu behaupten 
und ist in der Gegenwart mit mancherlei Industrie auch viel auf- 
gesuchter Ruhesitz und Mittelpunkt regen Fremdenverkehrs. Zahl- 
reiche Bahnen führen in die benachbarten Gebirge, vor allem in 
das Riesengebirge, das von hier aus gesehen ungemein großartig 
auf den Beschauer wirkt. 

Erst viel weiter südlich quert wieder ein größerem Verkehr 
dienender Weg das Bergland, die Strecke Breslau — Glatz — Wien, 
die allerdings in jeder Richtung täglich nur einen durchgehenden 
Zug aufzuweisen hat. Sie berührt im Vorland nur kleinere Orte, 
im Gebirge aber die große Bevölkerungsanhäufung des Glatzer 
Gebietes, in dessen Tälern sich Siedlungen ununterbrochen bis zur 
böhmischen Grenze und bis an die Gebirgsstöcke rechts und links 
hinaufziehen. Ein 80 m das Bett der Neiße überragender Fels, 
der jetzige Donjon, lud in diesem weiten, offenen Gebiet zur Be- 
festigung ein, und der Befestigung folgte alsbald der Marktflecken, 
in der Entwicklung freilich sehr durch die immer erneuerten und 
verstärkten Werke und Kasernen gehemmt, bis endlich 1877 die 
Umwallung fiel und nun reicheres Leben einsetzt. Ül)er Habel- 
schwerdt und Mittelwalde gewinnt die Eisenbalm. l)is 3.i(» iii an- 
steigend, unschwei- die Paßhöhe. 

Braun. 1* 



210 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

Ist hier überall der wirtschaftliche Gruudcharakter des Landes 
durch den Verkehr nicht wesentlich geändert, so geschah dies um 
so stärker durch die Ausbeutung der Kohlenschätze im Waiden - 
burger Gebiet (vgl. Taf. XI, Abb. 2). Die Flöze liegen hier in zwei 
(Trui)pen geteilt, zwischen die sich die mächtigen Konglomerate der 
llartaiier Zone einschalten, bei meist geringer Mächtigkeit im ein- 
zelnen. Ihre muldenförmige Lageiung zwingt den Abbau, stellenweise 
in große Tiefe zu gehen, so daß einzelne Schächte mit über 500 m 
Tiefe noch unter den Meeresspiegel hinunterreichen. Die Kohle selbst 
ist sehi' gasreich, daher gut verwendbar, aber auch im Abbau durch 
schlagende Wetter gefährlich. Sie wurde erst dann in stärkerem 
Maße gewonnen, als 1853 Waidenburg an das Eisenbahnnetz an- 
geschlossen wurde, und dient jetzt mit ihren 5 Millionen Tonnen 
Förderung vornehmhch als Grundlage örtlicher Industrien, unter 
welchen die Porzellanfabrikation stark hervorragt. 

Die Schichten der Kohlenformation setzen sich von hier in 
großem Bogen übei' Landeshut nach Schatzlar fort, enthalten aber 
ei'st dort auf böhmischem Gebiet wieder abbauwürdige Kohlen- 
mengen. Landeshut und Liebau 'erblühten vielmehr als Sitze der 
Leinenindustrie in landwirtschaftlich armem Gebiet, dem unbewohnt 
und dicht bewaldet (Ue Porphyrberge entragen. In dei' Kreide- 
mulde ändert sich dann der Charakter der Siedlungen überhaupt: 
die langen Reihendörfer verschwinden und kleinere rundliche 
Flecken treten an ihre Stelle. 

Das Sudeten-Vorland 

Südlich des Altvatergebirges wird mit dem Wechsel der Ge- 
steine das Bergland niedriger und einförmiger. Aus der (iCgend 
von Brunn her, nur unterbrochen durch das mit marinem Miozän 
erfüllte Becken von Olmütz. streichen niedere Rumpfebenen gegen 
das schlesische Tiefland hinaus, wo sie bis in die Gegend von 
Neustadt, Leobschütz und Troppau, zumindest in den Tälern, 
sichtbar bleiben. Die Rolle der Gipfel übernehmen im Nordosten 
härtere Teile der devonischen Schichten, im Süden, wo die Ein- 
ebnung vollkommener ist, Basaltdurchbrüche in Gestalt von Tafel- 
bergen und Kuppen. 
IIS. ii'.K in;;. Im schlesischen Tiefland gewinnen die Deck- 

'•'*• '**■'• '*' schichten des älteren Gebirges immer größere Mächtig- 
keit. T(!rtiär und Diluvium verhüllen ein zerschnittenes Bergland, 
dess(Mi innerer Bau uns durch den Bergbau gut bekannt geworden 



Sudeten -Vorland. Oberschlesien 211 

ist. Im Norden des Kohlenreviers und südlich Oppeln auch die 
Oder erreichend, ist unter den jüng-eren Schichten auch noch die 
mesozoische Decke erhalten, deren harte Glieder, wie der Muschel- 
kalk, ihre Steilstufe nach Süden hin kehren. 

In dem umschriebenen Rahmen liegen, auf drei politische Ge- 
bilde jetzt verteilt, die reichen Schätze des oberschlesischen Kar- 
bons. Von größter wirtschaftlicher Bedeutung ist auf preußischem 
Boden das Gebiet zwischen Zabrze und Myslowitz, anderen Kohle 
produzierenden Stellen in Mitteleuropa dadurch weit überlegen, 
daß hier die Kohlen in sehr geringer Tiefe auftreten, die Flöze 
sehr mächtig und wenig gestört sind und infolge ihrer Beschaffen- 
heit schlagende Wetter völlig fehlen. Die Lagerung ist im ganzen 
eine beckenförmige, im einzelnen treten nordwestlich streichende 
Sättel und Mulden auf, von denen in der Gegenwart der Sattel- 
flözzug im Osten von Zabrze am wichtigsten ist, weil hier in 
vier Wölbungen — auf dem abgetragenen Scheitel der westlichsten 
erhebt sich Zabrze — die mächtigsten Flöze die größte Höhe er- 
reichen. Meist nur bis zu etwa 200 m braucht der Abbau in die 
Tiefe zu gehen, um die reichsten Schätze zu heben, die in 
Flözen von 2 bis über 10 m Mächtigkeit dem tauben Gestein ein- 
gelagert sind. 

Wie im niederrheinischen Randgebiet der Mittelgebirgs- 
schwelle ist auch hier, trotz dieser günstigen Bedingungen, doch 
älter als der Kohlenabbau der der Erze. Es handelt sich um 
Erzmassen, die in den Deckschichten über den Kohlen zu finden, 
um Blei- und Zinkerze, vornehmlich bei Beuthen und Tarnowitz. 
Eisenerze fehlen nicht, sind aber trotz großer Mengen praktisch 
nicht recht brauchbar, weil von ungünstiger Beschaffenheit und 
geringem Eisenreichtum. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts schon 
wurde Tarnowitz als freie Bergstadt begründet. Nach sehr wech- 
selnden Erfolgen des Bergbaues trat der Staat Ende des 18. Jahr- 
hunderts sehr energisch ein; Gruben und Hütten bei Tarnowitz 
wurden neu begründet, und 1791 zur Deckung des Bedarfs der 
Wasserhaltungsmaschinen an Kohlen auch der Kohlenbergbau bei 
Zabrze eröffnet. Damit wurde auch die Eisenindustrie und sonstige 
Metallindustrie auf eine gesundere Grundlage gestellt, als sie der 
doch allmählich schwindende Holzreichtum der Wälder bot, und 
so steigt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts langsam die 
Förderung an Kohle und die Produktion der Metalle, bis endlich 
in den 40er Jahren der Anschluß der Eisenbahnen erfolgte -und 

14* 



212 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

damit besonders der Kohle neue Absatzgebiete erschlossen wurden, 
andererseits Erze aus fremden Ländern leichte Zufuhr hierher ge- 
\\aun(Mi. Die (rruben und Werke mehrten sich, die Bevölkerung 
stieg, heute sind gegen 100 000 Arbeiter hier beschäftigt und die 
Volksdichte erreicht auf einem Raum von (jOO qkm Werte von über 
1000 Menschen auf den (ikm (vgl. Taf. XVI). Aus den Dörfern und 
Wohui)lätzen um die einzelnen Hütten wurden volkreiche Städte von, 
wie Königshütte, äußerst verwickeltem Grundriß und darum sehr 
erschwerten Lebensbedingungen, denen sogar das Wasser durch lange 
Leitungen aus dein triadischen Gestein geschöpft herbeigeführt 
werden muß, die ständig vielenorts durch Bodensenkungen in ihrem 
Bestände bedroht sind. Auch die älteren, mehr randlicheu Sied- 
lungen, wie Gleiwitz, Beuthen, Kattowitz, erwachten zu neuem 
Leben und gliederten älteren Kernen weit reichende Vorstädte an. 

Im Süden und im Norden umgibt ein ungeheures Waldland den 
Industriebezirk; mehrere hundert Quadratkilometer große Forsten 
sind hier erhalten, meist einförmige Kiefernwälder, die im Norden 
bis Ohlau, im Süden bei Oppeln bis über tUe Oder hinüberreichen 
und sich scharf a])heben von dem Ackerbaugebiet des Lößlandes 
von Leobschütz. Nur wenig kleine Siedlungen sind in ihnen zu 
finden, die Ackerbaukolonisation ist fast ganz gescheitert, nur 
Holzindustrien geben den Siedlern, die meist die deutsche Natio- 
nalität verloren haben, ein dürftiges Auskommen. 

Oben wurde der Bedeutung der Eisenbahnen für die Entwick- 
lung des oberschlesischen Industriebezirkes gedacht. Ihnen tritt 
in der Neuzeit wieder der Wasserweg zur Seite, den die Oder 
bietet, so wenig günstig er auch von Natur ist. Südlich Ratibor 
sammeln sich trichterförmig die Quellflüsse der Oder von den 
Beskiden und dem Gesenke her, und dieses Zusammentreten stark 
geneigter, aus verschiedenen Bergländern gespeister Wasseradern 
l)ringt je nach der Verteilung der Niederschläge große Schwan- 
kungen in der Wasserführung mit sich, große Hochwassergefahr. 
Sie wird dadurch schwerer bekämpfbar, daß hier Osterreich und 
Preußen zusammenstoßen und verschiedene Interessen der durch 
den Grenz verlauf vielfach an an sich ungünstige Orte gebannten 
Siedlungen einander gegenüber stehen. Mit dem Hochwasser 
kommen auch große Sandnuissen herab und verschlechtern das 
Fahrwasser, so daß Ratibor, die alte Übergaugsstadt, von dem 
Strom selbst kaum Nutzen hat und, früher die volkreichste Stadt 
in Oberschlesien, jetzt von den Industrieorten weit überholt ist. 



Sudeten -Vorland. Breslau 213 

Der Industriebezirk erreicht den Zugang- zur Oder mit Hilfe des 
Klodnitzkanales, der unterhalb Kosel mündet, wo am rechten 
Stromufer ein großer Umschlagshafen angelegt ist, der aber die 
alte Stadt Kosel eben so wenig in ihrer Entwicklung fördert, wie 
die drei sie berührenden Bahnen, deren Bahnhöfe mehrere Kilo- 
meter von dem Ort entfernt bleiben, trotzdem der Verkehr in ihm 
IV2 Millionen Tonnen im Jahre erreicht. 

•Unterhalb von Kosel ist die Oder dann beidseitig eingedeicht 
und durch Stauanlagen zur Aufnahme dieses großen Verkehrs taug- 
lich gemacht. Die oberste derselben liegt bei Krappitz, wo der 
Fluß den basaltgekrönten Rücken des Annaberges durchbricht und 
wo dem Verkehrsstrom auf ihm die Ertrcäge der Muschelkalkstein- 
brüche und der Zementindustrie um Oogolin zugeführt werden. 
Bei Oppeln kreuzen die von Süden und Südosten kommenden 
wichtigen Bahnen den Fluß, um dann gesammelt auf seinem linken 
Ufer nach Breslau zu führen. Oppeln hat damit an Verkehrs- 
bedeutung Brieg weit überholen können, das an das linke Ufer des 
Flusses gebannt blieb, wo ein hoher Band zwar die Stadtanlage 
begünstigte, aber für den Verkehr über das breite versumpfte Tal 
hinüber wenig Vorzüge bot. Die alte, einst an Baudenkmalen als 
Sitz der Plasten reiche Stadt ist jetzt Vorort eines reichen 
Ackerbaubezirkes, dem sie industrielle Produkte liefert und der 
ihr sein wertvollstes Erzeugnis, die Zuckerrübe, zur Verarbeitung 
zusendet. 

Etwas weiter abwärts erwuchs auch an der Oder die Haupt- 
stadt der Provinz und eine der bedeutendsten Städte des deutschen 
Ostens: Breslau (Taf. XXX). Es ist keine Stelle, auf die hin 
eine der Paßlücken der Mittelgebirgsschwelle zielt, wie die 
Rheinlücke bei Cöln, die Elbelücke bei Dresden; nur untergeordnet 
ist die Verbindung über Glatz mit Prag und Wien. Die für Breslau 
wichtige Paßlücke liegt viel weiter südlich, wo bei Oderberg die 
SchnelJzugslinien nach Wien und Budapest auseinander gehen; sie 
ist aber so weit von der Stadt entfernt, daß ihr Vorhandensein 
kaum von nachweisbarem Einfluß auf ihre Entwicklung gewesen 
ist. Was Breslau vielmehr von Anfang an seine Bedeutung verlieh 
und bis heute verleiht, das ist seine Lage auf der Kulturgrenze 
zwischen dem deutschen Westen und dem slawischen Osten. Darauf 
l)eruht seine kirchliche Mission, sein Kaufmannsstand und sein 
Gewerbe, und je nach der Gestaltung der Grenzverhältnisse nach 
Osten hin bewegt die Entwicklung der Stadt sich aufwärts, steht 



214 Mitteldeutsche Gebirgsschwelle 

Still oder geht zurück, bis erst in jüngster (legenwart andere 
Faktoren sich stärker bemerkbar machten. 

Im Geflecht der Oderarme stand die slawische Stadt Breslau 
auf der linken Flußseite, wo sich die alten Handelswege von Westen 
her l»ei St. Adalbert trafen, um von da aus auf der Sandbrücke 
und der jetzigen Gneisenaubrücke die Oderarme zu überschreiten. 
Später entstanden auf dem Saud und auf der Dominsel kirchliche 
Anlagen, welche allein den Mongoleneinfall 1241 überdauerten, bei 
dem die damalige Stadt verbrannt wurde. Heute ist die Dominsel 
mit der ül)rigen Stadt verwachsen, und nur noch die gekrümmte 
Wasserfläche im Botanischen Garten verrät den Lauf der Fluß- 
arme, welche sie damals im Osten und Norden abschlössen. 

Wie in Posen entstand dann am linken Flußufei- die deutsche 
Kolonialstadt, deren Hauptplatz der 3,6 ha große Bing wurde, auf 
dem das Kaufhaus und später das prächtige Rathaus erwuchs, 
während für andere Zwecke wenig später der Neumarkt uiit seiner 
Umgebung angeschlossen wurde. Die große Bolle aber, die das 
kirchliche Leben des Bischofssitzes in der handeltreibenden Stadt 
spielt, kommt jetzt aufs stärkste dadurch zum Ausdruck, daß eine 
große Beihe kirchlicher Baulichkeiten unmittell:)ar an der Oder sich 
auf landesherrlichem Boden erhob, die Stadt bis heute von dem 
Verkehrsweg absperrend, w^enn auch das Stadtbild wuchtig ver- 
schönernd. 1291 entstand auf der Landseite die starke Befestigung, 
die noch jetzt an schmalen Doppelstraßen kenntlich ist, deren 
Gräben die abgeleitete Ohle durchfloß; etwa 60 ha deckte die von 
ihr umgrenzte Fläche der Stadt. Im 14. Jahrhundert wurde die 
Umwallung bis an den jetzigen Stadtgraben, dessen Anlage aber 
älter ist, hinausgerückt und je nach dem Fortschreiten der Technik 
allmählich bis ins 19. Jahrhundert hinein so weit verstärkt, daß 
die alten Bastionen, wie die jetzige Liebichs-Höhe, Holtei-Hrdie u.a., 
eine sehr erhel)liche Bolle im Stadtbild spielen. 

Den Toren der alten und neuen Umwallung entsprechend, 
entstanden die Nikolaivorstadt im Westen, die Schweidnitzer Vor- 
stadt iui Süden, die Ohlauer Vorstadt nach Osten hin. Auch als 
die Befestigung 1813 in den Besitz der Stadt überging, nachdem 
sie von den Franzosen bereits zum Teil geschleift war, blieb die 
Verbindung mit dem Stadtinneren so uuiständlich, daß an den 
Stellen, wo Brücken über den Stadtgraben mangelten, unbewohnte 
Winkel ins Stadtareal einsprangen, die dann die Eisenbahn be- 
nutzte, um möglichst nahe an den alten Kern heranzukommen: es 



Südwestdeutschland 215 

entstanden der Niederschlesisch-märkiscbe und Freibur^er Bahnhof 
im Südwesten, der Oberschlesische und Posener Bahnhof, aus denen 
später der Hauptbahnhof wurde, im Südosten der Stadt, Nun nahm 
jede der Vorstädte ihren eigenen Charakter an : die Nikolaivorstadt 
und der Bürgerwerder wurden Sitz der Industrie, des Flußverkehrs 
und des Müitärs. Die Schweidnitzer Vorstadt, mit Kleinburg im 
Süden verwachsend, wurde ein bevorzugtes Wohnviertel. Die 
Ohlauer Vorstadt wurde durch Verlegung der Ohlemündung nach 
aufwärts wesentlich verschönert, und auf dem durch Zuschüttung 
gewonnenen Platz erhebt sich jetzt an hervorragender Stelle das 
Regierungsgebäude. Langsamer verlief die Entwicklung auf dem 
anderen Oderufer nach Norden hin, Odervorstadt, Sandvorstadt 
und Scheitniger Vorstadt blieben ärmliche Quartiere, obwohl in 
neuerer Zeit gerade außerhalb der letzteren wichtige öffentliche 
Anlagen entstanden, wie Kliniken und die Technische Hochschule 
vor allem aber der Zoologische Garten und der Scheitniger Park. 
Wie im Süden die Bahn, so umschlingt im Norden jetzt der Groß- 
schiffahrtsweg die Stadt und verleiht mit seinen Anlegestellen der 
Besiedlung der nördlichen Vororte feste, ständige Impulse, die der 
Gesamtstadt zugute kommen, die jetzt von über einer halben 
Million Menschen bewohnt wird. 



3. Südwestdeutschland 

Südwestdeutschland besteht seinem Bau nach aus mehreren 
schwachen Einbiegungen und Aufwölbungen eines vorwiegend 
mesozoischen Schichtenverbandes, aus dem an einigen Stellen die 
Grundlage, Beste des varistischen Gebirges, infolge ihrer hohen 
Lage herausgearbeitet sind. Die mittlere Zone der westlichen 
Ein Wölbung liegt im Pariser Becken, die einer nördhchen Auf- 
biegung des Schichtenverbandes im Odenwald und kristallinen 
Spessart, die einer südlichen in Vogesen und Schwarzwald. Den 
zu dieser Lagerung hinführenden Bewegungen der Erdkruste folgte 
im älteren Tertiär eine Ruhezeit, in welcher die Abtragung Rumpf- 
flächen schuf, die mehr od(n- weniger eben das ganze Gebiet über- 
spannten und die Schichten abschnitten. Später senkte sich mitten 
durch die verschiedenen Wölbungen die rheinische Senke ein, in 
die vorübergehend noch von Westen her das Meer eintrat. Die 



21f) Südwestdeutschliind 

ticifc I^ao-c dieser Zone belebte die Wirksamkeit der Gewässer und 
zog sie an. Unter mannigfachen Flußverlegiiugen wurden aus der 
alttertiären Fastebene die llünii)ie des varistischen Unterbaues als 
Mittelgebirge, die. härteren Glieder des Schichtenverbandes aber als 
Schicbtstufen herausgearbeitet, wobei noch bald hier bald da 
tektonische Bewegung störend und uiiil)ilden(l eingriff. Im jüngeren 
Tertiär war die Senke wohl bodeupiastisch kenntlich, aber bis 
hoch hinauf mit Schutt gefüllt und entwässerte nach Norden und 
Süden. Erst in der Diluvialzeit erfolgten die Einbrüche, die in 
der Senke den Rheintalgraben schufen und damit die Vorbedingung 
zur einheitlichen Entwässerung Südwestdeutschlands durch das 
Rheinsystem. 

Im Laufe ^dieser Geschichte bildete sich eine Reihe natür- 
licher Landschaften heraus, die in Ost und West einander oft ent- 
sprechen. Die westliche Einbiegung ist das lothringisch-pfälzische 
Stufenland, das seinen Buntsandsteinrand als Pfälzer Wald gegen 
die Ilheinsenke kehrt. Die östliche Aufwöl])ung — und als 
solche weit breiter — ist das fränkische Stufenland. Vom Grundbau 
ragen in der Mitte der Odenwald und im Süden Vogesen und 
Schwarzwald auf. Das hydrographische System des Rheines ver- 
bindet das Ganze zu einer Einheit und verleiht der mittelrheinischen 
Tiefebene ihre beherrschende Stellung, die sich in Klima und 
Vegetation, in Besiedlung und Kultur, im Verkehr und in der 
politischen Gliederung des Landes ausprägt. 

Klinuitisch ist die rheinische Senke mit ihren Ausläufern zum 
Main hinü))er im Frühjahr, Sommer und Herbst ein Wärmespeicher 
ersten Ranges (s. Taf. III); im Winter ist sie ein Sammelbecken 
der von ringsum abfließenden kalten Luftmassen, dann neblig 
und trübe, während die Bergländer und Stufen in belebendem 
Sonnenschein erstrahlen. Aber schon im März wird es auch in 
der Tiefe warm, und das begünstigte neben der Plastik die Ein- 
wanderung südlichei' Florenelemente in die Senke und von ihr aus 
in die umgebenden Bergländer, deren Hänge weit hinauf Edel- 
tanne, Weinberge, Edelkastanie, Stechpalme zieren, während den 
sandig-steinigen Stromniederungen der Sanddorn und die Tamariske 
folgen. 

Weniger einheitlich ist die Bevölkerung, aber der Einfluß der 
Senke ist auch in ihren Zuständen unverkennbar. Den RCtmern 
entrissen die Alemannen den Südwesten des Kelches in wilden 
Kämofen und besetzten das Stufenland im AVesten, die A^ogesen 



Übersicht 217 

bis ziiiii Kamm imd drangen in Richtung der Senke bis in die 
Alpen nach Süden vor. Ihnen folgten die Franken — aber nicht 
mehr mit der geschlossenen Masse des Volkes, sondern nur als 
eine dünne herrschende Oberschicht erreichten sie den äußersten 
Südwesten; hier nur in der Senke und sonst ringsum in den Ge- 
birgen behaupteten sich daher die Alemannen, wovon heute noch 
Siedlungsweise und Bauart der Häuser zeugen. Innerhalb des 
vielgestaltigen Südwestdeutschland mit seinen weiten fruchtbaren 
Niederungen und seinen rauhen, Schutz bietenden Gebirgen, kamen 
also diese Völkerbewegungen zum Stehen und es entstanden fünf 
politische Gebilde, deren vier ihren Schwerpunkt unverkennbar in 
der Senke haben, deren Sammeltendenz darin wiederum zum Aus- 
druck kommt. Abseits liegt nur Württemberg, ein Land ohne 
landschaftliche Einheit. 

Die leichte Zugänglichkeit der Senke von Westen durch das 
Stufenland und die burgundische Pforte wurden die Ursache, daß 
große Teile dieser natürlichen Einheit in fremden politischen Besitz 
kamen und nirgendwo feindliche Einfälle derart weite Landstriche 
verheerend ergreifen konnten \xie hier, wo unzählige Kirchen, 
Schlösser und Burgen der blinden Zerstörungswut der fremden Er- 
oberer zum Opfer fielen. Erst spät konnte Sicherung dagegen 
erreicht werden und noch jetzt handelt es sich im Kampf mit 
Frankreich um die Abwehr von Eingriffen in eine Landschaft, die 
eine natürliche Einheit ist, im Laufe der historischen Entwicklung 
erfüllt von deutschen Stämmen, deren heutiges wirtschaftliches wie 
politisches Leben ganz nach der rheinischen Senke hin gerichtet ist. 

Dieselbe hat aber überdies noch eine Verkehrsbedeutung für 
ganz Europa, die wiederum den Verkehr der umliegenden Land- 
schaften belebt und verbindet. Im Rhein öffnet sich eine noch 
nicht ausgenützte Wasserstraße vom Meer bis nach der Schweiz 
und Oberdeutschland, die Senke mit ihren Zufahrtstraßen ist eine 
der wenigen Nordsüdverbindungen Mitteleuropas, während gleich- 
zeitig drei Ostwestverbindungen, je eine im Norden, in der IVlitte 
und im Süden, Südwestdeutschland schneiden und berühren. Es 
ist diese Landschaft mit ihrem reichen politischen Leben einst der 
Schwerpunkt des mittelalterlichen Reiches, noch heute, seither mit 
dem Tiefland zusammen gewachsen eines derjenigen Gelände, in 
denen das kräftige Wirtschaftsleben der Gegenwart am lebhaftesten 
pulsiert, wo \'(in den vorhandenen Wasserkräften immer mehr zur 
Ausnutzniiü- (h-rnmcu und wo in vielen Strichen deshalb eine 



218 Südwestdeutscliland 

besonders kräftig-e und dichte Bevölkerung- gedeihen konnte, weil die 
Vielg'estaltigkeit des Landes es gestattete, die Industrie in ganz 
anderer Weise mit Landwirtschalt und Landsiedlung zu verbinden, 
als das im Flachland möglich ist. Es ist aber infolgedessen hier 
fast jeder Winkel des Bodens in irgend einer Weise oft sehr hoher 
Kultur nutzl)ar «emacht und bevölkert. 



Die Pfalz 

Die Pfalz ist eine zum Teil stark zerschnittene, früher recht 
eben gewesene Rumpffläche, die vom Buntsandstein auf Muschel- 
Biatt ^^^^^ übergreift. Die harten Glieder im Buntsandstein 
159. 160. kehren eine deutliche Schichtstufe (Sickinger Höhe) von 
125 m Höhe nach Norden gegen die subsequente i»fäl- 
zische Moorniedernng. Diese Stufe biegt südlich Kaiserslautern 
nach Süden ab und zieht mit Höhen bis etwas über 600 m, im 
Waldland schwer verfolgbar, nach Südsüdwesten. Eine andere harte 
Schicht im Buntsandstein trägt die bis 680 m hohen bekannten 
Aussichtsgipfel am Rande des Pfälzer Plateaus, der Haardt; ihr 
gegen die Rheinebene gekehrter Steilabfall läßt sich allerdings 
auch schon als Bi"uchstufe verstehen, eine Staffel des Brnchrandes, 
der hier die Landschaft scharf abschneidet und durch den über 
700 m mächtigen Buntsandstein und seine paläozoische Unterlage 
hindurch setzt. Hier am stark zerschnittenen Rand bilden die 
Trifels-Sandsteine des unteren Hauptbuntsandsteins mit 70 — 80 m 
ihrer Mächtigkeit prächtig rot gefärbte Felsbildungen, die um 
Landau herum die kegelförmigen Berge krönen und an die „Steine" 
des Eibsandsteingebirges erinnern. Doch fehlen harte Einlage- 
rungen mit Felsbildung auch den höheren Horizouten des Bunt- 
sandsteins keinesw^egs. 

Die Hochfläche der Pfalz ist größtenteils mit Wald bestanden, 
der im Bereich des politischen Begriffes Rheinpfalz nicht weniger 
als 1350 qkm Fläche einnimmt. Nur ganz wenige und kleine Sied- 
lungen dringen auf die Hochfläche vor und selbst die Täler sind 
meist unbewohnt und arm an Straßen. Von größeren Orten hat 
sich an dem naturgegebenen Ostwest w^ege der Moorniederung, die 
allerdings von der Rheinebene nur schwierig zugängig ist, Kaisers- 
lautern als Vorort des großen waldigen Hinterlandes entwickelt. 
Der westliche Teil der Pfalz zeigt gerodete Hochflächen, die dem 
Ackerbau dienen, dei- Wald ist auf die steilen Talhänge zurück- 



Die Pfalz. Das lothringische Stufenland 219 

g'edrängt, die Besiedlung- mit zahlreichen, aber kleineu Dörfern 
ist recht dicht. Pirmasens in 400 m Höhe, die einzige Stadt 
dieses Gebietes, nur durch eine Stichbahn erreichbar, erhält sich 
seine zahlreiche Bevölkerung durch die weit berühmte Schuh- 
industrie. 

Ein ganz anderes Bild zeigt der Bruchrand der Pfalz, die 
Haar dt. In den Tälern sind fast durchgängig die älteren unter 
dem Buntsandstein liegenden Schichten aufgeschlossen. Weiter 
außen folgen eingebrochene mesozoische Schichten sehr verschiede- 
nen Alters, die von tertiären und diluvialen Sauden, Gerollen usw. 
überlagert werden, die an die 300 m Höhe erreichen. Bei so 
günstigen Bodenverhältnissen, Wasserreichtum und dem Schutz 
gegen starke Winde durch das Bergiand liegt hier eine der reichsten 
Ackerbau- und Weiubaulandschaften Deutschlands, in der ländliche 
Siedlungen dicht aufeinander folgen und an den Ausgängen größerer 
Täler auch Städte erblühten, wie Weißenburg, Landau, Neustadt, 
während Dürkheim seine neuere Entwicklung auf die dort vor- 
kommenden Quellen stützt, die am Bruch empordrangen. 

Das lothringische Stufenland 

Das lothringisch -pfälzische Stufenland ist eine Eiuwölbung 
der Schichten zwischen dem Kheinischen Schiefergebirge im Norden 
und den Vogesen im Süden, deren Achse nordöstlich ^^^^^ 
streicht. Der bunte Saudstein , mit welchem über den iss. 159. 
Schichten des Perm die mesozoische Serie beginnt, fällt 
so flach ein und ist so mächtig, daß, so weit er reicht, die Plateau- 
form der Landschaft vorwaltet; dieser Teil läßt sich daher als Pfalz 
recht gut von dem lothringischen Stufenland im Westen abtrennen, 
wo die nordöstlich streichende Eiuwölbung mehr und mehr ver- 
schwindet und einer allgemeinen Neigung der Schichten nach 
Westen hin Platz macht. Dorthin ist auch, der Neigung der ter- 
tiären Fastebene folgend, der ursprüngliche Lauf der Gewässer 
gerichtet, die dann durch kräftiges Bückwärtseinschneiden von 
Mosel und Saar zur nahen, tiefen Erosionsbasis, die der Rhein 
bei Koblenz bietet, hin abgelenkt wurden. Dadurch wurden die 
Zonen weicherer Scliichten erniedrigt, die härterer als Hochländer 
in stufenförmiger Anordnung lierausgearbeitet. 

So erhebt sich über dem Waldland der Pfälzer Platte zunächst 
in Form kahler Tafelberge, dann größerer Hochflächen das Kalk- 



220 Südwestdeutschlaud 

laud, das nach außen hin absatzlos in das Sandstein- und Mergel- 
gebiet der Keuperschichten überg-elit, das nur etwa 200 — 250 m 
hoch liegt, von kleinen Orten dicht bedeckt ist, aber noch recht 
viel Wald aufweisen kann. Die Namen der Ortschaften sind zu 
einem großen Teil noch deutsch, (nrips- und Salzlager im Keuper, 
die auch zur Anlage der Salinen von Dieuze Anlaß gaben, führten 
nach Auslaugung zu Erdfcällen. Indem man in ihnen, nachdem die 
umhegenden Höhen zu ihrer Erosionsbasis hin zerschnitten waren, 
Wasser anstaute, das in die Tälchen der Umgebung hineintrat, 
entstanden die sogenannten Weiher, die vornehmlich der Fischzucht 
dienen und das landschaftliche Bild sehr reizvoll gestalten. Die 
unteren Schichten der Juraformation, etwa 200 m mächtige, dunkle 
Tone, Mergel und Kalke, bilden Landschaftsformen, die von denen 
des Keuperlandes kaum verschieden sind. Es ändert sich aber der 
Charakter der Täler, aus breiten vermoorten Anfängen werden sie 
infolge der Nähe der Mosel (Metz 180 m!) enger und sind in stark 
gewundenen Mäandern eingesenkt. Die Mosel ist von Diedenhofen 
aufwärts bis Nanzig Schichtfluß in den weichen Juraschichten, über 
denen sic-h die Schichtstufe der Doggerkalke scharf und hoch er- 
hebt. So liegen hier die natürlichen Vororte der geschilderten 
tieferen Landschaften der lothringischen Stufen: Metz und Nanzig, 
beide schon ganz im französischen Sprachgebiet, das auch zur Zeit 
seiner geringsten Ausdehnung um die Wende des 16. und 17. Jahr- 
hunderts etwa so weit über die Mosel nach Osten griff, als fran- 
zösische Ortsnamen vorhanden sind, seither allerdings sich noch 
viel weiter ausgedehnt hat. 

Dieser Urenzlage entsprechend ist anch die Entwicklung der 
deutschen Grenzfeste eigenartig gewesen. Metz liegt 185 m hoch 
auf einer Landzunge an der Vereinigung von Mosel und Seille so, 
daß im Osten dicht an der Stadt schon 40 m hohe Abhänge an- 
steigen, während sich im Westen, noch 20 ni tiefer als der Stadt- 
kern, das Moselschwemmland IV2 km wtut bis zum Fuß des mäch- 
tigen St. Quentin mit seinen 370 m Meereshöhe ausdehnt. Verworren 
zunächst erscheint der Zug der Straßen, und nicht ohne weiteres 
sind die Spuren der Entwicklung kenntlicii. Ein leidlich regel- 
mäßiges Straßennetz hat die Altstadt innerhalb der ümwallung 
von 300 n. Chr., die im Westen vom Generalkommando ])is zur 
( reorgsbrücke dem Wasser folgte, dort umbog und im Zuge der 
Metzgerstraße, Nagler- und Mauerstraße sich nach Süden wandte 
uiul an St. Martin vorbei den Camoufleturm erreichte: in der 



Das lothringische Stufenland. Metz 221 

Richtung von liier uacli dem Generalkommando über die Porte 
Serpenoise, das jetzige Prinz Friedrich Karl -Tor, war der ßing ge- 
schlossen. Es dauerte nahezu tausend Jahre, bis 1230 eine Neu- 
bei'estigung erfolgte, die nun auch die seither herangewachsenen 
Vororte wenigstens zum Teil umschloß. Dir Lauf begrenzt auch 
heute noch die eigentliche Stadt von der Belle Isle- Straße im 
Westen über das Zeughaus im Norden bis zum Deutschen Tor und 
Mazellenplatz im Osten. Nach Süden erfolgte keine Erweiterung, 
hier schloß bei der Mittelbrücke und andererseits der Leuchtstraße 
die neue an die alte Mauer an. Trotzdem war das Stadtareal jetzt 
auf das Dreifache des Urspriinglichen gestiegen. 

Seit dem Raub der Stadt durch Frankreich im 16. Jahrhundert 
machte sich ihre Grenzlage stärker fühlbar, und aus der an Ein- 
wohnern reichen Stadt wurde ein an Einwohnern abnehmender 
Mittelpunkt immer mehr ausgebauter Befestigungen, denen große 
Stadtteile zum Opfer fielen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts 
wurde da Platz geschaffen, wo jetzt das Zeughaus I im Norden 
liegt: wenig später entstand im Anschluß an die Altstadt inner- 
halb der früheren Umwallung die Citadelle mit ihrer Esplanade 
zwischen Römerallee und der Mosel. Etwa hundert Jahre später 
ließ Vauban vor der Mauer Erdwälle anlegen und im 18. Jahr- 
hundert hat Belle -Isle das Befestigungswerk vorläufig beendet. 
Im Westen entstand jenseits des Flusses das Moselfort, im Osten 
jenseits der Seille Fort Belle-Croix, jetzt Fort Steinmetz. Die alte 
ümmauerung wurde zum großen Teil niedergelegt, breite Straßen 
und Plätze entstanden an ihrer Stelle. Im Inneren wurde die kleine 
Weideninsel (mit dem jetzigen Regierungs- und Theaterplatz) be- 
baut, Plätze und Straßen erweitert. 

Damit ist die Periode der Stadtbefestigungen abgeschlossen, 
dies waren (mit Ausnahme der vorgeschobenen Forts) die Werke, 
welche die deutschen Eroberer 1870 vorfanden und für lange Jahre 
beibehielten, während derer nur die Außenforts verstärkt wurden. 
Erst im Beginn des 20. Jahrhunderts setzte mit der Aufgabe der 
Stadtuinwallung im Süden und Osten die zur Gegenwart hin- 
führende Periode ein, die der Stadt als solcher wieder zu ihrem 
Rechte verhilft, indem sie ilir im Bereich der alten Citadelle 
schöne Anlagen und im Süden zum neuen Hauptbahuhof hin Er- 
weiterungsmöglichkeit verschaffte. Den Charakter als Mittelpunkt 
eines befestigten Lagers mit starker Besatzung hat aber die Stadt 
auch j<'tzt nicht verloren. 



222 Südwfstdeutsclilaud 

Die Umgebung der Festung', die immer kämpfende Heere an- 
zog-, l)liel) davon nicht unberührt. Nicht weit von der Stadt zieht 
im Osten die Sprachg'renze vorbei und viel stärker als sonst im 
Reich finden sich lüer Festung:skirchen und Verteidigungscharaktere 
der Dörfer. Liegt das deutsche Haufendorf unregelmäßig gestaltet 
am Hang oder in einer Mulde, so erhebt sich das lothringische 
Straßendorf gewöhnlich auf einem jener flachen Höhenrücken, an 
denen das wellige Land so reich ist, deren kahle Felder ein so 
vorzügliches Glacis für den Verteidiger abgeben. Fest geschlossen 
ist die Häuserzeile, deren flache Dächer das Ganze auch nach 
oben hin streng geradlinig abgrenzen. Zwischen den niedrigen 
Häusern zieht breit die Dorfstraße hin, rechts und links für die 
Dunggruben und wirtschaftliche Geräte reichlich Platz l)ietend. 
J)as sind die Dörfer, deren Einnahme in den Kämpfen um Metz 
1870 der deutschen Infanterie so schwere Opfer kostete, daß danach 
sich gauze weite Landschaften mit Gräbern und Grabdenkmalen 
bedeckten, die jetzt fast alle Phasen der Kämpfe zu verfolgen ge- 
statten, nachdem alle sonstigen Spuren längst beseitigt sind. Bei 
Weißenburg und Wörth, an der Rheinebene beginnend, ist der 
Siegeszug der deutschen Heere durch ununterbrochene Reihen von 
Denkmalen festgelegt und die oft einförmige lothringische Land- 
schaft dadurch seltsam belebt und geweiht. Es ist nach allen 
Charakteren ein Stück deutschen Grenzlandes. 

Mit einigen Vorhergen schon östlich der Mosel, dann als ge- 
schlossene Stufe erhebt sich das Kalkplateau der Ebene von Briey 
randlich bis über 350 m. Der Rand und die Hänge der ilin tief 
zerschneidenden Stirnflüsse sind bewaldet, die Hochfläche selbst, 
auf der die großen Schlachtfelder von 1870 liegen, kalil und wasser- 
los. Ursprünglicli als Glacis der Grenzfeste Metz von Deutsch- 
land erworben, hat diese Landschaft seit einiger Zeit selir erheb- 
liche Bedeutung dadurch gewonnen, daß es gelang, die in ihr 
lagernden stark phos]jhorhaltigen Eisenerze zu verwerten. Diese 
Erze oolithischer Natur, unter dem Namen „Minette" bekannt, 
streichen am Ostrand des Plateau von Briey aus und senken sich 
dann sehr regelmäßig mit den sie einschließenden Juraschichten 
um 2 — ;> " nach Westen. Da die Rumpfebeue der Oberfläche unter 
einem geringeren Winkel einfällt, so nimmt tlie Mächtigkeit der 
Schichten über dem Erzlager nach Westen zu und beträgt an der 
Mosel 50—100 m, an der Landesgrenze 200 m, in Französisch- 
Lothriiigen noch mehr. Die Mächtigkeit der Minettescliicht selber, 



Die Pfalzburger Mulde 223 

die sieh iiiii' selten teilt, beträgt bis zu 6 m und, da Störungen 
selten sind, gestaltet sich der Abbau sehr einfach. So stieg mit 
der Möglichkeit der Yerwertuug dieser Erze auch die Förderung 
sehr rasch und heute sind an die 20 000 Arbeiter allein im deutschen 
Gebiet in den Gruben beschäftigt, die Förderung beträgt mit über 
20 Millionen Tonnen mehr als ^U derjenigen des ganzen Deutschen 
Reiches. 

Mit dieser Entwicklung gleichzeitig hielt auch die Industrie 
in großem Maßstab ihren Einzug, da es sich als vorteilhafter er- 
wies, die fehlende Kohle hierher zu bringen, als umgekehrt das 
Erz nach den Stätten der Kohlenerzeugung. So ist in den letzten 
Jahrzehnten nördlich von Metz um Hayingen und Diedenhofen 
herum ein großer Industriebezirk erstanden, dem französische bei 
Briey und Nanzig gegenüberstehen. Da die Eisenlager außer- 
ordentlich reich sind, dürfte eine weitere Vermehrung und Ver- 
größerung der Anlagen auch in der Zukunft sicher sein. 



Die Pfalzburger Mulde 

Im Süden liegt an der Pfalzburger Mulde eine Einwölbung des 
Buntsandsteins vor, infolge deren die kahlen Muschelkalkplateaus 
bei Pfalzburg bis auf geringe Entfernung an die Rhein- Biatt 
senke herantreten. Die kräftige Zerschneidung von dort ^^^' ^^^ 
her durch Zorn und Ziesel bringt es mit sich, daß die Übergänge 
zum Saargebiet hinein nach Lothringen nur wenig über 300 m 
Höhe erreichen. So entstand hier eine wichtige Pforte, der Paß 
der Zaberner Steige, die jetzt eine zweigeleisige Hauptbahn und 
der Rhein-Marne-Kanal in gemeinsamem Tunnel überwinden. Die 
alte Feste Pfalzburg, in offenerem Lande Saarburg decken diese 
Durchgänge durch die Randgebirge, die südlich als Vogesen sogleich 
wieder an Höhe (Donon 1000 m) und Breite gewinnen. Hier ging 
der Orientexpreß zwischen Paris und Straßburg durch, ebenso 
der Verkehr von Brüssel und Metz her nach der mittelrheinischen 
Tiefebene. Wenig Bedeutung hat der Wasserverkehr, indem nach 
Straßburg im Jahre etwa .500 000 Tonnen Güter ankommen, nur 
125 000 abei- abgehen. 



224 Südwestdeutsclilaud 



Die Vogesen 

l>ei der liohen Lage der Vog-eseii ist die Zertalung- zur 
niitteli'lieinischeii Senke hin selir stark. Gleichwohl ist auch auf 
Blatt dieser Seite ein System gleichmäßiger Kämme erhalten 
i«s. i«s). 170. gehlieben, die mit Höhen von etwa 1000 m beginnen 
'"■ '^ (Hartmannsweilerkopf 957 m), nach innen in den hoch- 
flächenartigen Grenzkamm übergehen und sich weit nach Westen 
hin verfolgen lassen (s. Taf. XIX)). Sie sind die Reste einer oder 
mehrerer Hochflächen, welche als llumpfebeuen die verschiedenen 
Teile des Baues al)schneiden. Ihre Höhenlage beträgt im Hauptteil 
des Gebirges über 1200 ni, nach Westen sinken sie auf etwa 800 m. 

Der Bau der Vogesen erhält seine Besonderheit durch die 
mächtigen (xranitdurchbrüche, die in das ältere, varistisch gerichtete 
Schichtensystem eindrangen und dassell)e kontaktmetamorph im 
südlichen Teil so weit härteten, daß es widerstandsfähiger wurde 
als der Granit selbst. In den nördlichen Vogesen, einer anderen 
tektonisclien Zone mit reichlichen Gneisen, ist das morphologische 
Wertigkeitsverhältnis umgekehrt. Während hier also der Granit 
herausgearbeitet wurde, bildete das gleiche Gestein im Süden und 
Westen Becken innerhalb der Kontaktzone, die zum Teil mit Rot- 
liegendem ausgefüllt wurden, ehe sich die allmählich sich mehrende 
Schuttmasse als Buntsandstein in geschlossener Decke darüber 
legte. Da das Rotliegende nun wieder weich ist, leben die alten 
Becken der Rotliegendzeit als Ausräumungen wieder auf, über 
welche der Buntsandstein in steilen Tafelbergen aufragt wie z. B. 
bei St. Die. 

Es scheint, als ol» die Hochflächen in alttertiärer Zeit aus- 
gebildet worden wären, zu einer Erosionsbasis hinab, die in den 
oligozänen Konglomeraten ihres Randes heute in etwa 400 m Höhe 
liegt. Eine sjtätere Erosionsphase verraten die Vogesengerölle, die 
übeiail im Schweizer Jura in den Ablagerungen aus miozäner, sogar 
pliocäuer Zeit, resp. dei'en Resten, gefunden wurden. Zur Zeit der dilu- 
vialen Vereisung bestanden die Talanfänge und Täler jedenfalls schon 
in der heutigen Richtung, wenn auch noch nicht derselben Tiefe, das 
beweisen uns die Formen und Ablagerungen dieser Periode. Zahl- 
i'eiche Kare, in denen — z. T. künstlich gestauti; — Seen liegen, 
gliedern die höheren Kämme, die ihre auffällige Rundung („Beleben "- 
Foiiii der Gipfel) der Eiskalotte verdanken, die sie ül)erzog. Von 



Vogesen 225 

hier aus reichten Gletscherzungen in die Täler liinab, vornehmlich 
im Süden und nach Westen hin, wo größere Täler hinausführen. Der 
Riß-Eiszeit zugeschriebene Moränen liegen beispielsweise im Doller- 
tal dicht oberhalb Masmünster, im Tal der Savoureuse bei Giro- 
magnj^ und im Oignontal oberhalb Lure in nur 320 m Höhe. Da- 
hinter folgen dann die viel deutlicheren Würmmoränen, au welche 
die Niederterrassen anschließen. Trotzdem die Talformen im ganzen 
nur wenig glazial umgestaltet sind, verdankt doch auch die deutsche 
Seite des Gebirges einen Teil ihres hohen landschaftlichen Reizes 
den Einflüssen der Vereisung; noch mehr allerdings die französische 
Seite mit den Seen von Gerardmer und Longemer in tiefen, wald- 
bedeckten Tälern. Der dichte Waldschmuck reicht von etwa 600 
bis 1200 m. Tanne, Buche und (seltener) Fichte setzen ihn zu- 
sammen und reichen zusammen als Tannenmeugwald bis an die 
Baumgrenze. Diese ist ein Erzeugnis der Kultur: sie läge an sich 
um etwa 100 bis 150 iii höher, wo die heftigen Stürme der Gipfel- 
region dem Baumwuchs ein Ende bereiten. Geringe Temperaturen 
(Jahresmittel des Großen Beleben, 1424 m: -f- 3,0*^), sehr reichliche 
Niederschläge (2000 mm), davon viel Schnee, machen die Kämme, 
die sich dem herrschenden Westwind quer gegenüberstellen, zu 
einer ungewöhnlich rauhen Landschaft, wenn nicht ein Hochdruck- 
gebiet Temperaturumkehr erzeugt und herrlichsten Sonnenschein 
über die Höhen erstrahlen läßt. 

Um so milder ist es in den Tälern, die gegen die Rheinebene 
sich öffnen. Infolge der absteigenden Bewegung der Luft treten 
Föhnerscheinungen auf, die für Orte, wie Münster und Thann, 
eine erhebliche Erhöhung der mittleren Jahrestemperatur mit sich 
bringen. Als Folge davon geht auch der Weinbau an den Tal- 
mündungen hier höher hinauf als im gegenüberliegenden Schwarz- 
wald lind haben wir um Colmar und Schlettstadt die wärmsten 
Landschaften von ganz Deutschland und zugleich eine der 
trockensten. 

Übergänge über das Gebirge sind sehr spärlich, und nur die 
Straßenbahn des Schluchtpasses überschreitet in 1139 m Höhe 
den Kamm. Fahrstraßen allerdings sind häufiger (Col de l^ussang 
720 m, Col de Ventron 889 m, Bramont-Sattel 958 m, Col de Bon- 
liomme 951 m, Col de St. Marie 753 m, Col d'Urbeis 600 m und 
der Übergang von Saales nach St. Die 560 m). — Zu allen diesen 
Pässen ist der Anstieg von französischer Seite her, wo ebenfalls 
zahlreiche Stichbalinen enden, leicht, von dentscher schwi'i- und 

Bniini. 15 



226 Südwestdeutsclilaud 

steil. Die tielliefiendeu Talorte (Masmünster 410 m, Münster -too m) 
werden von dem nahen Grenzkamm dnrchaus beherrscht, von dem 
ans man. auch ohne die Höhe von 1000 m zu verlassen, bis unmittel- 
bar an den Rand der rheinischen Senke gelangen kann. Wie in 
wenigen anderen Mittelgebirgen sind daher hier in den Vogesen 
Kamm Wanderungen möglich und sehr beliebt. 

Eine eingehende Untersuchung der Siedlnngsverhältnisse 
der Vogesen liegt bisher nur für den ncirdlichen Teil vor, doch 
dürften die Ergebnisse im allgemeinen für die ganze deutsche 
Seite des Gebirges zutreffen. Danach geht die heutige Besiedlung 
des Landes auf die Alemannen zurück, die im 3. Jahrhundert in 
die Täler eindrangen. Die frühere keltische und römische Besied- 
lung ist durch sie ziemlich ganz vernichtet worden und tritt uns 
nur noch in einzelnen Resten (Ringwälle auf den Bergen, wie 
die Heidenmauer auf dem Odilienberg, Höhenwege u. ä.) sicht- 
bar entgegen. Die Alemannen gründeten, wo irgend der Raum es 
zuließ, die ihnen vertrauten Haufencterfer, deren Namen hier meist 
auf -heim endigen, auf -weiler, wo sie sich an eine römische 
Siedlung anschlössen; die Endung -bach scheint einer späteren 
Periode des Vordringens anzugehören. Das fränkische Hofsystem, 
Wohnhaus mit dem Giebel nach der Straße, herrscht in den unteren 
Teilen der Täler vor, während weiter oben das alemannische Ein- 
heitshaus parallel zur Straße steht. Um 600 wurden Klöster und 
Schlösser und Orte neu gegründet und damit die Besiedlung zum 
Abschluß gebracht. 

Im späteren Mittelalter trat bei der Grenzlage des Gebietes 
und den unaufhörlichen Kriegen der Zeit eine Entvölkerung ein, 
worauf eine Neul)esiedlung der höheren Täler von oben her erfolgte. 
Die Romanen schoben die Sprachgrenze zurück und ihre Straßen- 
dörfer mit städtischen Häusern treten in scharfen Gegensatz zu 
den ländlichen Siedlungen der Alemannen. Die Volksdichte, die 
in den schwer von oben her zugäugigen Tälern von unten nach 
oben abnimmt, erfährt dadurch in denjenigen Senken, die einen 
bequemen Übergang gestatten, wie im Breuschtal, bei Markirch u. a. 
eine oft bedeutende Vermehrung. 

Die Vogesentäler sind vornehmlich im Süden stark bewohnt 
und Ort drängt sich in ihnen an Ort, Stichbahnen fühi'en weit 
hinauf. Die hohe wirtschaftliche Blüte beruht auf mancherlei In- 
dustrien, die eingeführt wurden, als der Bergbau zum Erlöschen 
kam. 1111(1 die sich zum T(m1 auf die vorhandenen Wasserkräfte 



Schwarzwald 227 

stützen. Außerhalb der Täler liegen bei der starken Zerschneidung' 
der Kämme auf deutscher Seite nur wenig Orte in Lichtungen, 
oberhalb deren der Waldgürtel sich wieder schließt. In 1000 m 
etwa beginnt er sich wieder zu lichten und es kommt die Siedlungs- 
zone der Hochweiden, der „Wasen" mit ihren Molkereien, die vor- 
nehmlich die Käsebereitung pflegen, z. T. schon im 16. Jahrhundert 
erwähnt wurden. 



Der Schwarzwald 

Wie die Vogesen ist der Schwarzwald, der stark und jung 
zum Rhein hin zerschnittene, äußerste, zum großen Teil kristalline 
Eand des im Osten liegenden Stufenlandes. Über ^^^^^ 
seine Höhen hinweg greift jene, \äelleicht nach i69. no. 17;. 
genauen Untersuchungen noch rekonstruierbare Rumpf- ^'^* *^**' *^^' 
fläche, aus welcher das Stufenland herausgeschnitten ist. In 
ihr Niveau fallen aber wohl nur noch die höchsten Buckel 
des südlichen Teiles. Die heutigen Formen sind aus einem 
welligen, leicht gealterten Rumpf heraus verjüngt, der als 
Folge der oligozänen Verbiegung des westlichen Randes ent- 
stand und damals das mesozoische Vorland mit umfaßte. Die 
später einsetzenden Randverwerfungen trennten Vorland und 
Schwarzwald voneinander und letzterer wurde bis auf das nun- 
mehrige Niveau des Vorlandes hin, d. h. rund 500 bis 600, zer- 
schnitten. Auch diese Formengruppe reifte aus, setzte doch erst 
in der jüngeren Diluvialperiode jene durchgängige Talvertiefung 
ein, die das Rheinniveau bei Basel auf 250, bei Offenburg auf 
150 m sinken ließ und die jetzt mit ihren jugendlichen Formen 
dem Schwarzwald seinen Charakter verleiht. 

Es ist noch nicht möglich, in der Gliederung der Flächen 
des Schwarzwaldes die verschiedenen Gruppen derselben vonein- 
ander zu trennen. So unterscheidet die beiliegende Karte (Taf. XX) 
im Schwarzwald nur Hochflächen und Verjüngungsformen. Während 
letztere — von Talterrassen und Stufen abgesehen — wohl in sich 
einheitlich sind, umfaßt der als Hochfläche ausgeschiedene Raum 
sicherlich Formen zweier verschiedener Entwicklungsreihen, die bei 
näherer Untersuchung wohl zu trennen sein werden. 

Deutlich tritt auf der Karte der große Gegensatz hervor, der 
zwischen den westlichen und den östlichen und nördlichen Teilen 
des Gebirges besteht. Im Westen die große Unregelmäßigkeit, 

15* 



228 Südwestdeutsclilaud 

tiefe Zerschueidiuig-, Hochflüclienstücke und Buckel, im Osten 
gleichmäßige Hocliflächeu, die mir dort tief und jung-, al)er doch 
viel spiirlicher zerschnitten sind, wo das Rheinsystem mit seiner 
nahen tiefen Erosionsbasis ü])er das Donausystem - Donau- 
eschingen 700 m! — den Sieg davon trug. Im Westen stark ver- 
streute Besiedlung, Wald und Weiden in buntem Wechsel, im 
Osten geschlossene Dörfer, große Waldeinsamkeiten neben weiten 
Feldflächen. 

Der kristalline Schwarzwald ist recht mannigfach gebaut. Er 
enthält ähnlich wie das Erzgebirge im Untei'bau durch lujektion 
feurig-flüssiger Massen (Schapbachgneise) ebenfalls zu Gneisen um- 
gewandelte Sedimentmassen. Im Norden, Osten und Süden treten 
dann große Granitmasseu auf, die z. T. in große Ergüsse von 
Quarzporphyren übergehen. So bleibt von den dem alten Gebirge 
angehörigen Sedimenten nur ein schmaler Streifen übrig, der von 
Badenweiler aus nach Osten reicht, dunkle Gesteine, Tonschiefer, 
Grauwacken, Konglomerate u. ä., die dann im Oulmgebiet von 
Lenzldrch noch einmal auftreten. 

Dieser bunte Bau macht sich in der feineren Ausgestaltung 
der geschilderten Hochflächen und mehr noch der Talhänge wohl 
bemerkbar, indem die karbonen Sedimente dunkle steile Hänge 
bilden, die kristallinen Gesteine zu Felsbildungen neigen. Im 
großen und ganzen aber sind diese Unterschiede nicht so sehr 
auffällig. Die höchsten Gipfel im Süden gehören teils den Schap- 
bachgneisen an wie Feldberg (1493 m) und Schauinsland (1284 m), 
teils auch dem Granit wie der Beleben (1414 m) bei weitem die 
schönste Bergform des südlichen Schwarzwaldes, der Blauen (1165 m) 
bei Badenweiler und der Hochfirst oberhalb Neustadt (1188 m). 

Nur wenig ist über die Anlage des Gewässernetzes des kri- 
stallinen Schwarzwaldes bekannt. Dem Alter nach ist es jeden- 
falls nicht weiter zurück anzusetzen als in die Zeit während und 
nach der raudlichen Verbiegung im Oligozän, denn um die Mündung 
der heutigen größeren Täler liegen auch die größten Massen der 
oligozänen Konglomerate und die Juranagelfluh des mittleren 
Miozän wurde von den gleichen südwärts gerichteten Flüssen auf- 
geschüttet, die heute noch senkrecht auf den Rhein zu oder ihm 
entgegen fließen, wie Alb, Wehra, Wiese, Kander. Im einzelnen 
mögen tektonische Vorgänge eine Rolle gespielt haben, v^ie es für 
das Tal der großen Wiese und das Dreisam- und Elztal bei 
Frei bürg wahrscheinlich ist. 



Schwarzwald 229 

Einen gToßen Teil seiner hohen weit bekannten landschaft- 
lichen Reize verdankt der kristalline Schwarzwald den Wirkungen 
der dilu^dalen Vereisung-; der Schneeanhäufung- standen hier weit 
größere Flächen zur Verfügung als in den Vogesen. Daher läßt 
sich liier eine ältere Vereisungsphase, während welcher ein Inland- 
eis die Höhen deckte und abrundete, von jüngeren trennen, bei 
denen (xletscher von alpinem T3'pus in die Täler liinabreichten, 
sie be'ckenförmig ausarbeiteten und hinter ihren Endmoränen Seen 
zurückließen, wie Titisee und Schluchsee. Die Entwässerung 
wurde in andere Bahnen gelenkt und schuf junge enge Täler, wie 
das bekannte Höllental, durch welches jetzt eine mchtige Bahn 
das Plateau bei Hinterzarten erklimmt. 

Wegen seiner starken Zerschneidung bietet der westliche 
Schwarzwald den Siedlern nicht so große, leicht zu besetzende Flächen 
dar, wie andere Mittelgebirge. So liegt auch die älteste Siedlung, die 
heute noch allenfalls kenntlich ist, die Keltenstadt Tarodunum, auf 
einer Terrasse in der Dreisamweitung oberhalb Freiburg. Die 
Römer änderten wenig am Siedlungsbild und auch die Alemannen 
blieben zunächst (-ingen Orte) dem Inneren des Gebirges fern. 
Die Kolonisation und Rodung des höheren Schwarzwaldes begann 
erst nach 500 unter dem Einfluß weit vorgeschobener Klöster 
(1093 St. Peter in 722 m Höhe, 1095 Alpirsbach 433 m, dessen 
Kirche erhalten ist, 1125 St. Margen in 890 m Höhe) und wurde 
nach etwa 1200 durch den aufblühenden Bergbau sehr beschleunigt, 
der hauptsächlich am westlichen Rand seinen Sitz hat („ Erzkasten'' 
südlich Freiburg). Mit seinem Niedergang im 16. Jahrhundert ver- 
mehrte sich die landwirtschaftliche Bevölkerung des Schwarzwaldes 
stark, da es Brauch war, daß die Bergleute ilire Ersparnisse in 
Grundbesitz anlegten. 

Das hier durch den Bergbau und auf den östlicheren Hoch- 
flächen durch Glasmacher stark verwüstete Land, das seines Wald- 
kleides zum großen Teil beraubt war und dessen Äcker nichts 
einbrachten, konnte seine starke Bevölkerung nur dadurch behalten, 
daß diese sich der Hausindustrie zuwandte. Die Uhrmacherei, 
später im Süden Textilindustrie, hielten ihren Einzug und machen 
die hohen Dichteziffern auch höherer Teile des Gebirges verständ- 
lich. In Dörfern und Einzelhöfen und in allen, Zwischenformen 
der Besiedlung ist die Bevölkerung über das Gebirge verteilt, stark 
abhängig von dem Raum, der sich bot. So ist das normale 
Haufendorf selten, häufiger schon das Waldhufendorf, das sich im 



230 Süd Westdeutschland 

Tal entlang- zieht. Die locker gestellten Dörfer St. Märg-en, St. 
Peter und Breitenan l)ilden dann den Übergang" zu den weit ver- 
breiteten Weilern und den Zinken, wo die Häuser in loser Reihe 
im Schutz einer Hohlform des Geländes stehen, oder den Einzel- 
höfen, deren wundervolle Hausformen weit bekannt g-eworden sind. 
Sie sind eine Umbildung des Alemannenhauses mit Rücksicht 
auf die rauhen klimatischen Zustände des hohen Schwarzwaldes, 
gegen die das weit hinabgezogene Strohdach, wie es sich vornehm- 
lich im Hotzeuliaus des Hotzenwaldes nördlich Säckingen erhalten 
hat, schützen soll. Eine lang andauernde Schneebedeckung (am 
Feldberg 200 Tage) ist die Regel im südlichen Schwarzwald, aber 
gerade dann, wenn sie einmal sich gebildet hat, herrschen infolge 
der häufigen Temperaturumkehr in den Höhen Sonnenschein und 
am Tage milde Temperatur, während dicker Nebel die kalten Niede- 
rungen deckt. So blüht auf den Hochflächen immer noch trotz der 
Höhenlage der Ackerbau und wer durch die herrlichen Waldungen 
der steileren Talliänge emporgestiegen ist, sieht sich oft noch in 
1000 m Höhe weiten waldlosen, felderbedeckten Flächen gegen- 
über, auf denen einzeln oder in Gruppen die Höfe der Siedler 
verteilt sind, in denen vielfach auch noch die Industriemaschinen 
klappern. 

In lebhafterem Aufblühen befinden im südlichen Schwarzwald 
sich nur die Orte des Wiesentales, die zum Wirtschaftsgebiet von 
Basel gehören wie Lörrach und Freiburg, auf dem Schuttkegel 
der Dreisam 1120 gegründet. Deutlich hebt sich in seinem Grund- 
riß der Stadtkern heraus, bei dessen Anlage noch nicht die Regel- 
mäßigkeit der späteren Gründungen im Osten erreicht wurde. Weit 
umrahmen ihn heute Vorstädte, Arbeitersiedlungen und Kasernen im 
Westen, Universitätsanlagen im Norden und im Osten und Süden 
die beliebtesten Wohnlagen, z. T. sich hoch am Schloßberg empor- 
ziehend, von wo man den schönsten Blick auf das herrliche 
Münster, das dem Lärm der Hauptstraße entzogen abseits steht, 
gewinnt. 

Einförmiger ist der sedimentäre Schwarzwald, besondei's dort, 
wo er zur Donau hin entwässert, die bei Donaueschingen 680 m 
hoch liegt. Mit der Zone der Gäu's und dem schwäbischen Jura 
spitzt er sich nach Süden hin zu und endet bei Waldshut juit oft 
bewaldeten Hochflächen, durch w^elche hindurch die Bäche im 
Granit noch enge Täler einschneiden. Weit springt hier die 
(irenze des Kantons Schaffhausen vor und unmittelbar an ihr 



Scliwarzwald 231 

entlang erklimmt die strategische Bahn in Hochgebirgsbahn-artigen 
Schlingen vom Rhein aus die Höhe der Donau. 

Im Norden gewinnt der nördliche Schwarzwald erst etwa in 
der Gegend von Freudenstadt seinen eigenartigen Charakter. 
Außer der Schwarzwaldbahn, die von Offenburg ausgeht, erschließen 
nur kurze Stichbahnen wie die von Rastatt und die Albtalbahn die 
bedeutenderen Täler, die eigentümlicherweise mehrfach von der 
politischen Grenze in ihrer Mitte quer geschnitten werden. 

Die bedeutendste Talsiedlung ist Baden im Oostal, wo am 
Rande großer Granitmassen wieder ein kleiner Rest der alten 
sedimentären Gesteine des Schwarzwaldes, Carbon, und darüber 
Rotliegendes mit Porphyren auftreten, von Spalten durchsetzt, au 
welchen die Thermen mit Temperaturen von nahezu 7(»" zutage 
treten. Der Siuterkegel zieht sich au der nördlichen Talseite vom 
Römerplatz nach dem Marktplatz hinauf: hier, unterhalb des Neuen 
Schlosses, finden wir die alte Siedlung, während im Oostal entlang 
das Weltbad sich ausdehnt und eine Fülle von Wegen und Einzel- 
häusern die ganze Umgebung in einen weit ausgedehnten Park 
verwandelt. Merkur (670 m) und Hohenbaden (564 m) schützen im 
Norden den Kessel gegen rauhe Winde. 

Zuerst in einzelnen Fetzen, dann mehr und mehr geschlossen, 
überdeckt im nördlichen Schwarzwald der Buntsandstein das Ginind- 
gebirge. In der Zone der Emmendinger Vorberge ist er auch 
abgesunken in größerer Verbreitung erhalten. Der Tafelberg wie 
die Hornisgrinde (1164 m), oft mit einem Kar im Osteu, weiter 
außen einförmige Tafeln beherrschen hier die Landschaft. Sie wird 
da abwechslungsvoller, wo die Flüsse durch die Decke hindurch in 
das Grundgebirge einschneiden. Dann schiebt sich auf weite 
Strecken hin eine wellige Platte zwischen die Wände des Bunt- 
sandsteins und die steilen Talhänge ein: der frei gelegte Rumpf 
aus dem Ausgange des paläozoischen Zeitalters, also eine außer- 
ordentliche alte Landform. Die Besiedlung ist liier viel geringer 
als im südlichen Schwarzwald. Sie knüpft sich wesentlich an die 
tief eingeschnittenen Täler und nur vereinzelte Rodungen sind bis 
jetzt von Norden und Osten her in die ungeheuren Wälder ein- 
gedrungen, welche an der Grenze von Baden und Württemberg 
geschlossen Tal und Hölien überziehen (Blatt 169, 170). 



232 Südwestdeutscliland 

Der Kraichgau 

Die Wäldei- teilen sich, wo über den Buntsandstein der Muschel- 
kalk sich legt, und im Kraichg-au erreicht die fruchtbare Zone der 
Blatt. Gäu's, die den Schwarz wald im Osten begleitet, die 
ic.i. 170 Rheintalsenke, während der Schwarzwald mit Tafel- 
bergen, wie der Mauzen -Berg- Gruppe (758 m) endet. Auch der 
Kraichgau ist wie die anderen Gäu's eine ziemlich ebene Muschel- 
kalkplatte, auf der in dünner Decke Schichten des unteren Keuper 
auflagern. Der Untergrund ist in einzelne Schollen zerlegt, über 
welche die OberfLäche hinweggreift, so daß nur der Rand gegen 
die mittelrheinische Senke hin einigermaßen scharf ist. Der Steins- 
Berg südlich Sinsheiui ist mit 3.38 m eine vulkanische Kuppe, ein 
Härtling-, von dessen Höhe sich ein ausgezeichneter Überblick bietet. 

Die Täler sind zum Rhein — hier etwa 100 m hoch — und 
zum Neckar — • bei Heilbronn 1.50 lu — tief eingeschnitten und wenig- 
stens erstere im Unterlauf kurz vor der Senke steiler als oben, 
welches Gefäll von einer g:roßen Menge Mühlen benutzt wird. 

In dem ganzen Gebiet trat seiner lehmigen Decke wegen der 
Wald seit den ältesten Zeiten ziemlich stark zurück und zahlreiche 
große -ingen und -heim Orte verraten die schon früh dichte 
Besiedlung der Täler, der Hauptzugstraßen ; später drangen Ort- 
schaftsgründungen in die Nebentäler und im 13. Jahrhundert auch 
auf die Hochflächen vor. Bedeutende Entwicklung hat dann aller- 
dings keiner der Orte genommen, obwohl mehrere wichtige Bahnen 
von Durlach, Bruchsal und Heidelberg aus die Täler des Kraich- 
gaues in west(')stlicher Richtung durchziehen. Das Stromberg- 
Plateau (s. S. 256) teilt die Wege und leitet die nördlichen zur Ver- 
einigung auf Heilbronn zu, die südlichen nach Pforzheim und 
Mühlacker. Pforzheim liegt an der (xrenze zwischen Kraichgau 
und Schwarzwald in einem subsequenten Tal am Fuß der Muschel- 
kalkschichtstufe, welche den Wart- Berg im Nordosten der Stadt 
bildet, während im Süden dunkel bewaldete, frisch grüne Bunt- 
sandsteinhänge ansteigen. Aus dem Gewirr der Ziegeldächer heben 
sich die Buntsandsteinmassen der Kirchen und öffentlichen Ge- 
bäude, die z. T. am steilen Abfall liegen, der vom Bahnhof zum 
Enztal hinab zieht. Die Stadt ist industriell, die fünf hier zu- 
sammen laufenden Bahnlinien gestatten Dezentralisation der 
Arbeitersiedlung und \'erbindnng der Industrie mit Landwirtschaft 
in ein und dersell)eu Familie. 



Kraichgau. Odenwald 233 

Der Odenwald 

Nördlich der Kraichgau-Seuke steigt der waldbekleidete Buut- 
sandstein im Köuigstiilil bei Heidelberg rasch zu 566 m Höhe au; 
aber schon wenig weiter nördlich kommt unterhalb des Biatt 
Weißen Steins in 400 m Höhe das kristalline Grundgebirge ^^'^ ^^^ 
heraus und nur nach Nordosten hin gewinnt der Bundsandstein an 
Ausdehnung. So entwickelt sich hier ein ganz ähnliches Bild wie es 
der nördliche Schwarzwald zeigt: den kristallinen Odenwald überzieht 
eine Rumpffläche, über der sich im Osten mit Höhen von über 500 m 
die Buntsandsteinstufe erhebt, die zu weiten Hochflächen hinauf- 
führt, die von dem alten Yulkan des Katzenbuckel mit 626 m Höhe 
überragt werden. Der Unterschied gegenüber dem Schwarz wald 
besteht wesentlich in der weit stärkeren und tieferen Zerschneidung, 
die sich hier findet, wo auch die Rückseite des Gebirges der Ero- 
sion des tiefliegenden Rheingebietes zugängig ist. 

Mau hat wie beim Schwarzwald die ganze Hochfläche des kristal- 
linen Odenwaldes vor ihrer Zerschneidung als die permische Rumpf- 
fläche, entstanden vor Ablagerung des Rotliegenden deuten wollen, 
auch die Weschnitzsenke sollte derselben bis zur oberen Grenze 
der jugendlichen Täler hinab (d. h. bis etwa 220 m) schon angehört 
haben, doch sind diese Fragen wohl noch nicht spruchreif. Der 
steile Anstieg des Granits südlich der Weschnitzsenke und die 
oberhalb folgenden doch recht großen Hochflächen in über 500 m 
Höhe sprechen entschieden gegen diese Auffassung. 

Durch die Weschnitz-Gersprenz-Senke und die zahlreichen 
das Bergland von allen Seiten her aufschließenden Täler wurde 
die Besiedlung in hohem Maße gefördert, so daß der alemannischen 
Besiedlungsperiode hier schon eine ganze Reihe von Orten im 
Innern des Gebirges zugewiesen werden muß, wie Weschnitz, 
Gersprenz und viele, deren Namen mit -au endigen, an denen 
z. T. die Römer Kastelle hatten wie bei Schlossau, Würzberg. 
Die eigentlich dichtere Besiedlung des Landes, die das heutige 
Bild der vielen kleinen Ortschaften geschaffen hat, geschah in der 
zweiten der Arnold'schen Perioden, -bach ist hier eine besonders 
häufige Namenendung dieser Zeit. Für die Rodezeit, in der sich seit 
800 geistliche Einflüsse sehr geltend machten, blieb nicht mehr viel 
übrig, nur hier und da wurde noch sei es im Tal sei es auf den 
Höhen eine Siedlung eingeschoben (Kloster Steinbach 821 u. a.). 
Die Formen, in denen sich die Besiedlung vollzog, wechseln uiul 



234 Südwestdeutscliland 

sind bei der geringen Größe der einzelnen Plätze nicht immer 
leicht zu erkennen. Straßendorf und Waldhufendorf überwiegen, 
doch kommen auch echte Haufendr»rfer vor wie Fränkisch-C'rum- 
bach, Fürth, Rumbach, Lindenhals u. a., Beerfelden auf der Bunt- 
sandsteinhochfläche. Die Häuser der Orte und der ebenfalls nicht 
seltenen einzelneu Höhe zeigen fränkische Formen mit dem Giebel 
nach der Straße und bestehen aus Fach werk auf niederem Sockel. 
Zahlreiche bauliche Reste der einzelneu Siedlungsperioden wie die 
der römischen Kastelle, wie die Einhard-Basilika in Steinbach, die 
aus gleicher Zeit stammende Kirche von Seligenstadt, die fränkische 
Torhalle zu Borsch, die Gotthardskirche bei Aniorl)ach, die vielen 
Burg-en und Schlösser berichten dem kundigen Beobachter noch 
heute viele Züge aus der bunten Geschichte des reizvollen Landes. 
Gegenüber dem landwirtschaftlichen Inneren, wo nur einige 
Orte im Mtimlingtal wie Michelstadt mit seinem eigentümlichen 
hölzernen Rathaus als lokale Zentren sich stärker entwickelt haben, 
sind die Randorte, vornehmlich der Bergstraße, lebhaft aufgeblüht. 
Im Inneren hat seit den 80 er Jahren des vei'flosseuen Jahrhunderts 
mancher Ort durch die lebhafte Steinindustrie neues Leben ge- 
wonnen, deren Hauptfirma in Lindeufels ihren Sitz hat. Ausgangs- 
punkt der Entwicklung dieser Industrie waren die berühmten 
Felsenmeere das kristallinen Odenwald, riesige Blockhaldeu wie 
z. B. am Felsberg bei Reichenbach oberhalb Bensheim, am schwersten 
verwitternde Granitblöcke, die an solchen Stellen dadurch sichtbar 
werden, daß zwischen ihnen der Granitgrus fortgespült ist. Das 
Material, das sie dem Steinbruchbetrieb Ijoten, war naturgemäß 
sehr ungleichwertig und so konnte die Industrie erst festen Fuß 
fassen, als si(^ mit auswärts ausgebildeten Methoden das Gestein 
der Berge unterhalb der Verwitterungsdecke selbst anpackte; gegen- 
wärtig beschäftigt sie mehrere Tausend Arbeiter. 



Der Spessart 

Im Spessart verschwindet das für den Odenwald noch so wich- 
tige Grundgebirge bis auf ein geringes Vorland zwischen Aschaf- 
Biatt fenburg und Gelnhausen. Tief zerschnittene Hochflächen, 
139. 140. die oft über 500 m hoch liegen, während die Täler auf 
161.101' jgQ^ 2QQ j^^ eingefurcht sind, schneiden flach w^ellen- 
förmig gelagerte Schichten der verschiedenen Horizonte der Ikint- 
sandsteinformation ab. die sich nach Südosten hin senken und süd- 



Spessart 235 

lifli des Main und der fränkischen Saale von dem Muschelkalk] and 
der Gäuzone überlag-ert werden. Geschlossener Wald (90 °/o der 
Fläche) und zwar vorwiegend Laubwald deckt auch hier die Höhen 
und die Täler und jede einzelne Siedlung steht inmitten ihrer 
eigenen Lichtung. Im Inneren herrschen Waldhufendörfer vor, 
deren gesamte Flur von einer rohen Mauer umgeben war, die 
einerseits dem Bauern das Betreten des Waldes verwehren sollte, 
andererseits seine Felder und Wiesen vor dem Wild schützte. Die 
Rodung hat nicht immer die ..Feldmauer" oder „Wildmauer'' er- 
reicht, dieselbe zieht vielmehr meist, in Resten noch heute kennt- 
lich, im Walde entlang. 

Der erste Besiedluugsvorstoß gegen das Innere erfolgte im 
kurmainzischen Herrschaftsgebiet im 13. Jahrhundert und war 
etwa 13<S0 abgeschlossen. Noch weiter in die Waldungen waren 
damals nur Jagdschlösser wie Rothenbuch, Rohrbrunn und Wiesen 
vorgeschoben, aus denen erst im 18. Jahrhundert Dörfer wurden. 
Inzwischen kam aber die Besiedlung auch der (istlichen und nörd- 
lichen Teile dadurch zum Abschluß, daß vom 15. bis 17. Jahr- 
hundert eine Reihe Glasmachersiedlungen in die Wälder vor- 
geschoben wurde (Emmerichsthal, Frammersbach. Heigenbrückeu, 
Heinrichtsthal, Jakobsthal, Neuhütten, Kahl, Krommenthal, Rechten- 
bach, Rupperthütten, Weibersbrunn, Wiesthal). 

Es finden sich also vom Rande gegen das Innere folgende 
ursprügliche Siedlungstypen vor: randlich das Gebiet der großen 
Haufendörfer mit Gewannfluren und anschließend die Waldhufen- 
dörfer. In den Waldungen die Weiler und kleinen Dörfei' der Um- 
gebung der Jagdschlösser und die Industriedörfer mit kleiner Flur. 

Über diese letzteren brach im 18. Jahrhundert eine wirtschaft- 
liche Krisis herein, als der Wald verwüstet war und Holz zu wert- 
voll wurde, um zur Glasmacherei verwandt zu werden. Als Ersatz 
wurden damals von Kurmainz Eisenhammerwerke angelegt, die sich 
auf die vorhandenen Wasserkräfte und Arbeitskräfte der Glasmacher- 
dörfer stützten. In Form von Einzelsiedlungen wurden sie über 
die Täler verstreut — heute ebenfalls alle stillgelegt, seit andere 
Verfahren die Eisenherstelluug beherrschen. Die mit dem Rück- 
gang der Industrie immer stärker fühlbar werdende Übervölkerung 
der inneren Teile, wo der karge Boden nicht genügt, ließ gegen 
Ende des 19. Jahrhunderts die Spessartbewohner zu einer Arbeiter- 
reserve dei' stark industriellen Umgebung werden. Teils zog 
Heimindustrie ein, die in Asch äff enburg ihren Mitteli)unkt hat, 



236 Süd Westdeutschland 

teils Zügen die Spessartiiiänner des lunereu als Wanderarbeiter 
über die Woche oder noch länger nach Frankfurt, Offenburg usw., 
einen periodischen lebhaften Verkehrsstroni erzeugend, der Rahn- 
bauten förderte. 

Noch aber sind im äußeren Bild der Ortschaften nicht alle 
Spuren der alten schlechten Zeiten überwunden und bestimmte 
Hausformcu, Wohnräume über dem Stall, zeugen von der einstigen 
Bedrängtheit im inneren Teil, während außen die Hofanlage vor- 
herrscht. 

Größere Orte von altberühmter Ivultur liegen am Main wie 
Miltenberg, andere erblühten an den das Bergland durchschneidenden 
wichtigen Verkehrswegen wie Aschaffenburg an der Linie Darm- 
stadt — Würzburg, Gelnhausen im Kinzigtal, in dem die vStrecke 
Frankfurt — Bel)ra, von der die Zweige dann nach Berlin und Ham- 
burg ausstrahlen, zum Paß von Schlüchtern und Elm über den 
Landrücken in 570 m Höhe ansteigt, der bisher mit Hilfe einer 
Spitzkehre gewonnen, jetzt aber untertunnelt worden ist. Eben 
dahin steigt eine wichtige Linie vom Maintal hinauf, welche den 
Anschluß von München her vermittelt. 



Die mittelrheinische Senke 

Zwischen all diesen hier kurz geschilderten Gebirgen erstreckt 
sich eine meridional verlaufende Senke, in die hinein die Gebirgs- 
vorländer sich ausdehnen und in deren Mitte sich in erd- 
139. 150. 151. gei^chichtlich jüngster Zeit ein Fluß gesammelt hat, der 
iGo. 161. itjs». einem schmalen Streifen des großen Tieflandes seinen 
"' i's'ö ^ eigenen Stempel, den der großen Stromebene, auf- 
gedrückt hat. 

Die Entwicklung der Oberflächenformen der Senke und ihrer 
Umgrenzung ist nicht so einfach, wie man sich das in früherer 
Zeit vorzustellen liel)te. als man die in der Tat großartige Einfach- 
heit der großen. Züge des rheinischen Baues erkannte. Jetzt, wo 
nunmehr aus sehr verschiedenen Teilen dieses Streifens genaue 
geologische Spezialaufnahmen vorliegen und wo im Untergrund 
sich überaus i-eiche Schätze zeigten, deren Erschließung zahlreiche 
Bohrungen galten, wird man sich langsam darüber klar, daß in 
dieser scheinl)ar so einheitlichen Senke doch sehr verschiedene 
Obcrflächeiifoi-men auftreten, von denen das mächtige menschliche 



Mittelrheinische Senke 237 

Leben, das diesen Streifen durchströmt, sehr verschiedenartige 
Impulse erhält. 

Die Ausbildung der großen Senke begann im älteren Tertiär. 
Aus ihrer ganzen Umgebung sind eozäne Landbildungen, Verwit- 
terungsdecken mit Säugetierresten u. ä. bekannt, die den jurassi- 
schen Kalken unmittelbar auflagern und uns den langen ungestörten 
Festlandszustand während der Kreidezeit vor Augen führen. Die 
gleichen Ablagerungen, die heute in den Randzonen der Senke 
einige hundert Meter hoch liegen, sind an ihrem Boden im Sund- 
gau in 90 m, im südlichen Elsaß in über 700 und in 1000 m Tiefe 
erbohrt worden, bei Straßburg in 700 m Tiefe und tauchen im 
Norden wieder auf. 

Im unteren Ohgozän beginnt die Einbiegung der Senke, stark 
im Süden und Südwesten, viel schwächer im Norden, so daß zu- 
nächst ein Bild entsteht, wie es die Jordansenke in Palästina 
bietet. Von den umliegenden Höhen her wird Schutt in grober 
und feiner Form in die Vertiefung hineingeführt, es lagern sich im 
Unter -Oligozän im Elsaß über 200 m Konglomerate und Mergel 
mit Pflanzenresten ab. Das Klima scheint dann trockener geworden 
zu sein und im unteren Mittel-Oligozän folgen die ersten Steinsalz- 
lagen mit Konglomeraten und Mergeln, dann Kalisalze; auch das Meer 
scheint im Oberelsaß ganz vorübergehend einmal eingetreten zu 
sein. So bilden sich im Oberelsaß über 900, im Unterelsaß, wo 
Petroleum in diesen Horizonten vorkommt, etwa 500 m Sediment, 
ein Hinweis darauf, daß die Abtragung im Umland der Senke nicht 
gering gewesen sein kann. Im Beginn des oberen Mittel-OKgozän 
erfolgt dann eine allgemeine Transgression des Meeres, welches 
von Westen her eintretend die ganze Senke überschwemmt, nach 
Norden, wenn auch in geringer Tiefe, in die hessische Senke, nach 
Süden in den Jura übergreift. Es entstehen im Becken über 200 m 
Septarienton und seine Äquivalente. Fischschiefer usw., an der 
Basis (Alzeyer Meeressand) und randlich mächtige Konglomerate 
und Sandsteine, die Zeugen einer wiederbelebten Erosion der Flüsse 
und vom Meer an seinem Ufer verteilt, stellenweise mit deutlicher 
Diskordanz zur Unterlage (Letzenberg bei Ingersheim). 

Im Ober-Oligozän ist diese marine Phase bereits im wesent- 
lichen vorbei, der Norden und Süden der Senke gehen in ihrer 
Entwicklung wieder auseinander. Im Mainzer Becken entwickeln 
sich in der Beckenmitte tonige, randlich kalkige Seichtwasser- 
und Süßwasserablagerungen wechselnder Mächtigkeit, die etwa in 



238 Siidwestdeutscliland 

der Linie \VeißenV)urg--Kailsruhe uacli Süden hin die Seuke tiueren. 
Im Unter-Elsaß sind iintermiozäne Schichten nicht bekannt, im 
Kalig'ebiet des Südens sind sie als ,.Süßwasserzone" in Form 
bunter Merg-el mit Kalksandsteinen über 300 m mächtig- zum 
Absatz gekommen und ragen als Tülling-er Kalk bei Basel 460 m 
über den Meeresspiegel auf. 

Damit schließt die Schichtenserie in der Rheintalseuke fast ganz 
ab und die Deutung der Vorgänge wird schwieriger. Im mittleren 
Miozän bildet das Gebiet trotz vorangegang-ener erneuter Bruchphase 
jedenfalls gegenüber dem Meeresspiegel damaliger Zeit, dessen Lage 
im Tafeljura bei heute 600 m bekannt ist, eine Erhöhung, sind doch die 
Ablagerungen von Flüssen bekannt, die aus dem Bereich der heutigen 
Senke nach Süden hin flössen. Diese Ablagerungen sind groben 
Kornes und verraten die dem Wiederaufleben der tektonischen 
Bewegungen folgende erneute Abtragung. Ebenfalls ist ein Fluß- 
system aufgefunden worden, das ungefähr gleichzeitig nach Norden 
hin über den Rumpf des Schiefergebirges hinweg floß. Von einem 
Rhein kann jedoch in damaliger Zeit noch nicht die Rede sein, die 
Becken innerhalb der Senke bestanden jedes für sich. Das gilt 
auch noch für das Pliozän, die Zeit der lüeseloolithschotter, der 
Dinotheriensande und Klebsaude im Norden und der (jüngeren) 
oberelsässischen üeckenschotter im Süden. Im älteren Diluvium 
erst wendet sich der Rhein nach Norden und von da an machen 
sich alpine Gesteine, Radiolarienhornsteine, in den Schottern des 
Rheinischen Schiefergebirges bemerkbar. 

Noch nicht aufgehellt ist die Entwicklung der Senke im Dilu- 
vium. Im Süden bei Basel Hegen die ältesten Deckenschotter zu 
Oberst und die Niederterrassenschotter zu tiefst direkt auf Tertiär. 
In der Gegend von Karlsruhe überdecken die Niederterrassenschotter 
die älteren Bildungen, die an ihrer Basis unter den Meeresspiegel 
hinuntergehen, seitlich al>er in 150 m Höhe erhalten sind. Im 
Mainzer Becken sind am Main Äquivalente der Hochterrasse be- 
kannt („Isenburger Terrasse" 120 m). auch am Taunusrnnd liegen 
sie wieder über der Niederterrasse (Mosbacher Sande u. ä.) 

Es sind nach dem Gesagten noch in der Diluvialperiode nach- 
weisbare tektonische Verschiebungen eingetreten, welche dit- z. T. 
so tiefe Lage der Schotter verursachen. Es findet eine doppelte 
'{'errassenkreuzung im Längsverlauf statt: die Hochterrasse liegt 
bei Basel 30 m über der Oberfläche der Niederterrasse, bei Landser 
schneidet sie sie und bei Straßburg liegt sie 20 — 25 m tiefer, nach 



Mittelrlieinische Senke 239 

Norden hin kehrt sich dann wieder das Verhältnis um. Einheitlich 
und durchgehend scheint somit nur die Niederterrasse und ist sicher 
das Alhivium entwickelt. Der Niederterrassenschotter ist in einem 
Tal abgelagert, das zu dem Untergrund der Senke und ihren tieferen 
oder flacheren Teilen in gar keiner Beziehung steht. Von der 
Erosion dieses Tales und seiner Zuflüsse von rechts und links sind 
bald hier, bald dort größere Tafeln verschont geblieben, die in sich 
recht kompliziert gebaut sind, Tertiär und älteres Diluvium in 
wechselnder Mächtigkeit enthalten. Es kehren also im Prinzip 
ähnliche Verhältnisse wieder wie in Norddeutschland, wo auch die 
Talbildungen und Aufschotterungen der jüngsten Vereisung kom- 
plizierte früher einheitliche Flächen in wechselnd große und mannig- 
fach angeordnete Teile zerlegen. 

Das Niederterrasse nfeld ist aber selbst keineswegs ein- 
heitlich. Im Süden quillt es als breiter Schuttkegel aus dem 
zwischen Mülhausen und Müllheim sich öffnenden Rhein tal heraus, 
mit dem auf der Linie Mülhausen — Colmar von links her die noch 
heute wachsenden, meist sehr öden (Ochsenfeld) Schuttkegel der 
südlichen Vogesenflüsse zusammenstoßen. Die stärkere Auf- 
schüttung des stärkeren Stromes drängt dabei die 111 als Sammel- 
ader der Vogesenbäche nach Norden hin ab. Die Terrasse und 
die Schuttkegel sind hier trocken und zum großen Teil mit Wald 
bedeckt. 

In der Linie Colmar — Breisach ändert sich das. Rechts- 
rheinisch ist die Niederterrasse in der Freiburger Bucht zertalt 
und von jüngeren, feuchten Schuttkegeln, aus denen nur einzelne 
trockne Stücke herausragen, an der Oberfläche ersetzt. Den 
gleichen Zustand finden wir bis südlich von Rastatt; auf der 
ganzen Strecke herrschen feuchte Niederungen mit Auenwäldern 
vor, aus denen einzelne Hügel, scheinbar der zerschnittenen Nieder- 
terrasse angehörig , aufragen. Der Wasserabfluß ist überall ge- 
hemmt uud Moorbildung häufig. Linksrheinisch tritt das 
trockne Land in die Linie Colmar — Schlettstadt — Benfeld — Erstein 
zurück, welcher auch die Bahn folgt, während rechts und links 
von dieser Zone weite nasse Niederungen liegen, die nur in der 
Zone etwas höherer Rheinaufschotterungen, welcher die Kleinbahn 
von Colmar nach Straßburg folgt, kultiviert und dort allerdings 
sehr dicht besiedelt sind (Endungen der Ortsnamen meist auf 
-heim). 



240 Südwestdeutsclilaud 

Nördlicli Stmlibiirg- bleil)t das Oberflächenbikl das gieiche: am 
Rhein entlang- ein etwas höherer Streifen trockenen Landes, dem 
eine der Hanptbahnen folgt, dann das große Eied der Zorn. Von 
Westen her entwickeln sich große, der Niederterrasse äquivalente 
Scliuttkeg-el, unter deren Einfluß der Strom nach rechts abg-edräugt 
wird. Sie sind waldbedeckt und mit steilem Rand gegen die 
Alluvialniederung- abgesetzt. Bei Stollliofen, 14 km südlich Rastatt, 
tritt dann auch rechtsrheinisch wieder das erste größere Niedei'- 
• terrassenfeld auf, das sicli nun ziemlich geschlossen, nur hier und 
da von Rinnen durclischnitten rechtsrheinisch bis in die Breite 
von Darmstadt und linksrheinisch bis Oppenheim am Rheinhessischen 
Plateau hinzieht. Der Schuttkegel des Neckar mit der Spitze in 
Heidelberg und die von demselben ausgehenden Rinnen zmschen 
Niederterrasse und Odenwald sind gegenüber der ersteren ein- 
gesenkt, also jünger, alluvialen Alters. Der Schuttkegel ist trocken, 
die Rinnen feucht und moorig. Sie münden bei Groß-Gerau — 
Trebur in die alluviale Rheinniederung-. Hier sind wir schon im 
Bereich des großen Main-Schuttkegels. 

Dies eben beschriebene Niederterrassenfeld l)ildet die 
höheren Teile einer großen Stromebene, die zwischen den er- 
w^ähnten Aufschüttungen, Lößplatteu, Vorbergzonen usw. hindurch- 
zieht. Das Verhalten des heutigen Rheines zu dieser seiner 
Aufschüttung ist verschieden; bis dicht unterhalb Basel schneidet 
er das liegende Tertiär an, ein Vorgang, der durch die wasser- 
bauliche Verbesserung des Abflusses in meßbarer Weise beschleu- 
nigt wurde. Von dort an bis nördlich von Straßburg schüttet 
er in einem Tal auf, das in die Niederterrasse um einige Meter 
eingesenkt ist; noch weiter nördlich ist er ausgeglichen und be- 
schreibt in der alluvialen Niederung regelmäßige Mäander mit 
Seitenerosion, soweit dieses nicht durch den Strombau verhindert 
wird. Dieses Verhalten regelt den Grundwasserstand der l^ngebung, 
von dem die größere oder geringere Brauchbarkeit derselben für 
den Menschen abhängt. Wo der Rhein eingeschnitten ist, wie 
namentlich im nördlichen Teil der Senke, da liegt der Grundwasser- 
spiegel tief, da ist die Umgebung trocken, es kommt zur Dünen- 
l)ildung, während feinerer Staub verweht wird, ähnlich wie der 
Jjiiß der Diluvialzeit aus dem Flußschutt in kalten trocknen Peri- 
oden ausgeblasener Staub ist. Im Süden, wo der Fluß auf- 
schottert, hemmt er den Al)fluß der Xebeuliäche, an denen daher 
ausgedehnte Vei-sumpfungen entstehen wie das Ried bei Schlett- 



Mittelrheinische Senke 241 

Stadt, das Ried oberhalb Geispolsheim, das unterhalb Straßburg, 
die Riede von Schuttern und Renchen in Baden u. a. In der 
Gegend des Sundgaues wird es dann wieder trocken. 

Das scheinbar so einförmige nnttelrheinische Tiefland gliedert 
sich nach dem Ausgeführten in eine Reihe wohl unterscheidbarer 
Landschaften. An die Bergländer rechts und links und im 
Süden schließen sich die Vorplatteuzonen an, die teils Auffüllung 
sind (Rheinhessisches Plateau, Teile des Sundgaus), teils oligozäne Ab- 
tragungsflächen mit tertiären Auflagerungen wie das Dinkell)erg- 
plateau, die Schwarz wälder Vorberge, Vogesen -Vorberge und das 
Zaberner Gebiet. Dem folgen aufgefüllte und wieder lieraus- 
schnittene Tafeln „Lößplatten" vom Tj^pus der lößbedeckten Lauter- 
burger Platte, deren Oberfläche 80 m über dem Rhein liegt, zu 
dem sie mit deutlichem Rand abgesetzt ist. EinheitKch durchzieht 
diese Landschaftsformen dann, sie bald hier bald dort berührend, 
aber ganz unsymmetrisch, das Niederterrasseufeld mit den jüngsten 
Rhein-, Neckar- und Mainläufeu. die in der ganzen Ausdehnung 
der Senke schon von weitem an den begleitenden Pappeln kennt- 
lich sind. 

Die Vorbergzouen und namentlich die „Lößplatten" sind die 
eigentlichen Träger der Besiedlung der mittelrheinischen Senke 
und in dichter Fülle mit Haufendörfern bedeckt, die sich teils 
ziemlich gleichmäßig über die Fläche hin verteilen wie im Zaberner 
Gebiet (Blatt 169) und im Mainzer Plateau (Blatt 150), teils mehr 
an die durchschneidenden Flüsse geknüpft sind wie in dem nie- 
deren Teil der Rheinpfalz (Blatt 160). Es sind dies die blühend- 
sten Landschaften der rheinischen Senke, innerhalb deren dann 
wieder diejenigen Orte zu größerer Bedeutung erwuchsen, die 
günstig zu dem gebirgigen Hinterlande lagen wie Zabern, Landau, 
Neustadt, Mülhausen und Müllheim im Süden. 

Das räumlich so viel weiter ausgedehnte Niederterrasseufeld 
bietet lange nicht so günstige Verhältnisse für die Ansiedluug dar 
als die eben geschilderten trocknen und doch so fruchtbaren, immer 
waldarm gewesenen Landschaften. Hier lockte aber in späterer 
Zeit die Stromnähe und die weite, Stadtgründungen günstige Fläche 
zahlreiche Siedlungen an, die sich nun diejenigen Stellen aus- 
suchten, an denen der alluviale Talboden um ein geringes in die 
diluviale Niederterrasse eingesenkt ist. So säumen lange Reihen 
großer Dörfer wieder das „Hochgestade" (Blatt 151, 185). Im 
nördlichen Teil, wo der Rhein freie Mäander bildet, sind durch die 

Braun. 10 



242 Südwestdeutschland 

Weiterentwicklimg derselben viele Orte vom Fluß abg-ekoiuineu, 
der den Hals einer Schlinge durchbrach wie z. B. Biblis, andere 
Blatt wie Stockstadt liegen jetzt an toten Armen und der 
151 Verkehr zieht an ihnen vorbei, manche sind auch „wüst" 
geworden. Zwischen den dichter bewohnten Stellen und Streifen 
auf dem Niederterrassengel)iet aber liegen noch ungewöhnlich 
große, ganz unbewohnte „Hardt"-Waldungen, so der oberelsässische, 
der über 30 km lang ist, der Hagenauer Forst, der 15:10 km 
große Bien-Wald bei Weißenburg und die Waldungen in der 
unteren Main-Ebene. 

Die zahlreichen großen Städte des Gebietes gehören sonst alle 
der Niederterrassenzone an und suchen immer engeren Anschluß 
an den Fluß zu gewinnen. Sie ordnen sich leicht einigen größereu 
Gruppen unter: das linke ßheinufer säumt die Reihe der Römer- 
städte, die am Taunus und in der Wetterau auch weit nach Osten 
hin übergreifen; von ihnen sind Mainz, Straßburg und Basel zu 
größter Bedeutung gelangt. Die rechtsrheinischen Großstädte, von 
Frankfurt abgesehen, sind durchweg jüngere Gründungen, die alten 
Orte liegen am Gebirgsrande und sind zu Mittelstädten hinabgesunken. 

Den Bömerstädten allen eignen gewisse gemeinsame Grund- 
züge, die es rechtfertigen wenn wir hier dieselben gemeinsam in 
erster Reihe behandeln. Sie liegen alle linksrheinisch, haben gute Yer- 
kehrslagen, zeigen im Inneren oft noch sehr deutlich im Straßennetz 
den römischen Kern und haben jenseits des Rheines einen be- 
festigten Brückenkopf. Bei Mainz ist der ältere Kern kaum kennt- 
lich, weil die spätere Stadtanlage nur einen Teil der mehrfach ver- 
legten römischen Lager im Südwesten der Stadt und der späteren 
römischen Stadt, die zwei Jahrhunderte in Trümmern lag, umschloß 
und da die Stadt am Ende des 30-jährigen Krieges wieder halb ent- 
völkert und zerstört war. Innerhalb des Festungswalles (der 1656 bis 
1850 ausgebaut wurde, dessen letzter Rest die Zitadelle ist) zerfällt 
die Stadt in zwei Hälften, die durch die Große Bleiche voneinander 
geschieden werden: im Norden die Neustadt mit ihrem regelmäßigen 
Straßennetz, im Süden die Altstadt mit ihrem Gassengewirr und 
ihren prächtigen Baudenkmalen. Die Entwicklung der als Festung 
stets bedeutenden Stadt ist angesichts der schöner oder günstiger 
gelegenen Nachbarn wie Wiesbaden und Frankfurt keine sehr 
glückliche, hat sie doch auch einen Teil des ihr von Süden zu- 
strömenden Verkehrs an Bingen abgeben müssen, das jetzt ein 
IJalmknoten erster Ordnung ist. 



Mittelrheinische Senke. Städte 243 

Weiter südlich sind Worms imd Speyer am Hochgestade des 
Rheines reich an Erinnerungen an ihre früh mittelalterliche Blüte, 
heute freilich nach schweren Leiden im 30jährigen Krieg und dann 
wieder bis auf den Grund verheert bei den französischen Ein- 
brüche nur in sehr ruhiger Entwicklung begriffen. Straßburg 
(Taf. XXXII) dagegen vermochte die Gunst seiner Lage voll aus- 
zunutzen, führen doch die wichtigen Übergänge nach Lothringen 
und durch den Kraichgau nach Osten hier zusammen. Die Stadt 
liegt in der Rheinniederung am Rand der 145 m hohen Schiltig- 
heimer Terrasse, die aus sandigem Löß über Vogesenschottern 
besteht, die sich ihrerseits an die 180 bis 190 m hohe ..Löß- 
platte" anlehnt, auf deren Oberfläche ansteigend man zum Zaberner 
Gebiet gelangt. Dank der in historischen Zeiten langsam er- 
folgten Bodenauffüllung liegt heute die innere Stadt auf einem 
deutlich erkennbaren Buckel, der in der Gegend des Münsters 
144 m Höhe erreicht, während sonst in der Umgebung der Stadt 
die Niederung nur 138 m hoch liegt. Dieselbe wurde ursprüng- 
lich von einem Gewirr von Flußarmen überzogen, in dem sich 
Breusch, 111 und Rhein vereinigten, alle aufschotternd und zahl- 
reiche Inseln umfließend, jetzt alle teils zu friedlichen Kanälen 
umgewandelt, teils verschüttet und verwachsen. 

Im Stadtplan der Altstadt Straßburg hebt sich sogleich die 
südöstliche Ecke heraus, die durch ihr sich rechtwinklig schneiden- 
des, wenn auch nicht immer regelmäßiges Straßennetz auffällt. 
Es liegt hier in der Tat das römische Lager, die spätere Königs- 
stadt der Merowinger vor, deren Mauer im Nordosten dem Lezay- 
Marnesia-Staden folgte, am jetzigen Statthalterpalais nach Süd- 
westen umbog, dann bis zum Neukirchplatz zwischen Broglie- und 
Brandplatz verlief, von dort über den Schneidergraben den Ulmer- 
graben erreichte, an der Steinmetzgasse umbog und im Zuge der 
Kalbsgasse wieder den Staden erreichte. Im Südwesten dieses 
ältesten Stadtkernes entwickelte sich um die alte nach Westen 
führende „Oberstraße" (jetzt Lange Straße und Weißturmstraße) 
eine neue fränkische Ansiedlung mit von dieser Hauptstraße seit- 
lich ausstrahlenden Gassen. Auch dieser Stadtteil wurde schon 
früh (im 10. Jahrhundert nach von Borries) durch einen Wall oder 
Mauer gesichert, die etwa an der Münstergasse an die ältere 
Mauer ansetzte und von dort südlich der Meisengasse zum Eisernen 
Manns-Platz lief, dort längs des Gerbergrabens zur 111 abbog; die 
Befestigung scheint recht schwach gewesen zu sein. Vor dieser 

16* 



244 Südwestdeutschland 

Mauer erwuchsen wiederum neue Ansiedlung-en , so Alt St. Peter 
im Westen, Jung St. Peter im Norden, St. Nicolai im Süden u, a., 
die bei verschiedenen Kämpfen so litten, daß die Stadt sich zu 
Anfang des 13. Jahrhunderts zu einer erneuten Befestigung ge- 
ncitigt sah, die nunmehr die ganze Altstadt umschließt. Sie schloß 
am Judcnturm (heute Theater) an die römische Mauer an, lief am 
Stadtgraben entlang bis zn den gedeckten Brücken, griff im 
Süden über die 111 hinüber und lag dort im Zuge der Straße auf 
den Eisgruben, hinter dem Hospital, dann der Gartengasse, der 
kleinen Metzgergasse, über den Waisenplatz zur Züricher Straße, 
die über einem Wasserarm liegt, und erreichte die 111 wieder am 
Güldenturm. 

Im 14. und 15. Jahrhundert wurde es wiederum nötig die 
Vorstädte durchgreifend zn schützen, nachdem man sich l)is dahin 
mit einzelnen vorgeschobenen Wachttünnen und Schanzen geholfen 
hatte. 1374 — 1390 wurde im Nordwesten eine Mauer ausgebaut, 
die oberhalb der gedeckten Brücken begann, durch die Eosheimer 
Straße den Bahnhofring erreichte, den Ringstraßen bis zum Stein- 
ring folgte und von dort längs des Dreizehnergrabens den alten 
Stadtgraben erreichte. Im 15. Jahrhundert wurde die Ummauerung 
der Krutenau (im Südosten gegen die Zitadelle hin gelegen) fertig 
und damit hatte die Stadt im wesentlichen den Umfang erreicht, 
den sie bis Ende des 19. Jahrhunderts bewahrte. Diese Um- 
mauerung wurde im 16. Jahrhundert mit Bastionen ausgebaut und 
erhielt 1682 — 84 zur Verstärkung im Südosten die Zitadelle an- 
gegliedert. Diese Befestigungen waren es, die 1870 der deutschen 
Belagerung erlagen. Mit 1880 beginnt die Umbildung von Straß- 
burg zur Hauptstadt des Reichslandes und zur modernen Groß- 
stadt, die neben die allmählich sehr einheitlich gewordene Altstadt 
ganz n(^ue Viertel legte. 

Am Anfang des 19. .lahrhunderts kamen die Kanäle, in seiner 
Mitte (1841 Straßburg— Basel, 1851 — Saarburg) war die Bahn 
gekommen und von Norden her bis in die Gegend der jetzigen 
Marktlialle in die Stadt eingeführt worden, dadurch die Orientierung 
der Verkehrslinien in der Altstadt verändernd. Der Hauptbahnhof 
von 1878—82 rückte wieder mehr in die Gegend der Weißturm- 
straße, des alten Weges zum höheren Lande im Westen. Doch 
bleibt gleichw^ohl die Lange Gasse vom größeren Verkehr gemieden, 
den Kleber-Platz und Broglie-Platz anziehen und nach dem neuen 
Straßburg liinüber leiten, das sich mit (iffentlichen Gebäuden, der 



Mittelrheinische Senke. Oberelsaß 245 

Universität und den Wohnvorstädteu daliiu entwickelt, wo 111- 
abwärts nach 1880 die Umwallung' am weitesten hinausgeschoben 
wurde. Diese Umwallung- liegt wie ein enger Gürtel noch fest 
um Alt- und Neustadt herum; außerhalb aber entwickelt sich das 
industrielle und arbeitende Straßburg teils nach Norden hin in der 
Richtung auf Schiltigheim, teils nach Nordosten zwischen 111 und 
Rhein , als Ruprechtsau, teils nach Süden in dem Vorort Neudorf. 
Gegen Kehl hin ist auf der Sporen-Insel der neue Rheiuhafeu an- 
gelegt, den auf der badischen Seite die noch weit größeren An- 
lagen dieses Ortes ergänzen. 

Südlich Straßburg wird die in der Pfalz und im Unterelsaß 
so breit entwickelte Landschaftsform der Lößplatten ganz an den 
Gebirgsrand zurückgedrängt: in der Niederung treten neben 
schmalen Hochgestadestreifen große A^ersumpfungen auf und alles 
Organische ist gezwungen sich dieser Anordnung zu fügen. Der 
Rhein-Rhone-Kanal folgt dem Streifen trocknen Landes, der zunächst 
dem Rhein verläuft, den bis Markolsheim auch Kleinbahnen an 
Straßburg anschließen. Die Hauptstrecke durchquert südlich 
Grafen staden das kultivierte Ried und folgt dann der Nieder- 
terrassenzunge aufwärts nach Schlettstadt, über dem sich die stolze 
Hohkönigsburg erhebt. Immer am Gebirgsrande entlang wird das 
Ried umgangen und die alte Reichsstadt Colmar erreicht, die ihren 
Charakter im Inneren überraschend gut bewahrt hat. Bis nach 
Rufach folgt die Strecke dem Gebirgsrande, um dann in der 
Richtung auf Mülhauseu zu die großen seitüch verwachsenen 
Schuttkegel der Vogesenflüsse zu passieren, welche die 111 im 
Osten randlich da sammelt, wo sie an die ein klein wenig höhere 
Niederterrasse des Rheines anstoßen. 

Auf dieser Strecke mrd das seit einigen Jahren neu er- 
schlossene Kaligebiet des Oberelsaß gequert und schon von der 
Bahn aus sieht man überall die neuen Schacht- und Bohranlagen. 
Die kalisalzführenden Schichten — es werden ein oberer und ein 
unterer Horizont unterschieden — lagern in einer NNO — SSW 
streichenden Mulde zwischen den Orten Meienheim im Biatt 
Norden, Battenheim im Osten, Lutterbach im Süden, ^^*- ^^'^ 
Sennheim und Bollweiler im Westen ; südlich von Ungersheim ragt ein 
kalisalzfreier Rücken von Norden hinein; sie liegen im Norden am 
tiefsten (etwa — 870 m) im Süden höher (Witteisheim — 470 m) und 
werden seit 1910 in etwa 660 m Tiefe bei 5 m Mächtigkeit ab- 
gebaut. 



246 Südwestdeutschland 

Es haben diese Entdeckimg-eu und Aulag-eii weiter zu dem 
großen Aufschwung- von Mülhauseu beigetragen, mit weh'her 
Stadt das einheitliche Wirtschaftsgebiet am oberen Ende der mittel- 
rheinischen Senke beginnt, dem Mülhausen um so mehr angehört, 
als es lange eine scliweizerische Stadt war, die erst 1798 zu 
Fraukrcich übertrat, als wirtschaftliche Gründe ihr das geraten 
erscheinen ließen. Doch blieb der Ort, dessen Blüte auf seiner 
Textilindustrie beruht, klein, bis er 1871 an das Deutsche Reich 
überging und nun nach zwei Grenzen hin zu vermitteln hat. Der 
Hauptteil der Stadt mit engen winkligen Gassen liegt in der 
Niederung der 111 an dem trotz der Gebirgsnähe stagnierenden 
Wasser des kleinen Rhein-Rhoue-Kanals. Nach Norden hin breitet 
sich die Arbeitervorstadt aus, nach Süden ziehen sich jenseits des 
Bahnhofes Villenstraßen an dem Hang des sundgauischeu Tafel- 
landes empor. 

Der Sundgau in morphologischem Sinn ist ein Tafelland von 
400 m Höhe, in das steilwandige Täler um 100 m eingeschnitten 
sind. Jurassische und tertiäre Kalke bilden den Grundbau, 
Schotter des Rhein, die in f\)rm eines mächtigen nach Westen 
geneigten Schuttkegels abgelagert wurden, die Decke, die 
oberflächlich meist in einen zähen Lehm verwittert ist. Von 
Nordwesten her haben die Vogesenbäche ihre Schuttkegel 
zwischen einzelne stehen gebliebene Tafellandstücke vorgeschüttet. 
Ihnen eilen die Juraflüßchen entgegen und beide vereinigen 
sich als Larg und 111 in dem Tal, welchem der Rhein -Rhone- 
Kanal folgt. 

Die lehmige Decke hat vornehmlich im Grenzgebiet zu starker 
Versumpfung gerade der Höhen geführt. Die Besiedlung ging von 
den Tälern aus, und noch decken Greuzwälder als Grenzsäume die 
Hochflächen der einzelnen Riedel zwischen den gerodeten Tälern. 
Die auf den Höhen liegenden Orte sind denn auch gewölinlich sehr 
ärmlich, Verkehr und Industrie sind an die Täler geknüpft. Über 
die Höhen aber führen die Römerstraßen mit schnurgeradem Lauf 
wohl erhalten, wenn auch heute vielfach verödet, soweit sie nicht 
auch später als Verkehrswege dienten und dann Einzelsiedlungen 
hervorriefen wie Drei Häuser, Neue Häuser bei Nieder -Müspach 
und Alte Post bei Knöringen. Im allgemeinen waltet die Dorf- 
form vor, die älteren p]inheitshäuser in Fachwerk stehen mit dem 
Giebel nach der Straße und haben einige Nebengebäude, die einen 
verkümmerten Wirtschaftshof bilden. Diese durchaus deutschen 



Mittelrheinische Senke. Sundgau 247 

Formeu der von einem weiten Obstbaumkranz umgebenen Dörfer 
reichen bis an und in das unmittelbare Grenzgebiet hinein. 

Der einzige größere Ort der Landschaft, Altkirch, in male- 
rischer Lage am lU-Berge, verdankt seine Blüte dem Vorkommen 
praktisch unerschöpflicher Lager von tertiären Tonen, die mit 
diluvialem Löß gemischt ein hervorragend gutes Material für Ton- 
waren und Ziegel abgeben. 

Söhon nördlich Mülhausen schiebt sich zwischen die Orte an 
der 111 und die am Rhein der unbewohnte Hart-Wald ein. Jen- 
seits desselben und seiner nördlichen Verlängerungen liegen mehrere 
Orte, die wegen ihrer früheren Grenzlage Festungen gewesen sind 
und z. T. den dadurch bedingten Charakter noch heute nicht ab- 
gelegt haben. Im Norden gehört Schlettstadt hierher, dann Neu- 
Breisach und schließlich Hüuingen ganz im Süden unweit der 
Landesgrenze. Hier ist wieder eine römische Befestigung zum 
Kern einer Stadtanlage geworden, zum Kern von Basel, heute 
ein blühender Stadtstaat, dem nur aus den Eigentümlichkeiten 
seiner Grenzlage mancherlei Schwierigkeiten erwachsen. 

Basel ist eine derjenigen Städte, deren Grundplan man nur ver- 
stehen kann, wenn derselbe mit Isohypsen versehen ist (Tai. XXXIII, 
Abb. 1). Dann treten die Grundzüge der Lage klar heraus: Groß- 
Basel liegt auf der hier 275 m hohen, 25 m über dem Eheinspiegel 
befindlichen Xiederterrasse an derjenigen Stelle, an welcher ein Jura- 
flüßchen, die Birsig, von Süden her ein Tal eingeschnitten hat, das 
etwa 20 m tiefer liegt als die Terrassenfläche. Dieses Tal wendet 
sich in der Gegend des Barfüßerplatzes aus nordöstlicher Eichtung in 
nordwestliche und schneidet dadurch aus der Terrasse einen Riedel 
aus, von dem es auf der einen Seite steil zum Rhein, auf der 
anderen steil zur Birsig hinunter geht. Dieser Riedel trägt die 
älteste Siedlung, das römische Kastell, von dem allerdings ober- 
flächlich nichts mehr zu sehen ist; er ist jetzt, dem Verkehr ent- 
rückt, eine Art Akropolis mit dem Münster, Regierungsgebäudeu, 
Museen, der Universität und Instituten. An seinem Fuß folgen die 
Hauptgeschäftsstraßen der Stadt der fast ganz überwölbten Birsig, 
über der die Post steht, der Marktplatz sich ausdehnt, in der 
Richtung auf die mittlere, älteste Rheinbrücke zu. Jenseits steigt 
man steil durch stille, sehr altertümliche Viertel wieder empor 
zur Terrassen fläche mit neuerer Bebauung. 

Deutlich erkennbar im Zug der Straßen der Stadt sind die 
früheren Umwallungen und P>weiterungen. Im 11. Jahrhundert 



248 Südwestdeutschlaiul 

entstand jeue Befestigung, auf deren Resten die inneren „-graben"- 
Straßen angelegt sind, Albangraben usw., die sofort durch ihre 
Breite und Gestrecktheit auffallen. Außerhalb der Ummauerung lag 
oberhalb am Rheinufer damals nur das St. Albankloster. F]nde 
des 13. /lahrhunderts schon erfolgte die zweite Stadterweiterung 
und Ausbau einer neuen Befestigung, deren Spuren im Stadtbild 
noch viel deutliclier hervortreten als die der älteren Linie. Sie 
reichten vom Albantor oberhalb — wo noch ein Rest mit einigen 
Türmen erhalten ist — ül)er die Alban -Anlagen, Aeschengraben, 
Steinengraben, Schützengraben zum Spalentor und zogen von dort 
längs der Kliugelbergstraße zum St. Johanntor am Rhein, das auch 
noch steht. Schon dieser Teil der Stadt ist nur weiträumig be- 
baut und enthält gioße Gärten; alles aber, was noch weiter außen 
liegt, ist der (lürtel der Einfamilienhäuser mit kleinen Gärten, wo- 
durch die Stadt eine ungewöhnlich große Ausdehnung gewinnt. 
Große Güterbahnhöfe, zwischen denen der Zentralbahnhof die 
elsässischen, schweizerischen und badischen Linien in sich ver- 
einigt, begrenzen die Stadt im Süden und Nordwesten, jenseits 
derer das Gundeldinger Quartier bebaut ist und die Stadt sich 
schon anschickt den Rand des Bruderholzes zu ersteigen. Industrielle 
und Hafenanlagen aber suchen in Groß-Basel die Nähe der Landes- 
grenze und ziehen sich daher mehr und mehr rheiuabwärts und 
nach St. Ludwig hin. 

Anders in Kl ein -Basel. Dasselbe liegt auf dem Schuttkegel 
der Wiese in etwa 260 m Höhe ohne irgend erhebliche Terrain- 
unterschiede, ist daher auch viel regelmäßiger gebaut. Während 
sonst am Rhein die rechtsrheinischen Brückenköpfe von dem Haupt- 
ort getrennte kleine Vorstädte blieben und es z. T. noch heute 
sind, faßt hier am Ende der Senke eine Stadt gewissermaßen den 
Verkehr und die Bedeutung beider Seiten zusammen. Im 13. Jahr- 
hundert umgab sich Klein-Basel nüt einer Befestigung, die bis 
zum Klaragraljen nordostwärts reichte, in der Klingenthalstraße 
und der Riehentor- Straße an den Rhein unterhalb und ol)erhalb 
ansetzte und an ihm dann entlang zog. Die nächste Erweiterung 
im 14. Jahrhundert war gering: sie schob die Maner rheinaufwärts 
bis an die jetzige Wettstein -Brücke vor (wo noch Reste stehen), 
rheiuabwärts bis zum Klingenthalgraben. Begünstigt durch die 
leicht zu beherrschendem und doch großen Wassermengen der 
Wiese hielt hier in Klein-Basel die Textil- und Färberei-Industrie 
ihivn Kinzim- uiul verleilit diesem Stadtteil noch heute seinen 



Mittelrheinische Senke. Basel 249 

Charakter, der im Straßenleben und in der Bauweise der Häuser 
stark zum Ausdruck kommt. Hier endet im Badisehen Bahnhof 
die rechtsrheinische Linie und entwickelt sich das südbadische Netz, 
dessen Zentrum Basel ist, wenn auch die „strategische Bahn'' 
eine (St. Ludwig — -Htiningen — Leopoldshöhe — Lörrach) Umgehung 
erlaubt. Hier schließen sich die volkreichen Orte im unteren 
Wiesental wie Lörrach an, hier die Nachbarorte der rheinischen 
Senke wie Weil, Leopoldshöhe, Haltingen u, a., oberhalb 
Grenzach und Wylen, in denen überall die gleiche Industrie 
getrieben wird, während im Warenhandel ein ebenso ständiger 
intensiver Austausch zwischen Stadt, Vororten und Land besteht 
wie nach der elsässischen und schweizerischen Seite hin, der durch 
ein sich dauernd ausdehnendes Netz elektrischer Bahnen lebhaft 
befördert wird, denen der Rhein bei Äugst die Kraft liefert. In 
kurzer Zeit wird auch der Bhein nach Regulierung der Strecke 
zwischen Kehl und Basel der Großschiffahrt erschlossen sein, die 
jetzt schon in günstigen Jahren 100000 Tonnen Güter stromauf 
bringt. Nach Anlage der dann erforderlichen großen Häfen wird 
der eigenartige Charakter dieses einheitlichen Wirtschaftsgebietes, 
dem viel Industrie, viel Spedition und viel Bankverkehr seinen 
Stempel aufdrücken, noch schärfer hervortreten und es wird eine 
Aufgabe der Zukunft sein eine Form zu finden, die geeignet ist 
die hemmenden Einflüsse der Zollgrenze und der politischen Grenze 
zu mildern. 

Oberhalb Basels ist der Rhein die Grenze zwischen dem 
Deutschen Reich und der Schweiz. Nachdem das Tal beim 
Greuzacher Hörn die Flexur des Schwarzw^aldrandes passiert hat, 
die sich nach Süden hin fortsetzt, zieht es oberhalb im Streichen 
der Schichten dahin, der Rhein um mehrere Meter in die Nieder- 
terrasse eingeschnitten, gelegentlich wie bei Laufenburg Auf- 
ragungen des Grundgebirges dort anschneidend, wo er das Bett, 
das er vor Ablagerung der Niederterrasse inne hatte, nicht wieder- 
gefunden hat. Die kleinen Städtchen mit reich bewegter historischer 
Vergangenheit haben durch die Grenze und den mächtigen kraft- 
reichen Strom neues Leben gewonnen. Die Industrie stützt sich 
z. T. auf das Vorkommen von Salzlagern in der Anh3^dritgruppe 
des Muschelkalkes in etwa 100 m Höhe über dem Meere oder 150 
bis 200 m unter der Oberfläche der Niederterrasse, die vielfach 
ausgebeutet werden (Saline Schweizerhalle bei Pratteln, die Saline 
von Rheinfelden u. a.). Der Rhein zieht brausend im engen Bett 



250 Südwestileutscliland 

dahin, so\v(3it er nicht durch Kraftwerke gestaut ist, und ist gegen- 
wärtig nur bis llheiufeldeu schiffbar, während in früherer Zeit ein 
reger Verkehi' nach Ziiiich hin l)estand. 

Im badisclien Oberland bis nach Freiburg hin ist die 
Bi'eitenentwickhing der mittelrheinischen Senke nur gering, die 
Vorbergzone tritt am Jsteiner Klotz ))is unmittelbar an den Rhein 
heran. (Einstige Lage der Hänge zur Sonnenbestrahlung, günstiger 
Boden und eine fleißige Bevölkerung brachten das Markgrällerland 
zu einem auf dem Weinbau beruhenden ungewöhnlichen Wohlstand. 
In der Freiburger Bucht (vgl. S. 230) löst sich im Tuni-Berg ein Teil 
der Vorbergzone ganz vom Schwarzwald ab und wird vom Kaiser- 
stuhl überragt, in dessen Inneren dank der Abtragung wieder auf- 
geschlossen. Noch erreicht der dicht bewohnte Bergstock, an dessen 
Hängen ein feuriger, schwerer Wein wächst, 560 m absolute und 
nahezu 400 m relative Höhe, ist aber doch nur ein nahezu un- 
kenntlicher Rest der einstigen Vulkangruppe, die sich, wie die 
Untersuchung der Limburg bei Sasbach zeigte, einst viel weiter 
nach Westen hin erstreckt hat. 

Auf der badischeu Seite wiederholen sich dann die gleichen 
Erscheinungen wie auf der elsässischen , nur daß die Lößplatten 
mit ihrem so viel günstigeren wirtschaftlichen (Jharakter gegen- 
über dem Niederterrassenfeld ganz fehlen. Die bedeutenderen Orte 
schließen sich an den Schwarzw^aldrand an, von dem sich nur 
die alte Festung Rastatt mit ihrem riesigen roten Schloß auf 
dem Murg-Schuttkegel gelegen entfernt. Karlsruhe als künst- 
liche Gründung vom Beginn des 18. Jahrhunderts mußte dem 
Geschmack der Zeit entsprechend vom Gebirgsrand weichen, der 
hier überdies schon von Durlach eingenommen war. Die Stadt liegt 
auf der Niederterrasse; sie ist nach radial -strahligem Grundriß 
erbaut, in dessen Mitte der Schloßturm sich erhebt, füllt aber 
mit ihren älteren, z. T. wenig anmutenden Straßen nur einen 
Teil der südlichen Kreishälfte aus. Sie ist etwa seit den 60er 
Jahren des verflossenen Jahrhunderts industriell geworden und 
entwickelt sich jetzt nach Westen zum neuen Rheinhafen bei 
Mühll)ui'g, der 1901 den älteren bei Maxau ersetzte. Der Verkehr 
in ihm erreicht 900000 Tonnen, vorwiegend Zufuhr von Holz 
und Getreide. Ebenso entstehen neue Stadtteile nach Süden zum 
Hauptl)ahnliof uiul nach Osten gegen Durlach hin. So reicht von 
Maxau bis Durhicli eine geschlossene Siedlungsreihe vom Rhein 
zum (;('birg(!, ein einheitliches Wirtschaftsgebiet, in dem kräftiges 



Mittelrheinisclie Seuke. Badisclie Seite 251 

Leben überall zu spüren ist und das doch dank dem fürstliclien 
Willen, der gewissermaßen eine Hälfte der Stadt von der Bebau- 
ung- frei licält, auch der Erholung in leicht erreichbarer Waldesstille 
eine Stätte bietet. Kingsum liegen reiche Dörfer mit hoch auf- 
ragenden Kirchtürmen und einförmig sich längs der Straßen an- 
einander reihenden Gehöften fränkischer Form mit Fachwerkbauten. 
Außer Getreide und Gemüse gedeihen Mais und Tabak. 

Um Karlsruhe beginnen wieder große Wälder, in deren Lich- 
tungen die Dörfer eingebettet sind. Die Hauptbahn teilt sich und 
führt als strategische Linie direkt nach Mannheim, ciatt 
während der Hauptpersonenverkehr nach dem Norden ^^^ 
und Osten bis 'Durlach gemeinsam läuft und sich dort in die 
Strecken nach Pforzheim und Heilbronn und die nach Heidelberg 
teilt. Bei Heidelberg wird das Niederterrassenfeld des Rheines 
durch den wohl ausgebildeten Schuttkegel des Neckar eingeengt, 
der sich mit seinem fruchtbaren Boden über sie legt und mit 
großen Dörfern besetzt ist. An seiner Spitze liegt schmal ins Berg- 
tal hineingestreckt Heidelberg, dem jetzt der Raum zu enge 
wird und das daher nach der Ebene liiu sich weitet. 

Unweit davon ist an der Neckarmündung eines der größten Ver- 
kehrs- und Ortschaftszentren der mittelrheinischen Senke erwachsen, 
Mannheim mit Ludwigshafen, Rheiuau usw. Die Stadt Mannheim 
ist nach völliger Zerstörung im 17. Jahrhundert gegen Ende des- 
selben neu im regelmäßigen Schachbrettschema, umgeben von den 
Ringstraßen, gegründet worden und nahm im 19. Jahrhundert erst 
den jetzigen Aufschwung, als der Rhein wieder in seiner Bedeutung 
als Schiffahrtsstraße erkannt und wirtschaftlich frei wurde. Mann- 
heim und linksrheinisch Ludwigshafen war lange Zeit Endhafen 
für den regelmäßig befahrbaren Teil des Stromes und errang 
somit seine Bedeutung als Umschlag[)latz insonderheit für Kohle 
(Rheinauer Hafenanlagen) und Getreide. Es hat dank der Industrie, 
die sich hier angesiedelt hat, diese Stellung auch zu behaupten 
vermocht, obwohl die Schiffahrt jetzt weiter hinauf geht, und hat 
einen Verkehr von über 10 Millionen Tonnen jährlich in der ganzen 
Hafengruppe. Der Blick von der Rheinbrücke abwärts ist denn 
auch imposant und findet fast nur in Seehäfen seinesgleichen. 

Nordwärts ändert sich wiederum der Charakter der badischen 
Seite der Seuke. Neben den in das Niederterrassenfeld eingesenkten 
feuchten Mäanderstreifen des Rhein mit seiner bogenförmigen An- 
ordnung von Wald, Kulturen, Verkehrswegen usw. tritt im Osten 



252 Süd Westdeutschland 

jenseits der großen Wälder ein ähnlicher Streifen, der dem Neckar 
seine P^ntstehnng verdankt. Die Ortschaften sind auch hier groß, 
ihrc^ Dichte aber gering; erst am Kand des Odenwaldes, an der 
blühenden Bergstraße reihen sich die kleinen, altertümlichen, be- 
haglichen Städtchen dicht aneinander, bis nördlich Zwingenberg 
die Ausläufer des Berglandes mehr und mehr unter den Sandeu 
der großen Rhein -Mainebene verschwinden. Hier ist am Rande 
niedriger Hügel Darmstadt mit unbedeutendem alten Kern als 
Residenz nach schweren Leiden im .30jährigen Krieg und der 
Franzoseuzeit seit 1800 etwa emporgekommen. Seiner großen 
A'erkehrsbedeutung tragen die neuen Bahnlanlageu im Nordwesten 
der Stadt Rechnung, bei denen freilich der Hauptbahnhof weit ab, 
gewissermaßen in die Einsamkeit der Nadelwälder der sandigen 
Niederung verlegt worden ist. 

Die Rhein- Main ebene besteht aus vorwiegend sandigen 
Flußaufschüttungen über einem recht verwickelt gebauten und 
tektonisch gestörten Untergrund, von dem einzelne flache Kuppen 
hier und dort die jüngeren Umschüttungen überragen. Im Süden 
tritt mit Höhen von etwa 200 m noch das Rotliegende bis gegen 
Sprendlingen hin auf: bei Sachsenhausen und südösthch Offenbach 
sind Hydrobienschiehten des unteren Miozän 150 und 130 m hoch; 
unterhalb Hanau tritt Basalt mit 133 m Höhe hervor und ebenso 
in Bockenheim bei Frankfurt. Nördlich Frankfurt kojumt dann 
immer höher das Tertiär der Wetterau heraus, überlagert von Aus- 
läufern des Vogelsberges. 

Im Inneren liegt ein wohl ausgebildetes Terrassensystem, in 
dem als wichtigstes Glied die Iseuburger Terrasse weite Räume 
einnimmt, die etwa 100 bis 130 m hoch liegt und die rheinische 
Hochterrasse hier vertritt. Die Niederterrasse des Main ist in sie 
um etwa 20 m eingesenkt und diese wiederum vom Fluß um 8 bis 
10 m zerschnitten. Somit liegt die Hochterrasse ziemlich hoch 
über dem Orundwasserspiegel und ist bei ihrer sandigen Beschaffen- 
heit trocken, djihtn- mit Kiefernwald bedeckt, z. T. erst in der Rode- 
zeit nach soo besiedelt. 

Da wo in der südlichen Wetterau von allen Seiten her die 

Wege aus der mitteldeutschen Schwelle und von Südwestdeutsch- 

Biatt l;ni(l zusammentreffen, hat sich wiederum eine Stadt- 

13« grupi)e gebildet, die verschiedenen politischen Bereichen 

angehörig ein ähnlich einheitliches Wirtschaftsgebiet darstellt, wie 
wir es um Mannheim und T^asel bereits fanden. Der unl)estrittene 



Mittelrheinische Senke. Frankfurt 253 

Haupt- und Vorort ist Frankfurt, dem sich Höchst und das 
hessische Offenbach anschließen; nur wenig weit ist Hanau ent- 
fernt und auch das bayrische Aschaffenburg- gehört noch in ähn- 
licher Weise dazu wie Darmstadt. Die Lage der einzelneu Orte 
ist deutlich durch die Bodenplastik vorgezeichnet und der be- 
deutendste erwuchs inmitten großer Waldungen da, wo von beiden 
Seiten Anhöhen aus älterem Gestein den Main einengen und eine 
Furt bilden. Zur römischen Zeit allerdings lag hier nur ein 
kleineres Kastell, das den Übergang nach der wichtigen Stadt Xida 
bei Heddernheim etwas weiter nördlich deckte: doch tritt uns der 
Ort schon bei seiner ersten Erwähnung um SOG als bedeutend 
entgegen. 

In der räumlichen Entwicklung der Stadt, welche Taf. XXXIII, 
Abb. 2 veranschaulicht, ist erst diejenige Linie deutlicher erkenn- 
bar, welche die eng und winklig gebaute Altstadt von der Xeustadt 
scheidet, die verschiedenen -graben, aus deren Zuge nur die um- 
genannte Börnestraße heraustritt. Xoch deutlicher ist der Verlauf 
der ümwaUung, deren Anlage in der Mitte des 14. Jahrhunderts 
begonnen und die im SOjährigeu Kriege ausgebaut wurde, deren 
Innensaum uns die Schneidwallgasse, Xeue Schlesinger Gasse, 
Hochstraße, Bleichstraße, Seilerstraße und Langestraße geben, 
während die „Anlagen" den Außensaum mit seinen Schanzen noch 
sehr klar erkennen lassen. Die so auffällige Linie der Zeil dagegen 
ist keine Befestigung gewesen, sondern erklärt sich aus der früheren 
Verwendung der Straße als Roßmarkt. Im Inneren der alten Stadt 
mischt sich seltsam und reizvoll südwestdeutsche mit mitteldeutscher 
Bauweise: noch besteht ein großer Teil der Kjrchen und öffent- 
lichen Bauten aus rotem Sandstein, aber die Dächer und die viel- 
fach üblichen Verkleidungen der Wetterseite bestehen aus den 
Schieferplatten des nahen Scliiefergebirges. 

1806 — 12 wurden die Wälle niedergelegt, womit die neuere Ent- 
wicklung der Stadt freie Bahn hatte, wenn sie auch durcli den eigen- 
tümlichen politischen Charakter Frankfurts bis 1866 noch hintan- 
gehalten wurde. Dann wurde es einer der größten Eisenbahnknoten- 
punkte des Reiches und durch die Kanalisation des Maines an die 
große Wasserader des Rheins angeschlossen, so daß auch für die Ent- 
^^^cklung der Industrie die Vorbedingungen höchst günstige wurden. 
Die Bevölkerungsvermchrung erreichte in dem Jahrzehnt 1890 bis 
1900 über 60^lo, die Vermehrung 1871 bis 1905 betrug nicht weniger 
als 268^ 'n und wird nur von der Stadtgruppe Mannheim-Ludwigs- 



254 Südwestdeutschland 

liafen übcrtroflen, die allerdings absolut noch weit zurücksteht. 
So erweiterte sich die Stadt selbst und so blühten rings umher 
die Vororte und Nachbarstädte auf, selbst das (mtferntere Hanau, 
dessen Kern das im Norden durch die Einzig gedeckte Schloß 
bildet, in dessen Süden die Stadt ursprünglich bis zur (Iroßen 
Dechaneigasse reichte. 1529 wurde sie konzentrisch erweitert 
und ging nunmehr im Süden bis zum Paradeplatz, im Westen bis 
zum Hospital. 1597 erfolgte weiter südlich eine Neugründung, die 
bis 1S40 die Bevölkerung aufzunehmen vermochte. Seither ent- 
wickeln sich die Vorstädte lebhaft. 



Das rechtsrheinische Stufenland 

Überblick 

Das rechtsrheinische Stufenland läßt sich in folgende Teile 
gliedern : 

Im Westen stößt an die mittelrheinische Tiefebene das niedrige 
Plateau des Kraichgau, das wesentlich aus eingebrochenen und 
dann eingee])neten Schichten von Buntsandsteiu und Muschelkalk 
besteht. Darülier erhebt sich ein tafelförmiges, ziemlich zerschnitte- 
nes Bergland, das wir nach einem der Hauptglieder desselben das 
„Stromberg -Plateau'' nennen wollen. Jenseits desselben hat der 
Neckar sich wieder in ältere Schichten eingeschnitten, dadurch 
dieses Plateau von den entsprechenden Bildungen im Osten und 
Süd-Osten trennend, die wir in ihrer Gesamtheit als das „Obere 
Neckarbergland" l)ezeichnen wollen. Wie der Stromberg sich über 
die ebene Hochfläche des Kraichgau, so erhebt sich das Obere 
Neckarbergland über ebenere Landschaften im Westen, die durch 
Flüsse mannigfach zerschnitten sehr verschiedene Landschaftsnameu 
tragen und sich vom Rande der Alb nach Nordosten l)is über den 
Main hinaus fortsetzen; im Süden liegt das Obere d^äu, dann folgt 
(las Strohgäu, dann die Hohenloher Ebene, dann der Taubergrund, 
dann Unterfrankeu und schließlich der Grabfeldgau. Mau kann 
diese Zone von Hochebenen zweckmäßig als die „Zone der Gäu's" 
bezeichnen. Über ihr erhebt sich die nächste Landstufe mit steilem 
Rande, der unter dem Namen Franken wald und Steigerwald be- 
kannt ist; wir nennen die ganze Landschaft „Mittelfranken"; ein 
Ausläufer derselben im Süden mit westlicher Streichrichtuug ist 
das schon erwähnte Obere Neckarbergland. 



Rechtsrheinisches Stufenland 255 

Im Süden schneidet die Schichtstufe der jurassischen Schichten, 
der „Schwäbische Jura", die verschiedenen Zonen ab; sie wird im 
Osten durch die tiefe Senke des Ries unterbrochen. Hier wenden 
sich die Schichten in ihrer Streichrichtung- nach Norden, ihr Rand 
wird als „Fränkischer Jura", ihre Hochfläche als „Oberfranken" be- 
zeichnet. 

Die Ursachen der eben geschilderten Gliederung sind die 
g-leichen, welche die Landschaften links des Rheines, die Pfalz 
und Lothringen, sich in Stufen gliedern lassen, nämlich die flache, 
vom Rhein weg-fallende Lagerung- eines Schichtensj^stems, das ab- 
wechselnd harte und weiche Glieder enthält. Die Besonderheit 
der Ausbildung des rechtsrheinischen Stufenlandes besteht nur 
darin, daß das System des Keuper hier 400 m mächtig- wird und 
im Schilfsandstein und Stubensandstein ziemlich harte Glieder 
enthält, die der Abtragung guten Widerstand zu leisten ver- 
mögen, so daß die Mannigfaltigkeit der Stufen weit größer als im 
Westen ist. 

Im Bild des Entwässerungssystems mischen sich seltsam alte 
und junge Züge. Alt sind diejenigen Flüsse, die von Nordwesten 
her kommend die hohe Jurastufe durchbrechen und dadurch zeigen, 
daß sie der Neigung- einer älteren Landoberfläche folgen. Jünger 
sind die zahlreichen subsequenten Flüsse, die im Schichtstreichen 
verlaufen. Im Lauf des Main tritt ebenfalls eine ältere, hier nach 
Westen gerichtete Abdachung der Rumpffläche in die Erscheinung 
und nachfolgende Zerlegung in subsequente und ältere konsequente 
Laufstrecken, Sehr jung ist schließlich das Eindringen des Rhein- 
systems, wobei der Neckar eine höchst räuberische Wirkung ausübt. 

Die bodenplastisch und morphologisch soeben durchgeführte 
Gliederung bewährt sich auch klimatisch und bei Betrachtung der 
Siedlungen im großen und ganzen. Drei Formengruppen treten 
auf: enge Täler mit gelegentlichen Weitungen, wellige Hochflächen, 
wellige und plateauartige Berggruppen. Täler und Hochflächen im 
Schutz zahlreicher Bergländer ringsum sind trocken, die Berg- 
gruppen feuchter. Täler und Hochflächen siud im Winter sehr kalt, 
die Täler im Sommer auch sehr heiß, ihr Klima also kontinental. 
Die Hochflächen haben Kalkboden mit einer Lehmdecke, die Berg- 
gruppen vorwiegend sandigen Boden. Das alles beeinflußt die 
Bodennutzung und Pflanzenverteilung. Die an sich zur Trocken- 
heit neigenden Hochflächen waren zur Zeit der Besiedlung, viel- 
leicht unter dem waldfeindlichen Einfluß einer Trockenperiode, 



256 Südwestdeutsclilaud 

waldarni und wurden durch die Bewohner dann mit leichter Mühe 
so erhalten, während die Berggruppen bewaldet blieben. 

Für die WeiterentAvicldung zu den heutigen Zuständen hin 
sind historische Einflüsse, insonderheit der Verlauf der Limes- 
Anlage, maßgebend geworden. Innerhalb derselben findet sich 
eine Kontinuität der Besiedlung, indem die Siedlungsfläche der 
Alemannen sich mit der römischen deckt und außerhalb derselben 
in das Waldgebiet nur Weilersiedlungen, "Waldhufendörfer iu die 
Schwarzwaldtäler und Einzelhöfe vorgeschoben sind. Außerhalb 
überzog sich in der unruhigen Zeit der Völkerwanderung die da- 
mals z. T. schon von Alemannen bewohnten Landschaft A^ieder fast 
gänzlich juit Wald und mußte später neu gerodet werden: sie ist 
infolgedessen noch heute spärlicher bewohnt als die anderen 
Glieder der entsprechenden Zone und trägt Weiler statt der Haufen- 
dörfer. Das Schwergewicht der Bevölkerung liegt liier ganz iu 
den Tälern, im üVirigen Württemberg auf der Fläche oder in Tal- 
weitungen. 

Landschaftlich beginnt im Süden und Osten mit dem steilen 
Rand und den großen Hochflächen des Schwäbischen und Frän- 
kischen Jura etwas Neues, Oberdeutschland, dem die milderen 
rheinischen Charaktere der Main- und Neckarlaudschaften fehlen. 
Die Volksdichte sinkt stärkt, Klima und Witterung werden anders. 



Das Stromberg-Plateau 

Die unter diesem Namen zusammengefaßte Hochlandnmsse im 
Osten des Kraichgau ist ein Ausläufer der Keuperlandschaft noch 
Blatt weiter im Osten, wie bereits erwähnt. Der Verbreitung 
^^1 der Gesteine entsprechend geht hier auch die württem- 
bergische Grenze weit nach Westen. Das Gebiet ist eine bis 400 m 
hohe Tafel, die radial zerschnitten wird, also wohl eine Aufwölbung, 
von der jetzt nur schmale Riedel noch erhalten sind. Es ist meist 
mit Wald bedeckt, randlich recht gut, in den inneren Teilen nur 
wenig und erst spät besiedelt. Die Verkehrswege weichen den 
vielen Hindernissen des Hochlandes in großem Bogen aus. Es hat 
sich daher in den kleinen Orten und Städtchen des Gebietes 
manches schöne Fachwerkhaus, mancher Turm und manche Stadt- 
mauer erhalten können wie in Vaihingen und Brackeuheim, wie 
die Klosterbauten in IMaulbronn, die Wanderungen in dieser ein- 
samen Landschaft auch siedluuR-skundlich lehrreich machen. 



Das Stromberg-Plateau. Die Zone der Gräu's 257 



Die Zone der Gäu's 

Die Gäivs sind Plateaus (Riimpfflächen) aus Muschelkalk. Wo 
ihre gealterte und von flachen Tälern durchzogene Oberfläche mit 
Lehm oder mit Mergel und Tonen der Lettenkohle, einer Zwischen- 
bildung zwischen Muschelkalk und Keuper, bedeckt ist, da sind sie 
fruchtbar, sonst außerordentlich dürr und \delfach der Durch- 
lässigkeit der Gesteine wegen verkarstet. Tiefe, jugendliche Täler 
zerschneiden die einförmige Hochfläche. 

Die Zone der Gäu's beginnt im Süden mit der Hochfläche 
der Baar, die auch in ihren tieferen Teilen noch 700 m über dem 
Meere liegt und ein recht rauhes Klima, vor allem einen Biatt 
ungewöhnlich kühlen Sommer bat. In die nur noch ^''- ^''^- ^^^ 
schmale unzerrissene Hochlandsfläche, auf der sich bei Donaueschingen 
die Quellflüßchen der Donau vereinigen, bricht von Süden und 
Norden her räuberisch das Rheinsystem ein. Die Anzapfung der 
Wutach, die jetzt in 300 m tiefem Tal dem Rhein im Süden zu- 
eilt, hat landschaftlich äußerst reizvolle Bilder geschaffen, während 
der obere Neckar, so weit vom Rhein entfernt, weniger kräftig zu 
wirken vermag. 

Der alte Vorort der Baar ist Villingen, an seinem regelmäßigen 
Straßennetz als künstliche Gründung kenntlich, reich an Resten 
seiner bewegten Vergangenheit, heute eine beliebte Sommerfrische. 
Donaueschingen dagegen ist jüngere Residenz, war immer ein 
offener Flecken. Zu einem großen Teil 1908 abgebrannt, hat es 
ganz neue reizvoll angelegte Stadtteile aufzuweisen. Da sich im 
Donautal ein nicht unbequemer Durchgang nach Oberdeutschland 
öffnet, flutet jetzt recht lebhafter Eisenbahnverkehr über diese 
hohen Sättel badischen Landes. 

Das Obere Gäu hat eine wellige zwischen 500 und 600 m 
Höhe liegende Oberfläche, in welche die Nagold mit starken Win- 
dungen um 100 bis 150 m eingeschnitten ist. Die ihr Biatt 
zueilenden kleineren Bäche sind zum Teü so wasser- ^'^ 
arm, daß sie in ihrer Erosionstätigkeit nicht mit dem Hauptfluß 
Schritt zu halten vermochten und jetzt Stufenmündungen bilden. 
Das Land dient zum Ackerbau, in tieferen Teilen auch dem Anbau 
von Hopfen und Obstbäumen. Einen guten Überblick hat man 
von dem Bahnknoteu Eutingen 473 m aus, von dem 4 Strecken 
ausstrahlen. Bedeutendere Orte wie Calw liegen nur in den Tälern. 

Braun. 17 



208 Süd Westdeutschland 

S(Miiei- tieferen Lag'e wegen landwirtschaftlich noch reicher ist 
(las uiitci-e oder Strohgäu und das Lange Feld, beide nur 300 — 
Blatt 400 m Höhe erreichend, früher Sitz ausgedehnter Schaf- 
152. ic-2 zucht, die aber in der Gegenwart sehr nachgehxssen 
hat. In diesen Landstrichen ist schon die vorrömische Besiedlung 
stark gewesen, sie sind jetzt Haupt Verbreitungsgebiete der reichen 
großen (xewanndörfer. 

Jenseits des Oberen Neckarbergiandes findet die Zone ihre 
Fortsetzung. Hier liegt die Haller Ebene 400—450 m. die 
Hohenloher Ebene und der Taubergrund etwa 500 m hoch. 
Die Täler gehen auf 250 ni, im Norden 200 m hinab; sie sind 
alle eng, die größeren stark gewunden und unterbrechen als scharfe 
Verkehrshindernisse die Plateaus. Diese senken sich gegen Unter- 
franken hin bis 300 m, wo sie vom unteren Main und im Norden 
von (lei- fränkischen Saale recht stark zerschnitten sind. 

Trotzdem hier die gleichen natürlichen Bedingungen zu finden 
sind wie in den südlichen Gäu's, sind diese nördlichen gleichwohl 
in der Besiedelungsform mannigfach von ihnen verschieden. Das 
führt sich wie oben schon erwähnt darauf zurück, daß wir hier 
außerhalb des Limes sind und daß das Waldgebirge des Oberen 
Neckarberglandes eine weite kräftige Scheide bildet. So finden 
wir hier größere alemannische Siedlungen in Form der Gewann- 
dörfei- nur an Kocher und Jagst. Das übrige Gebiet ist zwar 
sehr dicht bewohnt, aber vorwiegend in Weilerform. Da diese 
Orte viel kleiner sind, so ist zur Aufnahme der gleichen Bewohner- 
zahl natürlich eine viel größere Menge von ihnen erforderlich als 
im Gewannland. Fast alle diese massenhaft zerstreuten Dörfchen 
und Weiler sind in der frühmittelalterlichen Rodezeit entstanden. 
Der Wald ist damals schon von den Hochflächen fast ganz ver- 
drängt worden; oft fehlt er auch den Talhängen, da diese wenn 
irgend UKiglich dem Weinbau dienen. 

Nur in den Tälern, welchen der Verkehr folgen mußte, 
konnten sich einzelne Orte zu kleinen Städten entwickeln, die eine 
bedeutende Blüte der Städtekultur zu eivreicheu vermochten, wie 
sie uns z. B. in Rothenburg ob der Tauber entgegentritt. Die 
sichtbaren Zeichen derselben, die diese Orte in der Gegenwart 
wiedei- so berühmt gemacht haben, vermochten sich hier zu erhalten, 
weil der moderne größere Verkehr diese gewundenen Täler nach 
Möglichkeit meidet. Von allen diesen Städtchen ist nur Würzburg 
im ui'ößten der Flußtäler »"eleffen heute noch von eini"-er Bedeutuno-. 



Das Obere Neckarbergland 259 

Der Hauptteil der alten Bischofsstadt liegt rechts des Maines 
auf dem Boden einer alter Schlinge: die Feste Marienberg auf 
dem anderen Mainufer überragt sie, an die sich nördlich der be- 
festigte Brückenkopf anschließt, der die schon 1133 angelegte 
Brücke schützt. Der Hauptteil der Stadt liegt symmetrisch zur 
Alten Brücke und der Zug der früheren Befestigungen ist an Julius- 
promenade, Theaterstraße und Hofpromenade deutlich zu erkennen. 
Von dort aus ging eine altere Mauer längs der Neubaustraße zum 
Main, die jüngere folgte dem Zwinger und der Tiepolostraße. Nach 
1650 wurde die jetzt auch in Promenaden umgewandelte sehr starke 
äußere Umwallung angelegt, außerhalb deren sich die weiträumig 
gebauten Vorstädte anschließen, die nun auch schon in die Wein- 
berge der sonnigen Hänge hineinsteigen, in denen der berühmte 
Steinwein g-edeiht. 



Das Obere Neckarbergland 

Das Obere Neckarbergiand zerfällt in zwei Gruppen, welche 
das Tal der Berns und des Neckar trennen. Im Westen liegt der 
Schönbuch mit nahezu 600 m Höhe, die Stuttgarter Biatt 
Berge, 530 m hoch, und der Schurwald mit 513 m. i'"- ^'^ 
Alles das sind wenig zerschnittene Tafelberge mit sandigem 
Boden und reicherem Niederschlag, daher mit großen Waldungen, 
Buchen, aber auch viel Nadelholz bedeckt, die sich scharf von 
der Kulturlandschaft der Gäu's abheben. Da wo im Innern 
sich über die härteren Sandsteinschichten des Keuper die weicheren 
Schichten des unteren Jura legen, kommen T\deder dem Ackerbau 
dienende Ebenen zur Ausbildung wie die 400 m hoch gelegenen 
Filder südlich von Stuttgart. 

Weit stärker zerschnitten ist das nordöstliche Gebiet, dessen 
Hochflächen 500 bis 575 m Höhe erreichen. Hier sind vielfach 
die Höhen besiedelt und der Wald von ihnen zurückgedrängt, der 
nur in großen Ausdehnungen die Talgründe erfüllt. Das ganze 
ist ein altes Waldgebiet, das sich lange außerordentlich siedlungs- 
feindlich gezeigt hat und erst spät von dem jetzigen dichten Netz 
meist kleiner Siedlungen überzogen wurde. Die Lebensbedingung 
manchei- von ihnen, die im Tal liegen, ist durch die Einwanderung 
von mancherlei Industrie, welche den Wasserkräften folgte, in der 
Neuzeit stark verändert worden. Größer sind diejenigen Orte ge- 
worden, welche die Salzschätze des Bodens ausbeuten konnten. 



2ß0 Süd Westdeutschland 

So Jagstfeld und das sehr alte Hall iu uocli landwirtschaftlich 
reicher Gegend und Heilbronu, zugleich am oberen Ende der 
Neckarschiffahrt gelegen, auch wichtiger Bahnknoten. 

Im Neckarhergland hat sich seltsamerweise an sehr ungünstiger 
Stelle die Hauptstadt von Württemberg entwickelt. Viel bessere 
natürhche Vorbedingungen, die auch die Römer schon erkannten, 
lag doch hier ein Kastell des Limes, bietet Canustadt, das denn 
auch viel älter und lange bedeutender war als Stuttgart, das 
seitwärts in einem viel zu engen Talkessel lag (Taf. XXXI, Ablb. 1). 
Am Ende des SOjährigeu Krieges hatte die Stadt denn auch nur 
einige Tausend Einwohner und nur klein ist der Kern der Altstadt, 
der noch heute auf allen Karten und Plänen so klar kenntlich ist. 
Nordöstlich von ihm nach dem Talausgang zu erwuchs das höfische 
Viertel mit den Anlagen der Regierung, den Gebäuden für Kunst 
und Wissenschaft mit großen Gärten: dank ihnen bliel) Raum 
genug, daß man später die Bahn hier au die Stadt heranführen 
konnte, so daß der Bahnhof in Form einer räumlich beschräukten 
Kopfstation nicht weit vom alten Stadtkern angelegt werden 
konnte. Im Südosten der Altstadt liegt die gleichfalls alte Vor- 
stadt St. Leouhard, deren frühere Umwallung im Zug der Torf- 
straße, Weberstraße und Kanalstraße noch sehr deutlich kennt- 
lich ist. 

Die Lage der Stadt im Talkessel bringt außerordentlich große 
Schwierigkeiten für die Anlagen der Verkehrswege mit sich, fast 
alle Bahnstrecken müssen im Tunnel in den Kessel hin geführt 
werden und die hoch an den mit Weinreben bedeckten Bergen hin- 
auf sich hinziehenden Vororte werden nur mühsam von der elektri- 
schen Bahn und anderen Verkehrsmitteln erreicht; so ist es denn 
kein Wunder, daß die neuere Entwicklung, vornehmlich auch der 
Industrie, die Richtung nach Canustadt hin nimmt und so dieser 
Ort, der von Natur ja viel günstiger liegt, gewissermaßen ein 
zweiter Schwerpunkt der Landeshauptstadt wird. 

In älterer Zeit bestand ein ähnliches Verhältnis zwischen 
Stuttgart und Ludwigsburg, das nördlich in der Zone der Gäu's 
am Fuß des hohen Asperg gelegen ist. Früher war der regelmäßig 
gel)aute Ort abwechselnd mit Stuttgart Sitz der Regierung und vor- 
wiegend von Militär und Beamten bewohnt wie Potsdam neben 
Berlin noch heute. Seit aber die Regierung dauernd in Stuttgart 
ihren Sitz nahm, bildete sich Ludwigsburg in weit günstigerer 
Verkehrslage als dieses zu einem großen Fabrikzeutrum um. 



Mittelfranken 261 

Die Orte südlich von Stuttgart verdanken ihr Entstehen und 
ihre Blüte der jeweiligen Lage zu den Üliergängen über die Alb. 
So finden wir an der Einsenkung des Neckar und der Fils, die 
nach Ulm hinüber führt, Eßlingen, Göppingen und Greißlingen, 
weiter westlich Reutlingen und Tübingen. Alle die so benach- 
barten Orte sind jetzt Sitz lebhafter Textilindustrie, nur Tübingen, 
unterhalb einer bedeutenden Talerweiterung sehr schön auf einem 
Bergvorsprung zwischen der Ammer und Neckar gelegen, ist als 
Universitätsstadt weithin bekannt und berühmt und hat im übrigen 
seinen stillen, einfachen Charakter älterer Zeit bewahrt. 

Mittelfranken 

Mittelfranken ist die Fortsetzung des Neckarbergiandes nach 
Norden und besteht aus den ein wenig nach Osten hin einfallen- 
den Schichten des Keuper, die als Frankenhöhe und Biatt 
Steigerwald eine steile Sclüchtstufe nach Westen kehren i'^- ^^^ 
und mit den Haßbergen und ihrer Umgebung noch weit nach 
Norden über den Main reichen. Der südliche Teil dieser Landtafel 
ist vom Ries her noch ziemlich stark zerschnitten: weiter im 
wird er von einem regelmäßigen Schichtfluß -System entwässert, 
das die Rezat im Osten sammelt (vgl. Taf. XI, Abb. 1). 

Die Höhen der Landschaft erreichen im Süden 5.50 m: nördlich 
des Frankenwaldes folgt die für den Verkehr sehr wichtige Lücke 
der oberen Aisch mit dem bedeutenden Bahnknoteupunkt Steinach in 
400 m Höhe. Der Steigerwald im Norden erreicht nicht ganz 
500 m. Das Innere der Tafel senkt sich nur sehr langsam nach 
Osten liin; die Täler sind mit weichen Formen um etwa 100 m, 
im Osten aber mehr eingeschnitten. 

Die Schichtstufe im Westen (vgl. Taf. X, Abb. 1 und Taf. XI, 
Abb. 1) bildet der bis 200 m mächtige Gipskeuper, den der wider- 
standsfähige Schilfsandsteiu und die Lehrbergkalke am Rand decken 
und schützen; die höheren Horizonte des Keupers bilden als 
Kieselsandsteine der Semionotusstufe im Innern der Landschaft 
aufragende Tafelberge. Der Gesteinsbeschaffenheit entsprechend 
ist das Keuperland ein Waldgebiet: der Wald nimmt im südlichen 
Teil noch .30, im nördlichen über 50 "/o der Fläche ein. Demgemäß 
ist auch die Besiedlung des Gebietes spät erfolgt und die Namen 
der Orte erinnern meist deutlich an die llodezeit. Die meisten 
von ihnen sind bis heute klein geblieben und mit ihren Lichtungen 



262 Südwestdeutschlaud 

uocli im liier in deu großen Wäldern wie verloren. Der Boden ist 
naiiieiitlich im Osten sandig- nnd trägt auch eine dementsprecbende 
Vegetation von Nadelwald und Heide. Die vielen kleinen Seen, 
welche die Karte in der Gegend von Bamberg- und Erlangen zeigt, 
sind aufgestaute Weiher, welche der Fischzucht dienen. 

Nördlich des Mains ist der Iveuper im großen und ganzen 
schüsselföi-mig gelagert und kehrt infolg-edessen auch nach Osten 
dem Thüringer Wald eine Schichtstufe zu. Im Innern 
liegen bis über den Main hinaus die Schichten des 
unteren Jura. Landschaftlich sehr deutlich ist der Süd Westrand, 
die Haß berge, deren steilen Außeurand der Stubensandstein bildet, 
der hier grabenförmig um etwa 150 m eingesunken ist, aber seit- 
dem seiner Härte wegen herausg:earbeitet wurde, nachdem die 
Landschaft durch das Stadium der Fastebene hindurchgegangen 
ist. Es sind auf seinen Höhen noch einzelne Fetzen des Lias 
erhalten; den Gipfel bildet der Basalt des Brahniberg-es mit 495 m 
Höhe. Das Innere der Keupermulde ist hier ein 400 — 500 m hohes 
Tafelland, wahrscheinlich eine Rumpf ebene, in die die Täler auf 
250 — 275 m eingeschnitten sind. Der höchste Berg ist die Basalt- 
masse des Zeilberges mit 470 m Höhe. Den Nordostrand der 
Mulde l)ilden um Coburg und Heldbarg weiße Sandsteine in 
mächtigen Lagen. 

Die Entwässerung vollzieht sich nach innen hin und die 
Wasseradern durchschneiden die verschiedenaltrigen Schichten. 
Auch hier gibt es viel Wald und ist die Siedlung spät ein- 
gedrungen, die einzelnen Orte klein geblieben. Einigen hilft heute 
die lebhafte Steinindustrie zu gewisser Bedeutung. Die Verkehrs- 
wege umgehen die Landschaft und nur da, wo sie im Osten herum- 
ziehen oder im Maintal die Keuperzone durchbrechen, haben sich 
größere Siedlungen erhoben. So finden wir im Norden Coburg 
mit seiner berühmten Feste auf einem Sandsteintafell)erg, das die 
Paßwege vom Thüringer Wald her sammelt und den Durchbruch 
der Itz durch die Keuperhöhe deckt. Am Main hat sich ein wenig 
oberhalb des Flusses Bamberg in sehr günstiger Verkehrslage 
entwickelt. Ursprünglich war es eine Brückenstadt in hochwasser- 
freier Lage am linken Ufer der Regnitz, wo der Dom, die „alte 
Hofhaltung" ans der älteren Kaiserzeit und die Residenz liegen. 
Auf einer Insel zwischen der Regnitz und ihrem kanalisierten Teil 
entwickelte sich die alte Stadt und schließlich im Osten des 
Regnitzkanals die neue Bahnhofsstadt, da hier der Hauptverkehrs- 



Mittelfranken. Oberdeutscliland 263 

weg vorbeizieht. Die Umgebung- der Stadt dient im großen Maße 
dem Gemüsebau und damit zusammenhängenden Industrien. 

Weiter südlich bezeichnet die Lage von Forchheim und Er- 
langen die Stelle leichter Übergänge über den Jura nach Ober- 
franken. In ähnlicher Lage erwuchs Nürnberg, dessen Burg 
sich auf einem Tafellierg des Stubensandsteines (bliebt, an dessen 
Fuß der Fluß die erwünschte Wasserkraft zum Betrieb von Mühlen 
bot; gleichzeitig belebte die Nähe der damaligen Kulturgrenze 
gegen die Slawen von Anfang an den Handel. 

Im Grundriß (Taf. XXXI, Abb. 3) heben sich eine auf dem 
Hochufer (310 m) südlich der Pegnitz gelegene elliptische Stadt mit 
regelmäßigen Straßen und die unregelmäßige eigentliche Altstadt 
heraus, die von der Pegnitz-Niederung (295 m) sich zu dem Berg- 
rücken erstreckt, der vom Burgberg nach Osten zieht und in diesem 
mit 350 m gipfelt. In einheitlicher Ummauerung sind beide Stadt- 
teile zusammen um 1300 kenntlich. Hundert Jahre später kam 
bereits der Mauerring zum Ausbau, der heute noch fast ganz ge- 
schlossen die innere Stadt mit ihren zahlreichen Resten der großen 
Vergangenheit umzieht. Seither haben sich nach allen Seiten aus- 
gedehnte Vororte entwickelt, die Handelsstadt wurde in der Neu- 
zeit zur Industriestadt und dieser Umbildung mußte mancher der 
historischen Reize zum Opfer gebracht werden. Noch immer aber 
ist das Stadtbild so geschlossen und schön, wie es nur etwa noch 
in dem ganz entlegenen Rothenburg erhalten geblieben ist. 

Das ältere Fürth, unweit davon, entbehrte des starken 
Schutzes der Burg und mancher kleinen Gunst der Lage im 
Engeren und blieb deshalb klein. Jetzt ist es eine Art industrieller 
Vorstadt der großen Schwester. 



4. Oberdeutschland 

Die nördliche natürliche Grenze von Oberdeutschland ist 
nicht die Donau, wie gewöhnlich angenommen wird, sondern der 
steile Rand des schwäbischen und fränkischen Jura, wie er sich 
aus der oberen Donaugegend nach Osten, dann nach Norden mit 
einer Spitze zwischen Bamberg und Bayreuth einschiel)t. Die 
Oberfläche der jurassischen Schichten senkt sich gegen Süden 
und verschwindet unter der tertiären Auffüllung, um erst im 
Bereich der Alpen lioch aufgefaltet wieder aufzutauchen. Ungefälir 



2(^4 Oberdeiitschland 

ajii Nordrand der iiiächtigereu Aufschüttimgeii, also gegeuül)er der 
Achse des hochgelegenen Beckens ganz seitlich verschoben, fließt 
die Donau. Die Achse selbst nimmt das tertiäre Hügelland ein, 
das im Westen, im Bodenseegebiet, ganz von den Ablagerungen 
d(^s alpinen Eises überwallt und dadurch vom Schweizer Mittelland 
geschieden wird. Weiter östlich erstrecken sich die Ablagerungen 
der Eiszeit weniger weit vom Gebirge weg und schie])en sich nur 
mit einzelnen Ausläufern in den Tälern zwischen die geschlossenen 
Hügellandschaften ein. In gleichmäfMger Böschung vom Gebirge 
weg nach Norden einfallend, bilden sie ein eigentliches Vorland 
desselben, während dieser Charakter und die damit verbundenen 
Eigenschaften der Oberfläche des Hügellandes in der Gegenwart 
nicht mehr zu eigen sind. 

So gliedert sich Oberdeutschlaud (vgl. Taf. XXIIl, Abb. 1 ) leicht 
in die Juraplateaus, das Donautal, das niederbayerische Hügelland 
und die oberdeutsche Hochebene oder das Alpenvorland. Jede dieser 
Landschaften weist wieder ihr allein eigentümliche Besiedlungs- 
verhältnisse auf, die obige Scheidung als auch unter diesem Ge- 
sichtspunkt berechtigt erscheinen lassen. Wir sind hier wieder in 
einer Grenzmark des Reiches und offen lag den von Südosten 
vordringenden Frenulvölkern, denen die Donau den Weg gewiesen, 
der Zutritt in die inneren fruchtbaren Gefilde. Der hin und her 
wogende Kampf jener Zeiten der Avaren- und Hunneneinfälle hat 
den älteren Siedlungen seinen Charakter so bestimmt aufgedrückt, 
daß sie ihn bis zui' Gegenwart bewahrten. 

Die Juraplateaus 

Der schwäbische Jura 

Der schwäbische Jura, häufig auch Schwäbische Alb genannt 
— welcher Ausdruck aber besser vermieden wird, weil er zu Ver- 
Biatt wechslungen mit einzelnen Teilen des Gebirges Anlaß 
171. 172. 178 gei)^.^ kann — , zerfällt in eine Reihe leicht voneinander 
zu scheidender Glieder, die im folgenden erwähnt sind. Doch muß 
bemerkt werden, daß die Namen häufig in strengem Sinne nur dem 
wohl chai-akterisierten Plateaurande anhaften; wir werden sie in- 
d(^ssen zweckmäßig auch auf das ganze betreffende Stück der 
Hochfläche in ihrer Anwendung ausdehnen. 

Der schwäbische Jura beginnt im Westen, noch auf Schweizer 
(rebiet. mit dem Ramien und den Hochflächen des Hegau. Nord- 



Schwäbischer Jura » 265 

lieh der Douaii folgt das hochgelegene Heubergplateau und die 
Hohenzollernall), danach die Rauhe Alb bis zur Fils etwa hin, 
weiterhin der Albuch bis zur Brenz und schließlich das Hcärtfeld. 
Die dann folgende tiefe Senke des Ries trennt den schw^äbischen 
von dem fränkischen Jura. 

Im ganzen Bereich des Jura liegen die Schichten (vgl. Taf. X, 
Abb. 3) konkordant aufeinander und fallen mit geringer Neigung etw^a 
nach Südosten ein. Die weichen Scliichten des Lias bilden die so- 
genannten Filderebenen im nördlichen Vorland, die Sandsteine des 
Dogger oder Oolith bilden eine Torhügelzone mit 150 m relativer 
Höhe, w^orauf dann die Schichten des w^eißeu Jura die Stufe und 
Hochfläche selbst zusammensetzen. Diese Hochflächen sind wasser- 
arme wellige Fastebenen mit abflußlosen Senken und im ganzen ein 
wenig nach Südosten geneigt. Ihr geologisches Alter ergibt sich aus 
folgenden Überlegungen: Schichten der Kreideformation fehlen in 
diesem ganzen Gebiet: aus dem älteren Tertiär sind uns Ver- 
mtterungsreste in Spalten des Jura erhalten, dann Süßwasserkalke 
vom Hochsträß bei Ulm. Eine marine Bildung ist das Mittelmiozän, 
die Ablagerung eines nach Norden hin über den Albkörper trans- 
gredierenden Meeres. Mit Quarzsanden und anderen küstennahen 
Bildungen reicht es bis nah an den nördhchen Albrand heran. 
Über diesen Meeresabsätzen folgen sehr mächtige Schotter der so- 
genannten Juranagelfluh, Ablagerungen von Flüssen in der Nähe 
der nach Süden weichenden Küste, die uns gleichzeitig eine 
kräftige Abtragungsphase im westlichen und nördlichen Hinterlande 
verraten. Das Ende derselben bezeichnen dann wieder Süßwasser- 
kalke und Seeabsätze, über welche hin sich die Lavaströme der 
Vuhvane des Hegau ergossen haben. Die nächst jüngeren Bildungen 
sind allgemein in das PHozän gestellte Flußschotter, die etwa 
150 m ü])er den heutigen Tälern in der Umgebung der Donau auf 
der Hochfläche liegen. Da die Basalte des Hegau heute stark 
abgetragen, die einstigen Lavaströme bis auf kleine Fetzen ver- 
schwunden sind, so ergibt sich das Alter der Hochfläche, soweit 
sie von Juranagelfluh bedeckt ist, zu etw^a Obermiozän bis Pliozän; 
im Norden ist sie jedenfalls ihrer Anlage nach älter. Sie wird 
jetzt zerschnitten und in Terrassen je nach der Gesteinshärte, die 
auch innerball) des weißen Jura mehrfach wechselt, zerlegt. 

Die Durchlässigkeit der Kalke des Jura und seine hohe Lage 
gegenüber der Erosionsbasis führte zur Verkarstuug eines Teiles 
seiner Oberfläche, d.h. die Entwässerung erfolgt im Inneren des 



2(36 Oberdeutscliland 

Albkörprrs als (^i'undwasser (vg-1. Tal. XXII, Abb. -2) und alles 
oberflächlich auffallende Wasser strebt auf dem kürzesten Wege 
dem (Grundwasserspiegel zu. Durch Einsturz und Lösung entstehen 
dabei runde Trichter, sog. „Dolineu", die der Landschaft oft ein 
blattei-narbiges Aussehen verleihen, das freilich nicht die Übersichts- 
karte, sondern nur die Spezialkarte zeigen kann. An den Wänden 
der Trichter und Wannen tritt oft der kahle Fels zutage, der 
Boden ist mit Lehm bedeckt und von einer Grasnarbe oder Wald 
überzogen. Der Grundwasserspiegel senkt sich zur Donau hin 
und gibt das Wasser an diese und ihre Zuflüsse ab. Verlaufen 
diese tiefer, als sich der Grundwasserspiegel infolge der Einschal- 
tung undurchlässiger Schichten senken kann, so s])eist er Quellen, 
die am Hang heraustreten. 

Die Tälei- auf der Hochfläche sind flach und weit offen, tief 
eingeschnitten nur am nördlichen Rande und zur Donau hin. Die 
Donau und ihre ol)eren Zuflüsse halben sich als zur östlichen Ab- 
dachung das Schwarzwaldes konsequente Flüsse entwickelt und 
sind durch Angriffe des Rhein und seiner Zuflüsse von Norden 
und Süden her gestört und diesem stärkeren System zum Teil 
tributär geworden, wie vor allen die Wutach, die einer der stärksten 
Zuflüsse der oberen Donau war. 

Der Blick vom Eichberg bei Bluml)erg auf das leere in 700 m 
Höhe liegende, vermoorte ehemalige Donautal und nach Westen 
auf die weiten zum Schwarzwald ansteigenden Hochflächen, von 
denen (Mnst das Wasser hier herunter floß, das jetzt 200 m tiefer 
dem Rhein zurauscht, bietet eines der schönsten Panoramen dieses 
Teiles Deutschlands für den Mori)hologen. Kaum weniger schön 
aber ist die Stelle, wo der Eingriff sich bis in den Jura hinein 
fortgesetzt hat, im Eyach-Schmiecha-Tal. Über Balingen steigt 
man in jugendlich scharfem Tal an und sieht schon von weitem 
oberhalb Lautlingen eine horizontale Wand in 60 bis 80 m Höhe 
den Talboden sperren. In langem Einschnitt durch Schotter hin- 
durch klimmt die Bahn hinauf und oben r»ffnet sich in 730 m Höhe 
ein weiter leerer Talboden, den bei Ehingen die von seitwärts her- 
kommende Schmiecha, ihn verjüngend, betritt. 

Die Besiedlung nutzte zunächst den Schutz der zahlreichen 
Höhlen des Kalkbodens aus. Sie wurde noch in prähistorischen 
Zeiten wegen des ursprünglichen Tundracharakters der Hochfläche 
so dicht, daß sie mit Erfolg den Wald l)ekämpfen konnte, als das 
Klima drm IMlanzenwuchs "fünstiü'er wurde. 



Schwäbischer Jura 267 

Der südwestliche Teil des Jura, der Banden und das Heg-au- 
plateausind noch fast vollständig- mit dicker Xagelfluhdecke bedeckt, 
in welche sich die Flüsse südlich vom Rhein her und nördlich zur 
Donau hin tief eingeschnitten haben, so daß der geschlossene Alb- 
körper sich hier in eine Reihe von Tafelbergen und Tafeln auflöst. 
Weitere Mannigfaltigkeit entsteht durch die Vulkane des Hegau, 
von denen die Abtragung nur noch Stümpfe hat stehen lassen. 
Diese Stümpfe stecken zum Teil in der Hochfläche drin und bilden 
dann wenig hervortretende Erhebungen derselben, zum Teil me die 
bekannten Berge Hohentwil. Hohenkrähen u. a.; z. T. sind sie rand- 
lich in Form auffälliger burggekrönter Kegelberge herauspräpariert, 
die noch das Eis der diluvialen Gletscher umströmt hat. 

In diesen tieferen Teilen des Hegau um Singen und Engen 
herum herrscht reiche alte Besiedlung, die vom Bodensee ausging 
und jetzt durch die Nähe der politischen Grenze starke neue wirt- 
schaftliche Impulse erhalten hat (Singen Fabrikstadt). Die räum- 
lich größeren aber weniger bekannten Hochflächen des Hegau sind 
meist mit einförmigen Wäldern bedeckt und reichen so bis an die 
Donau heran. Den tief eingerissenen Tälern, vornehmlich dem 
Donautal selber, folgen auch die Verkehrswege, die nur sehr müh- 
sam den Übergang zum Bodensee und Rheingel)iet gewinnen, wie 
die über Engen führende Schnellzugsstrecke und die nur von Per- 
sonenzügen befahrene sogenannte strategische Bahn, die zwischen 
Blumberg und Stühlingen einer Hochgebirgsbahn würdige Schleifen 
und Kehrtunnel aufzuweisen hat. 

Höher und geschlossener ist das Heubergplateau mit Er- 
hebungen von über 1000 m im Nordwesten. Die Donau betritt 
unterhalb Fridiugeu das außerordentlich scharfe, durch seine Fels- 
bildungen landschaftlich berühmte Durchbruchstal, in dem sie um 
200 m in die Hochflächen eingeschnitten ist, wobei ihr natürlich 
ihre Nebenflüsse um ebensoviel folgen mußten. Die steilen Hänge 
bedeckt hier der Wald, die wasserlosen Hochflächen sind oft kahl. 
Die Besiedlung auf der Höhe ist alt und nicht gerade arm. Sie be- 
steht aus großen Gewanndörfern mit Einheitshäusern, die hier den 
nötigen Platz fanden sich auszubreiten. Die Wasserlosigkeit bedingt 
es, daß neben den Dörfern sich häufig Stellen zur künstlichen Wasser- 
ansammlung finden, die jetzt allerdings durch die Albwasserver- 
sorgung, die das Wasser der Täler mit Maschinen auf die Höhe 
schafft, überflüssig geworden sind. Die Felder sind meist stein- 
besät („Fleinsboden"), in den tieferen Teilen aber ziemlich lehmig 



2gg Obenleu tscliland 

imd gut, in welchem Fall der Bauer von „Lixbodeu" spricht. Im 
Tal haben sich die Siedlungen ganz dem geringen vorhandenen 
Platz anpassen müssen. Sigmaringen mit hoch aufragendem 
Schloß ist als Residenz emporgekommen. Der Nordraud trägt in- 
folge seiner reichen Gliederung in Vorsprünge und ganz losgelöste 
Vorberge typische Verteidigungssiedlungen, die schon in prähistori- 
scher Zeit bekannt, vornehmlich im Mittelnlter stark ausgebaut und 
benutzt wurden. 

Ähnlichen Charakter trägt die ilauhe Alb, die ihre l)odeu- 
plastische Besonderheit durch die zahlreichen Stellen vulkanischer 
Durchbrüche erhält. Teils handelt es sich dabei um durch Explo- 
sionen geschaffene Kessel, wie das Randecker Maar, das am Alb- 
rand in 730 m Höhe gelegen ist, teils sind die Auffüllungen der 
Explosionskauäle als kleine Kegelberge im Vorland erhalten. Die 
Siedlungen der Rauhen Alb bieten das gleiche Bild wie die der 
Hochflächenstücke weiter westlich, nur geht hier ein wichtiger 
Verkehrsweg durch, der bei Geislingen langsam die Höhe ge- 
winnend nach Ulm zur Donau hinunterführt. Von den ältesten 
Siedlungen sind die wasserführenden vulkanischen Durchl)rüche 
besonders häufig aufgesucht. 

Im Albuch tritt mehr Wald auf und die Täler sind nicht 
mehr so scharf eingeschnitten. Obwohl die Hochfläche hier 
schon niedriger liegt, ist die Besiedlung doch dünner als weiter 
westlich und häufig noch deutlich die Lichtung kenntlich, die die 
Bewohner des neu gegründeten Dorfes rodeten (8. bis 11. Jahr- 
hundert), um Platz für die Feldflur zu schaffen. In diese 650 m 
hohe Platte ist das wenig über .500 m hohe Steinheimer Becken 
mit 2,5 km Durch nu^sser scharf eingesenkt. Es verdankt seine 
Entstehung einer Explosion, in deren Gefolge warme Quellen heraus- 
traten, deren Sinter- Absätze dann einen Teil des Beckens wieder 
zufüllten. 

Das Härdtfeld schließlich ist ein großes Waldgel )iet in (iOO m 
Höhe mit spärlichen meist kleinen Siedlungen. Große Bedentung besitzt 
nur sein Nordrand, wo bei Aalen und Wasseralfingen Eisensteiu- 
horizonte des braunen Jura abgebaut werden, welche 40°/o Eisen 
enthalten, auf deren Vorkommen eine l)lühende Eisenindustrie in 
den genannten Orten sich grüncU^t. 



Schwäbischer Jura. Ries 269 

Die Ries-Senke 

Unter dem Namen Ries versteht man die kesseiförmige Ein- 
senkung- im Jura, in welcher als Hauptstadt Nördlingen gelegen 
ist. Der Boden dieses großen Kessels liegt 400 m, seine 

" ^ ' Blatt 

Umgebung 500 bis 600 m hoch. Seine Entstehung wird i62. les. v.i. 
verschieden erkärt, teils durch Explosion und Heraus- ^'" 

schleuderung großer Gesteinsschollen, welche dann nach der Um- 
gebung hin abrutschend die jetzt zu beobachtenden seltsamen 
Einzelberge rings um den Kessel bildeten, teils durch Aufwölbung 
eines Lakkolithen, von dessen Kuppel diese Gesteinsschollen ab- 
gerutscht wären, worauf die zentrale Masse wieder einsank und 
sich der Kessel bildete. Jedenfalls traten nach seiner Entstehung 
in seinem Inneren ebenfalls heiße Quellen zutage, die mächtige Sinter- 
berge bilden, wie wir sie bereits^im Steinheimer Becken kennen gelernt 
haben, wodurch die ohnehin mannigfaltige Bodenplastik des Gebietes 
noch komplizierter wurde. Besonders große Schwierigkeiten bietet 
die Erklärung des Gewässernetzes. Wohl hat der Boden des Rieses 
für die nächste Umgebung als lokale Erosionsbasis gedient und sie 
ist zu ihm hin ziemlich stark zerschnitten worden. Aber der 
Hauptfluß des Beckens, die Wörnitz, durchquert dasselbe scheinbar 
gänzlich unbeeinflußt von der Einsenkung und ihrem steilen Süd- 
rand, der sich ihr in den Weg stellt. Zur Erklärung dieser Er- 
scheinungen sind noch weitere Untersuchungen nötig. 

In seinem Innern ist das Ries flach, waldlos und dient dem 
Ackerbau, der Wald ist ringsum auf die Höhen verdrängt worden. 
Das Ries ist altes Siedlungsland, in der Zeit vom 4., 5, bis 8. Jahr- 
hundert entstanden die Orte, wobei sich fränkische und alemannische 
Weise mannigfach mischten. Die Bevölkerung lebt noch heute fast 
ausschließlich von den Erträgen der Landwirtschaft. Nördlingen 
ist zu einer etwas größeren Stadt geworden, da alte Verkehrslinien 
sich hier schneiden; heute ist die Verkehrsbedeutung der Senke 
nicht mehr so groß wie früher, weil nach Norden hin der Anschluß 
an bequeme Wege in Franken mangelhaft ist. 

Der Frankenjura 

Wenig östlich von der Ries-Senke wendet sich der Rand des 
Jura nach Norden hin, schließlich sogar nach Nordwesten und 
nimmt allmählich infolge seiner Gesteinsbeschaffenheit landschaft- 



270 Obenleutschlaud 

liehe l>('soiideiiieiteii au, die ihn doch recht scharf von tleiii au 
sich ja verwaudteu Schwäbischen Jura scheiden. In allen Dingen 
Blatt einen Übergang bildet der Altmühl- Jura, in dem 
153. 154. 163. im großen und ganzen der Charakter des Schwäl)ischen 
.Iura noch überwiegt. Es sind große Platten von 
tiefen gewundenen Tälern zerschnitten. Da hier die Flüsse aber 
von Norden nach Süden ganz durch das Tafelland hindurchfließen, 
wie sie es weiter westlich nur in einer früheren Periode einmal 
getan haben, entstehen im Norden große Eintrittstrichter, die 
ganze Tafelberglandschaften von der Platte loslösen, wie den 
Hesseiberg, den Hahnenkamm u. a. Infolge der Durchbruchstäler 
ist aber auch die Verkehrsbedeutung dieses Altmühl-Jura wesent- 
lich größer als die des Schwäbischen und des nördlichen Fränkischen 
.Iura. Der Hauptweg führt durch das Altmühltal und verläßt das- 
selbe bei Eichstädt, um über die Höhe hinüber das Donautal bei 
Ingolstadt zu erreichen. An dieser Strecke liegt das weltberühmte 
Steinbruchsdorf Solnhofeu, in deui die lithographischen Steine ge- 
wonnen werden, die so kostbare Schätze bis ins kleinste genau 
erhaltener vorweltlicher Tiere geliefert haben. Bei Dollnstein 
öffnet sich rechts ein weites gewundenes Tal, das über Wellheim 
vollständig leer, nur von kleinen Wasseradern durchflössen, zur 
Donau führt, das sogenannte Wellheimer Trockenta 1. Es ist wohl 
als ein älteres Donautal aufzufassen, in welches die damalige Alt- 
mühl schon bei Dolnstein anstatt wie jetzt bei Kehlheim gemündet 
hat, ein Tal, das zu der Zeit angelegt wurde, als die tertiären 
Ablagerungen des Alpenvorlandes noch weit auf den .Iura hinauf- 
reichten. Damals schnitt sich die Donau an ihrem Rande ein und 
brach erst viel später bei Donauwörth und Neuburg nach Osten 
liiu durch. Die Hochflächen zwischen den tief gelegenen Tälern 
sind vielfach stark waldbedeckt und die Lichtungen sind ebenso 
si)ärlich wie die auf ihnen liegenden Siedlungen klein. 

Im eigentlichen Frankenjura treten zwei neue der durch- 
wauderteu Hochebene fremde Gesteinselemente auf. Das eine ist 
der Dolomit, der an die Stelle der Kalke weiter westlich tritt, das 
zweite sind Deckschichten über dem .Jura, die teils der Kreidezeit 
angehören, teils vde die sogenannte Albüberdeckung wahrscheinlich 
tertiären Alters sind. Der Dolomit ist im Wasser leicht löslich 
und enthält auf kurze Strecken hin rasch wechselnde Unterschiede 
in der Widc^rstandsfähigkeit. So neigt er einerseits zur Fels])ilduug, 
andererseits entstehen ausgedehnte Höhlen, das Wasser verschwindet 



Fränkischer Jura. Oberpfalz 271 

voD der Oberfläche vollständig-, dieselbe erhält im kleinen sehr 
unruhigen Charakter — kurzum es handelt sich hier um typische 
Karsterscheinungeu, die nur dadurch gemildert werden, daß das 
mitteleuropäische Klima gegenüber dem mediterranen das raschere 
Aufkommen von Vegetation gestattet und seine Regen nicht so 
stark spülend wirken. Die Kuppen und Felsbildungen der Hoch- 
fläche sind meist mit Wald bedeckt und die Siedlungen sind zahl- 
reich, 'aber klein. 

Anders ist der Charakter des Fränkischen Jura dort wo die 
Deckschichten auf ihm liegen. Dort haben wir sehr einförmige 
waldbedeckte Hochflächen, wie südlich von Amberg und im Velden- 
steiner Forst südlich von Pegnitz. 

Der Charakter der Hochflächen des Fränkischen Jura als einer 
fastebenen Rumpffläche angehörig ist besonders im nördlichen Teil 
klar kenntlich. Im Süden gegen die Donau hin ist die Oberfläche 
komplexer gebaut. An zahlreichen Stellen dringt obere Süßwasser- 
molasse auf unregelmäßiger Basis abgelagert in die Hochflächen 
der jurassischen Schichten ein. Hier haben wir also eine ältere 
miozäne Zerschneidung der Rumpffläche und derselben folgende 
Yerschüttung mit Landbildungen. 

Das Gewässernetz geht gleichfalls auf alte Zeiten zurück. 
Am auffälligsten ist der Lauf der Pegnitz, die von Osten aus 
tieferem Land kommend, das ganze Hochland durchbricht, Gefälls- 
verhältnissen folgend, wie sie heute nicht mehr bestehen. Einzel- 
untersuchung konnte zeigen, daß die größeren Flüsse sich auch 
jungen tektonischen Wölbungen der alten Landoberfläche gegen- 
über sich siegreich behaupteten, während das Netz der Neben- 
flüßchen sich diesen anpassen mußte. 

Die Oberpfalz 

Die Oberpfalz (oder Oberfranken) ist die stark gestörte und 
dann eingeebnete Landschaft im Osten des Fränkischen Jura bis 
zum T^öhmerwald hinüber. Aus den sehr gleichförmigen luatt 
Hochflächen ragen die härteren Gesteine auf, so am nörd- '•^*- '•'* 
liehen Teil bei Eschenbach der Buntsandstein 500 m, höher der 
Culm bei Neustadt mit 682 m. Auf weite Flächen hin aber waltet 
die Keuperformation vor, auf deren Sandboden große geschlossene 
Wälder zu finden sind. Das , Gewässernetz weist konsequente und 
subsequente Züge in raschem Wechsel auf. 



272 Oberdeutschhmd 

Weiter südlich sind die Schichten des Rotliegenden heraus- 
gearbeitet, deren Höhen bis gegen 600 m reichen und gegenüber 
der Keu])erhindschaft ein unregehuäßigeres Relief zeigen, auch 
stärker als diese gerodet und bewohnt sind. Jenseits des Ehen- 
talcs folgt dann das Alte Gebirge 600 bis nahezu 700 in hoch. 
In epigenetischem Tal bricht die Naab hindurch und erreicht das 
weite Becken von Schwandorf, das im Westen vom Jurarand mit 
500 m Höhe überragt wird. Dasselbe setzt sich nach Südosten 
hin als dichtbewaldetes welliges Land von etwa 500 ni Höhe fort, 
s(5lir dünn bewohnt, eingerahmt von dem mit Einzelsiedlungen 
dichtbestreuten, kuppigen, meist auch etwas höheren Grundgebirge, 
das dei' Regen in ebenfalls epigenetischem Tal dui'chbricht. 

Die ganze Landschaft hat eine große Verkehrsbedeutung, Sie 
wurde im 4. und 5. Jahrhundert von den aus Böhmen vordringenden 
Bajuwaren besiedelt, denen dann die Slawen bis in den nördlichen 
Frankenjura hinein folgten. Im 7. Jahrhundert wurde das Christen- 
tum eingeführt, und damit begannen die ausgedehnten Rodungen. 
Später wurde stellenweise so z. B. um Amberg herum durch die 
Gewinnung von Eisenerzen und Eisen eine Verdichtung der Be- 
siedlung herbeigeführt. Die blühende Industrie verfiel Ende des 
18. Jahrhunderts, hat aber auch jetzt noch eine gewisse wirt- 
schaftliche Bedeutung. 



Das Niederbayrische Hügelland 

t^ber das nur 1 km breite Donautal hinweg vollzieht sich bei 
Kehlheim in 450 bis 500 m Höhe der Übergang von den Hoch- 
Biatt flächen der Oberpfalz zum Niederbayrischen Hügelland, 
173. 174. das als1)ald mit dem Einsinken der jurassischen und 
Kreideschichteu nach Südosten hin den ihm eigentüm- 
lichen Charakter starker Zerschnitteuheit annimmt. Das epigene- 
tische Donaudurchbruchstal ist hier eine gewissermaßen zufällige 
Erscheinung, der als Scheide kein erheblicher Wert zukommt. Das 
ändert sich unterhalb Regensburg, wo die von der miozänen Fluß- 
aufschüttungsfläche sich einsenkende Donau einen weiten mit 
lockenMi tertiären Schichten aufgefüllten Hohlraum der harten 
(Jrundgebirgsschichten vorfand, den sie stark ausräumte. Dort 
erscheint daher das Donautal gegenüber dem Hügelland ebenso als 
eine besondere Landschaft wie oberhalb Neustadt. 



Niederbayrisches Hügelland 273 

Um das Wesen des Niederbayrischen Hügellandes richtig er- 
fassen zu können, begeben wir uns in den östlichen Teil desselben. 
Dort liegt die Landoberfläche in etwa 600 und mehr Metern Höhe 
und die Gesteine, die sie aufbauen, gehören noch dem kristallinen 
Rumpf der böhmischen Masse an. Dann kommt ein tertiäres 
Hügelland, dessen Gipfel etwa 400, ein wenig südlich etwa 500 m 
Höhe erreichen. Dann folgt ein steiler Aufstieg, mit dem die Höhe 
des Haüsruck in 750 bis 800 Metern über dem Meere erreicht 
wird. Dieser plateauartige Rücken ist eine isolierte Masse hori- 
zontal lagernder junger tertiärer Schichten, die wohl deshalb von 
der Al)traguug verschont blieb, weil in ihrem Hintergrund kein 
Tal des Alpeninneren sich öffnet. Bei der Wanderung von den 
kristallinen Gesteinen der böhmischen Masse bis hieher hat uns der 
Weg über verscliiedenaltrige Molassescliichten hinweggeführt, d. h. 
wir haben eine zerschnittene Rumpf ebene passiert. Mit dem 
Inselberg des Hausruck erreicht sie im Süden ihre größte Höhe 
vor den Alpen, denn südlich davon beginnt das Erosionsgel)iet der 
Gletscher, in dem die Seen nur etwa 500 m Spiegelhöhe haben. 

Weiter westlich bilden GümbeTs obermiozäne Schichten die 
Oberfläche. Es sind alte Flußaufschüttungen mit Braunkohlen, 
einzelneu Quarzgeröllhorizonten, die nach Norden hin streifenförmig 
in die Alb eingreifen — ältere Täler verschüttend, wie geomor- 
phologische Untersuchung nachwies. Auf dieser Flußaufschüttungs- 
ebene sind die Donau und ihre Zuflüsse angelegt worden, die 
Donau selbst vor ihrem Einschneiden weiter nördlich fließend und 
erst zur Rißzeit die Strecke Neustadt — Kehlheim einschlagend. 

Das Hügelland ist jetzt ein insequent reif zerschnittenes Gebiet, 
mit zahllosen Einzelsiedlungen bedeckt, zwischen deren Feldfluren 
sich unregelmäßig begrenzte Waldstücke meist kleinen Um langes 
erhalten haben. 

Die größeren Flüsse wie Isar und Vils haben Zeit gehabt, in 
enger Anpassung an die während der Eiszeit fast unbeweglich 
liegende Erosionsbasis (Donau bei Passau) durch Seitenerosion 
breite Talniederungen zu entwickeln, auf denen sie vor der Regu- 
lierung unregelmäßig verwildert dahinflössen. Auf diesen und an 
der Donau liegen die wenigen größeren Orte der Landschaft, vor 
allem Regensburg, einst die bedeutendste Stadt Süddeutschlands. 
Der Stadtplan läßt die Elemente des Aufbaues und der Entwick- 
lung der Stadt noch heute recht gut erkennen. In der Mitte der 
Altstadt sieht man unschwer die Rechteckform und die gebogenen 

Braun. 18 



274 Oberdeutschlaud 

Kcken des röiiiisdieu Lagers, dessen Längsachse nüidlicJi, also 
senkrecht zum Fluß steht. Dorthin führt das erhaltene Rr»mertor 
nördlich des Domes. Das zweite, was im Stadtbild auffällt, sind 
die zahlreichen kirchlichen Bauten. Sie deuten darauf hin, daß 
Eegensburg Ausgangspunkt der Kolouisierung und Christianisierung 
der Grenzlande im frühen Mittelalter war. Dementsprechend er- 
fuhr die Stadt ihre erste Erweiterung über den römischen Umriß 
liinaus schon im 10. Jahrhundert und zwar nach Westen hin, wo 
das Kloster S. Emmeram in die Mauer eiül)ezogen wurde, die von 
dort aus über den jetzigen Arnulf-Platz hinweg im Weißgerber- 
CTral)en die Donau erreichte. Dieser neue Bezirk wurde zur 
I\aufmannsstadt und am Donauufer legten unmittelbar die Schiffe 
an, welche die Waren aus dem Orient herbeibrachten. 

Im 13. Jahrhundert wurden dann die im Osten und Westen 
seither entstandenen Vorstädte mit in die Umwallung einbezogen 
und der durch die heutigen Anlagen uiul einzelne noch stehende Tore 
gekennzeichnete Mauerring wurde angelegt. In die erste Hälfte 
des 12. Jahrhunderts fällt der Bau der Brücke, die über die Donau- 
inseln hinweg das Nordufer erreichte, wo der Brückenkopf Stadt- 
amhof entstand. Damit ist die räumliche Entwicklung bis in die 
Eisenbahnzeit hinein abgeschlossen. Die ruhige Umbildung dieser 
rein agi'arischen Landschaften Bayerns brachte es mit sich, daß 
so sehr viel der alten Baulichkeiten Regeusburgs bis in die Gegen- 
wart erhalten V)leiben konnte, daß das Stadtbild in seiner Bedeutung 
für die Erkenntnis der Baukunst des frühen Mittelalters an das 
heranreicht, was für später Nürnberg bietet. 

Die weite niederbayrische Donausenke zwischen Regensburg 
und der Vilsmündung gliedert sich in die feuchte Stromniederung 
mit ihren Altwassern und Auwäldern und eine etwa lo m höher 
gelegenen Terrasse, die lößbedeckt, waldlos und äußerst fruchtbar 
ist. Da wo diese Terrasse an die Donau herantritt, liegt Strau- 
]»ing, der Hauptort der ganzen Landschaft. Wenig untei'halb 
strömt der Donau die verwilderte Isar zu, deren Talboden eine 
weite unbewohnte Zone im Hügelland bildet. Nur randlich liegen 
Döi'fer und auch Landshut, das in der Niederung sich weitet, 
gellt auf die Burg zurück, die südlich am Berge erbaut, seit dem 
{beginn des 13. Jahrhundert die Lande umher hütet, von wo aus 
die Stadturündun"- im Tal 1204 und wieder 1338 erfolü'te. 



Die Alpen und ihr Vorland 275 



Die Alpen und ihr Vorland 

Überblick 

Diejenigen Teile von OberdeutscMand, die südlich und westlich, 
von Niederbayern liegen, tragen in ihrem Ban und Aussehen so 
sehr den Charakter eines Gebirgsvorlandes, daß es geboten erscheint, 
um sie voll verstehen zu können, zuerst dies Gebirge selbst auf- 
zusuchen und kennen zu lernen, von dem aus die Einwirkungen 
auf das Vorland sich vollzogen haben. Diesen nachgehend werden 
wir leicht in seine Eigenart eindringen können und den Anschluß 
an die schon gescliilderten Landschaften auf naturgemäßem Weg 
gewinnen. 

Wenn wir uns somit jetzt den Alpen nähern, müssen wir uns 
darüber klar werden, daß wir einen Landstrich erreichen, der 
geomorphologisch wie historisch ganz andere Verhältnisse zeigt als 
Mittel- und Südwestdeutschland. Geologisch gesprochen erreichen 
wir eine Geosynklinale mit abweichender Sedimentation, geomor- 
phologisch ein Hochgebirge mit seinem Schuttkranz, biogeographisch 
einen Grenzwall und ein Gebirge, das die Schneegrenze noch gerade 
erreicht. 

Während die mesozoischen Sedimente Mitteldeutschlands Land- 
bildungen oder doch Absätze nur seichter Meere sind, haben wir 
es im alpinen Bereich mit Ablagerungen tieferer Meere in einer 
Zone zu tun, die vielfach starkem Wechsel der Sedimentationsvor- 
gänge infolge von Senkung oder Hebung unterworfen war. So ist 
insonderheit die Trias ganz anders ausgebildet als im Nordeu, 
während jurassische Schichten keine größere Bedeutung haben und 
die Kreide schließlich im Flysch mit alttertiären Schichten ver- 
schmilzt. Folgende Tabelle (Seite 276) nennt die wichtigsten 
Ausbildungsformen. 

Der Entwicklungsgang dieser Geosynklinale zum Hochgebirge 
ist lang und reich an Abwechslung gewesen, seine Phasen liegen 
unserem Blick heute erst teilweis kenntlich vor. Als Gebirge, Er- 
hebung treten die Alpen jedenfalls im Oligozän kenntlich auf, denn 
mit Schichten dieses Alters beginnt der Schuttkranz in ihrer 

18* 



276 



Die Alpeu und ihr Vorland 



Alter 



Stufe 



Gestein 



Morpliolog. 
Wert 



Kreide 



Malm 

Dogger 

Lias 



Keuper 



Musclielkalk 



Neokom 



Gosaubildungen — Flysch, dunkle 
Schiefer, sandige Mergel u. a. 



Aptycheukalke u. a. 
Fleckenmerffel • — rote Kalke von Adneth 



Rhätisch 

No'risch 

Karnisch 

Ladiuisch 

Auisisch 



Kössener Schichten 150 — 200 m 
Hauptdolomit — Dachsteinkalk 1000 m 
Raibler Schichten 200—800 m 
Wetterstein-Kalk über 250 m 
Partnach Schichten 200—400 m 
Muschelkalke 250 m 



Buntsandstein Skythisch | Werfener Schichten 



weich 

hart 

weicli 

hart 

weich 

weich 



Unig'ebuug. Mehrfaclie Beweg-unoen in diesem und dem folgenden 
Abschnitt der Tertiärzeit schufen einen Landstrich sehr ver- 
wickelten inneren Baues, der sich in Intervallen über seine nörd- 
liche Umgebung erhob und dessen Flüsse dann jedes Mal mächtige 
Öchuttmassen über dieselbe hin breiteten, die sog. Molasse, eine 
Serie von Saudsteinen und Konglomeraten, deren Absatz im Aqui- 
tanien (Oberohgozän) begann und im Ober -Miozän (Tortonien) 
schloß. Diese obere Süßwassermolasse ist noch von den gebii-gs- 
bildenden Bewegungen betroffen, teils gefaltet, teils ist das ältere 
Gebirge von Süden her auf sie überschoben. Wenige grobe Kon- 
glomerate auf den Höhen heutiger Vorberge geben noch Anzeichen 
der Lage der damaligen Landoberfläche. Dann setzt die Zertaluug 
ein: im Nordwesten zur Basis der südlichen mittelrheinischen Senke 
(bei Basel etwa 500 m), im Osten zur Donau, die etwa die heutige 
Lage einnahm, nur wesentlich höher floß. Wie diese Zertaluug 
allmählich zur Ruhe kam und eine Gleichgewichtsfläche hinterließ, 
die langsam gegen die Alpen hin anstieg und in diese überging, 
die zur Pliozänzeit nur ein Mittelgebirge waren, ist bereits ge- 
schildert (S. 23 f.) ; sie konnte im Osten der Alpen auf österreichi- 
schem Boden bereits geomorphologisch und auch auf geologischem 
Wege als eine gealterte Landol)erfläche nachgewiesen werden; auf 
deutschem und schweizer Boden fehlt noch der Altersnachweis, 
vorhanden sind die entsprechenden Verebuungsflächen auch dort. 
Zum Hochgebirge wurde das jungtertiäre Mittelgebirge durch 



Überblick 277 

Hebung- iiud Vereisung im Laufe der Diluvialperiode. Während 
die Gletscher die Täler ausweiteten und übertieften, ihre Schmelz- 
wasser sie wieder verschütteten, bildeten Kare und Firnmulden 
die breiten RundHnge zu Spitzen und Graten um. Dazwischen 
lag die Höhenzone geringerer Intensität der Eiswirkung- : die breiten 
Schultern, über welche das Eis nur zeitweise hinwegströmte, ohne 
sie wesentlich zu verändern, in denen uns die prägiazialen Formen 
noch am besten bewahrt erhalten sind. 

Heute findet sich im deutschen Anteil an den Alpen nur im 
Wettersteingebirge ein kleiner Gletscher. Wohl aber ragen aus- 
gedehnte Gebiete über die Baumgrenze auf, so daß der alpine 
Charakter der Vegetation doch Raum zur vollen Ausbildung 
hat. Der Zugspitzgipfel liegt nahe an 3000 m, bei 2200 etwa liegt 
die Schneegrenze, bis 2000 m etwa steigt in Baj^ern das Knieholz, 
bis 1700 m der Nadelwald empor. Oberhalb dieser Linie entwickelt 
sich die Mattenregion immer mehr und erreicht größte wirtschaft- 
liche Bedeutung. Hier fand der Ansiedler, der mühsam rodend in 
die Wälder der tieferen Teile des Gebirges eingedrungen war, von 
Anfang an waldfreies Gebiet, Raum und Nahrung für seine Herden 
wenigstens den Sommer über. Der Halbnomadismus eines Teiles 
der alpinen Bevölkerung bildete sich früh schon aus und gab dem 
ganzen Gebirge seinen landschaftlichen Charakter: Rodung in den 
Tälern, bewaldete Hänge und weithin die Mattenregion darüber 
mit periodischer Besiedlung bis an die Felsen und Schnee und 
Eis hinan. 

Die Gliederung des deutschen Anteils am Gebirge geht auf 
Unterschiede im Bau zurück. Der äußerste Westen, zwischen 
Rhein und Hier, gehört noch zu den benachbarten Schweizer 
Alpen, der Bau des Säntisgebietes und seines Vorlandes, die 
Molasse- und Flyschberge mit den Kreideschichten der helvetischen 
Decke wiederholen sich hier. Aber schon im liiergebiet selbst 
ändert sich das. Über den Flysch legen sich, von Süden her über- 
schoben, die eigentlichen Ostalpen in Form mehrerer Schubmassen, 
die vornehmlich aus triadischen Schichten bestehen. Sie sind bei 
der Bewegung, sofern nicht ganz starre Kalkklötze, die ja im 
Schichtenverband mehrfach auftreten (s. die Tabelle S. 276), das 
hemmten, in mehrfache, jeweils mäßig weit streichende Falten 
gelegt worden. So tritt neben das Kreide- und Flyschgebiet der 
Allgäuer Alpen, das noch den Rand der Sclmbmassen umfaßt, 
das Faltenland der Bayerischen Alpen. Was hier eben angedeutet 



278 ^i^ Alpen uud ilir Vorland 

wiii-(lo, wird weiter östlich zur Hegel: im Land Berchtesgaclen 
bclierrscheii die bis an den Gebirg-srand vorg-eschobenen starren 
Kalkklütze den Bau und das Landschaftsbild mit ihren 2()()0 bis 
3000 m eri'eichenden großen Höhen. 

Diese drei Teile verhalten sich sehr verschieden zu ihrem 
Hinter- und Vorland. Das Allgäu ist gegen Süden al)geschlossen, 
gegen forden hin geöffnet. Gut durchgängig ist der bayerische 
Teil, wo im Fernpaß, Seefelder Paß und am Achen-See das zentral- 
alpine Eis des Inntales sich nach Norden hindurchzwängte und 
die früheren Buckel und Rücken zu niedrigen Pässen abschliff, zu 
denen der Zugang von Norden und Süden leicht ist und von wo 
aus die Breunerfurche ein rasches Überschreiten des Hauptkammes 
ermöglichte. Das ändert sich wieder nach Osten hin, wo nur 
gegen die Hochebene der Ausgang leicht ist, selbst Salzburg durch 
den Engpaß von Lueg vom Gebirgsinneren abgeschnürt wird. So 
ist die Entwicklung einer Staateugrenze aus den Naturbedin- 
gungeu immerhin wohl verständlich; sie verläuft jetzt in einem 
breiten, großenteils unbewohntem Saum. 



Die Allgäuer Aipeti 

Die politische Grenze schneidet im Dlergebiet ein keineswegs 
einheitliches Eaudstück aus den Alpen heraus. Es umfaßt im 
Blatt Nordwesten ein Glied der schweizerischen Voialpen, 
is;. ISN. ül)er dem sich in der allgemeinen Linie Mittelberg — 
Oberstdorf — Vilsbach die Kalkhochalpen erheben. Das 
Bregenzer Waldgebii'ge ist als Decke über die Molasse überschoben, 
die Kalkhoch;ili)en wiederum als Decke über den Flysch. Nur für 
diesen Teil genügt die anfangs gegebene Schichtenfolge; im Bre- 
genzer Waldgebirge erreicht der Ftysch eine sehr große Mächtig- 
keit und dann Kreideschichten der helvetischen Fazies, in denen 
ein häufiger Wechsel der Widerstandsfähigkeit stattfindet, die aber 
in iliren ol)eren Horizonten im Schrattenkalk ein 500 m mächtiges, 
sein' hartes Schichtglied aufzuweisen haben. 

Der Pfänder bei Bregenz ist ein weit bekanntes Beispiel der 
Oberflächengestaltung in den westlichen Vorbergen der Alpen. 
Mihi und weich sind die Formen seiner Hochfläche, die eine dichte 
llas(;ndecke und Wald überzieht; nur randlich, wo Erosion gewirkt, 
bilden die Nagelfluhbänke steile Felswände, deren eine, die weit 



Die AUgäuer Alpen 279 

nach dem Elieintal hin vorg-eschoben ist, die Wallfahrtskirche des 
Gebhardsberg-es krönt. 

Nicht wesentlich verschieden sind die Formen der Zone der 
nnteren Süßwasser -Molasse mit ihren Nagelfluhbänken im Süden. 
Doch ragt immerhin der Zug des Rindalpenhorn 1822 m so hoch 
auf, daß seine Nordseite durch Kare gegliedert wird, dei'en Boden 
in 1150 bis 1250 m Höhe zu finden ist. Noch weicher sind die 
Formeh des Flyschzuges mit Rindberghorn 1787 und Böigen 1712, 
aus denen nur einzelne Kalkklippen schärfer umrissen heraustreten. 
Dann aber ragen hohe Gebirgsmauern auf, nachdem schon die 
geologische Grenze zwischen Flysch und Kreide überschritten ist, 
die Nordwände der Winterstaude 1878 m und die Gottesackerwände, 
aufgebcHiit aus den Kalkmassen der Kreideformation. Mit steilen 
Kämmen treten sie an das Illertal westlich Oberstdorf heran. 

Noch einmal stellen sich die weicheren Formen des Flysch- 
gebietes, seine runden Grasberge, im Südwesten von Oberstdorf ein, 
schon aber liegen auf den Höhen die schroffen Kalkberge der 
triadische» Kalkhochalpen, der Griesgund-Kopf 2162 m, Himmel- 
schrofen 1790 m, Riffenkopf 1749, die die ganze Ostseite des 
Hiertales begleiten. Der Hauptdolomit setzt sie zusammen, dem 
die weniger widerstandsfähigen Fleckenmergel, hellgelb verwitternde, 
dunkelgraue Mergelkalke, in 500 m Mächtigkeit aufliegen. Mit 
ihrem Auftreten ändert sich wohl der Charakter der Bergformen, 
eine erosive Niederung, wie es ihrer geringen Widerständigkeit 
entspräche, bilden sie jedoch nicht. Gleichwohl ist der Höhen- 
unterschied gegenüber den Gipfeln der ersten Staffel der Leclitaler 
Schubmasse, wie Wilder Mann 2577 m, Mädelegabel 2645 m, Gruppe 
der Öfner Spitze 2578 m recht bedeutend. 

Diese Gruppe stolzer, reichlich durch Kare gegliederter Er- 
hebungen begleitet die Ostseite des Illertales bis gegen Hindelang, 
wo sie nach Osten hin abbiegt. Wiederum treten im Gebiete der 
Wertach mildgeformte Flyschberge auf, die nur der scharfe Zug 
des Grünten 1738 m unterbricht, aus Kreidekalken bestehend und 
ein Ausläufer der Kreideketten westlich der Hier. Von dort geht 
es schnell ins Vorland hinunter. 

Die Wasserscheiden um das Illertal herum sind die am spätesten 
besiedelten und noch heute zum großen Teil unbewohnten Teile 
des Gebietes, von dichtem Wald in den tieferen Zonen überzogen, 
dem sich oberhalb 1700 m die Krummholzzone anschließt, die etwa 
bis 2300 m reicht. Die Besiedlung des Nordrandes des Gebirges 



280 Die Alpen und ihr Vorland 

und des Illertales geschah wesentlich unter kräftigem Einfluß der 
Kirche, später des Adels, dessen Sitze hier noch heute in ganz 
auffällig reicher Zahl erhalten sind und die Physiognomik der 
Landschaft an vielen Stellen bestimmen. Adlige Grundherren 
waren es auch, die im Ki. und 17. Jahrhundert den Eisenbergbau 
begannen, der sich am Grünten bis ins 19. Jahrhundert erhalten 
hat und auf den das Hüttenwerk Sonthofeu zurückgeht. Damals 
wurden große Waldflächen niedergelegt und die dadurch geschaffenen 
Wiesenflächen zur Viehzucht und Mlchwirtschaft verwandt, die 
seit den ältesten Zeiten hier blüht. Der damit im Bergland ver- 
bundene Halbnomadismus hat das Bild der heutigen Besiedlung 
allmählich ausgestaltet. Zu größter wirtschaftlicher Bedeutung ist 
dann seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Käsefabrikation heran- 
gewachsen, seit haltbare Sorten hergestellt werden konnten und 
der Bahnbau raschen Export ermöglichte. Der hübsche Marktplatz 
Oberstdorf sammelt den Verkehr zu seiner Bahnstation und leitet 
ihn an Sonthofen vorbei bei Immenstadt der Hauptbahn zu. 



Das Faltenland 

Infolge der vielen Quertäler der Bayerischen Alpen kommen 
lange Gebirgszüge etwa von der Art mancher Ketten des Schweizer 
Blatt '^^"''^ nicht zur Ausbildung, Als Ausgangspunkt zur 
ISS. 1S9. Betrachtung der mittleren Teile des Gebirges kann uns 
194. i9o ^1^^ We tt er stein gel) irge mit der Zugspitze dienen, 
dem im Süden die Mieminger Kette gegenüber liegt, ebenso aus 
Wettersteinkalk aufgebaut; dazwischen verläuft das Gaistal, dessen 
Boden an seiner höchsten Stelle 1550 m hoch liegt. Während die 
Kalke fast gänzlich vegetationslos sind und ungeheure Schuttmassen 
liefern, die sich in öden weißlichen Halden anhäufen, ist ihre Um- 
gebung meist mit schönen Wäldern l)edeckt, in denen ausgedehnte, 
sehr geschonte Jagdgebiete zu finden sind. Die Schuttmassen 
erschweren den Überblick und das Eindringen in den Gebirgsbau 
sehr, so daß erst die Spezialkartierung der letzten Jahre eine 
richtigere Erkenntnis veruiittelte. Diese muß von der Tatsache 
ausgehen, daß überall an der Basis des Wettersteingebirges und 
der Mieminger Kette die jüngsten Schichten, nämlich Jura und 
Kreide auftreten. Über diese Grundlage hinweg sind die älteren 
Scliichten mit dem für die Formengebung wichtigsten Glied des 
Wettersteinkalkes unter weiterer Schuppung von S nach N hinül)er 



Das Faltenland 281 

geschoben, wobei stellenweise eine Aufquetschung der Grundlage 
eintrat, die im .,Hohen Kamm" des südlichen Wettersteinzuges das 
Neokom bis zu 2350 m aufpreßte, so daß es hier die Bildung der 
Wasserscheide übernahm. Von diesem Zug, der den südlichen 
Kamm von Ehrwald an bis zum Puit- Bach -Tal begleitet, bildet 
sich nach Süden hin eine normale Mulde aus, in deren Streichen 
das Gaistal verläuft, während jenseits die Scliichten zum Mieminger- 
kamm wieder ansteigen. Es ist also geo morphologisch der südliche 
Wettersteinkamm als die Schichtstufe der Wettersteinkalke über 
dem geologischen Fenster der weichen Basisschichten im Süden 
aufzufassen. Den gegenteiligen Schichtkamm mit nach Norden 
gekehrter Stirne bildet der an ihn gleichsam angeklebte Zug 
Gehren-Spitzen bis Hochwannen, der dann in die steilen Hänge 
unterhalb der Seeben -Alp und Sonnspitz übergeht. Von hier an 
biegt sich der Wettersteinkalk nach Osten zur Mulde des Gais- 
tales ein. 

Im Nordwesten und Südosten schließen sich weite kuppige 
Plateaus an das Wettersteingebirge an. Sie haben sehr gleich- 
mäßige Höhen von 1500 bis 1550 m und die Täler sind in sie um 
500 m eingesenkt: sie bestehen aus Hauptdolomit und sind wohl 
als nur selektiv vom Eis veränderte Teile der präglazialen Ober- 
fläche aufzufassen, die dann von den Gipfeln noch um 1000 bis 
1500 m überragt wurden. Wir erkennen sie wieder in 1600 m 
Höhe westlich des Negel-See, in 2300 m Höhe im Platt und auf 
den zahlreichen Querkämmen, die von den Hauptkämmen des 
Gebirges seitlich ausstrahlen. In diese noch leidlich selbst auf 
Übersichtskarten kenntlichen, welligen Flächen mit einer Relief- 
energie von etwa 1000 m — die in manchen Stücken wohl am 
meisten Teilen des Falten-Jura glichen — sind die Tröge der dilu- 
vialen Vereisung scharf um 500 bis 1000 m eingesenkt, während 
zahlreiche Kare die einst runden Rücken zu scharfen Graten zer- 
wirken. Im Osten und Westen ström, te, 2000 m Höhe erreichend, 
das zentralalpine Eis aus dem Inntal vorbei, die von ihm durch- 
flossenen Täler mächtig übertiefend. Dies bot der postglazialen 
Erosion Anlaß in Klammen und Schluchten den gleichsohligen 
Anschluß an die Haupttäler wieder herzustellen (Höllental, Part- 
nach-Klamm u. a.). 

Im Nordwesten, im Vorland des Wettersteinzuges, liegen andere 
Gebilde. Der uns aus dem Allgäu schon bekannte Flyschzug mit 
den helvetischen Kreideeinlagerungen verschmälert sich nach Osten 



282 I^i*? Alpen und ihr Vorlauil 

hin sehr und bildet nur mehr oine bestimmte Zone von Vorbergen. 
Zu ihnen g-ehört die Gruppe des Hohen Traueh-Berg'es, die sich 
dem Ammer- Gebirge vorlegt, lundliche, reich durchtalte Kuppen. 
Jenseits der Ammer gehören Hörnle 154S m und Aufacker 1542 m 
hierher. 

Steil erhebt sich darüber der Rand der Kalkvoral])en, Ammer- 
Gebirge und Laber -Gel)irge. Den 200 m hohen Rand biklen im 
Westen die Aptyehenkalke des Jura, die Kämme verschiedene harte 
Glieder der triadischen Schichtreihe, zwischen denen zenomane 
Konglomerate in meist tiefeivr Lage zutage treten. Die 2000 m 
gerade ül)erschreitenden CJipfel sind durch Kare reich gegliedert 
und von großer Formenfülle. Ahnlich im Laber-Gebirge, wo der 
eigentümlich säulenförmige Gipfel des Ettaler Manndl (1633 m) 
von steilstellenden Kalken gebildet wird, in welche von Norden 
her Kare eingreifen. 

Südwärts liegt ein weiter Raum, der (einheitlich ans Haui)t- 
dolomit aufgebaut ist, zwischen dem nur hier und da die jurassische 
Grundlage hervorschaut. Die Berggestalten sind plump und er- 
halten ihre Gliederung nur durch Kare, die aus den Rundlingen 
pyramidenförmige Gipfel haben hervorgehen lassen. Ein gutes 
Beispiel ist die Gruppe des Krotten-Kopfes 2086 m, die mehrere Kar- 
treppen aufzuweisen hat. Etwa bei 2000 m liegen die größten Er- 
hebungen dieser Zone, über der sich, 500 m h(')lier, Wetterstein- und 
Karwendel-Gebirge aufl)auen. 

Es ergibt sich somit für das bayerische Faltenland ein deutlich 
zonarer Aufbau: im Norden eine au den Flysch anstoßende Rand- 
zone (Ammer-Gebirge, Laber-Gebirge, Heimgarten-Zug, Benedikten- 
Wand), Jura- und Kreidegesteiue mit einzelnen, die Gipfel bilden- 
den Triasschollen; die Zone des Hauptdolomits mit ihren Fenstern 
(Loisacli-Bergland, Isar-Bergland, Mangfall-Gebirge) und schließlich 
die Zone triadischer Kalkhochgebirge (Mieminger, Wetterstein, 
Karwendel, Kaiser- Gel)irge). Das tektonische Verhältnis dieser 
Zonen zueinandei" ist noch nicht ganz geklärt, es sind Teile von 
Decken, die erste Zone jedenfalls die Stirn dei'selben mit Auf- 
tauchen des Untergrundes. 

Die Formen der Berge der drei Zonen werden außer durch 
die Eigenschaften des Gesteines durch ihre Htihenlage bestimmt. 
Das Eis der Talgletscher reichte im Süden bis 2000 m, im Nordeu 
I)is 1500 m liiuauf. Oberhalb entwickelte sich die Lokalver- 
gletschcrung, die in der l^enediktenwand z. 1^. hochalpine Formen 



Das Faltenland 283 

bis an eleu Gebirgsrand herantreten ließ, während im Karwendel 
und Wetterstein lange Gratreiheu und Pyramiden entstanden. 

Die Besiedlung des ganzen Gebietes ist außer an den Seen 
sehr dünn. Als natürliche Siedlungen, die ihr eigenes sich selbst 
erhaltendes Dasein führen, finden wir nur Talsiedlnngen, von denen 
aus aber die höheren Teile bewirtschaftet w^erden; an günstigen 
Stellen schließt sich an die Talwiesen die Bergmahd zoue an, sonst 
der Wald, der etwa 1900 bis 2000 m, auf der Sonnenseite nur 
1600 bis 1700 m erreicht und nach oben in die häufig- sehr schwer 
zugängigen Krummholz- oder Latschengebiete übergeht. Darüber 
folgt dann die Almzone bis etwa 2200, 2300 m, wo sich periodisch 
bewohnte Siedlungen befinden. Sie werden vom Tal aus bezogen 
und es findet ein echter Halbnomadismus der Bewohner und eines 
Teiles der Herden sich hier noch vor. Sonst gibt es nur oft weit 
voneinander entfernte kleine Siedlungen, die dem Forstbetrieb, der 
Jagd dienen, und neuerdings eine Menge solcher, welche Touristik 
und der Alpinismus sieh geschaffen haben, die zum Teil sehr 
hoch hinauf gehen. Die höchste dieser Hütten auf dem Gipfel der 
Zugspitze dient gleichzeitig meteorologischen Zwecken. Immer aber 
liegen zwischen ihnen große, ganz unbewohnte Gebiete, die nur 
zur Sommerzeit häufiger aufgesucht w^erdeu; von ihnen ist wohl 
das Karwendel das größte. 

Spärlich nur sind die wirklich brauchbaren Durchgänge durch 
dieses Gebiet. In seinem Osten öffnet sich breit das Inntal, das 
die wichtigste Verbindung nach dem Innern der Alpen bildet, und 
demzufolge auch von der deutschen Zufahrtlinie zur Brenuerbahn 
aufgesucht wird. Eine zweite bequeme Senke weiter westlich, die 
am Walchensee vorbei über Mittenwald und den Seefelderpaß ins 
Inntal führt, hat erst in der Gegenwart eine Bahnverbindung er- 
halten, die aber ihrer starken Steigungen wegen immer eine nur 
dem Touristenverkehr dienende Strecke bleiben wird. Recht tief 
ist schließlich im Westen die Einsattelung des Fernpasses. Sie 
wird aber noch nicht durch eine Bahn benutzt, der bis Gannisch 
führende Schienenstrang hat hier noch keine Fortsetzung nach dem 
Innern des Gebirges gefunden. 

Weiter im Osten, jenseits des Inntales, scheidet eine innere 
Flyschzone mit der subsequenten Senke von Walchsee — Kössen— Reit 
im Winkel die nach Norden hin überschobeneii, aus triadischen 
Schichten aufgebauten Kalkvoralpen von den Kalkliochalpen. Diese 
erreichen in Verlängerung der Karwendelzone über das Kaiser- 



9^4 ^^^ Alpen und ihr Vorland 

Gebii'ge heranstreicliend mit eleu Wettersteinkalk -Bergen des 
Eansch-Berges 1670 und des Stauffen 1780 im Süden von Traun- 
steiu wieder den Gebirgsrand, vor den sich hier aber mächtige 
ungegliederte Flyschberge legen. Darüber ragen wieder die Wände 
des Hauptdolomit auf, im Sonntagshorn nahezu 2000 m erreichend, 
durch Kare stark orealiedert. 



Das Land Berchtesgaden 

Die Grundzüge des geologischen Baues dieses von hohen 
Plateaus umschlossenen Ländchens sind in der Einleitung bereits 
Blatt erwähnt, eine Decke harter Kalke ist über einen Unter- 
190.19(5 gniud geschoben, der im wesentlichen aus wenig 
widerstandsfähigen Schichten besteht. Die Erosion hat die Decke 
in eine Reihe einzelstehender Plateaus zerschnitten, deren höhere 
Teile in der Eiszeit diu-ch Karbildung zerstört und zu Gipfeln 
umgebildet wurden. Die Oberfläche eines jeden Plateaus, soweit 
sie noch erhalten ist. ist als Stück einer Rumpf fläche jedenfalls 
miozänen Alters anzusehen. 

Den Abschluß des Berchtesgadener Landes nach Xorden hin 
bildet der Untersberg 1970 m mit dem durch Kare scharf geformten 
Salzburger Hochthron. Das Lattengebirge besteht nur noch aus 
drei schmalen Graten, die von dem Kar -Kopf 173.5 m radial aus- 
strahlen und sich über Hochflächen von l-tOO bis 1500 m Höhe 
erheben. Weiter folgt das weite Plateau der Reiter- Alpe 1700 m; 
im Süden das Steinerne Meer 2500 m. im Osten das Hagen-Gebirge 
2000 m. dem sich im Xorden der reich gegliederte Hohe Göll 
2500 ra vorlegt. Im Inneren umschließen diese Plateaus die 
Gebirgsstöcke des Hochkalter 2600 und des Watzmann 2710 m, 
die durch Kare in Grate und Gipfelpyramiden aufgelöst sind. 

Diese eben umschriebene obere Gruppe von Erhebungen steigt 
aber nur selten unvermittelt aus den 550 m tiefen Tälern auf. 
Es schalten sich weit gespannte Hochflächen dazwischen, die wir 
am Latten- Gebirge bereits als im Mittel 1450 m hoch gelegen 
erkannten und die rings um den Königssee so^ie gegen das 
Salzachtal zu in 1700 m Höhe wiederkehren (Fielinger Alp usw.). Sie 
sind vorwiegend bewaldet, dienen aber auch wie im letztgenannten 
Fall der Alp^virtschaft. Noch tiefer, etwa 800 m, liegen die sog. 
..präglazialen" Talböden, in welche hinein dann das Salzachtal um 
300 bis 400 m troofförmio; niedergesenkt ist. 



Land Berchtesgaden 285 

Entsprechend ihrer Gesteinsbeschaffenheit und ihrer hohen 
Lage sind die sogenannten Plateaus völlig verkarstet, d. h. es 
findet ihre Entwässerung auf unterirdischem Wege statt. Damit 
fällt die Beziehung zur allgemeinen Erosionsbasis des Meeres fort 
und Erosion und Lösung erzeugen zahlreiche, voneinander unab- 
hängige Einzelformen je nach dem Widerstand, den ihnen diese 
oder jene Stelle des Gesteines gerade bietet. Eine höchst ver- 
worrene Topographie, wie sie nur Karten größten Maßstabes leid- 
lich richtig darzustellen vermögen, entsteht dadurch. 

In den Tälern ist jene älteste Schichtengruppe des Landes 
aufgeschlossen, welche ein Mineral enthält, das für den Besiedlungs- 
gang von großer Bedeutung werden sollte, das Salz. Zunächst 
freilich bot der Berchtesgadener Kessel nur wenig Verlockendes 
dar: das Klima ist rauh (Berchtesgaden Januar — 3,5, Juli 16,0, 
Niederschlag 1500 mm); im Inneren bietet der Boden die Möglich- 
keit zu Ackerbau, die Zwischenzone deckten dichte Wälder und 
auf den kahlen Plateaus tummelte sich seltenes Wild, alles Vor- 
bedingungen, wie sie sich auch anderswo in den bayerischen Alpen 
finden. So begann denn auch der Abbau der Salze von Nordosten, 
vom Salzachtal aus und nicht von innen. 

Die Besiedlung erfolgte wohl im 7. oder 8. Jahrhundert von 
Salzburg her; sie erliielt ihren Mittelpunkt mit der Gründung der 
Probstei Berchtesgaden Anfang des 12. Jahrhunderts. In dem dank 
seiner Lage sehr selbständigen kleinen Territorium entwickelte 
sich eine halb bäuerliche, halb industrietreibende Bevölkerung. 
Salzgewinnung und Holzverwertung waren es vornehmlich, die 
neben dem Ackerbau und der Viehwirtschaft getrieben wurden, 
nicht in der Weise, daß sich zw^ei Volksklassen herausbildeten, 
sondern der Arbeiter war zugleich Landwirt. So war weitgehende 
Besitzzersplitterung möglich. 

Die vorherrschende Siedlungsform sind Einzelhöfe, die oft 
zu Weilern zusammentreten. Sie gehen bis 1100 m hinauf, die 
Almen bis 1600 m. Geschlossene Siedlungen sind selten. Das 
alte Reichenhall am Austritt der Saalach aus dem Gebirge zieht 
sich an dem 80 m hohen Streit -Bühl hinauf und hat die Saline 
und das Rathaus zum Mittelpunkt, von wo man nach Schloß 
Gruttenstein aufsteigt. Gegen den Bahnhof und St. Zeno im Nord- 
osten hin dehnt sich die neue Stadt mit Villen, Hotels, Kur- 
anlagen. 



280 Die Alpen und ilir Vorland 

Dei- alte Markt Berchtesgaden lieg-t mit eng- gedriing-teu 
Häusern am Osthaug des Kälberstein. In weitem Kranz umgeben 
ihn die zahlreichen Einzelsiedhmgen und Anlagen, welche der 
lebhafte Fremdenverkehr in der vorher so einsamen Landschaft 
erzeugt hat. Auf dem Verkehr der jährlich etwa 100000 Fremden, 
welche das Land Berchtesgaden besuchen, beruht denn auch fast 
ausschließlich dessen in der Gegenwart sich steigernder Wohlstand 
und sein Wirtschaftsleben. 



Das Alpenvorland 

Überblick 

Es hat sich im Verlauf der Darstellung schon öfter Gelegen- 
heit geboten, auf Landschaften hinzuweisen, deren Eigenart nur aus 
ihrer Lage als Gebirgsvorland zu verstehen ist. Ich erinnere an 
die Harzvorländer (S. L52), das schlesische Gebirgsvorland (S. 210) 
u. a. Von allen diesen unterscheidet sich das Alpenvorland in 
wesentlichen Punkten. Seinem Untergrund fehlen die mineralreichen 
Gesteine des Gebirgsinneren vollkommen, da die Al})en ein nach 
Norden hin bewegtes und überschobenes Gebirge sind, dessen Nord- 
raud noch annähernd mit dem Nordrand der Bewegung selbst zu- 
sammenfällt. Das Gebirge aber ist ein hohes Gebirge gewesen, 
als die diluviale Klimaverschlechterung eintrat, so hoch, daß es 
Sammelfläche großer Schneemassen wurde, deren Abfluß in Glet- 
scherform weithin das Vorland überschwemmte und damit unmittel- 
bar Wirkungen auf dieses ausübte, Wirkungen, die nicht an der 
Grenze des Eises selbst zu Ende sind, sondern weit darüber hin- 
ausreichen. Diese in großen Bogen verlaufende Eisgrenze ist die 
wichtigste morphologische Linie des Alpenvorlandes: innerhalb d. h. 
zwischen ihr und dem Gel)irge herrscht die Eiserosion, das Zuugen- 
l)ecken mit seinem Komplex von Erscheinungen ist die maßgebende 
Form. Außerhalb herrscht die Aufschüttung vor, die Landplatte 
ist die vorwaltende Form (vgl. Taf. XXXHI, Abb. 1). 

Nur an einer Stelle geht auf einer Strecke von etwa 10 km 

Ibvite (las Alpenvorland ziemlich unmittelbar in die Alpen über, 

Biütt ohne daß die Eiserosionszone sieh dazwischen legte, das 

"^' ist westlich von Kempten, zwischen den Zungenbecken 

\'()n Ivhein und Hier, wo Württemberg und Bayern aneinander 

urenz(!n. W\\ rundlichen Formen steigen hier die Vorberge all- 



Alpenvorland. Zungenhecken 287 

mählich an, vou 950 in bis 1100 ni; nnr unbedentende Flächen- 
Stücke scheinen anf ihren Höhen erhalten, als Beste älterer Topo- 
graphie. Weiter nach Süden lösen Täler, in die sich Eiszuugen 
gedrängt haben, den Zusammenhang. Doch gelangt man vom 
Sonnen-Eck 1100 m mit nur 140 m Anstieg zur ersten Falte, dem 
Hauchen-Berg und von ihm zu den Höhen südlich Immeustadt 
1500 m, also ins Gebirge, dem alpine Formen bereits nicht mehr 
fehlen. Dieser Weg führt uns über Höhen, deren relatives 
Verhältnis sich seit präglazialer Zeit außer durch tektonische Be- 
wegungen kaum geändert haben dürfte. Das präglaziale Tal lag 
immerhin bedeutend tiefer: wir finden es bei Kronburg südlich 
Memmingen 750 m hoch, gegen die Alpen hin ansteigend, wo sich 
bei Sonthofen entsprechende Flächen in 900 m Höhe gefunden 
haben. Der Relief unterschied würde daher hier am Alpenrand 
600 m betragen haben, was als ein recht hoher Wert erscheint. 
Man gewinnt auch hier den Eindruck, als ob die präglazialeu 
Alpen bereits wieder ein stärkeres Belief gehabt hätten, als die 
pliozäuen. Genauere Untersuchungen gerade dieser Stellen des 
Alpenrandes unter den hier angedeuteten Gesichtspunkten dürften 
lohnende Ergebnisse liefern. 



Die Zungenbecken 

Steigt man von Norden her auf den Schotterebenen des Ter- 
rassenlandes empor, so kommt man allmählich in ein Hügelland, 
zunächst verwaschener, später ausgezeichnet bogenförmig und wall- 
artig erhaltener Endmoränen. Ist der Kamm derselben überschritten, 
so geht es jenseits wieder hinab zu einem weiten Becken, an dessen 
Boden ein See steht oder große Moore verraten, daß hier einmal 
ein stehendes Gewässer bestanden hat. Wir blicken so in das 
Zungenbecken der diluvialen Gletscher hinein, nach dessen Zentrum 
hin zahlreiche kleine Bäche von den Endmoränen her eilen und 
dessen Boden durch das bewegte Eis in mannigfacher Weise um- 
gestaltet wurde und teils Hügel von rundlichem Umriß, die Drum- 
lins, aufgeprägt erhielt, teils bis in den Felsuutergrnnd hinein aus- 
gekolkt wurde. Als das Eis zurück ging, sammelten sich dann 
Seen an, von denen die kleineren bald verschüttet, oder durch den 
Pflanzenwuchs überwältigt zu Mooren wurden, während die gri)ßeren 
noch jetzt die Zierde der Landschaft bilden. Ihr Ausfluß durch- 
briclit (h'ii Wall der Kndmoränen in meist terrassiertem Tal. das 



9gQ Die Alpeu und ihr Vorland 

eine wichtige Eingaugspforte in das Innere des Zungenbeckens 
bildet. Die Größe desselben hängt wieder von der Größe des 
Tales und damit des Gletschers ab, der hier seine Eisniassen aus- 
breitete. Im Westen öffnet sich das gewaltige liheintal, aus dem 
große Eismassen herausquollen, die bis zum Hegau und in den 
Jura vordrangen. Sehr viel kleiner sind die Zungenbecken von 
Hier, Wertach und Lech, dann folgen das etwas unregelmäßige 
Ammei'-Würm-Isar-Becken, das vorbildlich klare Inn-Zungenl)ecken 
und schließlich das der Salzach, östlich dessen mangels größerer 
Täler in den Alpen das Vorland im Hausruck wieder dicht au diese 
hei'antritt. ^lit der Größe des Beckens war von vorneherein eine 
günstige oder ungünstige Vorbedingung für das Gedeihen der 
Siedelungen, die in ihm angelegt wurden, gegeben. Vielfach 
traten aber historische Momente hinzu, die diese natürlichen An- 
lagen mehr oder weniger ausschalteten, wie die folgende Schilde- 
rung zeigen wird. 

Das Bodenseeland 

Im Westen des Alpenvorlandes reicht, wie schon geschildert, 

die Zone der jugendlichen Moränen bis in den schwäbischen Jura 

Blatt hinein, wie sich denn auch hier erst ein wirklich großes 

isB. IST. 103 rp.^|^ (_|,jg ^^,g|^ g^^g (jgj^^ lunern des Gebirges kommt, 

öffnet. Dem entspricht die Größe des Sees, den wir jetzt in 
seinem Zungenbecken finden, der so weit alle anderen Seen des 
deutschen Alpenvorlandes übertrifft, daß er ein eigenes hydro- 
graphisches und wirtschaftliches Zentrum zu werden vermag, das 
in glücklichster Weise die Verbindungen zwischen fünf Uferstaaten 
vermittelt. 

-Ganz verschieden ist die Landschaft der einzelnen Teile des 
Bodensees. Weit, stellenweise meeresartig dehnt sich der Obersee, 
dessen Ufer flach sind und dem nur die Nähe der Alpen besonders 
im östlichen Teil die hohen Reize der Gebirgsnähe zu verleihen 
vermag. Weit enger ist der Untersee, den im Süden geschlossenes 
hohes Gestade begrenzt, das zwar den Blick auf die Alpeukette 
raubt, aber dafür die unmittelbare Nähe und Umgebung des Sees 
l)esonders reizvoll macht. An die Stelle des Blickes nach Süden 
tritt hier dei- Ausblick nach Nordwesten in den Hegau hinein, 
dessen burggekrönte Vulkankegel einen eigenartigen reizvollen Ab- 
schluß <>ewähren. Wieder anders ist der Charakter des Überlinger- 



Bodenseeland 289 

sees; derselbe ist ernst, einsam, eng- ist die Wasserfläche, hoch 
und wenig gegliedert ragen die Ufer auf. 

In dieser Umgebung liegt der See heute mit einer Spiegelhöhe 
von etwa 400 m, in geologisch junger Vergangenheit noch um 
einige 20 m höher stehend, von welchem Wasserstand eine Reihe 
markanter Formen in der Umgebung des Obersees vornehmlich 
Kunde geben. Dieser größte Seeteil ist jetzt etwa 250 m tief, der 
Übeiiingersee 150 m, der Untersee nur 50 m. 

Die Gestaltung der Ufer ist sehr verschieden, jenachdem ob 
sie hoch und steil oder flach sind. Die hohen Ufer des Überlinger- 
und Untersees werden von steilwandigen Tobein scharf zerschnitten, 
rings um den Obersee herrscht die verworrene Topographie wie sie 
den Böden früherer Gletscher eigentümlich ist. Infolge des Sinkens 
des Wasserspiegels haben aber sowohl die größeren in den Obersee 
mündenden Flüsse wie die kurzen Sturzbäche am Untersee große 
Deltas in den Wasserspiegel hinein vorgeschoben, die namentlich 
in den oberen schon zerschnittenen und daher trockenen Teilen 
für die Ansiedelungen von Bedeutung sind. 

Von der Üferlinie geht es nun nicht sogleich in die großen 
Tiefen des Sees hinab. Es schließt sich vielmehr ein wenig sich 
senkender, nur von flachem Wasser bedeckter Landstreifeu an, der, 
w^eil seine Oberfläche meist hell durch das Wasser hindurchschimmert, 
die Wysse genannt wird, deren unterer Rand bei etwa 4 — 5 m Tiefe 
liegt. Hier schließt sich die Halde an, die oft noch von mehreren 
Absätzen unterbrochen, aber doch im ganzen ziemlich steil zu den 
großen flachen Ebenen hinabführt, die den Boden des Sees bilden. 

Sehr bemerkenswert sind die jährlichen Wasserschwankungen. 
Entsprechend der Wasserführung des Hauptzuflusses, des Rheins, 
fällt in den Sommer (in die Monate Juni, Juli bis August) der Hoch- 
stand und in den späteren Winter, in den Februar, der Tiefstand 
des Wassers; der Unterschied beträgt im Mittel über 2 m und 
wird wegen des durchweg flachen Ansteigens der Wysse am Ufer 
sehr merkbar; er bedingt eine besondere Anpassung der Verkehrs- 
einrichtungen wie Landungsbrücken usw. an diese Verschiebungen. 
Das Wasservolumen des Sees ist zu rund 41 Millionen cbm be- 
rechnet worden und es ist daher verständlich, daß diese große 
Wassermasse einen recht erheblichen klimatischen Einfluß auf ihre 
Umgebung ausüben muß. Derselbe zeigt sicli vor allem in den 
Temperaturen, wie folgende Tabelle beweisen möge (nach Walter, 
Diss. Freiburg i. B. 1892). 

Braun. 19 



290 I^i^ Alpeu und ihr Vorland 

Monats- und Jahresmittel der Temperaturen (10 Jahre) 



Ort 


Höbe 


I 


II 


III 


IV 


V 


VI 


VII 


VIII 


IX 


X 


XI 


XII 


Jabr 


Meersburg 


406 


-1,1 


1,2 


3,9 


8,5 


12,9 


16,3 


18,7 


17,6 


14,5 


8,8 


4,9 


1,4 


9,0 


Friedriclisli. 


408 


-1,7 


0,7 


3,5 


8,5 


13,1 


16,4 


18,5 


17,2 


13,8 


8,3 


4,5 


1,0 


8,7 


Bregenz 


=412 


-2,2 


0,3 


3,3 


8,3 


12,6 


15,9 


18,0 


16,6 


13,4 


7,9 


4,3! 0,6 8,3 


Kreuzungen 


428 


—1.9 


0,5 


3,6 


8,2 


13,0 


16,3 


18,5 


17,2 


13,9 


8,1 


4,1 0,6 1 8,5 


Dießonhofen 


415 


-2,4 


-0,1 


2,6 


8,0 


12,3 


15,5 


17,4 


16,0 


12,7 


7,1 


3,5 


0,5 


7,7 



Die hohen Wintertemperaturen derselben finden allerdings ihre 
ErkhiruiiL»; mehr durch die Lage des Sees, als gerade durch seine 
Wassermasse, liegt doch der Bodensee in der Verlängerung des 
unteren liheintales, das eine der Hauptbahnen des Föhn ist, der 
denn auch derjenige Wind ist, der am stärksten von allen auf den 
Wasserspiegel einwirkt und sogar den Verkehr zu gefährden vermag. 
Im Sommer wird die Hitze in der Umgebung des Sees durch den 
regelmäßigen Wechsel von Land- und Seewind leichter erträglich 
gemacht und herabgemindert, Etwa um 10 Uhr morgens macht 
sich bei schönem Wetter die Seebrise bemerkbar und erreicht in 
den Mittagstunden etwa eine Schnelligkeit von 3—4 m in der 
Sekunde: in der Nacht wird sie dann durch den Landwind 
abgelöst. 

Die große Milderung des Klimas, wie sie die Wassermasse 
hervorruft, ist von starkem Einfluß auf das Pflanzenkleid der Um- 
gebung des Sees, das durchgängig, soweit der Boden es nur irgend 
erlaubt, große Üp])igkeit zeigt. So kommen auf der Mainau Zy- 
pressen, auch anderwärts Feigen und Mandelbäume gut fort; der 
Weinbau geht ungewöhnlich hoch hinauf und liefert meist nicht 
nur guten, sondern auch an (Quantität reichen Ertrag. Das hat 
in den Weinbau treibenden Orten zu einer Umgestaltung und An- 
passung des Hansbaues an diesen reichen Segen geführt, indem das 
Erdgeschoß mit Käumlichkeiten versehen wurde, in denen die Ver- 
arbeitung der Trauben und die Lagerung des Weins ungestört vor 
sich gehen kann. 

Die histoiische Bedeutung des Bodensees beruht einmal in 
seiner Lage quer zum Gebirge in der großen nördlichen Alpen- 
senke, so daß er nur schwer im Norden und Süden umgangen 
werden kann. Sodann ist seine Wasserfläche doch so groß, daß 
sie eiiKHi lel)haften Verkehr hervorrufen und anziehen konnte. 



Bodenseeland 291 

Dies erklärt es, zusammen mit den günstigen klimatischen Bedin- 
gungen, daß gerade hier die Umbildung der Naturlandschaft zur 
Kulturlandschaft mit am frühesten von ganz Deutschland begann. 
Bereits im 8. Jahrhundert wurde das Christentum hier eingeführt 
und schuf sich auf der Reichenau jene eigenartigen kleinen Kirchen 
und Ansiedlungen, die mit ihren bunten Wandgeuicälden noch heute 
unsere lebhafteste Bewunderung erregen. Mit der Kirche kam der 
Obstbau und der Weinbau; die Uferländer wurden gelichtet und 
überzogen sich mit jeuer Fülle von Kulturgewächsen, die wir heute 
noch auf ihnen finden. Neben den kirchlichen Gebäuden entstanden 
alsbald auch weltliche Herrschaftssitze, von kaiserlichen Pfalzen in 
der Umgebung des Sees wird uns berichtet und sichtbar sind uns 
noch heute die zahlreichen Burgen und Schlösser des Mittelalters, 
wie sie namentlich die Berge des Hegaus krönen. An den Brenn- 
punkten des Verkehrs entstanden in unmittelbarem xA.nschluß an 
die römische Niederlassung die Glieder des Städtekranzes, die wir 
jetzt um den Bodensee herum finden. 

Dank der besonderen Gunst seiner Lage ist Konstanz von 
allen Orten am meisten emporgekommen. Die Stadt erhebt sich 
auf einer Moräne, die den Obersee vom Untersee scheidet und vom 
Rhein durchbrochen wird, an einer Stelle, die schon den Pfahl- 
bauern gut bekannt war, wie die zahlreichen Reste solcher Anlagen 
überall im See in der Umgebung der Stadt beweisen. Die wich- 
tigste Anlage der neuen Stadt war die Brücke über den Rhein 
an der Stelle des jetzigen Rheintorturmes, etwas unterhalb der 
Eisenbahnbrücke, mit welcher gleichzeitig die notwendige Mühle 
verbunden werden konnte, da der Rhein hier recht kräftig strömt. 
Die römische Stadt lag nördlich des Münster, reichte im Westen 
bis zur unteren Laube, südlich bis an die jetzige Zollernstraße ; 
auf der Insel, wo jetzt das Inselhotel liegt, stand eine Vorburg. 
Vom 9. Jahrhundert an bis etwa 1400 folgen mehrere Erweiterungen 
der Stadt nach Süden hin und eine geschlossene ümwaUung ging 
im Zuge der Bodanstraße über das jetzt noch erhaltene Schnetztor, 
im Zuge der oberen und unteren Laube bis zum Pulverturm am 
Rhein, von dort über den Rheintorturm an den See, an dem 
entlang sie südlich den Anschluß wieder an die Bodanstraße 
gewann. Sehr bald danach, schon 1410, wurde im Süden noch 
die Vorstadt Stadelhofen in die Umwallung eingezogen. Mit diesem 
Raum kam die Stadt dann bis ins 19. Jahrhundert aus, allerdings 
wurde die Umwallung selber später wesentlich verstärkt auf dem 

19* 



292 Die Alpen und ihr Vorland 

Hau 111, wo sich jetzt die westlichen Wohuvorstädte erheben. Nach- 
dem im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts die Ummauerung 
geschleift und die Gräben eingeebnet waren, wandte sich die Stadt 
gcffen Ende des Jahrhunderts dem Ausljau der Seefront zu, wo 
erliebliclie Aufschüttungen Raum für die Bahnaulagen des Hafens 
und einen Stadtpark schufen, nachdem Jahrhunderte lang nur allein 
der mächtige Bau des Kaufhauses von der wirtschaftlichen Be- 
deutung von Konstanz gezeugt hatte. 

Jetzt liegt in dem Gebiet der mehrfachen mittelalterlichen 
Stadterweiterungeu das lebhafte Geschäftsviertel, mit dessen Treiben 
das vielfach geistliche Quartier in der Umgebung und im Norden des 
Münsters seltsam kontrastiert. Nach Süden hin ist eine typische 
Grenzvorstadt mit fluktuierender, zum Teil schon romanischer Be- 
völkerung entstanden, während zum Wohnen der Westen und 
neuerdings noch mehr die Ufer des Sees und des Rheins nördlich 
der Stadt aufgesucht werden. 

Am jenseitigen Ende des Bodensees erwuchs auf drei Inseln 
die Stadt Lindau. Bereits die Römer hatten die günstige Lage 
dieses kleinen Archipels erfaßt und Befestigungen angelegt (Heiden- 
mauer); so haben \\ir im Süden der jetzigen Stadt die Römerschanze, 
im Westen die im engeren Sinne sogenannte Insel und auf der 
größten, um denvouÄschach hierher verlegten Marktplatz (11. Jahrh.) 
gruppiert, die eigentliche Stadt, deren Umwallung im Norden und 
im Westen gegen die „Inseln" zum Teil erhalten ist. Ein Teil 
von ihr ist abgebrochen und bot mit dem zugeschütteten jeweiligen 
Wasserarm Raum für die modernen Verkehrsanlagen, den Bahnhof, 
die Post, das Zollamt usw. Die Römerschanze wurde zur Sicherung 
und Anlage des Hafens verwandt. 

Noch schärfer als hier in Lindau trennen sich in B regen z 
die verschiedenalterigen Stadtteile voneinander. Die reichen 
römischen Reste liegen in halber Höhe längs der Römerstraße. 
Etwas höher erhebt sich die scharf umrissene mittelalterliche Ober- 
stadt und nelien ihr die reichen kirchlichen Anlagen. Am See 
entlang zieht sich mit Bahn, Hafen und militärischen Anlagen die 
moderne Stadt, die immerhin nicht ganz des Reizes älterer Gebäude 
entbehrt. 



Kenipten-Füssener Becken 293 



Das Kempten-Füssener Becken 

Nur klein sind die Einzugsgebiete der Gletscher, die östlich 
der Allgäuer Vorberge auf das Vorland hinausdrängen, des Hier-, 
des Wertach- und des Lech-Grletschers. Ihre Entvvick- Biatt 
hing auf dem Vorland wurde weiter dadurch gestört, ^^^' ^^^ 
daß am Talausgang widerstandsfähige gefaltete Gesteinszüge mit 
östlichem Streichen auftreten, die sich also quer vor das bewegte 
Eis legen. Die Sohle desselben am Talausgang haben wir in rund 
1000 m Höhe zu suchen, die Eismächtigkeit betrug ebenda 300 
bis 400 m. Der Zug der Jungendmoränen reicht im Westen von 
den Allgäuer Vorbergen (Kechtis-Eschach 1000 m) über Dietmanns- 
ried (10 km nördlich Kempten, dort 740 m) bis auf 3 km südlich 
Ober-%Günzburg und stößt nördlich Kaufbeuren bis 700 m Höhe 
Vor, um sich dann wieder nach Süden zu wenden, wo sich nördlich 
von Bernbeuren der um Schongau angeordnete Bogen des Lech 
anschließt, der bei lünsau am Lech an die Endmoränen des Ammer- 
gletschers anstößt. 

Die so umzirkten Becken zeigen infolge der schon erwähnten 
Lagerungsverhältnisse nicht die große Einfachheit der verwandten 
Teile des Vorlandes. Im westlichen Kemptener Teil ist die Rippuug 
auffällig, welche das Eis in den Molassehöhen gegen den Kemptener 
Wald hin von Immenstadt nach NO angelegt hat. Die auffälligste 
Tatsache aber ist das seltsame Verhalten des Lech, der bei Füssen 
nach NO abbiegt und den Moränenkranz seines Gletschers ganz 
unsymmetrisch durchfließt. Hier liegen drei Becken hintereinander: 
das äußere von Kaufbeui*en-Schongau, das mittlere von Schwangau 
hinter der Molassezone und das letzte schon im Gebirge bei Vils 
mit doppeltem Ausgang und stark zentripetaler Entwässerung. 
Von den Ausgängen ist aber der nordwestliche als der ältere an- 
zusehen , der nordöstliche bei Füssen aus dem Überfluß eines 
Sees entstanden, der am Ende der Eiszeit das Vils- und Lechtal 
erfüllte. 

Entsprechend der wenig einheitlichen Topographie sind in 
dieser Beckenzone mehrere Orte emporgekommen. Eine durch- 
gehende Verkehrslinie verbindet die Hauptpunkte: au der Bahn 
Lindau — München reihen sich Immenstadt — Kempten — Kaufbeuren 
auf. Immenstadt zeigt besonders klar die Entwicklungsgesetze 
solcher Lage: vom Ostwestweg zweigt hier der Nordsüdweg ab, 



2QA Di*" Alpen und ihr Vorland 

der von l'lm lierkommeiid iu g-erader Richtung- ins Allgäu führt, 
freilieh nur in eine Sackgasse liinein. Daran mag es liegen, daß 
das nördlicher gelegene Kempten, von dem aus sich auch eine 
Bahn nach dem Lechgebiet hinüberzieht, der Vorort dieses west- 
lichsten Teiles von Bayern geworden ist. Nachdem die römische 
■Siedlung anf der Hochfläche am rechten Illerufer und die Festung 
auf der Burghalde unmittelbar am vSüdrand der Stadt zerstört waren, 
geht die heutige Siedlung auf eine Klostergründuug am Ende des 
8. Jahrhunderts zurück, die freilich auch noch zu wiederholten 
Fialen unter den Einfällen der Ungarn zu leiden hatte. In der 
Anlage scheiden sich noch scharf die tiefer gelegene, protestantische 
Altstadt von der katholischen Neustadt (seit 1560), an die sich 
geg(^u den Bahnhof hin die wirklich neuen Teile anschließen. Das 
altertümliche Kaufbeuren schließlich ist die Pforte zum Lechgel)iet, 
in das nur von hier aus eine sich in Oberdorf gabelnde Bahnlinie 
hineinführt. Dementsprechend entstand im nordwestlichen Teil 
wohl schon in weifischer Zeit ein Markt, der in späterer Zeit 
(14. Jahrh.) in den planmäßig begründeten Südteil der Stadt ver- 
legt wurde. Viele Fehden und vollends der 30jährige Krieg ver- 
wüsteten den älteren Wohlstand der Stadt. 

Gegen die Alpen hin ist das Zungenbecken des Lechgletschers 
a])geriegelt und bis vor wenigen Jahren endeten noch die von 
Norden kommenden Bahnen in Pfronten und Füssen. Erstere ist 
jetzt über lleutte nach Garmisch hin fortgeführt und schließt diesen 
am weitesten vorspringenden Zipfel von Tirol an das umgebende 
Bayernland, wohin er nach seiner Naturanlage wie seiner Besied- 
lungsgeschichte (Kloster Füssen) auch gehört, an. 

Kempten ist im 17. Jahrhundert Ausgangsort der in Ober- 
schwaben weit verbreiteten „Vereinödung" geworden, durch welche 
das Siedlungsbild entscheidend verändert wurde. Man versteht 
darunter eine Aufteilung der Dorfmark in gleiche Teile unter die 
Besitzer, wonach dann alle diejenigen, deren neue Flur weitab 
von dem bisherigen Dorf lag, dorthin zogen und sich einen neuen 
Hof anlegten. Es wurden also — und so kommt der Vorgang auf 
der Karte zum Ausdruck — die geschlossenen Siedlungen in Einzel- 
hof- und Weileranlagen aufgelöst. 



Ammer -Wurm -Becken 295 



Das Amnier-Würm-Becken 

Nur klein ist das Einzugsgebiet der Ammer, wenig größer 
das der Loisach und gleiclnvohl stoßen die Eismassen hier auf 
50 km vom Alpenrand bis in die geographische Breite jj,^^^ 
von München vor. Die Ursache dieser auffälligen nörd- i^o. isi. 
liehen Verschiebung der Eisrandlinie ist die Zufuhr ^*** ^^^ 
zentralalpinen Eises über die niedrigen Pässe hinweg, welche die 
Bayrischen Alpen dem Zugang von Süden her bieten (vgl. S. 283). 
So geht die Jungendmoräne des Ammergletschers, die wir bis Kinsau 
an den Lech anstoßend verfolgt haben, diesem im wesentlichen 
parallel nach Norden bis über die Bahnlinie Lindau — München hin- 
aus und umzirkt, topographisch aufs schönste hervortretend, dort 
das Moor am Xordende des Ammer-See, Wörth-See und Pilsen-See. 
Ihre höchsten Punkte übersteigen hier 600 m, während der Spiegel 
des Ammer-Sees um 70 m tiefer steht. Der nächste Bogen um- 
kräuzt. nahezu 700 m hoch, nördlich Starnberg den Würra-See und 
stößt an der Isar bis über Schäftlarn hinaus vor, worauf er in 
südöstlicher Richtung gegen den Tegern-See lün zurückgeht und 
dort den Anschluß an das Gebirge wieder gewinnt. 

Der Südrand der so umgrenzten Zungenbecken ist auch liier 
keineswegs einheitlich gestaltet. Im Hohen Peißenberg mit 
990 m ragt mitten drin ein gefaltetes Molassestück um 400 m über 
seine Umgebung auf. Der landschaftlich wegen der Aussicht, die 
er bietet, weit bekannte Berg ist vor allem seiner Kohlenschätze 
wegen in dem kohlenarmen Bayern von wirtschaftlicher Wichtig- 
keit. Dieselben treten an seinem Südhang zutage, wo sie steil 
nach Süden hin einfallen. Sie gehören dem oligozänen, unteren 
Teil der Molasse an, der zwischen Inn und Lech nach Norden liin 
über die miozäne Molasse überschoben ist, wobei diese steil auf- 
gerichtet wurde. Eine solche aufgerichtete harte Bank der oberen 
Süßwassermolasse bildet den Rücken und Gipfel des Berges. Der 
Bergbau an ihm begann schon Ende des 16. Jahrhunderts, ist aber 
nach langer Ruhepause erst im 19. Jahrhundert lebhafter geworden, 
wo 3000 bis 4000 Arbeiter beschäftigt waren. Seine weiteren 
Aussichten sind nicht gut. 

Weiter im Süden ragen mehrfach dem Alpenrand parallel 
streichende Züge gefaltener Molasse auf, welche die Zungenbecken 
in mehrere Teile gliedern. Diese sind hier immerhin sehr deutlich 



296 ^i*^ Alpeu und ihr Vorland 

erkennbar. J)ie tiefste Stelle im Amper-Gebiet nimmt der 82 m 
tiefe Ammer-See ein, den vou Süden her der Sandr eines jüngeren 
Moränenring;es verseliüttet, der an den PeißenJjerg- ansetzt nnd 
Weillieim im Norden umschließt. Wieder weiter südlich liegt das 
von gefalteten Molasse-Schichtrippen umrahmte Becken des Staffel- 
See (Spiegelhöhe 648 m), hinter welchem erst das Murnauer Moos 
635 m trichterförmig in den Alpenrand eingreift, exzentrisch von 
der Loisach verlassen, während die Bahn die alte Pforte von Mur- 
iiau l)(!nützt. Ähnlich ist die Gliederung am Würm-See (125 m 
tief): von Süden her Verschüttung, dann hinter der Molasserippe 
das weite Loisach-Moos mit dem Kochel-See in 600 m. Zahlreiche 
kleinere Zungenbeckeu sind auf der Karte nördlich des Isaraus- 
trittes leicht kenntlich, die Oberflächenformen sind wirr, die radiale 
Anordnung schimmert aber immer durch. 

Die Höhe der Eiskucheu, die in so kräftiger Weise das Vor- 
land umgestalteten, kann nach den neuesten Untersuchungen als 
1100 l)is 1300 m etwa am Alpenrand erreichend angesetzt werden. 
Die über diese Höhe aufragenden Berge zeigen in Karen und Kar- 
treppen deutliche Spuren der Lokalvergletscherung, die teilweis 
scharfe Grate geschaffen hat, wie am Heimgarten — Herzogstand 
und der Benediktenwand. 

Die geschilderte Auflösung des Vorlandes in zahlreiche i^eckeu, 
die dadurch bedingte Schwierigkeit der Zugänge zu den Alpen von 
Norden her haben es trotz der vielen niedrigen Senken im Innern, 
die zum Inntal hinüberführen, verschuldet, daß die ganze Land- 
schaft bis vor kurzer Zeit verkehrsgeographisch abgeschlossen war 
und sich keinerlei größere Orte in ihr zu entwickeln vermochten. 
Dem Touristenverkehr allerdings dienten sowohl die Dam])fschiff- 
fahrt auf den großen Seen wie die sog. „Isartalbahn" bis Kochel 
und die Strecke nach Garmisch — Parteukirchen in hohem Maß. 
Krst seit diese letztere Linie ihre Fortsetzung über Mittenwald 
und durch den Paß von Scharnitz nach Tirol gefunden hat, ist 
auch ein beschränkter Durchgangsverkehr möglich. 



Rosenheimer Becken 297 



Das Eosenheimer Becken 

Weit vollkommener als die behandelten Zungenbecken ist das- 
jenige des Inngletschers ausgebildet. Halbkreisförmig um Rosen- 
lieim angeordnet, ziehen sich die Endmoränen vom ^^^^^ 
Tegernsee- Vorland aus an der Mangfall entlang, bei i>>i- is2- 
Kirchseeon die Hauptstrecke zwischen München und ^^^' ^^" 
Rosenheim schneidend und bei Haag den nördlichsten Punkt er- 
reichend. Von dort ziehen sie im gleichen schön geschwungenen 
Bogen weiter, bis sie sich bei Seeon, unfern der Alz, mit dem kleinen 
Sonderbogen vereinigen, den der Achen-Gletscher um den Chiem- 
See herum auf warf: im Westen von Traunstein schließen sie ans 
Gebirge au. 

Die ganze Westhälfte dieses Bogens entwässert zum Inn, be- 
sonders in die Gegend von Bosenheim. Der Lauf der Mangfall 
zeigt das sehr schön: als randliche Abflußrinne angelegt, ist sie 
bei Grub von einem der zentripetalen Flüsse angezapft und nach 
dem ehemaligen Gletscherboden gezogen worden. Dieser selbst 
liegt gegenüber der Endmoräne, deren Höhen im Norden zwischen 
550 und 600 m schwanken, um 100 bis 150 m tiefer (Bosenheim 
450 m). Aus diesen Zahlenangaben geht hervor, daß immerhin der 
landschaftliche Eindruck des Ganzen nicht eben ein großer sein 
kann, denn diese Höhenunterschiede sind gegenüber dem weiten 
Raum, um den es sich handelt, doch nur gering. Die wunder- 
volle Sj^mmetrie des Beckens ist daher auf Karten weit deutlicher 
und überzeugender als in der Natur. Sein Boden wird bei Bosen- 
heim von einem Moor, im Gebiet des Achen-Gletschers von dem 
80 m tiefen Chiem-See eingenommen, der sich mitten in der Ent- 
wickluDg zur A^ermooruug und Verschüttung befindet. 

. Neben diesen größten nassen und menschenfeindlichen Gebieten 
sind aber ganz allgemein die Senken vermoort oder noch von Seen 
eingenommen. Es ist daher nur natürlich, daß die Moränenhügel 
und ihre Abhänge Sitz des ältesten Anbaues sind und daß die 
Verkehrswege bei der radialen Anordnung des Ganzen nach dem 
Gebirgseingang zusammenlaufen. In der Gegenwart, wo die Ent- 
wässerung Fortschritte gemacht hat, dienen die Talböden dem 
Wiesenbau, die Hänge dem Ackerbau, die Höhen deckt Wald. Als 
Siedluns-sforin waltet der Weiler durchaus vor. 



298 Die Alpen und ilir Vorland 



Das Salzburg^er Becken 

Noch voUkoniniener fast in seiner Form als das Roseuheinier 
Becken ist dasjeuig-e, das der Salzachgletscher beschaffen hat, an 
ijiaft, dessen Wurzel Salzburg- ein wichtig:(is Eingangstor in die 
is-2. i'.to Alpen bildet. Die Endmoränen ziehen in mehreren Loben 
von 'rraiinstein an nach Norden uiul überschreiten unterhalb Tittmo- 
ning- bei Nonnreuth und Badegund, 520 m erreichend, den Fluß. Im 
Nordosten von Salzburg drängen sie sich nach Thalgan hin vor und 
schließen in 700 ni Höhe au die Gruppe des Colomann-Berges 1115 m 
und dei- Großen Plaike 1032 m an. Der Tannl)erg 760 ni bei Straß- 
walchen und der Buchlierg 796 m blieben eisfrei und gliederten den 
Band in zwei Zungen, deren eine bis in die Nähe von Straß- 
walchen verstößt, die andere an der Mattung bis Jegig reicht (600 m 
hoch). Um das Zungenbecken des Oichten-Baches und das des Bjmer 
Mooses herum wird in der Ober-Weilhardt-Forst der Anschluß an 
die Salzach gewonnen. 

Weite Flächen im Inneren dieses Baumes liegen nur wenig 
über 400 m, so die Moore I)ei Salzburg 430 m, das Ibmer Moos 
425 m. Die Beckeuform kommt also klar heraus, ebenso die zen- 
tripetale Entwässerung direkt auf die Alpen zu. Den Mittelpunkt 
bildet der eisfrei gebliebene Zug des Hauns-Berg 833 m. 

Die Verkehrsw'ege folgen dem Zug der Gewässer von allen 
Seiten und vereinigen sich in Salzburg zu einem Strang, der in 
dem engen Paß Lueg das Innere der Alpen gewinnt. Die Lage 
der Stadt ist durch die aus weiten Moorniederungen um 200 m 
steil aufstrebenden Berge bedingt, von denen der Kapuziner-Berg 
ijii Osten, der Mönchsberg im Westen die sich zwischen ihnen 
durchwindende Salzach einfassen. Von ihnen trug der östliche 
Ausläufer des Mönchsberges unterhalb des jetzigen Stiftes Nounberg 
die Salzburg, seit 500 etwa Stützpunkt der bayrischen Herrschaft. 
Die Stadt erwuchs erst nach 700 auf dem etwas erhöhten Schwemm- 
land zwischen dem Mönchsberg und dem Fluß, mit einem Brücken- 
kopf am Jenseitigen Ufer in der Gegend des Steintor. Von diesem 
Kern aus füllte sich zunächst der Baum zwischen dem Fluß und 
Mönchsberg bis ins 1(5. Jahrhundert hinein völlig und es dehnte 
sich die Stadt jenseits westlich am Fuß des Kapuzinerberges hin. 
Die i-egelmäßig fächeiförmige Anlage der Straßen hier geht auf 
die starke. Umwallung zurück, die, im 17. .lahrhundert angelegt, 



Salzburger Becken. Terrassenland 299 

die Berge in sich einbezog und in der Gegend der Auersperg-Straße 
den Zugang zum Fluß mit starken Bastionen sperrte. Damit ist die 
Entwicklung der Altstadt abgeschlossen und dem 19. Jahrhundert 
gehören die weiten Vorstädte an, die sich vornehmlich nach Norden 
hin dehnen; ebenso gehört erst der Neuzeit die starke Umbildung 
des Inneren an, die nicht gerade viel von älteren Baulichkeiten 
übrig ließ, aber Salzburg zu einer nicht nur durch ihre Lage, 
sondern auch durch ihre Anlage schönen Stadt w^erden ließ, einer 
der schönsten im deutschen Sprachgebiet. Nach glänzender Ent- 
wicklung als Erzbischofssitz im JVIittelalter, ist sie in der Neuzeit 
als Grenzstadt lange benachteiligt geblieben, bis das Bahnnetz in 
heutiger Weise ausgebaut war und seitdem wieder wichtige Wege 
des europäischen Verkehrs sich hier schneiden. Touristisch ist die 
Stadt schon lange zu den besuchtesten Orten zu zählen und leidet 
nur wenig unter dem Euf, eine der niederschlagsreichsten Stätten 
des Nordalpenrandes zu sein. 

Mit dem Salzachgletschergebiet hört nach Osten hin die Eeihe 
der großen Eisfächer auf, die auf das Vorland hinaustraten und 
dasselbe in der geschilderten kräftigen Weise umgestalteten. Nur 
kleine Gletscher kamen noch zur Ausbildung und im Hausruck 
erhebt sich dicht am Alpenrand ein Stück älteren Vorlandes. So 
brechen war liier unsere Wanderung nach Osten ab und wenden 
uns dem Terrassenlaud zu, das an die Endraoränengebiete nach 
Norden hin sich anschließt. 



Das Terrassenland 

Übersicht 

Nur im Tal der jetzigen Ströme geht die Landoberfläche un- 
mittelbar von den Endmoränen zu den Terrassenlandschaften des 
Nordens hin über. Überall sonst legt sich ein Streifen ver- 
waschener Hügel dazwischen, deren Bau und Anordnung erkennen 
lassen, daß sie als Kennzeichen älterer Eisrandlagen aufgefaßt 
werden müssen. Es ist der Streifen der sog. Altnioränen, der nicht 
selten noch den Umriß der älteren Gletscher erkennen läßt. Diese 
Endmoränen liegen, da damals die Abtragung im Inneren der 
Zungeubecken noch nicht so weit fortgeschritten war, wie sie die 
wiederholten Eiszeiten fortschreiten ließen und die i)räglaziale 
Fläche über der heutigen Oberfläche gesuclit werden muß, weit 



•^QQ Die Alpen und ihr Vorland 

iK'ilicr als iVu) ])eseliriel)eueü Jiing:eudin(iräneii. An sie schließen 
sich dann auch die ziig-ehörigen Schotter! )ilduug-eii in entsprechend 
höherer Lage an. So entsteht die Terrassierung- des Vorlandes, 
die je weiter nach Norden immer geringer wird, indem die Schotter- 
lagen immer geringere Abstände voneinander gewinnen. Es be- 
tragen die Höhenunterschiede zwischen dem alluvialen Talboden und 
dem ältesten diluvialen Schotter nördlich Memmingen 110 m, süd- 
lich 2:^0 m und mehr. 

Diese Terrassierung ruft die unterschiede im Aussehen der 
Landschaft hervor, die so stark auf jedem Kartenblatt aus dieser 
Gegend auffallen. Drei Einheiten scheidet das geschulte Auge 
ohne weiteres aus: die feuchten Niederungen und Talböden, die 
trocknen Felder von Hoch- und Niederterrasse und schließlich die 
waldbestandenen Höhen der Deckenschotterflächen. An diese 
(Irundzüse wird sich die folgende Beschreibung zu halten haben. 



• Oberschwaben 

Ln westlichen Teile des Alpenvorlandes zwischen den End- 
moränen des Rheingletschers und dem Lech treten die geschilderten 
«i-itt Charaktere der Landschafts Verteilung am deutlichsten 
i7s. nst. ISO. hervor. Den inneren Kranz der Jungendmoränen des 
IS.. 1S8 Rheingletschers umsäumt, in breiter Linie von Leutkirch 
über Biberach bis Riedlingen an der Donau reichend, die hüglig- 
höckrige Zone der Altmoränen, zerschnitten von den Abflußrinnen 
der Würmeiszeit, dei-en einer sich die Donau zwischen Scheer und 
Ri(Hllingen selbst anschließt. Im Inneren liegen mehrere große 
moorerfüllte Becken wie das von Wurzach 653 m und das von 
Buchau 578 m. Zwischen Hier und Lech kommt dann der Land- 
])lattencharakter, die Terrassierung zur voller Ausbildung. 

Scharf scheiden sich in den breiten Talzügen die trockenen 
und die nassen Streifen voneinander, letztere mit dem durch ihre 
Eigenschaften bedingten Wiesenbau im ganzen überwiegend, von 
Verkehrswegen und Siedlungen gemieden. Wie abgeschnitten ver- 
läuft in schwachen Bogen über den Talböden der 40, 50 m hohe 
l\and der Hochplatten, deren Wälder von den Seiten her gerodet 
sind, in deren Inneren aber noch heute ein fast ununterbrochenes 
Wandern im Waldesdunkel von den Alpen bis zur Donau möglich 
ist. Diese nordsüdliche Streifung des Landes erklärt auch die 
zuiiäclist hcfi'emdliche Tatsache, daß mitten über dies Gebirgsvor- 



Terrassenland. Oberschwaben 301 

land eine Stammes- und politische Grenze läuft, daß es möglich 
wurde, den von Osten her vordringenden Ungarn hier in dei" 
Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 Halt zu gebieten. 

Damals war die erste Periode der Rodung und die Unter- 
werfung des von Alemannen besiedelten Gebietes unter die Franken- 
herrschaft bereits abgeschlossen. In großen Sippendörfern mit der 
Namensendung auf -ingen hatten sich die Alemannen vornehm- 
lich- im Altmoränengebiet niedergelassen, zwischen die sich nun 
fränkische Dörfer (-heim) und diejenigen Siedlungen schoben, welche 
sich an die 'der Einführung des Christentums dienenden Bauten 
knüpften. Im Terrassenland wird mit besonderer Vorliebe der 
Rand der Hochplatten aufgesucht, wo Dorf an Dorf, das einzelne 
meist nicht allzu groß, wie an einer Schnur aneinander gereiht 
liegen ; nur wenig kleine Orte und einzelne Höfe sind in die großen 
Waldungen hinein angelegt. 

Die geschichtlich bedingte territoriale Zersplitterung des Ge- 
bietes ließ besonders gegen den Bodensee hin zahlreiche selbstän- 
dige kleine Städtchen erstehen, die in der Gegenwart jegliche Be- 
deutung eingebüßt haben. So Buchau, in dessen Plan sich die 
um die marktartig verbreiterte Hauptstraße angeordnete Bürger- 
stadt von der älteren kirchlichen Stadt um die Oggelshauser Straße 
scheidet, deren früherer Hofgarten jetzt sehr regelmäßiger Bebau- 
ung unterliegt, so Leutkirch mit 200 : 300 m Durchmesser an 
einen zur Aitrach sauft abfallenden Berg gelehnt, die nordsttdlich 
führende Hauptstraße — eine alte Römerstraße — wiederum zum 
Markt verbreitert, so das etwas größere Biberach mit der nord- 
östlich der Kirche beginnenden Erweiterung des 14. Jahrhunderts, 
bei dem die zum Markt von Süden her führende Straße dort an 
der Kirche sich gleichsam zersplittert und nur schwer der Ausgang 
zur Ulmer Straße gewonnen wird. Größer als alle diese Orte und 
in lebhafter Entwicklung begriffen ist Memmingen am Rand der 
Mederterrasse gelegen, das sich seinen Charakter als mittelalter- 
liche Reichsstadt trefflich erhalten hat. Das von einer einheitlichen 
mit Bastionen versehenen Umwallung umschlossene Stadtiunere 
zeigt an dem unregelmäßigen Straßennetz, dem jegliche Hauptader 
fehlt, das Zusammenwachsen aus mehreren Teilen, welche der 
spätere Zusammenschluß nicht organisch zu vereinigen vermochte. 
Den Nordzugang von Ulm her schützt eine besondere, stark be- 
festigte Vorstadt des 13. Jahrhunderts. Die günstige Verkehrslage 
an dem Wege Ulm-Kempten hat wohl dahin gewirkt, daß die Stadt 



302 I^i<" Alpeu und ihr Vorland 

uiclit nur im Mittelalter orroßer war als die anderen g-leicher Ge- 
g-end. sondei-n auch in der Gegenwart sich blühendes Leben er- 
halten konnte. 

Stfirker abei' als die Orte im Inneren der Landschaft Ober- 
schwaben kamen zwei Städte an ihren Grenzen empor, Ulm im 
Norden und Augsburg im Osten. Von ihnen war Ulm frühzeitig 
ein Stützpunkt der Macht der fränkischen Ivönige und dann der 
deutschen Kais(;r, während seine früheste kirchliche Entwicklung 
von dei" Reichenau aus beeinflußt und die Gnnst der Lage vom 
Handel ausgenutzt wurde. Als Festung und Handelsstadt ist Ulm 
emporgekommen, die Umwalhmg schnürte die Stadt ein und erzwang 
den Hochbau des Ulmer Bürgerhauses, während der Bürgerstolz 
das Kleinod des Münsterbaues schuf, dem freilich erst die Gegen- 
wart mit ihrer Vollendung des Turmbaues zu voller Ausprägung 
in dei- Stadtsilhouette verhalf. Die älteste Befestigung datiert aus 
dei- Karolingerzeit, die jüngere, aus hohenstaufischer Zeit, erweiterte 
das Stadtareal auf das Vierfache, umschließt im Zuge der Olga- 
straße und der verschiedenen „Grahen" noch jetzt kenntlich die 
Altstadt, in deren Norden sich die regelmäßig gebaute Neustadt 
anschließt. Die jetzt aufgegebene Umwallung schloß dann Ulm 
und Neu -Ulm zu einer einheitlichen Festung zusammen, durch 
welche die politische Grenze zwischen Bayern und Württemberg 
mitten hindurchgeht. Während der ba^^erische Teil keinerlei Reize 
aufweist, ist Ulm von der Donau aus gesehen noch in der Gegen- 
wart eines der reizvollsten Stadtbilder Deutschlands und enthält 
auch im Inneren zahlreiche Stellen, an denen das mittelalterliche 
Milieu noch zu leben scheint. 

Weiter noch führte die Entwicklung von Augsburg (Taf. XXIII, 
Abb. 3). Die Anlehnung an die römische Siedlung ist hier nicht 
mehr kenntlich, erst eingehende Lokalforschung wies nach, daß die 
Römerstadt nördlich der jetzigen lag nnd nach Süden etwa bis zur 
(irenze der Bischofsstadt reichte. Diese, in elliptischem Umriß 
um den Dom gelagert, seit dem 9. Jahrhundert kenntlich, hebt 
sich lunite noch im Umkreis der Straßen Mauerberg-, Hafnerberg-, 
Kohlei-(iasse, .lesuiten-( hisse, Mittl. Pfaffengäßchen deutlich heraus, 
etwa 20 MI über der Lechniederung gelegen. An diesen Kern und 
die lose ihn umlagernden Vorstädte, die in den Ungarkriegen schwier 
zu leiden hatten, schlössen sich nach Beendigung derselben dauer- 
haftere Gebilde. Im Süden wurden die weit vor der alten Stadt 
o-elegenen Kh'ister und Kirchen St. Ulrich und Afra in den Mauer- 



Oberschwaben. Donautal 303 

ring einbezogen, der hier angeblich im 11. Jahrhundert bereits 
entstand, sicherer erst aus dem 14. bezeugt ist; im Norden erwuchs 
gleichzeitig oder ein wenig später auf dem Boden der Römersied- 
lung die Wertach vors ladt bis zum Wertachbruckertor und der 
Bastion Luegiusland. Schließlich entstand auch im Osten auf 
niedrigerem Gelände die St. Jakobs vorstadt, die im 15. Jahrhundert 
in die Umwallung einbezogen wurde. In der Gegenwart wird nach 
Schleifung der Umwallung der Grundriß nach Westen hin sjnii- 
metrisch durch die Entwicklung der Bahnhofsvorstadt, mit allerdings 
viel lockerer Bebauung als in den übrigen Teilen. 

Die Grundlagen der geschilderten räumlichen Entwicklung 
Augsburgs sind seine Industrie und sein Handel gewesen. Die 
reiche Wassermenge, welche so viele Kanäle im Inneren der Stadt 
verteilen, ließ Weberei und Färberei aufblühen. Die günstige 
Verkehrslage am Wege von den blühenden Gebieten des deutschen 
Westens über die Alpen nach Venedig und Genua brachte den 
Handel zur Entfaltung. Das heutige Bild des Stadtinneren erinnert 
an die große Zeit dieses Gemeinwesens, die mit dem 30jährigen 
Kriege verschwand. Der Baumeister Elias Holl baute zu Anfang 
des 17. Jahrhunderts fast die ganze Stadt um, so daß mittelalter- 
liche Bauten sich nur in Kirchen, Toren und wenigen Häusern 
erhielten. Er schuf nicht nur das Rathaus und zahlreiche andere 
öffentliche Gebäude, sondern führte auch für Privathäuser den ver- 
einfachten Stil der italienischen Hochrenaissance ein, den er aus 
Venedig mitbrachte. Der 30jährige Krieg vernichtete den Kern 
der Blüte der Stadt; die Einwohnerzahl ging unter die Hälfte 
zurück und reihenweise standen die Häuser leer, während München 
als Residenzstadt, vorher so unbedeutend, jetzt emporkam und 
Augsburg überholte, dessen Zustände erst in der Gegenwart sich 
entscheidend besserten. 

Das Donautal zwischen Ulm und Regensburg 

Das Donautal zwischen Ulm und seinem Eintritt in den Jura 
oberhalb Kehlheim zerfällt in zwei leicht zu scheidende Teile: von 
Ulm und bis unterhalb der Lechmündung handelt es ^^^^^ 
sich bei aller Breite der Niederung um ein von scharfen, ni. i;-2. 
wenn auch niedrigen Erosionsrändern begrenztes Tal, 
in der Weitung von Ingolstadt dagegen liegt eine von Flußallu- 
vium aufgefüllte Senke vor, die in die im Süden einmündenden 
Täler hineinwächst. 



304 ^^^ Alpen und ihr Vorland 

Tu dei- Tat erwiesen neuere Untersuchungen, daß die Donau 
von ilirer Entstehung* an noch bis zur Eißeiszeit niclit an Ingol- 
stadt vorbei floß, sondern ol)erliall) Neuburg- abbog und durch das 
schon erwähnte Wellbeinier Trockental über Eichstätt nach Kehl- 
heini gelangte, also im wesentlichen die Laufrichtung des Lech 
zunächst fortsetzte. Die Gegend des Donaumooses ist demgegen- 
ii])er eine tektonische Einwölbung, in welche hinein die Donau 
dann abbog, als sie zur Zeit des Höchststandes der Eißeiszeit ihr 
bisheriges Tal im ,lura verschüttete. Die Niederterrassenschotter 
gehen hindurch nach Ingolstadt und trennen als ein trockener 
Streifen die Donau mit ihren Altwassern und Auwäldern von dem 
wahl]()S(!n Donaumoos. Auf dem trockenen Land findet sich alte 
Besiedlung in großen rundlichen Dörfern, während das Moos erst 
s])ät in Formen kultiviert wurde, die uns an Nord Westdeutschland 
erinnern. 

Bei Ingolstadt quert die wichtige Verbindung von München 
nach dem Nordwesten des Königreichs, nach Würzburg und darüber 
hinaus nach Kassel die Donau. Diesen Übergang schützt die alte 
Festung, als Stadt nur klein und unbedeutend. 

Sehr dichte Besiedlung weist die Umgebung des Donauriedes 
auf, wo sich zahlreiche -ingen-ürte am Rande des trockenen 
Landes drängen. Hier entfaltet sich auf den ebenen lößbedeckteu 
Terrassen am Fuß der zurücktretenden waldigen Jurahänge reicher 
Ackerbau. Eine wichtige Längsbahn verbindet die Orte am Nord- 
rand und wird bei Donauwörth von der Querverbindung getroffen, 
Avelche heute der uralten Handelsstraße zwischen Nördlingen und 
Augsl)ui'g folgt. 

Die schiefe Ebene von München 

Das Hügelland oder besser die zerschnittene Tafel von Nieder- 
bayt^rn endet im Süden mit einem scharfen Rand, der eine Ab- 
Biatt grenzung schon auf der topographischen Karte meist 
jso. isi. isit ,^jj^ Leichtigkeit gestattet. Etwa in der Gegend von 
Mii neben liegen die Gipfel der Hügel 500 m hoch. Steigt man 
von ihnen liiiuib, so erreicht man in -160 m Höhe ebene Platten, 
die al])(Miwärts ein wenig ansteigen und randlich steil abgeschnitten 
sind. Unterhalb, nur etwa 20 m tiefer, liegen weite Schotter(d)enen, 
<li<' nach Norden hin trichterförmig zugespitzt in die mirdliche Zone 
hineiimreifen, wo si(! sich dann als schmale Terrassen längs der 



Schiefe Ebene von München 305 

größeren Flüsse, die alle Zonen durchbrechen, fortsetzen. Diese 
ausgedehnten Niederterrassenschotter bilden die weite Landschaft, 
welche als die sclüefe Ebene von München dem Geographen 
bekannt ist. Im Süden, wo die Schotterlage mächtig ist, ist die 
Ebene trocken und sandig, daher mit Wald bedeckt; im Norden 
aber, wo die durchlässige Schotterdecke so dünn ist, daß das auf 
der undurchlässigen tertiären Grundlage sich bewegende Grund- 
wasser mit seinem Spiegel die Oberfläche erreicht, ist die Ebene 
naß und wegen des nur laugsamen Abflusses der reichlichen Gruud- 
wassermenge stark vermoort und daher unproduktiv. 

Es blieb daher für die erste Straßenanlage der Römer nur 
eine schmale ostwestlich streichende Zone übrig, die zwischen 
Wald und Moor einen Streifen günstigeren Landes bot. Diese 
Straße, an welche die römische Besiedlung sich anschließt, erreichte 
südlich von München die Isar. Die spätere germanische Besiedlung 
im 8. und 9. Jahrhundert, die uns an Namenendungen auf -ingen, 
woraus im Bayerischen meist „-ing" geworden ist, kenntlich ist, 
suchte das gute Ackerbaugebiet in dieser leidlich waldarmen Zone, 
drang nach Norden bis an die Moore, nach Süden an der Wurm 
aufwärts auch ins Moränengebiet ein. Die Dörfer jener Kolonisa- 
tions-Epoche sind meist große Sippendörfer, erst später entstauden 
die zahlreichen Einzelhöfe mit gleicher Namensendung, wie sie 
auch im Hügelland häufig sind. Im 11. und 12 Jahrhundert fing 
man an energisch den Wald zu roden und es entstanden Orte mit 
wegen des schlechteren Bodens meist größeren Fluren, die noch 
jetzt wie Inseln im Walde verstreut hegen, z. B. Harthausen, 
Hohenbrunn, Siegertsbrunn u. a. 

In dieser nur wenig bietenden Umgebung der schiefen Ebene 
zwischen Wald, Moor und den Wildwassern, rauhem Klima aus- 
gesetzt, erwuchs die Hauptstadt des Königreiches Bayern, München, 
zur bedeutendsten Stadt Süddeutschlands (Taf. NXIII. Abb. 2). 
München ist seiner Anlage nach Brückenstadt und verdankt seine 
Entwicklung durchaus seiner Erhebung zur Residenz. Zu römischen 
Zeiten kreuzte der den Alpenfuß entlang führende Ost -Westweg 
bei Grünwald, zwei Stunden flußaufwärts, die Isar; im Mttelalter 
eine Stunde flußabwärts bei Föhring. In der Münchener Gegend 
lajren bis ins 12. Jahrhundert einige Sippendörfer, Sendling, Giesing, 
Ilaidhauseu; dazu auf einer Terrasse zwischen der Isar und dem 
Rand der schiefen Ebene das von Tegernsee'er Mönchen begründete 
Dörflein „Munichen". Hierhin verlegte 1168 Heinrich der Löwe 

Braun. 20 



30(j Die Alpen uud ilir Vorland 

auf gewaltsame Weise den Flußüberg'aug der alten Handelsstraße 
und befestigte den Ort als Zollstätte und Stapelplatz des Salzes 
aus dem nahen Berchtesgadener Alpen. 

Dieser Kern der Stadt München ist noch im heutigen Stadt- 
])lan für das geübte Auge kenntlich. Östlich der Sendlingerstraße, 
dann am Rindermarkt und an der Residenz vorbei zieht der Abfall 
der erwähnten Terrasse gegen das Überschwemmungsgebiet der 
Isar. Auf diesen» Vorspruug erstand die erste Unnvallung im Zuge 
Färbergraben — Augustinerstraße — Schaf flerstraße — Schrammer- 
straße, um den Alten Hof, die erste"« Residenz, herum zum Alten 
Rathaus und Peters-Kirche. Die Kaufingerstraße ist die alte Salz- 
straiie, welche die Siedlung quert und dem Isarübei'gang bei Haid- 
hauseu zustrebt. In der Umgebung der Peters-Kirche scheint der 
innerste Kern auch dieser ersten Anlage noch kenntlich zu sein. 

In der Folge blieb dann der Terrassenrand als Schutz gebend 
weiter beachtet. Die Stadt rundete sich alsbald nach Westen hin 
bis zu der heutigen Grenze der Altstadt ab, buchtete sich 
nach Osten hin aber nur w^enig gegen das Isartor aus, so daß eine 
Schmetterlingsform zustande kam, auf deren nördlichem Flügel im 
14. Jahrhundert die Residenz erwuchs. Der damals erreichte 
Umfang, den alsbald eine stark ausgebaute ümwallung schützte, 
reichte bis ins 19. Jahrhundert aus. Die Stadt entwickelte sich 
langsam, l)lieb zwar vor schweren Rückschlägen, wie sie Augsburg 
trafen, verschont, bot aber auch dem Handel keinen besonderen 
Anreiz dar. Ihre innere Umbildung lag ganz in der Hand der 
Witteisbacher, die in neuerer Zeit nichts versäumten, ihre Residenz 
zu einer prächtigen Stadt auszugestalten, die wegen ihres Äußeren 
und wegen ihrer Bedeutung als Kunststadt sie jedem Deutschen 
besonders lieb und wert erscheinen läßt. 



Die Alz-Ebene 

Ein einheitlicher Name für das Zwischengebiet der Zuiigen- 
becken von Rosenheim und Salzburg, das von Traunstein an sich 
Blatt bis zum Inn erstreckt, wo es sich mit breiter Basis an 
i8-.'. 190 j^j^^g Niederbayerische Hügelland anlehnt, fand sich weder 
auf Kalten noch in der Literatur. So möge hier von dem Gebiet 
in dem eben genannten Umriß als von der „Alz-Ebene" gesprochen 
werden. Eine Ebene allerdings ist dieses Land nur im Norden, 
nördlich einer Linie, die bei Garching die Alz kreuzt. Alles, was 



Alz-Ebene. Zusammenfassung 307 

Südlich davon liegt, gehört zu den verwaschenen Altmoränen der 
benachbarten großen Gletscher, die zur Zeit ihres Maximalstandes 
zur Rißeiszeit bis Emertsham gemeinsam vorstießen und erst von 
dort aus ihre Zungen trennten. Bis dahin haben wir von Traun- 
stein her sehr unregelmäßiges Relief mit zahlreichen Einzelsied- 
lungen und Wäldchen. Auf den nördlich anschließenden Hoch- 
terrassenschottern ist der Wald fast ganz gerodet und dicht bei- 
einander liegen auf ebenem Boden in gleichmäßiger Verteilung 
Einzelhöfe und Weiler. 50 m tiefer liegen die weiten Flächen der 
Niederterrasse mit gewaltigen unbewohnten Forsten auf dem Scliutt- 
kegel der Alz, außerhalb desselben meist mit geschlossenen Sied- 
lungen besetzt, die sich auch in die alluvialen Niederungen hinein- 
schieben. 

Die ganze Landschaft Uegt weit ab vom gxoßen Verkehr und 
auch durch das Inntal zieht von München her nur eine wenig 
bedeutende Linie an ihrem Nordrand vorbei. Von Traun stein 
aus öffnen sich einige Täler auf den hier vorbeiführenden Weg am 
Gebirge entlang und darüber liinaus lebt der Ort von der Ver- 
wertung und Ausbeutung der aus Reichenhall in langen Röhren- 
leitungen herbeigeführten Sole. 



Zusammenfassung 

Die erklärende Beschreibung Deutschlands ist mit dem Er- 
reichen seiner südlichen Landesgrenzen abgeschlossen. Wir hatten 
sie in drei Teile gegliedert: das natürliche Landschaftsbild, die 
Umbildung desselben im Laufe der Besiedlungsgeschichte, das 
heutige Aussehen der Landschaft. Von den ersten beiden Ab- 
schnitten sind nur die Grundzüge so weit gegeben worden, als zum 
Verständnis des dritten notwendig ist. Auf diesem ruht das 
Schwergewicht der Darstellung. In dem Gewirr von Einzelheiten, 
die dabei zur Sprache kommen mußten, ist vielleicht der Blick auf 
das Ganze verloren gegangen — es sei darum versucht, ihu hier 
wiederum zu gewinnen. 

Deutschland ist eine Landschaft Mitteleuropas, die aus dem 
größeren Verbreitungsgebiet des Deutschtums im Herzen unseres 
Erdteiles dadurch herausgeschnitten wird, daß innerhalb seiner 
pulitischen Grenzen seit dem 19. Jahrhundert eine sehr starke 

20* 



3(J8 Zusammenfassung 

YolksveriiKihruiig- stattgefimdeii hat. Diese Volksvermehrung: zwang- 
einerseits zu tunlichster Ausnützung- des vorhandenen Raumes und 
andererseits zur Industrialisierung-, um Werte zu schaffen, mit 
deren Hilfe die Ernährung der sich stets mehrenden Massen 
möglich ist. 

Auf unserer Durch Wanderung^ konnten wir feststellen, daß die 
Ausnützung: des vorhandenen llaumes tatsächlich bis an die 
Grenzen des Mög:lichen hin durchg-eführt ist. Gewiß gibt es vor- 
nehmlich im Norden und Osten noch an sich g-anz große Doden- 
flächen, die nutzbar gemacht, Wohnplätze bieten und vielleicht 
auch eine gewisse Produktion ermöglichen würden. Im Vergleich 
zum Ganzen aber ist das nur wenig. Und nun die Industrie! 
Auch sie fanden wir auf unserer Wanderung ül)erall dorthin vor- 
gedrungen, wo Rohmaterial, günstige Verkehrslage oder ein guter 
Arbeiterstamm winkten. Auch sie ist noch ausbreitungsfähig und 
manche in Süddeutschland historisch gewordene Form einer Ver- 
ankerung der Industrie in landwirtschaftlicher Umgebung- ließe sich 
an anderen Stellen wohl noch anwenden. Die Industrieanlage ist 
die jüngste Siedlungsschicht, die noch nicht allen Platz gewonnen 
hat, den sie gewinnen kann. Sie hat sich über die älteren 
Schichten hinül)ergelegt, die ein dichtes Netz anders fundierter 
Gebilde bereits über das Land gebreitet hatten. 

Die älteste Schicht sind die Siedlungen der Urproduktion, des 
Ackerbaues, der Waldnutzung, der .Jagd und Fischerei. Sie ver- 
körpern uns in ihrer Verteilung oft sehr alte, heute nicht mehr be- 
stehende landschaftliche Zustände. Zu ihnen, die schon alles 
bessere Land dicht erfüllten, gesellten sich im Laufe der Ge- 
schichte Verkehrs-, Handels- und Residenzorte, meist in allmäh- 
lichei- Entwicklung aus einem Sitz der Urproduktion herauswachsend, 
vielmehr als diesem al)er ihre Umgebung umgestaltend und die älteren 
Züge l)is zur Unkenntlichkeit verwischend. Dann aber kommt die 
iiKlustriclle Siedlung, Werkanlage und Arbeiterniedei lassung. Wohl 
knüi)fen die Hauptstätten ihres Sitzes, die „Industriebezirke", an 
etwas Naturgegebenes, die Bodenschätze, zunächst an. Diese aber 
spielen keine Rolle im LandschaftsbiUl, sie liegen ganz regellos 
im Verhältnis zu gutem oder schlechtem Boden, zu Waldarmut oder 
Waldfülle, günstig oder auch ganz ungünstig für den Verkehr. 
Mit ihrer Niederlassung ändert sich das LandschaftsbiUl von der 
Wurzel aus, willkürlich und von jedem historischen Geschehen 
losgelöst. Sic sind ein katastrophenartig auftretender Bestandteil 



Zusammenfassung 309 

iu dem historisch gewordenen Landschaftsbild Mitteleuropas, und 
da gewisse ihrer Kennzeichen sich erschreckend schnell auch in 
Gebieten der Landwirtschaft und Waldnutzung- verbreiten, vne. die 
IVIietskaserne, das Arbeiterhaus, so hat sich im 19. Jahrhundert in 
Mitteleuropa ein Ereignis vollzogen, welches das Land um uns 
von Jahr zu Jahr rascher grundstürzend verändert, wie im frühen 
Mittelalter einmal die Eodezeit, welches aber im Gegensatz zu 
dieser nicht von der Nationalität getragen wird und darum deren 
Eigenart annimmt, sondern international ist. Eine deutsche x\cker- 
baulandschaft wird der kundige Beobachter wohl kaum auch bei 
flüchtigem Zusehen mit einer nichtdeutschen verwechseln, bei einer 
industriellen Anlage oder auch mancher Stadt wird eine Unter- 
scheidung nicht ohne weiteres möglich sein. Ist es also in der 
Gegenwart noch möglich, Deutschland in Mitteleuropa wenigstens 
nach Osten und Westen an Hand der Verbreitung der deutschen 
Kulturlandschaft abzugrenzen, so wird das in Zukunft dort immer 
schwerer werden, wo die Industrien der Xachbarländer ineinander 
übergehen. 

Infolge der natürlichen Gegebenheiten ist das aber nur an 
solchen Stellen der Fall, wo ohnehin der Grenzsaum Mittel- 
europas verläuft. Der Geograph wird dann gut daran tun, den 
jeweiligen Industriebezirk als eine Einheit zu betrachten, die nicht 
zerrissen werden sollte. Damit erscheint in der Gliederung 
Europas ein neues Gebilde in festerer Form: Mitteleuropa als 
Bereich ursprünglich deutscher Kulturlandschaft mit an das Auf- 
treten von Bodenschätzen geknüpften Industrielandschaften, die 
ausstrahlend das ganze Land überziehen. Damit hebt es sich 
ebenso von seiner Umgebung ab wie Deutschland zu Beginn des 
19. Jahrhunderts, als nur die alten Unterschiede in Haus-, Dorf- 
und Ackerbauform bestanden. 

Neben den eben in der Entwicklung ihres Landschaftsbildes 
gekennzeichneten innerdeutschen Landschaften fanden wir auf 
unserer Umwanderung Gebiete anderer Ausbildung, die ich zu- 
sammenfassend „Grenzmarken" nennen möchte. Sie sind dadurch 
gekennzeichnet, daß in ihnen die ursprüngliche Natur noch leidlieh 
erhalten ist, daß sie von einer fremden, unterworfenen Nation 
mehr oder weniger dicht besiedelt werden. Sie haben in zwei 
Epochen der Entwicklung Deutschlands ihren Charakter gewonnen: 
im Mittelalter gegen Osten hin, in der Neuzeit nach Norden und 
vor allem Westen hin. Der Jura, die Vogesen, Lothringen^ 



'^\() Zusammenfassuug 

Luxeiiibui'ir, Ji<' Ardeniien und Flauderu sind die westlichen, unsere 
Küsten und Schleswig die nördlichen, Masuren, Kulmeiiand, 
Kujawieu, das Wartheland, Schlesien und Mederbayern die öst- 
lichen Grenzmarken. Ost und West sind freilich auf verschiedene 
Weise angeg'liedert. Beide Marken sind Kolonisationsland — aber 
die westliche aus sehr frühen Zeiten, die östliche aus späteren. 
In der Westiiiark knüpft das für Grenzsäunie bezeichnende Bild 
der Verteidigungssiedluuo:en an im Laufe der Geschichte bereits in 
ihrer Geeignetheit geprüfte Plätze (Bömerstädte) an, im Osten 
mußte es neu geschaffen und mit dem Fortschreiten der Koloni- 
sation weiter vorgeschoben werden, ohne daß die spätere politische 
Grenze immer hätte folgen können (Ostseeprovinzen, polnische 
Städte). Die schützende Bolle übernahm im Westen die I3oden- 
jdastik, mit entschiedener Benachteiligung Deutschlands, im Osten 
der Wald. 

In Anknüpfung an die Einleitung (S. 1 — 3) eine Gliederung 
versuchend haben wir auf unserer Wanderung also folgende Land- 
schaftstypen Mitteleuropas kennen gelernt: 

1. Die historisch gewordene Landschaft; Ackerbau- und Wald- 
gebiete mit größeren Siedlungen an aus der Geschichte verständ- 
lichen Stellen. Drei Typen lassen sich unterscheiden: 

das altgermanische Gebiet 
das ehemalige Kömerland 
das Kolonisationsland. 

2. Die Lidustrielandschaft mit Siedlungen, die nur an das 

Vorkommen von Bodenschätzen und Wasserkraft geknüpft sind, 

aber nicht aus der Geschichte erklärt werden können. Völlige 

Verwüstung der Naturlandschaft. Auch hier sind zwei Typen 

kenntlich: , -r , . • , 

der Industriebezirk 

die liidustrieflecken. 

3. Die Grenzmarken mit Verteidigungssiedlungen und Ver- 
teidigungseinrichtungen unter Schonung und Ausnützung der 
natürlichen Verhältnisse zu Verteidigungszwecken. Auch hier sind 
wieder zu unterscheiden die Waldländer des Ostens von den Grenz- 
plateaus (Jura, Vogesen, Ardeiinen) und Grenzlücken (Sundgau, 
Lothringen, Luxemburg, Flandern) im Westen. 

In einen dieser Typen läßt sich jedes Landschaftsbild Mittel- 
europas einreihen. Die geschichtliche Tendenz des 19. Jahr- 



Zusammenfassung 311 

hunderts und der Gegenwart drängt auf Verschärfung der Unter- 
schiede im Aussehen. Stärker und schärfer wird sich die in 45 
Friedeusjahren teilweis fast verschwundene Gi'enzmark wieder 
herausbilden als eine zur Verteidigung eingerichtete breite Zone. 
Die Ackerbaulandschaft wird erhalten bleiben, sich räumlich sogar 
ausdehnen. Die notwendige Intensität des Betriebes wird aber 
leider auch hier manches Alte vernichten müssen. Die Industrie- 
bezirke zeigen ebenfalls ein unverkennbares Streben nach Ver- 
größeruug, als ludustrieflecken breiten sie sich weiter und weiter 
über das Land aus. 

Es ergeben sich aus diesen Feststellungen eine Eeihe von 
Problemen und Aufgaben der allgemeinen vergleichenden Geographie. 
Die erste Pflicht ist: das Studium der historisch aus den Urzu- 
ständen gewordenen Landschaften nicht so lange hinauszuschieben 
bis es zu spät, bis es nur noch an Hand papierner Quellen mög- 
lich sein wird. Der Naturschutz hat die Aufgabe, uns soweit 
möglich Urlandschaften und historisch gewordene Landschaftst\T)en 
zu Studienzwecken um jeden Preis zu erhalten, selbst wenn da- 
durch die zum Anbau verfügbare Fläche um ein Geringes ge- 
schmälert wird. Vieles Unersetzliche ist schon verloren und an- 
derem droht gerade jetzt Gefahr. Die zweite Aufgabe ist ein 
aufmerksames Studium der Grenzmarken. Dieses ist bisher gegen- 
über der Fülle anthropogeographischer Arbeiten im Inneren auffällig 
vernachlässigt worden und betrifft fast nur östliche Marken (Ost- 
preußen, Schlesien). Schon am einfachen Kennenlernen, am Be- 
reisen der Marken hat es bisher gefehlt, fast ganz aber an der 
geographischen Fragestellung nach dem Charakter der Grenzmark 
als Landschaftstypus in seiner Entwicklung gegenüber anderen 
Tj^pen. Nur Ratzeis Schule hat bisher in dieser Richtung Grund- 
legendes geschaffen, aber wenige Nachfolger gefunden. 

Das größte politisch -geographische Problem der GeograpMe 
von Mitteleuropa aber ist dieses: wie ist unter Ausnützung der 
von Natur gegebenen und liistorisch gewordeiien Grenzmarken die 
politische Grenzhnie von Mitteleuropa so zu ziehen, daß einerseits 
die Einheit von Industrie- und Ackerbaulandschaften im Inneren 
gewahrt bleibt, daß andererseits die Grenzmarken eine wirksame 
Schutzzone bilden. Dies Problem läßt sich akademisch behandeln 
und praktisch dadurch teilweis lösen, daß Vereinbarungen wirt- 
schaftlicher Art von Natur aus zusammen gehörende Grenz- 
bozirki^ wenig-stens in dieser Beziehung- einigen. Die Gegenwart 



gi2 Zusammenfassung 

gestattet alxT aucli eine andere politische Lcisung zu versuchen, 
für welche ebenfalls noch Vorstndien dieser Art fehlen. 

Nahe verknü])!'! init dieser Frage ist die zweite: welche Um- 
bildungen vollziehen sich in einer Grenzmark, sobald dieselbe diese 
EoUe verliert? Dieses Problem stellt sich im Südosten unseres 
Landes, wo die früheren Grenzmarken gegen Österreich hin nun- 
mehr zu Durchgangsländern werden. Auch für diesen Fall bieten 
sich ältere freispiele, die es zu beobachten gilt: das ist die mit 
Erweiterung der Kolonisationslandschaft nach Osten hin verbundene 
Verschiebung des Grenzsaumes, die aus der Mark Brandenlnirg 
den heutigen Mittelpunkt des Reiches werden ließ. Hier liegen 
alte Grenzmai'ken, die heute zu Ivernländern Deutschlands ge- 
worden sind. 

Es könnte für Gegeuwartszwecke müßig erscheinen, solche 
Fragen anders als rein theoretisch behandeln zu wollen. Das 
hieße indessen die geographische Bedingtheit aller geschichtlichen 
Entwicklung verkennen. Eine in erzwungener Richtung gehende 
Umbildung des Landschaftscharakters kann nur dann sich dauernd 
behaupten, wenn diese Richtung von Natur gegeben oder wenigstens 
m()glich ist. Zweck- und zielbewußte Rodung hilft nichts oder 
führt zu Rückschlägen, wenn der gerodete Boden die angesiedelte 
Bevölkerung nicht zu ernähren vermag — wir hatten öfter Ge- 
legenheit, in Deutschland die Folgen einer negativen Siedlungs- 
phase zu beobachten. Eine jede Landschaft kann durch Ziehung 
einer politischen Grenze zur Grenzmark der Lage nach werden — 
ihrem Wesen nach wird sie es erst im Lauf sehr langer Zeiten 
und bis dahin bietet sie stets einen Anreiz zum Angriff dar. Um- 
gekehrt gibt es gewisse Landschaften, namentlich Waldgebirge, 
die immer einen scheidenden Einfluß ausüben, auch wenn sie nicht 
mehr die Rolle einer Grenzmark spielen, und die wieder von Be- 
deutung werden, sobald kriegerische Ereignisse eintreten, wie die 
Argonnen im östlichen Frankreich. 

Mit diesen allgemeinen politisch-geographischen Bemerkungen 
möge das voi'liegende Werk geschlossen werden. Die Probleme 
können hier nui- angedeutet und zu ihrer Lösung nicht mehr bei- 
getragen wei'den, als der Text bietet. Daß darüber hinaus mancher 
Gedanke und mancher Wunsch als Folgerung der dargestellten 
Tatsachen auftaucht, ist in jetziger Zeit selbstverständlich. Wo 
und wie auch künftige Staatsgrenzen verlaufen mögen, ein un- 
nalüiiichcr Zug derselben unter Vernachlässigung naturgegebener. 



Zusammenfassung 313 

historisch g-e\vordener Landschaftscharaktere würde sich immer 
rächen. Der Geograph, der gewohnt ist, das Ganze einer Land- 
schaft ins Auge zu fassen, erscheint als der berufene Berater des 
Staatsmannes in allen Fragen der Einteilung der Landoberfläche. 

Es setzt das freilich voraus — was bei dem Charakter der 
wissenschaftlichen Geographie der Gegenwart nicht unnötig* zu be- 
merken ist — daß er seine Studien streng in der Richtung seiner 
Aufgabe hält; das ist die Erdbeschreibung, die erklärende Dar- 
stellung des Aussehens jeder einzelnen Landschaft als eines Er- 
gebnisses des Zusammenwirkens natürlicher Gegebenheiten mit 
historischen Vorgängen. Das ist und soll keine Landeskunde sein 
— deren Aufgabe ist viel umfassender — wohl aber ist sie der 
Gipfelpunkt der Landeskunde, der sich auf ihren Teilen aufbaut, 
und darum ist niemand so berufen Landeskunde zu treiben und 
zu schreiben als der Geograph. Er muß aber dabei die ihm allein 
obliegende Darstellung des Landschaftsbildes scharf von den Vor- 
arbeiten und Grundlagen scheiden, die ihm andere Wissenschaften 
liefern. Erst dann wird er zu allgemeineren Zusammenfassungen 
und Abstraktionen der eben besprochenen Art kommen. 

In der vorliegenden Beschreibung des Landschaftsbildes 
Deutschlands ist das versucht worden. Wie viel an Vorarbeiten 
selbst in dem geographisch doch immerhin leidlich bekannten 
Mitteleuropa noch fehlt, tritt überall zutage. Es ist heute noch 
nicht möglich, das Aussehen Mitteleuropas so zu be- 
schreiben, wie es die allgemeinen Forderungen der geo- 
graphischen Wissenschaft verlangen. Eine Zusammenfassung 
wie diese soll daher ihren Haupterfolg in der Anregung wahrhaft 
geographischer Studien finden, sie soll landeskundliche Arbeit neu 
beleben und zeigen, wie erst auf dem gesicherten Boden geographi- 
scher Erkenntnis die deutsche Landschaft als unser eigenster 
kostbarer Besitz zu verstehen ist, und sie soll lehren ihn abzu- 
grenzen und zu schützen. Mitteleuropa ist ein geographisches 
Eigenwesen mit ihm eigentümhchen Kernlandschaften und Grenz- 
ge])ieten. Diese sind verschiebbar, sofern man ihr Wesen be- 
achtet, ihr Wesen als einer Schutzzone eben des unverletzlichen 
Kernes, der Grundlage deutschen Wesens und deutscher Geschichte. 



Anmerkungen und Literaturangaben 

Vorbemerkungen: 

Anordnung in den Einzelabschnitien: 

1. Literaturverzeiclinisse. 

2. Allgemeine Landeskunde. 

3. Geologischer Aufbau. 

4. Morphologie. 

5. Klima. 

6. Pflanzengeographie. 

7. Geschichte. 

8. Siedlungen. 

Einteilung nach geographischen Gruppen. 

Diejenigen Schriften, welche auf Exkursionen hinweisen oder solche erläutern, 
sind bevorzugt, wenn mehrere Arbeiten über die gleiche Landschaft vorliegen. 
Ebenso sind diejenigen Schriften bevorzugt, welche erfahrungsgemäß allgemeiner 
auf den Bibliotheken vorhanden sind. Über die allgemeine Organisation landes- 
kundlicher Arbeit in Deutschland, die „Zentralkommission" usw. vgl. S. 325. 

Systematische Vollständigkeit ist in keinem Punkte a»gestrebt. 

Die Abkürzungen werden allgemein ohne besonderen Schlüssel verstanden 
werden. Diss. bedeutet luaugural-Dissertation und es ist in solchem Fall nur 
die Universität, an der sie eingereicht wurde, nicht der Erscheiuungsort, der 
häufig ein anderer ist, genannt. 

Für jede Ergänzung bin ich dankbar. (Adresse: Berlin W 35 Schöneberger 
Ufer 12a Gebr. Borntraeger oder Basel (Schweiz) Geograph. Institut d. Universität.) 

Einleitung 

Das skizzierte Problem Mitteleuropas, die ungeheure Volksvermehrung auf 
gegebenem Raum und die dadurch in so raschem Fortschritt herbeigeführte Um- 
wandlung der natürlichen Landschaft in die Kulturlandschaft und der Zwang 
zur Weltpolitik ist ja oft genug erkannt worden, aber doch noch nicht, so weit 
ich scheu kann, in seinem ersten Teil folgerichtig geographisch ausgewertet. 
Ich nenne folgende Bücher zur mitteleuropäischen Landschaftskunde: 



Einleitung. Geologische Geschichte 315 

B. Cütta: Deutschlands Boden, 2. Aufl., 2 Teile, Leipzig 1858 — gibt im ersten 
Teil eine regionale Beschreibung, geht im zweiten von allgemeinen Gesichts- 
punkten aus, wie z. B. Einfluß des Bodeubaues auf die Ansiedlungen. 
Ältere Literatur! 
A. Peuck : Das Deutsche Reich (in Kirchhoffs Länderkunde von Europa). Leipzig 
1887 — ist noch heute als beste eingehende Darstellung zu bezeichnen 
und so manche im Text gegebene Arbeitshypothese ist auch licute noch 
nicht wieder aufgenommen. 
F. Ratzel: Deutschland. Leipzig 1898 — ein treffliches, gedankenreiches, 
kleines Buch. Im Abschnitt 28 wird ein wohlgelungener Versuch gemacht, 
die Kulturlandschaft zusammenfassend zu behandeln. 
Jos. Partsch: Mitteleuropa. Gotha 1904 — trennt bei tiefer und formvollendeter 
Darstellung Relief und Landschaftsbild ganz von der Kulturgeographie. 
Job. Walther: Geologie Deutschlands. 2. Aufl. Leipzig 1912. — Der Unter- 
titel „Einführung in die erklärende Landschaftskunde" zwingt zur Berück- 
sichtigung schon an dieser Stelle. Erführt gänzlich irre, indem der Verfasser 
nur wenig über die Formen, gar nichts über das Landschaftsbild aussagt. 
Während des Druckes erschien: W. Ule: Das Deutsche Reich. Eine geo- 
graphische Laudeskunde. Leipzig, F. Brandstetter 1915 — ein Werk, das mir 
wegen seiner leicht verständlichen Darstellungsweise und gefälligen bildlichen 
Ausstattung als für weitere Kreise des Lesepublikums zur Einführung recht 
geeignet erscheint. Es ist eine Landeskunde, d.h. man wird darin sowohl 
über geologische Dinge, wie solche der Religion und Trachtenkunde in der 
gleichen absichtlich an der Oberfläche bleibenden Form unterrichtet, wie die- 
jenigen Kreise das wünschen, an denen die seit bald 30 Jahren begonnene Ent- 
wicklung der Geographie zur strengwissenschaftlichen Erdbeschreibung spurlos 
vorüberging. 

I. Das natürliche Landschaftsbild 

I. Bodenplastik 

Eine gute neuere Höhenschichtenkarte Mitteleuropas in einem handlichen 
Blatt fehlt und konnte auch für dieses Buch nicht hergestellt werden, wenn 
auch das Material daliegt. Die beste Übersicht bildet gegenwärtig Blatt 36/-i7 
aus Andrees Handatlas, das auch einzeln zu haben ist. 

2. Geologische Geschichte 
Joh. Walther: Geologie Deutschlands. 2. Aufl. Leipzig 1912 — ist oben 
bereits genannt. Es ist in den Einzelheiten und manchen Auffassungen 
zu stark individuell gefärbt, um beim Studium gebraucht zu werden. 
Einem reiferen, kritischen Leser mag es manche Anregung bringen. 

Populär, aber gut ist B. Lindemann: Geologie der deutschen Landschaften. 
Stuttgart 1914. 

Gute nur etwas zu knappe Tabellen gibt Th. Brandes: Schichtenfolge 
Mitteldeutschlands. Leipzig 1918, hauptsächlich für Exkursionen zu empfehlen. 

Das Hauptwerk ist R. Lepsius: Geologie von Deutschland. Stuttgart, 
Engelhorn I. 1887—1892. IL Leipzig, Engelmann 1910. III. 1. 1912, eine 
sehr eingehende Darstellung mit reichen Literaturnachweisen, stellenweise unnötig 



3]^g Anmerkungen und Literaturangaben 

polemisch gehalten und im Kapitel über Norddeutschland verfehlt. In jedem 
Fall ein unentbehrliches Hilfsbuch für die Geologie der einzelnen Landschaften; 
eine «reologische Geschichte bietet es nicht. 

3. Formengeschichte 

Es kommen als Grundlage der Darstellung vornehmlich eigene Studien in 
der Natur und auf den in den Erläuterungen zu Tafel V genannten Karten in 
Frage; außerdem die gesamte im Einzelverzeichnis gegebene Literatur. Hier 
brauchen deshalb nur die wichtigsten rein morphologischen Studien der Neuzeit 
verzeichnet werden; vgl. das hervorragende Lehrmittel: 40 Blatt der Karte des 
Deutschen Reiches 1 : 100000 ausgew. f. Unterrichtszwecke. Berlin 1910 m. Erl. 
von W. Behrmann in Zeitschr. Ges. f. Erdk. Berlin 1911. 601. 

Eine morphologische Untersuchung >orddentsclilands liegt noch nicht vor 
(E. Wunderlich: Oberflächenformen des norddeutschen Flachlandes zwischen 
Elbe und Od»r. Diss. Berlin 1915, einen Auszug aus einer noch nicht erschie- 
nenen größeren Arbeit habe ich nicht zu Gesicht bekommen), unsere Kenntnis 
ist, seit A. Penck 1887 die Unterschiede zwischen der äußeren und inneren Zone 
der Moränenlandschaften betonte, in systematisch morphologischer "Weise nicht 
erweitert, wenn auch durch zahlreiche geologische Einzelarbeiten vertieft worden. 
Für Mltteldoutschlaud hat E. Philippi 1910 in geographischen Kreisen 
längst vorliandene und auch mehrfach ausgesprochene (A. Penck, A. Philipp- 
son, A. Hettner) Erkenntnisse zusammengefaßt und den Versuch einer Alters- 
bestimmung der Uroberfläche gemacht („präoligozäne Landoberfläche"). Seither 
sind zahlreiche Einzelarbeiten erschienen, die im folgenden nach Flußgebieten 
geordnet aufgeführt werden. 
Rheiugebiet: K. Oestreich: Die Oberfläche" des Rheinischen Schiefergebirges; 

zuerst 1909, dann Geogr. Anz. 1913, 195. (Ders. in Pet. Mitt. 1909.) 
C. Mordziol: Ein Beweis für die Antezedenz des Rheindurchbruchtales usw. 

Zeitschr. Ges. f. Erdk. Berlin 1910. 
Weserg-ebiet: W. Schottler (Vogelsberg) in Notizbl. Ver. f. Erdk. zu Darm- 
stadt (4) ;31. 1910. 
E. Kaiser — H. Meyer: Der Untergrund des Vogelsberges. Sitz.-ßer. Natur- 

hist. Ver. d. preuß. Rheinide usw. Bonn 191:5. 
B. Dietrich: Die Rhön. 92. .Jahresber. Schles. Ges. f. vaterl. Kultur. Bres- 
lau 1<)14. 
H. Bücking: Über vor- und nachbasaltische Dislokationen und die vorbasaltische 

Landoberfläche in der Rhön. Zeitschr. D. Geol. Ges. 64. 1912. 109. 
0. Grupe: Über das Alter der Dislokationen des hannoversch-hessischen Berg- 
landes und ihren Einfluß auf Talbilduug und Basalteruptionen. Zeitschr. 
D. geol. Ges. 68. 1911. Abh. 2G4. 
0. Grupe: Die Flußterrassen des Wesergebirges usw. Zeitschr. D. geol. Ges. 64. 

1912. Abh. 265. 
E. Gerwien: Der Lauf der Oberweser im Buntsandsteingewölbe. Diss. Berlin 1914. 

Elbegebiet: H. Gehne: Beitr. z. Morphologie des östlichen Harzes. Diss. 

Halle a. S. 1911. 
W. Behrmann: Die Oberflächengestaltung des Harzes. Forsch, z. d. L.- u. 

Volksk. XX. 2. 1912. 



Formeugeschichte 317 

E. Philippi: Über die präoligozäue Landoberf lache in Thüringen. Zeitschr. 

D. geol. Ges. 62. 1910. 805. 
V. Schulz: Beitr. z. Morphologie d. Buntsandsteingebietes im Mittellauf d. Saale. 

Diss. Jena 1913 — auch Mitt. Ver. f. Erdk. Halle 1913. 

0. Brönner: Beitr. z. Morphologie d. ostthüringischen Schiefergebirges. Diss. 

Jena 1915. 
E. Lohrmann: Einiges aus d. geol. Vergangenheit d. Erzgebirges. X. Ber. 

d. Annaberg-Buchholzer Ver. f. Naturkde. 1898. 
H. Raßmuß: Zur Morphologie d. nordwestl. Böhmen. Zeitschr. Ges. f. Erdk. 

Berlin 1913. 35. 

1. E. Hibsch: Die Verbreitung der oligozänen Ablagerungen und die voroligo- 

zäne Landoberfläche in Böhmen. Sitz. -Ber. Kais. Ak. d. Wiss. Math.- 

naturwiss. Kl. 122. I. 1913. Wien. 
L. Puffer: Der Böhmerwald u. s. Verhältnis zur innerböhmischen Rumpffläche. 

Geogr. Jahresber. a. Österreich. VIII. 1910. 
A. Hettner: Gebirgsbau u. Oberflächengestaltung d. Sachs. Schweiz. Forsch. 

z. d. L.- u. Volksk. II. 4. 1887. (Ders. in Geogr. Zeitschr. 1903.) 
H. von Staff — H. Raßmuß: Zur Morphogenie d. Sachs. Schweiz. Geol. 

Rundschau II. 1911. 373. 
H. von Staff: Die Geomorphogenie und Tektonik d. Gebietes d. Lausitzer 

Überschiebung. Geol. u. pal. Abb. N. F. 13. Jena 1914. 
R. Engelmann: Die Terrassen der Moldau- Elbe zw. Prag und dem böhm. 

Mittelgebirge. Diss. Berlin. 1911 (auch Geogr. Jahresber. a. Österr. IX). 
R. Sokel: Über das Sinken der Elbe-Ebene in Böhmen während d. Diluvial- 

Akkumulation. Centralbl. f. Min. usw. 1913. 91. 
H. von Staff: Z. Entwicklung d. Flußsystems des Zackens bei Schreiberhau 

im Riesengebirge. N. Jahrb. f. Min. usw. Beil. -Bd. 31. 1910. 
G. Hornig: Die Oberflächenformen des nördl. Eulengebirges usw. Landeskundl. 

Forsch, her. v. d. Geogr. Ges. München. 18. 1913. 

A. Meißner: Die Talgeschichte der Stillen Adler in Ostböhmen. Geogr. 

Jahresber. a. Österr. IX. 1911. 193. 

Südwestdeutschlaud: F. Jaeger: Über Oberflächengestaltung im Odenwald. 

Forsch, z. d. L. u. Volkskde. XV. 3. 1904. 
H. Schmitthenner: Die Oberflächengestaltung d. nördl. Schwarzwaldes. Diss. 

Heidelberg 1913. 

B. Brandt: Studien z. Talgeschichte d. Großen Wiese im Schwarzwald. Diss. 

Freiburg 1914. 
G. Braun: Der Schwarzwald Zeitschr. Ges. f. Erdk. Berlin 1914. 199 

(Sammelreferat.') 
E. Schumacher: Die Bildung und der Aufbau des oberrhein. Tieflandes. 

Mitt. d. Komm. f. d. Geol. L. A. von Els.-Lothr. II. 1890. 184. 
G. Braun: Zur Morphologie d. südl. Rheinebene. Verb. XIX. D. Geogr. Tag. 

Straßburg 1914 (auch Verh. Naturforsch. Ges. Basel XXV. 1914). 

Obcrdeutsehlaud (Donaugebiet): E. Scheu: Zur Morphologie d. Schwäbisch- 
Fränkischen Stufenlandschaft. Forsch, z. d. L. u. Volkskde. XVIII. 4. 1909. 

H. Reck: Die morphologische Entwicklung d. süddeutschen Schichtstufenland- 
schaft usw. Zeitsch. D. geol. Ges. 64. 1912 (nur mit Kritik zu benutzen!). 



•glQ Anmerkungen uml Literatnrangaben 

E Seefeldnt-r: Morpho_<,'enetische Studien a. d. Gebiete des Frank. Jura. 

Forsch, z. d. L. u. Volkskde. XXI. 8. 1914. 
N. Krebs — O. Lehmann: Zur Talgeschichte der Rezat-Altnüibl. Zeitschr. 

Ges. f. Erdk. Berlin l'J14. 280. 
W. M eckenstook: Morphologische Studien im Gebiet d. Donaudurchbruclies 

von Neustadt bis Regensburg. ]\Iitt. Ver. d. Stud. a. d. Universität 

Berlin 1. 191."). 
A. Penck — E. Brückner: Die Alpen im Eiszeitalter. 3 Bde. Leipzig 1909. 
K von Klehelsherg: Glazialgeologische Notizen vom bayerischen Alpenrande. 

Zeitschr. f. Gletscherkde. 1914. 

5. Klima 

Eine eingehende klimatologische Darstellung Mitteleuropas gibt es noch 
nicht. Die Gruudzüge stellt Jul. Hann mit reichen Literaturangaben zusammen 
(Handbuch der Klimatologie III. 3. Aufl. Stuttgart 1911. 217). Materialien 
zweier wichtiger klimatischer Elemente liefern die in der Anmerkung des Textes 
genannten Werke. Weiteres Material enthalten die amtlichen Stromwerke (s. die 
Literatur zu G) und dann natürlich die Veröffentlichungen der verschiedenen 
deutschen und außerdeutschen meteorologischen Anstalten, auf welche hier nur 
in ihrer Gesamtheit hingewiesen werden kann. Eine Übersicht gibt G. Greim: 
Meteorologische Beobacht. in Deutschland und ihre Verarbeitung. Geogr. Zeitschr. 
1910. 142. Wichtigere lokalkliniatologische Arbeiten s. in den Literaturangaben 
der einzelnen Landschaften. 

P. F. C. Thiele: Die Klimakreise Deutschlands vom landwirtschaftl. Gesichts- 
punkt. Diss. Heidelberg 189.5. 
P. Perlewitz: Versuch einer Darstellung der Isothermen des Deutschen Reiches 

für Jahr, Januar und Juli. Forsch, z. d. L. u. Volkskde. XIV. 2. 1902. 
E. Sommer: Die wirkliche Temperaturverteilung in Mitteleuropa. Forsch, z. 

d. L. u. Volkskde. XVI. 2. 190(3. 
H. Töpfer: Untersuchungen über die Regenverhältnisse von Deutschland. 

Görlitz 1884. 
G. Hell mann: Die Niederschläge in den norddeutschen Stromgebieten. 3 Bde. 

Berlin 190G. Karte 1 : 1800000. 
H. iMeyer: Der Nebel in Deutschland, insbes. a. d. deutschen Küsten. Anualen 

d. Hydr. usw. 1888. 
P. Eifert: Die Bewölkung in Mitteleuropa. Pet. Mitt. 1890. 137. Karte. 

6. Die Flüsse 

Amtliche S t r o m w e r k e : 

Der Rhein ström u. s. wichtigsten Nebenflüsse usw. Berlin 1889. 2 Bde-. Mappe. 

Der üderstrom usw. Berlin 1896. 8 Bde. 

Der Elbsti-om usw. Berlin 1838. C Bde. 

Memel , Pregel- und Weichselstrom. Berlin 1899. 6 Bde. 

Weser und Ems usw. Berlin 1901. G Bde. 

Einen Auszug aus diesen Werken gibt Ed. Gennerich: Die Flüsse Deutschlands. 

Z. f. Gewässerkde VIII. 1907/08. 203. 
Das Maingebiet (M. von Tein). Berlin 1901. 
Die deutschen Küstenflüsse usw. Berlin 1911. 



Klima. Flüsse 319 

Für die Donau fehlt ein solches Werk; man vergl. als Ersatz: A. Penck: Die 
Donau. Vortr. Ver. z. Verbr. naturwiss. Kenntn. XXXI. 1. Wien 1891. 

Das Verhältnis zwischen Niederschlag und Abfluß: 
A. Penck: Unters, über Abfluß und Verdunstung von größeren Landflächen. 

Geogr. Abb. V. 1896. 
W. nie: Niederschlag und Abfluß in Mitteleuropa. Forsch, z. d. L. u. Volkskde. 

XIV. 1903. 
H. Keller: Niederschlag, Abfluß und Verdunstung in Mitteleuropa. Geogr. 
■ Zeitschr. 1907. 611. 

Hochwasser und Überschwemmung: 
H. Keller: Die Hochwassererscheinungen i. d. deutschen Strömen. Jena 1904. 
K. Fischer: Die Sommerliochwasser der Oder 1813 — 1903. Jahrb. f. d. Gewkde. 

Norddeutschlands. Besond. Mitt. I. 6. 1907. 
G. Hellmann — G. von Eisner: Meteorologische Untersuchungen über die 

Sommerhochwasser der Oder. Veröff. d. Kgl. Preuß. Meteorolog. Instituts 

230. 1911. 
Elbüberschwemmung von 1909 s. W. Ger hing in Himmel und Erde 21. 1909 459. 

Historische Änderungen der Flußbetten: 

Honsei 1: Der deutsche Oberrhein in vorhistor. und histor. Zeiten. Korr. Bl. 
d. D. Ges. f. Anthropol. usw. 16. 1885. 100. 

Chambalu: Strom Veränderungen des Niederrheins s. vorrömischer Zeit. Progr. 
d. höh. Schulen 429. Cöln 1892. 

H. Blink: Der Rhein in den Niederlanden. Forsch. 1889. 

A. Puff: Stromlaufveränderungen d. Niederrheins zwischen Wupper- und Ruhr- 
mündung. Festschr. Naturforsch. Ver. Krefeld 1908. 65. Karte. 

A. Knabenhans: Z. Hydrographie des Rheingebietes zwischen der Landquart 
u. d. Bodensee. Diss. Zürich 1912. 

C. Thürach: Erl. z. d. Blättern Karlsruhe und Daxlanden. Geol. Spez. -Karte 
von Baden 50. 51. Heidelberg 1912. 

A. Norlind: Die geographische Entwicklung des Rheindeltas bis um das 
Jahr 1500. Lund, Amsterdam 1912. 

Varges: Der Lauf der Elbe im nordd. Flachlande I. Progr. 482 Gymn. Ruhr- 
ort. 1891. 

J. Mannß: Die Teilung der Elbe bei Magdeburg i. d. neueren Jahrhunderten. 
Arch. f. L. u. Volkskde. d. Prov. Sachsen VIII. 1898. 1. Karten (auch 
Ge«ch. Bl. f. Stadt u. Land Magdeburg. 32. 1897. 297). 

K. Keil hack: Über alte Eibläufe zw. Magdeburg und Havelberg. Jahrb. d. 
Kgl. preuß. geol. L. A. 1887. 236. 

G. Häußler: Beitr. z. Kenntnis d. Stromlaufveränderungen d. mittl. Elbe. Diss. 
Halle 1907. — Zeitschr. f. Gewkde. 1907. Karte. 

Wichraann: Die Entwicklung der Elbe zw. Geesthacht und Blankenese. 
Zeitschr. f. wiss. Geogr. II. 24. 

H. Grüß 1er: Urkundliche Nachweise über den Lauf der Saale zw. Halle und 
der Wippermündung. Mitt. Ver. f. Erdk. Halle 1897. Karte. 

R. Leonhard: Der Stromlauf der mittleren Oder. Diss. Breslau 1893. 

PI Lösch mann: Reiträge z. Hydrographie der oberen Oder. Diss. Breslau 1892. 



220 Anmerkungen und Literaturangaben 

M. Toeppei): Beiträge z. Geschichte d. Weichseldeltas. Abh. z. Landeskde. d. 

Trov. AVestpreußen VIII. 1894. 
H. Bindemann: Die Abzweigung der Nogat von der Weichsel; ebenda XII. 1903. 

Eis Verhältnisse: 

A. Swarowsky: Die Eisverhältnisse der Donau in Bayern und Österreich 1850 

bis 1890. Geogr. Abh. V. 1. 1896. 
M. Thielemann: Die Eisverhältnisse der Elbe und ihrer Nebenflüsse. Diss. 

Halle 1907. 
Für die Küsten s. die Bericdite und Zusammenfassungen in den Annalen der 

Hydrographie. 

7. Die natürliche Pflanzendecke 

0. Drude: Deutschlands Pflanzengeograpliie. Haudb. z. d. L. u. Volkskde 4. 

Stuttgart 1896. 
P. Graebner: Die Pflanzenwelt Deutschlands. Leipzig 1909. 
C. Schroeter: Das Pflauzenleben der Alpen. Zürich 1908. 
E. H. L. Krause: Die natürliche Pflanzendecke Norddeutschlands. Globus 61, 81. 
H. Hausrath: Der deutsche Wald. A. N. u. G. 15.3. Leipzig 1907. 

B. Borggreve: Die Verbreitung und wirtschaftliche Bedeutung der wichtigsten 

Waldbaumarten innerh. Deutschlands. Forsch. III. 1. 1888. 

H. B. Jacobi: Die Verdrängung der Laubwälder durch die Nadelwälder in 
Deutschland. Tübingen 1912. 

Job. Hoops: Waldbäume und Kulturpflanzen im germanischen Altertum. 
Straßburg 1905. Kap. 1—5. 

R. Gradmann: Beziehungen zwischen Pflanzeugeographie und Siedlungs- 
geschichte. Geogr. Zeitschr. 1906. 305. 

Aufsatzreihe über die Wandlungen des Klimas seit dem Maximum der letzten 
Eiszeit in Deutschland in Zeitschr. D. geol. Ges. 1910. 

IL Der Besiedlungsgang 

Allgemeines 

R. Grad mann: Das mitteleuropäische Laudschaftsbild nach seiner geschicht- 
lichen Entwicklung. Geogr. Zeitschr. VII. 1901. 161. 
B. Knüll: Historische Geographie Deutschlands im Mittelalter. Breslau 1904. 
K. Kretschnier: Historische Geographie von Mitteleuropa. München 1903. 

1. Wimmer: Geschiclite des deutschen Bodens mit seinem Pflanzen- and Tier- 

lel.en. Halle 1905. 

R. Kötzschke: Quellen und Grundbegriffe der historischen Geographie Deutsch- 
lands, Meisters Grundr. d. Geschichtswiss. I. Leipzig 1908 (2. Aufl. in Vorb.). 

R. Kötzschke: Quellen z. Geschichte d. ostdeutschen Kolonisation usw. Leipzig 
1912. 

H. Hausrath: Pflanzengeographische Wandlungen der deutschen Landschaft. 
Wiss. und Hypothese XIII. Leipzig 1911. 

<). Schlüter in Hoops Reallexikou d. german. Altertumskde Bd. I Straß- 
burg 1911 ff. 

Kataloge d. röm. germ. Centralmuseums. 5. K. Schumacher: Materalien zur 



Pflanzendecke. Besiedlungsgang 321 

Vorrömische Besiedlung und das Landschaftsbild außerhalb der Grenzen 
römischen Einflusses 

B,. R. Schmidt: Die diluviale Vorzeit Deutschlands. Stuttgart. 1912. 
A. Meitzen: Siedelung und Agrarwesen der Westgermanen und Ostgermanen 
usw. 3 Bde, 1 Atlas. Berlin 1895. 

Wichtigste Fundkarteo (vgl. die Zusammenstellung von K. Schumacher in 
Prahlst. Zeitschr. I. 1904. 252 und im ohen genannten Katalog): 

E. Hollack: Vorgeschichtliche Übersichtskarte von Ostpreußen m. Erl. Glogau- 
Berliu 1908. 1:300000. 

R. Beltz: Vier Karten zur Vorgeschichte von Mecklenlmrg. Berlin 1899. 
I : 400000. 

R. Beltz: Die vorgeschichtlichen Altertümer d. Großherzogtumes Mecklenburg- 
Schwerin. Schwerin-Berlin 1910. Übersichtskarte. 

H. Müller-Brauel: Die Besiedlung der Gegend zw. Elbe und Weser in vor- 
geschichtlicher Zeit. Jahresber. d. Männer vom Morgenstern. Heft 9. 
Globus 90. 1906. 149. 

Die vor- und frühgeschichtlichen Altertümer Thüringens her. von A. Götze, 
P. Höfer, P. Zschiesche. Würzburg 1909. 1:100000. 

C. Winkler: Versuch z. Aufstellung einer archäologischen Karte des Elsaß. 
Mitt. d. Ges. f. Erhalt, d. geschichtl. Altertümer im Elsaß 18. Colmar 1896 

I : 200000. 

Forrer: Zur Ur- und Frühgeschichte Elsaß-Lothringens. Straßburg 1901. 
G. Wolf: Die südliche Wetterau in vor- und frühgeschiehtlicher Zeit. Frankf. 
a. M. 1913. 

E. Wagner: Fundstätten und Funde im Großherzogtum Baden. I Oberland. 1908. 

II Unterland 1911. Tübingen. 

I. Hartmann: Über die Besiedlung des württemb. Schwarzwaldes. Württ. 

Jahrb. f. Stat. u. Lkde. 1893. 
A. Schliz: Urgeschichte Württembergs. Stuttgart 1909. 

F. Weber: Die vorgeschichtlichen Denkmale des Königreichs Bayern. 1. Ober- 

bayern. 1909. 1 :. 300 000. 

Übersichtskarten der Volksverteilung: 

R. von Erckert: Wanderungen und Siedlungen der germanischen Stämme in 
Mitteleuropa v. d. ältest. Zeiten bis Karl d. Gr. Berlin 1901. 

G. Kossinua: Die Herkunft d. Germanen. Mannus Bibl. 6. Würzburg 1911. 

Umbildung der Landschaft durch die Römer 

E. Fabricius — F. Hettner — 0. von Sarwey: Der Obergermanisch-rätische 
Limes des Römerreiches. Heidelberg 1894 f. 

E. Fabricius: Die Entstehung d. römischen Limesanlagen in Deutschland. 
Vortrag. Trier, I. Lintz 1902. 

A. von Domaszewski: Die Anlage der Limeskastelle. Heidelberg 1908. 

R. Grad mann: Der obergermanisch-rätische Limes und das fränkische Nadel- 
holzgebiet. Pet. Mitt. 1899. 57. 

C. Mehlis: Das römische Grenzwehrsystem in der Nordschweiz. Globus 91. 
1907. 159. 

Braun. 21 



322 Anmerkungen und Literaturangaben 

H. D ragen (lorff: Westdeutschland zur Rümerzeit. Wiss. u. Bild. Leipzig 1912. 
F. Koepp: Die Römer in Deutschland. Mou. z. Weltgesch. 22. 2. Aufl. 
Leipzig 1912. 

Landschaftsbild um 500 n. Chr. 

0. Schlüter: Zur Geschichte der deutschen Landschaft. Mitt. Natiirforsch. 

Ges. Halle I. 1911. (Karte). 
0. Lauffer: D. Landschaftsbild Deutschlands im Zeitalter d. Karolinger. Diss. 

Güttingen 1896. 
W. Friedrich: Die historische Geographie Böhmens bis zum Beginne der 

deutsch. Kolonisation. Abb. k. k. geogr. Ges. Wien. IX. 3. 1912 (Karten). 

Die Kolonisationsepoche 

W. Arnold: Ausiedlungen und Wanderungeu germanischer Stämme. Marburg 
1875. 

F. Curschmann: Die deutschen Ortsnameu im nordostdeutschen Kolonialgebiet. 
Forsch. XIX. 2. 1910. 

Rubel: Die Frauken, ihr Eroberungs- und Siedlungssystem im deutschen Volks- 
land. 1904. 

Ed. 0. Schulze: Die Kolonisierung und Germanisierung d. Gebiete zw. Saale 
und Elbe. Preisschr. v. d. Fürstl. lablonowski'schen Gesellsch. 33. 1896. 

E. H. L. Krause: Floreukarte für Norddeutschland für das 12. — 15. Jahrhundert. 
Pet. Mitt. 1892. 231. 

Die historischen Siedlungsformen 

Kirchen: 
Deutsche Dome des Mittelalters. Blaue Bücher. K. R. Langewiesche, Königstein, 

Leipzig. 
R. Detlefsen: Bauernhäuser und Holzkircheu in Ostpreußen. Berlin 1911. 

Burgen: 
0. Piper: Burgenkunde. 3. Aufl. München 1911. 
Deutsche Burgen und feste Schlösser. Blaue Bücher. K. R. Langewiesche, Königst. 

Leipzig. 
Der Burgwart. Zeitschr. f. Burgenkde. Berlin. 

Häuser: 

Stephani: Der älteste deutsche Wohnbau. I. 1902. IL 1903. 

A. Meitzen: Das deutsche Haus in seinen volkstümlichen Formen. Verb. d. 
deutsch. Geographentages. Berlin 1881. 

A. Meitzen: Beobachtungen über Besiedelung, Hausbau und landwirtschaftliche 
Kultur; in Anl. z. Deutsch. Landes- und Volksforschung her. von A. Kirch- 
hoff. Stuttgart 1889. 

H. Lutsch: Neue Veröffentlichungen über das Bauernhaus in Deutschland, 
Österreich-Ungarn und der Schweiz. Berlin 1897. 

K. Rliamm: Der gegenwärtige Stand der deutsch. Hausforschung. Globus 71. 
1897. 169. 

Das Bauernhaus im deutschen Reich her. v. Verb. d. Architekten- und Ingen. 
Vereine. Dresden 1906. 



Besiedlungsgang 323 

W. Peßler: Die Haustypengebiete im Deutschen Reiche. Deutsche Erde 1908. 
14 (Referat über das vorige Werk m. Karte). 

Chr. Ranck: Kulturgeschichte des deutsch. Bauernhauses. A. N. u. G. 121. 
Leipzig 1907. 

R. Henning: Das deutsche Haus in seiner historischen Entwicklung. 1892. 

0. Stiehl: Der Wohnbau des Mittelalters. Handb. d. Architektur II. 4. Leip- 
zig 1908. 

F. Unglaub: Die Diele im niedersächsischen Bauernhaus und norddeutschen 
Bürgerhaus. Zeitschr. Ver. f. lüb. Gesch. usw. XIII. 1911. 181. 

0. Stiehl: Das deutsche Rathaus im Mittelalter. Leipzig 1905. 

P. Klopfer: Das deutsche Bauern- und Bürgerhaus. Leipzig 1915. 

Dörfer: 

R. Mielke: Das deutsche Dorf. A. N. u. G. 192. 2. Aufl. Leipzig 1913. 

R. Mielke: Das Dorf. Ein Handb. d. künstl. Dorf- und Flurgestaltung. Leip- 
zig 1910. (Abschn. 2. Die Bauformen und Baustoffe!). 

R. Mielke: Die Entwicklung der dörflichen Siedlungen und ihre Beziehungen 
zum Städtebau alter und neuer Zeit. Städtebaul. Vortr. VI. 5. Berlin 1913. 

H. Rebensburg: Das deutsche Dorf. Süddeutschland. München, R. Piper o. 
J. (1913); 2. Teil, das übrige Deutschland umfassend, in Vorbereitung. 

Städte: 

Joh. Fritz: Deutsche Stadtanlagen. Beil. z. Progr. 520 d. Lyzeums zu Straß- 
burg i. E. 1894. 

0. Schlüter: Über d. Grundriß der Städte. Zeitschr. Ges. f. Erdk. Berlin 34. 
1899. 446. 

P. I. Meier: Die Grundrißbildung der deutsch. Städte des Mittelalters usw. 
Vortr. a. d. 8. Tag f. Denkmalpflege. Mannheim 1907. — Die Denkmal- 
pflege IX. Berlin 1907. 100. 

W. Franz: Bilder aus der Geschichte d. deutsch. Städtewesens. Städtebaul. 
Vorträge III. 7. 1910. 

A. Püschel: Das Anwachsen der deutschen Städte in der Zeit der mittelalter- 
lichen Kolonialbewegung. Abh. z. Verkehrs- und Seegesch. IV. Berlin 
1910 (auch Diss. Berlin). 

A. E. Brinkmann: Deutsche Stadtbaukunst in der Vergangenheit. Frankfurt 
a. M. 1911. (Pläne von Dinkelsbühl, Würzburg, München, Rotheuburg, 
Nördlingen, Rostock, Erlangen 1 : 5000. Karlsruhe 1 : 10000). 

Chr. Klaiber: Die Grundrißbildung der deutschen Stadt im Mittelalter. Diss. 
Techn. Hochschule Stuttgart. 1912, auch in Beitr. z. Bauwissenschaft her. 
von C. Gurlitt. 20. Berlin 1912. 

P. I. Meier: Die Fortschritte in der Frage der Anfänge u. d. Grundrißbildung 
der deutschen Stadt. Korr.-Blatt d. Gesamtver. d. d. Geschichts- u. 
Altertumsvereine. 1914. 

Ph. W. Gerlach: Die Entstehungszeit d. Stadtbefestigungen in Deutschland. 
Leipz. histor. Abh. 34. 1913. — Diss. Leipzig 1913. 

Stadtpläne in Baedecker: Deutschland in einem Bande. 3. Aufl. Leipzig 1913 
und Deutscher Städteatlas. Leipzig, Bibl. Institut 1913. 

Bilder in „Die schöne deutsche Stadt." I. Süddeutschland. IL Mitteldeutschland. 
111. Norddeutschland. München, R. Piper. 

21* 



324 Anmerkungen und Literaturangaben 

Die Umgestaltung der Küsten 

Literatur für die Xordseeküste zw. Ems und Elbe siebe K. Kr et sc hm er a. a. 

0. S. 10!». 
J. Breckwoldt: Die bydrograpliischen Veränderungen in Scbleswig- Holstein. 

Schrift. Naturwiss. Ver. f. Schlesw.-Holst. XVL 1913. 44. 

Die Wüstungen 

Literatur s. bei K. Kretschmer a. a. 0. S. 538 f. 
Die zweite Kulturperiode 

R. Stadel mann: Preußens Könige in ihrer Tätigkeit für die Laudeskultur. 
Publ. a. d. Kgl. Preuß. Staatsarchiv Bd. 2. 11. 25. 30. 1878-87. 

E. Neu haus: Die friederizianische Kolonisation im Warthe- und Netzebruch. 

Schrift, d. Ver. f. d. Gesch. d. Neumark. XVIII. 1906. 

A. Hugenberg: Innere Kolonisation im Nordwesten Deutschlands. Abb. a. d. 
staatswiss. Seminar z Straßburg VIII. 1891. 

J. Spöttle: Kurze Darstellung der Kulturentwicklung im Donaumoos. Augs- 
burg 1896. 

G. Kitzinger: Die Torfwirtschaft und ihre Entwicklung in Bayern. Diss. 
Heidelberg 1903. — Viertel jahrsschr. d. bayer. Landwirtschaftsrates. VIII. 

F. Wismüller: Geschichte der Moorkultur in Bayern I bis 1800. 1909. 

III. Das gegenwärtige Landschaftsbild 

Gesamtgebiet (vgl. oben S. 315 über Darstellungen) 

Verzeichnis älterer Bibliographien iu Verb. X. D. Geogr. Tag. Berlin 1893. 69. 

P. E. Richter: Bibliotheca Geographica Gerraaniae. Litt. d. Landes- und 
Volkskde d. D. R. Leipzig 1896. 

A. Kirchhoff — K. Hassert: Bericht üb. d. neuere Litteratur z. d. Landes- 
kunde. I. 1896—1899. Berlin 1901. 

A. Kirchhoff — F. Regel: Bericht üb. d. neuere Literatur z. d. Laudeskde. 

II (1900. 1901). Breslau 1904. 

A. Kirchhoff — W. Ule: Bericht üb. d. neuere Literatur z. d. Laudeskde. 

III (1902 und 1903). Breslau 1906. 

F. Hahn: Der gegenwärtige Standpunkt d. laudeskundlichen Forschung in 
Deutschland und einigen Nachbargebieten. Geogr. Zeitschr. 3. 1897. 35. 

Dahlmaun-Waitz: Quellenkunde d. Deutschen Geschichte. 8. Aufl. her. von 
P. Herre. Leipzig 1912. 

Statistisches Jahrbuch f. d. Deutsche Reich. Mit Quellennachweisen. Jährl. 
1 Bd. Berlin. 

R. Wuttke: Die deutschen Städte. Geschildert n. d. Ergebn. d. 1. d. Städte- 
ausstellung. 2 Bde. Leipzig 1904. 

Für Reisen: Rechts und links der Eisenbahn. N. Führer auf den Hauptbahnen im 

Deutschen Reiche, her. von P. Langhans. Gotha, J. Perthes. Viele Hefte. 

Eine eigene Zeitschrift zur deutschen Landeskunde besteht leider nicht. 

Einen teilweisen Ersatz bilden die „Deutsche Erde", Gotha, Justus Perthes, unti 

die „Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde", Stuttgart, Engelhorn. 



Gesamtgebiet. Norddeutschland 325 

Die Förderung landeskundlicher Studien liegt in der Hand einer beson- 
deren „Zentralkommission für wissenschaftliche Landeskuflde von 
Deutschland", deren Vorsitz gegenwärtig Geh. Reg. -Rat Prof. Dr. F. G. Hahn 
in Königsberg i. Pr. führt (s. die Berichte dieser Kommission in den Verhandlungen 
der deutschen Geographentage, zuletzt 19. Straßburg 1914). Die Obmänner dieser 
Kommission für die einzelnen Landesteile (s. ihr Verzeichnis ebendort) unterstützen 
landeskundliche Arbeiten mit Rat und Tat (vgl. die Anleitung z. deutschen 
Landes- und Volksforschung, her. von A. Kirchhoff. Stuttgart 1889). 

1. Norddeutschland 

ürmaterial (nach Staaten geordnet) 
Proußeu 

K. Keilhack: Znsammenstellung d. geologischen Schriften und Karten üb. d. 

ostelbischen Teil d. Königreich Pr. mit Ausschl. d. Provinzen Sachsen u. 

Schleswig-Holstein. Abb. Kgl. Preuß. Geol. L. A. N. F. 14. 1893. 
Geologische Spezialkarte von Preußen u. d. Thüringischen Staaten. 1:25000. 
Abhandlungen u. Jahrbuch d. Kgl. Preuß. Geol. Laudesanstalt. Berlin. 
Gemeindelesikon für das Königr. Preußen, her. v. d. Kgl. Stat. Landesanstalt in 

Heften für die Provinzen. 
A. Meitzen: Der Boden u. d. landwirtschaftl. Verhältn. d. preußischen Staates. 

4 Bde. Atlas. Berlin 1868 — 71 (neue Ausgabe nach dem Gebietsumfang 

d. Gegenwart 1905/07). 
E. Stumpfe: Die Besiedlung d. deutschen Moore m. bes. Berücksichtigung d. 

Hoochmoor- und Fehnkolonisatiou. Berlin 1903. 

Bearbeitungen usw. innerhalb politischer Grenzen 
Preußen 
Provinz Ostpreußen 

Die laudeskuudl. Literatur d. Prov. Ost- und Westpr. Heft 1. Allgem. Dar- 
stell, usw. Königsberg 1892. 
Altpreußische Bibliographie in der Altpreuß. Monatsschr. Königsberg Pr. 
R. Dethlefsen: Das schöne Ostpreußen. München, R.Piper 1916. 
Die Bau- und Kunstdenkmäler d. Prov. Ostpr., bearb. von A. Bötticher. 

Königsb. 1891—99. 1- Samland 1891. 2. Nataugen 1892. 3. Oberland 1896. 

4. Ermland 1894. 5. Litauen 1895. 6. Masuren 1896. 7. Königsberg 1897. 
A. Raabe: Die Abwanderungsbeweg. in den östl. Prov. Preußens. I. Ostpreußen. 

Diss. Berlin 1910. 
Schriften d. Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg. Königsberg. 
^^Provinz Westpreußen 

Nachw. d. hauptsächlichsten Veröff. a. d. Erdk. usw. d. Prov. W. Her. v. West- 

preuß. Prov. Museum. Danzig, Kafemann 1906. 
Beiträge z. Landeskde W.s. Festschrift z. 15. D. Geogr. Tag. Danzig 1905. 
Gehrke P. u. a.: Die Provinz W. in Wort und Bild. 2. Aufl. 2 Tle. Danzig 1915. 
A. Lissauer: D. prähistorischen Denkmäler d. Prov. W. Leipzig 1887 (Karte). 
Die Bau- und Kunstdenkmäler d. Prov. Westpr., bearb. von J. Heise u. B. 

Schmidt. Danzig 1884 f. 1. Pommerellen 1884/87. 2. Kulmerland 

1887/95. 3. Pomesanien s. 1898. 
Schriften d. Naturforscheuden Gesellschaft zu Danzig. Danzig. 



326 Anmerkungen und Literatuiangaben 

Provinz Pommern 

Literaturberichte in d. Ber. d. Ges. f. Volks- u. Erdk. zu Stettin, in den Jahres- 
ber. d. Geogr. Ges. Greifswald und in d. Pommerschen Jahrbüchern 
Greifswald. 

W. De ecke: Die mineralogische, geologische und paläontologische Litteratur 
üb. d. Prov. P. Mitt. naturwiss. Ver. f. Neu-Vorpomniern u. Rügen in 
Grcifsw. 25. 1894. 54. 

Die Baudenkmäler d. Prov. P. Stettin 1881 f. (Teil I Reg. Bez. Stralsund 
1881-1902. Teil II Reg. Bez. Stettin s. 1898. Teil III. Reg. Bez. Köslin 
s. 1890). 

Pommersche Jahrbüclier, her. v. Rügisch-Pommerschen Geschichtsverein. Greifs- 
wald. 

Jahresbericht d. Geograph. Gesellschaft z. Greifswald. Greifswald. 

Baltische Studien her. v. d. Gesellschaft f. pommersche Geschichte usw. Stettin. 

Provinz Brandenburg 

E. Friedel — R. Mielke: Landeskunde d. Provinz Br. 5 Bde. Berlin s. 1909. 
Die Kunstdenkmäler d. Prov. Brandenb. Berlin 1907 f. (I 1 Kreis Westpriegnitz. 

I 2 Ostpriegnitz 1907. VI 1 Lebus 1909). 
Brandeuburgia. Monatsbl. d. Gesellsch. f. Heimatkde. d. Prov. B. Berlin. 

Provinz Schleswig-Holstein 

H. Oldekop: Topographie d. Herzogtums Schleswig. Kiel 1906. 
H. Oldekop: Topographie d. Herzogtums Holstein usw. 2 Bde. Kiel 1908. 
Krumm — Stoltenberg: Unsere meerumschlungene Heimat. I. Kiel 1915. 
Chr. Hein: Die Literatur z. Geologie Schlesw. -Holst. s s. 1888. Schrift. Nat. 

Ver. Schi. H. 1910. 
R. Haupt: Die Bau- und Kuustdenkmäler d. Prov. Schleswig-Holstein. 8 Bde. 

Kiel 1887-89. 
Th. H. Engelbrecht: Bodenbau u. Viehstand in Schi. H. 2 Tle. u. Atlas. 

Kiel 1905/07 (vgl. Geogr. Zeitschr. 14. 1908. 573). 
Die Heimat. Monatschrift. Kiel. 
Schriften d. naturwiss. Ver. f. Schl.-H. Kiel. 

Provinz Hannover 

Literatui'zusannnenstellungen über d. uordwestl. Deutschland v. F. Buchenau in 
Verh. Naturwiss. Ver. Bremen. 

Heimatkde d. Reg. Bez. Stade, her. von Fr. Plettke. Bremen s. 1909. 

H. Mithoff: Kunstdenkmale und Altertümer im Hannoverschen. 7 Bde. Han- 
nover 1871 f. 

Oppermann-Schuchardt: Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen in Nieder- 
sachsen. 1887. 

Die Kunstdenkmäler d. Prov. Hann. Hann. 1899 f. (I. Reg. Bez. Hannover. 
IL Reg. Bez. Hildesheim. III. Reg. Bez. Lüneburg. IV. Reg. Bez. 
Osnabrück. V. Reg. Bez. Stade). 

AV. Rothert: Die innere Kolonisation d. Prov. H. Diss. Heidelberg 1911. 

Hannover'sche Geschichtsblätter. Zeitschr. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Hannover. 
Hannover. 

Jaliresbericht d. Niedersächsischen geologischen Vereins. Hannover. 



Norddeutschland 327 

Provinz Westfalen 

A. Gieseler — W. Petri: Heimatkde. d. Provinz Westfalen. 3. Aufl. Biele- 
feld 1908. 

Die Kunst- und G-eschichtsdenkmäler d. Prov. Westf. Münster s. 1881. (Ein- 
teilung n. Kreisen.) 

H. Ebiughaus: Das Ackerbürgerhaus d. Städte Westfalens u. d. Wesertales. 
Dresden 1912. 

Westfalen. Mitt. d. Ver. f. Gesch. u. Altertumskde W.s usw. Münster. 

Rheinprovinz 

Literaturverzeichnisse in den Katalogen d. Stadtbibliothek Köln. 
Y. Steinecke: Landeskunde d. Rheinprovinz. Leipzig 1907. Slg. Göschen. 
Die Kunstdenkmäler d. Rheinprovinz. Düsseldorf s. 1891 (Einteilung n. Kreisen). 
Verhandl. d. Naturhistorischen Ver. d. preuß. Rheinide. usw. Bonn, 

Hessen -Nassau 

Bibliotheca Hassiaca. Repert. d. landeskdl. Litteratur f. d. preuß. Reg. Bez. 
Kassel. Bearb. von K. Ackermann. Kassel 1884 m. Nachträgen (auch 
in Ber. d. Ver. f. Naturkde. Kassel). 

K. Heßler: Hessische Landes- und Volkskde. 2 Bde. Marburg 1908/04. 

Die Bau- und Kunstdenkmäler d. Reg. Bez. Wiesbaden, bearb. von F. Luthmer. 
Frankfurt 1902 ff. (1. Rheingau 1902. 2. Östl. Taunus 190.5. 3. Lahn- 
gebiet 1907. 4. Kreise Biedenkopf, Dill, Ober-Westerwald, Westerburg 1910). 

Die Bau- und Kunstdenkm. im Reg. Bez. Cassel. Marb. s. 1901. (1. Kreis Geln- 
hausen 1901. 2. Kr. Fritzlar 1909. 3. Grafsch. Schaumburg 1907. 
4. Cassel-Land 1910). 

Zeitschrift d. Vereins f. hessische Geschichte u. Landeskde. Kassel. 

Provinz Sachsen 

Die landeskundl. Litteratur f. Nordthüringen usw. Mitt. 'Ver. f. Erdk. zu Halle 

1883. 65 (ebenda weitere Literaturberichte). 
Beschreibende Darstellung d. älteren Bau- und Kunstdenkm. d. Prov. Sachsen. 

Her. V. d. Historischen Kommission. Halle 1879 f. (Einteilung in Hefte 

nach Kreisen). 
G. Lorenz: Gebh. von Alvenslebens Topographie d. Erzstifts Magdeburg 1615. 

Ein Beitrag z. hist. Landeskde. d. Prov. Sachsen. Diss. Halle 1900. 
Geschichtsbl. f. Stadt und Land Magdeburg. Magdeb. 
Abb. u. Berichte, her. vom Museum f. Natur- u. Heimatkde. z. Magdeburg. Magdeb. 

Provinz Posen 

Literaturnachweis f. d. Vorles. über Heimatkde. a. d. Kgl. Akad. zu Posen. 
Lissa 1903. 

Verzeichnis d. Kunstdenkmäler d. Provinz P. Berlin s. 1896. 

P. Krise he: D. Provinz Posen. Ihre Geschichte u. Kultur unter bes. Berück- 
sichtig, ihrer Landwirtschaft. Staßfurt 1907. 

Aus d. Posener Lande. Monatsbl. Lissa. 

Zeitschr. d. histor. Gesellsch. f. d. Prov. Posen. Posen. 

Provinz Schlesien s. S. 338. 



328 Anmerkungen" und Literaturangaben 

Mecklonbursr 

Die landeskundl. Literatur über d. Großherz. M., bearb.. v. F. Bachmann. 

Güstrow 1889. 
.Mitteiliino-eii a. d. geologischen Landesanstalt. Rostock s. 1890. 
Beiträge z. Statistik Mecklenburgs. 
R. Beltz: D. vorgeschichtlichen Altertümer d. Großh. M. Schwerin. 2 Bde. 

Berlin 1910. 
Die Kunst- und Geschichtsdenkmäler d. Großh. M. Schwerin, bearb. v. F. Schlie. 

Schwerin 1896—02. 5 Bde. 
Jahrbücher d. Vereins f. mecklenb. Geschichte u. Altertumskde. Schwerin. 

Oldenburg- 

P. Kollmann: Statistische Beschreibung d. Gemeinden d. Herzogt. 0. Im 

Auftrage d. Staatsmin. bearbeitet. 0. 1897. 
P. Kollmann: D. Herzogt. 0. in seiner wirtschaftl. Entwickl. während d. 

letzten 40 Jahre. 0. 1893. 
Die Bau- und Kunstdenkmäler d. Herzogt. 0. 0. 1896 f. (1. Amt Wildeshausen 

1896. 2. Vechta 1900. 3. Cloppenburg-Friesoythe 1903. 4. Oldenb., 

Delmenh., Elsfleth, Westerstade 1907. 5. Brake, Butjadingen, Varel, 

Jever, Rüstringen 1909). 
Jansen: Das Bauernhaus im Herzogtum 0. Jahrb. f. d. Gesch. d. Herzogt. 0. 

17. 1909. .03. 
Jahrbuch f. d. Geschichte d. Herzogt. Oldenburg. Oldenburg. 

Hausestädte 

P. Friedrich: Zusammenst. d. d. Landeskde. d. Lübeckischen Staatsgebietes 
betreffenden Litteratur. Mitt. Geogr. Ges. L. 7. 1885 (m. Nachträgen 
ebenda). 

Zeitschrift und Mitteilungen d. Vereins f. hamburgische Geschichte. Hamburg. 

Abhandl. herausg. vom Naturwissenschaftl. Verein in Bremen. Bremen. 

Mitteilungen d. Geogr. Gesellschaft u. d. Naturhistorischen Museums in Lübeck. 
Lübeck. 

Zeitschrift und Mitteilungen d. Vereins f. lübeckische Geschichte und Altertums- 
kunde. Lübeck. 

Bearbeituiig^eu in regionaler Ordnung': 

F. Wahnschaffe: Die Oberflächengestaltung des norddeutschen Flachlandes. 

3. Aufl. Stuttgart 1909 (Ausz. Geogr. Zeitschr. 1910. 40). — Vgl. E. 
Wunderlich, Diss. Berlin 1915. 

A. Fleszar: Zur Evolution der Oberflächengestaltung des polnisch-deutschen 
Tieflandes. Vorl. Mitt. Bull. Ac. Sc. de Cracovie. Gl. Sc. Mathemat. 
Ser. A. 1913. 

Führer d. Teile d. nordd. Flachlandes usw., entw. von G.Behrendt, K. Keil- 
hack, H. Schröder, F. Wahnschaffe. Jahrb. Kgl. Preuß. Geol. 
L. A. f. 1897. 

H. Haas: Die deutsche Nordseeküste. (Land u. Leute 8.) Leipzig 1900. 

G. Braun: Entwicklungsgeschichtliche Studien an europ. Flachlandsküsten und 

ihren Dünen. Ver. Inst. f. Meereskde. Berlin. 15. 1911. (Ostseeküste. Dünen.) 



Norddeutschland 329 

Handbuch des deutschen Dünenbaues, her. von P. Gerhardt. Berlin 1900. 

üünenbuch. Stuttgart 1910. 

W. Behrmann: Der Deichschutz an Deutschlands Küsten. Meereskunde V. 1. 1911. 

M. Kaiser: Land- und Seewinde a. d. deutschen Ostseeküste. Diss. Halle 1906. 

— Aun. d. Hydr. 35. 1907. 113. 

Jos. Stegers: Beitr. z. Kenntnis der Dauer und Höhe der Schneedecke in Nord- 
deutschland. Diss. Münster. Erfurt 1913. 
Job. Preuß: Die Vegetationsverhältnisse der deutschen Ostseeküste. Diss. 
• Königsberg 1911. — Schrift. Naturforscb. Ges. Danzig. N. F. 13. 1911/12. 
P. Graebner." Botanischer Führer durch Norddeutschland. Berlin 1903. 
C. A. Weber: Geschichte d. Pflanzenwelt d. n-ordd. Tieflandes s. d. Tertiärzeit. 

Wiss. Erg. Internat. Bot. Kongr. Wien 1905. 98. 
G. Braun: Das Ostseegebiet. Leipzig 1912. 

F. G. Hahn: Die Städte der Norddeutschen Tiefebene in ihrer Beziehung zur 

Bodengestaltung. Forsch, z. d. L. u. Vlkskde. I. 1886. 

E. Hoffmann: Ostdeutsche Stadtlagen. Diss. Kiel. Kattowitz 1907. 

M. Beigard: Parzellierung u. innere Kolonisation in den 6 östlichen Provinzen 
Preußens 1875-1906. Leipzig 1907. 

Altprenßische Reg'iou 

G. Braun: Ostpreußens Seen. Schriften Phys. ök. Ges. Königsberg Pr. 1903. 

— Diss. Königsberg Pr. 1903. 

A. Tornquist: Geologie von Ostpreußen. Berlin 1910. 

H. Groß: Ostpreußens Moore. Schriften Phys. ök. Ges. Königsberg 53. 54. 
1912/13. 

Oberland. Masuren 

A. Bludau: Oberland, Ermeland usw. Stuttgart 1901. 

W. Bayreuther: Die Oberflächengestalt von Pomesanien usw. Diss. Königs- 
berg 0. J. (!) 1913 (?). 

A. Poschmann: Die Siedelungen in den Kreisen Braunsberg und Heilsberg. 
Diss. Königsberg 1910 (vollst, in Z. f. d. Gesch. u. Altertumskde Erm- 
lands. Braunsbg. XVII. XVIII). 

F. Braun: Die deutschen Weichselufer. Danzig 1905. Beitr. z. Landeskde d. 

nordöstl. Deutschi. IL 

G. Kötz: Die Verlegung der Stadt Schwetz usw. Schwetz 1908. 
C. Kob: West-Masuren. Diss. Königsberg 1908. 

M. Dumont: Die Volksdichte und die Siedelungen des Kreises Allenstein. 

Diss. Königsberg 1911. 
A. Weinreich: Bevölkerungsstatistische und siedelungsgeographische Beiträge 

z. Kde. Ost-Masurens, vornehml. d. Kreise Oletzko und Lyck. Diss. 

Königsberg 1911. 
H. Steinroeck: Die Volksdichte des Kreises Goldap. Diss. Königsberg 1910. 
Job. Kuck: Die Siedelungen im westlichen Nadrauen. Diss. Königsberg 1909. 

Memelland. Kurisches Haff 

Jos. B. Scholz: Vegetationsverhältnisse des preuß. Weichselgebietes. Mitt. 
Copernikus. Ver. f. Wiss. u. Kunst zu Thorn 1896 Heft IX. 



330 Anmerkungen und Literaturangaben 

Scliickert: Wasserwege und Deichwesen in der Memelniederung. Königsberg, 

W. Koch 1901. 
G. Berendt: Geologie des Kurischen Haffes und seiner Umgebung. Schriften 

Phys. ök. Ges. Königsberg Pr. IX. 1869. 
Handbuch des deutschen Dünenbaues. Berlin 1900. 
A. Bezzenberger: Die Kurische Nehrung und ihre Bewohner. Forsch. III. 4. 

1 889. 
Sämland. Königsberg 
E. Schell wien: Geologische Bilder von der samländischen Küste. Schriften 

Phys. ök. Ges. Königsberg 46. 190.'). 
G. Haupt: Beiträge z. Kenntnis der Oberflächengestaltung des Samlaudes und 

seines Gewässernetzes. Diss. Königsberg 1907. 
R. Jankowsky: Samland und seine Bevölkerung. Diss. Königsberg 1902. 
C. Beckherrn: Geschichte der Befestigungen Königsbergs. Altpreußische 

Monatsschrift. 1890. 
R. Ar niste dt: Geschichte von Königsberg. Stuttgart 1899. 
Richter: Der Ausbau des Königsberger Innenhafens. Königsberg 1907. 
E. Jopp: Die geographischen Beziehungen Königsbergs nach Lage und geogra- 
phischem Hinterland. Diss. Königsberg 1911. 

Weichselniederung. Danzig 

G. Braun: Das Frische Haff. Zeitschr. f. Gewässerkunde VII. 1906. 

P. Thomaschky: Die Ansiedlungen im Weichsel-Nogatdelta. Diss. Münster 1887. 

E. Friedrich: Die Dichte d. Bevölkerung im Reg. Bez. Danzig. Diss. Königs- 
berg 1895. 

M. Toeppen: Beiträge zur Geschichte des Weichseldeltas. Abb. z. Landeskde. 
d. Prov. Westpreußeu VIII. 1894. 

P. Sonntag: Strandverschiebungen und alte Küstenlinien a. d. Weichselmündung 
bei Danzig. Zeitschr. Westpr. Gesch. Ver. 50. 1908. 1. 

P. Sonntag: Geologischer Führer d. d. Danziger Gegend. Danzig 1910. 

H. G. Bertram: D. Entwicklung d. Deich- und Entwässernngswesens im Geb. 
d. heutigen Danziger Deichverbandes. 2 Bde. Danzig 1907. 

Danzig. (iew. d. Teiln. an Ausflug VI d. 7. Internat. Geogr. Kougr. Berlin 1899. 

0. Münsterberg: Der Handel Dauzigs. Berlin 1906. 

Danzig u. s. Bauten. Festschrift Berlin 1908. 

A. Hirsch: Über die geographische Lage und Entwicklung Danzigs. Diss. 
Königsberg 1912. 

P. Simson: Geschichte der Stadt Danzig. Danzig s. 1918. 

M. Toeppen: Geschichte d. räumlichen Ausbreitung d. Stadt Elbing. Zeitschr. 
Westpr. Gesch. Ver. 21. 1887. 

Die pomiiier.scho Region 

K. Keil hack: Geologisch-morphologische Übersichtskarte, her. v. d. Kgl. Preuß. 

Geol. L. A. 1907. 1 : 500 000. 
W. Deecke: Geologie von Pommern. Berlin 1907. 
Job. Dreyer: Die Moore Pommerns. XIV. Jahresber. Geogr. Ges. Greifswald 

1914. 



Preußen. Pommern 331 

Inselzone. Stettin 

R. Credner: Rügen. Forsch, z. d. L. u. Volkskde. VII. 5. 1893. 

A. Philippson: Die Küstenformen der Insel Rügen. Sitz. Ber. Niederrhein. 

Ges. f. Natur- u. Heilkde. Bonn 1892. 63. 
K. Keilhack: Die Verlandung der Swinepforte. Jahrb. Kgl. Preuß. L. A. f. 

1911. XXXII. 2. 209. 
Th. Otto: Der Darß und Zingst. Diss. Greifswald 1912. — XIII. Jahresber. 

Geogr. Ges. Greifswald 1911/12. 235. 
H. Seelheim: Die Ückermünder Heide. Diss. Greifswald 1910. — XII. Jahres- 
bericht Geogr. Ges. Greifswald 1909/10 73. 
Joh. Elhert: Die Entwicklung des Bodenreliefs von Vorpommern und Rügen. 

VIII. Jahresber. Geogr. Ges. Greifswald 1903. 141 und X. Jahresber. 

1906. 61. 
R. Krause: Volksdichte und Siedelungsverhältnisse der Insel Rügen. Diss. 

Greifswald 1904. — VIII. Jahresber. Geogr. Ges. Greifswald 1903/04. 37. 
W. Deecke: Die Beziehungen d. vorpommerschen Städte z. Topographie u. 

Geologie ihrer Umgebung. IX. Jahresber. Geogr. Ges. Greifswald 

1903/05. 170. 
R. E. Müller: Beiträge zur Siedelungskunde Neu-Vorpommerns und der Insel 

Rügen. Diss, Greifswald 1911. — XII. Jahresber. Geogr. Ges. Greifsw. 385. 
M. Friederichsen: Vorpommerns Küsten und Seebäder. Greifswald 1912. 
A. Püschel: Das Anwachsen d. d. Städte usw. Berlin 1910. 40. Stralsund 

m. Tafel. 
M. Wehrmauu: Geschichte der Stadt Stettin. Stettin 1911. 
H. Kröcher: Stettin. Diss. Greifswald 1913. 

Hinterpommern 

K. Keilhack: Die Stillstandslagen des letzten Inlandeises und die hydro- 
graphische Entwicklung des pommerschen Küstengebietes. Jahrb. Kgl. 
Preuß. Geol. L. A. 19. 1898. 90. 

A. Schmidt: Die Leba und ihr West-Ost-Tal, geographisch-geologisch geschildert. 
Schrift. Naturforsch. Ges. Danzig N. F. XII. 1. 1. 

F. W. P. Lehmann: Das Küstengebiet Hinterpommerns. Zeitschr. Ges. f. Erdk. 
Berlin 19. 1884. 332. 

H. Stoltenburg: Die Verteilung der Bevölkerung im Reg. Bez. Köslin. 
VI. Jahresber. Geogr. Ges. Greifswald 1896. - Diss. Greifswald 1896. 

E. Wahnschaffe: Die Beziehungen zwischen Bodenbeschaffenheit und Volks- 

dichte auf d. baltischen Seenplatte zw. Oder und Weichsel. Zeitschr. Ges. 
f. Erdk. Berlin 1913. 347. 

R. Schütte: Die Tuchler Heide. Abh. z. Landeskde. d. Prov. Westpreußen 
V. 1893. 

Joh. Mühlradt: Die Tuchler Heide in Wort und Bild. Danzig 1908. 

P. Burmester: Beiträge z. Landeskunde der Tuchler Heide. Diss. Königs- 
berg 1914. 

W. Poerschke: Die Volksdichte im Kreise Dirschau. Diss. Königsberg 1910. 

F. Tetzner: Die Slovinzen und Lebakaschubeu. Beitr. z. Volks- u. Völkerkde. 8. 

Berlin, Fei ber 1899. 



222 Anmerkungen und Literaturangaben 

IMo schlosvviiK-hoIsteiuisch-mockleiiburgische Reg-ioa 

Schleswig-Holstein 

L. I\]eyn: Geologische Übersichtskarte von Schleswig-Holstein. 1:300000. 1881. 
K. Jansen: Poleographie der cimbrischen Halbinsel. Forsch. 1. 8. 1886. 

E. H. L. Krause: Geographische Übersicht der Flora von Schleswig-Holstein. 

Pet. Mitt. 1889. 114. Karte. 
R. Struck: Übersicht der geologischen Verhältnisse Schleswig-Holsteins. Fest- 
schrift z. Begr. d. 17. Deutsch. Geogr. Tages. Lübeck 1909. 

F. AVahnschaffe: Über d. Entstehung der Förden Schleswig-Holsteins. Jahrb. 

Kgl. Preuß. GeoL L. A. f. 1912. XXXIII. 422. 
P. Woldstedt: Beiträge z. Morphologie von Nordschleswig. Diss. Göttingen 

1913. — Mitt. Geogr. Ges. Lübeck II. 26. 1913. 39. 
K. Gädc: Zur Kenntnis der Volksdichte des nordöstlichen Holstein und des Kreises 

Eckernförde. Diss. Kiel 1913. 
C. Loewe: Geschichte des Nordostsee-Kanals. Festschrift zu seiner Eröffnung. 

Berlin 1895. 
H. Eckardt: Kiel's bildliche und kartographische Darstellung in d. letzten 

300 Jahren. Mitt. Ges. f. Kieler Stadtgesch. 13. Kiel 1895. 
H. Furch tenicht — Boeuiug: Beiträge z. phys. Geographie u. Siedlungskde 

d. schlesw. holstein. Saudr- (Geest-) Gebietes. Forsch. XX. 5. 1913. z. T. 

Diss. Kiel 1913. 

Lübeck 

Die freie u. Hansestadt Lübeck. Her. von einem Aussch. d. Geogr. Gesellschaft. 

2 Bde. Lübeck 1890. 
W. Ohnesorge: Eiul. in die lübische Geschichte. I. Zeitschr. f. lüb. Gesch. usw. 

X. 1 1908. (Karte!) 
W. Ohnesorge: Überblick über die Topographie des baltischen Höhenrückens usw. 

Verh. 17. Deutsch. Geogr. Tages. Lübeck 1909. 3. 
P. Friedrich: Der geologische Aufbau der Stadt Lübeck. Beil. z. Jahresber. 

d. Katharineums. Lübeck 1909 (vgl. auch die Aufsätze von Friedrich und 

Reuter in Zeitschr. d. Ver. f. lüb. Gesch. usw XII. 1910). 
H. Spethmann: Lübeck, ein landeskundlicher Grundriß. Mitt. Geogr. Ges. 

Lübeck II. 24. 1910. 
P. Reh der: Die bauliche und wirtschaftliche Ausgestaltung der lübischen 

Hauptschiffahrtsstraßeu. Lübeck 1906 (vgl. Zeitschr. Ver. f. lüb. Ge- 

scliichte usw. XL 1909. 339). 
E. Wallroth: Lübeck und der Elbe-Trave-Kanal. Lübeck 1910. 
Fr. Schulze: Lübeck, sein Hafen, seine Wasserstraßen. Meereskde. IV. 3. 1910. 

Mecklenburg 

W. Dührsen: Stadt und Feldmark Mölln. Arch. d. Ver. f. d. Gesch. d. Herzogt. 

Lauenburg. Mölln 4. 1893. 1. 
E. Geinitz: Die Endmoränen Mecklenburgs. Landwirtschaft!. Annal. 1894. — 

Mitt. Meckl. Geol. L. A. 4. 1894. 
AV. Ule: Geographie von Mecklenburg. Stuttgart 1909. 
A. Schulz: Die Siedlungen des Warnowgebietes in Meckl. Diss. Rostock 1909. 



Schleswig- Holstein. Mecklenburg 333 

H. Tischbein: Beitrag z. Landeskde des Warnowgebietes. Diss. Rostock. — 

Mitt. Geogr. Ges. Rostock 2. 1912; 3. 4. 1913. 
H. Hoffmann: Beitrag z. Landeskde d. nordwestl. Mecklenburg. Diss. Rostock 

- Mitt. Geogr. Ges. Rostock 3. 4. 1913. 
Kaestner: Die nordöstliche Heide Mecklenburgs. Mitt. Meckl. Geol. L. A. 

13. 1901. 
"W. Peiäler: Hausgeographie von Mecklenburg. Deutsche Erde 11. 1912. 
G. Schwalbe: Das Klima von Mecklenburg. Sitz. Ber. u. Abb. Naturforsch. 

Ges. Rostock. N. F. V. Rostock 1913. 
A. Grünert: D. Temperaturverhältnisse d. Großherzogt. Mecklenburg. Diss. 

Rostock 1905. 
A. Püschel: Das Anwachsen d. d. Städte usw. Berlin 1910. 22 Rostock m. 

Tafel. — 33 Wismar m. Tafel. 
Ad. Hofmeister: Z. historischen Topographie Rostocks. Beitr. z. Gesch. d. 

St. Rostock 4. 1907. 1. 
H. W. C. Hiibbe: Z. Topographie d. alten Schwerin. Jahrb. d. Yer. f. mecklenb. 

Gesch. u. Altertumskde. Schwerin. 61. 1896. 1. Karte. 

Nordwestdentschland 

H.Guthe: Die Lande Braunschweig und Hannover. Hannover 1867. 2. Aufl. 1888. 

F. G. Hahn: Topographischer Führer d. d. nordwestliche Deutschland. Leipzig 

1895. 

H. Heins: Die Volksdichte im nordwestl. Flachland u. ihr Zusammenhang m. 
d. Bewässerungsverhältnissen. Diss. Göttingen 1909. 

H. A. Scheer: Die anthropogeographische Bedeutung d. wichtigsten Sumpfland- 
schaften von Nordwestdeutschl. Diss. Kiel 1909. 

Niedersachsen; illustr. Halbmonatsschrift f. Geschichte, Landes- und Volkskde usw. 
Bremen. 

Zeitschrift d. historischen Vereins für Niedersachsen. Hannover. 

Inselzone 

L. Meyu: Geognostische Beschreibung der Insel Sylt. Abb. z. geol. Spez. K. 

von Preußen I. 4. Berlin 1876. 
Joh. Reinke: Botanisch-geol. Streifzüge a. d. Küsten d. Herzogtums Schleswig. 

Wiss. Meeresunters., her. v. d. Kieler Kommiss. N. F. VIII. Erg. H. 1903. 
E. Moritz: Die Insel Rom. Ver. Inst. f. Meereskde 14. Berlin 1909. 
A. Krause: Die Insel Amrum. Diss. Rostock 1913. 

E. Traeger: Die Halligen. Forsch. VI. 3. 1892. 

Joh. Reinke: Die ostfriesischen Inseln. Wiss. Meeresunters., her. v. d. Kieler 

Kommiss. N. F. X. Erg. H. 1909. 
Brohm: Helgoland. Cuxhaven 1907. 

G. Sello: Der Jadebusen. Varel 1903. 

Frölscher: Über Schutzbauten z. Erhaltung d. ost- und nordfrie.s. Inseln. 
Zeitschr. f. Bauw. 55. 1905. 306. 

Marschen 

F. Seh u cht: Beitrag z. Geologie d. Wesermarschen. Diss. Rostock 1904. 
H. Allmers: Marschenbuch. 3. Aufl. 1902. 



334 Anmerkungen und Literaturangaben 

H. Cjriiner: Die Marschbildungen a. d. d. Nordseeküsten. Berlin 1913. 

R. Hansen: ])ie Besiedlung der Marsch zw. Elbe und Eidermündung. Pet. 

Mitt. 1891. 105. 
E. 0. Schulze: Niederländische Siedlungen in den Marschen usw. Diss. 

Breslau 1889. 
R. Hansen: Z. Geschichte d. Besiedlung Dithmarschens. Zeitschr. Ges. f. 

schlesw.-holst. Geschichte Kiel 33. 1903. 113. 
0. Lehmann: Hausgeographie von Dithmarschen. Forsch. XX. 4. 1913. 
0. Schlag: Das Hadeln'sche Siethland. Diss. Leipzig 1913. 
D.Detlefsen: Geschichte d. holsteinischen Elbmarscheu. 2 Bde. Glückstadt 1891/92. 

Hamburg 

R. Untzmann: D. geographische Lage Hamburgs. Diss. Gießen 1906. 

C. F. Gaedechens: Historische Topographie der Freien und Hansestadt Ham- 
burg. 2. Aufl. Hamburg 1880. Fortsetzung von Malhop bis 1895. 
Hamburg 1895. 

E. H. Wich mann: Atlas z. Geschichte Hamburgs. 5. Aufl. Hamburg 1907. 
M. Buchheister: Die Elbe und der Hafen von Hamburg. Mitt. Geogr. Ges. 

Hamburg XV. 1899. 131. 
W. Stahl berg: Der Hamburger Hafen. Meereskunde I. 10. 11. 1907. 
R. Ehrenberg — B. Stahl: Altonas topographische Entwicklung. Altona 

1894 m. Atlas. 

Bremen 

W. Wolff: Der geologische Bau d. Bremer Gegend. Abb. nat. Ver. Bremen 

19. 1908. 207. 
Die Freie Hansestadt Bremen und ihre Umgebungen. Festgabe 63. Vers. d. Ges. 

Deutsch. Naturforsch, u. Arzte. Bremen 1890. 
Bremen und seine Bauten. Her. vom Architekten u. Tng. Ver. Bremen 1900. 

F. Buchenau: D. freie Hansestadt Bremen und ihr Gebiet. 3. Aufl. Bremen 1900. 
W. von Bippen: Geschichte der Stadt Bremen. 3 Bde. Bremen 1892 — 1905. 

G. de Thierry: Die Freie Hansestadt Bremen, ihre Hafenanlagen und Ver- 

bindungen mit der See und dem Hiuterlaude. Meereskunde IV. 10. 1910. 
H. Meyer zu Seihausen: Die Schiffahrt a. d. Weser und ihren Nebenflüssen. 

Tübinger Staatswiss. Abb. 21. 1911. 
F. Bauers: Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrb. Bremen 1913. 
Aus See nach Bremen-Stadt. Wegw. f. Schiffsf. Bremen jährlich (M. 1,50). 

Emsgeblet 

C Kohl: Z. Entstehungsgeschichte d. Stadt Oldenburg u. ihrer Verf. Jahrb. 

f. d. Gesch. d. H. 0. Oldenb. 1903. 
R. Bielefeld: Die Geest Ostfrieslands. Forsch. XVI. 4. 1907 (mit Vorsicht 

zu benutzen). — Diss. Zürich 1906. 
R. Schucht: Geologische Beobachtungen im Hümmling. Jahrb. Kgl. Preuß. 

geol. L. A. f. 1906. 1909. 301. Karte. 
0. Tietze: Zur Geologie des mittleren Emsgebietes usw. Jahrb. d. Kgl. Preuß. 

geul. L. A. f. 1912. 33. IL 1913 (auch Jahrb. f. 1906. 1909). 
J. ?. Zanen: Der heutige Stand der Moorkultur und Moorbesiedlung im deutsch. 

Reiche. Diss. Gießen 1906. 



Nordwestdeiitschland 335 

F. Böcker: Die innere Kolonisation im Herzogtum Oldenburg. Diss. Jena 1913. 
0. Thiele: Die Volksverdichtung im Reg. Bez. Aurich. Forsch. XIII. 5. 1901. 

— Diss. Marburg 1901. 
B. Hagedorn: Ostfrieslands Handel und Schiffahrt usw. Abb. z. Verkehrs- 

u. Seegeschichte. 6. Berlin 1912. 
Fürbringe r: Die Stadt Emden in Gegenwart u. Vergangenheit. Emden 1892. 
A. Kriza: Emden und der Dortmund-Ems-Kanal. Diss. Kiel 1912. 

Hannover 

K. Olbricht: Das Diluvium in d. Umgebung von Hannover. Globus 98. 

1910. 277. 
K. Olbricht: Nordwestdeutschland. Hannoversche Geschichts-Blätter 1911. 

2. 228. 
J. J. Kettler: Beitr. z. Geographie und Statistik. 1. Niedersächs. Städte 

Weimar 1894. 
0. Jürgens: Stadtpläne u. Ansichten von Hannover aus älterer Zeit. Hann. 

Geschichtsbl. 1905. 97. 

0. Jürgens: Überblick über die Entwicklung der Stadt Hannover. Hann. Ge- 

schichts-Blätter 12. 1909. 1. 
W. Peßler: Beitr. z. vergl. Volkskde Niedersachsens 1. Das Bauernhaus im 
Umkreise d. Stadt H. Hann. Geschichtsbl. IH. 1910. 1. 

Die Lünebnrg-er Heide nud ihre Umg-ebung- 

K. Olbricht: Grundlinien der Landeskunde d. Lüneburger Heide. Forsch. XVIII. 6. 
1909 (vgl. seine Karte in Pet. Mitt. 56. 1910. 2. Tafel 21). 

1. Stoller; Der jungdiluviale Lüneburger Eisvorstoß usw. 7. Jahresber. Nieder- 

sächs. geol. Ver. Hannover 1914. 214. Karte 1 : 750000. 

W. Schwake: Zur Siedlungsgeogräphie d. Lüneburger Heide im 19. .Jahrhundert. 
Diss. Zürich. Bielefeld 1909. 

M. Sie ver s: Die Bevölkerungs- und Siedelungsverhältnisse der Lüneburger Süd- 
heide. Diss. Marburg 1911. 

Heimatkunde d. Reg. Bez. Stade, her. von Fr. Plettke. I. Bremen 1909. 

A. Hertens: Die südl. Altmark. Diss. Halle 1891. — Archiv f. L. u. Volks- 
kde d. Prov. Sachsen 2. 1. 

R. Aue: Zur Entstehung der altmärkischen Städte. Diss. Greifswald. Magde- 
burg 1910. 

K. Backhausen: Tangermünde a. E. Diss. Halle 1904. 

W. Quitzüw: Die Wische. Mitt. Ver. f. Erdk. Halle 1902. 70. — Diss. Halle 1902. 

üas märkische Zwischenstronilaud 

K. Keilhack: Über alte Eibläufe zw. Magdeburg u. Havelberg. Jahrb. Kgl. 

Preuß. Geol. L. A. f. 1886. 286. 
H. Jung: Beiträge z. Siedelungskde der Zauche und des Nuthe-Nieplitz-Gebietes. 

Diss. Halle 1909. 
M. Bolle: Beiträge z. Siedlungskde des Havelwinkels. I. Diss. Halle 1910. IL 

Mitt. Ver. f. Erdk. Halle 1911. 
P. von Niessen: Geschichte der Neumark usw. Schrift d. Ver. f. d. Gesch. 

d. Neumark. Landsberg 1905. 



336 Anmerkungen und Literaturangaben 

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Preuß. Gesch. XVI. 1. 1903. 
R. Mielke: Die Bauernhäuser in d. Mark. Archiv d. Brandenburgia 5. Berlin 

1899. 
P. I. ^1 eier: Entstehung u. Grundrißbild. d. Stadt Brandenburg. 38/40. Jahresber. 

d. bist. Ver. z. Brandenb. Brand. 1908. 1. m. Plan. 

E. I. Siedler: Märkischer Städtebau im Mittelalter. Berlin, Springer 1914. 
"VV. Bai (low: Die Ansiedlungen a. d. mittl. Oder v. d. Einmündung d. Bober 

bis zu derjen. d. Warthe. Diss. Halle 1886. 

Berlin: 

P. Clauswitz: Krit. Übers, d. Literatur z. Gesch. Berlins Schrift. Ver. d. Gesch. 
B.s. XXXI. 3. 1894. 

F. Holtze: Geschichte d. Befestigung von Berlin. Schrift. Ver. f. d. Gesch. 

B.s. X. 1874. 
P. Goldschmid t: Berlin in Geschichte und Gegenwart. Berlin 1910 (Stadtpläne). 
R. Neuse: Spandau, ein märkisches Stadtbild. Festschr. Spandau 1913. 
W. Gothan: Botanisch-geologische Spaziergänge in die Umgebung von Berlin 

1910. 
P. Greths: Berlin als Binnenschiffahrtsplatz. Staats- und sozialwiss. Forsch. 

her. von G. Schmoller und M. Sering. 147. Leipzig 1910. 
0. Behre: Das Klima von Berlin. B. 1908 (vgl. Baschin in Zeitschr. Ges. f. 

Erdk. Berlin 1908. .538). 
Schriften d. Vereins f. d. Geschichte Berlins. Berlin. 

Fläming: 

E. Schöne: Der Fläming. Wiss. Veröff. Ver. f. Erdk. Leipzig 4. 1899. — 
Diss. Leipzig 1898. 

E. Meyer: Das Faltungsgebiet des Flämings bei Wittenberg und Coswig usw. 

Jahrb. Kgl. Preuß. Geol. L. A. f. 1909. 312. 
Tb. Schmierer: Über ein glazial gefaltetes Gebiet auf dem westl. Fläming 

usw. .Jahrb. Kgl. Preuß. Geol. L. A. f. 1910. 105. 
O. Tietze: Die Endmoränen zwischen Oder und Neiße usw. Jahrb. Kgl. Preuß. 

Geol. L. A. f. 1911. XXXIL 2. 160. 
B. Brandt: Der hohe Fläming. Mitt. Ver. f. Erdk. Dresden 11. 1915. 

Das AVartheland 

L Behr — 0. Tietze: Über den Verlauf der Endmoränen bei Lissa zwischen 
Oller und russischer Grenze. Jahrb. Kgl. Preuß. Geol. L. A. f. 1911. 60 
(Forts. Jahrb. f. 1912. XXXIIL 1. 98). 

F. W. P. Lehmann: Wanderungen und Studien in Deutschlands größtem 

binneuländischen Dunengebiet. X. Jahresber. Geogr. Ges. Greifswald 1906. 

F. Solger: Studien über nordostdeutsche Inlanddünen. Forsch. XIX. 1. 1910. 

Die deutsche Ostmark; her. vom deutschen Ostmarkenverein. Lissa 1913 (um- 
fassendes Sammelwerk). 

E. Schmidt: Geschichte des Deutschtums im Lande Posen unter polnischer 
Heirschait. Bromberg 1904. 

O. Dalchow: Hie Städte des Warthelandes. I. Diss. Leipzig 1910. 



Brandenburg. Posen 337 

R. Martiny: Die Formen d. ländlichen Siedlungen in der Provinz Posen. 

Zeitschr. d. Eist. Ges. f. d. Prov. Posen. 28. 1913. 23. 
H. Schütze: Z. Verteilung d. Volksdichte in der Prov. Posen. Hist. Monatsbl. 

f. d. Prov. P. XI. 1910. 161. (m. dürftiger Karte). 
U. Berner: Volksdichtekarte d. Prov. Posen. A. d. Posener Lande. 1912. 1. 
Dannemann: Die Melioration d. Warthehruches. Im Auftr. d. Kgl. Min. 

Berlin 1866. 
Oehme: Die Moore d. Prov. Posen. Zeitschr. d. naturwiss. Ver. z. Posen 1909. 135. 



2. Mitteldeutschland 

Urmaterial (nach Staaten geordnet) 

a) Preußen s. Norddeutschland. 

b) Großherzogrlum Hessen s. Südwestdeutschland. 

c) Thüringische Staaten s. S. 338. 

d) Königreich Sachsen 

Geologische Spezialkarte 126 Bl. 1:25000; vollendet. 

Historisch-statistische Grundkarte vom Königreich Sachsen. 1 : 100000. 

Übersichtsgrundkarte 1:200000 (Karte d. Ortsfluren). 

P. E. Richter: Litteratur d. Landes- und Volkskde. d. König. Sachsen. Her. 

vom Ver. f. Erdk. zu Dresden. 1889 (mit Nachträgen in d. Jahresber. 

d. Vereins). 
Zeitschrift d. Kgl. Sachs. Statistischen Bureau. Dresden. 
Neues Archiv f. sächs. Geschichte u. Altertumskde. Dresden. 

e) Böhmen 

L. Puffer: Die landeskundliche. Literatur d. bojischen Länder Österreichs usw. 

in den Jahren 1897—1907. Geogr. Jahresber. a. Ost. VII. Wien 1909. 
F. E. Sueß: Bau und Bild d. böhmischen Masse. Wien u. Leipzig 1903. 
Fr. Machacek: Nouvelles observations geomorphologiques sur le massif de la 

Boheme. La Geographie 1908. 
Oeologische Spezialkarte von Österreich 1:75000. NW-Gruppe. XIV. 4 Nachod, 

XV. 6 Landskron, XV. 6 Schönberg-Mähr. Neustadt, XVII. 6 Freudenthal. 
Archiv d. naturwissenschaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen. Prag. 

Bearbeitungen usw. innerlialb politisclier Grenzen 
Königreich Sachsen 

J. Zemmrich: Landeskde. d. Königreich S. Leipzig 1905. Samml. Göschen. 
Beschreibende Darstellung d. älteren Bau- und Kunstdenkmäler d. Kgr. Sachsen. 

Dresden 1882 f. (Einteilung in Heften n. Amtshauptmannschaften). 
O. Drude: Pflanzengeogr. Karten aus S. Mitt. Ver. f. Erdk. Dresden 7. 1908. 83. 
A. Hennig: Boden und Siedelungen im Königr. S. Bibl. d. sächs. Gesch. u. 

Landeskde. III. 3. Leipzig 1912. Karte 1:250000. — Diss. Leipzig 

1912. 
E. Wuttke: Sächsische Volkskde 2. Aufl. Leipzig 1903. 

Braun. 22 



338 Anmerkungen und Literaturangabeu 

Thüringrischo Staate» 

Bibiotheca Riithenea. D. Litt. z. Landeskde. usw. d. Fürstent. Reuß j. L., zu- 
sammengest. von H. A. Auerbach. Jahresber. d. Ges. v. Fr. d. Natur- 
wiss. in Gera. 32/35. 1892. 128. 

Weitere Literaturberichte in d. Mitt. d. Geogr. Ges. f. Thüringen in Jena. 

Neue Landeskunde d. Herzogt. Sachsen-Meiningeu. 43. u. f. Hefte d. Schrift, d. 
Ver. f. Sachs. Meining. Gesch. u. Lkde. 1903 f. 

E. Weyhe: ^Landeskunde d. Herzogtums Anhalt. 2 Bde. Dessau 1907. 

P. Lehfeldt: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens. .Jena s. 1888 (Herzogt. 
Sachsen-A. 2 Bde.; Fürstent. Schwarzb.-Rudolst. 2 Bde.; Fürst. Reuß ä. L. 
1 Bd.; Reuß j. L. 2 Bde.; Herzogt. Sachsen-Cob. -Gotha 4 Bde.; Herzogt. 
Sachsen-Meiuingen 4 Bde.; Großherzogt. Sachsen-Weimar-Eisen. 3 Bde.). 

F. Apfelsted t: Beschr. Darstellung d. älteren Bau- u. Kunstdenkm. d. Fürstent. 

Schwarzh.-Sondersh. 2 H. Sondersh. 1886/87. 
Mitteilungen d. Geograph. Gesellschaft f. Thüringen zu Jena. Jena. 
Mitteilungen d. Sächsisch Thüringischen Vereins f. Erdkunde zu Halle a. S Halle. 
Zeitschrift d. Vereins f. thüringische Geschichte und Altertumskde. Jena. 

Provinz Sehlesieu 

J. Partsch: Schlesien. I. Breslau 1896. IL 1 Oberscblesien 1903. IL 2 Mittel- 
schlesien 1907. IL 3 Niederschlesien 191 L 

Literatur d. Landes- u. Volkskde d. Prov. Schi. Zusammengest. v. Jos. Partsch. 
Erg. H. z. d. Jahresber. d. Schles. Ges. f. vaterl. Cultur. Bresl. s. 1892. 

Verzeichnis der Kunstdenkmäler, bearb. von H. Lutsch. 4 Bde. Breslau 1886 — 94. 

0. Martins: Wegweiser d. d. Urgeschichte Schlesiens. Her. v. schles. Altert. 
Ver. 2. Aufl. Breslau 1906. 

F. Frech: Geologische Exkursionen in Schlesien. Jahresber. d. schles. Ges. f. 
vaterl. Cultur. Naturwiss. Sect. 1899. Breslau. 

F. Pax: Schlesiens Pflanzenwelt. Jena 1915. 

Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur. Breslau. 

Übersicht 

A. Hettner: Die deutschen Mittelgebirge. Geogr. Zeitschr. 10. 1904. 13. 

R. Reinisch: Entstehung und Bau d. deutsch. Mittelgebirge. Leipzig 1910. 

R. Aßmann: I). Einfluß d. Gebirge auf d. Klima von Mitteldeutschland. Forsch. 

z. d. L. u. Volkskde I. 6. 1886. 
Fr. Ratzel: Die Schneedecke, besonders in deutsch. Gebirgen. Forsch, z. d. 

L. u. Volkskde IV. 3. 1889. 
E. Häußler: Beziehungen der atmosphärischen Isothermen z. d. Massenerhebungen 

d. mitteldeutschen Gebirgsschwelle. Diss. Halle 1909. 
0. Drude: Entwicklung d. Flora d. mitteldeutschen Gebirgs- und Hügellandes. 

Wiss. Ergebn. Internat. Bot. Kongr. Wien 1905. 117. 
0. Drude: Der herzynische Florenbezirk. D. Veget. d. Erde VI. Leipzig 1902. 

Das Rheiuische Schiefergebirge 

Vj. Kaiser: D. geologisch-mineralogische Literatur d. Rhein. Schiefergeb. 1887 
bis 1900. Verb. Naturhist. Ver. d. preuß. Rheinide. usw. 60. 1903 m. 
Nachträgen daselbst. 



Mitteldeutschland. Schiefergebirge 339 

A. Philippson: Zur Morphologie d. Rhein. Schiefergeb. Verh. 14. D. Geogr. 

Tag Cöln. 190:-5. 193. 
C. Mordziol: Ein Beweis f. d. Antezedenz d. Rheindurchbruchtales usw. Zeitschr. 

Ges. f. Erdk. Berlin 1910. 
K. Oestreich: Die Oberfläche d. Rhein. Schiefergeb. (1909). Geogr. Anz. 1913 195. 
P. Polis: D. Niederschlagsverhältn. in d. mittl. Rheinprovinz. Forsch, z. d. 

L. u. Volkskde XII. 1. 1899. 

Ejfel-Gau 

H. Rauff: Höhenschichtenkarte d. Eifel. 1:200000. Bonn 1908. 

H. von Dechen: Geogn. Führer z. d. Vulkanreihe d. Vordereifel. Bonn 1886. 

Jacobs: "Wanderungen . . . d. d. Laacher Vulkanwelt. D. Rheinide. 2. 1913. 

0. Follmann: Die Eifel. Forsch, z. d. L. u. Volkskde VIII. 3. 1894. 

M. Lucius: D. Tektonik d. Devons im Großherzogt. Luxemburg. Diss. Zürich 

1912 (Profile!). 
W. Hütten: Beitr. z. Siedlungsgeogr. d. hohen Venns. Diss. Münster. Aachen 1909. 
Jos. Hartmann: Beitr. z. Siedlungskde d. Nordeifel. Diss. Bonn 1909. 
A. M arten s: Beitr. z. Morphographie u. Siedlungskde d. Ahrgebietes. Diss. 

Bonn 1910. 
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(vgl. Zeitschr. Ges. f. Erdk. Berlin 1914. 452). 
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Veget. Bild. V. 1. 2. Jena 1907. 

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d. L. u. Volkskde XIV. 4. 1903. — Diss. Marburg 1903. 

Br. Dietrich: Die Siedelungen d. Moseltales in ihrer Abhängigkeit v. d. mor- 
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Gesch. u. K. Trier. 15. 1896. 211. 

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Berlin 1906. 
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H. Küster: Zur Morphographie und Siedlungskde d. oberen Nahegebietes. Diss. 

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22* 



340 Anmerkungen und Literaturangaben 

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B. Stürtz: D. Rheindiluvium talwärts von Bingerbrück. Verh. Naturh. Ver. 

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G. Angeibis: Über d. Entstehung d. Neuwieder Beckens. .Jahrb. d. Kgl. Preuß. 

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R Martiny: Kulturgeographie d. Koblenzer Verkehrsgebietes. Forsch, z. d. 

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R. Martiny: Kulturgeogr. Wanderungen im Koblenzer Verkehrsgebiet. Forsch. 

z. d. L. u. Volkskde XIX. 3. 1911. 
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Industriezonen 

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Schiefergebirge 341 

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W. Schjerning: Aachen und s. Umgebung. Wiss. Beil. z. Jahresber. d. Kaiser 

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Rhoen: Die ältere Topographie d. Stadt Aachen. A. 1891. 
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Festschrift z. 72. Vers. d. Naturforscher u. Ärzte. Aachen 1900. 
P. Polis: Z. Klimatologie Aachens. Aachen 1890. 

F. Frech: Deutschlands Steinkohlenfelder und -Vorräte. Berlin 1911. 

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K. Olbricbt: Die Städte d. rheinisch-westfälischen Industriebezirkes. Pet. Mitt. 
1911. I. 4. Nachtrag 1912 I. 

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hausen. Diss. Marburg 1913. 

Der Ruhrorter Hafen, seine Entwicklung u. Bedeutung. Bearb. d. d. Wasserbau- 
inspektor in Ruhrort. 1902. 

Job. Kempkens: Die Ruhrhäfen, ihre Industrie u. ihr Handel. Mod. Wirt- 
schaftsgest. Veröff. d. Köln. Mus. f. Handel u. Industrie. 2t Bonn 1914. 

F. Lampe: Ein Studienausflug von Berl. Oberlehrern in d. rheinisch-westfälische 

Industriegebiet. Vierteljahrsh. f. d. geogr. Unt. 1. 1902. 251. 

Die niederrheinische Bucht 

Der deutsche Niederrhein vom Erftgebiet b. z. Landesgrenze. Krefeld, J.Greven. 1910. 
W. Wunstorf — G. Fliegel: Die Geologie d. niederrheinischen Tieflandes. 

Abh. Kgl. Preuß. Geol. L. A. N. F. 67. 1910. — Karte auch in Geogr. 

Anz. 1911. Tafel 85. 
K. Keilhack: Das glaziale Diluvium d. mittl. Niederlande. Jahrb. Kgl. Preuß. 

Geol. L. A. f. 1915. I. 

G. Fliegel: Die miozäne Braunkohlenformation am Niederrhein. Abh. Kgl. 

Preuß. Geol. L. A. N. F. 61. 1910. 
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Fr. Iltgen: Die Ansiedelungen am Niederrhein. Diss. Halle 1892. 

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XIIL 3. 190i: — Diss. Leipzig 1901. 
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Altertumsfr. im Rheinld. Bonn. 98. 1895. 1. 
H. Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter. 2 Bde. Bonn 1910. 

F. Bender: Illustrierte Geschichte d. Stadt Köln. K. 1912. 
Festschrift z. 14. Mai 1898. Neue Werft- und Hafenanlagen in Köln. 

Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln. I. 1 Die Quellen. I. 2 Das römische K. 

Düsseldorf 1906. 
Ottsen: Der Regierungsbezirk Düsseldorf. Mors. 1914. 
Beiträge z. Geschichte d. Niederrheins. Düsseldorf. 
Annalen d. bist. Vereins f. d. Niederrhein. Köln. 



3^2 Anmerkungen und Literaturangabeu 

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P. Kruse b: 1). Südrand d. Beckens von Münster zw. Minden und AVitten. 

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H. ytillc: Geologisch - bydrologiscbe Verhältnisse im ürsprungsgebiete der 

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F. Weinig: Die Verteilung d. Bodenbenutzungsarten in d. östl. Hälfte des 

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Diss. Münster 1912. 
M. Geisberg: Die Ansichten u. Pläne d. Stadt Münster i. W. M. 1910 (mit 

Reproduktionen) 
W. Schäfer: Die Lage der Stadt Münster. D. Geogr. Blätter 36. 1913. 159. 
Meininghaus: Burg und Stadt Dortmund. 1907. 
KuUrich: Bau- und Kunstgeschichtliches aus Dortmunds Vergangenheit. 1896. 

Das Wosorherj^land uud Lippiscbe Bergland 

0. Reißert: Das Weserbergland u. d. Teutoburger Wald. L. u. L. 2-1. 1909 

(darin H. Stille: Der geol. Bau d. W.). 
0. Tietze: Das Steinkohlengebirge von Ibbenbüren. Jahrb. Kgl. Preuß. Geol. 

L. A. f. 1908. IL 301. 
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E. Krückemeyer: D. Volksd. im Weserberglande (westl. d. Weser). Diss. 

Gießen 1912. 
K. Engelking: Z. Siedlungskde d. Keuperlandes a. d. unteren Mittel -Weser. 

Diss. Marburg 1913. 
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P. J. Meier: D. Anfänge u. d. Gruudrißbildung d. Stadt Hameln. Zeitschr. 

Hist. Ver. f. Niedersachsen. 1909. 
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brück. Osnabrück. 

Bas Leine-Berglaud 

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— Forsch, z. d. L. u. Volkskde XIV. 6. 1902. 

W. Nedderich: Wirtschaftsgeogr. Verhältnisse, Ansiedl. u. Bevölkerungsver- 
teilung im ostfäl. Hügel- und Tieflande. Forsch, z. d. L. u. Volkskde 
XIV. 3. 1902. 

Der Solliug- 

M. Schmidt: D. Gebirgsbau d. Einbeck-Markoldendorfer Beckens. .Jahrb. Kgl. 

Preuß. Geol. L. A. 14. 1893. 19. 
0. Grupe: Präoligocäne und jungmiocäue Dislokationen u. tertiäre Trans- 

gressionen im Solling. Jahrb. Kgl. Preuß. Geol. L. A. f. 1908. 22. 1 S. 612. 



Westfalen — Harz 343 

0. Grupe: Über d. Alter d. Dislokationen d. hann.-hess. Berglandes usw. Zeitschr. 

D. geol. Ges. 63. 1911. Abb. 264. 
0. Grupe: Die Flußterrassen d. Wesergebietes usw. Zeitscbr. D. geol. Ges. 

64. 1912. Abb. 265. 
E. Gerwien: Der Lauf der Oberweser im Buntsandsteingewölbe. Diss. Berlin 1914. 
Niedersächs. Städteatlas I. (Probelieferung) Holzminden. Berlin, Westermann 1913. 

Der Harz 

Höbenscbichtenkarte des Harzgebirges | 1 : 100000. Kgl. Preuß. 

Geologische Übersichtskarte d. H. von K. A. Lossen | Geol. L. A. 18H2. 

H. Gehne: Beitr. z. Morphologie d. östl. Harzes. Diss. Halle a. S. 1911. 

W. Behrmann: Die Oberflächengestaltung d. Harzes. Forsch, z. d. L. u. 
Volkskde XX. 2. 1912. 

E. H. Wolff: Die Verbreit. d. Bevölkerung im Harz. Diss. Halle 1893. 

H. Wüstenhagen: Beitr. z. Siedlungskde d. Ostharzes. Diss. Halle 1905. — 
Mitt. Ver. f. Erdk. Halle a. S. 1906. 

A. Schumann: Die obere Siedlungsgrenze in d. d. Mittelgebirgen. Diss. 
Leipzig 1911. 

Schriften d. naturwissenschaftlichen Vereins des Harzes in Wernigerode. Werni- 
gerode. 

Zeitschrift d. Harz -Vereins f. Geschichte u. Altertumskde. Quedlinburg. 

Das nördliche Harzvorlaud 

E. Schütze: Berichte üb. die geol. mineral. Literatur in Jahresber. u. Abb. 

Naturwiss. Ver. in Magdeburg; s. 1900. 

F. Klockmann: D. geol. Aufbau d. sog. Magdeburger Uferrandes usw. .Jahrb. 

Kgl. Preuß. Geol. L. A. f. 1890. XL 118. 
Th. Schmierer: D. gebirgsbildenden Vorgänge zw. Flechtinger Höhenzug u. 

Helmstedter Braunkohlenmulde. 3. Jahresber. Niedersächs. geol. Ver. 

Hannover 1910. 217. 
E. Stolley: Geol. Skizze d. Umgegend Braunschweigs. 5. Jahresber. Niedersächs. 

geol. Ver. Hannover 1913. 8. 
Fr. Knoll: — R. Bode: D. Herzogtum Braunschweig. Ein Handb. d. ges. 

Landeskde. 2. Aufl. Braunschw. 1891. 
W. Nedderich: Wirtschaftsgeogr. Verhältn. Ansiedlungen u. Bevölkerungsver- 
teilung im ostfäl. Hügel- und Tiefl. Forsch, z. d. L. u. Vlkskde. XIV. 

3. 1902. 
Job. Wütschke: Beitr. z. Siedlungskde. d. nürdl. subherzynischen Hügellandes. 

Diss. Halle 1907. — Mitt. Ver. f. Erdk. Halle 1907. 
Die Stadt Braunschweig. Festschr. z. Vers. d. Naturforsch, u. Ärzte. 1897. 
P. I. Meier: Unters, über d. Anfänge d. Stadt Braunschweig. Braunschw. 

Jahrb. 1912. 
A. Püschel: D. Anwachsen d. d. Städte usw. Berlin 1910. 66 Braunschweig 

m. Tafel. 
H. Meier: Z. Befestigungsgeschichte d. Stadt Hildesheim. Zeitschr. d. Hist. 

Ver. f. Nieders. 78 1913. 242. 
A. Püschel: D. Anwachsen d. d, Städte usw. Berlin 1910. 81 Hildesheim m. 
Tafel. 



3^^ Anmerkungen und Literaturangaben 

R. Andree: Braunschweiger Volkskunde. 2. Aufl. Braunschweig 1901. 
Lorenz: Alt-Quedlinburg. Neujahrsbl. her. v. d. bist. Komm. f. d. Prov. Sachsen 

24. 1900. 
A. Hübbel: Die Entwicklung d. Stadt Quedlinburg bis z. 14. Jahrb. Diss. 

Halle 1910. 
Jahrbuch d. Geschichtsvereins f. d. Herzogt. Braunschweig. Wolfenbüttel. 
Braunschweigisches Magazin. Wolfenbüttel 

Das östHehe Harzyorland 

W. Ule: Heimatkunde d. Saalekreises. Halle 1906/07. 

F. Beyscblag — K. von Fritsch: D. jüngere Steinkohlengebirge u. d. Rot- 
liegende i. d. Prov. Sachsen u. d. angrenzenden Gebieten. Abb. Kgl. 
Preuß. Geol. L. A. N. F. 10. 1899. 

Deutschlands Kalibergbau. Festschrift. Berlin 1907. — Abb. Kgl. Preuß. Geol. 
L. A. N. F. 52. 1907. 

Em. Weybe: Landeskunde d. Herzogtums Anhalt. 2 Bde. Dessau 1907. 

W. Müller: Die Entstehung d. anhaltischen Städte. Diss. Halle 1912. 

W. Engelbrecht: Das Alvensleber Hügelland. Diss. Halle 1895. 

A. Püschel: Das Anwachsen d. d. Städte usw. Berlin 1910. 93 Magdeburg m. 
Tafel. 

Das Eichsfeld 

A. Nehmer: Beitr. z. Landeskunde d. Eichsfeldes. Diss. Halle 1903. — Mitt. 
Ver. f. Erdk. Halle 1903. 77. 

Levin Frhr von Wintzingerode-Knorr: D. Wüstungen d. Eichsfeldes. Publ. 
d. bist. Komm. f. d. Prov. Sachsen u. Anhalt. 40. Halle 1903. 

Thüi'iugeu 

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Morphologie: 

E. Philippi: Über d. präoligocäne Landoberfläche in Thüringen. Zeitschr. D. 
geol. Ges. 62. 1910. 305. 

E. Kirste: Geologisches Wanderbuch f. Ostthüringen und Westsachsen. Stutt- 
gart 1912. 

K. Wolff: Die Terrassen d. Saaletales. Forsch, z. d. L. u. Volkskde XVIII. 2. 
1909 — Diss. Leipzig. 

K. Wolff: Die Entwicklungsgeschichte d. Weißen Elstertalcs. Mitt. Ver. d. 
Geogr. a. d. Univers. Leipzig II. 1912. 

A. Reichardt: D. Entwicklungsgeschichte d. Gera u. ihrer Nebengewässer. 
Leipzig 1910. — Zeitschr. f. Nat. 81. 1910. 321. 

W. Schulz: Beitr. z. Morphologie d. Buntsandsteingebietes im Mittellauf d. 
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Siedel ungen: 

G. Reischel: Beitr. z. Ansiedlungskde von Mittelthüriugen. Diss. Halle 1885. 
C. Käsemacher: D. Volksdichte d. Thüringischen Triasiuulde. Forsch, z. d. L. 

u. Volkskde VI. 2. 1892. 
M. G. Schmidt: Die Siedelungen an d. Hainleite, Schmücke-Schrecke und Finne. 
Mitt. Ver. f. Erdk. Halle 1900. 22. 



Thüringen 345 

H. Leo: Untersuchungen z. Besiedlungs- und Wirtschaftsgeschichte d. thür. 

Osterlandes in d. Zeit d. früh. Mittelalters. Leipz. Nachr. a. d. Geb. d. 

Gesch. VI. 3. 1900. 
0. Schlüter: Siedlungskunde d. Tales d. Unstrut v. d. Sachsenburger Pforte 

b. z. Mündung. Diss. Halle 1896. 

0. Schlüter: Die Siedelungen im nördöstl. Thüringen. Berlin 1903. 

1. Sempert: Die Siedelungen in d. Oberherrschaft von Schwarzb.-Rudolstadt. 

Diss. Leipzig 1909. 
F. E,. Herr mann: Die östl. Vorstufe d. Thür. Beckens. Diss. Leipzig 1910. 
A. Kirchhoff: Die Lagenverhältnisse von Erfurt. Jahrb. d. Kgl. Ak. gemeinn. 

Wiss. in E. 26. 1895. — Mitt. Ver. f. Erdk. Halle 1895. 1. 
A. Reich ar dt: Die orohydrographischen Verhältnisse d. Stadt- u. Landkreises 

Erfurt. Jahrbücher Kgl. Ak. gem. Wiss. Erf. N. F. 36. 1910. 273. 
A. Püschel: Das Anwachsen d. d. Städte usw. Berlin 1910. 107 Erfurt m. Tafel. 

Thüring'er Wald 

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Geol. L. A. Berlin. 
H. Franke: Geologisches Wanderbuch f. d. Thüringer Wald. Stuttgart 1912. 

E. Wunderlich: D. Studienreise d. d. naturwiss. Ges. nach Thüringen. Natur 

1912. 166. 
H. Pröscholdt: D. Thüringer Wald. Forsch, z. d. L. u. Volkskde V. 6. 1891. 

F. Regel: Die Entwicklung d. Ortschaften im Thür. Wald. Pet. Mitt. Erg. H. 

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H. Leinhose: Bevölkerung u. Siedelungen im Schwarzagebiet. Diss. Halle 1890. 
- Mitt. Geogr. Ges. Jena. IX. 1890. 

L. Klinger: Verteilung u. Zunahme d. Bevölkerung im Thür. Wald n. Höhen- 
stufen. Diss. Halle 1890. — Mitt. Geogr. Ges. Jena. 1890. 

I. Sempert: D. Siedlungen in d. Oberherrschaft von Schwarzburg-Rudolstadt. 
Diss. Leipzig 1909. 

W. Ger hing: Die Pässe d. Thüringer Waldes. Arch. f. Landes, u. Volkskde 
Prov. Sachsen 14. 1904. 1. 

Werra-Bergland 

A. Uthemann: D. Braunkohlenlagerstätten am Meißner, am Hirschberg u. am 

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H. Proescholdt: Über Thalbildung im oberen Werragebiete. Jahrb. Kgl. 

Preuß. Geol. L. A. 1889. 1. 
E. Naumann: Beitr. z. Kenntnis d. Thüringer Diluviums. IL Das Werratal 

zw. Hörsehel u. Wanfried. Z. D. geol. Ges. 64. 1912. 306. 
Mein ecke: Über die Entwicklungsgeschichte des Werratales. Mitt. Ver. f. 

Erdk. Halle 37. 1913. 77. 
M. Jäschke: Das Meißnerland. Forsch, z. d. L. u. Volkskde III. 2. 1888. 
E. Elsheimer: Volksdichte u. Siedelungen im Meißnerlande. Diss. ]\[arburg 1907. 
E. Fritze: Dorfbilder. N. Beitr. z. Geschichte deutschen Altertums her. v. d. 

henneberg. altertumsforsch. Ver. in Meiningen. 20. Mein. 1906. 

G. Siegel: Geschichte d. Stadt Lichtenau in Hessen. Zeitschr. Ver. f. hess. 

Gesch. u. Landeskde Kassel. N. F. 22. 1897. 



346 Anmerkungen und Literaturangaben 

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Marburg 11)11. 

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Preuß. Geol. L. A. XVIII. 1898. B. 

H. Wiegel: Petrograpb. Untersuchung d. Basalte d. Scliwälmerlandes bis an 
den Vogelsbg. N. Jahrb. f. Min. usw. Beil. Bd. XXIII. 1907. :545. 

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bauamt 1913. 1 : 10000. 

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A. Holtmeyer: Alt-Cassel. Marburg 1913. 

Brunner: Geschichte d. Residenzstadt Cassel 913 — 1913. Kassel 1913. 

Job. Schmidt: D. Volksdichte im Kreise Melsuugen. Diss. Rostock 1907. — 
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A. Rübl: Geländestudien d. Geographischen Seminars in Marburg. Geogr. Anz. 
1912. 1 (Stadt Marburg u. Umgebung). 

Vogelsberg 

C. Chelius: Geol. Führer durch den Vogelsberg. Gießen 190G. 

W. Schottler: Geol. Skizze d. Vogelsberges usw. Notizbl. Ver. f. Erdk. usw. 

Darmstadt IV. 31. 1910. 63. 
E.Kaiser — H.Meyer: Der Untergrund d. Vogelsberges. Führer. Bonn 1913. 
L. Spilger: Flora u. Vegetation d. Vogelsberges. Gießen 1903. 

G. Krausmüller: D. Volksdichte von Oberhessen. Diss. Gießen 1900. 

W. Dieraer: D. Besiedlung d. Vogelsberges. Geogr. Mitt. a. Hessen 5. 1908. 1 
(z. T. Diss. Gießen 1908). 

Rhön 

Geologische Übersichtskarte der Rhön von H. Bücking. Berlin 1914. 1 : 100000. 

H. Bücking: Über die vulkanischen Durchbrüche in der Rhön. Beitr. z. 
Geophysik VI. 1904. 267. 

— : Über d. Phonolithe d. Rhön u. ihre Beziehungen z. d. basaltischen Gesteinen. 
Sitz.-Ber. Kgl. Preuß. Ak. d. Wiss. 1907. XXXVI. 

— : Über vor- und uachbasaltische Dislokationen und die vorbasaltische Land- 
oberfläche in d. Rhön. Zeitschr. D. geol. Ges. 1912. Monatsber. 109. 

Br. Dietrich: Die Rhön. 92. Jahresber. d. Ges. f. vaterl. Cultur. Breslau 1914. 

Festschrift d. Verbandes deutscher Touristenvereine. Fulda 1908. 

Jos. Deschauer: Beitr. z. Klimatologie Fuldas u. s. Nachbarstationeu. Diss. 
Münster 1898. 

Das oberelbische Hochlaud u. s. Raudg-ebiete 

Archiv für Naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Böhmen. Prag s. 
1869. (M. Höhenschichten- und geologischen Karten.) 

DtM" bayerisch -böbuiische Wald 

M. Mayr: Morphologie des Böhmerwaldes. Mitt. Geogr. Ges. München. 1910. 
L. Puffer: Der Böhmerwald u. s. Verhältnis z. innerböhm. Rumpffläche. Geogr. 
Jahresber. a. Ost. VIII. 1910. 113. 



Hessen — Erzgebirge 347 

A. Grund: D. Exkursion d. geogr. Institutes usw. in den Eöhmerwald usw. 

Lotos 61. 1913. Prag. 
F. M. Thiem: Biogeographische Betrachtung des Rachel. Diss. Leipzig 1906. 
P. Müller: Der Eöhmerwald u. s. Stellung in der Geschichte. Diss. Straßburg 

1904. 
M. Mayr: Die Siedlungen d. bayerischen Anteils am Böhmerwald. Forsch, z. 

d. L. u. Volkskde XIX. 4. 1911. 
A. Ries: Pfahl und Pfahlschiefer im Bayer. Walde. Centralbl. f. Min. usw. 

1903. 186. 
P. Wagner: Die Schneedecke im bayerischen Waldgebirge. Leopoldina 35. 

1899. 170. 

Fichtelgebirge 

F. Nüchter: D. Fichtelgebirge in seiner Bedeutung f. d. mitteleuropäischen 

Verkehr. Diss. Leipzig 1899. 

G. Schulze: Beitr. z. Landes- und Siedluugskde d. Fichtelgebirges. Diss. 

Leipzig 1909. 

Vogtland 

A. Neupert: Übers, über erschienene Schriften und Aufs. z. Geschichte, Landes- 

uud Volkskde d. Vogtlandes. Mitt. Altertums- Ver. zu Plauen. 19. 1908 

Beil. Heft. 
A. Wohlrab: Das Vogtland als orograph. Individuum. Forsch, z. d. L. u. 

Volkskde XII. 2. 1899. — Diss. Leipzig 1899. 
M. Schmidt: Zur Geschichte d. Besiedlung d. sächs. Vogtlandes. Beil. z. 

17. Jahresber. d. städt. Realschule z. Dresden-Johannstadt. 1897. 
A. Haustein: Die Siedelungen d. sächs. Vogtlandes. Diss. Leipzig 1904. 

E. Zimmermann: Z. Geologie u. bes. z. Tektonik d. Vogtland. -ostthiir. Schiefer- 

gebirges. (Exkursionsführer.) Zeitschr. D. geol. Ges. 54. 1902. 336. 

Erzgebirge 

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11. Jahresber. d. 3. Städt. Realsch. zu Leipzig 1901/02, Progr. 636. 

A. Rathsburg: Geomorphologie d. Flöhagebietes im Erzgebirge. Forsch, z. 

d. L. u. Volkskde XV. 5. 1904. — Diss. Leipzig 1904. 

B. Nestler: Das Zschopautal. Diss. Leipzig 1903. 
Maennel: Die Moore des Erzgeb. Diss. München 1896. 

A. Frisch: Die Vegetationsverhältnisse u. d. Flora d. Pöhlberg-Gebietes. Diss. 

Leipzig 1897. 
Phil. Weigel: Das sächsische Sibirien. Sein Wirtschaftsleben. Diss. Leipzig 1907. 
0. Straube: D. höchsten Siedelungen d. sächsisch-böhmischen Erzgebirges. Diss. 

Leipzig 1906. 

B. Bruhns: Geographische Studien über d. Waldhufensiedhingen in Sachsen. 

Globus 95. 1909. 197 (Karte). 

F. Weißbach: Wirtschaftsgeographische Verhältnisse, Ansiedl. u. Bevölkerungs- 

verteilung im mittl. Teil d. sächs. Erzgebirges, Diss. Heidelberg 1908. 
— Forsch, z. d. L. u. Volkskde XVII. 3. 



gj^g Anmerkungen und Literaturangaben 

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F. H an seh — A. Pelz: Das Zwickau-Chemnitzer Kolilengebiet. Meißen 1908. 
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Job. R. Kretzschmar: Z. Entstehung d. sächsischen Städte. Diss. Leipzig 1904. 
Mitteilungen d. Altertumsvereins f. Zwickau u. Umgegend. Zwickau. 
j\Iitteilungen d. Vereins f. Chemnitzer Geschichte. Chemnitz. 

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z. d. L. u. Volkskde II. 4. 1887. 

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H. von Staff — H. Rasmus: Zur Morphogenie d. sächs. Schweiz. Geol. 
Rundschau IL 1911. 373. 

H. von Staff: D. Geomorphogenie u. Tektonik d. Gebietes d. Lausitzer Über- 
schiebung. Geol. u. paläontol. Abb. N. F. XIII. 2. Jena 1914. 

Job. St üb 1er: Anthropogeogr. Studien in d. sächs. Schweiz. Diss. Leipzig 
1903. — Mitt. Ver. f. Erdk. Leipzig 1902. 61. 

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.1. Hibsch: Exkursionsbericht. Zeitschr. D. geol. Ges. 61. 1909. Monatsber. 98. 
Geologische Karten von J. Hibsch in Tschermaks Mineral. Petrogr. Mitteilungen 

s. 1896. 1 : 25000. 

Eibtal 
Wissenschaftl. Führer d. Dresden, her. von Fr. Schäfer. Dresden, v. Zahn u. 

Jaensch 1907. 
0. Richter: Geschichte d. Stadt Dresden. D. 1900. 

Job. R. Kretzschmar: Z. Entstehung d. sächs. Städte. Diss. Leipzig 1904. 
A.Schumann: Die Lage von Dresden. Mitt. Ver. f. Erdk. Dresden 1913. 783. 
R. Beck: Geol. Wegweiser d. d. Eibtalgebiet zw. Meißen und Tetschen. Berlin 1897. 
C. Gebauer: Die Dresdner Heide. Zeitschr. f. Gewässerkde VI. 1904. 193. — 

Diss. Leipzig. 

E. Schöne: D. Elbtallandschaft unterh. Pirna. Meißen 1905. 

C. Dame: D. Entwickl. d. ländl. Wirtschaftslebens in d. Dresden-Meißner Elbtal- 

gegend v. d. Sorbenzeit b. z. Beginn d. 19. Jahrb. Diss. Leipzig 1911. 
Mitteilungen d. Vereins f. Geschichte d. Stadt Meißen. Meißen. 
Mitteilungen d. Vereins f. Geschichte Dresdens. Dresden. 

Sächsische Bncht 

R. Bohn: D. Siedelungen in d. Leipz. Tieflandsbucht n. Lage und Gestalt. 

Mitt. Ver. f. Erdk. Leipzig 1901. 89. 
Job. R. Kretzschmar: Z. Entstehung d. sächsischen Städte. Diss. Leipzig 1904. 

F. G. Heller: Die Handelswege Innerdeutschlands im 16., 17. und 18. Jahrb. 

u. ihre Beziehungen zu Leipzig. Diss. Leipzig 1884. 
K. Hassert: Die geogr. Lage und Entwickelung Leipzigs. Mitt. Ver. f. Erdk. 
L. 1898. 19. 



Sachsen — Sudeten 349 

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G. Wustmann: Geschichte d. Stadt Leipzig. I. Leipzig 1905. 
Schriften d. Vereins f. d. Geschichte Leipzigs. Leipzig. 
Joh. Schrader: Die wirtschaftl. u. soziale Bedeutung d. Braunkohlenbergbaus 

im Oberbergamtsbezirke Halle. Diss. Halle 1911. 
W. Ule: Heimatkunde d. Saalekreises. Halle 1906/07. 

A. Koch: Das Klima von Halle, vom Saale- und Mansfelder Seekreise. Diss. 

Halle 1907. 
W. TJle: Die Stadt Halle. A. allen Weltteilen 2.5. 1894. 199. 
L. Siegert — W. Weißermel: Das Diluvium zwischen Halle und Weißenfels. 

Abh. KgL Preuß. Geol. L. A. N. F. 60. 1910. 
W. Zahn: Mittelalterliche Topographie d. Stadt Aken. Gesch. Bl. f. Stadt u. 

Land Magdeburg. 36. 1901. 201. 

Oberlausitz 

E. F. Glocker: Geogn. Beschreib, d. preuß. Oberlausitz usw. Abh. Naturforsch. 

Ges. zu Görlitz. 8. 1857. 2 Bde. 

G. Priemel: Die Braunkohlenformation d. Hügellandes d. preuß. Oberlausitz. 
Diss. Berlin 1907. 

Chr. März: D. Diluvium d. sächsischen Oberlausitz. Progr. Ref. Realgymn. 
Dresd. Neust. 1909. 

K. Pintsch: Die geologischen Verhältnisse d. Oberlausitz zw. Görlitz, Weißen- 
berg und Niesky. Zeitschr. D. geol. Ges. 61. 1909. 35. 

0. Beyer u. a.: Die Oberlausitz. Meißen 1906. 

B. Liebscher: D. Oberlausitzer Tiefland. Diss. Leipzig 1904. 

H. Popig: D. Stellung d. Südostlausitz im Gebirgsbau Deutschlands. Forsch. 
z. d. L. u. Volkskde XV. 2. 1903. — Diss. Leipzig 1903. 

G. Taute: Die Naturbedingungen in ihrer Bedeutung f. d. Verkehr d. Ober- 
lausitz. Diss. Leipzig 1896. — Mitt. Ver. f. Erdk. Leipzig 1895. 15. 

F. Monschler: Gutsherrlich -bäuerliche Verhältnisse in d. Oberl. Görlitz 

Oberl. Ges. d. Wiss. 1906. 

Die Sudeten 

G. Berg: Beitr. z. Geologie von Niederschlesien m. bes. Berücksichtigung d. 

Erzlagerstätten. AlTh.Kgl. Preuß. Geol. L.A. N.F. 74. 1913 (Karten, Profile!). 

F. Frech: Über d. Bau d. schlesischen Gebirge. Geogr. Zeitschr. 1901. 553. 
E. Rimann: D. geologische Bau d. Iser-Gebirges u. s. nördl. Vorlandes. Jahrb. 

Kgl. Preuß. GeoL L. A. XXXI. 1. 1910. 482. 

G. Muschner — Niedenfuehr: Das Riesengebirge. Berlin 1904. 
G. Gürich: Geol. Führer in d. Riesengebirge. Berlin 1900. 

H. von Staff: Z. Entwicklung d. Flußsystems d. Zackens b. Schreiberhau im 

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Jos. Parts ch: D. Vergletscherung d. Riesengebirges z. Eiszeit. Forsch, z. d. 

L. u. Volkskde VIII. 2. 1894 (vgl. dazu G. Berg in Zeitschr. D. geol. 

Ges. 67. 1915. Mon.-Ber. 63; 0. Nafe: Schulprogr. Hirschberg 1915). 
0. Nafe: Bau u. Bild d. Landeshuter Kammes. Festschr. z. 200jähr. Bestehen 

d. Gymn. z. Hirschberg 1912. 



350 Anmerkungen und Literaturangabeu 

R. Rolle: Die Lage d. Riesengebirges m. bes. Betonung d. klimatischen u. 

pflanzengeogr. Verhältnisse. Diss. Leipzig 190L 
Der Wanderer im Riesengebirge. Hirschberg. 
G. Berg: Z. Geologie d. Braunauer Landes. Jahrb. Kgl. Preuß. Geol. L. A. 

29. 1. 1908. 23. 
H. Friedrich: Das Waldenburger Bergland. Diss. Breslau 1894. 

F. I*]beling: D. Geologie d. Waldenburger Steinkohlenmulde. Diss. Breslau 1907. 
K. Flegel: Heuscheuer und Adersbach-Weckelsdorf. Diss. Breslau 1905. 

A. Leppla: Geol. Hydr. Beschr. d. Niederschlagsgebietes d. Glatzer Neiße. 
Abb. Kgl. Preuß. Geol. L. A. N. F. 32. 1900. 2 Bde. 

G. H. Hornig: D. Oberflächenformen d. nördl. Eulengebirges. Diss. Erlangen 

1913. — Mitt. Geogr. Ges. München 1913. 
E. Jeremias: Das obere Neißegebiet. Diss. Leipzig 1900. 
R. Fox: Die Pässe der Sudeten. Forsch, z. d. L. u. Volkskde XIII. 1. 1900. 

— Diss. Breslau 1900. 

Sudeten -Vorland 

R. Michael: D. Geologie d. oberschlesischen Steiukohlenbezirkes. Abb. Kgl. 

Preuß. Geol. L. A. N. F. 71. 1913. 
V. Frech: Geol. Führer d. Oberschlesien und in die Breslauer Gegend. Zeitschr. 

D. geol. Ges. 56. 1904. Mon.-Ber. 227. 
P. Kniitel: Kattowitz 1865 — 1915. Katt. Gebr. Böhm 1915. 
K. Fedde: Beitr. z. Siedlungskde im ehemaligen Fürstentum Brieg. Diss. 

Breslau 1908. 
W. Scheibe: D. baugeschichtliche Entwicklung von Kamenz. Diss. Techn. 

Hochsch. Dresden 1904. 
M. Groll: Die Verteilung d. Bevölkerung in d. Provinz Schlesien. Zeitschr. 

Ges. f. Erdk. Berlin 1909. 379. 
E. Traeger: D. Volksdichtigkeit Niederschlesiens. Diss. Kiel 1888. 
0. Tietze: Die geol. Verhältnisse d. Umgebung von Breslau. Jahrb. Kgl. 

Preuß. Geol. L. A. 31. 1910. 258. 
Breslau ; Lage, Natur und Entwicklung. Festgabe z. XIII. Deutsch. Geogr. Tag. 

Breslau 1900. 
A. Püschel: Das Anwachsen d. d. Städte usw. Berlin 1910. 45 Breslau m. Tafel. 

3. Südwestdeutschland 

Urmaterial (staatlich g'eordnet) 
a) Elsaß-Lothring-on 

Geologische Spezialkarte von Els.-Lothr. 1:25000 m. Erl. Berlin. 

Abhandl. z. Geol. Spez.-Karte von Els.-Lothr. s. 1875. 

Mitteilungen d. Geol. L. A. von Els.-Lothr. 

Statistisclie ^litteil. über Els.-Lothr., her. vom Statistischen Bureau. Straßburg. 

Das Reichsland Els.-Lothr. Landes- und Ortsbeschr. Her. v. Statist. Bureau 

d. Min. 3 Bde Straßb. 1899—1902. 
Kunst und Altertum in Els.-Lothr., bearb. von F. X. Kraus. 4 Bde Straßb. 

1876-!)2. 1. Unter-Elsaß. 2. Ober-Elsaß. 3. Lothringen. 4. Nachträge. 
Jos. M. R. Cl au ß: Historisch-topographisches Wörterbuch d. Elsaß. Zabern s. 1896. 



Südwestdeutschland 351 

b) GroßhLM'zog:tuin Hessen 

Geologische Spezialkarte des Großherzogt. H. m. Erl. 1 : 25000. DarmstaJt s. 1886. 
Abhaudl. d. Großherz. Hess. geol. L. A. Darmstadt s. 1884. 
Jahresbericht d. Ver. f. Erdk. und d. Geol. Landesanstalt. Darmstadt. 
Landwirtschaftl. Gemeindelexikon f. d. Großherzogt. H., her. v. d. großh. Zentralst. 

f. Landesstat. Darmst. 1909. 
Mitteilungen d. großherzogl. Zentralst, f. Landesstatistik 1909. Nr. 879 (Boden- 

benutzuug). 
Archiv f. hessische Geschichte u. Altertumskde. Darmstadt. 

c) Grroßherzog-tnin Badeu 

Geologische Spezialkarte d. Großherzogt. B. m. Erl. 1:25 000. Heidelberg. 

Mitteilungen d. Großh. bad. Geol. Landesanstalt s. 1890. 

H. Eck: Verz. d. mineral., geogu., urgesch. usw. Literatur von Baden, Württ. 

u. HohenzoUern. Mitt. Großh. bad. Geol. L. A. I. 1890. 1. Erg.-Bd. 

1893. 2. Erg.-Bd. 1898. 
Badische Bibl. IL Litteratur z. Landes- u. Volkskde d. Großherzogt. B. Bearb. 

von 0. Kienitz u. K. Wagner. Karlsruhe 1901 (Nachtr. in d. Katalogen 

d. Landesbibliothek Karlsruhe). 
A. Krieger: Topographisches Wörterb. d. Großherzogtums B., her. v. d. bad. 

bist. Komm. 2. Aufl. Heidelberg s. 1903. 
0. Heilig: D. Ortsnamen d. Großherzogt. B. Karlsruhe 1906. 
Die Kunstdenkmäler d. Großherzogt. B. Leipzig 1887 f. (Einteilung in Bände 

n. Kreisen). 

d) Königreich Württemberg' 

Geognostische Spezialkarte von W. 55 Bl. 1:50000. 1865—93. 

Neue Geologische Spezialkarte von W. 1:25000; s. 1903. 

Oberamtsbeschreibungen 1824-1886. S. 1893 2. Aufl. 

Das Königreich W. Eine Beschr., her. v. d. K. Statist. Landesamt 2. Aufl. 

I, Neckarkreis 1904. IL Schwarzwaldkreis 1905. III. Jagstkreis 1906. 
Übersicht über d. Litteratur d. W. u. H. Landeskde. Her. v. d. W. Verein f. 

Handelsgeographie. Stuttgart 1888 (weitere Literaturber. -in d. Württ. 

Jahrb. f. Stat. u. Landeskde). 
Ew. Schütze: Verz. d. mineralogischen, geologischen usw. Literatur von Würt- 
temberg usw. Beil. z. d. Jahresh. d. Ver. f. vaterl. Naturkde. in W. 58. 

1902. 59. 1903. 60. 1904. 62. 1906. 64. 1908 Stuttgart. 
Statistik in den Württemb. Jahrbüchern f. Statistik u. Landeskde. Stuttgart, 

jährlich; m. Ergänzungsb. 
E. Paulus: Die Kunst- und Altertumsdenkmale im Königr. W. Stuttgart 1889 f. 

(Th. Zingeler — W. Laur: HohenzoUern. 1896). 

Bearbeituugen usw. innerhalb staatl. Grenzen 

<i<roßher/o^tnm Baden 

Beiträge z. badischen Landeskunde. Festprogr. S. Kgl. Hoheit Großherz. 
Friedr. usw. dargebracht v. d. Albrecht Ludwigs -Univers. Freiburg 
Fr. 1896. 



352 Anmerkungen und Literaturangaben 

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Karlsruhe 21. 1909. 1. 

L. Neu mann: Die Volksdichte im Großherzogt. B. Forsch, z. d. L. u. Volks- 
kunde VII. 1. 1892. 

— : Die Volksdichte im Großherzogt. B. n. d. Höhenlage d. Wohnorte dargestellt. 
Beitr. z. Stat. d. Großherzogt. B. 5 N. F. (51) 1893. 

H. E. Meyer: Badische Volkskunde. Straßburg 1900. 

Küuij^reicli »ürtteiuberg 

A. Seh Hz: Urgeschichte Württembergs. Stuttgart 1909. 

Jos. Herold: Die Verbreitung d. Weinbaus in Württ. Diss. Tübingen 1907. 

Jahresh. d. Ver. f. vaterl. Naturkde in W. 63. 1907. 279. 
R. Gradmann: Das ländliche Siedlungswesen d. Kgr. W. Forsch, z. d. L. 

u. Volkskde XXI. 1. 1913 (vgl. ders. in Pet. Mitt. 56. I. 1910. 183). 
R. Grad mann: Das städtische Siedlungswesen d. Kgr. W. Forsch, z. d. L. 

u. Volkskde XXI. 2. 1914. 
E. Grad mann u. a.: Kunstwanderungen in Württ. und Hoheuz. Stuttgart 1914. 
Jahreshefte d. Vereins f. vaterländische Naturkde in Württemberg. Stuttgart. 
Mitteilungen d. Geol. Abteilung d. Kgl. Württ. Statistischen Landesamts. 

Stuttgart. 

Elsaß-Lothringeu 

E. W, Benecke — H. Roseubusch: Ghronolog. Überblick d. min. u. geol. 

Litteratur üb. d. Reichsl. Els.-Lothr. Abb. z. geol. Spez. K. von E. L. I. 1 

1875 — Erg. -Bd. zu Bd. I. Straßb. 1887 (Nachtr. in Mitt. d. Komm. f. 

d. geol. L. Unters. I. 1888. 
L. van Werveke: Begleitworte z. Höhenschichtenkarte von Els.-Lothr. u. d. 

angrenzenden Gebieten 1 : 200000. Her. v. d. Direkt, d. geol. L. Unters. 

V. E. L. Straßb. 1906. 
C. Winkler: Versuch z. Aufstellung einer archäologischen Karte des E. Colmar- 

Straßb. 1896. 1:200000. 
Beiträge z. Landes- und Volksk. von Els.-Lothr. Straßburg. 
Mitteil. d. Philomathischen Gesellschaft in Els.-Lothr. Straßb. 

Oroßherzog'tum Hessen 

C. Chelius: Chronologische Übers, d. geol. u. mineral. Litteratur über d. Groß- 
herzogt. H. Abb. d. hess. geol. L. A. I. 1. 1884. 

F. Markert: Die neuere Literatur z. Landeskde d. Großherzogtunis Hessen. 

Geogr Mitt. a. Hessen 5. 1909. 118. 

G. Greim: Landeskde d. Großherzogt. Hessen usw. Leipzig 1908. Slg. Göschen. 
— : Beitr. z. Anthropogeographie d. Großberzogt. H. Forsch, z. d. L. u. Volks- 
kunde XX. 1. 1912. 

Kunstdenkmäler im Großherzogt. Hessen. Darmstadt 1885 f. 
Ed. Anthes: Beitr. z. Geschichte d. Besiedlung zw. Rhein, Main und Neckar. 
Arch. f. hess. Gesch. Darmstadt 1902/04. 2. 277. 



Südwestdeutschland 353 

Gesamtgebiet 

Erläuterungeu z. d. 9. Aufl. d. Geologischen Übersichtskarte von Württemberg 

u. Baden usw., bearb. von C. Regelmann. Stuttgart 1913. 
F. Lengacker: Unters, über d. Schnee Verhältnisse Süddeutschlands usw. 

Halle 1909. 
E. Alt: Frostgrenzen und Frosthäufigkeit in Süddeutschland. Mitt. Geogr. Ges. 

München VII. 3. 1912. 422 (m. Karten). 
J. Wart mann: Das Klima d. Rheinebene, der Baar u. d. hohen Scbwarzwaldes. 

Diss. Freiburg 1900. 
H. Sprecher von Bernegg: Die Verteilung d. bodenständigen Bevölkerung 

im Rheinischen Deutschland 1820. Diss. Göttingen 1887. 
K. Henkelmann: Das Bauernhaus d. Odenwaldes u. d. südwestl. Deutschlands. 

Darmstadt 1908 (5,50 M ). 
A. von Hoffmann: Historischer Reisebegleiter f. Deutschland. I. Großherzogt. 

Baden und Hessen. II. Die bayerische Pfalz u. d. Reichsland. 111. Königr. 

Württemberg. Stuttgart 1906. 
Alemannia. Zeitschr. f. alem. u. fränk. Geschichte usw. Freiburg i. B. 
Berichte üb. d. Versamml. d. oberrhein. geol. Vereins. Stuttgart. 
Zeitschrift f. d. Geschichte des Oberrheins, Karlsruhe. 

Der Pfälzerwald 

D. Häberle: Pfalz. Bibliographie; s. 1908, in d. Mitt. d. Pollichia. Dürkh. u. 

Heidelberg. 
A. Leppla: Über d. Bau d. pfälzischen Nordvogesen u. d. triadischen Westrich. 

Jahrb. Kgl. Preuß. Geol. L. A. f. 1892. (XIII. 2.) 23. 
Z. Aufbau vgl. H. Thürich Ber. über d. Vers. d. oberrhein. geol. Vereins 27. 

Vers. 1894. 
0. M. Reis: Die westpfälzische Moorniederung. Geogn. Jahresh. XII. 1899. 
A. Attensperger: Studien z. Morphologie d. Vorderpfalz. Diss. München 1908. 
D. Häberle: D. natürlichen Landschaften d. Rheinpfalz. Kaiserslautern 1913. 
D. Häberle: D. Pfälzer Wald. D. Rheinide 3. 1913. 

D. Häberle: Eine geologische Studienreise d. d. Südpfalz. Der Pfälzerwald 

15. 1914. 1. 

E. Schumacher: Über Thal- und Terrassenbildung im Bitscher Kessel. Mitt. 

Philomath. Ges. in Eis. Lothr. 1895. 5. 
Mitteilungen d. historischen Vereins d. Pfalz. Speyer. 

Das lothringische Stufenlaud 

Lothringen u. s. Hauptstadt. Metz 1913. 

Geol. Übersichtskarte d. westl. Deutsch-Lothringen m. Erl. bearb. von E. Schu- 
macher, G. Steinmann, L. van Werveke. Straßburg 1887. (Profile!). 

Geol. Übersichtskarte von Elsaß-Lothringen 1 : 200000. Bl. Saarbrücken m. Erl. 
von L. van Werveke Straßb. 1906. 

H. Gerdolle: Die Wälder Deutsch -Lothringens. D. Geogr. Bl. 18. 1895. 19. 
Karte. 

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Braun. 23 



354 Anmerkungen und Literaturangaben 

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23* 



ggg Anmerkungen und Literaturangaben 

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OKQ Anmerkungen und LiteraturangaLen 



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4. Oberdeutschland 

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Band IV Der Donaukreis. Stuttgart, W. Kohlhammer. 

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Geognostische Beschreibung d. Königreichs B. mit Geogn. Karte 1 : 100000. 

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1862. 3. Oberfranken. Mittelfranken 1865. 4. Unterfranken 1866. 
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S. Riezler: Geschichte Bayerns. 1 — 7 Gotha 1878 ff. 
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1908. 



360 Anmerkungen und Literaturangaben 

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München. München. 

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K. Singer: Temperaturmittel f. Süddeutschland. Diss. München 1889. 

E. Alt: Frostgrenzen und Frosthäufigkeit in Süddeutschland. Mitt. Geogr. Ges. 

München VII. 3. 1912. 422 (m. Karten). 
A. Knörzer: Die Temperaturverhältnisse d. schwäbisch-bayerischen Hochebene 

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S. Riezler: Die bayerischen und schwäbischen Ortsnamen auf -ing und -ingen 

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München. I. 4. 190(5. 501. 

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E. Scheu: Z. Morphologie d. Schwäbisch-Fränkischen Stufenlandscbaft. Forsch. 

z. d. L. u. Volkskde XVIII. 4. 1909. 
K. W. Werner: Hohenstaufen u. Spielburg. Eine geologische Studie. Diss. 

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E. Fraas: Der geologische Aufbau des Steinheimer Beckens. Jahresh. d. Ver. 

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alienkabinett Stuttgart 76. — Jahresh. Ver. f. vaterl. Naturkde in Würt- 

temb. 1911. 
W. Branco: Schwabens 125 Vulkan-Embryonen. Jahresh. Ver. f. vaterl. 

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Tb. Engel: Geognostischer Wegweiser d. AVürttemberg. 3. Aufl. Stuttgart 1908. 
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Jahresber. u. Mitt. Oberhein. geol. Ver. N. F. IL 1912. 127. 



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0. Feucht: Die Schwäbische Alb. Vegetationsbild. her. von Karsten u. Schenck. 
VIII. 3. 1910. 

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R. Gradmann: D. ländlichen Siedlungsformen Württembergs. Pet. Mitt. 56. 
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K. Fricker: Die Pässe und Straßen d. schwäbischen Alb. Tübingen 1902. Alb- 
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Hegau 

F. Schalch: D. Gebiet nördlich vom Rhein (Kanton Schaff hausen usw.) Beitr. 
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— : Ber. üb. d. Exkursion n. d. Hegau. S. A. Ber. über d. 31. Vers. d. Ober- 
rhein, geol. Ver. zu Tuttlingen 1898. 

Karte von Jul. Weber 1 : 50000 in Mitt. Naturwiss. Ges. in Winterthur. IL 1899. 

Die ßies-Sonke 

Chr. Gruber: Das Ries. Forsch, z. d. L. u. Volkskde XII. 3. 1899. 

Eb. Fraas: D. geologischen Verhältnisse im Ries. Ber. 36. Vers. Oberrhein. 

geol. Ver. z. Nördlingen. 1903. 8. 
W. Kranz: Das Nördlinger Riesproblem. II. Jahresber. u. Mitt. Oberrhein, geol. 

Ver. N. F. IL 1912. 54. 
A. Bechtle: Das Klima des Rieses u. s. Umgebung. Nördlingen, Beck. 1907. 

Fräakischer Jura 

C. W. von Gümbel: Geogn. Beschreibung d. Fränkischen Alb usw. Cassel 1891. 

(m. Karte 1 : 500000). 
W. Koehne: Geol. Geschichte d. Frank. Alb. Festschr. 16 D. Geogr. Tag. Nürn- 
berg 1907. 79 (m. Karte 1 : 500000). — Literaturzusammenst. Nürnberg, 

Koch. 1906. 
R. Hermann: Verwitterungsformen d. Dolomites im fränk. Jura. A. d. Natur 

1907. 211. 
— : D. östl. Randverwerfung d. fränk. Jura. Z. D. geol. Ges. 1908. 1. 
Ad. Neischl: Wanderungen im nördl. Frankenjura. 2. Aufl. Bamberg 1908. 

— Abb. Naturhist. Ges. Nürnb.''17. 1907. 119. 
E. Seefeldner: Morphogenetische Studien a. d. Gebiete d. Fräuk. Jura. Forsch. 

z. d. L. u. Volkskde XXL 3. 1914. 
Jos. Schwertschlager: Altmühltal und Altmühlgeb. Sammelbl. d. bist. Ver. 

Eichstätt 19. 1905. 
W. Götz: Über Solnhofen d. d. Wellheimer Tal. 16. D. Geogr. Tag. Nürnberg 

1907. Exkurs. Erläut. 
Chr. Gruber: Der Hesseiberg am Frankenjura. Forsch, z. d. L. u. Volksde IX. 

6. 1896. 
R. Krebs — 0. Lehmann: Z. Talgeschichte d. Rezat-Altmühl. Zeitschr. Ges. 

f. Erdk. Berlin 1914. 285. 



Qg2 Anmerkungen und Literaturangaben 

F. X. Wimmer: Über d. Zusammenhang d. Besiedlungsverb. Oberfrankens m. 

d. Bodenbeschaffenh. d. Kreises. XVIII. Ber. d. naturforsch. Ges. Bam- 
berg 1901. (Karte). 

Oberpfalz 

E. Kohler: D. Amberger Erzlagerstätten. Geogn. Jahresh. 15. 1902. 11. 

A. Rotbpletz: Über d. Amberger Erzforniation. Z. f. prakt. Geologie 1913. 257. 

W. Meckenstock: Morphologische Studien im Geb. d. Donaudurchbruches von 

Neustadt b. Regensburg. Mitt. Ver. d. Stud. d. Geogr. a. d. Univ. Berlin 

1. 1915. 3. 
Archiv f. Geschichte u. Altertumskde von Oberfranken. Bayreuth. 
Bericht d. nordoberfränk. Vereins f. Natur-, Geschichts- u. Laudeskde. Hof. 
Verhandl. d. historischen Vereins v. Oberpfalz u. Regensburg. Regensb. 

Niederbajrisches Hüg-ellaud 

Vf. Meckenstock: Morphologische Studien im Gebiete d. Donaudurchbruches 

von Neustadt b. Regensburg. Mitt. Ver. d. Stud. d. Geogr. a. d. Univ. 

Berlin 1. 1915. 3. 
H. Graf von Walderdorff: Regensburg in s. Vergangenheit u. Gegenwart. 

Reg. 4. Aufl. 1896. 
A. Püschel: D. Anwachsen d. d. Städte usw. Berlin 1910. 150 Regensburg 

m. Tafel. 
Verhandl. d. historischeu Vereins f. Niederbayern. Landshut. 

Die Alpeu 

Übersicht: 
C. W. von Gümbel: Geologie von Bayern. Gassei 1894. 42 — 399. 

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0. Ampferer — W. Hammer: Geol. Querschnitt d. d. Ostalpeu von Allgäu 

z. Gardasee. Jahrb. k. k. geol. R. A. 61. 1911. 
Fr. Heritsch: Die üsterr. u. deutschen Alpen usw. Handb. d. Reg. Geol. her. 

von Steinmann uiid Wilckens IL 5. 1915. 
C. Diener: Bau und Bild d. österreichischen Alpen. Wien 1903. 
N. Krebs: Länderkunde d. österreichischen Alpen. Stuttgart 1913, 
Fr. Heritsch: Verz. d. geol. Literatur d. österr. Alpen. Leoben 1914. 
Zeitschrift d. deutschen u. österr. Alpeuvereins. M. wiss. Erg.-H. München. 
0. Maull: Die bayrische Alpengrenze. Diss. Marburg 1909. 
0. Maull: D. Grenzgürtel d. nördl. Kalkalpen. Pet. Mitt. 1910. IL 294. 

Allg'ün 

M. Förderreuther: Die A. Alpen. München-Kempten 1907. 

A. Torncjuist: D. A. Vorarlberger Flyschzone usw. N. .Jahrb. f. Min. usw. 

1908. I. 63. 
E. Wepfer: D. nördl. Flyschzone im Bregenzer Wald. N. Jahrb. f. Min. usw. 

Beil. Bd. 27. 1908. — Diss. Königsberg 1908. 
H. Mylius: D. geol. Verhältnisse d. hinteren Bregenzer Waldes. Landeskundl. 

Forsch, her. v. d. Geogr. Ges. München. 5. 1909. 



Alpen 363 

C. A. Haniel: Geol. Führer d. d. A. Alpen südl. von Oberstdorf. München 

1914. Karte 1 : 25000. 
Joh. Rein dl: Dörfer, Weiler und Einzelhöfe im A. D. Rundschau f. Geogr. 33. 

1910/11. 206. 
Allgäuer Geschichtsfreund. Kempten. 

Das Faltenlaud 

A. Rothpletz: Geolögisch-paläontol. Monographie d. Vilser Alpen. Paläonto- 

, graphica. 33. 1886 (Karte). 
E. Böse: Geol. Monographie d. Hohenschwangauer A. Geogn. Jahresh. 6 1893. 

1 (Karte). 

U. Sohle: Das Ammer-Gebirge. Geogn. Jahresh. 11. 1898. 39 (Karte). 

— : Geol. Aufn. d. Labergebirges b. Oberammergau. Geogn. Jahresh. 9. 1896 

(Karte). 
Joh. Knauer: Geol. Monographie d. Herzogstand-Heimgarten-Gebietes. Geogn. 

Jahresh. 18. 1905, 73 (Karte). 

D. Aigner: D. Benediktenwandgebirge. Mitt. Geogr. Ges. München VII. 3. 

1912 (Karte). 
K. Boden: Geol. Aufn. d. Tegernsee'er Berge im Westen d. Weißach. Geogn. 
Jahresh. 27. 1914 (Karte). 

E. Dacque: Geol. Aufn. d. Geb. um d. Schliersee u. Spitzingsee in d. oberb. 

Alpen. Landeskundl. Forsch, her. v. d. Geogr. Ges. München. 15. 1912 
(Karte). 

E. Fraas: D. Wendelstein-Gebiet. Geogn. Jahresh. 3. 1890. 64. (Karte). 

F. Broili: Kampenwand u. Hochplatte usw. N. Jahrb. f. Min. usw. Beil. Bd. 37. 

1913. 391. 
H. Arlt: D. geol. Verh. d. östl. Ruhpoldinger Berge m. Rauschberg und Sonn- 

tagshorn. Landeskundl. Forsch, her. v. d. Geogr. Ges. München 12. 1911 

(Karte). 
R. von Klebelsberg: Glazialgeologische Notizen vom bayer. Alpenrande. Z. 

f. Gletscherkde. 1914. 

Kalkhochalpen: 

0. M. Reis: Erläuterungen z. Geol. Karte d. Wettersteingebirges I. Geogn. 
Jahresh. 23. 1910. 61. Karte aufgeu. von 0. M. Reis und Fr. W. Pfaff 

2 Bl. 1:25 000. 

0. Ampferer: Geol. Beschreibung d. Seefelder, Mieminger u. südl. Wetterstein- 
gebirges. Jahrb. k. k. geol. R. A. 55. 1905. 457. 

0. Schlagintweit: D. Mieminger-Wetterstein-Überschiebung. Geol. Rund- 
schau .3. 1912. 73. 

C. Schmidt: Das Vorkommen von Gelbbleierz im Hüllental b. Garmisch. Zeitschr. 
f. prakt. Geol. 1915. 

A. Rothpletz: D. Karwendelgebirge. Z. D. Ö. A. V. 1888 (Karte). 

0. Ampferer: Geol. Beschr. d. nördl. Teils d. Karwendelgebirges. Jahrb. k. 
k. geol. R. Ä.. 53. 1903. 169. 

C. März: Der Seenkessel d. Soiern, ein Karwendelkar. Diss. Leipzig 1903. 

A. Huber: Das Klima d. Zugspitze. Diss. Techn. Hochschule München 1914. 



oßA Anmerkungen und Literaturangaben 

G. Hegi: Beitr. z. Pflanzengeographie d. bayerischen Alpenflora. Habil. Schrift 
Planchen 1905. — Ber. Bot. Ges. München X. 1905. 

Berchtesgaden: 

A.Penck — Ed. Richter: Das Land Berchtesgaden. Z.D.Ö.A.V. 16. 1885. 217. 
E. Hau»-: Les nappes de charriage des Alpes calcaires septentrionales. Bull. 

soc. geol. France. 1906. VI. 
G. Gillitzer: Geol. Aufbau d. Reiteralp -Gebirges am Berchtesgadener Land. 

Geügn. Jahresh. 25. 1912, 161. 
Th. Knecht: Siedliingsgeogr. von Berchtesgaden. Diss. München 19i:5. 

Die Zuug-enbeckeu 
Bodensee-Land: 

HddenseeKarte 1:50000, her. v. d. Vollzugskomm. f. Erstell, einer Bodenseek. 

im A. d. 5 Staaten usw. Erstellt d. d. Eidgen. Topogr. Bureau in Bern 1895. 
A. Penck: Der Bodensee. Schrift, d. Ver. z. Verbr. naturwiss. K. in Wien 

42. 6. 1902. 
Schriften d. Ver. f. d. Geschichte d. Bodensees. XXII. 1893. XXIII. 1894 

(Untersuchungsergebnisse). Lindau. 
Berichte üb. d. Vers. d. Oberrhein, geol. Vereins. 38. Vers, zu Konstanz. 1906. 
W. Schraidle: Postglaziale Ablagerungen im nordwestl. Bodenseegebiet. N. 

Jahrb. f. Min. usw. 1910. II. — Forts, in Gentralbl. f. Min. 1911. 4—8. 

— : Über Riedel- und Talbildungen am nordwestl. Bodensee. Mitt. bad. geol. 

L. A. VI. 1908. 
.T. Früh: Z. Morphologie d. unteren Thurgaus. Mitt. Thurg. naturforsch. Ges. 

XVII. 1906. 45. 
H. Wegelin: Veränderung d. Erdoberfläche innerh. d. Kantons Thurgau i. d. 

letzten 200 Jahren. Mitt. Thurg. Naturforsch.-Ges. 21. 1915. 
AV. Schraidle: Z. Geologie d. Untersees. Jahresber. u. Mitt. Oberrhein, geol. 

Ver. N. F. II. 1912. 29. 

— : Die diluviale Geologie der Bodenseegegend. D. Rheinide 8. Berlin 1914. 

E. Kelhofer: Gliederung d. Deckgebirges d. Umgeb. von Schaff hausen. Zürich, 

A. Raustein 1913 (Literatur; Schichttabellen f. Exkursionen). 
Bodensee- Handbuch für Segler usw. Berlin, Wedekind 1912 (m. Tiefenkarte 
1 : 50 000). 

F. Walter: Eine Studie über Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse im 

Bodenseebecken. Diss. Freiburg 1892. 

E. von Tr ölt seh: Die Pfahlbauten d. Bodenseegebietes. Stuttgart, Enke 1902. 

A. Schlatterer: Die Ansiedelungen am Bodensee. Diss. Freiburg 1890. — 
Forsch, z. d. L. u. Volkskde V. 7. 1891. 

Job. Meyer: Geschichte d. d. Besiedlung d. Hegaus und Klettgaus usw. Frauen- 
feld 1904. — Schrift. Ver. f. d. Gesch. d. Bodensees. 30. 1901. 33. 

K. 0. Müller: Die oberschwäbischen Reichsstädte. Darst. a. d. Württ. 
Geschichte VIII. Stuttgart 1912 (m. Atlas). 

Konstanzer Häuserbuch. Festschr., her. von der Stadtgemeinde Heidelberg. I. 
1906. IL 1. 1908. 

Geschichte d. Stadt Lindau, her. von K. Wolfart. 2 Bde. L. 1909 (Literatur- 
verz, von W. Sensburg in Schrift. Ver. f. d. Gesch. d. Bodensees. 36. 104). 



Zungenbecken. Terrassenland 365 

Östliche Becken: 

J. M. Hübler: Bayerisch Schwaben u. Neuburg. Stuttgart 1901. 

K. Winter: Der Lech. Bericht Nat. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 32. 1896. 491. 

M. Ford erreut her: Die Stadt Kempten u. ihre Umg. K. 1901. 

Deutsche Gaue. Kaufbeuren. 

W. Ule: Der Würmsee. Wiss. Ver. d. Ver. f. Erdk. zu Leipzig. V. 1901 m. Atlas. 

— : Studien am Ammersee in Oberbayern. Landeskundl. Forsch, her. v. d. 

Geogr. Ges. München 1. 1906. 
R. Bärtling: Die Molasse u. d. Glazialgeb. d. Hohenpeißenberges. Geogu. 
. ' Jahresh. 16. 1903 (1905). 33. 

F. Levy: Das Tegernseevorland. Diss. München 1913. — Mitt. Geogr. Ges. 

München VIII. 1913. 

G. Breu: Der Tegernsee. Landeskundl. Forsch., her. v. d. Geogr. Ges. iu 

München 2. 1907. 
— : Der Kochelsee. München 1906. 

F. Bay berger: Derinngletscher von Kufstein bis Haag. Pet. Mitt Erg. H. 70. 1882. 
Emm. Bayberger: Der Chiemsee. Mitt. Ver. f. Erdk. Leipzig. 1883. 3. 1889. 3. 
E. Brückner: D. Vergletscherung d. Salzachgebietes. Geogr. Abb. I. 1. 1886. 
Eh. Fugger: D. Salzburger Vorland. Jahrb. k. k. geol. R. A. 49. 1899. 287. 
E. Hettwer: Historischer Plan von Salzburg 1:8000 m Erl. Salzb. 1913. 

Das Torrasseiiland 
Oberschwaben 

J. M. Hübler: Bayerisch Schwaben u. Neuburg. Stuttgart 1901. 
H. Dorn: Die Vereinödung in Oberschwaben. Kempten 1904. 

G. Bleisteiner: Bevölkerungsdichte in Nord- und Mittelschwaben. Diss. Er- 

langen 1908. 
W. Reinhardt: Volksd. und Siedelungsverh. d. württemb. Oberschwaben. 

Forsch, z. d. L. u. Volkskde XVII. 4. 1908. 
K. 0. Müller: Die oberschwäbischen Reichsstädte. Darst. a. d. württ. Gesch. 

VIII. Stuttgart 1912 (m. Atlas). 
R. Hoffmann: Die Tore u. Befestigungen d. Stadt Augsburg von dem 10. bis 

zum 15. Jahrh. Zeitschr. d. bist. Ver. f. Schwaben und Neuburg 13. 1886. 
P. Dirr: Aus Augsburg's Vergangenheit. A. 1906. 
Chr. Meyer: Geschichte d. Stadt A. Tüb. Stud. f. schwäb. und deutsche Rechts- 

gesch. I. 4. Tübingen 1907. 
Zeitschrift d. Historischen Vereins f. Schwaben u. Neuburg. Augsb. 
A. Kölle: Z. Entstehung d. Stadt Ulm. Württ. Vierteljabrsh. 1906. 515. 
E. Nübling: D. Reichsstadt Ulm am Ausg. d. Mittelalters (1378— 155(i). 2 Bde. 

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Jos. L. Fischer: Ulm. Berühmte Kunstst. 50. Leipzig 1912. 
W. Kranz: Geol. Gesch. d. weiteren Umgebung von Ulm. Jahresh. d. Ver. f. 

vaterl. Naturkde in Württ. 1905. 176. 
J. Mi edel: Führer d. Memmingen u. Umgebung. M. 1900. 

Donautal 

A. Penck: Die Donau. Vortr. Ver. z. Verbr. naturwiss. Kenntn. in Wien 31. 
1. Wien 1891. 



3ßg Anmerkungen und Literaturangaben 

H. Reck: Die morphologische Entwickl. d. südd. Schichtstufenlandschaft usw. 
Zeitsch. deutsch. Geol. Ges. 64. 1912. 

W. M eckenstock: Morphologische Studien im Gebiet d. Donaudurchbruches 
von Neustadt bis Regensburg. Mitt. Ver. d. Stud. d. Geogr. a. d. Uni- 
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Mitteil. d. Historischen Vereins f. Donauwörth u, Umg. Donauwörth. 

A. Haushüfer: D. Entwässerung d. Donaumooses b. Neuburg. Augsburg 1907. 

München 

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Geogr. Ges. München z. Feier 25 -jähr. Bestehens. München 1894 (vgl. 

auch Geogn. Jahresh. XII. 1899). 
J. Höfle: Die Moore d. bayr. Hochebene als Folgeerscheinung d. Eiszeit. Diss. 

Techn. Hochsch. München 1909. 
München u. s. Bauten. Her. vom Bayer. Architekt.- u. Ing.-Verein München 1912. 
Zeitschrift d. Münchener Altertumsvereins. München. 



Verzeichnis der Blätter der Topographischen Übersichts- 
karte des Deutschen Reiches 1:200000 

mit Angabe der Textstellen, an denen das auf ihnen dargestellte 
Gebiet behandelt wird. 



Blatt- 
numtner 



Name 



Textseite 



Tafel 



1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

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17 

18 

19 

20 

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24 

25 

26 

27 

28 

29 

30 

31 

32 

33 

34 

35 

36 



Memel .... 
Paaschken . . . 
Lügumkloster 
Hadersleben . . 
Rossitten 
Tilsit .... 
"Wischwill . . . 
Westerland . . 
Tondern . . . 
Schleswig . . . 
Westermarkelsdorf 
Wieck a. ß. . . 
Sagard .... 
Stolpmünde 
Lauenburg . . 

Heia 

Pillau .... 
Königsberg . . 
Gumbinnen 
Pillkallen . . . 
Helgoland . . . 
Husum .... 

Kiel 

Eutin .... 
Rostock . . . 
Stralsund . . . 
Greifswald . . . 
Treptow a. R. 
Kolberg . . . 
Stolp .... 
Bütow .... 
Danzig .... 
Elbing .... 
Pr. Eylau . . . 
Goldap .... 
Mehlkehmen . . 



69 

69 
87, 91 

84 

69 

69 

69 

91 
87, 91 

84 

63, 77 
63, 77 

81 

81 

63 
69, 74 

69 

69 

69 

87, 91 
84 



XII, 1 
XII, 1 

XIII 



XXIV, 1 



63, 77, 


79 


XII, 1 


63, 77, 


79 


XII, 1 


77 




— 


81 




— 


81 




— 


81 




— 


74 




XXIV, ' 


65, 77 




— 


68 







68 




— 



368 Verzeichnis der Blätter der Topographischen Übersichtskarte usw. 



ßlatt- 
nummer 



Name 



Textseite 



37 

38 
39 
40 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 
48 
49 
50 
51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 
59 
60 
61 
62 
63 
64 
65 
66 
67 
68 
69 
70 
71 
72 
73 
74 
75 
76 
77 
78 
79 
80 



Norden .... 
"Wilhelmshaven . 
Bremerhaven . 
Hamburg . . . 
Lübeck .... 
Schwerin i. M. 
Neubrandenburg 
Swinemünde . 
Wollin .... 
Labes .... 
Neustettin . . . 
Konitz .... 
Marienwerder 
Osterode 

Alienstein . . . 
Nikolaiken 
Lyck . . . . 
Emden . . . . 
Oldenburg . 
Bremen .... 
Harburg . . . 
Lüneburg , . . 
Ludwigslust 
Neustrelitz 
Prenzlau 

Stettin . . . . 
Arnswalde . 
Flatow . . . . 
Bromberg . . . 
Thorn . . . . 
Soldau . . . . 
Neidenburg . . 
Friedrichshof . 

Laar 

Cloppenburg . 
Nienburg 

Celle 

Salzwedel . . . 
Stendal . . . . 
Cliarlottenburg . 
Berlin Nord . . 
Cüstrin . . . . 
Schwerin a. d. W. 
Czarnikau . . . 



102 
102 
102 
107 
107, 109 
109 
HO 
110 



118 



Tafel 



91, 102 


— 


91, 102 


— 


91, 102 


— 


94 


XXVII 


86 


XXVI, 1 


88 


— 


79, 88 


— 


7, 78, 79 


— 


77, 78 


— 


81 


— 


81 


— 


81 


— 


67 


— 


67 


— 


68 




68 




91, 102 


— 


91, 102 


— 


94, 102 


XIV, 2. XXVIII 


94, 107 


XXI, 3 


107 


— 


88 


— 


88 


— 


78 


— 


78, 80 


XXV 


81 


— 


81 


— 


81 


— 



XI, 5 

XI, 3 
XXI, 3 

XI, 4. XXIV, 3 



Verzeichnis der Blätter der Topographischen Übersichtskarte usw. 369 



Blatt- 
nummer 


Name 


Textseite 


Tafel 


81 


Gnesen 


118 




82 


Argenau 


— 


— 


83 


Bentheim 


— 


— 


84 


Osnabrück 


144, 146 


— 


85 


Minden 


144, 146, 158 


— 


8ß 


Hannover 


105, 150, 152 


— 


87 


Braunschweig .... 


150, 152 


— 


88 


Magdeburg 


116, 152, 156 


— 


89 


Potsdam 


110, 116 


— 


90 


Berlin Süd 


110 


XXIV, 3 


91 


Frankfurt a. 


110. 118 


— 


92 


Züllichau 


118 


— 


93 


Posen 


118 


XXIV, 2 


94 


Wreschen 


118 


— 


95 


Cleve 


141 


— 


96 


Wesel 


141, 144 


XXVI, 2 


97 


Münster i. W 


144 


— 


98 


Detmold 


146, 158 


— 


99 


Göttingen 


149, 150, 158 


— 


100 


Halberstadt 


150, 152, 160 


XVII 


101 


Dessau 


116, 152, 157 


— 


102 


Wittenberg 


110, 116 


— 


103 


Lübben 


110, 111, 116 


— 


104 


Guben 


111 


— 


105 


Glogau 


116, 118, 120 


— 


106 


Lissa 


116, 118, 120 


— 


107 


Krotoschin 


118 


— 


108 


Erkelenz 


141 


— 


109 


Düsseldorf 


138, 141 


— 


110 


Arnsberg 


129, 138 


— 


111 


Arolsen 


129, 173 


— 


112 


Cassel 


162, 170, 173, 174 


XI, 6 


113 


Sondershausen .... 


162, 163 


— 


114 


Halle ; 


157, 163, 198 


— 


115 


Leipzig 


198 


— 


116 


Dresden 


116, 196, 198 


XXXI, 2 


117 


Görlitz i 


116, 196, 201 


— 


118 


Liegnitz 


116, 210 


— 


119 


Breslau 


120, 210 


XXX 


120 


Öls 


120 


— 


121 


Landsberg i. O.-Schl. . . 


— 


— 


122 


Aachen 


129, 137 


XXIX, 1 


123 


Cöln 


129, 139, 141 


XXIX, 3 


124 


Siegen ; 


128, 129, 139 


-^ 



Braun. 



24 



370 Verzeichnis der Blätter der Topographischen Übersichtskarte usw. 



Blatt- 
nummer 



Name 



Textseite 



Tafel 



125 
126 
127 
128 
129 
130 
131 
132 
133 
134 
135 
130 
137 
138 
139 
140 
141 
142 

143 
144 
145 
146 
147 
148 
149 
150 
151 
152 
153 
154 

155 
156 
157 
158 
159 
160 
161 

162 
163 
164 
165 



Marburg . . . 
Fulda .... 
Gotha .... 

Jena 

Chemnitz . . . 
Königstein 
Zittau .... 
Hirschberg . . 
Schweidnitz . . 
Brieg .... 
Lublinitz 
Malmedy . . . 
Cochem .... 
Coblenz . . . 
Frankfurt a. M. . 
Schweinfurt . . 
Coburg .... 
Plauen .... 

Johanngeorgenstadt 
Lewin .... 
Glatz .... 
Ratibor .... 
Beuthen . . 
Mettendorf . . 
Trier .... 
Mainz .... 
Darmstadt . 
Würzburg . . 
Bamberg . . . 
Bayreuth . . . 

Tirschenreuth 
Hultschin . . . 

Pleß 

Metz .... 
Saarbrücken . . 
Landau .... 
Karlsruhe . . . 

Rotlienburg . . 
Nürnberg . . . 
Regensburg . . 
Cham .... 



129, 173, 174, 176 
170, 174, 176 
162, 167, 170 

162, 191 

186, 191, 192 

186, 193, 195, 196 

195,- 196, 202 

202 

204, 210 

210 

128 

128, 139 

127, 128, 139 

127, 176, 234, 252 

174, 176, 234 

167, 262 

167, 180, 181, 183, 

186, 191 

183, 186 

204 

204 

206, 210 

210 

128 

127, 128 

125, 127 

233, 234, 236, 242 

234, 258 

261, 270 

181, 183, 184, 

270, 271 

184 

206 

219 

125, 218, 219 

125, 218, 236 

232, 233, 236, 

251, 256 

258, 269 

261, 269, 270 

185, 270, 271 

185 



XVIII 
X, 2. XXII, 1 

XL 2 



XXI, 1 
XXXIII, 2 



XVIII 



XXXI, 3 



Verzeichnis der Blätter der Topographischen Übersichtskarte usw. 37 X 



Blatt- 
nummer 



Name 



Textseite 



Tafel 



166 
167 
168 
169 
170 
171 
172 
173 
174 
175 
176 
177 
178 
179 
180 
181 
182 
183 
184 
185 
186 
187 

188 

189 
190 
191 
192 
193 
194 
195 
196 



Hirschbach 
Solgne . . 
Pfalzburg . 
Straßburg . 
Stuttgart . 
Göppingen 
Nördlingen 
Ingolstadt . 
Straubing . 
Passau . . 
Markirch 
Offeuburg . 
Sigmaringen 
Ulm . . . 
Augsburg . 
München 
Burghausen 
Neuhaus 
Gebweiler . 
Freiburg i. B. 
Konstanz 
Lindau . . 



Kaufbeuren 



Tegernsee . . 
Reichenhall 

Pfirt 

Oltingen . . 
Oberstdorf 
Mittenwald 
Karwendel 
Steinernes Meer 



219, 223 

218, 219, 223, 224 

218, 224, 227, 236 

227, 232, 257, 259 

259, 264, 269, 303 

264, 269, 270, 303 

270, 272, 303 

272 

272 

224, 236 

224, 227, 236, 257 

227, 257, 264, 300 

300, 303 

295, 300, 304 

272, 295, 297, 304 

272, 297, 298 

224, 236, 245 

227, 236, 245, 257 

227, 288 

278, 286, 288, 

293, 300 

278, 280, 293, 

295, 300 

280, 295, 297, 304 

284, 297, 298 



278, 288 
278, 280 

280 

284 



XXXII 
XXXI, 1 
XXII, 2 



XIX 



XXIII, 3 
XXIII, 2 



XIX 
XX. XXXIII, 1 



24* 



Verzeichnis 
der Orts-, Fiuß-, Berg- und Landschaftsnamen 

Zur Beachtung: die Ä;Mr«?vgedruckten Ziffern bezeichnen Seitenzahlen des 
Literaturverzeichnisses. II v heißt Tafelband, Erläuterung Seite V. 



Aa 158 
Aachen 30, 137. 

Taf.XXIX, Abb. 1. .340 
Aalen 268 
Achen 297 
Achim 99 
Acker 150 
Adelebsen 159 
Adlergebirge 205 
Äschach 292 
Ahlbeck 78 
Ahlsburg 159 
Ahr 131 
Ahrberg 107 
Aisch 2(51 
Aitrach 301 
Alb (Fluß) 228 
Albis 23 
Albuch 268 
Alfeld 149 
Aliso 145 
Alle 65 

Alienstein 67. 329 
Allgäuer Alpen 278. 362 
Alpen 23, 275. 362 
Alpenvorland 286. 

Taf. XXIII, Abb. 1 
Alpirsbach 229 
Alster 95 
Alte Land 94 
Alten au 151 
Altenbeken 158 
Altenberg 30 
Altenburg 165, 199 
Altenburg (Erzgeb.) 188 



Altenessen 138 
Altenkirchen 129 
Altes Gebirge 272 
Altkirch 247 
Altmark 106, 109. 335 
Altmühl 270. 361 
Altmühl-Jura 270. 361 
Altvater 20(5 
Alz 297 
Alz-Ebene 306 
Amberg 32, 271, 272. 362 
Ammer 295 

Ammer-Gebirge 282. 363 
Ammer-See 295 
Amorbach 234 
Amöneburg 174, 176 
Amrum 91. 333 
Amtsberge 159 
Andernach 45, 131, 140 
Andreasberg 150 
Annaberg 184, 213. 

Taf. XVIII 
Annatal 168 
Apolda 166 
Ardennen 129 
Arnstadt 169 
Artland 102 
Arzberg 182 
Aschaifenburg 235 
Asse 153 

Aßmannshausen 139 
Auerberg 150 
Auetal 107 
Aufacker 282 
Augsburg 34, 302. 

Taf. XXXIII, Abb. 3. 

365. II IX 



Äugst 45 
Aupatal 202 

B 

Baar 257. 358 
Baden-Baden 45, 231. 355 
Balga 73 
Balingen 266 
Bamberg 262. 359 
Bardowieck 107 
Bargen 95 
Barmen 138 
Basel 32, 33, 247. Taf. XX. 

Taf. XXXIII, Abb. 1. 

356 
Battenheim 245 
Baum-Berge 144 
Bautzen 201 
Bebra 171 
Beckum 144 
Beerberge 168 
Beerfelden 234 
Beeskow 111 
Beleben 33, 228 
Beleben, Gr. 225 
Beigard 82 
Benediktenwand 282, 296. 

363 
Benfeld 239 
Benneckenstein 151 
Bensdorf 140 
Bensheim 234 
Berchtesgaden 284,285. .364 
Berenbostel 106 
Berka 161, 170 
Berlin 27, 28, 112. 

Taf. XXIV, Abb. 3. 336 



Verzeichnis der Orts-, Fluß- Berg- und Landschaftsnamen 



373 



Berlinchen 81 
Bermuthsheim 176 
Bernhurg 157 
Bersenbrück 102 
Beuthen 211 
Biberach 301 
Biblis 242 
Biela-Grund 194 
Bielefeld 148 
Bien-Wald 242 
Bingen 45, 124, 242 
Birkenfeld 126 
Birnbaum 118 
Birsig 247 
Bitburg 131 
Bischofsgrün 182 
Blankenburg 152 
— (Frankenwald) 180 
Blauen 228 
Bleicherode 161 
Bleicheröder Berge 160 
Blumberg 266 
Bober 208 
Bochum 138 
Bodenbach 194 
Bodenfelde 158 
Bodensee 23. 564 
Bodenseeland 288. 364 ' 
Bodetal 150 
Bohlen 180 
Böhmen 19, 107, 178. 322, 

337 
Böhmerwald 184. 346 
Böhmischer Kamm 205 
Böhmisches Mittelgebirge 

195. 348 
Böhmisch-Leipa 196 
Börde 154 
Böigen 279 
Bollweiler 245 
Bomst 118 
Bonn 45, 141 
Boppard 45, 139 
Borbeck 138 
Borkum 92 
Borna 199 
Borsch 234 
Bottrop 145 



Brackenheim 256 
Brahmberg 262 
Brakel 158 
Bramont-Sattel 225 
Bramwald 158 
Brandenburg 112 
Brandleitetunnel 169 
Braunauer Land 205 
Braunschweig 30, 155. 343 
Braunsberg 65. 329 
Brdywald 178 
Bregenz 290, 292 
Bregenzer Waldgebirge 

278 
Breitenau 230 
Breitling 88 
Bremen 28, 98. Taf. XIV, 

Abb. 1. Taf. XXVIII. 

334 
Bremerhaven 100 
Breslau 28, 213. Taf. XXX. 

350 
Breuschtal 226. 354 
Brieg 213 
Briey 222 
Brilon 130 
Brocken 6, 30, 150. 

Taf. XVII 
Brohltal 128 
Bruchberg 150 
Brück 117 
Brunn 210 
Brüx 187 
Brunsbüttel 86 
Buchau 300, 301 
Buchen 32 
Buchheide 81 
Buchheim 44 
Bückeberge 147 
Budweis 185 
Burgsittensen 107 
Burgsolms 135 
Burgstädt 192 
Butjadingen 94 

C 

Vgl. auch K 

Calcar 142 
Calw 257 



Camenz 207 
Cannstadt 260 
Carolather Forst 117 
Cassel 174 
Cham 185 
Chäteau Salins 32 
Chemnitz 193 
Chiem-See 297 
Chorin Taf. XI, Abb. 4- 
Clausthal Taf. XVII 
Cleve 142 
Coblenz 139. Taf. XXI, 

Abb. 1 
Coburg 168, 262 
Cöln 45, 142. Taf. XXIX, 

Abb. 3. 341 
Cöthen 157 

Col de Bonhomme 225 
Bussang 225 

— — St. Marie 225 
Ventron 225 

— d'Urbeis 225 
Colmar 32, 225, 239, 245 
Colomann-Berg 298 
Consfeld 144 

Culm 66 

— bei Neustadt 271 
Cybina 119 
Czorneboh 196 

D 

Dammer Berge 102 
Danzig 75. Taf. XXIV, 

Abb. 4. 330 
Darmstadt 252 
Darß 80. 331 
Dassel 159 
Datteln 145 
Dann 131 
Deime 72 
Deister 149 
Demmin 79 
Denkendorf 44 
Dessau 157 
Detmold 147 
Dießenhofen 220, 223 
Dlemel 158 
Diepenhofen 290 



374 



Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 



Dieuze 220 
Diez 129 
Dill 129 
Dilltal 134 
Dinselstädt 166, 171 
Dinkel-Berg, Taf. XX 
Dippoldiswalde 193 
Dirschau 84. 331 
Ditliinarschen 91, 94. 334 
Dörenhagen 144 
Dollertal 225 
Dollnstein 270 
Dolmar 169 
Dolzig 118 
Domhurg 153 
Donau 36, 39, 223, 264, 

272. 300, 365 
Donaueschingen 257. 358 
Donaunioos 304. 324, 366 
Donauried 304 
Donausystem 23 
Donautal 303 
Donauwörth 304 
Donnersherg 126 
— (Böhmen) 195 
Dorm 153 
Dornburg 165 
Dorsten 145 

Dortmund 138, 145. 342 
Drachenfels 136 
Dreisam 228 
Dresden 196. Taf. XXXI, 

Abb. 2. 348 
Driburg 158 
Duderstadt 161 
Dün 160, 162 
Düns-Berg 129 
Dürkheim 219 
Düsseldorf 142. 341 
Duisburg 142 
Duppauer Gebirge 183 
Durlach 250 
Duvenstedt 85 
Dux 178 

E 
Ebbe-Gebirge 130 . 
Ebenheiten 194 
Ederkopf-Plattform 130 



Edmunds-Klamm 194 
Egels-Berg 142 
Egerer-Becken 183 
Egersenke 179 
Eggegebirge 147 
Ehrenfriedersdorf 189 
Ehrwald 281 
Eichberg 266 
Eichenberg 159 
Eichsfeld 160. 344 
Eichstadt 270 
Eiderkanal 86 
Eifel 128, 133. 339 
Eiland 194 
Eisenach 162, 169 
Eisleben 157 
Elbe 36, 39. 319 
Elbebucht 201 
Elbegebiet 178 
Elberfeld 138 
Elbesystem 23 
Elbe-Trave-Kanal 87 
Elbing 65, 77 
Eibingen 266 
Elbinger Höhe 65 
Elbingerode 151 
Elbogen 184 
Eibsandsteingebirge 19, 

193. Taf. X, Abb. 2. 

Taf. XXII, Abb. 1. 348 
Eibtalgebirge 193 
Elm 236 
Else 148 
Elster 163 
Elstergebirge 191 
Elstertal 191 
Elz 228 
Elze 150 

Emden 27, 104. 335 
Emmendinger Vorberge 

231 
Emmerich 142 
Emmerichsthal 235 
Ems 39, 102, 135, 144. 

Taf. XI, Abb. 3. 334 
Emschertal 145 
Endersgrün 187 
Engen 267 



Engers 140 
Epichnellen 170 
Erfurt 30, 31, 163, 166. 345 
Erlangen 263. 359 
Ermland 65 
Erstein 239 
Erzgebirge 19, 21, 186. 

Taf. XVIII. 346 
Erzgebirgisches Becken 

192. 348 
Erzkasten 229 
Eschenbach 271 
Escher Berg 149 
Eschwege 170, 172 
Essen 138 
Eßlingen 261 
Ettaler Mandl 282 
Eulau 195 
Eulengebirge 205 
Euskirchen 131 
Eutingen 257 
Eyach 266 

F 
Fahner Höhe 163 
Falkenauer Becken 187 
Falkenberg 107 
Falkenhagen 158 
Fanö 91 
Feldberg 88 

— (Schwarzw.) 6, 228, 230 

— (Taunus) 6 
Fercher Berge 110 
Fichtelgebirge 19, 181. 346 
Filder 259 

Finne 163 
Fischhausen 72 
Fläming 90, 110, 116. 336 
Flechtinger Höhenzug 19, 

154. 343 
Fleckl 182 

Flinsberger Kamm 202 
Föhr 92 
Föhring 305 
Forchheim 263 
Frammersbach 235 
Fränkischer Jura 20, 234 
Franken, Taf. X, Abb. 1. 

Taf. XI, Abb. 1. 358 



Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 



375 



Frankenberg 130 
Frankenhain 167 
Frankenhausen 166 
Frankenhöhe 20, 261 
Frankenjura 269, 270. 36i 
Frankenstein 207 
Frankenwald 179 
Frankfurt a. M. 32, 33, 253. 
Taf. XXXIII, Abb. 2. 557 
Frankfurt a. 0. 112, 118 
Franzensbad 184 
Fraustadt 118, 119 
Fredelsloh 159 
Freiberg 188 
Freiburg i. B. 43, 230, 289, 

250. 356 
Friedeberg 206 
Friedrichroda 168, 169 
Friedrichshafen 34, 290 
Fridingen 267 
Frische Nehrung 74 
irisches HafiP 73. 550 
Fürth' 263 
Füssen 293 
Fulda 31, 174 

Bergland 174 

— (Stadt) 176. 3^6 
I*urth 186 

G 

Gablonz 204, 209 
Gaistal 280 

Galenbecker Niederung 79 
Garching 306 
Garmisch 283 
Gassen 117 
Gebhardsberg 279 
Geest 94 
Geestemünde 101 
Gegensteiue 153 
Gehren-Spitzen 281 
Geisraar 159 
Geispolsheim 241 
Geißlingen 261, 268 
Gelnhausen 234 
Gelsenkirchen 138 
Gemünd 133 
Genkingen 35 



Georgenthal 168 
Gera 163, 165, 166 
Gerardmer 225 
Gerolstein 128 
Gersprenz 233 
Gerstungen 170 
Gesenke 206 
Gesmesgrün 187 
Giesing 305 
Gießen 46, 129, 177 
Giromagny 225 
Glatz 30, 205, 209 
Gleiwitz 212 
Glien 110 
Glogau 119 
Gnesen 118 
Goburg 170 
Göppingen 261 
Görbersdorf 205 
Görlitz 201, 208 
Göttersdorf 187 
Göttingen 30, 31 
Göttinger Wald 159 
Gogolin 213 
Goldap 69. 329 
Goldberg 203 
Goldene Aue 161 
Goldenstau 208 
Goslar 6, 151, 152. 

Taf. XVII 
Gostyn 118 
Gotha 163, 166 
Gottesackerwände 279 
Gottesgab 189 
Gottsbüren 159 
Grafenort 205 
Grafenstaden 245 
Graupen 189 
Grenzacher Hörn 249 
Grevenbrück 130 
Griesgund-Kopf 279 
Grimma 198 
Großalmerode 171, 172 
Großenfehn 103 
Großfriedrichsdorf 70 
Großjena 105 
Grünberg 118 
Grünberger Hügel 119 



Gründe 194 
Grünten 279 
Grund 151 
Guben 117 
Güstrow 88 
Gumbinnen 68 
Gunzenhausen 44 

H 

Haardt 218, 219 
Haarstrang 144 
Habelschwerdt 209 
Habelschwerdter Gebirge 

205 
Habichtswald 19, 173. 

Taf. XI, Abb. 6 
Hadeln 94 
Härdtfeld 268 
Haffstauseeland 78. 331 
Hagenauer Forst 242 
Hagen-Gebirge 284 
Hahnenkamm 270 
Haidhausen 305 
Hainich 19, 162 
Hainleite 160, 162 
Halbe 164 
Halberstadt 155 
Hall 260 
Halle 199. 348 
Haller Ebene 258 
Halligen 92. 333 
Haltern 145 
Hamborn 138 
Hamburg 95, 96. 

Taf. XXVII. 334: 
Hameln 160. 342 
Hamme 99 
Hammerunterwiesenthal 

189 
Hamwartenberg 153 
Hanau 252, 254. 557 
Hannover 105. 335 
Harburg 107, 108 
Hardegsen 159 
Harthausen 305 
Hartmannsweilerkopf 224 
Harz 19, 150. Taf. XVII. 

343. II vu 



376 



Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 



Harzburg 152. Taf. XVII 
Harzgerode 151 
Hase 102, 148 
Haßberge 20, 262. 359 
Hauchen-Berg 287 
Hauns-Berg 298 
Hausbergburgen 105 
Hausruck 28, 273 
Havel HO 
Hayingen 223 
Hedeniünden 159 
Hees 142 

Hegau 264, 267, 288. 361 
Hegeberg 195 
Heide 95 
Heidberg 153 
Heidelberg 251 
Heigeubrücken 285 
Heilbronn 232, 260 
Heiligendamm 88 
Heilsberg 66. 329 
Heimgarten 282, 296 
Heinrichsgrün 188 
Heinrichsthal 235 
Heinrichswalde 70 
Heister-Berge 103 
Heia 77 
Heldburg 262 
Heldrastein 170 
Helgoland (51 
Heil-Berge 109 
Helmstädt 153 
Herford 147 
Herne 138 
Hersfeld 174, 175 
Herste J58 

Herzogstand 6, 7, 296. 363 
Hesseiberg 270 
Hessisches Bergland 19, 

172. Taf. XII, Abb. 2. 

346 
Hessische Senke 172. 

Taf. XI, Abb. 6. .546' 
Heubei-gplateau 267 
Heuscheuergebirge 205 
Hildesheim 155. 343 
Hils 149 
Hindelang 279 



Hinterpommern 81. 
Taf. XIII 

Hinterpommerscher Land- 
rücken 81. II VII 

Hinterzarten 229 

Himmelschrofen 279 

Hirschberg 171, 209 

Hirschberger Kessel 203 

Hirschfelde 202 

Hochböden 124 

Hochfirst 228 

Hochgestade 241 

Hochkalter 284 

Hochkönigsburg 245 

Hochsträß 264 

Hochwald 127 

Hochwald (b. Xanten) 142 

Hochwanner 281 

Höfats 6 

Höhr 135 

Höllental 281 

Höllental (Schwarzw.) 229 

Horde 138 

Hörnle 282 

Hörsei 164 

Hörseiberge 162 

Höxter 160 

Hof 181 

Hohenbrunn 305 

Hohenkrähen 267 

Hohenloher Ebene 258 

Hohensaathen 81 

Hohenstein -Ernstthal 192 

Hohenstein (Sachs.) 193 

Hohentwil 267 

Hoher GöU 284 

Holtenau 86 

Holter Berg 147 

Holzminden 159. 343 

Hooge 92, 
Taf. XXI, Abb. 2 

Hornisgrinde 231 

Hotzenwald 230 

Hüggel 148 

Hülser Berg 142 

Hümmling 102. 334 

Hünfeld 176 

Hüningen 247 



Hüttener Berge 85 
Hüttenrode 151 
Hundisburg 154 
Hunsrück 127. 339 
Hunte 104 



Ibbenbüren 146 

Iberg 151 

Ibmer Moos 298 

Idar 126 

Idarwald 127 

Idsteiner Senke 127 

Ilfeld 150, 154 

111 246 

Hm 164 

Ilmenau 107 

Ilsenburg Taf. XVII 

Hsdorf 177 

Immenstadt 280, 287, 293 

Ingersheim 237 

Ingolstadt 84, 304 

Inn 297 

Inselsberg 6, 30, 168 

Insterburg 69 

Irchel 23 

Isar 273 

Isartalbahn 296 

Isenburg 238 

Iser 204 

Isergebirge 202 

Isny 34 

Isteiner Klotz 250 

Ith 149 

Itz 169 

J 

Jadebusen 90 
Jagst 258 
Jagstfeid 260 
Jakobsthal 235 
Jauer 203 
Jasmund 77 
Jegig 298 
Jena 182, 166 
Jershöft 82 
Jeschken-Gebirge 204 
Joachimsthal 189 
Johanngeorgenstadt 189 



Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 



377 



Jünkerath 131 
Jüterbog 117 
Jurabecken 70 

K 

Vgl. auch C 
Kahl 235 
Kahla 166 
Kaiser-Gebirge 282 
Kaisersesch 133 
Kaiserslautern 218 
Kaiserstuhl 250. 356 
Kaiser-Wald 19, 178 
Kamburg 165 
Kamnitz 204 
Kander 228 
Kannenbeckerländchen 

135 
Kappel 44 
Karlsbad 184 
Karlsruhe 32, 250. 557 
Karolinensiel 95 
Karwendel 283. 363 
Kassel 30. 346 
Katharinenberg 189 
Kattowitz 212. Taf. XVI. 

.350 
Katzbach 203 
Katzenbuckel 233 
Katzengebirge 119 
Kaufbeuren 293, 294 
Kaufunger -Wald 19, 170. 

Taf. XI, Abb. 6 
Kehdingen 94 
Kehl 245 

Kehlheim 270, 272 
Keitum 92 
Kemnitz-Kamm 202 
Kempten 34, 286, 294. 365 
Kernsdorf er Höhe 67 
Keßlerloch 43 
Kiel 86. 332 
Kinsau 293 
Kirchberg 187 
Kirchseeon 297 
Kissingen 175 
Klaussen 28 
Klausthal 30 
Klösterle 187 



Klodnitzkanal 213 
Knebel -Berg 149 
Knöringen 246 
Knüllgebirge 176 
Koblenz 44, 45. 340 
Kochel-See 296 
Kocher 258 
Kochstedt 154 
Königsaue 154 
Königsberg (Böhmen) 184 
Königsberg Pr. 27, 28, 30, 

72. Taf. XXIV, Abb. 1. 

330. II X 
Königshütte 212 
Königshuld 70 
Königssee 284 
Königstein 193 
Kosen 163 
Kössen 283 
Komotau 188 
Konitz 84 
Konstanz 291. 364 
Kosel 213 

Kraichgau 232. 355 
Krappitz 213 
Krefeld 141 
Kreiensen 160 
Kreuzungen 290 
Krohnberg 163 
Krommenthal 235 
Krotten-Kopf 282 
Krummhübel 30 
Kudowa 205 
Kulm 162 

Kummergebirge 196 
Kunks-Köpfe 128 
Kupferberg 189 
Kurische Nehrung 71. 330 
Kurisches Haff 71. 330 
Kuxhaven 90 
Kyffhäuser 161 
Kynast 203 



Laacher See 128 
Laber-Gebirge 282 
Labiau 72 
Lahnhof 31 



Lahntal 134 
Landau 218, 241 
Landeshut 210, 274 
Landser 238 
Landshuter Kamm 202 
Langenhagen 106 
Langfuhr 76 
Larg 246 
Lattengebirge 284 
Lauenburg 82 
Lauenbrück 107 
Laufenburg 249 
Lausche 202 
Lausigk 199 
Lausitzer Bergland 179 
Lautenthal 151 
Lauterberg 151 
Lautlingen 266 
Lebasee 82. 331 
Lech 293 
Lechfeld 301 
Leer 95 
Lehe 95, 101 
Lehofsberg 153 
Lehrte 106 

Leine -Bergland 149. 342 
Leinefelde 160, 162 
Leinetal 159 
Leipzig 200. 348 
Leitmeritz 195 
Leitzkau 110 
Leobschütz 210, 212 
Leopoldshall 154 
Lerbach 151 
Letzenberg 237 
Letzlinger Heide 109 
Leuchtenburg 165 
Leutkirch 301 
Lichtenau 171. 345 
Lichtenstein-Callnberg 192 
Liebau 205, 210 
Liebenstein 162, 167 
Liepe 81 
Lilienstein 193 
Limburg 135 
Limburger Becken 129 
Lindau 292. 364 
Lindener Berg 105 



378 



Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 



Lindener Mark 177 
Lindenfels 234 
Lindenhals 234 
Linz 141 
Lippe 144 

Lippisches Bergland 157 
Lissa 118, 119 
Lobedaburg 165 
Löbauer Berg 196 
Lörrach 230 
Loisach 295 
Loisach-Bergland 282 
Loisach-Moos 296 
Longemer 225 
Lorch 44 
Lothringisches Stufenland 

219. 353 
Lous-Berg 137 
Luckenwalde 117 
Ludwigsburg 44, 260 
Ludwigshafen 251 
Lübben 111 
Lübeck 86, Taf. XXVI, 

Abb. 1. 332 
Lüneburg 13, 107 
Lüneburger Heide, 90, 106, 

Taf. XXI, Abb. 3. 335 
Lugau 193 
Lure 225 
Lutterbach 245 
Lyck 69 

M 

Mädelegabel 279 
Magdeburg 156. 544 
Mähren 178 
Maifeld 131 
Main-Ebene 252 
Mainz 242. 357 
Manderscheid 128 
Mangfall 297 
Mangfall-Gebirge 282 
Mannheim 251. 357 
Mansfehl 157 
Marggrabowa 69 
Marisfelder Mulde 168 
Markgraf lerland 250 
Markirch 226 



Markolsheim 245 
Marksuhl 170 
Marktredwitz 182 
Marmagen 131 
Marne 95 
Marschenzone 93 
Marsen 133 
Masmünster 225, 226 
Masuren 67. 329 
Mattung 298 
Maulbronn 256 
Mauzen-Berg.232 
Mecklenburg 88. 321,332 
Meersburg 290 
Mehlsack 66 
Meienheim 245 
Meiningen 168 
Meißen 196. 348 
Meißner 171. 345 
Mellendorf 106 
Melsungen 172 
Memel 36 
Memel (Stadt) 70 
Memeldelta 70. 330 
Memmingen 287, 301. 365 
Merseburg 199 
Metz 32, 220. 354 
Meuselwitz 199 
Michelstadt 234 
Mieminger Kette 280 
Miltenberg 44, 236 
Minden 148 
Minge 70 
Misdroj' 78 
Mittelberg 278 
Mitteldeutsche Schwelle 

4, 17 
Mittelfranken 261. 359 
Mittelrheinische Senke 236. 

556" 
Mittelwalde 206, 209 
Mittenwald 283 
Mors 138, 142 
Mohrin 81 
Moldaugebiet 178 
Montabaur 135 
Montabaurer Höhe 129 
Montauer Spitze 74 



Morsum 92 
Moschin 118 
Mosel 220 
Mosel-Berg 127 
Moseltal 132. 339 
Mosen-Berg 128 
Mühlacker 232 
Mühlenberg 159 
Mülhausen 246 
Mühlheim 138 
Müllrose 111 
Mülsen 192 
Mümlingtal 234 
Münchberg 180, 181 
München 34, 305, 
Taf. XXIII, Abb. 2.. ?66. 

II IX 
München-Gladbach 141 
Münden 158 
Münster 27, 144, 146, 

225, 226. Taf. XXVI, 

Abb. 2. 342 
Mürke 177 
Munster 107 
Munzingen 43 
Murnauer Moos 296 
Muskau 116 
Myslowitz 211 



Naab 272 
Nachod 205 
Nagold 257 
Nanzig 220 
Naumburg 167 
Neckar 240, 252 
Neckarburken 45 
Neiße (Fluß) 202, 204 
Nesselberg 149 
Nethe 158 
Nettetal 149 
Neu-Breisach 247 
Neuenkirchen 107, 147 
Neu fähr 75 
Neukirch 70 
Neuhütten 235 
Neustadt 82 
Neustadt (Pfalz) 219, 241 



Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 



379 



Neustadt (Schles.) 210 

Neuwied 140 

Neuwieder Becken 140 

Nida 45 

Niederbayern 304 

Niederbayrisches Hügel- 
land 272. Taf. XXIII, 
Abb. 1. 362 

Nieder-Lausitz 116 

Nieder-Mendig 133 

Nieder-Müspach 246 

Niederung 70 

Nieheim 158 

Nienburg 105 

Nimwegen 142 

Niklasberg 189 

Nördlingen 269. 36 i 

Nogat 65, 74. 319 

Nonnenreuth 298 

Norddeutsches Flachland 6 

Nordhausen 166 

Nordseeküste 64. 333 

Nordstrand 93 

Northeim 160 

Nürnberg 32, 263, 
Taf. XXXI, Abb. 3. 359 

Nymwegen 45 



Oberdeutschland 5, 263. 

359 
Obereibisches Hochland 

177. 346 
Oberes Gäu 257 
Oberes Neckarbergland 

259. 358 
Oberhausen 138 
Oberhof 167 
Oberländischer Kanal 67 
Oberlausitz 196. 348 
Oberleutensdorf 187 
Oberpfalz 271. 362 
Oberpfälzischer Wald 184 
Oberschlesischer Industrie- 
bezirk Taf. XVI 
Oberschwaben 300. 365 
Obersen 288 
Oberstdorf 278, 280 



Oberstein 126 
Oberwesel 139 
Oberwiesenthal 189 
Ochsenfeld 239 
Odenwald 20, 45, 215, 233. 

355 
Oder 36, 39, 212. 319 
Oderburg 84 
Oderbruch 112. 336 
Odertal 85 
Odilienberg 226 
Offenbach 252 
Oesel 153 
Oeynhausen 147 
Ölse 111 
Öfner Spitze 279 
Ohlau 212 
Ohm-Gebirge 160 
Oichten-Bach 298 
Oigerntal 225 
Olbernhau 187 
Oldenburg 104. 334 
Oletzko 68 
Oliva 75 
Olmütz 210 
Oos 131 
Oostal 231 

Oppeln 211, 212, 213 
Orlagau 163, 165, 166 
Orlamünde 165 
Oschersleben 153, 155 
Osnabrück 13, 146, 148. 

342 
Osning 147 
Osterburg 109 
Osterode 67, 151 
Osterode a. H. 160 
Osterwald 149 
Ostfriesische Inseln 91. 333 
Ostfriesland 90. 333 
Ostmasuren 68. 329 
Ostritz 202 
Ostseeküste 63 
Our 131 



Paderborn 144 
Palmniken 72 



Pankratz 204 
Papenburg 103 
Parthe 200 
Partnach-KIamm 281 
Partschenhörner 193 
Pasewalk 78 
Passarge 65 
Passau 34 
Paß Lueg 298 
Pegnitz 271 
Peißenberg 295 
Pellenzsenke 133 
Pellworm 93 
Petersberg 162 
Petersbergen 153 
Pfaben 182 
Pfälzische Moorniederung 

218. 353 
Pfänder 278 
Pfaff'engrün 188 
Pfaffenstein 193 
Pfalz 218. 353, 357 
Pfalzburg 223 
Pfalzburger Mulde 223 
Pforzheim 232. 355 
Pfronten 294 
Pfullendorfer Lug 117 
Piesberg 147 
Pillau 72 
Pilsen- See 295 
Pirmasens 219 
Pirna 194, 197. 348 
Plane 117 
Platten 187 
Plattenberg 181 
Plauen 181, 192 
Planer See 88 
Pleiße 200 
Plinis 70 
Plissenberg 196 
Pöhlberg 187 
Pöhlde 160 
Pölitz 78 
Pößneck 166 
Polle 158 
Pölzen 195 

Porta Eichsfeldica 161 
Porta Westfalica 147 



380 



Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 



Posen 27, 119. 

Taf. XXIV, Abb. 2. 

556-. II X 
Postelwitz 194 
Pratteln 249 
Pregelland 69 
Probsthainer Spitzberg 

208 
Probstzella 181 
Prüm 131 
Puit-Bach 281 
Pyrmont 147 

Q 

Quakenbrück 102 
Quedlinburg 153, 156. 343 
Queiß 203 

K 

Radegund 298 
Ragnit 69 
Rammberg 6, 150 
Rammeisberg 151 
Randecker Maar 268 
Randen 264, 267. 358 
Rastatt 239, 250 
Rastenberg 164 
Ratibor 212 
Rauhe Alb 268 
Rausch-Berg 284 
Rechtenbach 235 
Recklinghausen 138, 145 
Regen 272 
Regensburg 34, 44, 273. 

.362 
Regnitz 262 
Rehburger Berge 105 
Reichenau 49, 291 
Reichenbach (Odenwald) 

234 
Reichenbach (i. V.) 192 
Reichenberg 204, 209 
Reichenhall 285 
Reichenstein 208 
Reinerz 205 
Reinhardswald 158 
Reiter-Alpe 284 
Reit im Winkel 283 



Remagen 45, 141 

Rems 259 

Renchen 241 

Rendsburg 85 

Rentz 81 

Reusberge 162 

Reuß 45 

Reutlingen 261 

Reutten 294 

Rezat 261 

Rhauderfehn 103 

Rhein 36, 39. 319, 340 

Rheinau 251 

Rheine 104 

Rheinfelden 249 

Rheinisches Schieferge- 
birge 18, 21, 123, 
Taf. XXI, Abb. 1. 338 

Rhein-Marne-Kanal 223 

Rhein -Rhone -Kanal 245, 
246 

Rheinsystem 22 

Rheydt 141 

Rhinluch 112 

Rhön 14, 20, 174. 346 

Rhumspringe 161 

Richelsdorfer Gebirge 172 

Rieheberg 153 

Ries 269. 361 

Riesa 198, 201 

Riesengebirge 202. 349 

Riffenkopf 279 

Rindalpenhorn 279 

Rindberghom 279 

Ringgau 170 

Ritscheuhausen 170 

Rodder-Berg 136 

Roding 185 

Rom 91. 333 

Rohrbrunn 235 

Rominter Heide 68 

Ronneburg 163 

Rosenheim 34, 297 

Rostock 88, 89. 333 

Rotenburg 172 

Rothenbuch 235 

Rothenburg o. d. T. 258 

Rothhaar-Gebirge 124, 130 



Rudelsburg 165 
Rudolstadt 165, 166 
Rüdersdorf 61 
Rügen 63, 77, Taf. XII, 

Abb. 1. 331. II VII 
Rüthnick 110 
Ruhnerberge 88 
Ruhnow 81 
Ruhrkohlengebiet 138, 

Taf. XV. 341 
Ruhrort 138, 142, 144 
Rumbach 234 
Rumburg 209 
Rupperthütten 235 

S 

Saale 157, 164. 319 

Saaleck 165 

Saales 225 

Saalfeld 163, 165, 181 

Saarburg 223 

Saar-Nahe- Gebiet 8, 125. 

339 
Sachsa 161 
Sachsenburg 164 
Sachsenhausen 252 
Säckiugen 230 
Salzach 298 
Salzachtal 284 
Salzburg 298. 365 
Salzschlirf 175 
Salzuflen 147 
Salzwedel 109 
Samland 71. 330 
Sangerhausen 167 
Sasbach 250 
Saßnitz 77 
Sauer 131 

Sauerland 129, 130. 339 
Saupark 149 
Savoureuse 225 
Sayn 140 
Schaabe 78 
Schäftlarn 295 
Schandau 195 
Schatzlar 202, 210 
Schauinsland 228 
Scheibe 180 



Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 



381 



Scheibenberg 187 
Scheschuppe'70 
Schiewenhorst 75 
Schiner-Berg 23 
Schlaube 111 
Schlawe 82 

Schlettstadt 225, 239, 247 
Schlierbachs Wald 170 
Schlossau 233 
SchluChsee 229 
Schluchtpaß 225 
Schlüchtern 23G 
Schmale Heide 78 
Schmalkalden 168, 170 
Schmiecha 266 
Schmiedeberg 203 
Schmücke 163 
Schneeberg (Eibsandstein- 
gebirge) 193 

— (Erzgeb.) 189 

— (Sudeten) 206 
Schneegruben 203 
Schneekoppe 6, 7, 30, 202 
Schneeren 105 
Schneidemühl 84 
Schneidgraben 164 
Schneifelforsthaus 36 
Schnewerdingen 107 
Schongau 293 
Schönbuch 259 
Schönfeld 189 
Schrecke 163 
Schreiberhau 208 
Schurwald 259 
Schuttern 241 
Schwaben. Taf. X, Abb. 3 
Schwabenhimmel 175 
Schwäbischer Jura 20, 264. 

Taf. XXII, Abb. 2. 360 
Schwandorf 272 
Schwangau 293 
Schwarza 179 
Schwarzburg 180 
Schwarzhausen 168 
Schwarzwald 19, 215, 227. 

Taf. XX. 354. II VIII 
Schweriner See 88. 333 
Schwerte 138 



Schwetz 66. 329 
Sebastiansberg 189 
Seebach 168 
Seeberg 163 
Seefelderpaß 283 
Seehausen 155 
Seeon 297 
Segeberg 61 
Selb 182 
Seligenstadt 234 
Semmel -Berg 111 
Sendenhorst 144 
Sendling 305 
Senftenberg 116 
Sennheim 245 
Sickinger Höhe 218 
Sieben Berge 149 
Siebengebirge 136. 340 
Siegburg 136 
Siegen 136 

Sieger Land 130, 135. 340 
Siegertsbrunn 305 
Sigmaringen 268 
Silberberg 208 
Simmeisberg 175 
Singen 267 
Sinzig 141 
Sinsheim 232 
Soest 145. Taf. XXIX, 

Abb. 2 
Soldin 81 
SoUing 158. 342 
Solnhofen 270 
Soonwald 127 
Sommerfeld 117 
Sondershausen 166 
Sonnenberg 189 
Sonntagshorn 284 
Sonthofen 280, 287 
Spaar-Grebirge 196 
Spessart 20, 215, 234. 355 
Speyer 45, 243. 557 
Spitzacker 107 
Spree 111 
Spreewald 111 
Spremberg 116 
Sprendlingen 252 
Springe 149 



Sprottau 116 
Stablack 65 
Staffel-See 296 
Stargar d 81 
Starkenbach 204 
Stamberg 295 
Staßfurt 154 
Stauffen 284 
St. Die 224 
St. Märgen 229 
St. Michaelisdonn 95 
St. Peter 229 
Stecknitzkanal 86 
Stedinger Land 94 
Steele 138 

Steigerwald 20, 261. 359 
Steinach 261 
Steinbach 234 
Steinernes Meer 284 
Steinheim 158 
Steinheimer Becken 268. 

360 
Steinhuder Meer 105 
Steins-Berg 232 
Stemmer Berge 105 
Stendal 109 
Sternberg 118 
Stettin 80. Taf. XXV. 

331. II X 
Stockstadt 242 
Stolberg 150 
Stollhofen 240 
Stonsdorfer Berge 203 
Stralsund 79. Taf. XII, 

Abb. 1 
Straßburg 45, 246. 

Taf. XXXII. 356. II xi 
Straßwalchen 298 
Straubing 274 
Strohgäu 258 
Stromberg-Plateau 25() 
Stubbenkammer 6, 77 
Stühlingen 267 
Stuttgart 32, 260. 

Taf. XXXI, Abb. 1. II x 
Sudeten 19, 202, 206. 

Taf. XI, Abb. 2. 549. II VI 
Vorland 210. 350 



382 



Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 



Süder Wölirdeu U5 
Südwestdeutschland 5, 17, 

215. 350 
Süntel 149. 342 
Süsiug-Hochfläche 107 
Suhl 168 

Sundgau 24«. Taf. XX 
Sulzbach 12() 
Swine 78. 331 
Sylt 91, 92. 333 

1 

Tabarz 1(J8, 1(59 
Tafel jura. Taf. XX 
Tambach ]()8 
Tannberg 298 
Tannwald 204 
Tapiau 72 
Tarnowitz 211 
Tarodunum 229 
Taubergrund 258 
Taunus 44, 127. 339 
Tegeler See 81 
Teplitz 187, 190 
Terrassenland 299 
Tetschen 194 
Teufelsmauer 153 
Thann 225 
Thaingen 43 
Tliüringen 19, 162. 321, 

344 
Thüringer Wald 167. 345 
Tiegenhofen 74 
Timelo-Berg 107 
Tissaer Wände 193 
Titisee 229 
Tittmoning 298 
Tönning 86 
Toiistedt 107 
Tomitschan 187 
Torgau 201 
Torgelow 78 
Tosmer Berg 149 
Trarbach 1.32 
Trauch-Berg 282 
Traunstein 284, 297, 306 
Trebnitz 119 
Treffurt 162 



Tremessen 118 
Trendelburg 158 
Treseburg 151 
Trier 45, 131, 132. 339 
Troppau 210 
Tuchler Heide 84. 331 
Tübingen 261 
Tuni-Berg 250 

U 

Überlinger See 288 
Üdemer Feld 142 
Ülzen 109 
UUersgrün 188 
Ulm 264, 302. 365 
Ungersheim 245 
Unstrut 164 
Untersberg 284 
Untersee 288, 289 
Usedom 78 
Uslar 158 



Vaihingen 256 
Vallendar 140 
Veckerhagen 159 
Vegesack 99 
Veldensteiner Forst 271 
Venn 130. 339 
Verden 107 
Vierlande 94 
Ville 141 
Vils 273 

— (Oberschwaben) 293 
Vilsbacb 278 
Villingen 34, 44, 257 
Villmar 129 
Vlotho 148 

Vogelsberg 19, 176. 346 
Vogesen 215, 224. 

Taf. XIX. 354. II vn 
Vogtland 19, 191. 346 
Voitersreuth 181 
Vorpommern 79 

W 

Walcbensee 283 
Waldeck 129 



Waldenburger Bergland 
205, 208, 210. 35U 

Waldkappel 171 

Waldshut 230 

Walldürn 44 

Walschtal 66 

Walsrode 107 

Waltershausen 162 

Waltrop 145 

Wang 30 

Wanne 138 

Warburg 158 

Warfer Donu 95 

Warmbrunn 203 

Warnemünde 88, 90 

Warnow 88 

Warnsdorf 209 

Wartburg 169 

Wartha 205 

Warthe 118. 337 

Wartheland 118. 336 

Wasseralfingen 268 

Watzmann 284 

Wegeleben 153 

Wehra 228 

Weibersbrunn 235 

Weichsel 36, 39, 66 

Weichselniederung 74. 330 

Weichseltal. Taf. XI, 
Abb. 5. 320, 329 

Weimar 166 

Weistritz 205 

Weißenborn 160 

Weißenburg 219 

Weißenfels 199 

Weißenstadt 181 

Wellheim 270 

Wendelstein 34. 363 

Wenger 159 

Wernigerode 30, 152. 
Taf. XVII 

Werra 169, 171 

Werra-Bergland 170. 345 

Werratal 162 

Werse 144 

Wertach 279 

Weschnitzsenke 233 

Wesel 142 



Verzeichnis der Orts-, Fluß-, Berg- und Landschaftsnamen 



383 



Weser 36, 39, 148 
Weserbergland 146. 342 
Wesergebiet 23. 343 
Wesertal. Taf. XII, Abb. 1 
Wesselburen 95 
Westerburg 129 
Westerwald 128, 135. 339 
Westfalen 144. Taf. XIV, 

Abb. 2. 327, 342 
Wetterau 176, 252. .557 
Wettersteingebirge 280. 

363 
Wetzlar 135 
Wied 136. 340 

Wiehengebirge 147. 342 

Wiesbaden 45, 127 

Wiese 228 

Wiesen 235 

Wiesthal 235 

Wilde Gera 162 

Wildemann 151 

Wilder Mann 279 

Wilhelmshöhe 174 

Willisch 193 

Wilseder Berg 107 

Wilster Marsch 94 

Wimpfen 45 

Windleite 163 

Winterberg-Plattform 130 

Winterstaude 279 



Wipper 164 

Wippertal 127 

Wismar 88, 89 

Witteisheim 245 

Witten 138 

Wittenberg 117 

Wittingau 185 

Wittlicher Senke 127 

Witzenhausen 172 

Wörnitz 269 
Wörth 45 
Wörth-See 295 
Wollin 78 
Wormditt 66 
Worms 45, 243. 357 
Wronke 118 
Wümme 99 
Würm-See 295. 365 
Würzberg 233 
Würzburg 32, 258. 358 
Wunsiedel 182 
Wunstorf 106 
Wursten 94 
Wurzach 306 
Wutach 257, 266 
Wysse 289 



X 



Xanten 142 



Zabem 241 

Zaberner Steige 223 

Zabrze 211 

Zackel-Berg 109 

Zarnowitzer See 82 

Zauche HO 

Zeilberg 262 

Zeitz 167, 199, 200 

Zella 169 

Zellerfeld 151. Taf. XVII 

Zelz 116 

Ziegen hain 175 

Zienwald 188 

Zingst 80. 331 

Zinna 117 

Zittau 201, 202, 209 

Zobten 206 

Zone der Gäu's 257. 358 

Zoppot 76 

Zorge 151 

Zorn 240 

Zschirnstein 193 

Zülpich 131 

Zugspitze 6, 7, 35, 288. 

363 
Zweibrücken 126 
Zwickau 187, 193 
Zwingenberg 252 



DD 
4-1 

B73 



Braun.. Gustav 
Deutschland 



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